257. Muslime sind kein Volk, keine ethnische Minderheit

Was Spreewaldgurke und Burka verbindet. Europa, die Basken, die Sorben und der Islam

Die islamisch zu überwindende Rechtseinheitlichkeit kultureller Moderne gibt dem Umgang mit nationalen Minderheiten neue Brisanz. Von Jacques Auvergne.

Jeder Mensch trägt seine Kindheit lebenslang mit sich herum wie die Schnecke die feinsten Windungen ihres gedrehten Hauses. Diese Kammern und Gänge des Erinnerns bleiben allzu oft abgeschottet, zu viele alte Menschen reden erfahrungsgemäß oft erst kurz vor ihrem Tod beispielsweise über die Schrecken des letzten Weltkrieges, manche sprechen nie darüber. Schiffbrüchigen nicht unähnlich und Kindheit, Gottesbegriff und Heimat gleichsam im Koffer oder Handgepäck mit sich führend, strandeten jüdische Auschwitzüberlebende um 1945 in Israel und ostdeutsche Breslauer oder Danziger in Köln oder Hamburg. Wie Luft- oder Seereisende landeten italienische oder türkeistämmige Gastarbeiter um 1970 und Wolgadeutsche oder Siebenbürger Sachsen um 1995 in Deutschland, sie alle schlugen mehr oder weniger tief Wurzeln, fühlen sich vielleicht als Deutsche und sind womöglich Staatsbürger und sind nebenbei Katholiken oder Waldenser oder Muslime oder Ex-Muslime.

Die Würde eines Menschen zu achten, bedeutet nicht nur, ihn nicht umzubringen, ihn nicht zu foltern oder zu bespucken, sondern auch, seine Erinnerung und Kindheit wertzuschätzen. Wir Islamkritiker haben daher grundsätzlich zu respektieren, wenn ein Bosnier oder Marokkaner an Engel glaubt oder seinen Gott Allah nennt, und nicht anders ist es unmenschlich und letztlich demokratiegefährdend, wenn unsere in diesen Jahren so gerne Moscheen eröffnenden Bürgermeister nicht auszusprechen bereit sind, dass ein Türke oder Iraner sehr wohl Atheist sein kann und das vielleicht seit Kindertagen. Eine der Erinnerungslosigkeit verpflichtete deutsche SPD oder Kirche aber schweigt zur Frauenfeindlichkeit des Islamischen Rechts, arrangiert mützentragende Kölner Jüdinnen mit DITIB-Kopftuchfrauen zum proschariatischen interreligiösen Dialog und ist bereit, den Kindern der türkeistämmigen Einwanderer die Auseinandersetzung mit dem Völkermord an den Armeniern zu ersparen.

Nur die genaue Erinnerung kann der Menschheit helfen, künftiges großes Leid zu vermeiden. Es ist menschenverachtend und letztlich zukunftsgefährdend, wenn selbst ernannte Progressive sich pauschal über ein irgendwie störendes Kriegerdenkmal, einen Berliner hugenottischen evangelischen Gottesdienst oder ein ostpreußisches Heimattreffen lustig machen und zugleich zu feige sind, polnischen oder arabischen Antisemitismus zu kritisieren. Menschen haben Wurzeln, individuelle, die selbst Geschwister oder Eheleute voneinander unterscheiden, und kollektive wie Familie, Region, Nation. Dass sich das Individuum von vielen kollektiven Zwängen von Tradition und Religion emanzipieren und den Zugang zum post-magischen und post-mythischen Denken finden soll, ist dabei ein unverändertes wichtiges Ziel, das gerade Pädagogen und Sozialarbeiter von Zeit zu Zeit laut aussprechen sollten, wenn sie nicht sehr bald für die islamfreundliche Apartheid einer erneuerten Kultur der Stämme („Gesamtgesellschaft“) arbeiten möchten.

