076. Cerić will das Imamat

076

إمامة

imamah,

islamisches Imamat.

Imamat ist die politische Herrschaft der

islamischen Geistlichkeit bei aufgezwungener

„Muslimisierung“ auch der säkularen Muslime.

Imamat ist seit 1979 im Iran kulturell wirksam

Herr Cerić fordert das

europäische Imamat

Jacques Auvergne

3. Juli 2008

In der Doktrin der Schiiten, der Schia bezeichnet imamah, Imamat die religiöse, spirituelle und (!) politische Führung der umma, der Gemeinschaft der Gläubigen (1). Man beachte das „und“, es steht dem Muslim nämlich nicht zu, lediglich Religionsführerschaft bis zur Abwahl, persönliche geistliche Lebenshilfe oder vorübergehendes politisches Kanzleramt zu wählen, nein, das Imamat der Schiiten ist die monopolistische Deutungsmacht des Klerus in Bezug auf jeden organisierten Islam des Territoriums, die Kontrolle jeder Behörde und Stadtverwaltung und ist das von dir lebenslang zu erbringende moralische Ausrichten an der Kaste der höchsten Imame. Eine eventuell vorhandene gesonderte weltliche Administration ist dem Rat der Imame untergeordnet: Imamat ist die totale staatspolitische Steuerung des Territoriums. Imamat ist politisch angewendeter Islam, realisierter Islam, Kalifat.

Für Schiiten, so das englische Wikipedia, sind die Imame die wahren Kalifen oder rechtmäßigen Nachfolger des Propheten Mohammed, für Zwölferschiiten und Ismailiten sind darüber hinaus die höchsten Imame mit übernatürlichen Kräften ausgestattet, frei von Fehlerhaftigkeit und Sünde, sprich: Sind zauberkräftig, unfehlbar und moralisch rein. Sunnitische Muslime kennen diese Verehrung des Imamats, die seit 1979 von Teherans Ayatollahs nutzbar gemacht wird, in dieser Weise nicht, jedoch hat der Begriff Kalif auch für Sunniten viel zu sagen.

Kalif ist die deutsche Form des arabischen Wortes خَلِيفَة Khalīfah und bedeutet wörtlich Nachfolger oder Repräsentant. Der Kalif ist das Staatsoberhaupt aller Muslime der umma, der vom juristischen Rahmen der gottgeschaffenen Scharia umfangenen Gemeinschaft aller Muslime (2). Die Scharia ist für folgsame Muslime Allahs ewiges, unveränderliches Religionsgesetz, gebunden an die einzelnen islamischen Rechtsschulen ebenso wie an die zeitlos gültige Rechtleitung von Koran und Hadithen. Wie im einzelnen „die“ Scharia in einem islamisierten Territorium der Erde zur Anwendung kommt, sprich wie denn Scharia in die Urteile der Rechtssprechung oder die Paragrafen einer staatlichen Ordnung gefasst werden soll ist von Gott Allah offensichtlich nicht eindeutig geregelt worden.

Insofern könnte die Scharia als flexibel und erneuerungsfähig bezeichnet werden, was für uns Demokraten jedoch einem verhängnisvollen Trugschluss gleichkäme, denn die institutionalisierte Herabwürdigung der Frau, die geheiligte Verachtung der Christen und vor allem der Juden, Atheisten und Apostaten, die Etablierung des Kalifats als der idealen islamischen Gesellschaft sowie die weltweite Ausbreitung des Herrschaftsbereichs des Islam, diese jedem Muslim auferlegten Pflichten schaffen einen immerwährenden Konflikt zu den universellen Menschenrechten, etwa zu deren gleichheitsfeministischem Anspruch.

Was einem Trugschluss gleichkäme – und wohl auch: Gleichkommen soll. Muslime jedenfalls haben den Freibrief und Auftrag, Nichtmuslime in dieser Angelegenheit mit Taqiyya, geheiligter Lüge, nur im Notfall zulässig, oder vielmehr mit ايهام Îhâm zu täuschen, der heiligen Lüge für den Normalfall. Von dieser rhetorischen Gepflogenheit im Umgang mit Nichtmuslimen, die einem Nebelschleier gleich die Methodik der دعوة da’wa, der islamischen Mission sowie tagespolitisch besonders kontroverse und dabei islamrelevante Themen zu umgeben pflegt, von dieser heiligen Lüge namens Îhâm machen nicht nur Deutschlands islamverbandliche Vertreter verlässlich regen Gebrauch. Auch der Großmufti von Bosnien und Herzegowina, Mustafa Cerić, gibt sich bedarfsweise als Menschenfreund oder Frauenversteher wenn es nur der guten Sache dient, sprich der Ausbreitung der islamischen Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnisse in Europa.

Wir ahnen mit leichtem Grauen die mehr als ein Jahrtausend alte Unversöhnlichkeit des institutionalisierten Islam, der nicht einen Millimeter zur Veränderung bereit ist und noch jede andere, nichtislamische Lebensweise planmäßig und in Allahs Auftrag erodiert und unterdrückt hat wenn er sie nicht vernichtet hat. Das aber halten die zarten Nerven der politischen Elite des heutigen Europas nicht gerne aus weshalb man bevorzugt, den Islam für reformfähig zu halten und die islamischen Geistlichen für unser Vertrauen verdienend. Europas Ex-Muslime warnen uns vergeblich, diesen Zerstörern jeder Geschlechtergerechtigkeit und Meinungsfreiheit auch nur ein Wort zu glauben.

