284. Zwangsheirat und Ehrenmord finden Verwendung

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turūs

cogwheels, gears

Zahnräder

Scharia und Produktplatzierung

Ein wenig Zahnrad sein im Getriebe der Islamisierung. Zwangsheiraten und Ehrenmorde schaffen neue Institutionen und einen postmodernen Begriff von Frauenrechtsarbeit und Menschenrechten bzw. Menschenrechtsarbeit. Seit eineinhalb Jahrzehnten wird der den Islam erklärende, nach eigenen Aussagen in der Hauptsache gegen Zwangsheirat aktive Pınar Verein für Menschenrechte und Integration (Name geändert) in der deutschen Presse in aller Ergriffenheit gelobt und in Form von Buchlesungen oder Rathausempfängen im kleinen Kreise ekstatisch gefeiert. Ein Gastbeitrag von Edward von Roy (2012).

Ein (Sinn-/Macht-)Vakuum bleibt ungern leer und angesichts von (Allahs) integrationspolitischen Nebelschwaden lechzt das deutsche Publikum nach Welterklärern sprich Islamverklärern. Die parallele Justiz des Islamischen Rechts (Scharia) muss dem Volk irgendwie erklärt werden, sofern man nicht, wie der postmoderne rheinland-pfälzische Justizminister im Februar 2012, „außergerichtliche Schlichtungen“ auf Basis der Scharia als „sinnvoll“ bezeichnen und gleich ganz aus der Rechtseinheitlichkeit aussteigen möchte: „Wenn das in Form von Schiedsgerichten geschieht wie im Handel oder im Sport, dann ist das vertretbar“ (Jochen Hartloff 2012). „Unser Rechtsstaat darf unter gar keinen Umständen von so etwas Unmenschlichem wie der Scharia unterwandert werden“ kommentierte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt erfreulicherweise, und Stephan Mayer forderte Hartloffs Rücktritt: „Es ist unvorstellbar, dass ein Justizminister solche Gedanken hegt“, sagte der CSU-Rechtsexperte: „Die Scharia ist in jeder Form grausam und menschenverachtend.“

Christlicher Klerus und Kirchentagsbewegte aber möchten Minister Hartloff nicht widersprechen, sondern Allahs Komplettangebot (Koran plus Scharia) pauschal gut finden. Was tun? Rettung naht aus dem deutschen Südwesten, und das ist die Stunde der Islamverharmloserin Sevim Çağrı:

„Diese sogenannten Friedensrichter sind in erster Linie Privatleute ohne juristische Ausbildung. Zum einen sind es Imame, die diese Schlichtung praktizieren und diese Lehren weitergeben.“

Das sieht Allah aber ganz anders, der Mufti oder Kadi ist das Original, der BRD-Richter der unsittliche bis satanische Abklatsch. Çağrı übergeht, dass nur das Befolgen der Befehle von Koranbuch, Gelehrtenschaft (‚Ulama) und Imamen die Seele vor der ewigen Verdammnis (vielleicht, inschallah) rettet.

„Zum anderen sind das lediglich Familienälteste oder Clanchefs“,

na, dann wird es doch Zeit, dass wir die Muftis von ECFR (European Council for Fatwa and Research, Gründer Chef ist Scheich Yusuf al-Qaradawi) und RIGD an unseren Gerichten installieren, damit endlich ordentlich Recht gesprochen wird?! Çağrı schweigt geschickt – und bewusst – zu den europäischen Scharialehrstätten wie v.a. Château-Chinon (FIOE / Muslimbruderschaft) und spielt beim längst proislamisch eingenordeten deutschen Kirchenvolk ein bisschen die Kultursensible.

Eine grob skizzierende Türkenkennerin erspart einem Christenmenschen die Auseinandersetzung mit dem Thema Integration, zum Kirchentag oder zur Sant’Egidio-Friedenskonferenz lädt man dann die theologisch geschulten Muslimbrüder, die Herren übernehmen die Feineinstellung.

Islam als Weltanschauung und Lebensstil (Islamic Shari’a Council focusing on „shari’a ‘a way of life'“) heißt es am The Islamic Shari’a Council (34 Francis Road, London), wo man die einzig von Gott angenommene Eheschließung (nikah) anbietet und die dazugehörige männerfreundliche islamische Verstoßung (talaq) gleich mit.

Die deutsche Variante, demnächst den staatlichen Islamischen Religionsunterricht mitgestaltend, ist der Rat der Imame und Gelehrten Deutschlands (RIGD). RIGD-Vorsitzender ist Dr. Khaled Hanafy, ein Hochschullehrer der Azhar-Universität (Islamisches Recht) sowie Imam und Rechtsberater des Islamischen Informationszentrums in Frankfurt am Main (Islamische Informations- und Serviceleistungen e.V.).

