279. Karim El-Gawhary

لربيع العربي

ar-Rabīʿ al-ʿArabī

Le Printemps Arabe

The Arab Spring

Arabischer Frühling

Weltreporter und Arabischer Frühling

Zum 6. Januar 2012 lädt der Westdeutsche Rundfunk die interessierte Bevölkerung nach Köln, wo die freischaffenden Journalisten der Gruppierung Weltreporter über den Arabischen Frühling berichten wollen. Rekonstruktion der Podiumsdiskussion nach handschriftlichen Notizen aus dem Kleinen Sendesaal von Jacques Auvergne.

Es ist der sechste Januar, Dreikönigstag. Ungastlich durchpustet feuchter Wind die frühe Dunkelheit über der alten Domstadt. Wer kann, bleibt bei so einem Wetter zu Hause oder erledigt die letzten paar Besorgungen zügig. Eine orientalisch verkleidete Kindergruppe von etwas verloren wirkenden Sternsängern ist unterwegs, ein Mädchen malt mit Kreide die Zeichen 20*C+M+B+12 für Christus Mansionem Benedicat, das bedeutet Christus segne diese Wohnung, an einen Steinpfosten. In Köln ist die auf Abwehr des Teufels und Rettung der Seele zielende (politreligiöse) oder kulturell modern (säkular) gelesene Legende von den Heiligen Drei Königen seit dem Mittelalter dem Volk vertraut.

Am diesem ersten Freitagabend des neuen Jahres 2012 betritt ein interessiertes Publikum das hinter seinen großen Glasfronten hell erleuchtete Funkhaus Wallrafplatz. Dem Internet war zu entnehmen, dass bei WDR 5 und per Radio-Direktübertragung eine frohgestimmte Gruppierung von so genannten Weltreportern darüber aufklären will, wie der Arabische Frühling richtig zu verstehen ist.

Islampessimisten witterten eine Erneuerung des, im Jahr 2010 beispielsweise von Aygül Özkan unternommenen Versuchs (Pressecharta Niedersachsen), die Bevölkerung über die globalen Muslimbrüder zu desinformieren und die deutsche Presse islamsensibel gleichzuschalten. Wer zu diesen Skeptikern gehörte, sollte, wie wir gleich sehen werden, heute Abend nicht enttäuscht werden. Damals wollte die Ministerin von der CDU (!) die niedersächsischen Journalisten darauf verpflichten lassen, künftig nur noch „eine kultursensible Sprache anzuwenden“ und, wie ein Nachhilfeschüler, „die interkulturelle Kompetenz zu verstärken“.[1] Welcher Hohe Rat von Integrationskundigen die Unbotmäßigen maßregeln darf, hätte die Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration uns sicherlich nachträglich empfohlen (befohlen); ob Frau Özkan in die Scharia oder ins Grundgesetz „integrieren“ wollte oder in einen Kompromiss aus Rechtsstaat und Islamstaat, ist bis heute unklar geblieben. Niedersachsens Journalisten ließen sich diesen Versuch, Inhalte und Sprachstil vorzugeben, zum freiheitlich demokratischen Glück nicht gefallen.[2]

Rasch und wider Erwarten ist der angenehm beheizte Kleine Sendesaal fast vollständig gefüllt, die aktuelle Radioübertragung klingt auf, gleich wird man auf Sendung gehen. Holger Beckmann (WDR) erscheint, der bekannte Moderator von Formaten wie Funkhausgespräche oder Echo des Tages. Die Reporter des ideologisch dem übertrieben islamfreundlichen Internetportal Qantara nahe stehenden Netzwerks Weltreporter nehmen Platz. Von links nach rechts sitzen auf der Bühne Karim El-Gawhary (Kairo), Jürgen Stryjak (Kairo), Birgit Kaspar (Beirut/Toulouse) und Markus Bickel als Nahost-Redakteur der FAZ. Beckmann begrüßt Publikum und Weltreporter und lässt in die Augenzeugenberichte zum Arabischen Frühling einsteigen:

El-Gawhary: Kairo war ja nur die Fortsetzung. Zuerst ging der Umbruch in der arabischen Welt, den wir jetzt erleben, in Tunesien los. Dort wurde Ben Ali gestürzt.

Zuerst blieb in Kairo alles ruhig, wir hätten nicht gedacht, dass es so gewaltige politische Veränderungen auch am Nil geben könnte. Ägypten, das 30 Jahre lang sozusagen in der Garage der Welt abgestellt war, folgte etwas später dann doch der heftigen Welle der Veränderung. Und dann ging es also auch in Ägypten los. Ich war da, jeder konnte es spüren, spätestens als die Demonstranten sich nicht mehr von den Polizisten haben vertreiben lassen wurde es klar, jetzt passiert etwas ganz großes. Alle spürten, dass der arabischen Welt ein Tsunami bevorsteht.

Wir in Europa dürfen nicht vergessen, die Leute leben in großer Armut, die halbe Bevölkerung muss mit weniger als 1,50 € pro Tag auskommen, lebt also unterhalb der von der UNO definierten Armutsgrenze.

Das mehrfach wiederholte „dann ging es los“ wirkt infantil, aufregend nichtssagend und nervt mich, denn hätte man in Deutschland 1933 schließlich auch sagen können „jetzt geht es los“, und damals folgte eine menschenverachtende Diktatur. Warum wünscht sich Karim El-Gawhary nicht ausdrücklich, dass in Ägypten jetzt die allgemeinen Menschenrechte endlich umgesetzt werden? Ist heutige materielle Armut ein Alibi für eine dauerhafte Außerkraftsetzung der AEMR?

Noch im Sommer 2006 urteilte der Oberste Verwaltungsgerichtshof, dass den Bahāʿī auch weiterhin alle offiziellen Dokumente zu verweigern sind: „Die Verfassung sieht Religionsfreiheit nur für die drei himmlischen Religionen vor, und das sind Islam, Christentum und Judentum.“ Die Bahai nannte der Richter „Abtrünnige des Islam, Islamapostaten“.[3]

Was El-Gawhary großzügig ebenso übergeht: Um eine Auslandsreise zu unternehmen, braucht jede unter 21 Jahre alte Frau die Erlaubnis ihres Vaters, um nämlich den Reisepass zu beantragen. Ehefrauen jeden Alters können ohne Einwilligung ihres Ehemannes nicht ins Ausland reisen.[4]

Es ist keine vier Jahre her, da wusste die Neue Zürcher über das traurige Los einer dritten Gruppe oder Kaste von ägyptischen Unpersonen zu berichten und nannte als Gegner einer Modernisierung des Familienrechts die Islamisten:

„Bis jetzt waren uneheliche Kinder namenlos, bekamen keine Geburtsurkunden, konnten nicht zur Schule gehen, keine Identitätskarte erwerben und blieben ihr Leben lang Außenseiter. Laut Menschenrechtlern gibt es zurzeit in Ägypten mindestens 20.000 uneheliche, von ihren Vätern nicht anerkannte Kinder.“[5]

Was sind Frömmigkeit oder Armut da für Argumente, will El-Gawhary die vergleichsweise fraglos eher reichen und gottvergessenen Deutschen beschämen und beide, Ägypter und Deutsche, daran hindern, den Wegfall der ägyptischen staatlichen Diskriminierung der Bahai oder der unverheirateten Mütter zu fordern? Sicherlich ist Armut schlimm, aber Armut und Pressezensur oder Armut und Scharia ist noch schlimmer. Soll Armut etwa eine Entschuldigung dafür sein, den Frauen zusätzlich weiterhin das männerverherrlichende islamische Eherecht aufzubürden oder es koranbasiert zu verschärfen?

Das von El-Gawhary gerade verwendete bekannte Bild der zerstörerischen Riesenwelle ist dem gründlichen politischen oder pädagogischen Nachdenken eher hinderlich. Folgte nach dem ersten Februar 1979 für den Iran, dem Tag, an dem Ayatollah Chomeini aus dem Exil zurückkehrte, denn kein „Tsunami“? Auch El-Gawhary ist rasch gereizt und verkündet über WDR 5 seinen Missmut über jene Pessimisten und wohl auch Islampessimisten, die es wagen, den Arabischen Frühling ohne Führung eines Weltreporters selbstständig zu interpretieren:

Mich persönlich nervt es, wenn, wie immer wieder zu hören ist, davon geredet wird, dass: „Aus dem arabischen Frühling nun ein arabischer Winter“ geworden sei.

Deutschlands größte Frauenzeitschrift berichtet wesentlich weniger optimistisch über den Arabischen Frühling, den Tahrir-Platz und Aliaa Magda Elmahdy, die Lebensgefährtin von Kareem Amer (Abd al-Karim Nabil Suleiman). Der gesellschaftskritische und atheistische Blogger konnte am 17. November 2010 (bezeichnenderweise zwölf Tage zu spät und nach erlittenen Misshandlungen) seine vierjährige Gefängnisstrafe beenden. Drei Jahre Haft hatte er dabei wegen Volksverhetzung und Beleidigung des Islams bekommen, ein Jahr wegen Präsidentenbeleidigung.[6]

Studentin Elmahdy stellte im Namen der Freiheit des Ausdrucks und der Gleichberechtigung der Frau den fotografierten, unbekleideten weiblichen Körper im Internet dar, ihren eigenen, und muss seither nach islamistischen Todesdrohungen im Verborgenen leben:

„Diese junge Frau ist eine von Millionen, für die der so genannte arabische Frühling gerade zum arabischen Horror wird. Die ägyptische Kunststudentin ist inzwischen untergetaucht, sie ist in Lebensgefahr. Die Islamisten ergreifen die Macht. Und sie verbünden sich mit den konservativen Kräften im Land, die eines mit ihnen gemeinsam haben: Sie sind Männer. Männer, für die Frauen Menschen zweiter Klasse sind. … Selbst das einst als aufgeklärt geltende Tunesien fällt gerade den Gottesstaatlern in die Hände. … Und in Libyen gibt sich die Übergangsregierung zwar „demokratisch“, aber kündigte die Einführung der Scharia an. Und Mustafa Abdul Dschalil, Wortführer der Übergangsregierung, verkündete bei der Gründungsfeier des neuen Libyen auf dem großen Platz von Bengasi unter allgemeinem Jubel: ¬„Männer, ihr könnt wieder vier Frauen heiraten! Denn so steht es im Koran, dem Buch Gottes.“[7]

In Tunesien hat ein Mitglied der islamistischen Nahda-Partei das Herannahen des Kalifats verkündet, das aus dem Arabischen Frühling hervorgehen und Jerusalem und die islamische Welt befreien wird.[8]

Am 18. Februar 2011 hielt der aus seinem Exil in Katar nach Ägypten zurückgekehrte Cheftheologe der Muslimbrüder, Yusuf al-Qaradawi seine Freitagspredigt vor hunderttausenden seiner Anhänger auf dem Tahrir Square.[9] Jahrzehntelang hatte der Scheich mit seiner Fernsehsendung Scharia und Leben sowie mit der Fatwa-Internetseite IslamOnline Millionen von Muslimen in aller Welt erreicht und dazu beigetragen, dass die Muslimbruderschaft die Deutungsmacht zu dem, was Islam ist, heute innehat. Weltreporter Karim El-Gawhary sieht keinen Anlass, heute in Köln das Wort Yusuf al-Qaradawi auch nur auszusprechen.

Im August 2011 verweigerte Irland dem radikalen Scheich und Oberhaupt des Europäischen Fatwa-Rats ECFR die Einreise, der Sitz des ECFR ist Dublin.[10] El-Gawhary distanziert sich nicht vom Gesellschaftsverständnis und Menschenbild eines Gelehrten wie al-Qaradawi, sondern redet von Prozess und Wandel, so als ob Veränderungen immer gut wären:

Diese wichtigen Veränderungen jenseits des Mittelmeers sind ein umfassender Prozess. Es gibt natürlich fortschrittsfeindliche Reste, Überbleibsel das alten Systems, die jeden echten Wandel boykottieren, und es gibt die anderen, die den turbulenten, vollkommenen Wandel wirklich wollen.

Sicherlich ist die Rolle der Frau ein Thema. Aber auch die Hisbollah wird sich sehr stark wandeln, wenn Assad erst stürzt.

Wer garantiert, dass die islamistische libanesische Miliz menschenfreundlich wird und von Israelfeindlichkeit, Scharia und Kalifat Abstand nimmt, was das „wird sich sehr stark wandeln“ doch hoffentlich impliziert? Und warum ist der Status der Frau überhaupt „ein Thema“, soll eine Frau im künftigen Ägypten denn nicht dieselben Rechte und Pflichten haben wie ein Mann?

Bei der Parlamentswahl vor sieben Jahren gewann die HAMAS-freundliche libanesische Hisbollah 14 Parlamentssitze, die mit ihr verbündete Amal-Bewegung 9 Sitze. Im selben Jahr (2005) fand die Miliz Erwähnung im deutschen Verfassungsschutzbericht als islamistische Organisation. In Form mehrerer so genannter Sicherheitsquartiere (Security Quarters) soll die schiitische Hisbollah separatistische Sonderzonen unterhalten, die vom Staat Libanon nicht mehr kontrollierbar sind.

