075. Die Brücke von Mostar. Universelle Menschenrechte oder politischer Islam?

075

Quo vadis,

Bosnien?

Liebe Alma,

Sie als eine Kennerin Jugoslawiens und Bosniens haben vielleicht schon von Vesna Kesić gehört, die im völkerübergreifenden Militarismus und Rassismus zwischen Alpen und Ägäis ein gemeinsames Muster zu erkennen glaubt: Das Muster jedes Krieges nicht länger im Kampf ‘Volk gegen Volk’ zu sehen, sondern im Muster ‘Mann gegen Frau, Männer gegen Frauen’. Das ist eine verblüffende, ‘neue’ Perspektive. Als Prinzip jedoch wohl mindestens dreitausend Jahre alt. Gemeint ist: Über die Fronten hinweg herrsche Einverständnis unter den Männern, einander als Macho und zugleich als Feind zu ‘würdigen’. Dabei die eigenen Frauen ebenso zu verteidigen vorzugeben wie sie in eine untergeordnete gesellschaftliche Rolle zu drängen. Als Alibi und willkommenes Mittel der Frauen-Disziplinierung diene die gewissermaßen theatralisch inszenierte kriegerische Vergewaltigung auch von Frauen durch die – insofern willkommenen – gegnerischen Truppen (1).

Eine brutale und perverse Logik. Wenn sie aber stimmt, müssen Menschen aller Völkern und Religionen sie aufdecken, um sie für alle Zukunft zu verhindern. Das wird gerade den Männern besonders schwer fallen, aber auch den Müttern, die diese Jungen und Männer erziehen und aus diesem Kontrast, nämlich nicht männlich zu sein, ihr fragwürdiges Bild von „national ehrenhafter und Gott wohlgefälliger“ Weiblichkeit beziehen. Ein weib-weibliches Konkurrieren, ein Ausstechen Frau gegen Frau liegt noch eine ’seelische Etage’ tiefer, wie sich ahnen lässt.

Islamischer Dschihad und Vergewaltigung als Kriegswaffe: Seit dem siebten Jahrhundert ist das ein ausgesprochen islamisches Thema. Gott wohlgefällig jedenfalls seinem Propheten, islamisch religiös, islamtheologisch vielfach abgesegnet. Andererseits und um Missverständnissen vorzubeugen hat der Kaufmann, Feldherr und Religionsgründer Mohammed weder den Vergewaltigungskrieg noch den Angriffskrieg erfunden. Doch hat er beiderlei gebilligt, geführt, empfohlen und geheiligt.

Wiederum hört man Muslime nicht völlig zu Unrecht sinngemäß entgegnen: „Zugegeben, ihr Christen seid theoretisch pazifistisch, doch in der Praxis der Jahrhunderte erwiesenermaßen grausam. Wir Muslime dürfen, das ist wahr, religiös militant sein, jedoch leben wir praktische Toleranz!“ Auch einer modernen Gesellschaft droht durchaus auch ohne Bezug auf religiöses oder historisches Erbe ein nationalistisches Regime (Atatürk, Mussolini, Franco), durch ein nationalistisch-rassistisches (Adolf Hitler, Idi Amin), ein atheistisch-totalitäres (Stalin, Pol Pot) oder ein islamistisch-rassistisches Regime (Dschihad- und Dhimma-Doktrin: Muslimbruderschaft, HAMAS). In der Gegenwart der rasanten Globalisierungen spreche man wohl auch angemessener von „asymmetrischer Kriegsführung“ und „low intensity conflict“. Wobei die Frage erlaubt sei, ob in Ost-London oder Stockholm-Södertälje nicht längst „low-intensity-conflict“ vorherrscht oder sogar herrscht und in Bradford, Luton und Amsterdam-Slotervaart die Scharia (2).

Ein Text der Frauenrechtlerin und Kriegsgegnerin Kesić, leider auf Englisch, analysiert die sexualisierte Gewalt gegen Frauen als Kriegswaffe im schrecklichen Jugoslawienkrieg, der bis heute Millionen Menschen, vor allem Frauen zerrüttet und seelisch verletzt hat und der bis heute selbst mitten im stark von Rassismus und Frauenverachtung geprägten Kroatien den Umgang der Menschen untereinander prägt und vergiftet (3). Wobei der Rassismus (Entführungen von Koptenmädchen, Rechtlosigkeit der Bahá’í) und die Gewalt gegen Frauen (Vergewaltigungen, Verstoßung von „Ehrlosen“, millionenfache schwere Genitalverstümmelung, Ehrenmorde, Zwangsverheiratungen) im islamisch dominierten Ägypten und die Ferne zu Bürgerrechten in der sich mehr und mehr islamisierenden Türkei wesentlich inhumaner sind als in Kroatien.

