306. Gesetz über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes Drucksache 17/11295

Keine Kinderbeschneidung über BGB § 1631d

Hochgestimmt zirkumzisionsfreundlich sprich kultursensibel kinderfeindlich tagte am 23. August 2012 der Deutsche Ethikrat, und schon am 25. bzw. 28. September legte die Bundesjustizministerin einen geheimnisvoll und keinen Widerspruch duldend „Eckpunkte“ genannten Plan vor. Dieser Gesetzesentwurf soll die auf Elternwunsch und dabei nicht selten auf einen vermeintlichen außerirdischen Befehl erfolgende, diesseitig den Kinderkörper qualvoll und irreversibel beschädigende und mit Katharina Rutschky und Alice Miller dem Bereich der Schwarzen Pädagogik zuzurechnende Jungenbeschneidung über das BGB, § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge straffrei stellen. Just zu diesem Paragraphen ist dem Petitionsausschuss am 20. Juli eine Eingabe von Edward von Roy zugegangen, die jede unnötige Genitaloperation an Minderjährigen verboten wissen möchte. Rasch sendet der körperliche Unversehrtheit und universelle Menschenrechte ernst nehmende Petent und Sozialpädagoge jedem Bundestagsabgeordneten ein paar Zeilen und die Petition gleich mit.

Sehr geehrte Frau Abgeordnete,

sehr geehrter Herr Abgeordneter,

die nicht medizinisch indizierte Jungenbeschneidung belastet und schädigt Körper und Sexualleben und traumatisiert nicht selten die Psyche. Auch bei noch so fachgerechter Durchführung sind teilweise schwere medizinische Komplikationen bekannt; der gelegentlich beschworene Nutzen zur Krankheitsprävention ist wissenschaftlich nicht haltbar.

Beschneidungsbereite Eltern bieten ihrem – beim familiären Klatsch und Tratsch über den Kinderpenis gezielt beschämten – Kind die Option Zirkumzision blumig werbend, pseudowissenschaftlich überredend, patriarchalisch einschüchternd oder stolz bis elitär und dabei jeden Unbeschnittenen ein wenig herabsetzend an; der jüdische acht Tage alte Säugling wird gar nicht erst gefragt. Auch vor solchen Situationen der elterlicherseits noch so “gut gemeinten” Überrumpelung ist das Kind durch uns alle zu schützen.

Völlig altersgemäß, auch weil sie die nachteiligen Beschneidungsfolgen nicht überschauen und eine erwachsene Sexualität noch nicht aus eigenem Erleben kennen, können Jungen in ihre Zirkumzision nicht einwilligen. Die rituelle Beschneidung ist keine Heilbehandlung. Die staatliche Gemeinschaft hat dem Kind von heute die genitale Unversehrtheit von morgen zu bewahren, um demselben Individuum in noch fernerer Zukunft die bestmögliche sexuelle Selbstbestimmung als Jugendlicher und Erwachsener zu ermöglichen. Ohne Einschränkung gilt: Kinder sind Grundrechtsträger.

Oft stehen beschneidungswillige Eltern unter hohem Gruppenzwang der ethnoreligiösen Community und, soweit religiös, unter dem Druck eines angeblich das Seelenheil sichernden und Verdammnis abwehrenden Beschneidungsbefehls (Gen 17,10 sowie Lev 12,3; islamisch Sunna bzw. Hadith).

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) will die medizinisch unnötige Zirkumzision in die Zukunft führen – das ist zutiefst kinderfeindlich und ein organisierter Angriff auf die körperliche Unversehrtheit eines Teils der Bevölkerung. Das Justizministerium verbreitet einen Gesetzentwurf, der auf BGB § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge zielt und die Zirkumzision straffrei ins elterliche Belieben stellen soll.

Genau zu § 1631 BGB habe ich am 20. Juli 2012, also nur einen Tag nach der hastigen Bundestagsresolution (Drucksache 17/10331), eine Petition eingereicht:

Pet 4-17-07-451-040847

§ 1631d Verbot der rituellen Genitalmutilation

Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.

Nur kurz zum angeblichen gesundheitlichen Nutzen (HIV- und HPV-Prävention), der gelegentlich von den Vereinigten Staaten aus genannt wird und selbst dort eigentlich nur noch vom Verband AAP (American Academy of Pediatrics) – die notorisch beschneidungsfreundlichen Studien der AAP sind weltweit in der Fachwelt umstritten oder werden schlicht verworfen; das jüngste Statement ist von der US-Kinderrechtsorganisation Intact America noch am selben Tag (27. August 2012) abgelehnt worden (s. u., Quellen).

Deutschland hat jedem Mohel die Durchführung von Metzitzah b’peh (oral sucking, Kind stirbt in Einzelfällen am übertragenen Herpesvirus oder überlebt eine Hirnhautentzündung und ist lebenslang geistig behindert) zu untersagen. Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung zwar begeistert über die Legalisierung der Beschneidung redet, aber die Metzitzah b’peh (oral-genitale Beschneidung, der Mohel nimmt zum Blutabsaugen den Penis des Säuglings in den Mund) nicht thematisiert.

Auch der ästhetisch motivierte elterliche Umgestaltungswunsch des Kinderpenis ist nicht zu legalisieren, sondern wie die rituelle Zirkumzision jenem überwindenswerten Bereich zuzurechnen, den wir mit Katharina Rutschky (1977) die Schwarze Pädagogik nennen.

Anders als es die Bundesjustizministerin immer noch bewertet: Die medizinisch nicht indizierte elterliche Wunsch-Beschneidung des kleinen Sohnes, ob als patriarchalisch-traditionsreiche Initiation oder als postmodernes Genitaldesign, ist in den bundesdeutschen Begriff des Kindeswohls nicht integrierbar, ihre Gesundheitsvorteile bleiben Mythos.

Ich bitte Sie, auch die Argumente meiner hier angehängten Petition zu BGB § 1631d und die dazugehörige ausführliche Begründung zur Kenntnis zu nehmen und in Ihr Abstimmungsverhalten zur Kinderbeschneidung einfließen zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Edward von Roy

Diplom-Sozialpädagoge (FH)

Q u e l l e n

AAP – American Academy of Pediatrics:

”We’re not pushing everybody to circumcise their babies,” Dr. Douglas S. Diekema, a member of the academy’s task force on circumcision and an author of the new policy, said in an interview. ”This is not really pro-circumcision. It falls in the middle. It’s pro-choice, for lack of a better word. Really, what we’re saying is, ‘This ought to be a choice that’s available to parents.’ ”

But opponents of circumcision say no one — not even a well-meaning parent — has the right to make the decision to remove a healthy body part from another person.