Oder meint El-Gawhary einen noch perfekteren Militärapparat der schiitischen libanesischen Miliz, eine noch genauere Anwendung des die Seele vor dem Höllenfeuer rettenden Islamischen Rechts und eine noch größere Distanz zu den allgemeinen Menschenrechten, wenn er uns sein „auch die Hisbollah wird sich sehr stark wandeln“ prophezeit?

Moderator Beckmann: Die ganze Welt guckt tatenlos zu, was Assad macht?

Kaspar: Als er auch in Syrien los ging, dieser Tsunami, wussten alle, jetzt gibt es Hoffnung.

Beckmann: Aber ist es nicht so, dass in der westlichen Welt jetzt viele sich Sorgen machen, dass diese Staaten dem Islamismus anheimfallen?

Stryjak: Um was es wirklich geht, ist etwas anderes, neues. Es geht um das Aufbrechen von Denkstrukturen. Prozesse wie die Wahlen in Ägypten erfordern von allen ein Umdenken. Man spürt es, es öffnet sich ein Fenster, frischer Wind beginnt zu wehen.

Was für ein Kitsch. Die Logik der Demokratie bricht auf und der Wind des Gottesstaats beginnt zu wehen, meint Stryjak dieses „Fenster“? Warum fordert er nicht den Wegfall von Artikel zwei der ägyptischen Verfassung: Islam is the Religion of the State. Arabic is its official language, and the principal source of legislation is Islamic Jurisprudence (Sharia)?

Was ist, wenn die ägyptische „Zivilgesellschaft“ ganz viel himmlische Scharia legalisieren will?

Und da ist jetzt, Ägypten betreffend, die eigentliche Frage: Hat die Zivilgesellschaft eine Chance? Die Gefahr liegt dort beim Militär, in den alten, unter Mubarak entstandenen Eliten. Die Gesellschaft ist durchsetzt von Mubarak-Anhängern. 10-20 Millionen Menschen sind das, so hat man errechnet. Diese Leute haben kein Interesse an Veränderung.

Zu den weiteren veränderungsfeindlichen Kräften gehören die Golfstaaten und ihre Herrscherhäuser, die von den USA unterstützt werden. Das sind noch auf einige Zeit schier übermächtige Kräfte, da werden wir uns gedulden müssen, das dauert nicht nur ein paar Monate.

Ich finde das immer wieder zu hörende „Aus dem Frühling ist ein Winter geworden“ egoistisch und selbstgefällig!

Stryjak scheint uns sagen zu wollen, dass jeder Deutsche rücksichtslos und eurozentrisch ist, der auch für Nordafrika oder den Nahen Osten die vorbehaltlose Geltung der AEMR einfordert. Der eigentliche Islam, so deutet er Stryjak, ist im Gegensatz zum angeblich amerikatreuen Königshaus der Saudis kein Problem.

Bickel: Die Regierung Assad betreffend, besteht das Risiko, dass sie die Hisbollah von der Leine lässt und einen neuen Krieg provoziert.

El-Gawhary: Die Islamisten sind kein statischer Verein! Ich habe das auf dem Tahrir-Platz erleben können, wie sich die Islamisten wandeln. Ich sprach einen jungen Islamisten an: „Du stehst hier jetzt schon elf Tage auf dem Tahrir-Platz! Was hat das mit dir gemacht, bist du noch derselbe wie vor elf Tagen?“ Und da konnte ich sehen, wie ihn das zum Nachdenken brachte. Dann sagte er mir: „Früher dachte ich, die Frauen können nur dies, die Frauen können nur das. Ich sehe jetzt, wie die Frauen hier erfolgreich mitkämpfen. Ich sehe, die Frauen können alles.“

Eine schwülstige, kitschige Geschichte, die jeden Kairoer Schariafreund als einsichtigen Kumpeltyp darstellen soll. Die Islamisten werden von El-Gawhary als veritable Frauenrechtler dargestellt. Samiha Shafy (DER SPIEGEL 23/2011) sagt, wie weit das „die Frauen können alles“ in Wirklichkeit geht: „Frauen, die ohne männliche Begleitung in der Hauptstadt unterwegs sind, müssen damit rechnen, sexuell belästigt zu werden.“[11]

Streben die Muslimbrüder denn keine Gesellschaft an, in der die Frauen den Hidschab tragen müssen und ohne triftigen Grund das Haus nicht zu verlassen haben? Yusuf al-Qaradawi stellt fest, dass der muslimische Mann seine Ehefrau dazu zwingen muss, den Schleier zu tragen:

„Es herrscht unter den muslimischen Gelehrten Einhelligkeit darüber, dass es für eine muslimische Frau ungesetzlich ist, irgendeinen Teil ihres Körpers unbedeckt zu lassen bis auf Hände und Gesicht (sowie, nach Auffassung einiger Rechtsschulen, der Füße). Folglich ist es einer muslimischen Frau verboten, vor einem Nicht-Mahram-Verwandten ihr Haar, ihre Arme, ihren Oberkörper oder ihre Beine zu enthüllen. Kleidung zu tragen, welche die besagten Teile des Körpers einer Frau dem Blick zugänglich macht, ist absolut verboten. Ein muslimischer Ehemann hat seiner Frau zu befehlen, den Hidschab zu tragen.“[12]

El-Gawhary: Auch den Islamisten also stellt sich die Frauenfrage. Da ist sie wieder, die Frage nach der Rolle der Frau.

Beckmann: Hier ist Raum für die erste Frage aus dem Publikum, bitte sehr.

Publikum: Guten Abend, mein Name ist Edward von Roy, ich bin Sozialpädagoge. Meine Frage betrifft die Trennung von Staat und Religion. Seit 40 Jahren heißt es in Artikel zwei der ägyptischen Verfassung: „Der Islam ist Staatsreligion, Arabisch ist Amtssprache und die Scharia ist die Grundlage der Gesetzgebung.“[13] Das Islamische Recht aber, die Scharia, diskriminiert auch die Frau bereits im Ehe- und Familienrecht. Die Scharia ist dabei nicht etwa Islamismus, wie Sie genau wissen, sondern echter alter Islam. Welche Chance haben Staaten wie Ägypten darauf, dass die Scharia illegal wird, dass der Religionsangehörige endlich durch den Staatsbürger ersetzt wird?

Beckmann: Vielen Dank für die Frage. Ja, die Scharia ist sicherlich ein Problem. Herr El-Gawhary, ich wusste gar nicht, dass das ungleich behandelnde Islamische Recht in Ägypten schon seit 40 Jahren Verfassungsrang hat. Frau Kaspar, was meinen Sie, was können wir hier vom Westen aus helfend tun?

El-Gawhary: Dazu muss man wissen: Die Scharia ist nicht statisch. Man kann die Scharia so oder so auslegen.

Stryjak: Es ist immer die Frage, wie man die Scharia anwendet, das lässt sich nicht pauschalisieren.

Kaspar: Wandel ist notwendig und Veränderung wird sicherlich kommen. Aber Veränderung wird nicht kommen, wenn wir jetzt nur alte Strukturen wie die Scharia verteufeln.

Das war etwas gemein von Frau Kaspar, denn „verteufeln“ klingt ein wenig nach schwarzer Magie und erweckt bei einem einfältigen oder schläfrigen Zuhörer den Eindruck, jeder Kritiker der jenseitszentrierten Scharia argumentiere hasserfüllt und irrational. Rational denkenden Menschen aber geht es nicht um den systemeigenen heilssichernden und exorzistischen Charakter des Islamischen Rechts, sondern um eine herrschende Gesetzgebung, deren Schöpfer der Mensch und nicht der Himmelsgott ist, die nachvollziehbar ist und schließlich nur so Rechtssicherheit und die Freiheit von Furcht gewährleisten kann.

Kaspar: Es geht nicht so sehr um die Religion oder den Islam, es sind die Familienstrukturen, die sich verändern müssen! Das System der Oberhäupter der Familie muss in Frage gestellt werden, der Patriarch muss weg.

Es ist notwendig, dass wir die Mädchen und Frauen ausbilden, im Handwerk ausbilden beispielsweise, oder sie hier in Europa studieren lassen.

Beckmann: Auch die westliche Welt muss ihre neue Rolle erst finden, meinen Sie das?

Kaspar: Europa muss, Deutschland muss wissen, was es tun will. Demokratie hat ihre eigenen Gesetzlichkeiten, was das Volk will, wie es sich etwa bei einer Wahl entscheidet, ist dabei dann selbstverständlich zu respektieren.

Wenn die Menschen am Nil – wie auch in Tunesien – die Islamisten wählen, dann müssen wir das akzeptieren, das ist übrigens Demokratie. Und auch die Islamisten wandeln sich ja.

Wir müssen von unseren alten Feindbildern lassen! Vom Feindbild Islam etwa. Und auch vom Feindbild al-Qaida, wie es gerade den Jemen betreffend von allen Medien aufgebauscht wird.

Beckmann: Warum fällt es dem Westen so schwer, offener zu werden? Diese Frage möchte ich an Herrn Bickel richten. Ist es die Angst vor drohender Unberechenbarkeit einer ganzen Region?

„Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein.“ Sagte Christian Wallner.

Deutschland liegt nicht im „Westen“, sondern in der kulturellen Moderne. Dem „Osten“ oder Orient, gemeint ist von Qantara oder den Weltreportern nicht ein völlig säkulares Ägypten oder Syrien, sondern jedes Mal der irgendwie andersartige Islam, ist die Last der AEMR zu tragen nicht zuzumuten. Das ist genau die Weise, in welcher schon der Wegbereiter der Islamischen Revolution Ali Schariati von Osten und Westen redete.

Für Kulturrelativisten mit geistiger Nähe zu Schariati kommt der „westliche“ Einfluss auf den makellos reinen Islam einer Verschmutzung gleich, der iranische Islamist warnte vor der Gharbzadeghi, das bedeutet Westitis oder Okzidentose. In Nigeria sagt man Boko Haram, „westliche Bildung führt ins Verderben“.

Anscheinend merken nur wenige im Publikum des Funkhauses, dass die Weltbevölkerung gerade in eine Apartheid von Orientalen und „Westlern“ gespalten wird, in Schariapflichtige und Nichtmuslime. Um für die schariakonformen Gesetze Toleranz herzustellen und die Universalität der Menschenrechte als Kolonialismus zu diffamieren, ist es unumgänglich, die heute Abend permanent beschworene „arabische Welt“ der „westlichen Welt“ gegenüber zu stellen.

Bickel: Ja, die alten, autoritären Systeme galten als Garant für Stabilität.

Stryjak: Doch viel gefährlicher wäre eine Fortsetzung der Unterstützung der Despoten oder anderen Machthaber. Das ist dann, wie ich vor einigen Jahren bereits einmal sagte: „Wie eine verschleppte Grippe, aus der irgendwann unweigerlich eine Lungenentzündung wird.“ Also das gleicht dann einem Pulverfass.

Man muss die Dinge zulassen, fairer betrachten und nüchternen sehen.

Die Muslimbrüder etwa dürfen wir nicht dämonisieren. Diese Leute sind karitativ und sehr zuverlässig und deshalb beim einfachen Volk anerkannt. Die Muslimbruderschaft hat Jahrzehnte lang Leid abgenommen! Die Muslimbrüder haben die Leute zum Arzt gebracht, sie haben Witwen auf den Dörfern unterstützt.

Publikum: Ich bin Redakteurin und will jetzt endlich die wirtschaftliche Ebene genauer ansprechen, die ja letztlich die soziale Dimension ist. Die Leute leben, wie wir gehört haben, in Armut.

El-Gawhary: Vielen Dank für diese konstruktive Frage, die das Gespräch wieder in eine hilfreiche Richtung lenkt. Ja, die wirtschaftliche Ebene, und nur sie kann die sozialen Probleme lösen, darum geht es eigentlich!

Die Scharia ist nicht so wichtig! Die Rolle der Frau ist nicht so wichtig!

Beckmann: Unsere Sendung geht dem Ende zu, wir alle werden den spannenden Wandel in der arabischen Welt mit Aufmerksamkeit verfolgen. Gleich wird sich im Foyer sicherlich noch die Gelegenheit zu anschließenden Gesprächen ergeben.

Vielen Dank, dass Sie heute Abend hier bei uns in Köln im Funkhaus Wallrafplatz gewesen sind. Aus dem Kleinen Sendesaal verabschieden wir uns und geben zurück ins Studio.