Doch wir sind einer Meinung: Möge Südosteuropa Wege zum dauerhaften Frieden finden. Der politische Islam wird für diesen Weg allerdings ganz selbstverständlich eine große Gefahr bleiben. Das sollten die Menschen in Bosnien laut sagen, so lange sie dazu noch ohne Lebensgefahr imstande sind.

Hinter dem Militarismus Jugoslawiens liege, so Kesić, eine kaum jemals gänzlich durchschaute Ideologie der Geschlechtsklassen. Und auch das Problem des Islamismus und Dschihadismus ist ein ‘Gender’-Problem, eine Frage der islamischen Frauenunterdrückung und des islamischen Männlichkeitskultes, so ähnlich sagte es bereits die weltbekannte Journalistin und Feministin Alice Schwarzer: „Rückzugsgefecht verunsicherter Extrem-Machos“. Denn ob der Gott, der vielleicht die Welt erschaffen hat oder auch nicht erschaffen hat, die irdische „institutionelle Herabwürdigung der Frau“ (Ralph Giordano) als Idealform beabsichtigt hatte, daran zweifeln zunehmend mehr Menschen, auch Gott sei Dank auch muslimische Menschen.

Die Aufwertung des Mannes auf Kosten der Frau aber ist kein ‘islamischer Betriebsunfall’. Sie ist im – geschichtlich geprägten – Koran für jeden sichtbar angelegt und wurde in hunderten von Hadithen festgeschrieben. Das ist auch mit Blick auf das künftige Südosteuropa wichtig, wenn auch die militärische Haupt-Aggressivität der 90er Jahre von Dikator Milošević ausgegangen war: Wird ein politisch ambitionierter Islam den Balkan prägen?

In diesen Jahren nämlich rangeln radikale wahhabitische und salafistische Gruppen in Bosnien und Kosovo um Einfluss und schießen mit saudischen Petrodollars finanzierte Betonmoscheen wie Pilze aus dem Boden. Es bleibt zu hoffen, dass die südosteuropäischen Muslime “immun”, nichtanfällig bleiben werden gegenüber diesen hinter den dortigen neuen Moscheevereinen stehenden und eher antidemokratischen Freunden von Gottesstaat (Kalifat) und Gottesgesetz (Schari’a). Vielleicht besteht die Gefahr, dass nach den Schrecken des Krieges, nennen wir die Namen der Orte Goražde und Srebrenica, der radikale Islam als attraktiv erscheint und im Namen der „Gerechtigkeit“ und der „Religion des Friedens“ einen neuen, riesigen, gespenstischen Kerker aufbauen kann.

Wie oft in der Geschichte haben Menschen einer neuen Freiheitsbewegung hoffnungsvoll zugejubelt, wie oft hat sie sich als eine neue Form der Versklavung herausgestellt. Der politische Islam wird überall da, wo er an die Macht kommt, eine der grausamsten Diktaturen aufbauen, wie gerade auch Muslime aus dem Bespiel des Iran (1979) erkennen sollten. Besorgte Demokraten jedenfalls vermissen glaubwürdige Distanzierung vom Projekt „islamische Gesellschaft“.

Sie unterschieden, liebe Alma, zwischen „Koran-Worten“ und „Worten politisch aktiver Menschen”. Eigentlich kommt mir diese Unterscheidung entgegen, doch für radikale oder fanatische Muslime sowie für kriecherische Muslime ist Politik und Religion bekanntlich eins. Ich wünschte Muslime wären in der Lage, die Verse des Koran und der Hadithen eben nicht als verpflichtende tagespolitische Leitlinie zu lesen. Doch derzeit hat im Islam leider von zwei Gläubigen der radikalere stets Recht, nicht der eher besonnene, nicht der demokratischere von beiden. So lange sich das nicht ändert, werden auch in den islamisch geprägten Teilen des Balkans wie Bosnien und Kosovo alle säkularen Politiker von ihren radikalen Kollegen „islamisch erpressbar“ bleiben.