Islamfreundin Sevim Çağrı beschwert sich nicht über die Schariapraxis von ECFR oder RIGD, sondern über namenlos bleibende Hinterhofrichter. Deren Justiz:

„basiert auf drei Prinzipien: Schlichtung, Strafverzicht gegen finanzielle Wiedergutmachung und Selbstjustiz“,

so`n Kappes, das wichtigste Prinzip ist der bewahrte Gnadenstand mit dem Schöpfer und sekündlichen Erhalter des Weltalls, sprich das unbeschädigte Heil im Diesseits und im Jenseits. Nicht der Mensch ist Souverän, Allah ist schließlich Chef. Das ist keine „Selbstjustiz“ (Çağrı), das ist ‚Die wahre Religion‘ (Abou-Nagie), das ist Justiz.

„Der Einfluss der Schariarichter ist umfassend“,

orakelt Çağrı nun alarmistisch, ohne irgendeinen Beweis zu liefern (wie stets übrigens; auch die ‚Qualität‘ sprich Förderungswürdigkeit von Pınar ist über einen schnöden Nachweis erhaben). Werden die Praktiker der Islamjustiz von der selbsternannten Frauenrechtlerin nicht bereits als ganzheitlich („umfassend“) verharmlost und sogar ein wenig legitimiert?

Zwischen Stammesrat (fallweise ja auch mal nichtislamisch) und koranbasierter Rechtssprechung hätte man genauer unterscheiden müssen, mit:

„die hochgefährlichen Folgen der Selbstjustiz durch Schariarichter“

sind offensichtlich die Freunde der wortwörtlichen Lesart des Korans gemeint. Wie aber kommt Çağrı auf „hochgefährlich“, die Parteigänger von Yusuf al-Qaradawi wollen in den Himmel kommen und kämpfen für die islamisch prekäre Würde der Frau und für das gelingende Soziale (im Sinne des Kalifats). Aus ihrer Sicht ist das säkulare Gericht hochgefährlich (man frage die Salafisten Mustafa Cerić oder Tariq Ramadan). Allahs Justiz anzuwenden ist zudem keine Selbstjustiz, sondern praktizierter Gottgehorsam.

Keine Silbe des Bekenntnisses zur vorbehaltlosen Geltung der AEMR (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte), statt dessen deutet Menschenrechtlerin Çağrı an, die Schariarichter wären irgendwie noch nicht religiös genug und hätten den Islam überhaupt völlig falsch verstanden.

„Es kommt auch vor, dass die Tat gerne einem Familienmitglied zugeschoben wird, das die geringste oder gar keine Strafe zu erwarten hat.“

Na klar, das ist leider überall so, wo der Stamm sehr viel gilt und das Individuum sehr wenig. Das ist Stammeskultur/Parallelkultur pur und damit nicht bloß islamisch, sondern kann auch mal zigeunerisch, kurdisch-jesidisch, christlich-albanisch sein oder in einem schwarzafrikanischen Straßenzug stattfinden oder einer China Town.

„Das Resultat ist dann bei genauerer Betrachtung das Ergebnis von Druck und Erpressung anstatt Gerechtigkeit.“

Allah ist nie ungerecht und die Scharia auch nicht (sagt Pierre Vogel). Frau Çağrı ist zu feige, zu sagen, dass auch die echt islamischen Familiengesetze Pakistans, Saudi-Arabiens oder des Iran „das Ergebnis von Druck und Erpressung anstatt Gerechtigkeit“ sind, wie überhaupt seit Bestehen des Islam die den Teufel abwehrende und die Seele rettende Justiz „das Ergebnis von Druck und Erpressung“ ist und im Sinne der Wissenschaftlichkeit oder der am 10. Dezember 1948 bekundeten AEMR nie zu „Gerechtigkeit“ führen kann.