Identität ist nicht angeboren, anders als es der Rassist sagt, und fällt auch nicht vom Himmel, anders als es der Theokrat predigt, sondern wird vom Individuum erarbeitet oder auch nicht erarbeitet. Wenn ich afrikanische Vorfahren hätte und in New York leben würde, könnte mein Großvater mich ermahnen, meine „schwarze“ Identität zu entdecken und gegen eine womöglich in rassistischem „weißem“ Denken und Handeln verhaftete amerikanische Umwelt zu verteidigen. Oder ich habe vielleicht, ebenfalls als New Yorker, eine schwarze, chinesische, jüdische, mexikanische oder deutsche Identität gegen den Willen meiner allzu sehr assimilierten amerikanischen Familie zu erkämpfen und sollte mich ein paar Jahre später, um mich nicht in Fundamentalismus oder Sektiererei gleichsam einzumauern, beizeiten von den universellen Menschenrechten integrieren und assimilieren lassen. Meine Gottheit muss ich schließlich nicht „verstaatlichen“, beten kann ich nach Feierabend oder am Wochenende.

Im Zeitalter der Globalisierung kehren also nicht nur die (allzu?) viel besprochenen Götter zurück in unsere Städte, sondern, in Form der die Universalität der Menschenrechte und die Einheitlichkeit des Rechts ironisierenden Kultgemeinschaften, die Stämme. Ein Islam ohne Vielweiberei und Kinderheirat ist derzeit weder vorgesehen noch organisierbar. Hauptgefährdung und Hauptakteur dieser für die USA, Kanada, Europa und Australien drohenden, geradezu stammeskulturellen Rechtsverschiedenheit ist ein von Industrie (Ford, Thyssen) und vom „christlichen“ Multikulturalismus bzw. Kreationismus begrüßter Islam, der sich leider von Sunnagehorsam und Fiqh-Jurisprudenz immer noch nicht trennen möchte.

Anders als die Diktatur oder der Gottesstaat verträgt die kulturelle Moderne jede Menge Identität, ihr Staatsbürger kann progressiv oder konservativ, religiös oder atheistisch, heterosexuell oder homosexuell empfinden und leben, ohne seine bürgerlichen Rechte zu verlieren, und nicht zuletzt kann er sein Weltbild und Lebensgefühl – kann er seine Identität – nahezu nach Belieben ändern, beispielweise die Religion wechseln oder ohne Gott leben. Die Frage ist also nicht, ob jemand eine muslimische oder spanische oder baskische Identität hat (und warum soll ein spanischer Baske nicht zum Islam konvertieren), sondern ob das Individuum vom Stammesführer oder Religionsführer daran gehindert wird, von den Standards der allgemeinen Menschenrechte Gebrauch zu machen (und wieder aus dem Islam auszutreten).

Es ist nicht falsch, den Terror der baskischen ETA auch mit dem nationalistischen spanischen Staatsführer und dessen Unterdrückung der ethnischen Minderheitenkulturen zu erklären. General Franco untersagte den nordspanischen ethnischen Minderheiten der Katalanen und Basken öffentlichen Volkstanz und das offizielle Sprechen der eigenen alten, romanischen bzw. westeuropäisch-vorindogermanischen Sprache. Die zweisprachigen Ortsschilder (gälisch, baskisch, sorbisch) mahnen eben auch an die hoffentlich für immer überwundenen Zeiten der Unterdrückung indigener Sprachen durch ein Herrenvolk. Wir Freunde der AEMR, die sich an das Individuum richtet und nicht an das mehr oder weniger separatistische Kollektiv, haben keine Minderheitensprachen zu behindern, sondern zuallererst zu fragen, ob ein kurdischer Mann Opfer von Schutzgelderpressung an die gewaltbereite PKK ist, ob eine Frau aus dem Volk der Sinti und Roma zwangsverheiratet wird oder ob einer in Afrika, Asien oder Europa lebenden Somalierin, Ägypterin oder Indonesierin die zu verhindernde weibliche Genitalverstümmelung droht.