”The bottom line is it’s unethical,” said Georganne Chapin, founding director of Intact America, a national group that advocates against circumcision. ”A normal foreskin on a normal baby boy is no more threatening than the hymen or labia on your daughter.”

THE NEW YORK TIMES

Benefits of Circumcision Are Said to Outweigh Risks

By RONI CARYN RABIN

Published: August 27, 2012

http://query.nytimes.com/gst/fullpage.html?res=9D03E2D8103DF934A1575BC0A9649D8B63&ref=americanacademyofpediatrics

INTACT AMERICA’S RESPONSE TO THE AMERICAN ACADEMY OF PEDIATRICS 2012 REPORT ON CIRCUMCISION

Issued August 27, 2012

The Policy Statement and Technical Report on Male Circumcision released today by the Task Force on Circumcision of the American Academy of Pediatrics (AAP) attempts to find justifications for recommending in favor of unnecessary surgery to remove healthy, functioning tissue from infant boys, but falls far short both in its ethical obligations to its members and their patients and in its presentation of the medical and scientific data.

Even as the AAP purports to find that the benefits of non-medical neonatal male circumcision outweigh its risks, not even its own Task Force can unequivocally recommend this surgery, but instead states that the health benefits are not great enough to recommend routine circumcision for all male newborns. Instead, it focuses much of its argument on urging that health insurance plans and state Medicaid plans cover the costs of the surgery, which is currently not the case in many states.

It appears that the AAP is acting more as a trade association for doctors who perform this unnecessary surgery more than 1 million times a year, instead of standing up for the human rights and bodily integrity of the only patient that counts—the baby boy.

http://www.intactamerica.org/aap2012_response

The controversy over metzitzah b’peh was reignited in March after it came to light that an unidentified infant died Sept. 28 at Brooklyn’s Maimonides Medical Center from “disseminated herpes simplex virus Type 1, complicating ritual circumcision with oral suction,” according to the death certificate.

Health Department investigations of newborns with the herpes virus from 2000 to 2011 have shown that 11 infants contracted the herpes virus when mohels, or ritual circumcisers, placed their mouths directly on the child’s circumcision wound to draw blood away from the circumcision cut, according to a statement from the department. Ten of the infants were hospitalized, at least two developed brain damage and two babies died.

aus: N.Y. health chief calls for end to metzitzah b’peh rite in circumcisions U.S. Health Department investigations show that 11 infants contracted the herpes virus between 2000 to 2011 as a result of the rite.

HAARETZ Jun. 08, 2012

http://www.haaretz.com/jewish-world/jewish-world-news/n-y-health-chief-calls-for-end-to-metzitzah-b-peh-rite-in-circumcisions-1.435227

Ungefähr 200 Rabbiner haben eine Petition unterschrieben … Eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde wollte sich zur Petition der Rabbiner nicht äußern. Sie meinte aber: »Es ist wichtig, dass Eltern die Risiken kennen, die mit dieser Praxis, also der Metzitzah B’peh, verknüpft sind.«

Hannes Stein in: Jüdische Allgemeine 06.09.2012

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/13952

Some 200 rabbis have signed a statement alleging that the department “printed and spread lies … in order to justify their evil decree. It is clear to us that there is not even an iota of blame or danger in this ancient and holy custom,” the New York Post reported.

The Forward

JTA 03.09.2012

http://forward.com/articles/162164/rabbis-organize-against-metzitzah-bpeh-forms/#ixzz27ryn1H4q

A n l a g e

Petition gegen Beschneidung

Pet 4-17-07-451-040847

https://eifelginster.wordpress.com/2012/07/21/297/

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9 Antworten to “306. Gesetz über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes Drucksache 17/11295”

  1. Querverweis Says:

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    Das hochehrwürdige Mittelalter steigt aus der Gruft und grabscht an Kindergenitalien und setzt Politiker unter Druck:

    Berlin (kath.net/KNA) Der katholische Philosoph Robert Spaemann hat die Beschneidung von Knaben verteidigt. Die Vorhautbeschneidung sei «biologisch eine Bagatelle», zugleich sei ihr symbolischer Wert, vor allem für das Judentum, enorm, sagte Spaemann am Samstag in Berlin. Die Abwägung zwischen beidem sei «völlig klar», sofern der Eingriff medizinisch fachgerecht erfolgt.

    Die Beschneidung von Mädchen dagegen sei ein tiefer Eingriff in die naturgegebene Erlebnisfähigkeit der Betroffenen. Dies dürfe auf keinen Fall erlaubt werden.

    KNA Katholische Nachrichten-Agentur 30. September 2012

    http://www.kath.net/detail.php?id=38289

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    Die Götterspötter von Blasphemieblog und Umfeld kommentieren den gottesfürchtigen Herrn Spaemann – demokratischer und kinderfeundlicher:

    http://blasphemieblog2.wordpress.com/2012/09/30/spaemann-beschneidung-ist-biologisch-eine-bagatelle/

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    Der gestrenge Katholikenvordenker hatte sich bereits vor einem Vierteljahr demokratiegefährdend zu Wort gemeldet, um faktenfern die stets qualvolle und schädliche Zirkumzision zu bagatellisieren und um den Sünnetci bzw. Mohel zu verstaatlichen:

    Philosoph Spaemann vergleicht Beschneidung von Jungen mit Impfung

    Philosoph Robert Spaemann hält die durch eine Beschneidung verursachte Körperverletzung für geringfügig und vergleicht den Eingriff mit einer Impfung. „Sie entspricht in ihrer Schwere zum Beispiel einer Masernimpfung“, schreibt der Philosoph in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“. „Angesichts der fundamentalen Bedeutung der Beschneidung für religiöse Gemeinschaften fallen die damit verbundenen Körperverletzungen gar nicht ins Gewicht.“

    Ein Beschneidungs-Verbot sei nicht zu rechtfertigen. Das Kölner Landgericht hatte Beschneidungen verboten und als Körperverletzung verurteilt. Für Spaemann ist das eigentliche Motiv hinter dem Urteil jedoch ein anderes: „Das Hintergrundargument scheint mir zu sein, dass religiöse Erziehung von Kindern überhaupt verschwinden müsse, weil sie die spätere religiöse Selbstbestimmung präjudiziere und beeinträchtige.“ Dies sei jedoch ein anderes und größeres Thema, „der hier zugrunde liegende Irrtum (…) fatal“. Eines könne man laut Spaeman aber vom Kölner Urteil lernen: „Es handelt sich bei der Beschneidung – zu welchem Zweck auch immer – um eine Körperverletzung, wenn auch eine geringfügige und folgenlose. Der Arzt, der sie vornimmt, sollte das nicht tun müssen, wenn er dieser Handlung keinen Sinn abgewinnen kann. Er würde dann auf unzulässige Weise instrumentalisiert.“

    http://news25.de/news.php?id=56823&title=Philosoph+Spaemann+vergleicht+Beschneidung+von+Jungen+mit+Impfung&storyid=1341403412558