Das historische Christentum war intolerant gegenüber den europäischen Polytheisten wie auch gegenüber allen Kirchenkritikern. Dieser durchaus inhumane Machtapparat aber ist seit Jahrhunderten von autonomen, stolzen städtischen Bürgern in Frage gestellt worden und in Europa seit Jahrzehnten beruflich und privat ohne jede Bedeutung. Bibelkritik ist heute in Europa für jeden Menschen möglich und sogar kirchenseits im Allgemeinen erwünscht. Öffentliche Korankritik ist im Iran, in Indonesien und in Ägypten wohl nicht möglich.

Der Islam jedoch war und ist eine sehr politische und eine sehr militante Religion. Das brachte und das bringt Probleme für die Muslime … und für die Nichtmuslime mit sich.

Doch, zu Ihrer Empfehlun, den Koran zu lesen, darf ich sagen: Ich kenne den Koran und Dutzende von Hadithen in mehreren Übersetzungen in mehreren Sprachen und seit nun über 20 Jahren. Und kenne den Koran damit vielleicht besser als die Mehrheit der türkischstämmigen Einwanderer meiner Stadt, die den Islam als Volks-Islam, als Familien-Islam ‘erben’, meist ohne Koran oder Hadithen zu kennen. Zeitgleich habe ich mich mit (größerem) Gewinn mit den Texten der Religionen Süd- und Ostasiens befasst.

Inzwischen lese ich sogar alte christliche Sachen. Mit Staunen, gelegentlich auch mal mit Abscheu, wobei es wesentlich mehr islamische Texte, Hadithen und Fatwas gibt, die einen auch nur halbwegs anständigen Menschen Ekel empfinden lassen, von den Worten und Taten der Mehrheit der islamischen Würdenträger gar nicht zu reden, die regelmäßig Antisemiten, Homophobe und Frauenhasser sind. Religion sehe ich als etwas grundsätzlich Positives, Nützliches. Mir gefallen der Ethnologe Mircea Eliade und der Seelenforscher Carl Gustav Jung ganz gut. Mit diesen beiden oder auch daneben halte ich die uralten Mythen und Märchen aller Völker für echte gottgewollte Ausdrucksformen von Spiritualität und Religiosität, auch wenn ja bekanntlich die neuen ‘Hochreligionen’ immer gegen die älteren Mythen und Volksmärchen gekämpft haben.

Im Deutschen empfehle ich die Koran-Übersetzungen von Rudi Paret, Lazarus Goldschmidt (1916) und Adel Theodor Khoury. Alle drei stehen vor mir auf dem Tisch. Was sagen Sie zu den drei Göttinnen Mekka, al-Lat, Manat und al-Uzza, denen der kleine Waisenjunge Mohammed, viele Jahre vor seinen Offenbarungen und gemeinsam mit seinen Großeltern, Opfer dargeboten hatte, wie es sich für fromme alte Araber damals so gehört hatte? Gerne von Ihnen also: Der altarabische Polytheismus. Ich vertiefe das jetzt nicht, nur das noch: Die Menschheit ist seit Jahrtausenden und Jahrzehntausenden religiös. Diese grundsätzliche Begabung und Berufung zum Religiösen gilt mithin auch für Bosniens Muslime als den Nachkommen der Neobogumilen, einem manichäischen Christentum.

Und die Götter oder auch Gott war damit, meistens, zufrieden. Die Menschheit wird auch bis ans Weltende immer religiös sein (und sich hoffentlich nicht vorzeitig mit Bomben oder Umweltzerstörung vernichten), und die Götter oder Gott werden auch damit, meistens, zufrieden sein.

Judentum, Christentum, Islam, alle Religionen sind historisch erklärlich und historisch gewachsen und gerade der Islam als die herrschüchtigste Lehre der drei genannten ist keineswegs ‘fitra‘, keineswegs ‘natürliche Veranlagung’. Islam ist, wie jede benennbare Religion, antrainiert und anerzogen oder, seltener, von einem Konvertiten rational gewählt oder auch mal von einem ‘Suchenden‘ eher ‘mystisch erkannt’. Dann gibt es seit ein paar Jahren weibliche Konvertierende, natürlich zum Islam, die andere Richtung ist ganz unerwünscht, die einen netten männlichen salafistischen Marokkaner kennengelernt hatten und angeblich völlig bewusst den Islam wählen und angeblich völlig eigenwillig den Tschador oder gar den Niqab trage.