Über sich selbst schrieben die Reporter: „Wir sind Weltreporter.net. Das erste Netz freier Korrespondenten, die für deutschsprachige Medien aus aller Welt berichten.“

Die Religion, jedenfalls der orthodoxe bzw. revolutionäre Islam, ist bei den Weltreportern offensichtlich über jeden Zweifel erhaben. Jede Kritik an den schariagemäßen Gesetzen hat sich im irgendwie positiven weil dynamischen Treibsand des Hier und Jetzt aufzulösen, man verggegenwärtige sich El-Gawhary: „Die Scharia ist nicht statisch, man kann sie so oder so auslegen“ oder Stryjak: „Es ist immer die Frage, wie man die Scharia anwendet, das lässt sich nicht pauschalisieren“, oder auch Kaspar: „Wir müssen von unseren alten Feindbildern lassen! Veränderung wird nicht kommen, wenn wir jetzt nur alte Strukturen wie die Scharia verteufeln.“

Wer im Januar 2012 beim Kölner WDR die globalen Muslimbrüder oder den authentischen Gesetzesislam problematisiert verfehlt das Thema Arabische Revolution, lässt sich mit dem Netzwerk Weltreporter sagen. Diskriminierende Scharia und schariagemäß erniedrigte Frauenrolle sind, wie El-Gawhary weiß, schließlich „nicht so wichtig!“ Was aber ist den Weltreportern dann wichtig, nur die beim Herumreisen aufgefangene Stimmung einer prickelnden „Welle der Veränderung“ („Alle spürten, dass der arabischen Welt ein Tsunami bevorsteht“) und die Betonung des Rechts der angeblich so ganz „anders“ strukturierten Muslime auf eine islamgemäße Lebensführung und Staatsgestaltung?

Die den von „gemäßigten Islamisten“ erzählenden Weltreportern nahe stehende Internetseite Qantara lässt, sorgsam zwischen „der Islam“ und „der Westen“ unterscheidend, den syrischen Politiker und Schariagelehrten Mohammad Al-Habash bereits im Juli 2005 das Konzept einer „islamische Demokratie“ bewerben.[14]

Macht sich, wer den seitens der Weltreporter heute Abend vorgegebenen Dualismus westliche Welt – arabische Welt nicht einhält, dem Beibehalten von „Feindbildern“ (Kaspar) schuldig? Das wäre eine klassische Double-bind-Situation, den Bewohnern des „Okzidents“ einerseits vorzuwerfen, eurozentrisch zu denken und andererseits auf dem konservierten Anderssein der so genannten islamischen Welt (Weltreporter: „arabische Welt“) zu bestehen.

Ist das die letztlich bis heute etwas unklar gebliebene Intention der Gruppe Weltreporter, zu Staaten wie Pakistan, Somalia, Nigeria, dem Iran oder Saudi-Arabien nichts anderes mehr zu sagen und zu schreiben, als: „Die Scharia ist nicht so wichtig, die Rolle der Frau ist nicht so wichtig“? Einen Vorteil hätte eine derartig islamsensible Berichterstattung durchaus, der Weltreporter wird in Teheran oder Riad mit Klerus oder Religionspolizei niemals Probleme bekommen. Zusammen mit dem aktiven Einsatz für die universellen Menschenrechte ist dabei leider auch der Standard eines gründlich arbeitenden Journalismus aufgegeben worden.

Am 16.02.2011 schrieb Schariaverharmloser Thomas Bauer zum einflussreichsten zeitgenössischen ägyptischen Verfassungsrechtler und titelte Tariq al-Bishri, Islamdemokrat und Verfassungsvater,[15] nur zwei Tage also, bevor Scheich Yusuf al-Qaradawi auf dem Kairoer Mīdān at-Taḥrīr (Platz der Befreiung) predigte. Im Titel deutet der den schariatreuen Islamtheoretiker als „Idealbesetzung“ für das Amt des Vorsitzenden der Verfassungskommission bezeichnende Bauer an, dass es neben der säkularen und rechtsstaatlichen Demokratie auch eine „Islamdemokratie“ geben könne und müsse. In Wirklichkeit, Thomas Bauer verschweigt es, empfiehlt Ṭāriq al-Bišrī den Ägyptern, eine globale Apartheid des Menschenrechtsbegriffs zu bejahen, die allgemeinen Menschenrechte als unzumutbar zu empfinden und im Namen des Eigenen (al-Bishri: des „Ererbten“) zurückzuweisen.[16]

Hier beenden wir die am Folgetag nach handschriftlichen Notizen rekonstruierte Podiumsdiskussion im Kleinen Sendesaal des Kölner Funkhauses.[17] Falls wir die Damen und Herren Weltreporter ungenau wiedergegeben oder missverstanden haben sollten, können sie sich doch einfach unbekümmert hier melden, denn: Es gilt das gesprochene Wort.

Jacques Auvergne

Q u e l l e n

[1] Die niedersächsische Landesregierung will die Medien des Landes beim Thema Integration auf einen gemeinsamen Kurs verpflichten. Die neue Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, Aygül Özkan (CDU), hat deshalb eine „Mediencharta für Niedersachsen“ entwerfen lassen. (…)

Es dürfte in Deutschland bislang einzigartig sein, dass eine Landesregierung die Medien auf gemeinsame Inhalte verpflichten will und sogar die dabei zu wählende Sprache vorschreiben möchte.

Außerdem sollen sich die Medien nach Wunsch der neuen Ministerin dahin erklären, entsprechende Projekte zu entwickeln, über die künftig zu berichten sein wird.

aus: Rolf Seelheim: Ministerin will Medien Inhalte vorgeben

NWZ online 23.07.2010

http://www.nwzonline.de/Aktuelles/Politik/Nachrichten/NWZ/Artikel/2391776/Ministerin+will+Medien+Inhalte+vorgeben.html

„Mediencharta für Niedersachsen“

WELT 23.07.2010

http://www.welt.de/politik/deutschland/article8598674/Mediencharta-fuer-Integration-in-Niedersachsen.html

[2] Medienvertreter kritisierten die Pläne heftig. „Unverblümter hat seit langem kein Politiker mehr versucht, Zeitungen und elektronische Medien auf Kurs zu bringen“, sagte der Chefredakteur der Nordwest-Zeitung, Rolf Seelheim.

Auch die niedersächsische SPD hat die geplante „Mediencharta für Niedersachsen“ scharf kritisiert. „Ich bin absolut fassungslos, dass sich eine Ministerin erdreisten kann, so etwas vorzuschlagen“, sagte die medien- und kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Daniela Behrens, am Freitag. (…)

Die Grünen kritisierten, die geplante Mediencharta sei ein „Instrument der Zensur“. „Die geplante Sprachregelung mag gut gemeint sein, aber die geplante gemeinsame Absichtserklärung zwischen Medien und Ministerium geht gar nicht“, sagte der Fraktionschef der Landtags-Grünen, Stefan Wenzel.

aus: „Mediencharta“: Ministerin löst Sturm der Empörung aus

NWZ 23.10.2010

http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2391959/%84Mediencharta%93-Ministerin-loest-Sturm-der-Empoerung-aus.html

Pikant sei zudem, dass die Sprachregelung für die Medien offenbar nicht mit der Staatskanzlei abgestimmt worden sei. Wenzel [d.i. der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, Stefan Wenzel] forderte Ministerpräsident David McAllister und Ministerin Aygül Özkan auf, das Projekt einer verbindlichen Sprachregelung zu beerdigen.

Özkan selbst rudert inzwischen zurück und sieht die Charta nur als “Diskussionsgrundlage”.

aus: Peter Fehlhaber: Plant Niedersachsen Zensur? “Mediencharta Niedersachsen” sorgt für Irritationen

CelleHeute.de 23.07.2010

http://celleheute.de/plant-niedersachsen-zensur-mediencharta-niedersachsen-sorgt-fuer-irritationen/

Nach heftiger Kritik hat Ministerin Aygül Özkan (CDU) die geplante „Mediencharta für Niedersachsen“ gestoppt. „Vor dem Hintergrund der entstandenen Irritationen kann es nur unser Ziel sein, mit den Medien ins Gespräch zu kommen. Daher stellt sich die Frage nach der Unterzeichnung einer Charta zurzeit nicht“, meldete ihr Ministerium. (…)

Özkan hatte in der vergangenen Woche Redaktionen aufgerufen, eine Mediencharta zu unterzeichnen, mit der sie sich zu einer gemeinsamen Linie bei der Berichterstattung über Integration verpflichten sollten. Das war auch von der Opposition als Angriff auf die Unabhängigkeit der Medien betrachtet worden.

aus: Integrationsministerin Özkan zieht Mediencharta zurück

WELT 28.07.2010

http://www.welt.de/die-welt/politik/article8683468/Integrationsministerin-Oezkan-zieht-Mediencharta-zurueck.html

[3] Egypt’s Supreme Administrative Court has ruled against Baha’is being able to acquire official documents by today upholding an appeal by the Interior Ministry.

The judge, after giving their verdict, stated that “the constitution promotes freedom of belief for the three recognised heavenly religions and they are Islam, Christianity and Judaism”, he went on to call members of the Baha’i Faith “apostates of Islam, because the faith’s principles contradict the Islamic religion and all other religions.”

The Baha’is principle representative to the United Nations, Ms Bani Dugal, said that “We deplore the Court’s ruling in this case, which violates an extensive body of international law on human rights and religious freedom”… “the Court’s decision threatens to make non-citizens of an entire religious community, solely on the basis of religious belief.”

Hossam Bahgat, director of the Egyptian Initiative for Personal Rights, said “It’s a regrettable decision, but it’s a crisis for the government more than for the Bahais, now the government is forced to find a solution for the hundreds of citizens who have no papers.”

aus: James Herbert: Egyptian Court Rules Against Baha’is

warble.com (personal blog space of James Herbert) 16.12.2006

http://warble.com/blog/2006/12/16/egyptian-court-rules-against-bahais/

An open letter to the people of Egypt

[English version of a statement issued in Arabic by the Bahá’ís of Egypt dated April 2011]

Baha’i Faith in Egypt 06.04.2011

http://www.bahai-egypt.org/2011/04/open-letter-to-people-of-egypt.html

bei: Baha’i Faith in Egypt

http://www.bahai-egypt.org/

[4] Civil Liberties:

Women have a moderate level of civil liberty in Egypt. They generally have freedom of movement, but more so in the cities than in rural areas. To travel outside the country, unmarried women under 21 years of age must obtain their father’s permission to obtain a passport; similarly, wives of any age need their husband’s permission.

Women’s freedom of dress has been the subject of lively debate in Egypt. Fully 70 per cent to 80 per cent of women wear a veil in public. The Associated Press reports that while some women are required by male family members to cover themselves, many others choose to wear the veil to show their devotion to Islam.

Aus: SIGI – Social Institutions and Gender Index

http://genderindex.org/country/egypt-arab-rep

Zum Beispiel Tunesien – Wenn die Islamisten wirklich bald das Land umorganisieren, dürfte diese Meldung leider veraltet sein und wird sich die echte islamische Frauenerniedrigung zeigen.

Women in Tunisia have civil liberty. There are no constraints on women’s freedom of movement, and they have freedom of dress. Many women choose to wear the veil in private enterprises or public spaces; however, it is strictly forbidden for women who work in public administration (during working hours).

http://genderindex.org/country/tunisia

[5] Bis jetzt waren uneheliche Kinder namenlos, bekamen keine Geburtsurkunden, konnten nicht zur Schule gehen, keine Identitätskarte erwerben und blieben ihr Leben lang Aussenseiter. Laut Menschenrechtlern gibt es zurzeit in Ägypten mindestens 20 000 uneheliche, von ihren Vätern nicht anerkannte Kinder.

Die Besserstellung unehelicher Kinder komme auch deren alleinstehenden Müttern zugute, die bisher als Prostituierte gegolten hätten, meinte eine Anwältin. Die Islamisten bekämpften diese Revision vor allem mit dem Argument, sie führe zu mehr Unzucht. Ihr Weltbild ist immer noch stark geprägt von der Vorstellung, brave Männer würden von sexbesessenen Frauen verführt und für aussereheliche Geburten seien Frauen ganz allein verantwortlich.

aus: NZZ 13.06.2008

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/verbesserter_schutz_fuer_aegyptische_kinder_1.757800.html

[6] Der Fall Kareem Amer [Nachname Suleiman] soll als Warnung verstanden werden. „Dieses Urteil ist schockierend“, sagt Wael Abbas, einer der prominentesten ägyptischen Blogger. „Ich verstehe das Urteil als drohende Botschaft der ägyptischen Regierung an alle ägyptischen Journalisten und Blogger, dass kontroverse Texte von der Obrigkeit nicht akzeptiert werden.“

Suleimans [d.i. Kareem Amer] Leidensweg begann schon im Oktober 2005. Damals war er zum ersten Mal von der Sicherheitspolizei wegen anti-religiöser Eintragungen, wie die Sicherheitspolizei es ausdrückte, verhaftet worden. Suleiman hatte über religiösen Ausschreitungen in Alexandrien berichtet und sich kritisch über die Rolle der Muslime in den Ausschreitungen geäußert. 13 Tage wurde er damals festgehalten, seine Bücher und persönlichen Aufzeichnungen konfisziert.