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    Michael Schmidt-Salomon bleibt bei den Fakten und hat die Kinderrechte im Blick:

    Entschieden wehrte sich Schmidt-Salomon gegen die häufig anzutreffende Bagatellisierung der Vorhautbeschneidung

    aus: Kinderrechte sind keine Bagatelle
    hpd 17.07.2012

    http://hpd.de/node/13768

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  2. Cees van der Duin Says:

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    Gab es 1843 in Paris ein behördliches Verbot der Metzitzah b’peh? Ein Fall von Syphilis jedenfalls war bei einem zwei Monate aten Säugling festgestellt worden, der eine Woche nach seiner Geburt in der Synagoge beschnitten worden war.

    This started in Paris in 1843

    The Proper Performance of Bris Milah
    By: Rabbi Moshe Zuriel

    The Jewish Press
    Published: September 4th, 2012

    … If we check the Gemarah source[1] and so too the Rambam[2] , and the Shulchan Aruch[3] , we see no mention of the “Peh,” the mouth. The Hebrew word for suction is “motzetz” and this can be performed also by the use of a tube using mouth suction. It is important to precede all discussion on this topic by “putting everything on the table”. We are not discussing a Biblical Commandment, nor are we referring to a Rabbinical enactment from the Gemarah’s time. We are referring to a hallowed Minhag from days of yore to use the mouth only.

    Certainly the withdrawal of blood is a Rabbinical enactment, but the direct application of the mouth is only a Minhag. …

    The answer is that for nearly two hundred years there is fear of Gentile government intervention making the essential circumcision ritual illegal. This started in Paris in 1843, reached Germany and Poland and today in California a small group of “humanists” appealed to the State Legislature to ban the practice. This move was defeated.

    The fear is that if we ourselves admit that this mitzvah could be damaging to the child, the Department of Health might make capital of our admission. The second cause of the great emotional outbursts of resistance to any change in the ceremony is the worry to keep intact all of Jewish way life, to stay as close as possible to the customs of our forefathers; to forestall all reforms.

    But as intelligent human beings we must always weigh the pros and the cons. Many medical doctors claim that there is a danger of delivering the Herpes virus to an infant. As of now, one out of six Americans bears in his body the latent virus of Herpes. True the potential risk of life endangerment to an infant from Metzitzah B’Peh is exceedingly low. However, for the particular parents that this tragedy occurs to their child it is a tremendous torture. Must not every parent do his best not to enter this potential risk?

    If we are dealing with a Torah law, or at least a Rabbinical enactment, certainly it is Chassidus to be stringent and rely on “Shomer Mitzva Lo Ye-da Davar Ra”. But we are referring here not to religious law but to medical advice tendered by our sages, calculated to save the child from danger. This is not a “mitzvah” per se. If as per modern medical advice we are doing the opposite, we are exposing the child to danger, how is this in any way Chassidus? True we should perform Metzizah, but why by direct contact with the mouth?

    http://www.jewishpress.com/blogs/haemtza/the-proper-performance-of-bris-milah/2012/09/04/0/

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    Anm.: Harter Schanker (endurated chancre) ist Lues, Syphilis

    Interne of the Hospitals of Paris. LECTURE XV. June 30, 1843. Extraordinary case of a Jewish child infected by the operation of circumcision-Peculiarities

    A Jew child, aged two months … with an endurated chancre of the prepuce, enlarged glands in the groins, and a general eruption of syphilitic papules all over the body … The parents stated that the infant was circumcised a week after his birth at the synagogue, according to the rites of their creed … The interesting case in which general syphilis developed itself fully … The practice of sucking the wound – an important part of the Hebraic ceremony – may have caused the transformation … – if the rabbin was affected with chancre of the mouth

    aus: Philip Ricord and Daniel M’Carthy: Course of Lectures on Venereal Affections Delivered at the Hopital du Midi, Paris. Lecture XV. June 30, 1843
    in: Provincial Medical Journal and Retrospect of the Medical Sciences
    Vol. 7, No. 160 (Oct. 21, 1843), pp. 43-45

    http://www.jstor.org/discover/10.2307/25492406?uid=3737864&uid=2129&uid=2&uid=70&uid=4&sid=21101227882421

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    ::

    While the Queensland Criminal Code (S323A) prohibits genital mutilation even on an adult female who desires and has consented to such a procedure, and recent legislation has restricted the right of minors to get themselves decorated with tattoos or piercings, boys remain without any protection against being circumcised at the request of somebody else. [4]

    The reasons why the wording of the Convention on the Rights of the Child was so vague may be guessed, but that it was intended to refer to both male and female genital cutting was made clear in some of the subsequent consultations, such as in Lesotho, where a local committee reported:

    Culture is a component of education. Cultural activities like circumcision are not to be a hindrance to a child’s right to education. It is proposed that proper medication be administered at circumcision schools. Children should be allowed to decide at 21 years of age whether or not they want to be circumcised. [5]

    The reference here is to children’s right to decide, meaning both boys and girls. In Guinea-Bissau another report made clear that “traditional practices” were those affecting all children, not just girls:

    The report states that traditional practices and customs are causing serious problems for children and women. The circumcision of boys aged 9 to 13 years and female genital mutilation in girls aged between 7 and 12 years among the Fula and Mandinga ethnic groups are the most cruel and harmful practices. There are no effective measures at the national level to eliminate them. [6]

    Despite the reference to children, however, the rest of the report forgot about boys and went on to talk about the need for campaigns against female genital mutilation, and made no further mention of circumcision of males.