Die heutigen Nationalstaaten Mitteleuropas lassen sich nicht nur durch agrarische Stammessprachen, mittelalterliche Siedlungsbewegungen, Handelskartelle (v.a. die Hanse) und Klostergründungen (vgl. Zisterzienser) sondern auch durch die kriegerische Verteidigung gegen das von Napoleon geplante europäische, zwangssäkularisierte Imperium erklären. Die jahrhundertelang von Hohenzollern oder Habsburgern und von den sonstigen „vom Himmel eingesetzten“ (Gottesgnadentum) Fürsten verwalteten Deutschen, die nicht zuletzt erst durch die napoleonische Besatzung ihr Deutschtum entdeckten und rasch nationalistisch bis rassistisch zu überhöhen begannen, sind eben keine „rassisch reinen“ Germanen, sondern der Raum einer von Bibelübersetzung über den Kampf gegen Pressezensur bis zur Rechtschreibreform mühselig genug errungenen Hochsprache („Hochdeutsch“), ein genetischer melting pot der nacheiszeitlichen Steinzeit und der Völkerwanderungszeit, ein Schmelztiegel aus Kelten, Slawen und Germanen, von römischen Legionären und mittelalterlichen jüdischen Kaufleuten genetisch, kulturell und sprachlich reich gemacht. Keltische Hügelgräber im Westen und sorbische Sprachinseln im Osten machen dieses Mosaik lediglich sichtbar, die indischstämmigen Sinti, die traditionell nichtsesshaften Jenischen oder die bäuerlich-katholischen Spreewälder bzw. Lausitzer Sorben sind Deutsche und vor allem sind sie Staatsbürger mit ungeschmälerten Rechten und Pflichten.

Der Weg aus Heimattümelei zur Verachtung für das ethnisch Andere oder zum Heilsziel aus Rasse, Blut und Boden ist oft nicht weit. Die rassistischen türkischen Grauen Wölfe und ihre Freunde beispielsweise instrumentalisieren selbst die turksprachige irakische Minderheit, die, brisanterweise auf dem selben Gebiet ansässig wie die irakischen Kurden, ihrerseits von Dschihadisten umworben wird. Die Tscherkessen (Inguschen und Tschetschenen), einst Opfer Stalinscher Umsiedlungs- und Völkermordpolitik, sehen sich nachvollziehbarerweise seit Jahrhunderten russisch kolonialisiert und wenden sich neuerdings leider ebenfalls der Islamischen Revolution zu.

Aus sozialpädagogischer Sicht sind Fundamentalisten oder Nationalisten hinsichtlich ihrer Identität hoch wahrscheinlich ziemlich verunsichert, denn angesichts der nun wirklich nicht sezessionistisch oder gar terroristisch aktiven Elsässer, Südtiroler, Sorben oder Kaschuben könnte man inzwischen angstfrei sagen, dass die Alteingesessenen aus dem Elsass oder in Südtirol sprachlich und kulturell Deutsche bzw. Deutschösterreicher sind, dass Kaschuben zwar Slawen, aber linguistisch keine Polen sind und Sorben zwar echte Deutsche, aber eben zugleich echte, im Frühmittelalter (um 600 n. Chr.) eingewanderte Slawen (und weder Tschechen noch Polen). Anders als manche Bewohner in Berlin-Neukölln (Migrantenanteil 39 %, Ausländeranteil 21,3 %, Anteil der Muslime in Neukölln 18 % ohne Konvertiten und Ex-Muslime) oder Amsterdam-Slotervaart (Einwohnerherkunft: Marokko 33 %, Türkei 21 %, Surinam 5 %) betreiben die genannten nichteingewanderten ethnischen Minderheiten der Europäischen Union nun wirklich keine Integrationsverweigerung, sondern zeichnen sich im Allgemeinen durch Weltoffenheit und Friedfertigkeit aus: Die Menschen im baskischen, am 26. April 1937 von der geheimen deutschen Legion Condor bombardierten Gernika / Guernica(1) im Baskenland oder in Kartuzë / Kartuzy (Karthaus, 40 km westlich von Danzig) sind damit lobenswerte Prototypen des modernen, mehrsprachigen und geschichtsbewussten Europäers.

Volksmärchen und Volksbrauchtum sollten wir gerade nicht der politischen radikalen Rechten überlassen. Jeder von uns hat Zeit genug, Baskisch oder Sorbisch zu lernen, und niemand ist dazu gezwungen. Korsische Kirchenlieder oder kaschubischer Holzhausbau,(2) Baskentum oder Sorbentum sind also keine Frage des Terrorismus, sondern des Tourismus. Den Gesichtsschleier oder die nach griechischem Familienrecht legale Verheiratung elfjähriger muslimischer Mädchen hingegen sollten wir nicht unter Völkerkunde oder Heimatkunde verbuchen.