Volksvertreter Schäuble führt seine Gespräche mit den frauenfeindlichen und zum Apostatenmord aufrufenden Anhängern der Theokratie weiter. Warum eigentlich? Ein Demokrat hat mit einem Faschisten, Rassisten oder eben Theokraten eigentlich keine Kompromisse einzugehen. Offensichtlich hofft man, den Islam demokratisch zähmen zu können. Optimismus ist sicherlich eine gute Sache. Menschen können, will mir scheinen, nicht nur blind vor Hass oder Liebe sein sondern auch blind vor Optimismus.

Hören wir auf Mustafa Cerić, den obersten orthodox-islamischen Führer und für das muslimische Fußvolk Südosteuropas damit wohl auch bereits den höchsten politreligiösen Führer Bosniens. Dieser Großmufti von Bosnien und Herzegowina also tut Europas Rechtgläubigen und Dhimmis kund:

It is not enough that Europe recognises the presence of Islam on its territory. Muslims deserve more than that. They deserve that their presence be legalised in the sense of creating a political and economic climate in which European Muslims can represent themselves through the institutions that should have both governmental support and public acceptance.

Es reicht nicht aus, dass Europa die Anwesenheit des Islam auf seinem Territorium anerkennt. Muslime verdienen mehr als das. Ein Leben in Würde muss für Europas Muslime bedeuten, legalisiert zu werden in dem Sinne, dass Europa ein politisches und ökonomisches Klima schafft, in dem sie sich durch ihre Institutionen umfassendes Recht auf Teilhabe und Mitsprache schaffen können, Institutionen, die sowohl die Unterstützung der Regierungen genießen als auch die öffentliche wertschätzende Anerkennung.

Cerić erweckt in den Nichtmuslimen Schuldgefühle für angeblich verübte ausgrenzende Gewalt und in den Muslimen heilige Wut in Bezug auf ein ihnen ebenso angeblich ständig widerfahrenes Unrecht. Ziemlich dreist stellt der Großmufti die sensiblen europäischen Muslime der herzlosen Demokratien Europas als gedemütigt, ja fast als illegal dar. Die erwähnten Institutionen kosten („Unterstützung“) sicherlich auch Geld, wahrscheinlich darf die EU da finanziell mit angemessener Dschizya einspringen. Und einerlei was diese islamischen Behörden leisten werden, sie verdienen deine und meine Anerkennung. An einem Übermaß an Schüchternheit leidet Herr Cerić jedenfalls nicht.

Cerić durfte diese Worte im Dezember 2007 in der europäisch-wertkonservativen und CDU-nahen European View abdrucken, eine Rede, die den Titel „The challenge of a single Muslim authority in Europe“ trägt. Ein Titel, der jeden Fundamentalismuskritiker alarmieren müsste, denn das wörtliche „Die Herausforderung einer einzigen Muslimischen Behörde/Autorität in Europa“ ließe sich in Kenntnis des politischen Islam treffender durch „Die Herausforderung, eine einzige, anerkannte muslimische Hierarchie für ganz Europa zu etablieren“ wiedergeben. Für jeden Islamkenner wird damit klar: Der Mann will das Kalifat (was denn sonst, er ist Muslim).

Aber: Eine CDU-nahe Zeitung druckt diese Worte ab, wahrscheinlich in völliger Unkenntnis des orthodoxen Islam, der immer auch eine Staatsgründung ist und der die Muslime seines Territoriums – alle Muslime, auch die, die die Schnauze voll haben von der Theokratie – in psychische Abhängigkeit bringen will und halten will. Und bringen wird und halten wird, verhindert die säkulare Demokratie dieses nicht. Einen anderen Islam, man mag das bedauern, gibt es noch nicht. Europa muss die Muslime vor „ihrem“ politischen Islam schützen, sie selbst sind dazu aus seelischer Abhängigkeit und mangelndem islampolitischen Einfluss nicht in der Lage, von den wenigen dezidiert säkularen Muslimen einmal abgesehen, die man allerdings an einer Hand abzählen kann.

Yassin Musharbash beliebte, die in European View abgedruckte Rede des Großmuftis zu verteidigen. Am Begriff und Anspruch der Scharia kaute Musharbash scheinbar kenntnislos jedenfalls lustlos herum, wobei er die islamisch unverzichtbare Existenz der hadd-Vergehen und ihrer koranisch angemessenen Folgen (Steinigung, Handabhacken) zwar nicht völlig leugnete, sie jedoch benutzte, um uns Demokraten irgendwie zu beschuldigen (4). Als Redakteur von SPIEGEL-online scheint er mit der Aufforderung Allahs, jeden Islam-Apostaten zu töten, keine großen Schwierigkeiten zu haben. Der Mann ist wirklich toleranter als ich. Oder aber: Der 1975 geborene Sohn einer Deutschen und eines Jordaniers betreibt kunstsinnig ايهام Îhâm, notfallfreie Lüge (3). Fromme Flunkerei.

Die meisten Muslime vernebeln mir als Nichtmuslim jeden interreligiösen Dialog oder auch nur jedes ernsthafte Gespräch über Religion oder Islam innerhalb von Minuten mit Îhâm und schrecken beispielsweise nicht davor zurück, sich in einem Satz mehrfach zu widersprechen, schmierig zu grinsen, bewusste Auslassungen vorzunehmen (die in Allahs Scharia enthaltene Todesstrafe für Apostasie, die auch in Europa und Deutschland angestrebte Rechtsspaltung für edle Muslime beziehungsweise unwürdige Dhimmis, die Reife für den Geschlechtsverkehr eines islamischen Mädchens mit neun Jahren, die Wertschätzung islamischer Geistlicher für die islamische Frauenbeschneidung) oder mich fraglos wider besseres Wissen der Demokratiefeindlichkeit namentlich des Angriffs auf die Religionsfreiheit zu beschuldigen. Ich weiß nicht, ob Muslime derlei aus Unfähigkeit zu Selbstkritik tun, aus Angst vor Allahs Höllenstrafe beziehungsweise Sorge vor sozialer Exklusion oder aus einer fast rassistisch zu nennenden Verachtung für mich als sittlich geringer wertigen Menschen sprich Nichtmuslim. Ich bilanziere lediglich, dass es einen wie auch immer gearteten Dialog nicht gibt. Und ich habe den Verdacht und zugleich die Hoffnung, dass selbst Dr. Schäuble allmählich erkennt, dass er seine Islamkonferenz besser gar nicht erst gestartet hätte.