Kurze Zeit später, Anfang 2006, wurde Suleiman dann von der Uni verwiesen, weil er sich in seinem Weblog kritisch über einige der konservativen Dozenten geäußert hatte. „Die Professoren und Scheichs der Al-Azhar, die gegen jeden sind, der frei denkt, werden im Abfalleimer der Geschichte enden“, hatte Kareem Amer damals geschrieben. Schon mit sechs Jahren war Suleiman von seinen Eltern in das religiöse Schulsystem der Al-Azhar geschickt worden. Doch anstatt Teil des religiösen Establishments zu werden, rebellierte Suleiman. Er wurde zu einem leidenschaftlichen Verfechter von Frauenrechten, Meinungsfreiheit und Säkularismus und machte seiner Wut in seinen Web-Eintragungen Luft.

Das sollte ihm zum Verhängnis werden.

Im November 2006 stand die Sicherheitspolizei wieder bei Suleiman vor der Tür. Bei der Vernehmung wurde schnell klar, dass die Vernehmungsbeamten Suleiman wegen seiner Ansichten anklagten. „Betest Du?“, „Fastest

Du im Ramadan?“, wollten sie von ihm wissen und machten sich immer wieder über den jungen Mann lustig. Der Staatsanwalt wies Suleiman drauf hin, dass er verhaftet würde, sollte er seine Ansichten nicht ändern. Suleiman bestand auf seinem Recht der freien Meinungsäußerung und landete hinter Gittern.

aus: Amira El Ahl: Vier Jahre Haft für Blogger in Ägypten

SPIEGEL online 23.02.2007

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,468313,00.html

[7] Seit Monaten ist bekannt, dass die „Rebellen“ auf dem Tahrir-Platz „Jungfrauentests“ bei den Rebellinnen durchführen. Das heißt, sie reißen den Frauen die Kleider vom Körper und penetrieren sie manuell. Das machen sie nicht nur mit Ägypterinnen, sondern auch mit Ausländerinnen, ja sogar mit Korrespondentinnen.

aus: Nina Hermann: Tod den Rebellinnen

EMMA Winter 2012

http://www.emma.de/ressorts/artikel/islam-islamismus/aegypten-tod-den-rebellinnen/

Samira Ibrahim (L) flashes a victory sign as she attends a protest against military council violations and virginity tests against females at Tahrir Square in Cairo, December 27, 2011. An Egyptian court ordered on Tuesday that forced virginity tests be stopped on female detainees in military prisons. (…)

MD Ahmed Adel Mohamed El-Mogy, a 27-year-old conscript, is accused of subjecting seven women, including protester Samira Ibrahim, to „virginity tests“ against their will.

The women were initially arrested on 9 March, after the military attempted to disperse a sit-in in Cairo’s Tahrir Square. They were then taken to the notorious C28 military prosecution facility, where the tests were carried out.

Ahram Online 03.01.2012

http://english.ahram.org.eg/NewsContent/1/64/30859/Egypt/Politics-/Virginity-tests-trial-adjourned-to-midJanuary.aspx

[8] This speech was given by a member of Tunisia’s al Nahda Party, where he mentions that the revolutions are the precursor to the next Khilafah (Caliphate) which will liberate Palestine and the Muslim world generally. May Allah reward the sincere brothers in an Nahda Party and make them realise the tricks of the secularists in their own party.

http://www.dailymotion.com/video/xmg5i9_tunisia-nahda-party-member-we-are-heading-for-the-6th-caliphate-insha-allah-translated_news

Tunisia Nahda Party member: „We are heading for the 6th Caliphate insha Allah!“

http://www.youtube.com/watch?v=tL3tJteIwLY

Ghannouchi (En Nahda Party) rejects the idea of Caliphate, wants reforms

http://www.youtube.com/watch?v=6GOBO8NbW1o&feature=related

[9] Leading Islamic theologian Yusuf al-Qaradawi returned from Qatar to rally hundreds of thousands at Tahrir Square today in his first public speech since 1981.

Yusuf al-Qaradawi, a leading Egyptian Islamic theologian popularized by Al Jazeera, returned to Cairo today to deliver a stirring but overtly political sermon, calling on Egyptians to preserve national unity as they press for democratic progress.

“Don’t let anyone steal this revolution from you – those hypocrites who will put on a new face that suits them,” he said, speaking to at least 200,000 who gathered for Friday prayers in Tahrir Square, the epicenter of Egypt’s uprising. “The revolution isn’t over. It has just started to build Egypt … guard your revolution.”

aus: Dan Murphy: Egypt revolution unfinished, Qaradawi tells Tahrir masses

in: The Christian Science Monitor 18.02.2011

http://www.csmonitor.com/World/Middle-East/2011/0218/Egypt-revolution-unfinished-Qaradawi-tells-Tahrir-masses

On February 18, 2011, one week after the fall of the Egyptian dictator Hosni Mubarak, some two millions Egyptians assembled once again in Cairo’s Tahrir Square for the Friday prayer. The day had been proclaimed Yawm al-Fath “the Day of Victory”. The intention was to celebrate the beginning of a new era, to commemorate the martyrs of the revolution and to maintain pressure on the military council temporarily governing the country. The sermon (khutbah) was not going to be preached by one of the highest ranking official Muslim clerics – the Sheikh of al-Azhar University, for example, or the Mufti of the Republic – but by the most emblematic figure of the religious opposition to the former regime, Sheikh Yusuf al-Qaradawi, 84, who had just come back from Qatar the day before.

Sheikh Dr. Yusuf al-Qaradawi is one of the most influential of Sunni ulama (scholars) today. Born in Egypt in 1926, he graduated from al-Azhar Faculty of Principles of the Religion (Usul al-Din) in 1960 (…)

He helped create the very popular IslamOnLine website in 1997, and his weekly program on Al Jazeera, The Shari`ah and Life, is watched by tens of millions of Muslims worldwide. (…)

As much as their choice, the way Sheikh al-Qaradawi recited these verses undoubtedly had an impact on the Tahrir Square worshippers, notably his repeating of the verses 10-14 of The Dawn in the following sequence – 10, 10, 11, 12, 11, 12, 13, 14, 14 – underlining the tyranny of Pharaoh, his corruption and his final chastisement by God. (…)

Before the tribunal which hanged him for assassinating Anwar Sadat in 1981, Khalid Islambuli shouted “I killed Pharaoh!” In his Tahrir Square sermon, Sheikh al-Qaradawi does not call for the killing of anybody. However, he does not hide his satisfaction that the pharaonic and criminal regime of Hosni Mubarak was toppled by a peaceful insurrection.

aus: Yahya M. Michot: Qaradawi’s Tahrir Square Sermon

http://www.onislam.net/english/shariah/contemporary-issues/interviews-reviews-and-events/451341-the-tahrir-square-sermon-of-sheikh-al-qaradawi.html?Events=

YouTube

Khutbah in Midan Tahrir [Al-Qaradawi]

http://www.youtube.com/watch?v=Haxwcqa2btA

YouTube

Qaradawi Khutbah Tahrir Square

http://www.youtube.com/watch?v=fiT4pPHpfOU

[10] A CONTROVERSIAL religious leader with close links to Ireland’s largest Muslim organisation has been banned from entering the country, the Irish Independent has learned.

The Irish Naturalisation and Immigration Service refused to approve an entry visa for Sheikh Yusuf al-Qaradawi, an Egyptian cleric who has defended suicide bombing and advocated the death penalty for homosexuals.

Sheikh al-Qaradawi (84) is head of the European Council of Fatwa and Research (ECFR), a private Islamic foundation whose headquarters is in the Islamic Cultural Centre of Ireland (ICCI) in Clonskeagh, Dublin.

Immigration officials are understood to have blocked his entry to the country after Mr Al-Qaradawi described suicide-bombing attacks on Israelis as „martyrdom in the name of God“.

The Irish Independent has learnt the elderly religious leader was denied a visa when he last tried to enter the country on ECFR business.

The Irish ban follows similar ones in the US and UK.

Mr Al-Qaradawi had his US visa revoked in 1999 and was also refused entry to the UK three years ago.

aus: Shane Phelan: ‚Fatwa‘ sheikh with links to Irish Muslims is refused visa

Irish Independent 08.08.2011

http://www.independent.ie/national-news/fatwa-sheikh-with-links-to-irish-muslims-is-refused-visa-2842247.html

[11] Die Männer, die Augenzeugenberichten zufolge am Nachmittag des 9. März den Tahrir-Platz stürmten, das Zentrum der ägyptischen Revolution, und anscheinend wahllos Demonstranten attackierten, trugen keine Uniformen. „Sie sahen aus wie Schlägertypen“, erzählt Salwa, „sie beschimpften mich als Hure und schlugen mir ins Gesicht.“ Schockiert sei sie gewesen, als die Bande sie mit etwa 20 anderen Frauen ins Ägyptische Museum verschleppt und dort dem Militär übergeben habe. „Ich konnte nicht glauben, dass unsere Armee hinter diesem Angriff steckte“, sagt sie. „Aber dann brachten sie uns ins Militärgefängnis, und von da an wurde es immer schlimmer.“ (…)

Als Salwa am 9. März im Militärgefängnis ankam, so erzählt sie, wurde sie mit zwei anderen Frauen in einen kleinen Raum geführt, wo sie sich ausziehen und ihre Kleider durchsuchen lassen mussten. Dabei habe sie bemerkt, dass ein Soldat vor dem offenen Fenster stand und die nackten Frauen fotografierte. „Ich hatte Angst, dass sie die Fotos benutzen würden, um uns als Prostituierte darzustellen.“

In der Nacht wurden die Frauen in eine Zelle gesperrt; sie bekamen Wasser und Brot, das nach Kerosin stank. Am nächsten Tag stand im Flur vor ihrer Zelle eine Liege; dort, so verkündete ein Offizier, werde nun ein Arzt die Jungfräulichkeit der unverheirateten Frauen überprüfen. „Wir konnten es nicht glauben“, sagt Salwa, „wir fragten, ob es nicht wenigstens eine Ärztin sein könne, aber er sagte nein. Ein Mädchen, das sich wehrte, wurde mit Elektroschocks traktiert.“

Was zwischen dem 9. und 13. März im Militärgefängnis von Heikstep geschah, nordöstlich von Kairo, beschäftigt nun mehrere Menschenrechtsorganisationen. Amnesty International forderte die Behörden auf, „die schockierende und erniedrigende Behandlung von Demonstrantinnen zu stoppen“. Das Europäische Parlament verurteilte „die erzwungenen Jungfräulichkeitstests“ als Folter. (…)

Frauen, die ohne männliche Begleitung in der Hauptstadt unterwegs sind, müssen damit rechnen, sexuell belästigt zu werden.

Am vergangenen Dienstag, fast drei Monate nach Salwas Verhaftung, meldete sich erstmals ein General zu Wort. „Die Mädchen, die festgenommen wurden, waren nicht wie Ihre Tochter oder meine“, sagte der General dem US-Nachrichtensender CNN. „Es waren Mädchen, die mit männlichen Demonstranten auf dem Tahrir gezeltet hatten, in den Zelten fanden wir Molotow-Cocktails und Drogen.“ Die Jungfräulichkeitstests seien durchgeführt worden, damit die Frauen hinterher nicht behaupten konnten, im Gefängnis belästigt oder vergewaltigt worden zu sein: „Wir wollten beweisen, dass sie sowieso keine Jungfrauen mehr waren.“

Eine „zutiefst perverse Rechtfertigung einer herabsetzenden Form von Missbrauch“ nannte Amnesty International diese Reaktion und forderte die Behörden auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Antwort der Armee folgte prompt: Die Anschuldigungen der Frauen, ließ sie über einen Sprecher ausrichten, seien haltlos.

aus: Samiha Shafy: Die Jungfrauen vom Tahrir

DER SPIEGEL 06.06.2011

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78832468.html

[12] Dr al-Qaradawi insists that a husband must compel his wife to wear the hijab.

