104. Dhimmikinder lesen islamkonforme Schullektüre

إبرَاهِيم

Ibrāhīm (arabisch),

hebräisch Abraham

Monsieur Ibrahim und die

Blumen des Koran

Ein Zwischenruf von Cees van der Duin

Heute bekomme ich ein merkwürdiges Buch in die Hände, Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran. Ein Elfjähriger jüdischer Junge wird von seinem grausamen Vater gequält, der irgendwann arbeitslos wird und feige Selbstmord begeht. Naja, Selbstmord ist im edlen Islam so was von verboten. Es sei denn, körperlich zumal sexuell misshandelte Frauen in Pakistan oder Anatolien begehen ihn, die ohnehin nicht so leicht ins Paradies kommen wie in die Hölle. Damit der jüdische Junge nicht so orientierungslos aufwächst, springt ein freundlicher und allgemein beliebter Händler des Stadtviertels ein, der gütige Mann ersetzt einen Vater und ist zudem auch gottesfürchtig, wenn er auch, wundert uns das jetzt, kein Jude ist, sondern Muslim.

Das Buch soll als Schullektüre längst massenhafte Verbreitung gefunden haben. Pädagogische Botschaft bis zu dieser Stelle: Jüdische Väter können grausam sein, arabische Männer hingegen sind in der Lage, eine väterliche Rolle auszufüllen. Was eigentlich ein makabrer Scherz sein könnte. Es kommt noch dicker, um es kurz zu machen: Der Junge tritt zu Islam über. Was heißt aus Allahgottes Perspektive „tritt über“ beziehungsweise konvertiert, islamkonform muss es vielmehr lauten: Der Junge rekonvertiert.

Denn eigentlich ist er nach dem fitra-Konzept von Sunna und Scharia ja bereits Muslim gewesen, weil jeder Mensch von Geburt an Muslim ist, sofern er nicht von seinen unwissenden (christlichen) oder gottesleugnendenen (jüdischen) Eltern irregeführt wird. Monsieur Ibrahim erklärt dem Heranwachsenden die Welt, natürlich in islamischer Interpretation, und schwärmt von den Schönheiten des wenig juden- und frauenfreundlichen Büchleins namens Koran. Ein kleiner Jude weniger, ein kleiner Muslim mehr. Korankritik scheint dem Autor nicht vonnöten, wird uns jedenfalls nicht mitgeliefert.

Ibrahim ist eine Anspielung auf den weltbekannten hebräischen Stammvater Abraham, der Junge heißt Moϊse oder Momo. Der drei Jahrtausende alte Moses war bekanntermaßen als Kind in einem Korb im Schilf ausgesetzt, ein legendäres Waisenkind auf den strömenden Wellen des ungewissen Lebens. Doch aus islamischer Doktrin war der ägyptische Moses natürlich bereits rechtgläubig sprich muslimisch.

Warum nimmt das jeder hin in der deutschen Bildungslandschaft und Lehrerausbildung, warum protestiert niemand dagegen, dass hier offen die Konversion zum Islam beworben wird, aus dem es bekanntermaßen kein Entrinnen ohne Lebensgefahr gibt? Indem der Jude als herzlos und grausam dargestellt wird dürfen wir zudem von einer antisemitischen Dimension sprechen. Der erlösungsbringende väterliche Muslim wird zum seelisch gesunden Mann und zu einer vorbildlichen Führerfigur stilisiert. Was über den eine antagonistische Stellvertreterfunktion einnehmenden brutalen und falschen Juden, der seinen leiblichen Sohn auch noch über einen gar nicht vorhandenen Bruder Momos belogen hat, ja womöglich das Judentum insgesamt verhöhnt, spätestens mit dem massenhaften Lesen in Deutschlands Klassenzimmern und in politisch-korrekter und das heißt heute, anders als 1933, in entgrenzt islamfreundlicher Atmosphäre. Oder bin ich da zu empfindlich?