Ich achte jeden Menschen und sehe den Menschen als ein zur Religiosität aufgefordertes Wesen. Der staatlich verordnete Atheismus unter Stalin und den ‘Sozialisten’ Osteuropas (heute: China) war selbst eine hochnäsige und eifersüchtige Ersatzreligion und wurde der tiefen, bunten, dunklen und geheimnisvollen Seele jedes Menschen nicht gerecht. Religion ist ein Medium und Werkzeug wie die Kunst der Freundschaft oder die Kunst der Sprache eine Brücke zu Menschen und ein Mittel des Ausdrucks ist, jeder ist gefordert, alles drei lebenslang zu entwickeln, Sprache und Freundschaft und Religion.

Ich kenne Koran, Hadithe, Sunna und … Islamismus und sage: Man kann nicht als orthodoxer Muslim sondern nur als säkularer Muslim ohne große innere und äußere Konflikte in einer Demokratie der Menschen- und Bürgerrechte leben. Der orthodoxe Islam wie auch der neue Islamismus führt jeden Muslim in Konflikt mit Pressefreiheit, negativer Religionsfreiheit, Frauenrechten und Meinungsfreiheit.

Richtig, was Sie schreiben, vieles in der Bibel ist kriegerisch, arrogant und sogar völlig falsch, so ist das. Jetzt fragen Sie mal ‘deutsche Türken’, ob diese sagen können, vieles in Koran und Hadithen sei kriegerisch, arrogant und sogar völlig falsch. 90 %, 99 % von ihnen schweigen, gucken böse und zischen etwas von “Du willst mich wohl beleidigen”. Oder zischen gar nicht sondern schreien Bedrohlicheres und schlagen dem „gotteslästerlichen“ Fragesteller ins Gesicht. Deshalb verkriechen sich Islamkritiker gerne ins Internet.

Warum aber reagieren viele Muslime auf Kritik derart giftig? Klar, sie haben Angst vor Exklusion, Ausgrenzung. Und sie sind das autonome Denken nicht gewohnt. Idschtihad ist dem ‘muslimischen Endverbraucher’ nicht gestattet, der Qur’an darf nicht kritisiert werden. Das aber ist mittelalterliche Religion, keine moderne Religion.

Es gab kurzlebige „christliche“ unterdrückerische Gottesstaaten, Calvin in Genf und Savonarola in Florenz etwa, Sittenwächter fast so schlimm wie die afghanischen faschistischen Taliban. Die größten im Namen der Religion verübten Grausamkeiten waren und sind allerdings islamisch, diese Doktrin allein lässt das Töten im Namen der Religion am deutlichsten zu. Naja, wahrscheinlich lässt sich mit jeder Ideologie die Ausbeutung und Unterdrückung von Menschen erreichen, auch mit einer Doktrin des Stalinismus oder Atheismus.

In anderen Worten: ich halte Religion, ja, für gefährlich – zugleich bekenne ich mich als ein religiöser Mensch. Wir müssen mit dieser ‘Herausforderung Religion’ umgehen lernen. ‘Gott ist ein Risiko’. Psychologen würden allerdings von konkurrierenden ‘Gottesbildern’ sprechen. Und wir säkularen Menschen müssen die Sprache der Psychologie sprechen, um uns individuell und universalistisch orientierte freiheitliche Handlungsspielräume zu erhalten. Säkulare Schulen müssen lehren dürfen: Gott ‘habe’ die Welt geschaffen (nicht: Gott ‘hat’ die Welt geschaffen). Unsere Lexika und Schulbücher dürfen die Doktrin einer Religion, gerade der monotheistischen und da gerade der so machterpichten islamischen, nicht ohne den Vorbehalt der rhetorischen Außenperspektive darstellen.

Muslime müssen lernen, Polytheisten, Atheisten, Ex-Muslimen, Atheisten, Juden und Buddhisten mit Toleranz und Respekt und Freundschaft zu begegnen. Muslime haben da sehr großen Nachholbedarf, obwohl es sicherlich auch mal intolerante Christen oder fanatische Hindus gibt.

Globalisierung der Reisemöglichkeiten und des Handels, weltweite Nachrichten und auch mal Flüchtlingsströme: die Religionen aller Welt begegnen einander, das gibt natürlich Erstaunen und auch mal kleine Konflikte. Wir Menschen sollten die Vielfalt der Religionen als Bereicherung sehen, auch die Vielfalt der islamischen Strömungen, von Sufismus bis zur al-Azhar, vom Volks-Islam bis zu den mittelalterlichen komplizierten Stadtkulturen von Teheran oder Kairo, von Sénégal und von den Berbern bis zu den matristisch geprägten Minang Kabao oder den islamischen faschistoiden politischen Parteien Indonesiens und Malaysias … Islam ist vieles.