“It is unanimously agreed upon among Muslim scholars that it is not lawful for a Muslim woman to uncover any part of her body other than the face and hands (and the feet according to some schools of jurisprudence). Hence, it is unlawful for a woman to reveal her hair, or arms, or chest or legs before non-mahram men. Wearing clothes that reveal such parts of a woman’s body is completely forbidden. A Muslim husband is to order his wife to wear hijab.”

http://www.workersliberty.org/node/4068

[13] Constitutional Status of Islam(ic Law): The Constitution was adopted on 11 September 1971 and amended by referendum in May 1980. The amendment made Islamic law „the principal source of legislation“ in Egypt. Article 2 of the Constitution reads in full:

Islam is the religion of the State and Arabic its official language. Islamic jurisprudence is the principal source of legislation.

http://www.law.emory.edu/ifl/legal/egypt.htm

[14] Muhammad Habash ist ein vielseitiger Mann. Er sitzt im syrischen Parlament, ist Imam einer Damaszener Moschee, leitet das Islamische Studienzentrum und ist Vorsitzender der islamischen Gelehrten in Syrien. (…)

Die Reformer, zu denen er sich selbst zählt, propagierten eine islamische Demokratie. „Wir sind gegen einen religiösen Staat“, betont Habash. „Wir wollen einen säkularen Staat, den wir als Muslime beeinflussen können – ähnlich wie in der Türkei.“

Dafür wird sich der Abgeordnete in den kommenden Jahren einsetzen. Schon jetzt gilt Habash im sozialistisch und säkular geprägten Syrien als führender Vertreter eines gemäßigten Islam. (…)

„Nach fünf bis zehn Jahren in der Politik werde ich mich wieder voll auf das Verhältnis zwischen Islam und Westen konzentrieren“, kündigt Habash an.

aus: Kristin Helberg: Engagement für den Dialog der Religionen

Qantara 28.07.2005

http://de.qantara.de/Engagement-fuer-den-Dialog-der-Religionen/3355c3449i1p399/

[15] In der Tat ist Tariq al-Bishri die Idealbesetzung für den Vorsitzenden der Verfassungskommission. Im November 1933 in eine Gelehrtenfamilie geboren, ist al-Bishri nicht nur pensionierter Richter und gestandener Rechtstheoretiker, sondern ein weit über Ägypten hinaus bekannter und geschätzter Intellektueller. … Tariq al-Bishri ist zunächst einmal ein Intellektueller, der sich wie kaum jemand anderes Gedanken über die Rolle des Islams in einer modernen, demokratischen Gesellschaft gemacht hat. Dabei ist er weder auf konservativen islamischen Positionen stehen geblieben, die eine Umsetzung islamischen Rechts in seiner traditionellen Ausprägung für die Gegenwart fordern, noch auf einen unkritischen „Reformislam“ eingeschwenkt, der schlichtweg westliche Konzepte eins-zu-eins auf den Islam übertragen will. Sein Ausgangspunkt ist vielmehr ein gut klassisches Konzept einer schari’a (die übrigens schon seit Sadat Hauptquelle der Gesetzgebung in Ägypten ist), die nicht von vorneherein feststeht, sondern der Interpretation bedarf und stets mit den aktuellen gesellschaftlichen Verhältnissen in Beziehung gesetzt werden muss. Al-Bishri liegt es fern, die direkte Umsetzung von Koranversen oder Hadithen in Gesetze zu fordern oder die Religionsgelehrten in die Gesetzgebung einzubeziehen. Vielmehr billigt er der schari’a etwa jene Rolle zu, die in Europa das Naturrecht spielt. Für al-Bishri, der ein durchaus patriotisches Verständnis von Ägypten hat, ist Ägypten durch eine islamische Kultur (die nicht identisch ist mit der islamischen Religion) geprägt, zu der auch die christlichen Kopten gehören. Gleichberechtigung von Kopten und Muslimen und ebenso von Männern und Frauen ist eines seiner zentralen Anliegen. Bei Konflikten zwischen Kopten und Muslimen hat sich al-Bishri immer wieder für die Rechte der Kopten eingesetzt.

aus: Thomas Bauer: Tariq al-Bishri, Islamdemokrat und Verfassungsvater

Sawtuna 16.02.2011

http://arabistikwwu.blogspot.com/2011/02/tariq-al-bishri-islamdemokrat-und.html

Der Islamdemokrat

[16] Ṭāriq al-Bišrī gilt als berufener Verfassungsrechtler. Zum Religionsbegriff eines ägyptischen Juristen, zur Glaubenserhöhung in Kairo und Berlin und zum geologischen Begriff der Plattentektonik. Von Jacques Auvergne.

http://jacquesauvergne.wordpress.com/2011/03/12/221/

[17] Umbruch in der Arabischen Welt

Weltreporter berichten

wdr. Im Rahmen ihrer Jahrestagung diskutieren freie Korrespondenten des Weltreporter-Netzwerkes über die Zukunft der arabischen Welt. Sie berichten seit Jahren für Zeitungen und Hörfunk aus der Region und haben den Arabischen Frühling selbst miterlebt.

http://www.wdr.de/wissen/wdr_wissen/programmtipps/radio/12/01/06_2005_5.php5

auch bei den Schariafreunden von Qantara, abgleichen heißt versuchen, gleichzuschalten:

Am Freitag, 6. Januar 2012, berichten fünf Korrespondenten des Netzwerks Weltreporter von ihren Erfahrungen während der Umbrüche und gleichen diese mit der Darstellung in den deutschen Medien ab

http://de.qantara.de/Termine/15894c18720i/index.html

Friedenskonferenz um Friedenskonferenz verläuft der Pfad in den Schariastaat. Die katholischen Pazifisten und Antisäkularen von Sant’Egidio etwa laden im September 2011, weil man an die zehn Jahre zurückligenden Terrorangriffe denken möchte, hochrangige Muslimbrüder wie Dr. Moneim (Ägyptens Präsidentschaftskandidat) nach München. Claudia Mende frohlockt:

Mit den vielen muslimischen Gesprächspartnern, nicht nur aus der arabischen Welt, sondern auch aus Malaysia und Indonesien habe man aber zeigen können, dass der Islam „viele Facetten“ hat, sagt Susanne Bühl von der deutschen Gemeinschaft Sant’Egidio. Das trage zu einem besseren Verständnis des Islam bei. „Viele wichtige Gespräche fanden auch hinter den Kulissen statt.“ Das nächste internationale Friedenstreffen ist übrigens für 2012 in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo geplant.

http://de.qantara.de/Alte-Wunden-neue-Fragen/17656c18263i1p104/index.html

Abu’l-Futuh Abd Al-Moneim

Präsidentschaftskandidat, Ägypten

http://www.santegidio.org/index.php/de/solidarieta/disabili/index.php?pageID=2386&idLng=1067&idOratore=569

Interview mit Cesare Zucconi – Generalsekretär der Gemeinschaft Sant’Egidio. Vaticanista News 11.09.2011.

Zucconi: Wir freuen uns darüber, dass wir zwei Podien dem arabischen Frühling widmen können, dem Umbruch in Ägypten und dem in Tunesien. Mit Abdel Moneim Abul Futuh kommt einer der Präsidentschaftskandidaten zu uns

http://www.vaticanista.info/2011/09/09/echte-begegnungen-mit-echten-menschen/

Interview mit Tariq Ramadan:

„Es gibt kein islamisches System, nur islamische Prinzipien“

Im Gespräch mit Claudia Mende wendet sich der muslimische Gelehrte und Reformdenker Tariq Ramadan gegen autoritäre Herrschaftsstrukturen im Islam und wirbt für ein modernes Glaubensverständnis auf der Grundlage einer Trennung von Staat und Kirche.

http://www.iphpbb.com/foren-archiv/5/294400/293880/tariq-ramadan-quotviel-feind-viel-ehrquot-93510334-17659-47.html

Die Methode Sant’Egidio

München. Mohamed Abdul Malek und Fatih Mohammed Baja brauchen jetzt erst einmal einen Kaffee. Um 16 Uhr sollen der Vizepräsident der Muslimbruderschaft in Libyen und das Mitglied des Nationalen Übergangsrates wieder im Herkulessaal der Münchner Residenz über den Arabischen Frühling diskutieren. Gerade noch haben sie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gelauscht.

http://kirchensite.de/aktuelles/kirche-heute/kirche-heute-news/datum////die-methode-santegidio/

http://www.santegidio.org/index.php?pageID=64&id=8508&idLng=1067

Beitrag

Mohamed Abdul Malek

Vizepräsident der Muslimbruderschaft, Libyen

http://www.santegidio.de/index.php?pageID=2396&idLng=1067

Aus erzkatholischer Sicht sind Westler und Koranvolk in Wesen und Lebensführung grundverschieden, weshalb das Miteinander von Demokratie und Islamdemokratie kommen muss.

Des représentants des Frères musulmans, venus de Libye, assuraient qu’ils voulaient construire la démocratie dans leur pays, mais que les démocrates occidentaux devaient admettre que cette démocratie pouvait être différente de la leur.

Burka und Bikini integrieren, der Trend geht zur Zweitfrau:

« la paix est le nom même de Dieu »

http://www.santegidio.org/pageID/64/id/8518/idLng/1067/.html

Scharia und Weihrauch für`s katholische München, ECFR-Chef ist Yusuf al-Qaradawi:

Abdul Majeed Al-Najjar (ECFR), Stellvertretender Generalsekretär des European Council for Fatwa and Research, Tunesien

http://www.santegidio.org/index.php?int=oratori&id=528

Per Riccardi “non possiamo essere pessimisti perché il pessimismo può influenzare in modo negativo il futuro del mondo arabo”. Importante la presenza di interlocutori libici – l’uno vicino ai Fratelli musulmani, l’altro rappresentante del CNT – certo per il contesto attuale, ma anche perché i libici non hanno mai amato partecipare a questi incontri.

http://www.santegidio.org/pageID/3/id/4163/idLng/1062/Da_Monaco_di_Baviera_-_Andrea_Riccardi_Lo_Spirito_di_Assisi_ha_incontrato_la_primavera_araba_Decisivo_il_messaggio_di_Benedetto_XVI_Pi%C3%B9_spiritualit%C3%A0_vuol_dire_pi%C3%B9_concretezza.html

Abdul Majeed Al-Najjar È membro dell’autorevole International Association of Muslim Scholars e dell’European Council for Fatwa and Research di Parigi. L’European Council for Fatwa and Research (ECFR) è un’organizzazione di studiosi islamici istituita a Londra nel 1997, il cui fondatore e presidente è Yusuf al-Qaradawi.

[Zehnter Jahrestag der Terrorangriffe vom 11. September, Dialog der Religionen für den Frieden, Panel 30, Der Arabische Frühling] La primavera araba

http://www.santegidio.org/index.php?pageID=1077&idLng=1062&cosa=Najjar&x=0&y=0

Qantara

Qantara.de (arab.: Qantara = Brücke) ist ein Internetportal, das in den Sprachen Deutsch, Englisch, Indonesisch, Arabisch und Türkisch den intellektuellen Dialog der westlichen mit der islamischen Welt fördern soll.

Das Portal geht auf eine Initiative des deutschen Außenministeriums zurück, in Reaktion auf die krisenhafte Entwicklung der Beziehung zum islamischen Kulturkreis nach dem Schock der Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA. Gemeinsame Träger der seit März 2003 online erreichbaren Plattform sind die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), die Deutsche Welle (DW), das Goethe-Institut (GI) und das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa); das Projekt wird vom Außenministerium gefördert. Das gemeinsame Dialogprojekt macht es sich zur Aufgabe, die Verständigung zwischen den verschiedenen Kulturkreisen zu fördern, mit dem Ziel, vorhandene Wissensdefizite aufzuheben und Vorurteilen entgegenzuwirken.

Anspruch des Redaktionsteams ist, die Publikation von solchen westlichen und islamischen Autoren zu ermöglichen und zu betreuen, die auch in Krisenzeiten die offene und respektvolle Auseinandersetzung über Gemeinsamkeiten wie über strittige Themen suchen.

Dazu gehörten beim Startangebot der Plattform zum Beispiel der ägyptische Literaturwissenschaftler Nasr Hamid Abu Zaid, der deutsche Ex-Diplomat und Muslim Murad Hofmann, die Islamtheologin Halima Krausen, der Konfliktforscher Heiner Bielefeldt und der Physiker Ernst Ulrich von Weizsäcker.

aus: Wikipedia abgerufen am 07.01.2012

http://de.wikipedia.org/wiki/Qantara.de

Die Muslimbruderschaft hat sich im Laufe ihrer achtzigjährigen Geschichte meist als gewalttätige, anti-westliche Bewegung hervorgetan, die auf eine strikte Einhaltung der islamischen Gesetze drängt. Viele der gewaltsamen radikal-islamischen Bewegungen, die wir heute kennen, sind ursprünglich aus der Bruderschaft hervorgegangen oder von ihrer radikalen Ideologie beeinflusst worden.

Im Lauf der letzten dreißig Jahre haben jedoch verschiedene der nur lose miteinander verbundenen Ableger dieser Bruderschaft in unterschiedlichen arabischen Staaten an Wahlen teilgenommen. Man hat sich um Transparenz sowie eine demokratische Reformierung der eigenen Parteipolitik bemüht und das System der parlamentarischen Volksvertretung ausdrücklich anerkannt. (…)

Aber statt die neueren demokratischen Bestrebungen der Bruderschaft zu begrüßen, versuchen die Regierungen der arabischen Staaten, möglichst hart durchzugreifen. Darunter leidet nicht zuletzt ihre eigene Glaubwürdigkeit, da die Öffentlichkeit diesen Widerspruch durchaus wahrnimmt. Moderatere Anhänger des Islam werden so womöglich erst recht in die Arme der radikalen, an den Rändern der Bewegung agierenden Dschihad-Prediger getrieben.

aus: James M. Dorsey: Richtungsstreit um demokratische Öffnung

Qantara 26.11.2009

http://de.qantara.de/Richtungsstreit-um-demokratische-Oeffnung/5090c5170i1p537/index.html

Toleranz für verschiedene Wege: In seinem neuen Buch beschreibt der Islamwissenschaftler Thomas Bauer die Spielräume muslimischer Kultur und räumt mit Zerrbildern eines alle Lebensbereiche dominierenden, dogmatischen Islams auf. Von Katajun Amirpur

„Abgesehen davon, dass wohl kaum eine Aussage darüber möglich ist, was „der Islam“ eigentlich sei, denn dazu gibt es viel zu viele Erscheinungsformen des Islams, ist falsch daran die Grundannahme: „Der Islam“ hat in Geschichte und Gegenwart islamischer Gesellschaften keineswegs alle Lebensbereiche durchdrungen.“

http://de.qantara.de/Eine-andere-Geschichte-des-Islams/18273c18959i0p/index.html

Welche Bedeutung hat das islamische Recht gegenwärtig für den Alltag von Muslimen? Die Antwort auf diese Frage fällt regional sehr unterschiedlich aus. …

Während die jungen Nationalstaaten sich beim Straf- und Handelsrecht meist an europäisch inspirierten Codices orientierten, wurde das Personenstandsrecht in Ländern wie Ägypten, Marokko, Malaysia oder Indien konfessionell geregelt.