Der politische Islam wird die diversen europäischen Minderheitenrechte für sich ausbeuten und in Deutschland in nicht ferner Zukunft darauf bestehen, für eine an der Scharia orientierte Partei nach dem Vorbild der dänischen Minderheit nicht an die 5-Prozent-Hürde gebunden zu sein. Was seit 1945 international sowie etwas krampfhaft als vorbildlich gelobt worden ist, das deutsch-dänische Zusammenleben oder Nebeneinander-her-Leben in Nordschleswig, wird angesichts der islamischen Praxis von arrangierter Ehe, Zweitfrau und Burka zu einem Treibsatz gegen den Fortbestand des freiheitlichen Rechtsstaats. Dabei ist es selbstverständlich schützenswert und verteidigenswert, dass ein deutscher Staatsbürger aus Schleswig-Holstein die dänische Sprache lernt, einerlei, ob großelterlich ererbt oder ob beruflich oder touristisch erwünscht.

Die Spaltung in Wir und die Anderen, der gelegentliche Kriegszug gegen die Feinde und auch der geduldete befreundete Stamm zwecks Austauschs von Heiratspartnern ist zutiefst archaisch, geradezu steinzeitlich, er zeigt sich in den islamischen Heiratsgeboten und kristallisiert in der segmentierten Stadt des Orients aus, in denen armenisches, jüdisches und katholisches Viertel scharf getrennt sind. Die ethnoreligiös gespaltene Stadt der islamischen Dhimma wird in diesen Jahrzehnten auf die westeuropäischen Städte übertragen, das eben ist das Scheitern der Integration.

Im von Mohammed gestifteten Islam ist der Nichtmuslim emotional und juristisch herabzustufen, er ist als Dhimmi zu versklaven oder als Harbi ohne Recht auf Eigentum und Leben. Islamisierung arbeitet mit dem Erwecken von Ekel gegenüber den Anderen, den Unreinen, innermuslimisch und männerbündisch ist zusätzlich auch jede Frau ekelhaft.

Der Weg der einen, unteilbaren Menschheit in die kulturelle Moderne war das Überwinden von Nationalismus und Rassenhass und die Empathie mit dem Mitmenschen. Die islamisch verweigerten universellen Menschenrechte haben konsequenterweise die „reinigende“ (pakistanische) Zwei-Nationen-Theorie auch in Europa zu „integrieren“, die religiös begründete Doktrin der Segregation oder gar Sezession. Mit dem Ziel der Rechtsspaltung haben Europas Islamisten längst damit begonnen, den flämisch-wallonischen oder britisch-irischen Konflikt politisch auszunutzen, sie vergleichen sich, wie es Pierre Vogel macht, mit den Opfern europäischer Völkermorde, um Schuldgefühle zu erwecken, die der türkische Islamverbandsfunktionär, salafistische Straßenmissionar oder sonstige proschariatische Dialogaktivist praktischerweise gleich rituell entsühnen kann.

Die Zugehörigkeit zur Umma wird, islam-theologisch keineswegs falsch, schon bald als Zugehörigkeit zu einer Art von Nation ausgegeben werden, die das Recht habe, lokale errungene nationale Minderheitenrechte zu beanspruchen. Das Volk Allahs beansprucht den kulturellen Schutz, den irische Gälen, ostdeutsche Sorben oder spanische beziehungsweise französische Basken nach Jahrhunderten der oft brutalen Unterdrückung für sich erkämpft haben. Dass kein deutscher Imam oder Scheich für die Anerkennung des 1915 und 1916 begangenen türkischen Völkermordes an den Armeniern und Assyrern auf die Straße geht, zeigt die Doppelmoral der kulturrassistisch denkenden Schariafreunde, denen es um das Recht auf ein selbst bestimmtes Leben des Individuums eben gar nicht geht, sondern um das „Recht“, als Frau ein Kopftuch zu tragen, als Mann den Heiratspartner seiner Tochter auszusuchen und als Frau oder Mann seinen Kindern die Angst vor dem jenseitigen Strafgericht nebst ewigem Höllenfeuer erwecken zu dürfen (Islamischer Religionsunterricht). Ob in mittelalterlichem Gewand (Pierre Vogel) oder in Nadelstreifen (Ayyub Axel Köhler), die Salafisten proben den Ausstieg aus dem Baugrund der freiheitlichen Lebensweise, der Rechtseinheitlichkeit.