Wir sollten die Religionen studieren. Doch Muslime sollten in Ägypten die Kopten und Bahá’í nicht diskriminieren und zwangsislamisieren und ermorden, im Iran nicht die Zoroastrier, Christen und Bahá’í.

Wir Demokraten sollen und brauchen die heiligen Schriften der Menschheit nicht zu verbrennen, doch wir müssen sie kritisieren. Ach so, in Deutschland bekommen Sie in jeder Bücherei ganz brauchbare Koranübersetzungen, die Saudis leiden schrecklich, wenn jemand eine Bibel oder einen Text der Buddhisten oder Bahá’í spazieren trägt, Peitschenhiebe sind das Geringste, Gefängnis kann sein, Aufhängen oder Köpfen kam schon mal vor. Polit-Islam.

Die ‘Lösung’ liegt in der Säkularität, in einer Demokratie, die jede Polit-Religion, gerade auch den Polit-Islam, in die Schranken weist. Radikale Muslime spielen hier aber beleidigt und jammern: “Jacques Auvergne unterdrückt uns und verhindert Religionsfreiheit”. Bekomme ich alle paar Tage.

Ich empfehle Ihnen, die Texte von folgenden vier säkularen Muslimen zu lesen: Fatma Bläser, Irshad Manji, Bassam Tibi, Ümmühan Karagözlü, sowie sich die Kritik von Wafa Sultan, Necla Kelek und sogar von Ayaan Hirsi Ali und Mina Ahadi geduldig anzuhören. Das sind acht gute Leute, muslimisch dazu, und das Zahlen-Verhältnis ist ganz typisch: “Es steht 7:1″, es sind sieben Frauen und ein Mann. Muslimische Männer sind offensichtlich manchmal die größeren muslimischen Angsthasen.

Oder aber … die Männer fürchten Macht-Verlust??? Das wird der wahre Grund sein.

Zugleich erziehen immer noch die meisten muslimischen Frauen ihre Söhne zu frauenverachtenden Machos und ihre Töchter zum Gehorsam. Ich erlebe die ‘muslimischen’ und die ‘nichtmuslimischen’ Erziehungsmethoden jeden Tag. Zugegeben, es gibt überraschende unschöne und sogar schöne Ähnlichkeiten, doch es gibt gewaltige Unterschiede.

Dschihadismus und Islamismus fallen nicht vom Himmel und sind auch nicht angeboren, sondern ein Ergebnis der Erziehung der Kleinkinder und Kinder. Söhne zu arroganten Paschas zu erziehen und Töchter zu keuschen Dienerinnen, das soll wohl dem Gott Allah gut gefallen?! Allah muss geduldig mit seinen Muslimen sein.

Umgekehrt, wenn der Ehemann oder Sohn die Teetassen spült oder den Müll herunterbringt würde man sein islamisches Seelenheil verspielen, seinen Platz im Paradies gefährden?! Allah ist der für engstirnige Muslime der Gott der familiären Enge, der Gott der Geschlechterspaltung, der ‘Gender-Apartheid’. Damit aber kann ein menschenfreundlicher Gott natürlich nicht zufrieden sein, ich bin mir da ganz sicher.

Diese acht oben erwähnten säkularen Muslime haben Ihnen, liebe Alma, mehr und Sinnvolleres und Menschlicheres zu sagen als die Vertreter der derzeitigen deutschen Islamverbände oder als der bosnische “Reisu-l-ulema Dr. Mustafa efendi Cerić”, Herr Mustafa Cerić, wenn auch diese letztgenannten sich die Deutungshoheit zum Thema Islam zwischen Rhein und Ohrid-See anmaßen und von der Nordsee bis zum Vardar bestimmen wollen, wer oder was muslimisch ist und was nicht. Takfir sagt man in Nordafrika, zum Abschuss freigeben, für ungläubig erklären. Den Zeigefinger des ‘Takfir’ auf sich gerichtet zu sehen kann in „stärker islamischen“ Gesellschaften mein oder Ihr Todesurteil sein.