Das heißt, dass z.B. ein Wohnungseinbruch genauso wie in Europa mit Gefängnis bestraft wird, während in persönlichen Angelegenheiten wie Heirat, Scheidung oder Erbe das Recht der jeweiligen Glaubensgemeinschaft gilt. Für Muslime bedeutet das, dass sie gemäß der jeweils geltenden Interpretation des islamischen Rechts heiraten, sich scheiden lassen und erben.

Diese von Fachleuten so genannte konfessionelle „Rechtsspaltung“ war kein großes Problem, solange nur wenige Muslime in nichtmuslimische Länder auswanderten.

aus: Martina Sabra: Perspektiven auf die Scharia

qantara 18.05.2009

http://de.qantara.de/Perspektiven-auf-die-Scharia/3956c4050i1p411/

Das islamische Recht, die Scharia, hat einen schlechten Ruf – insbesondere in westlichen Ländern, aber auch unter vielen säkularisierten Muslimen. Es steht für Unterdrückung der Frauen, Verachtung der Menschenrechte und Rückständigkeit.

Abdullah An-Na’im, Rechtsprofessor an der amerikanischen Emory-Universität in Atlanta und keineswegs Fundamentalist, versteht den Begriff Scharia freilich ganz anders. Scharia, sagt er, sei positiv und zukunftsfähig, die Zukunft liege allerdings in einem säkularen Staat und nicht in einem islamischen:

„Mein Argument ist, dass die Idee des islamischen Staates eine postkoloniale Idee ist. Sie hat sich aus der europäischen Staatslehre und der europäischen Rechtslehre heraus entwickelt. Das passt nicht in die Natur der Scharia und ist nicht vereinbar mit der Geschichte der islamischen Gesellschaft.“

Die auf das siebte Jahrhundert zurückgehenden Rechtslehren der Scharia, so an-Naim, seien in ihrer ursprünglichen Form mit der Lebensrealität im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr vereinbar. Man müsse sie neu definieren.

Cem Sey bei Qantara am 02.08.2006

http://de.qantara.de/Die-Zukunft-der-Scharia-ist-der-saekulare-Staat/3524c3618i1p402/

In Libyen ist das Familien- und Erbrecht schon lange von Scharia-Grundsätzen geprägt. Also: Was genau ist die Scharia?

In der westlichen Debatte, auch unter manchen Muslimen, wird sie meist als Gegensatz zu demokratischer Rechtsstaatlichkeit gesehen. Das ist jedoch weniger als die Hälfte der Wahrheit. In einem weiten Verständnis, das viele Muslime haben, beinhaltet die Scharia das gesamte, höchst komplexe und flexible System islamischer religiöser und rechtlicher Normen und deren Interpretation. (…)

So kann die „Scharia“ auch den Einsatz gegen Folter, Korruption und staatliche Willkür gegen BürgerInnen begründen. Die Partei der ägyptischen Muslimbrüder (HHA) setzt Scharia in ihrem Programm mit Demokratie gleich, im Gegensatz zu Gottesstaat und Militärherrschaft. (…)

Wer aber über die Grenzen liberalsäkularer Eliten hinaus in die breite Bevölkerung hineinwirken will, wird sich ohne Bezugnahme auf islamische Kultur und Scharia schwertun. Muslimische Vorkämpfer der Menschenrechte wie Schirin Ebadi oder Nasr Hamid Abu Zaid befürworten deshalb eine kulturelle Übersetzung der Menschenrechte in die herrschende Denktradition, die sie als etwas „Eigenes“ erfahrbar machen.

Die Klimakatastrophe, die dem Arabischen Frühling tatsächlich droht, ist nicht die Scharia per se, sondern weitere Destabilisierung im wirtschaftlichen und sozialen Bereich.

aus: Mathias Rohe: Eine westliche Fehlinterpretation

bei: Qantara 02.12.2011

http://de.qantara.de/Eine-westliche-Fehlinterpretation/17880c18506i0p/index.html

Der Schariaverweigerer brutzelt auf ewig in der Feuergrube, weil er den Sinn gelingenden menschlichen Lebens verfehlt hat, den Rechtsgehorsam nach Maßgabe von Scharia und Fiqh. Wenn die Gottheit Souverän und die Scharia die Wolke ist, regnen Gesetze vom Himmel.

Aus: Edward von Roy: Die Landesregierung, der Verbandsislam und die Suche nach dem bekennenden Religionsunterricht. Offener Brief an die Düsseldorfer Landtagsabgeordneten. Zum 10.12.2011.

http://jacquesauvergne.wordpress.com/2011/12/05/273/

6 Antworten to “279. Karim El-Gawhary”

  1. Jacques Auvergne Says:

    Lieber Cees,

    jetzt steht es also fest, Mohammed Mursi (anglis. Mohamed Morsi) hat die Präsidentschaftswahl gewonnen.

    Der Einzug der Muslimbrüder in Ägyptens höchste Politik ist wirklich beunruhigend. Der wünschenswerte Wandel Ägyptens zu einer bürgerlichen und freiheitlichen Gesellschaft rückt damit in leider die Ferne, die Bedrohung gegen Israel wächst damit leider an.

    Im Familienrecht ist das Islamische Recht (Scharia) allerdings schon seit drei Jahrzehnten für die Ungleichbehandlung (Diskriminierung) der Frauen und Nichtmuslime verantwortlich:

    Islam is the Religion of the State. Arabic is its official language, and the principal source of legislation is Islamic Jurisprudence (Sharia), so sagt es Artikel 2 der ägyptischen Verfassung seit 1981 und als Folge des Referendums vom 22. Mai 1980.

    Die global aktiven Muslimbrüder, so ist jetzt zu befürchten, werden die Legalisierung der Scharia, die “Schariatisierung” des Landes am Nil noch viel weiter vorantreiben und die ägyptische Bevölkerung mit islamkonformen Paragraphen ebenso drangsalieren wie radikalisieren.

    Hoffentlich können sich die säkularen Kräfte in Ägypten auf Dauer trotzdem durchsetzen. Und hoffentlich wird die (schariatisch unumgängliche) Rechtsspaltung jetzt kein Exportartikel Ägyptens mit Europa als Zielort der Lieferung.

    Auch im Namen der (angeblichen) religiösen islamischen Empfindlichkeit oder des (ebenso geisterhaften) orientalischen kulturellen Besonderen ist den Ägyptern und überhaupt den so genannten Muslimen, auch in Europa, kein Ausstieg aus den Standards allgemeiner Menschenrechte zuzugestehen.

    Mit solidarischen Grüßen

    Jacques

  2. Jacques Auvergne Says:

    Zu Geschwindigkeit und Ausmaß der staatsprogrammatischen Schariatisierung Ägyptens, zum Marionettenpräsidenten der Muslimbrüder Mursi, zum Mitbürgerbegriff bei Tariq al-Bishri und zum Begriff des Referenzrahmens beispielweise bei Tariq Ramadan

    25.06.2012. Der neugewählte Präsident, Mursi, erfährt islamgelehrige Rechtleitung aus Doha / Kuweit … von Scheich Yusuf al-Qaradawi und seiner International Union for Muslim Scholars (IUMS). Die Umma erwartet viel, und sogar der Rest der Menschheit. Gestalten Sie die Wiedergeburt des Staates nach Maßgabe des [allein rechtleitenden] Islamischen Bezugsrahmens, der [allen Menschen] Offenbarung, [schariabestätigende] Vernunft und erfolgreiches [d. h. heilssicherndes] Experiment [zu einem schönen Ganzen, zur Allahkratie bzw. zum Kalifat] verschmilzt.

    IUMS Message to Egyptians and the President Morsi

    We ask Allah to grant you success, guidance and rightness regarding your duty, and to grant you victory, maintain you with aid and hosts of His, so that Egypt would attain a comprehensive social, economic and political renaissance (on both Arab and international levels) and restore its great role, which is expected by the Arab and Islamic nation, and even by humanity at large.

    … and bring about a comprehensive reform so as to achieve a thorough renaissance in light of the Islamic referential authority [s. u.: margi`iyya] that combines revelation, reason and successful experiments.

    May Allah guide the people of Egypt

    Professor `Ali Al-Qarra Daghi
    Professor Yusuf Al-Qaradawi

    http://www.onislam.net/english/shariah/shariah-and-humanity/shariah-and-life/457718-iums-message-to-egyptians-and-the-president-morsi.html

    Auch die spirituellen Führer der traditionsreichen Scharialehrstätte al-Azhar leuchten am selben Tag dem Wahlgewinner den Weg und fordern von Mursi sichtbare, im politischen Arbeitsalltag praktizierte Gottesfurcht (fear Allah) und den von der Islamischen Pflichtenlehre der Scharia und der Islamischen Moral getragenen Staat Ägypten

    Al-Azhar Message to Egypt’s President Morsi

    he should remember that he is responsible for the protection of human, social and political rights of the Egyptians. Al-Azhar is indeed sure that the new President of Egypt will fear Allah in every major and minor issue that relates to public equality in terms of citizenship rights of all Egyptians, Christians and Muslims alike. …

    Al-Azhar ash-Sharif, the stronghold of Islamic sciences, expects the new President to establish a national, democratic, constitutional and modern state on the fixed pillars of the high objectives of Islamic Shari`ah and the morals of Islam, which represent the high values unanimously agreed upon.

    So, go ahead guided by Allah’s Blessing

    Dr. Ahmad at-Tayyeb
    Grand Sheikh of al-Azhar

    http://www.onislam.net/english/shariah/shariah-and-humanity/shariah-and-life/457716-al-azhars-message-to-egypts-president-morsi.html

    Tariq al-Bishri:

    What I loved when I was in the Faculty of Law was the lessons of Islamic law, and therefore in the period that I’ve been in terms of political thought a secular I kept me attraction to Islam as a system of society and the behaviors because of my legal professionalism and my absorbing of the techniques of Islamic shariah and its jurisdictional structure …I felt that the origins and the branches of Islamic jurisprudence works as continuums and the strands and considered to be one of the greatest things it had emerged as submitted by the Islamic mentality of human civilization
    (In Dr. Lila Bayoumi’s interview)

    Tariq al-Bishri in den Mund gelegt: Die abrahamischen (korankonformen) Glaubensnationen oder Religionsvölker mögen auch künftig in Koexistenz (Apartheid) leben, doch heutzutage, nach der Ära der Kolonialmächte, werde die Dhimmitude der agrarisch geprägten Feudalzeit antiimperialistisch-befreiungstheologisch-nationalistisch ergänzt und wandle sich zu einem schariagemäßen Mitbürger-Begriff (system of citizenship). Der neue „Kolonialismus“ (colonialism) ist die Frechheit universeller Menschenrechte.

    The national movements emerged, against the Colonialism, out of the people who are living in the country. Therefore, a national community was formed of elements that participated in the liberation of the country. Therefore we say: the contract of Ahle-zima [Dhimma, Schutzvertrag für das „Volk“ (ahl) der halbversklavten dhimmî], protected minorities, was terminated for this reason, and replaced by a system of citizenship. Following this new relationship; the relationship between Muslims and non-Muslims in this country is not governed by a relationship between a Muslim and a Christian only, but by the participation in the liberation of the homeland from colonialism.
    (EL Tahawy & Faud , 2010)

    aus: Dalia Yusuf: The Man Amends Constitution: Profiling El-Bishri

    http://www.onislam.net/english/culture-and-entertainment/media/451467-the-man-amends-constitution-profiling-el-bishri.html

    In 2006, he wrote Misr bayn al-Isyan wal-Tafakuk (Egypt between Disobedience and Decay), in which he heavily criticizes the Mubarak regime which he felt „had become oppressive and distant from its people.“[8] In it, he „outlined how the creation of an authoritarian state rooted in Mubarak’s person had worsened the dictatorial tendencies that had been present since 1952 but had added the burden of decreased competence as the regime sought compliance rather than capability from its agents.“[9] …

    In November 2011, Tariq al-Bishri wrote a lengthy article entitled al-Madaniyya wal-Diniyya (The Civilian [state] and the Religious) in which he challenges people’s understanding of the two terms. He in fact argues that there is no difference and that they are one and the same. He writes:

    The great poet Galal al-Din Rumi draws a metaphor that I feel illustrates the discussions we have been having… He narrates… a story of a teacher who asks his cross-eyed pupil to bring him his personal water jug. But the cross-eyed pupil looks at the jug and thinks there are two jugs, and thus did not know which to choose. So he decided to break one of them and take the other, but did not find either. I feel that our odd discussions these days about a religious or civilian state is very similar to what happens in this story. We ask and dispute about religious and civilian states and think they are two states that we must choose between. But they are, in fact, one and the same. And if we destroy one of them, we will fail to find the other.