Religiöses Menschenopfer ist kein Hobby, keine akzeptable Subkultur. Rätoromanisch, baskisch, sorbisch oder jiddisch zu reden oder zu singen ist in einer freiheitlichen Demokratie hingegen jedem möglich. Bildungsbürgerlich, weltbürgerlich und geschichtsbewusst sollte jeder Islamkritiker daher ein Stück weit so empfinden, als wäre er Jude oder Baske oder Sorbe oder Muslim oder Frau oder homosexuell, das ist schließlich eigentlich bereits mit der Ethik eines Kant oder Jesus von Nazareth geboten, die jedem Menschen die gleiche Würde zubilligt, was auch verlangt, die Welt aus seinem Blickwinkel zu betrachten.

Nation ist Identität, Kurde, Baske, Gäle, Kaschube oder Pomake zu sein ist Identität, und da uns säkularen Islamkritikern jeder zur Mitarbeit willkommen ist, auch oder gerade bei einer Familienherkunft aus einer ethnischen Minderheit oder bei Migrationshintergrund (was ja auch stets eine ethnische Minderheitenrolle bedeutet), benötigt und betont Islamkritik also zuallererst eine internationale, aufklärungshumanistische Identität.

In diesen Jahren der weltweiten Rückkehr des Fundamentalismus schwingen sich Religionsführer immer mehr zu politischen Volksführern auf. Wer den unabsehbar folgenreichen „Dialog der Religionen“ behindert, wird als Friedensgefährder gebrandmarkt. Unsere Regierungen dürfen nicht länger den Umweg über die Himmelswächter wie Rowan Williams oder Mustafa Cerić wählen, um mit ihren Bürgern zu kommunizieren: So wenig wir pauschal antireligiös eingestellt sind, so sehr müssen wir darauf achten, dass Kleriker, christlich oder muslimisch, den Schulen und Parlamenten fern bleiben.

Die so genannten Muslime sind nicht als Ethnie zu deuten und haben auch im Personenstands- und Familienrecht keine gesonderten Rechte zu Heiratsalter oder Polygamie durchzusetzen. Da es in Europa keine islamische nationale Minderheit gibt und geben darf, haben unsere gewählten Politiker keinen „Dialog“ mit islamischen Funktionären zu führen. Imam und Erzbischof sind Staatsbürger, ihre vor der Hölle warnende heilige Kleidung hat in Rathäusern nichts zu suchen. Bestehende Schutzrechte nationaler Minderheiten sind auf möglichen und zu verhindernden Missbrauch durch den schariatreuen Islam zu überprüfen.

Wie der Aufruf des türkischen Präsidenten Erdoğan an die Deutschtürken, sich nicht zu assimilieren (Köln 2008: Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit) bzw. sich als Türken zu fühlen (Düsseldorf 2011: Ihr seid meine Staatsbürger, ihr seid meine Leute)(3) oder wie das Beschwören einer bemerkenswert vage bleibenden „muslimischen Staatsbürgerlichkeit“ durch Tariq Ramadan oder Murad Wilfried Hofmann vermuten lässt, würden die Parteigänger der Scharia auch die Privilegien des 1995 vom Europarat vorgelegten Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten(4) dazu missbrauchen, aus dem für alle geltenden einheitlichen und auf Gleichbehandlung beruhenden Recht auszusteigen. Der europäische Nationalismus oder Rassismus ist mühselig genug gezähmt worden, das Europa der Völker braucht kein Volk der Vielweiberei.

Die koranbasierte Höllenfurcht berechtigt nicht zu Privilegien und ist keine Grundlage für Staatsverträge, in Bibel oder Koran zu lesen entbindet nicht von der Treue zur Verfassung. Zwar beinhaltet Deutschland eine Menge Kirchen und Moscheen sowie eine friesische, dänische sorbische Minderheit, aber keine Ethnie der Bärtigen und Burkafrauen.