Ich hoffe, dass in hundert Jahren Islamkritik nicht mehr ein lebensgefährliches Tun ist. Vorläufig ist es das, nicht zuletzt für Muslime.

Jene ‘islamischen’ Würdenträger oder/und Polit-Funktionäre, die von Europas Muslimen recht blinden Gehorsam fordern und die langfristig, so befürchte ich jedenfalls, die Demokratie durch eine schariatische-islamische Gesellschaftsform ersetzen.

Sehr geehrte Alma, Sie können Muslimin sein, natürlich, viele meiner Freunde sind Kinder muslimischer Eltern (ein paar allerdings sind Ex-Muslime). Religiöser Mensch sollen Sie sogar sein, finde ich wenigstens, doch rede ich von einer selbst erarbeiteten, ganz persönlichen Spiritualität, wenn ich mir einen religiösen Menschen vorstelle. Im Sinne der an den universellen Menschenrechten und am lebenslangen Lernen orientierten modernen Sozialpädagogik ist der magiegläubige Obskurant oder ist der hassgetriebene Fanatiker ebensowenig religiös wie der nachplappernde ‘Papagei’.

Sie können selbstverständlich Muslima sein, aber Sie sollten zugleich Frauenrechtlerin, säkulare Demokratin und damit also eine Islamkritikerin sein.

Sehr geehrte Alma, was und wen also kritisieren Sie als bosnische Muslima am historischen und am politischen Islam? Wie lässt sich Ihrer Meinung nach die Implementierung von immer größeren Teilen der Scharia in Bosnien verhindern? Kann von den gebildeten oder lernbereiten Menschen um die Flüssen Save, Drina, Bosna und Neretva gar eine Demokratisierung des weltweiten Islam ausgehen oder wird der patriarchalische Pöbel mit Hilfe arabischer Hassprediger selbst diese wenigen Menschen innerhalb der nächsten wenigen Jahre zum Verstummen bringen?

Droht eine radikale Islamisierung Bosniens und des Kosovo?

Mit freundlichen Grüßen

Jacques Auvergne

(1)

http://www.olympeheft.ch/seiten/heft14_inhalt.html

(2)

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,542806,00.html

(3)

http://www.eurozine.com/articles/2003-05-09-kesic-en.html

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7 Antworten to “075. Die Brücke von Mostar. Universelle Menschenrechte oder politischer Islam?”

  1. Glavotok Says:

    Kroatische Schreibweise Lautschrift Beschreibung Beispiel

    a [a] unbetonter kurzer Vokal
    daljìna (Weite)

    ā [aː] unbetonter langer Vokal
    dȍbrā (gut f)
    polijétānje (Abflug)

    à [ǎ] kurz-steigender Akzent
    dalmàtīnskī (dalmatinisch)
    kàzalīšte (Theater)

    á [ǎː] lang-steigender Akzent
    budaláština (Unfug)
    objelodániti (aufdecken)
    sámo (allein)

    ȁ [â] kurz-fallender Akzent
    sȁmo (nur)
    slȁma (Stroh)
    drȁga (Kleine Doline)

    ȃ [âː] lang-fallender Akzent
    grȃd (Stadt)
    drȃgā (lieb f)

    Anmerkung: Da im Kroatischen auch das /r̩/ einen silbischen Laut darstellt, kann der Wortakzent auch auf diesen Laut fallen. Dadurch können die oben angegebenen Akzentzeichen nicht nur auf den Vokalen sondern auch auf dem Buchstaben r geschrieben werden.

    Der Wortakzent in den unterschiedlichen Dialekten des Kroatischen unterscheidet sich teilweise sehr vom Akzentsystem der Standardsprache. Dadurch kommt es zu regionalen Unterschieden auch in der Realisierung der Standardsprache.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kroatische_Sprache#Wortakzent

  2. Glavotok Says:

    pogled na Šotovento sa Cresa. Na moru je Glavotok, a u unutrašnjosti se vide neka od sela Šotoventa: Brzac, Milohnići, Linardići, Nenadići, Bajčići.

  3. Milohnići Says:

    à steigend kurz:
    nòga, Bein; vòda, Wasser; ljèkarna, Apotheke; učitèljica, Lehrerin.

    á steigend lang:
    rúka, Hand; táma, Dunkelheit, ljúbav, Liebe; koléga, Kollege.

    ȁ fallend kurz:
    jȁbuka, Apfel, kȕća, Haus; slȁma, Stroh; stȏl, Tisch; sȉr, Käse.

