393. Empörung zur Mohammed-Karikatur als Theorie, iranisches Evin-Gefängnis als Praxis

سهيل عربي

Soheil Arabi

Offener Brief an den Koordinationsrat der Muslime in Deutschland

05.09.2014

Die Islamverbände messen mit zweierlei Maß

Fast jeden Tag können wir Aiman Mazyek, den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland hören, wie er in Talkshows oder Diskussionsrunden mit sanften, werbenden Worten dafür eintritt, den Islamverbänden, die auf eine wortgetreue Auslegung von Koran und Sunna bestehen, immer noch mehr Einfluss auf Politik und Gesellschaft in der BRD einzuräumen.

Diese Spitzenfunktionäre bemühen sich, den Islam als gerecht, frauenfreundlich, kulturell modern und als mit den Menschenrechten vereinbar schönzureden. Wie würden sie auf folgende Schreckensnachricht aus dem Iran reagieren, dass ein dreißigjähriger Mann, Soheil Arabi, verheiratet und Vater eines fünfjährigen Kindes, der 2013 verhaftet wurde und bereits seit fast einem Jahr im Gefängnis sitzt, nun wegen derselben Tat gleichzeitig von zwei verschiedenen Gerichten verurteilt wurde, einmal wegen des Bloggens einiger islamkritischer Texte, das brachte ihm drei Jahre Gefängnis ein, in einem anderen Gericht in Teheran verhängte Richter Khorasani gegen ihn wegen Lästerung des Propheten Mohammed die Todesstrafe. Was würden die Herren Mazyek, Alboğa, Pürlü oder Kızılkaya sagen, wenn sie um eine Stellungnahme zum Fall Arabi gebeten würden?

Seine Frau, die Mutter seines Kindes, hat ihm einen Liebesbrief geschrieben und mitgeteilt: Ich vermisse dich und kann nicht verstehen, wieso sie dich festgenommen haben.

Die Familie ist unter enormen Druck gesetzt worden, keinen Kontakt zu ausländischen Medien aufzunehmen und nur ja nichts gegen die Todesstrafe zu sagen.

Sie, Herr Mazyek, behaupten, durch die vor neun Jahren in einer dänischen Zeitung veröffentlichten Mohammed-Karikaturen chronisch beleidigt worden zu sein, weil der Däne durch seine Zeichnungen: „unseren Propheten in unseren Augen mit Füßen getreten hat und uns alle Muslime eigentlich mit Füßen getreten hat“. Auch dabei nehmen Sie sich heraus, im Namen von Millionen Muslimen zu sprechen. Vor vier Jahren kritisierten Sie dann die Verleihung des Potsdamer Medienpreises an den Karikaturisten Kurt Westergaard. Dieser war von muslimischen Radikalen inzwischen mehrmals mit dem Tod bedroht worden, was der islamverbandlichen Elite keine Silbe wert ist. Das Missverhältnis muss jeden human denkenden Menschen empören: Islamkritiker drohen umgebracht zu werden, weil sich gottesfürchtige Mitmenschen beleidigt fühlen.

Sie würden ohne Einschränkung zur deutschen Pressefreiheit stehen, sagten Sie 2010, relativierten das aber sofort, indem sie verlangten, dass immer und von jedem Rücksicht auf die Gefühle religiöser Menschen genommen wird: „Es bleibt ein Spannungsverhältnis, wie vieles andere auch. Religionsfreiheit ist auch ein Spannungsverhältnis“. Wer nimmt Rücksicht auf die Gefühle von Soheil, seiner Frau und dem gemeinsamen Kind?

Heute ist der Vater eines fünfjährigen Kindes in Gefahr im Iran hingerichtet zu werden, weil er angeblich den Propheten kritisiert hat. Die deutschen Islamverbände schweigen dazu.