Wir müssen fordern, dass in der Schule schleunigst ein ergänzender Text gelesen wird, in dem der misshandelte Sohn des gemeinen muslimischen Vaters zum Judentum übertritt weil er dort Zuwendung und Verlässlichkeit erfährt. Mein Vorschlag für den Titel: Monsieur Abraham und die Blumen des Talmud. Oder, wie wäre es, Söhnchen konvertiert zum Atheismus und findet sein Glück als Ex‑Muslim?

Was für eine schmierige Unterwürfigkeit gegenüber dem feudalen und erpresserischen Herrschaftskult der Scharia schwingt denn da bitte mit, in diesem Schulbuch, das im Originaltitel und auf Französisch Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran heißt und von einem gewissen Éric-Emmanuel Schmitt elsässischer Abstammung verfasst worden ist?

Gegen Schmitt sind offensichtlich sehr berechtigte Plagiatsvorwürfe erhoben worden, weil das erwähnte Buch allzu viele Ähnlichkeiten mit „La vie devant soi – Du hast das Leben noch vor dir“ von Romain Gary aufweist. Gary wurde 1914 in Vilnius (deutsch Wilna, jiddisch Wilne), sprich in Litauen als Roman Kacew geboren, war französisch-jüdischer Pilot, musste vor den Nationalsozialisten aus Frankreich nach England flüchten, wurde Autor und Diplomat und machte sich beispielsweise als talentierter Schriftsteller einen Namen.

Cees van der Duin

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4 Antworten to “104. Dhimmikinder lesen islamkonforme Schullektüre”

  1. Jacques Auvergne Says:

    Danke, ein nützlicher Beitrag,
    du hast Geschmack und Hirn
    und einen Volltreffer gelandet.

    Der Erste bist du nicht gewesen,
    wie ich gerade höre, doch dann
    vielleicht der zweite Europäer,
    der die Islamhuldigung dieses
    Buches sieht und anprangert,
    das als Schullektüre in der Tat
    nicht länger zu verantworten ist.

    Hier hat schon mal jemand klar
    geblickt und persönliches
    Angekommensein in der kulturellen
    Moderne bewiesen, lesenswert
    http://www.talmud.de/artikel/rezension/monsieuribrahim.htm

    Islamverteidiger Dr. Michael Krämer,
    Referent beim Bildungswerk der
    Diözese Rottenburg-Stuttgart,
    sah das wohl gänzlich anders,
    jedenfalls warb er für dieses Buch
    in einem ev. Gemeindezentrum
    http://www.familienbildung-vaihingen.de/fbv%204theo-paed-psy%20gespraech.htm
    http://www.kbw-ludwigsburg.de/2007-2/gemeinde.html

  2. antifo Says:

    „Warum nimmt das jeder hin in der deutschen Bildungslandschaft und Lehrerausbildung, warum protestiert niemand dagegen, dass hier offen die Konversion zum Islam beworben wird, aus dem es bekanntermaßen kein Entrinnen ohne Lebensgefahr gibt?“

    Gute Frage. Vielleicht kann das zur Antwort beitragen:

    http://antifo.wordpress.com/2009/03/23/claus-leggewie-kelek-und-giordano-sind-schuld/

  3. Yuki Says:

    Als ob es um die Werbung für den Islam ginge. Mit diesem Buch wird lediglich gezeigt, dass es auch friedliche Muslime gibt. Jeder der einigermassen nachdenkt sollte bemerken, dass es zwischen den Zeilen nicht um Religion geht.

  4. Cees van der Duin Says:

    Vielen Dank für Ihren Kommentar,

    gestatten Sie mir als einem dankbar religiösen Menschen diese Spitze: tief religiöse Menschen (jeder Glaubenslehre) mögen vielleicht sagen, dass es immer und überall um Religion geht, also auch „zwischen den Zeilen“, wie Sie es nennen.