    ȃ fallend lang:
    môre, Meer; prâvda, Gerechtigkeit; bȋljka, Pflanze.

  4. Milohnići Says:

    Franjevački samostan na Glavotoku

  5. Brzac, Linardići Says:

    Kroatisch, Silbenlänge:

    Pitch accent

    Shtokavian dialects allow two tones on stressed syllables, and have distinctive vowel length, and so distinguish four combinations of these, called pitch accent: short falling ⟨◌̏⟩, short rising ⟨◌̀⟩, long falling ⟨◌̑⟩, and long rising ⟨◌́⟩.

    Most speakers from Serbia and Croatia do not distinguish between short rising and short falling tones. They also pronounce most unstressed long vowels as short, with some exceptions, such as genitive plural endings

    e [e] non-tonic short vowel
    ē [eː] non-tonic long vowel
    è [ě] short vowel with rising tone
    é [ěː] long vowel with rising tone
    ȅ [ê] short vowel with falling tone
    ȇ [êː] long vowel with falling tone

    http://en.wikipedia.org/wiki/Serbo-Croatian_phonology#Pitch_accent


    Uvala Konobe na jugozapadu otoka, nedaleko Punta.

  6. Bogdan Ptaszek Says:

    Na, Jugoslawienfahrer, heute schon B/K/S* geübt?
    😉

    Die schöne(n) Sprache(n) Kroatisch / Serbisch als Tonsprache(n). Ein bisschen geschwungene Melodie wird, zumal bei den Langsilben, oft deutlich hörbar.

    Versuchen, den Singsang einer Sprache herauszuhören sollte man als Ausländer sicherlich. Im Land selbst beim eigenen Reden ein bisschen auf lange und kurze Silben zu achten reicht aber meiner Erfahrung nach zur ausreichend gründlichen Verständigung (viele aus der jüngeren Generation sprechen übrigens beneidenswert gut Englisch, weshalb jeder Tourist vor Reisebeginn immer auch sein Englisch trainieren sollte).

    Wirklich gute Sprachbücher machten (wie zu Arabisch sowieso und sinnvollerweise wohl sogar zum Italienischen) die Silbenlänge kenntlich und setzten über die Langsilbe einen waagrechten Strich; hoffentlich gibt es solche Lernhilfen noch.

    PS
    Tatsache plurizentrische Sprache hier, ärgerlicher Nationalismus da:

    * „Offiziell wurde die Bezeichnung von 1921 bis ca. 1993 als Dachsprache für die Dialekte von Serben, Kroaten, Bosniaken und Montenegrinern verwendet.“ … „Viele der Universitäten, die einen Slawistik-Fachbereich haben, bieten neben anderen slawischen Sprachen auch Serbokroatisch an. Teilweise wird hierfür die Bezeichnung B/K/S (für: Bosnisch, Kroatisch, Serbisch) oder Kroatisch/Serbisch verwendet, also von einer Sprache ausgegangen, für die es mehrere Bezeichnungen gibt.“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Serbokroatische_Sprache

    Die Tatsache weitgehender linguistischer Identität von Sprachvarietäten, die aus politischen Gründen eine getrennte Entwicklung durchlaufen (z. B. Serbo-Kroatisch als Makrosprache mit den Einzelsprachen Kroatisch, Serbisch und Bosnisch)“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Makrosprache_(ISO_639)

  7. Bragalou Says:

    […] Ošve […] liegt ein paar Kilometer außerhalb von Maglaj in den Bergen. Es handelt sich um eine Ansammlung von armseligen Häusern, viele sind zerschossen. In Ošve ist der Krieg (1992-1995) noch präsent.

    Ein einziges Haus ist verputzt. Die Bewohner dieses Hauses scheinen mehr Geld zu haben, als im Rest des Dorfes. Am Dachfirst sind zwei Megaphone angebracht, woran man erkennt, dass es sich um die Moschee handelt.

    Die Leute, die in das Haus gehen, Männer mit langen Bärten und kurzen weiten Hosen, sind nicht besonders auskunftsfreudig. […] Die „Vehabis“ – so werden Wahhabiten in Bosnien-Herzegowina genannt – sind generell medienscheu.