Von atheistischen wie religiösen Bürgern können wir Demokraten die Fähigkeit erwarten, sachliche Kritik oder herausfordernde Karikaturen auszuhalten. Oder ist der säkulare, freiheitliche Rechtsstaat mit Mazyeks Definition von Religionsfreiheit doch nicht vereinbar?

Ein Mitglied des Zentralrats der Ex-Muslime (ZdE)

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2 Antworten to “393. Empörung zur Mohammed-Karikatur als Theorie, iranisches Evin-Gefängnis als Praxis”

  1. Edward von Roy Says:

    The names of 31 political prisoners who were transferred to solitary confinement are:

    Cell 1:
    Gholamreza Khosravi, Majid Asadi, Asadollah Hadi, Reza Akbari Monfared, Javad Fouladvand, Mehrdad Ahankhah, Asadollah Asadi, Soheil Arabi, Amir Ghaziani, Mohammad Davari

    Quelle
    Prison guards raiding ward 350 of Evin Prison
    hra-news 19.04.2014

    https://hra-news.org/en/prison-guards-raiding-ward-350-evin-prison
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    Soheil Arabi transferred to Evin 240 solitary after raid against Evin 350.

    Quelle
    NEWS FROM IRAN – WEEK 16 – 2014
    lissnup 20.04.2014

    http://lissnup.wordpress.com/2014/04/20/news-from-iran-week-16-2014/
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    Soheil Arabi transferred back to Evin 350.

    united4iran-bayern (Flüchtlingshilfe Iran)

    http://united4iran-bayern.de/aggregator/sources/8Saeed?page=5
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    Dozens were injured and many were sent to solitary confinement after political prisoners in Evin’s Ward 350 clashed with security guards.

    Four hospitalized after security guards attack political prisoners in Evin

    The prisoner, whose name we cannot release due to security reasons, said: “The guards came in starting around 10 a.m., demanding to search the rooms. We refused to leave our rooms, so they threatened us and said they will punish us. They said they can send us to exile [domestic exile prison near Iran’s borders], but we resisted and did not leave the rooms. Finally, they told us to leave the rooms for recess; however, many guards had lined up on two sides of the corridor, forming a ‘tunnel,’ and were beating the prisoners with police sticks. The way they treated us was worse than the way the Iraqi government treated Iranian war prisoners.”

    According to the source, political prisoner Gholamreza Khosravi is among the severely injured. Many others were moved to solitary, including: Asadollah Hadi, who suffers from heart problems; Reza Akbari-Monfared; Abolghassem (Javad) Fouladvand; Mehrdad Ahankhah; Asadollah Assadi; Soheil Arabi; Amir Dorbin-Ghaziani; and Mohammad Davari. During the clashes, Soroush Sabet’s skull was cracked and Semkou Khelghati was badly beaten and his clothes torn during a fight with intelligence officers.

    “They broke our plates and belongings,” the source said. “The corridor was covered in blood and it was quite horrible.”

    Many of the prisoners not in solitary remain defiant and are considering a collective response, either through a mass hunger strike or the publication of an open letter about prison guard violence. The prisoners are currently in contact with political activists on the outside and said there will be a response soon.

    When asked about the reasons behind such an unprecedented act of mass violence, the source answered: “Perhaps it is a reaction to the increasing international pressures.”

    von: Behdad Bordbar
    auf: ALMONITOR. THE PULSE OF THE MIDDLE EAST 19.04.2014

    http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2014/04/iran-evin-prison-attacks.html