    Source
    Originally published as “A short history of the institutionalization of involuntary sexual mutilation in the United States”, in George C. Denniston and Marilyn Milos (eds), Sexual Mutilations: A Human Tragedy (New York: Plenum Press, 1997). The paper has been slightly edited in places for brevity and clarity.

    http://www.historyofcircumcision.net/index.php?option=com_content&task=category%A7ionid=6&id=71&Itemid=50

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  3. Bottrop Says:

    Messerscharf treffe die elterliche Gottesfurcht den Kinderpenis, jedenfalls meint das ein schariakonform und gewinnorientiert orientierter Bottroper Chefarzt. Sein Kollege denkt kulturell modern und ethisch und wird keine intakten Kinder verletzen und beschädigen. Die vielbeschworene Rechtssicherheit beginnt grell zu flackern:

    … Für den Chefarzt Dr. Martin Günther ist der Schnitt jedoch keine Frage der Religionsfreiheit. „Der Kinderarzt ist auf das Wohl des Individuums bedacht“, begründet er seine Ablehnung, „doch ein nicht medizinisch begründeter Eingriff ist mit dem Kindeswohl nicht zu vereinbaren.“ Sollte jedoch eine Indikation bestehen, sollte eine Erkrankung vorliegen, dann sei der Kinderarzt der letzte, der sich dagegen aussprechen würde, eine Zirkumzision durchzuführen. „Aber ich kann nicht sehen, warum eine Beschneidung bei einer gesunden Vorhaut im Sinne des Kindeswohles sein soll.“

    Ganz anders hingegen sieht Professor Martin Meyer-Schwickerath, Chefarzt der Klinik für Urologie im Knappschaftskrankenhaus, das Vorhaben. Er ist mit dem Vorhaben der Justizministerin einverstanden. „So können wir zustimmen“, sagte er. Schon die Eckpunkte für den Gesetzentwurf hätten wesentliche Bedingungen aus seiner Sicht erfüllt. „Sie schreiben vor, dass eine Zirkumzision (Beschneidung) unter optimalen medizinischen Voraussetzungen durchgeführt wird.“ Für die Urologen im Knappschaftskrankenhaus eine Selbstverständlichkeit. Sie nahmen in der Vergangenheit etwa 150 Beschneidungen von muslimischen Jungen pro Jahr vor. Und: „Wir machen das ausschließlich unter Vollnarkose.“ Daher lehne seine Klinik Beschneidungen von Jungen, die unter drei Jahren alt seien, auch strikt ab, sagt er. „Das Risiko wäre zu groß.“ …

    aus: Angelika Wölk: Kinderarzt lehnt Beschneidung ab
    in: Der Westen 12.10.2012

    http://www.derwesten.de/staedte/bottrop/kinderarzt-lehnt-beschneidung-ab-id7189747.html

  4. Edward von Roy Says:

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    Hamburg 2006, Kind (männlich, 4) verstirbt in hochmodernem Kinderkrankenhaus – aufgrund einer auch in diesem Fall sicherlich völlig unnötigen Operation, der Zirkumzision auf Elternwunsch.

    Sie kann einfach nicht begreifen, dass ihr kleiner Junge nie wieder aufwachen wird. Die Ärzte hatten ihr doch gesagt, dass es eine völlig ungefährliche Operation ist. Gestern entschied Jessi S.: Die Geräte, die Franjo am Leben halten, werden nicht abgeschaltet. Es ist das letzte bisschen Hoffnung, an das sich die Mutter noch klammert. Obwohl feststeht: Franjo ist bereits klinisch tot – weil ihm eine Ärztin aus dem Kinderkrankenhaus Wilhelmstift (Rahlstedt) eine überdosierte Infusion gegeben haben soll (MOPO berichtete gestern exklusiv).

    Der Vierjährige war Montagmittag wegen einer Phimose (Vorhautverengung) operiert worden. Der Junge war noch nicht ganz aus der Narkose erwacht, da bekam er nach Darstellung des Kinderkrankenhauses hohes Fieber und übergab sich. Die Anästhesistin (48) soll dem Kind dann eine Infusion mit hochprozentiger Glukose angelegt haben. Bevor sie zu einem Notfall in den OP eilte, hätte die Narkoseärztin einer Gruppe von Schwestern zugerufen, dass die Glukose nur kurz gegeben werden dürfe. Doch niemand kümmerte sich um den kleinen Jungen. Er bekam eine Hirnschwellung, das Stammhirn wurde eingeklemmt. Es reguliert die Körperfunktion, Atmung und Herztätigkeit. Eine spätere Verlegung auf die Intensivstation konnte den Kleinen nicht mehr retten – Franjo ist hirntot.

    http://www.mopo.de/news/drama-in-hamburger-klinik-keine-hoffnung-fuer-franjo–4-,5066732,5683978.html

    Hamburger Morgenpost 10.8.2006

    http://www.mopo.de/news/drama-in-hamburger-klinik-keine-hoffnung-fuer-franjo–4-,5066732,5683978.html

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    Das ist richtig und wichtig:

    Spätere Studien zur Vorhautentwicklung von Øster (1968) [6], Kayaba et al.(1996) [7], Morales Concepción et al. (2002) [8], Agarwal et al (2005) [9], und Ko et al. (2007) [10] haben allesamt Gairdners Werte widerlegt und gezeigt, dass die Entwicklung der Zurückziehbarkeit der Vorhaut ein sehr allmählicher und individuell von Kind zu Kind sehr unterschiedlicher Vorgang ist, der irgendwann zwischen der Geburt und der Vollendung der Pubertät stattfindet.

    Darüber hinaus fanden Thorwaldsen und Meyhoff in ihrer Studie in Dänemark heraus, dass das Durchschnittsalter, ab dem die Vorhaut das erste Mal vollständig zurückgezogen werden kann, 10,4 Jahre beträgt.[11] …

    Braucht mein Sohn eine zurückziehbare Vorhaut?

    Nein. Die Vorhaut soll mindestens die gesamte Kindheit hindurch nicht zurückziehbar sein. Die Verklebung der Vorhaut mit der Eichel und die Verengung der Vorhaut ist keine Krankheit sondern ein Zustand, der dem Schutz des sich noch entwickelnden Penis dient.

    Je länger dieser Schutzzustand andauert, desto besser für den Jungen.

    aus: Beschneidung von Jungen: Der Gairdner’sche Fehler

    http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/infos-fuer-eltern/ab-wann-muss-sich-die-vorhaut-zurueckziehen-lassen.html

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    Leider legt dieser Artikel, der dem Thema angemessenen Überschrift zum Trotz, dem Leser nahe, die Vorhaut des Sechsjährigen müsse ganz zurückziehbar sein oder es bestehe eine ausreichende medizinische Indikation für eine Zirkumzision:

    … Muslime und Juden verteidigen die Beschneidung vehement. „Doch in Mitteleuropa gibt es keinen Grund für einen Arzt, eine Beschneidung durchzuführen, wenn keine medizinische Indikation vorliegt“, sagt Wolfgang Bühmann, Pressesprecher des Berufsverbands Deutscher Urologen. …

    aus: Monika Preuk: Keine Beschneidung ohne medizinische Indikation
    in: FOCUS 13.07.2012

    http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/maenner/news/tid-26514/beschneidung-ist-koerperverletzung-ohne-medizinische-indikation-keine-beschneidung_aid_781114.html

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    Spätere Studien (6, 13, 14, 16) haben gezeigt, dass im Alter von 10 Jahren nur ungefähr 40-50% der Jungen eine vollständig zurückziehbare Vorhaut besitzen.