Cerić, der Großmufti aus Sarajevo weiter:

First, Muslims have to understand Europe as a house of peace, not a house of war. Second, Muslims have to be clear that their minimum claim is to be free from social interference in their cultural life and that their maximum claim is for social recognition because of their positive contribution to the common good of European society as a whole. And thirdly, Muslims have to establish a single Muslim authority that can speak for both Islam as a world religion and Muslims as good citizens of Europe.

Erstens müssen Muslime verstehen lernen, dass Europa ein Haus des Friedens ist, kein Haus des Krieges. Zweitens muss ihre Minimalforderung sein, ohne störende soziale Einmischung ihre islamische Kultur leben zu können und ihre Maximalforderung, aufgrund ihres heilsamen gesamtgesellschaftlichen Beitrags für die Europäische Gesellschaft anerkannt zu werden. Drittens müssen Muslime eine einzige islamische Autorität etablieren, die sowohl für den Islam als Weltreligion sprechen kann als auch für die Muslime Europas als gute Staatsbürger.

Cerić verwendet einen tausend Jahre alten Binärcode, die Dualität aus der Dar al-Islam und der Dar al-Harb. Hier sei kein Haus des Krieges: Rührend aufmerksam, denn als Harbi dürfte mich jeder Muslim, islamrechtlich einwandfrei, totschlagen. Augenzwinkernd verkündet er mit dem Begriff „Haus des Friedens“ jedem Islamkundigen, Europa sei bereits dem Islamischen Staatsschatz zuzuzählen, islamisiertes Territorium. Die multikulturellen Deppen indes speist er mit demselben, doppelgesichtigen Satz ab mit einem sinngemäßen, „Euer Großmufti will Frieden!“ Bemerkenswert ist seine Forderung, „ohne Einmischung und Störung“ leben zu dürfen. Wir müssen ihm widersprechen: Nein, die Demokratien werden die übliche Gewalt in der islamischen Familie, die Prügelstrafen als Mittel der Kindererziehung und Koranschulpädagogik, die islamisch weltweit wohlwollend geduldete Frauenbeschneidung und die antisemitischen Sprüche in Moschee und Koranschule nicht dulden vielmehr durchaus stören. Und es ist ja wohl ein Witz, dass ein europäisches Imamat notwendig sein soll um den andernfalls allzu sprachlosen Muslimen eine staatsbürgerliche Stimme zu verleihen. Problem allerdings: Die staatsbürgerlich schafblöden Muslime Europas setzen sich gegen Cerić wahrhaftig nicht zur Wehr.

Der Großmufti, so ist zu befürchten, wird seine Vision einer islamischen Schreckensherrschaft recht ungehindert verwirklichen können. Die europäischen Moscheegemeinden, die einem Theokraten und Ironisierer der Demokratie wie Herrn Mustafa Cerić zu widersprechen in der Lage und willens sind, lassen sich an einer Hand abzählen. Da muss sich rasch etwas ändern. Ist es die Angst vor der Höllenstrafe, die nahezu jeden deutschen Muslim daran hindert, den Großmufti von Sarajevo als Gefahr für die Demokratie zu benennen? Oder ist es der antrainierte Hass auf die Kuffar?

Mustafa Cerić war Gründungsmitglied des europäischen Fatwa-Rates (European Council for Fatwas and Research, ECFR). Das ECFR möchte nach eigener Aussage ein Scharia-Recht formulieren, welches auf die kulturelle Moderne zugeschnitten ist. Mit dem Vorsitzenden Yusuf al-Qaradawi und der Beteiligung aus deutschem und niederländischem Sprachraum durch die vom Verfassungsschutz beobachtete Milli Görüş (IGMG) dürfen wir also in den nächsten Monaten und Jahren auf eine fleißige Fatwaproduktion gespannt sein.

Yusuf al-Qaradawi billigt Selbstmordattentate, hält Homosexuelle („100 Peitschenhiebe“, auch mal: „die Todesstrafe“) für abartig und islamrechtlich bestrafenswert, hält das Frauenkopftuch für verpflichtend („nur Gesicht und Hände sollen sichtbar sein“) und fordert eine Dominanz der Scharia im Allgemeinen und seiner Fatwas im Besonderen über jedes säkulare Recht. Der Ehemann darf, so al-Qaradawi, seine Frau schlagen („leicht, mit den Händen“), sollte diese sich gegen ihn auflehnen.

Vorsitzender des deutschen Kooperationspartners IGMG ist Osman Döring genannt Yavuz Çelik Karahan, der immerhin den Mord an drei christlichen Mitarbeitern in Malatya im April 2007 als „barbarischen Akt“ verurteilte. Den gefesselten Opfern eines religiösen Verlages waren die Kehlen durchschnitten worden wie auszublutendem Schlachtvieh. Einer der Vorgängerorganisationen der IGMG aber meinte 1986 in Bezug auf die ungläubigen europäischen Ureinwohner: „Der Europäer ist ein Atheist und Götzenanbeter, ein Wucherer, Kapitalist, Sozialist, Zionist, Kommunist und Imperialist, ständig brünstig und besoffen, ehebrecherisch und materialistisch. Er hat sich dem Teufel verschrieben. (5)“ Vielleicht sucht die IGMG ja noch ihre Identität.