    He then begins to talk about margi`iyya (reference) and notes how each legislative system, country, and person in the world has a reference that they go back to. This margi`iyya then dictates what is right and wrong, valid or invalid, etc. „The margi`iyya is a culture that people agree on,“ he writes. „And it always reflects a pervasive culture in a civil society.“[16]

    In early March 2012, al-Bishri stated that he would not play any role in the drafting of the new Egyptian constitution.[17]

    http://wiki.aucegypt.edu/isqatalnizam/index.php/Tariq_Al-Bishri

    Alles eine Frage des Referenzrahmens …

    About 15 years ago, a faction of Muslim Brothers split off from the mother organisation, determined to found a political party. Their move and subsequent decade-and-a-half struggle to establish the Wasat (Centre) Party triggered intense debate over the nature and practices of a political party with an Islamic frame of reference. … Then came the turn of the Muslim Brotherhood itself, which quickly unveiled its Freedom and Justice Party. Soon a group of Salafis followed suit with Al-Nour (The Light) Party, which received official approval a few days ago. Other religiously oriented parties are sure to follow. Many are currently under formation, such as Al-Nahda (Revival), whose founders are represented by Ibrahim El-Zaafarani, and Al-Gamaa Al-Islamiya’s party.

    http://weekly.ahram.org.eg/2011/1052/eg6.htm

    Wer jetzt noch vom säkularen Staat redet, hat einen zu engen Referenzrahmen, braucht einen „toleranten“ (proislamistischen) neuen Bezugsrahmen. Denn alles Freiheitlich-Demokratische möge multikulturell „in Frage gestellt“ werden, ins Schwimmen geraten, um im Sinne der Muslimbrüder neu abgegrenzt (definiert) zu werden:

    Terms of reference are rarely defined

    The time has come to call upon intellectuals and journalists to broaden their frame of reference.

    Tariq Ramadan weiter, nachdem er Erdogan und Ghannouchi ein Weilchen bewundert hat:

    Only this kind of three-pronged examination can provide us with a proper framework for understanding the phenomenon of political Islam, far from ignorant reductionism or ideological manipulation of „the Islamist threat.“

    http://www.tariqramadan.com/Islam-Today-The-Need-to-Explore,1167.html?lang=en

    In der britischen Diskussionsgruppe hat ebenso wie bei den kanadischen Diskussionsteilnehmerinnen die als negativ wahrgenommene Medienberichterstattung über muslimische Themen zu einer genaueren Beschäftigung mit dem Islam und seinen Glaubenspraktiken geführt. Um dabei ein konstruktives Selbstbild des kulturellen und religiösen Referenzrahmens aufrechterhalten zu können, greifen die Frauen auch auf Informationsangebote ihres Herkunftslandes zurück.

    https://services.nordrheinwestfalendirekt.de/broschuerenservice/download/70388/broschre_migrantinnen_ansicht.pdf

    Prof. Dr. Gudrun Krämer: (…) Die Muslimbrüder treten ein für ein republikanisches System und seit der Ausarbeitung eines Verfassungsentwurfs und eines politischen Programms im Jahre 2010, fordern sie ein parlamentarisches, republikanisches, demokratisches System. Die Kurzformel die sie jetzt dafür gewählt haben lautet: ein ziviler Staat mit islamischem Referenzrahmen. „Ziviler Staat“ ist ein sehr interessanter Begriff der sich über Jahrzehnte zurückverfolgen lässt. Dieser unterscheidet sich zum einen von einer Militärdiktatur und zum anderen von einem klerikalen System. Das heißt, sie wollen weder eine Militärherrschaft, noch ein System, wie sie es etwa im Iran haben.

    Fabian Schmidmeier: Soll das konkret heißen, die Muslimbruderschaft strebt keinen Gottesstaat an?

    Prof. Dr. Gudrun Krämer: Nein, sie strebt in dem Sinne keinen Gottesstaat an. Nun gibt es viele Definitionen von Gottesstaat. Mit diesem Begriff meint man in erster Linie das Personal, also eine sakrale Herrschaft oder eine herrschende Elite, die sich per Gottesgnadentum oder Ähnlichem definiert. So etwas lehnen die Muslimbrüder deutlich ab. Sie wollen aber Gottes Herrschaft in dem Sinne verwirklicht sehen, dass Gottes Gebot in der ägyptischen Gesellschaft, und das heißt in allen Lebensbereichen, durchgesetzt wird. Darauf spielt diese Formulierung des „religiösen islamischen Referenzrahmens“ an, auf Arabisch marga’iya islamiya. Damit meinen sie im weitesten Sinne die Scharia. Wobei es äußerst interessant ist, dass die Muslimbrüder nicht mehr wie noch in den 80er und den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Parole „Al Islam hua l-hal“, also „Der Islam ist die Lösung“ als Prämisse ansehen. Die Muslimbruderschaft ist mit der Zeit gewissermaßen weicher geworden. Ganz sicher aber wollen sie nach wie vor, dass die ägyptische Gesellschaft nach den Regeln des Islam lebt und regiert wird.

    aus: Interview mit Gudrun Krämer: “Ein ziviler Staat mit islamischem Referenzrahmen”
    in: orientkolloq 05.12.2011

    http://orientkolloq.wordpress.com/2011/12/05/interview-mit-gudrun-kramer-ein-ziviler-staat-mit-islamischem-referenzrahmen-2/

  3. Jacques Auvergne Says:

    :

    „Das Ziel ist die Wahabitisierung Tunesiens“
    Thomas Pany 20.07.2012

    Mit scharfen Worten macht der tunesische Rechts- und Politikwissenschaftler Hamadi Redissi auf die Lage in seinem Land aufmerksam. In einem Gastbeitrag der gestrigen gedruckten Ausgabe der SZ (noch nicht online) schreibt der Verfasser mehrerer Bücher und Essays, die sich ideenphilosophisch kritisch mit dem Islam und demokratischen Werten auseinandersetzen, davon, dass sich Tunesien auf dem Weg in eine Diktatur befände. Die säkularen Kräfte seien auf dem Rückzug, die Islamisten hätten gewonnen; die Sieger der Wahl zur Verfassungsgebenden Versammlung im Herbst letzten Jahres, allen voran die Ennahda, hätten eine „Höllenmaschine“ in Bewegung gesetzt: „ein arrogantes politisches Hegemoniestreben, das mit einer schleichenden Islamisierung der Gesellschaft einhergeht.“ …

    Redissi war Anfang des Jahres selbst Opfer einer Attacke von aufgebrachten Islamisten – in seinen Worten „Salafisten-Horden“ -, deren öffentliche und von der Regierung, wie er unterstellt, geduldeten Aktionen gegen Kunst und Kultur ihm ein Indiz für die fortschreitende Islamisierung des Landes sind. Auch in seinem Fall, als er von Islamisten mit Schlägen traktiert wurde, griff die Polizei nicht ein. Redissi war als Unterstützer des Senders Nessma TV auf der Straße, als dem Senderchef der Prozess wegen Blasphemie gemacht wurde, weil er im vergangenen Jahr den Zeichentrickfilm Persepolis ausstrahlen ließ. …

    Indizien gibt es genug, so konnte man schon Ende letzten Jahres auf dem Portal Nawaat, das während der Aufstände eine zentrale Anlaufstelle für Blogger und Bürgerreporter war, Berichte lesen, wonach in Schulen und Universitäten deutlicher auf „korrekte Kleiderordnung“ geachtet würde, dass Versammlungen von Islamisten gestört würden. Aktuelle Artikel zur Situation von Journalisten weisen auf ähnliche Bevormundungen hin, die in Richtung Zensur gehen. …

    Oder bei Zeitungen und Zeitschriften – der Befund läuft darauf hinaus, dass es für unbequeme, kritische Journalisten schwieriger wird, wirtschaftlich und politisch; Verhaftungen und gegen sie gerichtete Aggressionen häufen sich, wie die Organisation Reporter ohne Grenzen berichtet. Besonders beunruhigend sei das ambivalente Verhalten der Justiz: Die Angreifer der Journalisten würden bald freigelassen, wohingegen die Journalisten selbst nicht so rasch entlassen würden. Gnadenlos verurteilt werden übrigens auch Karikaturisten.

    Geht es nach Beobachtungen, die heute in der Schweizer Zeitung NZZ veröffentlicht werden, so hat es den Anschein, dass die Ennahda nun doch versucht, das Klima zu ändern. Man habe eine „andere Gangart“ eingeschlagen, rund 160 Personen seien verhaftet worden, mit der Aussicht, dass ihnen der Prozess gemacht wird. Seither beobachte man ein Abflauen der „salafistischen Aktivitäten“, möglicherweise, habe Ennahda-Chef Ghannouchi ein „Machtwort gesprochen“. Die Ruhe, so die NZZ, wird von „säkular Orientierten“, mit denen man gesprochen habe, allerdings eher als „Verschnaufpause“ verstanden. Laut Redissi hat man es in Tunesien mit einer breiten, großen Welle zu tun, die sich so schnell nicht zurückziehen wird.

    http://www.heise.de/tp/artikel/37/37317/1.html

    Zyed Krichen et Hamadi Redissi agressés par des salafistes

    L’agression contre Zied krichen et Hamadi Redissi 23-01-2012

    Tunisie : étudiantes contre Salafistes – 66minutes de 22/01

    Le face à face est tendu. D’un côté, des étudiantes en jean-baskets. De l’autre, des salafistes qui bloquent la fac, dénonçant l’interdiction du port du Nikab intégral. Depuis que la Tunisie s’est libérée de son dictateur, toutes les franges de la société peuvent s’exprimer et notamment les extrémistes religieux qui rêvent d’imposer la charia. Les « barbus » comme on les appelle ici, multiplient les coups de forces en testant la résistance de leurs adversaires. Pourquoi les autorités mettent-elles du temps à réagir ? Reportage à la fac de Tunis de Mannouba, où les salafistes campent jour et nuit jusque dans le bureau du recteur.

    Tunisie : Les tensions croissent entre salafistes et laics

    Tunisie ce matin – Des Salafistes agressent les Manifestants

    Démonstration de force salafiste à Tunis

    Une manifestation à l’instigation de groupes salafistes a réuni plusieurs milliers de personnes vendredi 14 octobre à Tunis pour protester contre la diffusion du film franco-iranien Persepolis par la chaîne Nessma TV, avant d’être dispersée par des tyrs de lacrymogènes.

    TRIAL OF NESSMA TV CEO CHARGED WITH INSULTING ISLAM POSTPONED (TUNISIA)

    Nearly 140 lawyers filed lawsuits against Karoui for „violating sacred values“ and „disturbing public order“ after his station broadcast a version of the French-Iranian film Persepolis dubbed in Tunisian dialect. A scene in Persepolis features a cartoon depiction of God, considered heretical to many Muslims that make up the overwhelming majority of Tunisian society.
    The movie, aired on October 7th provoked members of Tunisia’s Salafist movement. In spite of Nabil Karoui’s apology, an angry mob torched his house on October 14th.

    Procès Nessma Repoussé Au 3 Mai

    Pour la troisième fois consécutive les juges repousse leur décision sur cette affaire conséquence de la diffusion par la chaine NessmaTV du film de dessins animés de Marjane Satrapi „Persepolis“

    Tunisie : Des Islamistes préparent une attaque contre la chaine TV Nessma

    Tunisie le 10/10/2011
    Nous ne sommes en Afghanistan ou en Somalie, mais en Tunisie.
    Ce chef religieux qui se prénomme Abou Ayoub appelle ses partisans à attaquer la chaine Nessma.
    Après avoir attaqué en premier les lieux les bordels, puis les synaguogues, les églises, les extrêmistes religieux s’attaquent maintenant aux universités (faculté de Sousse, Campus universitaire de Tunis), et chaines de TV (Nessma TV).