  2. Edward von Roy Says:

    سهيل عربي
    Soheil Arabi

    Im November 2013 wurden Arabi und seine Frau, Nastaran Naimi, nachts von Mitgliedern der iranischen Revolutionsgarden verhaftet und in das Evin-Gefängnis gebracht. Seine Frau durfte nach einigen Stunden das Gefängnis wieder verlassen, er jedoch blieb in monatelanger Isolationshaft im Trakt 2A des Gefängnisses, der direkt den Revolutionsgarden unterstellt ist und der Unterbringung politischer Häftlinge dient. Er wurde nach Angaben seiner Frau gefoltert und gestand in der Folge, den Propheten Mohammed und den Revolutionsführer Chamene’i in sozialen Netzwerken beleidigt zu haben. Daraufhin wurde er in den Trakt 350 verbracht, der sich unter der Kontrolle der iranischen Justiz befindet. Während seiner einjährigen Haft im Evin-Gefängnis bis zu seinem Prozess wurde der Kontakt zu seiner Tochter auf 20 Minuten pro Monat begrenzt. Auch die Kommunikation mit einem Anwalt war kaum möglich.

    Im September 2014 wurde Arabi von einem Revolutionsgericht in Teheran wegen „Beleidigung des Propheten“ (sabb al-nabi) angeklagt und für schuldig erklärt. Hierauf steht nach iranischem Recht die Todesstrafe. Arabi versuchte dieses Urteil im November anzufechten, indem er sich darauf berief, die „Aussage unter Zwang, fahrlässig oder in einem Rauschzustand gemacht zu haben“, woraufhin die Ausführung der Todesstrafe aufgehoben werden kann. Ohne die Möglichkeit einer gerichtlichen Äußerung Arabis erweiterte das Oberste Gericht in seinem Urteil jedoch die Strafe um den diesmal unanfechtbaren Tatbestand der „Verbreitung von Unheil“ (mofsed-e-filarz) [Verderbenstiften auf Erden]. Über den Rechtsweg ist das Todesurteil somit nicht mehr aufzuheben.

    Ende Juni 2015 hob das Oberste Revolutionsgericht die Todesstrafe auf.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Soheil_Arabi

    Ende September 2015, die Todesstrafe wird aufgehoben und ersetzt durch: „13 religiöse [islamische] Schriften lesen und zwei Jahre Theologie [islamische Theologie] studieren“.

    An Iranian man who was on death row for allegedly insulting the prophet Muhammad has had his sentence commuted to reading 13 religious books and studying theology for two years.

    (The Guardian 30.09.2015)

    https://www.theguardian.com/world/2015/sep/30/iran-death-sentence-commuted-theology-study

    En septembre 2015, sa sentence a été commuée en une condamnation à lire 13 livres religieux et étudier la théologie pendant deux ans.

    (Le Temps (Schweiz) 12.04.2016)

    https://www.letemps.ch/societe/2016/04/12/quatre-petitions-ont-change-monde

    .
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    سب النبي
    sabb an-nabī (sabb-e-nabi, Sabbo al-Nabi)
    Prophetenbeleidigung

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    Soheil Arabi is one of those activists whose Facebook posts landed him on death row. What was Arabi’s great “crime“? He is charged with “spreading corruption on Earth,” (mofsed-e-filarz), punishable by death in Iran.

    Soheil was first arrested and sentenced to death in November 2013 on the charge of “insulting the Prophet” (sabb-e-nabi).

    aus: Iraner droht Todesstrafe wegen Prophetenbeleidigung
    VON THOMAS VON DER OSTEN-SACKEN
    Jungle World 22.01.2015

    http://jungle-world.com/von-tunis-nach-teheran/3100/

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    A blogger found guilty of insulting the Prophet Mohammad in his postings on Facebook has been sentenced to death. An informed source told the International Campaign for Human Rights in Iran that the blogger, Soheil Arabi, will be able to appeal the decision until September 20, 2014.