    Wir erkennen, dass bis zum Alter von 10-11 Jahren die Mehrheit der Jungen eine nichtzurückziehbare Vorhaut besitzt. Ein so weit verbreiteter Normalzustand erfordert folglich auch keine Behandlung.

    aus: Die normale Entwicklung der Vorhaut: Von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr

    http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/infos-fuer-eltern/entwicklung-der-vorhaut.html

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    Der Penis entwickelt sich auf natürliche Weise im Laufe der Kindheit. Irgendwann, wird das Kind selbst die wundersame Entdeckung machen, das sich seine Vorhaut zurückstreifen lässt. Es gibt keinen Anlass für Eltern oder Ärzte den Penis des Kindes zu manipulieren. Die einzige Person, die die Vorhaut eines Kindes zurückstreifen soll, sollte das Kind selbst sein, und nur dann, wenn es entdeckt hat, dass seine Vorhaut dazu bereit ist.

    Eltern müssen ihr Kind vor Ärzten beschützen, die versuchen die Vorhaut des Kindes zurückzuziehen. Viele Ärzte bekamen nie irgendetwas über die normale Entwicklung und Pflege des Penis beigebracht und sind sich nicht bewusst darüber, dass die Vorhaut niemals von irgendjemand anderem als ihrem Besitzer zurückgezogen werden soll, und auch nur dann wenn sein Penis genug entwickelt ist dass eine freies und einfaches Zurückziehen der Vorhaut möglich ist.

    Es gibt keinen Grund, weshalb die Vorhaut vor der Pubertät zurückziehbar sein sollte. …

    aus: Dr. med. Paul M. Fleiss und Dr. phil. Frederick Hodges: Was ist die Vorhaut? Anatomische und physiologische Fakten

    http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/infos-fuer-eltern/was-ist-die-vorhaut/was-ist-die-vorhaut-anatomische-und-physiologische-fakten.html

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    Babys werden perfekt geboren. Jeder Teil des Körpers ihres Babys ist aus einem bestimmten Grund da. Jeder Körperteil ihres Babys hilft ihm dabei zu wachsen, sich zu entwickeln, zu lernen und unsere wundersame Welt zu erleben. Die Vorhaut ist eine dieser speziellen Körperteile. Tatsächlich ist die Vorhaut das gesamte Leben des Jungen hindurch ein bedeutsames Körperteil.

    Die Vorhaut trägt mehr zum Penis bei als nur eine erhöhte Sexualfunktion und größeres sexuelles Vergnügen. Sie hält den Penis des Babys geschützt, warm sauber und feucht. Sie sorgt dafür, dass die Eichel des Babys sich normal zu Ende entwickeln kann. Die Eichel ist dafür vorgesehen ein inneres Organ zu sein, das gegen die äußere Welt geschützt ist.

    Niemals darf versucht werden, die Vorhaut zurückzuziehen, bevor der Penis sich voll entwickelt hat. Die vorzeitige Retraktion der Vorhaut sorgt dafür, dass die Eichel trocken hart und narbig wird. Die Vorhaut schützt die Eichel vor Verletzungen einfach, indem sie sie bedeckt. Die erste Person, die die Vorhaut zurückzieht und die Eichel aufdeckt, sollte das Kind selbst sein und nur dann, wenn das Kind bereit dazu ist. Es ist das Beste, wenn Eltern es meiden sich mit diesem natürlichen Prozess zu beschäftigen. Ganz von allein werden kleine Jungen die Entdeckung machen, dass ihre Vorhaut zurückgezogen werden kann. (Reinige nur, was du von Außen sehen kannst)

    übersetzt aus: Fleiss, Paul M; Hodges, Frederick. What Your Doctor May Not Tell You About Circumcision. New York: Warner Books; c2002. Chapter 2, The functions of the foreskin

    http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/infos-fuer-eltern/was-ist-die-vorhaut/funktionen-der-vorhaut.html

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    Commentary on American Academy of Pediatrics
    2012 Circumcision Policy Statement

    By the staff of
    Doctors Opposing Circumcision

    http://www.doctorsopposingcircumcision.org/pdf/2012-08-26A_Commentary.pdf

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    Doctors Opposing Circumcision (D.O.C.)

    http://www.doctorsopposingcircumcision.org/

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  5. Beschneidung ist grundgesetzwidrig Says:

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    (…) Es ist im Übrigen auch frei erfunden, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Zirkumzisionen bedingungslos als Vorbeugemaßname gegen eine HIV-Infektion gutheißt. Richtig ist, dass die WHO Zirkumzisionen in Abhängigkeit vom Ansteckungsrisiko empfiehlt und bei Kindern ohnehin nicht, es sei denn, sie verstehen die Tragweite des Eingriffs, sind mit anderen Worten einwilligungsfähig.

    Hingegen liegen die Nachteile auf der Hand: Jungen wird ohne medizinischen Grund irreversibel ein gesunder Teil ihres Körpers abgetrennt. Dieser Teil ist mitnichten unbedeutend: Zum einen erfüllt die Vorhaut eine Schutzfunktion, zum andern handelt es sich um eine erogene Zone. Aktuelle Studien belegen, dass eine Zirkumzision unter anderem einen spürbaren Sensibilitätsverlust zur Folge hat, woraus sich sexuelle Dysfunktionen ergeben können. Zudem erleidet das Kind, auch wenn narkotisiert, Schmerzen, sowohl bei der Operation als auch in Form von postoperativen Wundschmerzen. Über eine Beschneidung ohne Narkose, wie häufig noch durchgeführt, bedarf es diesbezüglich keines Kommentars. Untersuchungen zeigen, dass dies für den empfindlichen Säugling eine Qual ist; Schmerztraumata werden billigend in Kauf genommen. Bei dem oft rechtfertigend ins Feld geführten anschließenden scheinbar friedlichen Schlaf dürfte es sich eher um einen schmerzbedingten Erschöpfungszustand handeln. Keinesfalls zu vernachlässigen sind das Operations- und Komplikationsrisiko: Zwar sind schwere Komplikationen selten, aber das Risiko, dass es dazu kommt, ist längst bekannt. Und eben wegen des Fehlens jeder medizinischen Indikation ist es keineswegs das, was Juristen und Ärzte ein „erlaubtes Risiko“ nennen. Weitaus häufiger treten andere Komplikationen auf, etwa Nachblutungen, Infektionen oder eine Meatusstenose.