Für uns Islamskeptiker ist dieses Zitat von 1986 sicherlich geradezu ein Leckerbissen. Als Sozialpädagoge frage ich mich allerdings, ob auch heute im demokratiehassenden Geist Erbakans Kinder und Jugendliche indoktriniert werden und, gegebenenfalls, wie denn diese radikalislamisch Indoktrinierten wieder zu entnazifizieren, pardon, zu resozialisieren sind. Lassen Sie uns hoffen, dass den anständigeren Muslimen Bosniens, Österreichs und der Bundesrepublik Deutschlands die Demokratie stets attraktiver erscheinen wird als das Kalifat oder Imamat.

Das Gottesgesetz der Scharia, wie sehr man es auch polieren und vergolden mag, wird mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau, der körperlichen Unversehrtheit, der religiösen und der an sie gebundenen sexuellen Selbstbestimmung sowie mit der Meinungsfreiheit stets kollidieren. Im Sinne dieses von Musharbash so gerne bagatellisierten Gottesgesetzes werden die Herren al-Qaradawi, Cerić und Döring (genannt Karahan) nun auch für Europa Fatwa um Fatwa produzieren. Von der kulturellen Moderne allerdings wird in ihrem Arbeitsbereich womöglich nicht viel übrig bleiben. Die der Erbakan-Doktrin von der gerechten Ordnung („adil düzen“) und der nichtigen Ordnung („batil düzen“) verpflichtete und an einer verstärkten Nichtintegration, Segregation und Gegengesellschaft der türkischstämmigen Muslime in Deutschland interessierte Organisation Milli Görüş wird das antidemokratische, das theokratische Gedankengut von al-Qaradawi und Cerić begierig aufsaugen.

Ein sadistischer Kriegsgott könnte mit seinem bosnischen Vertreter in Sarajevo eigentlich ganz zufrieden sein. Und die militanten und mysogynen Muslime werden sich einen kriegerischen, frauenfeindlichen Gott schaffen, um ihre fiebrige Seele, auf Kosten der Ex-Muslime, Dhimmis und demokratischen säkularen Muslime, im Gleichgewicht zu halten. Hadithe hin, Fatwas her. Wie auf Erden so im Himmel.

Ein aufmerksamer Zeitgenosse (6) prägte unlängst das Gleichnis des Kabelbinders (7), welches das zersetzende islamische Umweltverändern, die ätzende islamische Grenzfläche zur Dar al-Harb sehr treffend zeichnet. Der Kabelbinder, jene elastische Plastikschlinge mit schräger Rasterzahnung und stabilem, kantigem Kopf nämlich bewegt sich … immer nur in eine Richtung. Demokraten empört, dialogbereit. Islam bewegt sich nicht. Demokraten sauer, kompromissbereit. Umma bewegungslos. Demokraten machen ein Zugeständnis. Islam steht still. Demokraten wieder nervös … und so fort.

Das Bild vom Kabelbinder beschreibt den derzeitigen, von Ausnahmen abgesehen zum Scheitern verurteilten demokratisch-islamischen Dialog. Der Kabelbinder der Scharia bewegt sich nur in eine Richtung. Die Schlinge der Multikulturalität und der Dialogforen zieht sich zu.

Seit mehr als tausend Jahren: Islam verändert Nichtislam. Stillstand auf der einen Seite, Nachgeben auf der anderen. Da’wa trifft Dialog, Schäuble den KRM (8). Das von Herrn Cerić gepriesene Europa-Imamat begegnet der säkularen Gesprächsbereitschaft. Wir schuldzerknirschten Europäer sind ganz auf Toleranz und windigen Veränderungsprozess getrimmt, indes die Schergen der politischen Scharia vor Sadismus und frommer Lernverweigerung nur so glänzen. „Es geht immer nur in eine Richtung weiter“. Die meisten Kabelbinder lassen sich nur durch Zerstörung öffnen.

Tolerant bis naiv also redet man von „kultureller Vielfalt am Arbeitsplatz“ (9) oder „ethnischer Ökonomie“ (10). Die Europäische Union hat 2008 zum „Jahr des interkulturellen Dialogs“ ernannt (11).

Der Islam strebt nach totaler Herrschaft und damit gerade auch nach militärischer und politischer Dominanz. Der klassische und der derzeitige Islam können daher die Demokratie nicht wollen. Ein anderer Islam, etwa ein sich einer weltbürgerlichen Rationalität und damit Wissenschaftlichkeit freiwillig unterordnender Ijtihad-Islam oder ein sich auf Seelsorge beschränkender und auf jede politische Herrschaft bewusst verzichtender Sufi-Islam, der allerdings Menschen- und Frauenrechte erst einmal entdecken müsste, ein anderer als der politische Islam hat sich bislang als unerwünscht oder nicht überlebensfähig erwiesen. Säkulare Muslime wie Irshad Manji und Bassam Tibi versuchen, einem noch sehr utopischen, künftigen Islam eine solche Verträglichkeit mit der kulturellen Moderne, damit beispielsweise eine Demokratiefähigkeit, zugänglich zu machen. Mögen sie Erfolg haben.

Der politische Islam aber umschließt alle Kulturen seiner Umgebung. Wie ein Kabelbinder.

Jacques Auvergne

Quellen:

1

http://en.wikipedia.org/wiki/Imamah_(Shi%27a_doctrine)

2

http://en.wikipedia.org/wiki/Caliph

3

Iham, Fromme Flunkerei, bei Wikipedia unter: Taqiyya, dort: Diskussion

http://static.wikipedia.org/new/wikipedia/de/articles/t/a/q/Diskussion~Taqiyya_7096.html#Iham

4

Yassin Musharbash am 14 Mai 2008, SPIEGEL-online

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,553231,00.html

5

Islamische Gemeinschaft Milli Görüş

http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Gemeinschaft_Milli_G%C3%B6r%C3%BC%C5%9F

6

„Hier in Deutschland läutet man mit solchem “Entgegenkommen” den Beginn einer gesellschaftlichen Veränderung ein: Die Gutmenschen denken, sie machen was Humanes, wenn sie sooo auf die türkischen Bürger zugehen.