    Des salafistes se sont rassemblés devant la galerie „printemps des arts“ au Palais El Ebdellia à la Marsa, dimanche 10 juin, pour protester contre l’exposition de certains tableaux qu’ils considèrent comme incompatibles avec leurs vision de la religion et contraires aux bonnes mœurs.

    http://www.tunisienumerique.com/des-salafistes-envahissent-la-galerie-%E2%80%9Cprintemps-des-arts%E2%80%9D-au-palais-el-ebdellia-a-la-marsa/129056

    Tunisie : Des Islamistes attaquent la faculté de Sousse (3)
    Sousse le 5/10:2011
    Un horde de fanatiques religieux a envahi la faculté de Sousse semant la zizanie et la peur au sein des étudiants. Ces fanatiques protestent contre le refus du doyen d’inscrire une étudiante qui porte le voile intégral (niqab), conformément à la circulaire du ministère.
    Ce genre de scènes, montre hélas que ces extrêmistes, sont sans foi ni loi, et n’ont aucune limites. Ils sont prêt à tout pour imposer leur dictature, même le meurtre par égorgement, menaces qu’ils ont proférés à des étudiants qui s’y sont opposés.

    :

  4. Jacques Auvergne Says:

    [Tunesien 2012]

    Man mag es ja kaum glauben, dass man ausgerechnet in jenem Land, in dem die „Jasmin-Revolution“ den sogenannten „Arabischen Frühling“ ausgelöst hat, zu dem Schluss gekommen ist, dass Frauen nur Anhängsel von Männern sind. …

    Spätestens nach einer Sitzung der Kommission „Rechte und Freiheit“, in der die Ennahdha Partei den Grundsatz der Gleichheit zwischen Männern und Frauen zu überdenken gedachte, ist klar, wohin die Reise gehen soll. Darin wurde nämlich eine Diskussion ausgelöst, die zur Abstimmung von Artikel 27 führte, und der beinhaltet die Definition des Status und die Rolle der Frau in der Gesellschaft.

    Wenn es nach der Mehrheit dieser Kommission geht, dann hat die Frau künftig keinen Status und die Rolle ist mehr als fragwürdig. Das was die Mehrheit (12:8 Stimmen, darunter neun von der Ennahdha Partei) in der Verfassung festgeschrieben haben möchte, liest sich so: “Der Staat schützt die Rechte von Frauen und ihre Leistungen nach dem Grundsatz der Komplementarität mit dem Mann in der Familie und als Partner des Mannes in der Entwicklung des Landes. Der Staat garantiert die Chancengleichheit von Frauen in allen Verantwortlichkeiten. Der Staat garantiert den Kampf gegen Gewalt gegen Frauen, gleich welcher Art.“

    Das heißt nichts anderes, als dass die Frau in Bezug auf die Familie im Zusammenhang mit dem Mann als „komplementäre” Person bezeichnet wird, oder als „assoziiert“ im Bereich der Entwicklung des Landes. Kurz: Die Frau ist ein Anhängsel des Mannes. Selbiger kann sich selbst definieren, die Frau ergänzt ihn oder wird als Zusatz betrachtet. Ganz schlechte Karten zum Beispiel für Single-Mütter, aber die haben ohnehin kein Recht auf Existenz, wie im November Souad Abderrahim – eine RepräsentantIN der regierenden Ennahdha – wissen ließ. Als ob es nicht schlimm genug wäre, dass diese Definition zwölf Stimmen bekam, waren vier von Frauen aus der Ennahdha Partei. …

    Da muss es nicht weiter wundern, dass diese Version des Verfassungsartikels nur acht Stimmen erhalten hat: „Der Staat garantiert die Rechte der Frauen und ihre Leistungen in allen Bereichen. Es ist verboten, Gesetze, die diese in irgendeiner Weise einschränken könnten, zu erlassen. Der Staat muss gegen sämtliche Formen der Diskriminierung, physische oder psychische Gewalt gegen Frauen ankämpfen.” …

    „Ich bin verzweifelt und verängstigt, wenn Frauen keine Rechte als Individuum, sondern nur in Verbindung mit dem Mann bekommen“, erklärte Salma Hajri von der Tunesischen Vereinigung Demokratischer Frauen. Und auch Frauenrechtlerin Selma Mabrouk von der Ettakatol Partei ist besorgt. Sie stellte auf ihrer facebook-Seite die berechtigte Frage: „Wie soll das mit Artikel 22 der Verfassung, der besagt, dass Bürger gleiche Rechte und Freiheiten vor dem Gesetz besitzen ohne jegliche Diskriminierung, übereinstimmen? Die Antwort ist leicht gefunden: Gar nicht!

    aus: Kim Kovalsky: Frauen sind nur Anhängsel von Männern
    in: The Intelligence 09.08.2012

    http://www.theintelligence.de/index.php/gesellschaft/kommentare/4764-frauen-sind-nur-anhaengsel-von-maennern.html

    Tunisie : Le statut de la femme provoque une grande polémique
    Monday, 06 August 2012 07:47

    L’adoption samedi, en Tunisie, d’un projet d’article de la future constitution sur le statut de la femme, « complémentarité et non égalité », a été vivement dénoncée par les associations de femmes tunisiennes et de défense des droits humains. …

    Le code du statut personnel garantissant l’égalité des sexes, qui autorise notamment les femmes à divorcer et interdit la polygamie, a été adopté en Tunisie en août 1956.

    Source: APAnew
    Written by Bouba Sow

    http://blogs.mediapart.fr/blog/giuliettalasubversive/060812/tunisie-la-femme-declassee-ennahda-depose-un-projet-de-loi-po

  5. Jacques Auvergne Says:

    ::

    Maroc: des gravures préhistoriques du soleil détruites par des salafistes

    Des gravures sur pierre remontant à plus de 8000 ans ont été détruites par des salafistes dans les montagnes du Haut-Atlas, dans le sud du Maroc, a affirmé mercredi le responsable d’une ONG locale.

    „Ces gravures sur pierre représentant le soleil sont vieilles de plus de 8000 ans. Elles ont été détruites il y a quelques jours par des salafistes“, a expliqué la Ligue amazighe des droits de l’Homme (LADH), confirmant une information du journal As-Sabah de mercredi.

    „L’une des gravures est appelée ‚la plaque du soleil‘ et elle est antérieure à la présence des phéniciens au Maroc. Elle se trouve sur un site archéologique connu, dans la plaine de ‚Yakour'“, à 20 km du Toubkal, le sommet le plus élevé du royaume“ (4167 m), a-t-il poursuivi. …

    Un des principaux mausolées soufis, la zaouia Saïda Manoubia, dans la banlieue de Tunis, a été incendié dans la nuit de lundi à mardi, probablement par des salafistes.

    http://www.rtbf.be/info/societe/detail_maroc-des-gravures-prehistoriques-du-soleil-detruites-par-des-salafistes?id=7858245

    ::
    ::

    Salafists destroy ancient Morocco carvings: NGO

    RABAT — Stone carvings in Morocco’s High Atlas mountains dating back more than 8,000 years and depicting the sun as a pagan divinity have been destroyed by Salafists, a local rights group said on Wednesday.

    „These stone carvings of the sun are more than 8,000 years old. They were destroyed several days ago,“ Aboubakr Anghir, a member of the Amazigh (Berber) League for Human Rights, told AFP.

    „One of the carvings, called ‚the plaque of the sun,‘ predates the arrival of the Phoenicians in Morocco,“ Anghir said.

    „It lies in a well-known archaeological site in the Yakour plain south of Marrakesh, 20 kilometres (12 miles) from Mount Toubkal.“

    „There are several Salafist groups active in the region and it’s not the first time these pre-Islamic sites have been attacked. We have sent a message to the ministry of culture, but have not yet received a reply,“ he added.

    Salafists, Muslims who adhere to a hardline Sunni interpretation of Islam similar to that practised in Saudi Arabia, which strictly prohibits „idolatry,“ have enjoyed a surge in strength in Arab Spring countries, benefiting from wider freedom.

    Late on Monday, one of Tunisia’s main Sufi mausoleums was burned down in an overnight arson attack, seemingly the latest in a spate of attacks on unorthodox Sufi shrines by the country’s increasingly assertive Salafists.

    http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5j8YTcHzPr8qkQj8Be68BkdE6L1pA?docId=CNG.bbe1d6490ab6ef1279c6c7aa83c20199.261

    auch bei: gulfnews.com

    http://gulfnews.com/news/region/morocco/pagan-rock-carving-in-morocco-destroyed-1.1091000

    ::

  6. Carcinòl Says:

    ::

    al-marja’iya al-islamiya, also die islamische Positionierung

    s. u., Auswärtiges Amt, Berlin 2012
    ::

    Über die global aktive und radikalislamische Muslimbruderschaft plapperte die Islamverharmloserin und Professorin Dr. Gudrun Krämer beim Blick auf Ägypten:

    Nein, sie strebt in dem Sinne keinen Gottesstaat an. Nun gibt es viele Definitionen von Gottesstaat. Mit diesem Begriff meint man in erster Linie das Personal, also eine sakrale Herrschaft oder eine herrschende Elite, die sich per Gottesgnadentum oder Ähnlichem definiert. So etwas lehnen die Muslimbrüder deutlich ab. Sie wollen aber Gottes Herrschaft in dem Sinne verwirklicht sehen, dass Gottes Gebot in der ägyptischen Gesellschaft, und das heißt in allen Lebensbereichen, durchgesetzt wird. Darauf spielt diese Formulierung des „religiösen islamischen Referenzrahmens“ an, auf Arabisch marga’iya islamiya. Damit meinen sie im weitesten Sinne die Scharia.

    Da haben sie sich immer wieder dazu geäußert und klar gesagt, dass sie von einem modernen Bürgerrecht ausgehen und die Idee des modernen Nationalstaates verfechten, so wie es bereits al-Banna, der Gründer der Muslimbruderschaft, tat. Das müssen Sie immer zugrunde legen. Insofern sehe ich deutlich die Modernisierung des politischen Denkens. …

    Die Muslimbrüder treten für eine soziale Marktwirtschaft ein. Sozial im Sinne des Eigentums. Das ist eigentlich alte Sozialdemokratie.

    http://derorient.com/2011/12/05/interview-mit-gudrun-kramer-ein-ziviler-staat-mit-islamischem-referenzrahmen-2/

    ::

    „This will not be a democracy that can allow what God forbids, or forbid what God allows.“

    The draft constitution that is now at the center of worsening political turmoil would empower Islamists to carry out the most widespread and strictest implementation of Islamic law that modern Egypt has seen. That authority rests on the three articles that explicitly mention Shariah, as well as obscure legal language buried in a number of other articles that few noticed during the charter’s drafting but that Islamists insisted on including.

    According to both supporters and opponents of the draft, the charter not only makes Muslim clerics the arbiters for many civil rights, it also could give a constitutional basis for citizens to set up Saudi-style „religious police.“ They could monitor morals and enforce segregation of the sexes, imposition of Islamic dress codes and even harsh punishments for adultery and theft — regardless of what laws on the books say.

    The spiraling crisis is threatening to turn into an outright fight for the identity of post-revolutionary Egypt, splitting the nation between those who want an Islamic state and those who oppose it …

    ::

    http://www.newsday.com/news/world/draft-egyptian-constitution-turns-to-sharia-law-1.4309174

    President Morsi signs into law new constitution drafted by his Muslim Brotherhood; opponents say Egypt has gone backwards 100 years.

    http://www.israeltoday.co.il/NewsItem/tabid/178/nid/23589/Default.aspx

    ::
    vgl. oben b. Krämer, islamischer Referenzrahmen („marga’iya islamiya“), hier zu Libyen aktuell, al-marja’iya al-islamiya:

    Jede politische Partei, aber auch jeder einzelne unabhängige Kandidat , der bei den Wahlen zum Nationalkongress im Juli antrat, mußte sich in irgendeiner Form auf den Islam beziehen , wenn er sich Chancen auf eine Wahl ausrechnen wollte. Zentrales Referenzwort der Kandidaten und Parteien vor den Wahlen war folglich al-marja’iya al-islamiya, also die islamische Positionierung, die sich obligatorisch in den Wahlprogrammen wiederfand.

    Wenn auch in der 2013 zu erwartenden neuen Verfassung mit islamischen Akzenten zu rechnen ist (Islam = Staatsreligion ; Präsident muß Muslim sein; Scharia die Quelle der Gesetzgebung ; evtl. Aufwertung des Fatwarates zum Verfassungsorgan etc.) , so ist doch davon auszugehen, daß nicht plötzlich eine „islamistische Republik Libyen“ vor den Toren Europas entsteht. Die Mehrheit der Libyer sind keine Anhänger salafistischen Gedankenguts, sondern sie treten für einen moderaten islamischen Bezugsrahmen ein …

    aus: Fachtagung Libyen (Auswärtiges Amt, Berlin, 27.11.2012)
    Dr. Hanspeter Mattes, GIGA Büro Berlin
    Aspekte der religiösen Entwicklung in Libyen 2011/2012

    http://www.giga-hamburg.de/dl/download.php?d=/content/staff/mattes/vortraege/1211_vortrag_libyen_aa.pdf

    Irgendwelche Hoffungen werden also auf moderate Muslimbrüder bzw. sonstige Lobbyisten der Schariabewegung gesetzt … Nebelwurf pur also selbst aus dem Auswärtigen Amt.
    ::

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