    Wer angesichts dieser Umstände unterm Strich bestreitet, dass es sich um einen intensiven Eingriff in die körperliche Unversehrtheit handelt, verharmlost und bagatellisiert. Neben dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit wird zudem das Selbstbestimmungsrecht des Kindes verletzt. Denn es wird mit einem unabänderlichen religiösen Zugehörigkeitsmerkmal versehen: Für den Betroffenen bedeutet eine religiöse Beschneidung lebenslange Kennzeichnung.

    Die Beeinträchtigung des Kindeswohls lässt sich auch nicht mit dem Einwand ausräumen, dass eine Beschneidung dem seelischen Wohl diene, indem eine Ausgrenzung innerhalb des jeweiligen religiös gesellschaftlichen Umfeldes vermieden werde. Wer diesem Aspekt Gewicht zuerkennt, müsste ihn auch – jedenfalls mit Blick auf leichte Formen – für die weibliche Genitalverstümmelung gelten lassen. Abgesehen davon ist es mit unserer rechtsstaatlichen Verfassung nicht vereinbar, Religionsgemeinschaften schrankenlos die Deutungshoheit darüber zuzubilligen, was identitätsstiftend ist. (…)

    Zu unserem Rechtsstaat gehört zweifellos religiöse Toleranz. Deshalb ist es richtig, dass die Religionsausübung staatlichen Schutz genießt. Genauso zählt dazu aber die Solidarität mit Schwächeren. Deshalb ist es ebenso richtig, Religionsausübung und elterliches Erziehungsrecht dort enden zu lassen, wo das Wohl des Kindes auf dem Spiel steht. Das ist bei medizinisch nicht indizierten Zirkumzisionen der Fall. Deshalb ist der Staat verpflichtet, Kinder davor zu bewahren und solche Eingriffe erst zu erlauben, wenn die Entscheidung selbstbestimmt getroffen werden kann. Aber selbst wenn der Gesetzgeber Kinderrechte geringschätzen und religiöse Beschneidungen legalisieren sollte, gebietet es die ärztliche Ethik allemal, solche Eingriffe zu unterlassen.

    aus: Prof. Dr. iur. Holm Putzke, Prof. Dr. med. h.c. Hans-Georg Dietz, Prof. Dr. med. Maximilian Stehr: Religiöse Beschneidungen
    in: Deutsches Ärzteblatt | Jg. 109 | Heft 31 | 6. August 2012

    http://www.aerzteblatt.de/archiv/128360

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    Die Ärzte sind zurecht verunsichert. Sie stehen im Spannungsfeld zwischen dem ebenfalls uralten Prinzip „nil nocere“ und dem Respekt vor der religiösen Tradition. In Deutschland stehen sie auch im Spannungsfeld ihrer Mitarbeit in Auschwitz und Birkenau und der Forderung, das Recht von Unversehrtheit von Kindern gegenüber religiösen Traditionen zurückzustellen. Für den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat dessen Präsident, Dr. med. Wolfram Hartmann, eindeutig Stellung bezogen. Das Kindeswohl und das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit müssen an erster Stelle stehen. Er wirft den Befürwortern der Beschneidung vor, diese Form der Körperverletzung zu bagatellisieren. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit habe für den BVKJ Vorrang vor der Glaubensfreiheit und dem Elternrecht.

    Man könnte das Problem auch einmal andersherum betrachten: Könnten sich nicht die jüdischen und muslimischen Gemeinden bereitfinden, ihre unbeschnittenen männlichen Mitglieder so lange nicht zu diskriminieren, bis diese alt genug sind, selbst über eine Beschneidung zu entscheiden? Im Islam dürfte diese Form der Toleranz kein Problem darstellen, denn die Scharia schreibt keine Altersgrenze fest. In Israel und in den USA gibt es Minderheiten, die sich gegen die Beschneidung von kleinen Jungen wenden. In jüdischen Familien sind dort etwa drei Prozent nicht beschnitten, weil die Eltern diese schmerzhafte Prozedur als Körperverletzung ablehnen.

    aus: Dr. med. Christoph Kupferschmid (Pädiater in Ulm und Mitglied im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte)
    in: Pro & Kontra: Religiöse Beschneidungen
    Dtsch Arztebl 2012; 109(31-32): A-1538 / B-1322 / C-1302

    http://www.aerzteblatt.de/archiv/128360

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  6. Carcinòl Says:

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    Studienlage zur Beschneidung von Knaben

    Bereits seit den 1980er Jahren ist durch den Philip Morris Nitrosamin-Skandal bekannt, dass Studienfinanzierung auch in Deutschland zu den möglichen Methoden der Einflussnahme gehört (1). Neu ist, dass der Gesetzgeber solch manipulierte Studien zur Rechtfertigung in einem Gesetzgebungsverfahren verwendet, obgleich er über eine Einflussnahme durch Interessensgruppen Kenntnis hat.

    So regt eine kürzlich erschienene Studie des Jewish People Policy Institute an, weitere neue Studien die eine Nützlichkeit der Beschneidung belegen sollen zu finanzieren, sowie die Operation mit Impfvergleichen zu verniedlichen (2). In den Rechtsausschüssen wurde seitens des Zentralrates der Juden in der Anhörung eine Komplikationsrate unter Verweis auf eine israelische Studie von 1 Prozent genannt. In der nachgereichten schriftlichen Stellungnahme wird das Komplikationsrisiko ohne Quellenverweis nur noch mit 0,13 – 0,19 Prozent beschrieben. Noch niedriger bewertet der Zentralrat der Muslime das Risiko (0,09 %). Sexuelle Beeinträchtigungen werden verneint.

    Tatsächlich belegen große neue Studien erheblich höhere Risiken. Es sollen nun nochmals unabhängige Studien vorgestellt werden, die eine hohe Aussagekraft haben. Wert wurde auf das Design gelegt, also das den wirtschaftlichen Interessen der Forscher entgegenstehende Ergebnis, die vergleichbaren medizinischen Standards, die große Teilnehmerzahl, den adäquaten Studienaufbau, sowie auf die Herkunftsländer.

    Die medizinische Fachgesellschaft in Deutschland beschreibt in den Leitlinien die Komplikation der Nachblutung mit bis zu 6 Prozent (3). Eine große Studie einer pädiatrischen Urologie aus Boston belegt, dass von allen insgesamt knapp 9.000 durchgeführten Operationen allein 4,7 Prozent Nachoperationen waren, die aufgrund schwerer Komplikationen der Säuglingsbeschneidung notwendig wurden (4). Eine weitere US-Studie mit über 300 Zirkumzidierten belegt, dass allein aufgrund der Komplikation in Form der Meatusstenose bei 7,29 Prozent der Kinder eine Nachoperation notwendig wurde (5). Vergleichend soll noch auf die Komplikationsrate für die Meatusstenose im Iran verwiesen werden, die laut einer Studie bei 20,4% liegt (6).