Die türkischen Bürger werden aber stehen bleiben. Die Gutmenschen werden sich wieder auf sie zubewegen. Dieser Zyklus ergibt langfristig einen islamischen deutschen Gottesstaat. Diese Gutmenschen erkennen nicht, dass sie bestehende Werte einfach wegwerfen.

Der Islam und das Türkische werden immer mehr Einzug in den deutschen Alltag halten. Das Deutsche wird aber nicht Einzug in den türkischen Alltag der hier lebenden Türken halten. Es ist wie bei einem Kabelbinder: Es geht immer nur in eine Richtung weiter.“

Politically Incorrect, #37 RadikalDemokrat (15. Jun 2008 19:49)

http://www.pi-news.net/2008/06/oeffentlich-rechtlicher-rundfunk-jetzt-auf-tuerkisch/

7

Kabelbinder. Bei: Wikipedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Kabelbinder

8

http://de.wikipedia.org/wiki/Koordinierungsrat_der_Muslime

9

„Kulturelle Vielfalt am Arbeitsplatz“

http://www.vielfalt-als-chance.de/index.php?id=235

10

„Ethnische Ökonomie“

http://www.schader-stiftung.de/wohn_wandel/499.php

11

EU ernennt 2008 zum Jahr des interkulturellen Dialogs

http://www.interculturaldialogue2008.eu/333.html?L=1

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5 Antworten to “076. Cerić will das Imamat”

  1. Cees Says:

    Bei horst-koch.de findet sich sehr Lesenswertes zur
    Religion des Friedens========================
    ____________________________________________

    Der Frauen Mängel

    1) Frauen sind unzureichend begabt hinsichtlich der
    Intelligenz und der religiösen Fähigkeiten. Den
    intellektuellen und religiösen Makel der Frauen stellt
    der folgende Hadith fest. Wir finden ihn in Sahih
    al-Buchari, welches muslimische Gelehrte für das
    „nach dem Buch Allahs (der Koran) am meisten
    authentische Buch“ halten: (Sahih Buchari,
    englisch-arabische Übersetzung, Bd.1, S.XIV)

    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
    „Allahs Apostel sprach einst zu einer Gruppe von
    Frauen: Noch nie habe ich Geschöpfe mit weniger
    Intelligenz und weniger Gottesfurcht als euch
    gesehen. Etlichen von euch ist es sogar zuzutrauen,
    daß ihr einen vorsichtigen, sensiblen Mann zu
    Abwegen verleitet.’ Die Frauen fragten: ‚O du Apostel
    Allahs, was ist denn an unserer Intelligenz und an
    unserer Religiosität so mangelhaft?’ Er sprach: ‚Ist es
    nicht also: erst die Aussage von zwei Frauen kommt
    dem Zeugnis eines Mannes gleich?’ Sie bejahten es.
    Da sprach er: ‚Hier haben wir euren Mangel an
    Intelligenz … Ist es nicht eine Tatsache, daß eine Frau
    während ihrer unreinen Tage weder beten noch fasten
    kann?’ Wieder stimmten sie zu. Und er sprach: ‚Darin
    sieht man, wie unzureichend eure Fähigkeit zur
    Religionsausübung ist’.“ (Bd. 3, Hadith Nr.826)
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

    Niemand bezweifelt die Echtheit oder die
    Glaubwürdigkeit soeben zitierten Hadith. Wir finden
    ihn in den beiden verlässlichsten Hadith
    Sammlungen bei Buchari (810 870) und bei Muslim
    (um 817 875). Die Übereinstimmung dieser zwei
    Berichte gibt der Authentizität das Zeugnis
    mutafakun `alaihi, d.h. „einig sein“, und dies ist
    in Bezug auf die Authentizität die höchste Auszeichnung.

    Viele berühmte Gelehrte, unter ihnen Ghasali, Ibn
    al ’Arabi, Rasi, Sujuti, Kortobi, Nawawi und Ibn Kathir,
    haben diesen oben zitierten Hadith in ihren Schriften
    angeführt und somit bestätigt.

    Dieser Hadith bezieht sich nicht nur auf die Frauen
    des frühen Islam, nein, er gilt für alle Zeiten, so
    lange „Frauen während ihrer Tage weder beten
    noch fasten können“, und so lange wie „die Aussage
    von zwei Frauen gleich viel wert ist wie die Aussage
    eines Mannes.“ Diese Argumentation ist nicht auf
    einen bestimmten Zeitabschnitt begrenzt, sie
    wurzelt im Koran und erwächst auch aus diesem
    und beansprucht fortwährend Gültigkeit bis zum
    Tag der Auferstehung.

    __________________________________________
    ======horst-koch.de===================

  2. Jan Says:

    Leute, war schon mal jemand von euch in Sarajevo? Sicher nicht, denn wenn Ihr die selbstbewussten jungen Frauen dort gesehen hättet, die ihre Röcke so kurz und ihre Jeans so eng tragen, dass in jedem bayerischen Dorf ein Skandal heraufbeschworen würde, dann würdet Ihr hier nicht derart undifferenzierte Hetze absondern. Sarajevo taugt als Beispiel für einen toleranten Muster-Islam!! Fahrt mal hin!!!

  3. Cees Says:

    Hallo Jan,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Nein, ich kenne Sarajevo nicht.