Pınar Verein für Menschenrechte und Integration weicht dieser Problematik elegant aus und redet, bereits im ausführlichen Vereinsnamen, nicht von allgemeinen Menschenrechten, sondern vage von „Menschenrechten“, also nicht anders, als es die islamrevolutionäre Organisation of Islamic Cooperation (OIC) mit ihrer Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam (1990) macht. Auch ein Wohlgefallen verspürender Allah kennt „kein anderes Recht als die Scharia“:

„In solchen unkontrollierbaren, islamischen Parallelstrukturen, in denen eine Schlichtungskultur herrscht, kennen die Menschen kein anderes Recht als die Scharia. Vor allem bei Straftaten gegenüber Frauen führen solche Parallelstrukturen im Bereich der Strafrechtspflege zu enormem Leid bei einer unüberschaubaren Anzahl von Opfern.“

Das Schaffen von Tätern und Opfern im Islam ist leider richtig und hier halbwegs vernünftig gesagt. Nur „unkontrollierbar“ ist Unsinn, Allah hat alles unter Kontrolle, und „Leid“ stimmt nicht, Islam ist LIEBE und führt zur Glückseligkeit (demnächst per Imam al-Ghazali in unseren Uni-Hörsälen).

Jetzt aber kaufmännisch gedacht und auf zur Produktplatzierung, der Verein braucht etwas Geld:

„Die Ermittlungsbehörden und die Gerichte sollten speziell geschultes Personal einsetzen, um die Vorgänge im Hintergrund besser einschätzen zu können. Selbstverständlich können sie hierbei auf die langjährige Erfahrung einiger Krisen- und Hilfseinrichtung, wie meinem Verein, Pınar e.V., zurückgreifen.“

Will Frauenretterin Çağrı einen Job als Kulturdolmetscherin am deutschen Familiengericht? Pınar-Beratung in jeder Stadt („juristisch, medizinisch“, s.u.), tägliche Pınar-Islamerklärung, ein Pınar-Ministerium, und überhaupt, das Amt der/des BundespräsidentIn ist gerade vakant?

„Mein Verein und ich betreuten in erster Linie junge Frauen und Mädchen, aber auch junge Männer in jeglichen Notlagen. Wir unterstützen sie juristisch, medizinisch, aber vor allem menschlich.“

Rauschender Applaus, Nachweis null, wie immer. Dafür geht es per Durchklick zum Spendenkonto (nun, „menschlich“). Der Deutsche will sich so gerne gütig und ‚gut‘ fühlen. Wie einst beim Ablass-Handel.

Mit einer solchen Frauenrechts- und Menschenrechtsarbeit können Administration und globalisierter Lehrbetrieb des Islamischen Rechts ungehindert Form annehmen.

Edward von Roy

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Eine Antwort to “284. Zwangsheirat und Ehrenmord finden Verwendung”

  1. Ludger Kampendonk / Jülich Says:

    :::

    „Die Justizministerin tut so, als würden alle Religionen dieselben universellen Prinzipien vertreten, als seien sie in ähnlicher institutioneller Verfassung“, schreibt Kelek in ihrem Gastbeitrag. „Dass wir es bei dem Islam mit einer Weltanschauung und Religion zu tun haben, die bisher nicht bereit ist, Politik und Religion zu trennen, weil sie auf dem Vorrang der göttlichen Offenbarung vor menschlichen Gesetzen besteht, wird wegdiskutiert.“ Für die Islamverbände seien laut Satzung des „Koordinierungsrats der Muslime“ Koran und Sunna unantastbar und verpflichtend. „Gerade das wäre rechtspolitisch von einer Justizministerin zu erörtern“, schreibt Kelek. …

    „Heute wird geargwöhnt, der Islam sei in seinem politischen Kern nicht in die demokratische Gesellschaft und damit auch nicht in den Rechtsstaat integrierbar“, so die Bundesjustizministerin.

    Leutheusser-Schnarrenberger erklärte in ihrem Beitrag weiter: „Die Diskussion um den Islam und seine Rechtsregeln wird viel zu häufig vorurteilsbeladen, dafür aber umso unbeschwerter von Sachkenntnis geführt.“ Über islamisches Recht müsste man zunächst „viel mehr wissen“. …

    Leutheusser-Schnarrenberger wolle im Sinne des Scharia-Islam „dem religiösen Leben“, wie es zum Beispiel der vom Verfassungsschutz beobachtete Verein „Milli Görüs“ definiere und Mathias Rohe legitimiere, rechtliche Geltung verschaffen. „Das ist ein weiterer Versuch, die Rückkehr der Religion in die Politik zu betreiben.“ Mit keinem Wort erwähne sie aber die Probleme des Islam in dieser Gesellschaft, mit keinem Wort die Rechte der Frauen und den Schutz der Kinder, sondern schreibe nebulös von einseitigen Statistiken und Ausgrenzung, die Muslime zu erleiden hätten.

    aus: Kelek: Justizministerin bereitet „Scharia-Islam“ den Weg
    15.02.2011

    http://www.pro-medienmagazin.de/politik.html?&news%5Baction%5D=detail&news%5Bid%5D=3687

    :::

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