    Studien aus Afrika belegen Komplikationsraten von über 50 Prozent, insbesondere verursacht durch rituelle Beschneider, gefolgt durch weiteres schlecht geschultes Personal, sowie Todesfälle (7) (8) (9) 10). Diese Bedenken haben in Zimbabwe neuerdings im Zusammenhang mit dem Kölner Urteil zu Widerständen bei der HIV Politik geführt (11).

    Auch in den USA sind Todesfälle bekannt geworden (12) (13). Eine neue große Studie mit über 5.500 Erwachsenen aus Dänemark belegt Störungen der Sexualität bei beschnittenen Männern und deren Partnerinnen in Form von Orgasmusstörungen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (14). Gestützt wird die Studie durch weitere Ergebnisse aus Südkorea, wonach bei 68 Prozent später Schwierigkeiten bei der Onanie auftraten, sowie bei 20 Prozent eine Verschlechterung des Sexuallebens (15).

    Weitere Studien belegen, dass Säuglinge gegenüber dem Erwachsenen ein erhöhtes Schmerzempfinden haben, zumindest jedoch kein geringeres (16). Die bereits im Uterus beim Ungeborenen empfundenen Schmerzen wurden schon vor Jahrzehnten seitens der Bundesärztekammer bestätigt (17). Die Schmerzbehandlung durch lokale äußerliche Applikation (z.B. EMLA Salbe) ist obsolet (18), zudem werden post- operative Schmerzustände durch eine Anästhesie während der Operation nicht abgedeckt, obgleich diese mehrere Tage bis Wochen andauern. Diese neuen Studienergebnisse bestätigen frühere Studien (19) (20).

    Guevara K.
    Forschender Arzt am Zentrum für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie einer Universitätsklinik in Deutschland

    humanistischer pressedienst – hpd 11.12.2012 · Nr. 14580

    http://hpd.de/node/14580

    A n m e r k u n g e n

    (1) Kyriss T, Schneider NK., The development of scientific consultants: how the tobacco industry creates controversy on the carcinogenicity of tobacco-specific nitrosamines. 2012 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22940678

    (2) Dov Maimon & Nadia Ellis, The Circumcision Crisis: Challenges for European and World Jewry, 2012

    (3) Phimose und Paraphimose, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, 2010

    (4) Pieretti RV, Goldstein AM, Pieretti-Vanmarcke R., Late complications of newborn circumcision: a common and avoidable problem, Pediatr Surg Int. 2010 May; 26 (5) : 515-8. Epub 2010 Feb 14. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20155423

    (5) Van Howe RS.,Incidence of meatal stenosis following neonatal circumcision in a primary care setting. Clin Pediatr (Phila). 2006 Jan-Feb;45(1):49-54. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16429216

    (6) Joudi M, Fathi M, Hiradfar M., Incidence of asymptomatic meatal stenosis in children following neonatal circumcision.J Pediatr Urol. 2011 Oct;7(5):526-8. Epub 2010 Sep 18 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20851685

    (7) Osifo OD, Oriaifo IA, Circumcision mishaps in Nigerian children. Ann Afr Med. 2009 Oct-Dec;8(4):266-70. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20139551

    (8) Crabb C., Male circumcision to prevent heterosexual HIV transmission gets (another) green light, but traditional circumcision in Africa has ‘shocking’ number of complications, AIDS 2010, Vol 24 No 1

    (9) Ahmed A, Kalayi GD., Complications of traditional male circumcision, Ann Trop Paediatr. 1999 Mar;19(1):113-7 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10605531

    (10) Dieth AG, da Silva-Anoma S., Accidents of circumcision in children in Abidjan, Côte d’Ivoire Bull Soc Pathol Exot. 2008 Oct;101(4):314-5. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18956813

    (11) Circumcision: People have a right to choose, December 2012, The Standard http://www.thestandard.co.zw/2012/12/02/circumcision-people-have-a-right

    (12) CDC, Neonatal Herpes Simplex Virus Infection Following Jewish Ritual Circumcisions that Included Direct Orogenital Suction — New York City, 2000–2011, June 8, 2012 / 61(22);405-409 http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/mm6122a2.htm

    (13) Lost Boys: An Estimate of U.S. Circumcision-Related Infant Deaths, Thymos: Journal of Boyhood Studies, Volume 4, Number 1 / Spring 2010

    (14) Frisch M, Lindholm M, Grønbæk M., Male circumcision and sexual function in men and women: a survey-based, cross-sectional study in Denmark.Int J Epidemiol. 2011 Oct;40(5):1367-81. Epub 2011 Jun 14. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21672947

    (15) Kim D.,Pang M., The effect of male circumcision on sexuality, 2006 http://www.mgmbill.org/kimpangstudy.pdf

    (16) P J Mathew, J L Mathew, Assessment and management of pain in infants, Postgrad Med J 2003;79:438–443 http://pmj.bmj.com/content/79/934/438.full.pdf

    (17) Vilmar, K. (Präsident BÄK), Bachmann, Pränatale und perinatale Schmerzempfindung http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/Praenatalpdf.pdf

    (18) Paix BR, Peterson SE., Circumcision of neonates and children without appropriate anaesthesia is unacceptable practice. Anaesth Intensive Care. 2012 May; 40 (3) : 511-6. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22577918

    (19) Taddio A, Koren G., Combined analgesia and local anesthesia to minimize pain during circumcision. Arch Pediatr Adolesc Med. 2000 Jun;154(6):620-3. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10850512

    (20) Taddio A, Koren G., Effect of neonatal circumcision on pain response during subsequent routine vaccination.Lancet. 1997 Mar 1;349(9052):599-603. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9057731

    ::

  7. Bragalou Says:

    BOGOTÁ – In Kolumbien ist ein 15 Tage altes Baby an den Folgen weiblicher Genitalverstümmelung gestorben. Das Mädchen aus dem indigenen Volk der Embera-Chami in Westkolumbien ist im Zuge eines verbotenen Stammesrituals nach der Entfernung ihrer Klitoris verblutet. Bereits 2010 hatte die Volksgruppe zugesichert, FGM zu beenden, berichtete Colombia Reports am Montag.

    „Der Fall wurde an den Gouverneur der Gemeinde übergeben, da die Embera-Chami versprochen hatten, damit aufzuhören“, erklärte Jose Luis Herrera, Bürgermeister von Ansermanuevo. Er fügte hinzu, dass seinen Informationen zufolge das Baby zuvor in gutem Gesundheitszustand das Krankenhaus verlassen hätte.