Die beliebte Kopfbedeckung Baskenmütze (sie stammt nicht aus dem Baskenland, sondern aus dem benachbarten, traditionell okzitanisch(5) sprechenden Béarn) wehrt keine bösen Geister ab, Sekten von Trägern des Dirndls oder Tirolerhuts, die Ausstiegswilligen mit dem Tod drohen und Heiraten mit Friesen oder Sorben verbieten, sind ebenfalls nicht bekannt geworden. Die alten ethnischen Minderheiten Europas scheinen von der Allgemeinheit besonderen kulturellen Schutz einfordern zu können, ohne dass die Gefahr besteht, dass sie lokal oder gar expansiv die Demokratie durch einen totalitären Staat ersetzen.

Anders als die Burka ruft die sorbische Tracht nicht nach dem Gottesstaat.

Spreewaldgurken(6) lassen sich integrieren, Schariagesetze nicht.

Jacques Auvergne

(1) Guernica 1937, das Zentrum des Baskentums barbarisch zerstört

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/ca/Bundesarchiv_Bild_183-H25224%2C_Guernica%2C_Ruinen.jpg

Das Wappen der Provinz Bizkaya (span. Vizcaya) zeigt den seit Generationen gepflegten bzw. nachgepflanzten „Baum von Guernica“ (Gernikako Arbola), die Heilige Eiche, unter der Ratsversammlungen durchgeführt wurden.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/20/Escudo_de_Bizkaia_2007.svg

(2) Kaschubisches Haus. Das Dorf Wdzydze Kiszewskie (kaschubisch Kiszewsczé Wdzëdzé), Ersterwähnung 1280, wurde durch Auswanderung verlassen und von den Eheleuten Theodora und Isidor Gulgowski vor dem Verfall gerettet. Heute ist es ein Freilichtmuseum und begeistert Touristen aus aller Welt.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/86/Wdzydze_zagroda_7.jpg

(3) Süddeutsche, 13.02.2008

„Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“

http://www.sueddeutsche.de/politik/erdogan-rede-in-koeln-im-wortlaut-assimilation-ist-ein-verbrechen-gegen-die-menschlichkeit-1.293718

DER SPIEGEL, 27.02.2011

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,747496,00.html

FAZ, 28. Februar 2011

„Ich sage Ja zur Integration, aber Nein zur Assimilation … niemand wird in der Lage sein, uns von unserer eigenen Kultur und Zilvilisation loszureißen … Die Islamphobie ist genauso wie Antisemitismus und Rassismus ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“

http://www.faz.net/artikel/C30923/auftritt-in-duesseldorf-erdogan-nein-zur-assimilation-30328988.html

(4) Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten, amtliche deutsche Übersetzung. Für Islamisten ein geeignetes Mittel zum Aufbau einer zweiten Rechtsordnung bzw. einer parallelen Staatlichkeit?

Artikel 3

1. Jede Person, die einer nationalen Minderheit angehört, hat das Recht, frei zu entscheiden, ob sie als solche behandelt werden möchte oder nicht; aus dieser Entscheidung oder der Ausübung der mit dieser Entscheidung verbundenen Rechte dürfen ihr keine Nachteile erwachsen.

2. Angehörige nationaler Minderheiten können die Rechte und Freiheiten, die sich aus den in diesem Rahmenübereinkommen niedergelegten Grundsätzen ergeben, einzeln sowie in Gemeinschaft mit anderen ausüben und genießen.

Artikel 6

1. Die Vertragsparteien fördern den Geist der Toleranz und des interkulturellen Dialogs und treffen wirksame Maßnahmen zur Förderung der gegenseitigen Achtung und des gegenseitigen Verständnisses sowie der Zusammenarbeit zwischen allen in ihrem Hoheitsgebiet lebenden Menschen unabhängig von deren ethnischer, kultureller, sprachlicher oder religiöser Identität, und zwar insbesondere in den Bereichen Bildung, Kultur und Medien.