    Bulgarien, Makedonien und Kroatien kenne ich ganz gut. Hübsche Landschaft, schwierige Lebenssituation, ein ‚tourismuspolitisch‘ verschwiegenes Landminen-Problem, Kriegstraumatisierungen. Riesengroßer Hass auf Roma (Zigeuner) und, interessanterweise, auf körperlich Behinderte ist in den genannten Gebieten traurige Folklore, ich war als Praktikant in Ex-Jugoslawien (bin professioneller Sozialarbeiter) tätig. Ja, Minirock und ‚toll enge‘ Jungfrauen-Jeans sind augenfällig, alte oder ‚hässliche‘ Frauen gelten gerade dann/dort jedoch erfahrungsgemäß nichts bis nicht viel. Das zerbrochene Jugoslawien durchweht ein Hauch von Bronx-Style, auf rapper-Videos tragen die schmucken Mädels auch ‚Heißes‘.

    Du berichtest uns von der kurzen Rocksaumlänge ost- und südosteuropäischer Mädchen und Frauen, eine kulturelle Besonderheit, die in der Tat ‚eindrucksvoll‘ ist und bereits in Minsk, Helsinki, Kiew, Bratislava oder Prag beginnt. Minirock, sicherlich in den Ägypten oder in den Vereinigten Arabischen Emiraten außerhalb der Bordelle wenig erwünscht, ist kein bosnisches oder gar bosniakisches Monopol.

    Die feministisch-gleichheitsfeministische Kritik an sexualisierter Frauenmode ist dir womöglich noch nicht vertraut. Nutten-Style-Kleidung und Tschador/Burka sind zwei Seiten der selben Médaille. Die heißen Röckchen russischer Frauen schmälern die Mysogynie und das Patriarchat Russlands keineswegs.

    Doch ich werde versuchen, deinem Rat baldmöglich zu folgen und, ich denke per ‚touring’/Europabus, Sarajevo besuchen.

    Das mit der ‚undifferenzierten Hetze‘ könntest du mir freundlicherweise etwas … differenzieren? Ich spreche von Herrn Cerić und dessen Machtanspruch, letzterer übrigens durchaus gerade von säkularen bosnischen Muslimen kritisiert wird, darunter gerade auch Frauen (deren Rocklänge-in-cm ich zugegebenermaßen nachzufragen versäumte).

    Ich hoffe, lieber Jan, dass auch du einige der in meinem Text genannten Kritikpunkte an Cerić und dessen Fatwa-produzierendem Kollegen al-Qaradawi teilst.

    Mit sexy Kleidung den Islam demokratisieren? Einen Versuch wär`s allemal wert. Überlasse es aber bitte den Bosniern namentlich Bosniaken, ob und wie sehr sie ‚die Schnauze voll‘ haben von Scharia, Sunna, Fatwas und Hadithen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Cees

  4. Cees Says:

    Noch zu
    #jan

    Hallo Jan, die
    islamische Geistlichkeit Bosniens hat sexualfeindliche Prüderie im Sinne. Wenn sie auch noch keinen Tugend-Terror aufbauen kann wie die Wahhabiten oder die Leute der Salafiyya, so mag dich folgendes Interessieren.

    „DENN SIE GEHEN AUCH IN DISKOS UND SO WEITER.“ O Zeiten, o Sitten, o islamische Frömmigkeit, dieses frivole ‚Und-so-weiter‘ will der Moralkontrolleur und Imam, Herr Hodzic (hier, wohl fälschlich, Hadzic) sich und uns gar nicht vorstellen. Diskos, dieser Sündenpfuhl. Diese westliche Verderbtheit. So weit auch zu den von Jan erwähnten Miniröckchen und hautengen Mädel-Jeans, über die sich mit dem Imam sicherlich trefflich fachsimpeln ließe.

    Lies selbst:
    ==================

    Islamische Zeitung: Wie sehen Sie die Lage der bosnischen Jugendlichen in Deutschland insgesamt?

    Mustafa Hadzic: Die Probleme sind im Grunde dieselben wie bei allen anderen muslimischen Jugendlichen in Deutschland auch. Wir müssen für die Jugendlichen verschiedene Aktivitäten anbieten. Denn sie gehen ja auch in Diskos und so weiter. Gott sei Dank kommen mittlerweile jeden Freitag auch viele nach der Schule zu uns. Wir haben im Islam-Unterricht eine Gruppe von 13- bis 17-Jährigen, die etwa 20 Jugendliche umfasst. Dort reden wir über alle Probleme. Ich als Imam oder Mu’allim muss auch Familienberater und Jugendberater sein, und das mache ich auch gerne.

    Islamische Zeitung: Sie sind strukturell-organisatorisch eng mit der Islamischen Gemeinschaft in Bosnien unter deren Oberhaupt und Reis ul-Ulema Mustafa Ceric verbunden. Wie ist da das Verhältnis zwischen der Bindung an Bosnien einerseits und dem Leben als Muslime in Deutschland andererseits?

    Hasib Sahovic: Das ist ein Problem, das nicht nur uns Bosnier, sondern alle Migranten betrifft. Wir leben zwei Leben. Wir leben hier, und wir leben irgendwie innerlich dort, sind verbunden mit unserer Heimat. Besonders die erste Generation. Die zweite Generation ist schon mehr hier als in Bosnien verortet, sie haben aber durch die Eltern natürlich trotzdem nach wie vor Verbindung zur Heimat. Die meisten fahren jedes Jahr in den Urlaub nach Bosnien und besuchen dort ihre Familien.