    2007 lenkte der Tod eines jungen Mädchens an den Folgen weiblicher Genitalverstümmelung die Aufmerksamkeit auf die Embera-Chami. Der United Nations Population Fund initiierte damals ein Projekt mit den Stammesführern, worin die Ursprünge von FGM in der Volksgruppe erforscht und die physischen und psychischen Folgeschäden den Mitgliedern näher gebracht werden sollten. Nach einem Jahr entschieden sich die Embera-Chami dazu, die grausame Tradition für eine Probezeit von zwei Jahren auszusetzen. Nach dessen Ende wurde das endgültiges Aus von FGM und härtere Strafen für die Ausübung der Praxis beschlossen.

    Die Volksgruppe mit etwa 5000 Mitgliedern soll FGM seit der Zeit der Kolonialherrschaft praktizieren. Damals kam es aufgrund des Sklavenhandels zu einem intensiven Austausch mit afrikanischen Communities.

    aus: Kolumbien: 15 Tage altes Mädchen stirbt nach Genitalverstümmelung
    auf: desert flower 02.05.2012

    http://www.desertflowerfoundation.org/de/2012/05/02/kolumbien-15-tage-altes-madchen-stirbt-nach-genitalverstummelung/

  8. Cees van der Duin Says:

    Der Beschluss des Oberlandesgerichtes Hamm v. 30.08.2013 – 3 UF 133/13 – belegt: der beschneidungsfreundliche (kinderfeindliche) § 1631 d BGB führt die Argumentation unserer Richter in bizarre Verrenkungen hinein.

    Unsere Gesetze sollten für alle Menschen gelten – Jungen haben eigentlich den selben Anspruch auf genitale Unversehrtheit wie Mädchen. Nur eigentlich oder auch tatsächlich?

    Vielleicht haben Kinder gar keine „Religion“ oder „Kultur“? Wie auch immer: man muss auch nicht jede Kultur bewahren, sonst müssten wir die Mädchenbeschneidung etwa vom Typus 1a (Klitorisvorhautbeschneidung) legalisieren, die in der schafiitischen Rechtsschule des Islam „heilssichernder“ Standard ist.

    Jahrtausende alte Initiationsrituale gehören in der kulturellen Moderne nicht in Arztpraxis oder Kinderzimmer – nicht in Hamm und irgendwann (möglichst bald) auch nicht mehr in Kenia.

    Die männliche Vorhaut hat eine wichtige Funktion und sollte nur in ganz wenigen, medizinisch wirklich unumgänglichen Fällen chirurgisch entfernt werden.

    Indirekt nennt uns das OLG Hamm leider mehrere mögliche Gründe für eine aus seiner Sicht statthafte Beschneidung.

    Denn was wurde erreicht: das sechs Jahre alte Kind darf nur in diesen Tagen nicht beschnitten werden. Sieht so ein Erfolg aus im Sinne der gewährleisteten körperlichen Unversehrtheit? Doch wohl eher nicht.

    Folgendes klingt leider im Urteil stark mit:

    1. solange ein Kind zur “Menschensorte” der Evangelischen gehört bleibt es irgendwie vor der Jungenbeschneidung geschützt

    2. wenn nur die eigene Mutter beim Vorgang der Zirkumzision zuschauen würde, wäre alles in bester Ordnung

    3. das „Aufklärungsgespräch“: etwas Zureden (Trösten? Bagatellisieren? Überreden? Überlisten?) legalisiert die Jungenbeschneidung

    4. die in § 1631d BGB kalkuliert nicht angesprochenen „Religionsvölker“ der Muslime oder Juden dürften sowieso beschneiden (eine Ungleichbehandlung der Kinder), an männlichen Kindern unter sechs Monaten dürfen irgendwie beschneidungskundige Erwachsene die genitale Kult-OP vornehmen

    5. ein regelmäßiger Besuch in Kenia kann eine nordrhein-westfälische Beschneidungserlaubnis sein

    6. nach dem Gerichtsurteil sind “medizinische Risiken” und “Schmerzen” des Kindes von uns allen gefälligst zu akzeptieren: “weil diese Umstände mit jeder nicht medizinisch indizierten Beschneidung verbunden seien”

    7. das örtliche Jugendamt wird durch das Gerichtsurteil zur beschneidungsbilligenden Instanz emporgehoben

    Ich denke, dass die Bundesrepublik den 2012 geschaffenen Paragraphen 1631d BGB zurückziehen muss. Die Zirkumzision ins elterliche Belieben zu stellen, eine irreparable körperliche Schädigung als Teil der Personensorge zu definieren war falsch.

    Im Allgemeinen sollten ausgewachsene Männer darüber entscheiden, ob sie mit oder ohne Vorhaut leben und lieben wollen. Mancher männliche Jugendliche aber dürfte sich dem hohen Konformitätsdruck von Familie oder Religionsgruppe nicht entziehen können.

    Keine Beschneidung unter achtzehn!

    Cees van der Duin

  9. Dwarslöper Says:

    Bild: Berlin – Es ist eine uralte, brutale Tradition, in Afrika ebenso wie in Südost-Asien oder dem Nahen Osten. Keine Religion schreibt sie vor [falsch, im schafiitischen Islam ist die FGM religiöse Pflicht] – und doch leiden Frauen in aller Welt unter der weiblichen Genitalverstümmelung FGM (Female Genital Mutilation).

    Dr. Cornelia Strunz vom „Desert Flower Center“ in Berlin:

    Die Entfernung der Vorhaut beeinträchtigt das sexuelle Empfinden des Mannes nicht. [falsch, die empfindsamsten Teile des Penis werden amputiert] Beschnittene Frauen leiden dagegen ein Leben lang unter den Folgen.“

    Bild vom 20.09.2015 (Die grausame Praxis der Genitalverstümmelung)

    http://www.bild.de/news/inland/beschneidung/so-grausam-ist-fgm-42596438.bild.html

    Michaela-Maria Müller: […] Desert Flower Center […] Obwohl viele der heute betroffenen Frauen Muslima sind, ist der Brauch jedenfalls nicht islamischen Ursprungs [über die Scharia gefälligst nichts Schlechtes]. Der Koran schreibt ihn nicht vor [dafür der Hadith sprich der über Koran und Sunna erst juristisch funktionierende Islam].

    Cornelia Strunz […] Warum aber wird den Frauen so etwas überhaupt angetan? [wage niemand zu sagen, Islam und FGM hätten miteinander etwas zu tun.]

    Süddeutsche vom 29.05.2015 (Tiefer Schnitt)

    http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/genitalverstuemmelung-tiefer-schnitt-1.2498717

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