Artikel 8

Die Vertragsparteien verpflichten sich anzuerkennen, daß jede Person, die einer nationalen Minderheit angehört, das Recht hat, ihre Religion oder Weltanschauung zu bekunden sowie religiöse Einrichtungen, Organisationen und Vereinigungen zu gründen.

Artikel 9

1. Die Vertragsparteien verpflichten sich anzuerkennen, daß das Recht jeder Person, die einer nationalen Minderheit angehört, auf freie Meinungsäußerung die Freiheit der Meinung und die Freiheit zum Empfang und zur Mitteilung von Nachrichten oder Ideen in der Minderheitensprache ohne Eingriffe öffentlicher Stellen und ohne Rücksicht auf Landesgrenzen einschließt. Die Vertragsparteien stellen im Rahmen ihrer Rechtsordnung sicher, daß Angehörige einer nationalen Minderheit in bezug auf ihren Zugang zu den Medien nicht diskriminiert werden.

http://conventions.coe.int/Treaty/ger/Treaties/Html/157.htm

Framework Convention for the Protection of National Minorities (FCNM)

http://conventions.coe.int/Treaty/EN/Treaties/Html/157.htm

vgl.: Minderheitenrechte der Vereinten Nationen

Declaration on the Rights of Persons Belonging to National or Ethnic, Religious and Linguistic Minorities

Adopted by General Assembly resolution 47/135 of 18 December 1992

http://www2.ohchr.org/english/law/minorities.htm

(5) Okzitanisch (occitan / langue d’oc) ist die traditionelle romanische Sprache des südlichen Drittels Frankreichs. Es gibt ungefähr 200 000 aktive Sprecher und circa 6 Millionen potentielle Sprecher mit mehr oder weniger aktiven Kenntnissen; das Okzitanische ist für die meisten die Zweitsprache.

Verbreitungsgebiet:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/8b/Occitanie.png

Im süditalienischen Dorf Guardia Piemontese spricht man okzitanisch. Wiki: „Ab 1375 siedelten der Inquisition entflohene waldensische Piemontesen in der 500 m überm Meer gelegenen heutigen Oberstadt. … Lange Zeit gaben die Waldenser sich äußerlich wie Katholiken, gingen zur Messe und ließen ihre Kinder in der katholischen Kirche taufen. Privat hielten die Waldenser aber an ihrem Glauben fest, empfingen aber nur etwa alle zwei Jahre für wenige Tage waldensische Prediger auf Pastoralreise. Die Erfolge der Reformation überzeugten die heimlichen Waldenser, ihren Glauben nicht länger verstecken zu müssen. Auf ihrer Synode in Chanforan (Piemont) beschlossen sie 1532, sich offen zu bekennen.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Guardia_Piemontese

Flagge Okzitaniens: Das croix occitane (crotz occitana, crous óucitano), auch croix de Toulouse genannt, und die étoile à sept branches (estela de las sèt brancas, astrada), das Zeichen der am 21.05.1854 gegründeten, anfänglich leider etwas sezessionistisch denkenden okzitanischen Heimatbewegung des Félibrige (lo Felibritge, lou Felibrige).

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6d/Flag_of_Occitania_%28with_star%29.svg

Okzitanisch, Varietäten und Schriftbildnormen

http://fr.wikipedia.org/wiki/Norme_classique_de_l%27occitan#Comparaison

(6) Spreewaldgurke

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5b/Spreewaldgurke1.jpg

Gurke, Wortherkunft. Wikipedia weiß: Der deutsche Name ist aus altpolnisch ogurek, heute ogórek [ɔˈgurɛk] „Gurke“ entlehnt. Dieses Substantiv, bereits im frühen Mittelalter in die slawischen Sprachen übernommen, stammt vom mittelgriechischen Adjektiv αγούρος ágūros [aˈguros] „grün, unreif (von Früchten)“ ab, das sich aus mittelgriechisch ἄωρος áōros [ˈaorɔs] „unzeitig, unreif“ entwickelt hat. Im Deutschen ist Gurke seit dem 16. Jahrhundert belegt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Gurke

Spreewaldkahn

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/14/Spreewald_kahn_01.jpg

Spreewaldhaus

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5e/Spreewaldhaus.jpg

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