    Agents from the Revolutionary Guards Corps’ (IRGC) Sarallah Base arrested Soheil Arabi, 30, and his wife in November 2013. Arabi’s wife was released a few hours later, but he was kept in solitary confinement for two months inside IRGC’s Ward 2-A at Evin Prison, before he was transferred to Evin’s General Ward 350. Branch 76 of the Tehran Criminal Court, under Judge Khorasani, found Arabi guilty of “sabb al-nabi” (insulting the Prophet), on August 30, 2014. …

    The source noted that the Tehran Penal Court issued its ruling without regard for Article 264 of the Islamic Penal Code. “Article 262 of the Islamic Penal Code states that if a person insults the Prophet of Islam, his punishment is death. But in Article 264, it explicitly says that if a suspect merely claims in court that he said the insulting words in anger, in quoting someone, or by mistake, his death sentence will be converted to 74 lashes.

    http://www.iranhumanrights.org/2014/09/death-sentence-facebook/

    International Campaign for Human Rights in Iran … Originally a project of the Dutch Foundation for Human Security in the Middle East, the Campaign is now a US-based international initiative focused on the urgent challenges faced by the Iranian people

    http://www.iranhumanrights.org/background-2/

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    So geht körperliche Unversehrtheit auf echt Islamisch:

    … if the offence is liable to sabb-al Nabi the offender will be executed and otherwise …

    Religious Legal Traditions, International Human Rights Law and Muslim States
    von: Kamran Hashemi

    https://books.google.de/books?id=yj-MrJ_tOk4C&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false

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    sabb allah or sabb al-rasul

    Ja’fari (Shia) – views blasphemy against Islam, the Prophet, or any of the Imams, to be punishable with death, if the blasphemer is a Muslim. In case the blasphemer is a non-Muslim, he is given a chance to convert to Islam, or else killed.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Islam_and_blasphemy#Punishment
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    Die Islamverbände messen mit zweierlei Maß

    Offener Brief an den Koordinationsrat der Muslime in Deutschland
    05.09.2014

    https://schariagegner.wordpress.com/2014/09/05/das-schweigen-der-islamfunktionaere-zur-todesstrafe-gegen-islamkritiker/

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    Facebook-Gruppen für Soheil Arabi

    https://www.facebook.com/%D8%B3%D9%87%DB%8C%D9%84-%D8%B9%D8%B1%D8%A8%DB%8C-soheilArabi-1451037075209992/

    https://de-de.facebook.com/freedom.soheil.arabi/

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    Iran

    Blasphemy by insulting a prophet (sabb-al-nabi) is another serious offence in the Islamic Shari’a, incurring the death penalty for the perpetrator. […] According to Article 260 of the […] Penal Code, any person insults the Prophet of Islam or other Great Prophets shall be considered as sābb-al-nabi and punished by death.

    http://end-blasphemy-laws.org/countries/middle-east-and-north-africa/iran/

    According to Article 262 of the revised Islamic Penal Code, which entered into force in 2013, “anyone who curses the Prophet of Islam or other Prophets or accuses them of adultery is (considered) sabbo al-nabi and will be sentenced to death”. However, Article 263 stipulates that an accused would not be sentenced to death if he or she claims that their statement was made under duress [Zwang; Nötigung], as a result of negligence [Fahrlässigkeit; Unachtsamkeit], or in a state of intoxication [Trunkenheit bzw. Drogenrausch].

    https://spdb.ohchr.org/hrdb/29th/public_-_UA_Iran_02.12.14_(29.2014).pdf

    Article 262 of the Islamic Penal Code states insulting the Prophet carries a punishment of death, however, article 264 of the Penal Code says if a suspect claims to have said the insulting words in anger [Zorn], in quoting someone [einen anderen zitierend], or by mistake [versehentlich], his death sentence will be converted to 74 lashes [74 Peitschenhiebe].

    http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/iranian-blogger-found-guilty-of-insulting-prophet-mohammad-on-facebook-sentenced-to-death-9741572.html

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    Iran im September 2016

    „Mohammad Nouri (محمد نوری) wurde bereits zum Tode verurteilt wegen Prophetenbeleidigung (سب النبي, sabb an-nabī. Sabbo al-Nabi).“

    https://schariagegner.wordpress.com/2016/09/17/aufruf-an-alle-saekularen-menschen-und-verteidiger-der-freien-meinungsaeusserung/

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