    ==================
    gefunden in
    Islamische Zeitung
    http://www.islamische-zeitung.de/a.cgi?id=10352&add_comment=on
    27.05.2008 „IZ-Begegnung“ mit Hasib Sahovic und Imam Mustafa Hodzic von der Bosnien-Kulturgemeinde in Köln
    Eine Brücke des Islam nach Europa

    Imam Hodzic
    http://www.dzemat.de/home/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=28&Itemid=130&lang=de

  5. Cees (Entwurf für Baustein 092) Says:

    Scouting meets Shari’a, oder:
    Kann es muslimische Pfadfinder geben?

    Der Gründer der nun 101 Jahre alten Pfadfinderbewegung, der kreative und idealistische britische Kolonialoffizier Lord Baden-Powell, war dem Religiösen in sportiv-weltbürgerlicher Manier ebenso naiv wie optimistisch zugetan. Baden-Powell (genannt BeePee”, deutsch sprich Bi-Pi) sagte einmal: “Ein Mann ist nichts ohne eine Religion”, aber es war sein Religionsbegriff zwar ebenso christlich wie britisch, so war er sozialisiert (ein paar freimaurerische, d.h. bildungsbürgerlich-kaufmännische) Akzente haben sich dazu gesellt), doch sind in seinem Gottesbild stark universalistisch-aufklärungshumanistische und auch mystisch-pantheistische Züge zu finden. Zu Religionskritik war er nur sehr begrenzt in der Lage, andererseits scheint es in der sich herausbildenden Scouting-Administration einiges Interesse gegeben zu haben, diejenigen Sätze, die Frömmelei und stumpfsinniges Wiederholen kritisieren und die eine Spiritualität der Naturromantik und der Selbstentfaltung betonen, zu unterschlagen.

    Baden-Powell jedenfalls konnte, sei es aus Optimismus oder Gutmütigkeit, zwischen religiös und fundamentalistisch lebenslang nicht unterscheiden. Zugleich machte er den Weg zur Gründung konfessionell orientierter Pfadfinderorganisationen ganz bewusst frei, den Aufbau evangelischer, katholischer, jüdischer, islamischer, hinduistischer usw. Gruppen konnte er (über zwei Weltkriege hinweg bzw. durch sie unterbrochen) ja bewusst erleben und verfolgen.

    Die Ur-Idee von 1907 (Brownsea-Island) war (noch) nicht konfessionell gebunden, insofern ist die säkulare / staatliche Organsiation der Pfadfinder-Idee die originäre. Doch die neue Erlebnispädagogik ‘zündete’ und wurde von den Kirchen / Glaubensgemeinschaften rasch übernommen: Es gab noch keine Jugendpflege/Jugendzentren, und man wollte die Jugend natürlich an die (religionsverbandlichen) Erwachsenenorganisation binden.

    Einen Blick wert ist an dieser Stelle die dreiste Übernahme pfadfinderischer Stil-Eelemente und Praxis-Elemente (Kleingruppe, Erlebnispädagogik, Zeltlager, Uniform) durch totalitäre Gruppen wie HJ und Komsomol/Junge Pioniere, auch wenn es sich doch wohl um einen Missbrauch handelt; Hitler wie Stalin haben die ihnen eben doch zu sehr humanistisch-liberale Pfadfinderarbeit ja auch bewusst verboten.

    Baden-Powell wollte den Weltfrieden und sah den Scoutism/das Pfadfindertum als Pfad in diese Richtung: eine Brüderlichkeit (Geschwisterlichkeit) der Pfadfinder sollte, ebenso naiv wie ehrlich gemeint, als Avantgarde der Klassen- und Völkerversöhnung dienen. Zu den Religionen – zu allen Religionen – sagte ‘BP’ ganz optimistisch “Ja!” – auch Toleranz, hier gegenüber religiöäsem Herrschaftsanspruch, kann ein Sündenfall sein. Den Atheismus schien er pauschal verachtet zu haben, was zu tun natürlich nie ratsam ist. Für das Entwickeln pädagogischer ’neuer‘ Mädchen- und Jungen-‚Bilder‘ war es noch zu früh, für seine Zeit jedoch etwa der Zeit um 1910 oder 1959 oder 1980 braucht sich das Pfadfindertum im allgemeinen, bis auf seine besonders homophoben Ecken, nicht zu verstecken.

    Insofern ist – leider ist – ein am Fundamentalismus der Sunna und der Fatawa sowie ein an der Menschheitsgeißel der Dhimma und Scharia ausgerichtetes Pfadfindertum nicht zu verhindern gewesen. Auch haben vereinzelt, wenn auch ohne Anerkannt-Sein des Weltpfadfinderverbandes (WOSM bzw. WAGGGS), auch sehr fundamentalistisch orientierte ‘christliche’ Milieus Pfadfinderarbeit betrieben.

    Baden-Powell durchchaute die Totalitarismen von Stalin und Hitler wenigstens ungefähr, konnte jedoch die ‘organisierte Gegenmoderne’ des politischen Islam noch nicht sehen. Verflixterweise spricht sich kein deutscher Islamverband und keine Moscheegemeinde Europas gegen den Totalitarismus der kulturrassistischen Scharia und die vielleicht ja anmaßende beanspruchte Deutungshoheit etwa der Muslimbruderschaft aus. Und da diese Leute nun zwischen Tunesien und Indonesien so genannte Pfadfinderarbeit machen, wird das Pfadfinderideal der ‚weltweiten Bruderschaft‘ nun eben von Seiten der Nichtmuslime nach Kräften verwässert und ausgedünnt, von seiten der Schariafreunde nach Kräften ironisiert. Zum Ausgleich bekränzt man sich mit ‚Toleranzpreisen gegen Rassismus‘ und hat dergestalt den anti-universalistischen, anti-humanistischen fressenden Rost der Islamisierung für kurze Zeit notdürftig übermalt. Muslimische Pfadfinderinnen und Pfadfinder kann es geben, Schariapfadfinder nicht. Ist zu befürchten, dass es nicht nur die entgrenzt Toleranten unter der nichtmuslimischen Pfadfinderfunktionären sind, die ein Scharia-Scouting bzw. Fiqh-Scouting zulassen, sondern auch die mit der Theokratie liebäugelnden ‚Wiedergeborenen‘ aus der Ecke der Evangelikalen und Kreationisten?