    Nun aber ausgewogener, und Sie haben insofern völlig recht, als dass der Autor der romantisierenden Roman-Reihe ‚Cycle de l’invisible‘ das Buch nicht geschrieben hat, um für den Islam zu missionieren, wie es etwa das pakistanische Missionswerk Tablighi Jama’at bezweckt
    http://de.wikipedia.org/wiki/Tablighi_Jamaat
    oder wie es die jüngere Da’wat-e Islami praktiziert
    http://www.suedasien.info/analysen/2169

    Spätestens wenn wir die Etiketten der einzelnen, bei E.-E. Schmitt ‚verwendeten‘ Weltreligionen einmal austauschen oder weglassen, wird sichtbar, dass durchaus moralische Orientierung im Buch vorkommt, es ist ja wirklich falsch, seinen Sohn zu vernachlässigen und zu belügen, und es liegt wahrlich etwas Bewegendes und Schönes darin, wenn ein Mann der schwierigen Rolle des Ersatzvaters oder väterlichen Weggefährten gerecht werden möchte und sogar gerecht wird. Vieles aus der arabischen Küche schmeckt mir auch lecker.

    Autor Éric-Emmanuel Schmitt bedient sich der Romantik und dem Zauber der religiösen Mystik, in der für ein auf gute Verkaufszahlen getrimmtes ‚abenteuerliches, politisch korrektes Jugendbuch‘ gebotenen Oberflächlichkeit.

    Recht geben kann ich Ihnen, dass der Autor nicht für die Theokratie wirbt (Islam als Staatsform) und wahrscheinlich den Anspruch der Scharia auf Totalität noch nicht einmal kennt. Von der Rolle der Frau in Pakistan (juristisch nach Staatsverfassung wie auch bezogen auf das Stammesrecht, letztes neuerdings radikalislamisch ‚aufgefrischt‘ wie im Swat-Tal) hätte er etwas wissen können, und das beispielsweise werfe ich dem Autor vor.

    Schmitt ist menschlichen sprich (im eigentlichen, sage ich, oder auch im weitesten Sinne, sagen viele sehr parteilich Religiöse) religiösen Dimensionen auf der Spur (oder weiß dieses Image zu verkaufen), das darf beispielsweise ein jeder historischer Roman. Hermann Hesse siedelte etwa Narziss und Goldmund im Mittelalter an und Siddhartha im Indien der Zeit Buddhas, ein kühnes Tun, gleichwohl gelungen.

    Je mehr sich ein Romanautor aber mit Religion befasst, desto mehr sollte er die feinen Charakterzüge (naja, schafiitische FGM oder iranische Steinigung ist nicht gerade fein) der als Vehikel oder Kulisse verwendeten Religion kennen. Schmitt ging ja sozusagen mit Jesus von Nazareth spazieren
    http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Evangelium_nach_Pilatus
    http://de.wikipedia.org/wiki/La_Nuit_des_oliviers

    Vielleicht sollte ich das Buch in das Mischfeld von Phantasieroman und Kinderbuch ansiedeln. Dass es ein Plagiat zu Romain Gary (Du hast das Leben noch vor dir) sein soll, ist zwar lausbubenhaft abenteuerlich, jedoch weniger moralisch.

    Der Sohn von zwei Sportlehrern Schmitt wuchs atheistisch auf und fand später eine persönliche Hinwendung zum Christentum, Moϊse ‚Momo‘ wird also auch ein wenig Éric-Emmanuel sein.

    Schmitt, Experte für den französischen Aufklärer Diderot und erfolgreicher Theaterstückschreiber, bemüht sich um die Annäherung der Weltreligionen. Sein Buch Milarepa etwa befasst sich mit dem Buddhismus Tibets. Genau hier aber dürfen wir uns zwar auch mal verzaubern lassen, doch sollten wir die Herrschaftskulte gewisser Glaubenslehren (gab es auch bei Savonarola oder Calvin) wie nun ausgerechnet dem Scharia-Islam mit seiner fiqh-Rechtssprechung niemals verharmlosen.

    Und das Islambeschönigen und Islamverkitschen (Herr Auvergne spricht von „Bambi-Islam“), das macht der aus dem französischen Elsass stammende Schmitt mir eindeutig allzu sehr. Der soll sein süßes Christentum mal auf dem Marktplatz von Dschiddah, Karachi oder Daresalaam bekennen. „Hach, wie koranisch blumig, dar as-salaam (Somalias Hauptstadtname Daresalaam) bedeutet „das Haus des Friedens“, da muss die nächste Reise von meinem kleinen Moische-Momo vorbei führen, all different, all equal!“ Nein, das hat Schmitt gar nicht gesagt.

    Ich habe das Glück, Muslime zu kennen, die mit ihrer Religion sehr reife Persönlichkeiten geworden sind – Islam als persönliche Spiritualität oder auch als gemeinschaftlich begangenes Ritual (Begräbnis, Pilgerfahrt nach Mekka) war und ist für viele Menschen Bereicherung, Kraft- und Sinnquelle. Das traditionelle islamische Frauenverbot am Begräbnis selbst einer Frau ist nicht nur mir aber bereits widerwärtig.

    Seit Mohammed, al-Ghazali oder ibn-Taimiyya ist Islam jedoch etwas ganz anderes, als ein Weg der Lebenshilfe für sinnsuchende Demokraten oder als eine Sammlung von mehr oder weniger frommen Mythen für einfache Bauern: Islam ist Staat! Islam ist totaler Tugend-Staat, Islam ist Sexualpolitik, geheiligtes Herabsehen auf die Nichtmuslime, permanente Kontrolle des weiblichen ‚politischen Genitals‘.

    Islam ist Ekelbefrachtung des Frauenleibes und rechtliche Geringerstellung der Frau. Apostasieverbot. Todesstrafen. Auspeitschungen. Islam ist geheiligter Antijudaismus.

    Dazu kommt eine weitere Dimension, denn anders als Der Medicus (Noah Gordon) spielt Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran nicht im elften Jahrhundert (verwerflich wäre es, dabei auch in einem Jugendbuch die damalige real-islamische Sklaverei und Misogynie auszulassen), sondern spielt in der Gegenwart. Schmitts Buch ist, doch wohl nicht ohne seine Billigung, zur islamfreundlichen gesamteuropäischen Schullektüre geworden. Dem elitenseits gewünschten Türkeibeitritt zufällig ebenso dienlich wie dem erlaubten Lehrerinnenkopftuch in Frankreich und Deutschland. Das ist es: Wenn Islam nett ist, ist Kopftuch auch nett! Und genau das sollen die Schüler lernen. Ich muss ein wenig islamophob sein.

    2009 überlagern sich der Nahostproblematik genannte arabische Israelhass mit der in Europa betriebenen Installierung politischer Macht (Bildungspolitik, Familienrecht, Finanzpolitik) durch reaktionäre, an einer totalitären Umsetzung der Scharia und an einem parallelen Recht (islamische Heirat, Polygamie) interessierten Islamverbände. Da allerdings, Schmitt mag ja einfach uninformiert (gewesen) sein, spätestens da wird sein Buch zur pädagogischen Gefahr für gelingende Integration und verhinderte islamische Apartheid.

    Von Herrn Schmitt wünsche ich mir nun ein Buch über eine mutige Türkin, die einen grönländischen Atheisten heiratet und ihre Kinder und Enkelkinder ebenso islamkritisch wie nichtislamisch erziehen lässt, mögen sich die Urenkel doch der Bahá’í-Lehre oder Konfuzius oder wem-auch-immer zuwenden, inschallah. Wir Schmitt dieses Buch schreiben?

    Nein. Damit erwirbt man weder Erfolg noch Geld, vielmehr Drohungen. Tja, so rasch ist Europas zunehmend islamkompatible Schulbuch- und Phantasieromanwelt am Ende? Ist sie.

    Im Scherz: Wir sollten die Staatsform wechseln.

    Mit freundlichen Grüßen
    Cees van der Duin

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