    Es wird auch pfadfinderische Islamkritik geben, inselhaft vereinzelt. Auf der ganzen Welt, scheint es, sind die nichtmuslimischen Verantwortlichen der pfadfinderischen Jugendarbeit sehr zum Schweigen verurteilt, offen gegen den Sunna-Fundamentalismus und gegen die Scharia-Sexualpolitik aussprechen können sie sich wohl nicht. Von der Scharia haben sie aber auch keine Ahnung (unsere Politiker auch nicht) und der Dschihadismus überrascht uns alle (vielleicht manchmal sogar die Muslime unter uns).

    Zeltlager, Wanderung, Kleingruppe, Lagerfeuer: Soll das den Kindern und Jugendlichen im islamisch geprägten Teil der Welt vorenthalten bleiben? Der gutmütige Optimist BP hätte “Nein!” gerufen.

    Man muss von ‘Muslimischen Pfadfindern’ verlangen, sich zu den universellen Menschenrechten zu bekennen, die heute am 10.12.2008 gerade 60 Jahre alt werden. Man muss von jedem Leiter der muslimischen Jugendarbeit verlangen, sich von der vormodernen Sexualpolitik und kulturrassistischen Ordnungspolitik der Scharia zu distanzieren, von der Vision namens Imamat (Mustafa Ceric) = Kalifat. Niemand jedoch wird dieses wagen. Das Wort Scharia ist ein Karrierekiller.

    Wir sehen: Beide Seiten sind überfordert, die nichtmuslimischen Pfadfinder und die muslimischen Pfadfinder.

    Die Schaufensterveranstaltung der halbernst gemeinten Integration kann also vorerst weiter gehen, dann und wann ein netter Toleranzpreis für islamrechtlich-keusche Kopftuchmädchen mit Pfadfinderhalstuch wie auf ‚Politically Incorrect‘ heute dargestellt. Pfadfinder sind eben auch nur Menschen, Scoutismus (war es stets gewesen und) ist immer noch das verkleinerte genaue Abbild der zum Zusammenleben verurteilten Menschheit.

    Der späte Baden-Powell hat versäumt, gegen Theokratie und Fundamentalismus Stellung zu beziehen. BP war Kosmopolit und Antirassist, leider aber kein Antitheokrat. BP war Antifundamentalist eher nur aus gutem Geschmack heraus, leider nicht aus philosophischem oder pädagogischem Verstand. Und doch oder gerade deshalb ist ein fundamentalistisch interpretiertes Pfadfindertum ein Missbrauch der kreativen Ideen des aufrichtigen Gründers. Wie geht es weiter – werden WOSM und WAGGGS auf Jahre oder gar Jahrzehnte genau so unterwandert, wie es der UN-Menschenrechtsrat ist, gar mit den selben polit-islamischen Netzwerken?

    Kann der urtümliche ‘Spirit’ von 1907 (Brownsea Island) mit einer recht starken (leider kaum bewusst gewesenen und daher nicht kodifizierten) Säkularität bei einer fast etwas pantheistisch ausgerichteten Gläubigkeit (als ein Lebensgefühl der Dankbarkeit und Freude) in das Islam-Pfadfindertum einfließen? Dann könnte das Scouting mithelfen, den Islam zu demokratisieren.

    Wie auch immer: Muslimisches Pfadfinderum darf keine sittlich höherwertige ’sakrale’ Pfadfinder-Kaste sein, die es sich erlaubt, auf die von Allah verachteten Dhimmi-Pfadfinder hinab zu sehen. Muslimisches Pfadfindertum wird sich hörbar vom koranischen Antijudaismus zu verabschieden haben. Muslimisches Pfadfindertum wird die Logik von Beutemachen und Tochtertausch, Günstlingswesen und Einschüchterung, Tyrannis und Wissenschaftsfeindlichkeit bedenken und bekennen müssen, die seit einem Jahrtausend mit der islamischen Kultur einhergehen und denen die Muslimbruderschaft, jener Brutofen aller möglichen militanten und terroristischen Gruppen, seit 80 Jahren huldigt.

    Was fehlt ist, auch unter jungen Muslimen (die ja Ehebrecherinnensteinigung, ägyptische Klitoridektomie, Dschihad und frommes Handabhacken nicht erfunden haben): Islamkritik. Also auch … Kopftuchkritik. Warum sollen es denn nicht auch muslimische Pfadfindergruppen sein, die Pfade in dieses Denken finden. Sie werden Ärger mit ihrer Geistlichkeit bekommen.

    Die Website der österreichischen muslimischen Pfadfinderorganisation und auch die Fotos aus dem schweizerischen Neuchâtel zeigen fast durchweg extrem verschleierte weibliche Menschen, keine Haarsträhne ist sichtbar. Die schariakonforme Ideologisierung des Frauenleibes (damit auch die des Männerkörpers und etwa des schweinefleischfressenden Dhimmi-Männerkörpers) scheint also auf dem Lehrplan zu stehen. Ist das Pfadfindertum? Wohl nicht, eher schon islamischer Fundamentalismus.

    Das nichtislamische Europa sehnt sich nach der Dhimmitude, Europas nichtmuslimische Pfadfinder sehnen sich nach der Dhimmitude. Wir orientierungslosen Pfadfinderinnen und Pfadfinder betteln nach klaren Grenzen, Scharia hat Sex-Appeal.

    Scouting eben als Mikrokosmos.

    C.

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