    […] vergangene Woche fand in Bosnien-Herzegowina wieder eine große Razzia gegen die Salafisten statt. Elf Personen wurden wegen Terror-Verdachts in Sarajevo, Zenica, Kakanj, Maglaj und Živinica verhaftet […]. An der Aktion Damaskus der Sonderpolizei Sipa beteiligten sich mehr als 100 Beamte. […]

    Bereits im September [2014] fanden an 17 Orten in Bosnien-Herzegowina Razzien gegen Islamisten statt, die Kämpfer für den Dschihad im Irak und in Syrien rekrutieren. Damals wurden 16 Personen festgenommen, Computer und Handys beschlagnahmt. Auch in Ošve fuhr die Sonderpolizei Sipa vor.

    Einer der führenden Figuren in Ošve ist Izet H. [Izet Hadžić] H. soll bosnischen Medien zufolge Kontakte zur Wiener Salafisten-Szene haben, die als „Zentrale“ für die Balkan-Salafisten gilt. So sollen vergangenes Jahr [] zwei Delegationen, eine aus Wien und eine aus Deutschland bei H. gewesen sein. […]

    In Ošve war in der Vergangenheit bei den Islamisten auch ein Auto mit Grazer Kennzeichen zu sehen. […]

    Festgenommen wurde in Bosnien-Herzegowina etwa der Hassprediger Husein Bosnić genannt Bilal, der nicht nur für den Dschihad im Irak Leute zu rekrutieren versuchte, sondern auch die Tötung von James Foley durch die IS „verteidigte“, indem er meinte, dass dieser ein Spion gewesen sei. Bosnić rief offen dazu auf, dass sich junge bosnische Muslime in Syrien und im Irak der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) anschließen sollten und predigte vor einer Flagge der IS.

    Erschreckend ist, dass Bosnić auch in wichtigen Einrichtungen, wie dem bosnischen Kulturzentrum BKC in Sarajevo noch 2012 predigen durfte. Er tourte auch durch Europa, unter anderem war er in Österreich und Deutschland um seine Botschaften zu verbreiten. […]

    Etwa 160 Bosnier sind in den vergangenen drei Jahren in den Irak oder nach Syrien in den Dschihad gegangen, zwei Drittel von ihnen kehrten zurück, bisher wurden etwa zwanzig getötet.

    Einer der wichtigsten Salafisten-Führer in Bosnien-Herzegowina Nusret Imamović, ging auch in den Dschihad. Offensichtlich kämpfte er aber für die Nusra-Front und nicht für die IS. Die Balkan-Salafisten sind in dieser Frage gespalten. Das Zentrum der bosnischen Salafisten-Szene ist seit vielen Jahren das Dorf Gornja Maoča in der Nähe von Brčko.

    Die bosnische Sonderpolizei Sipa führte in Gornja Maoča, wo die Vehabi in aller Abgeschiedenheit wie in einer Sekte ganz nach ihren eigenen Vorstellungen leben, immer wieder groß angelegte Razzien durch. Praktisch alle wichtigen Figuren der Szene haben Verbindungen in das Dorf.

    20 Leute stehen unter dauernder Beobachtung der Behörden. […]

    Etwa ein Drittel der 160 Kämpfer, die aus Bosnien-Herzegowina in den Irak oder nach Syrien gingen und gehen, sind ehemalige Teilnehmer des Bosnien-Kriegs und in ihren späten 40-ern. In Videos wird auch ein direkter Bezug zwischen dem Bosnien-Krieg und dem Krieg in Syrien oder im Irak gemacht.

    Dadurch wird insinuiert, dass es um die Fortsetzung des vergangenen Kriegs gehen würde. Auch nach Bosnien waren im Krieg ausländische Kämpfer gekommen. Die Mudjaheddineinheit El Mudžahid war ab 1993 Teil der bosnischen Armee. Von den ausländischen Kämpfern wurden zahlreiche Kriegsverbrechen gegen Kroaten und Serben verübt. […]

    Die salafistische Szene aus Bosnien-Herzegowina hat einen Diaspora-Zweig in Wien, der die Gruppen in Bosnien-Herzegowina ideologisch, finanziell und strategisch unterstützt. In Österreich fühlten sich diese Gruppen relativ sicher. Wien ist für die Balkan-Salafisten ein zentraler Koordinationsort und Treffpunkt.

    Einer der Salafisten-Prediger in Wien ist Mirsad O. [Mirsad Omerović] genannt Ebu Tejma, auch er lebte in Gornja Maoča. O. kommt aus dem Ort Tutin im serbischen Sandschak, wo viele Bosniaken leben. […]

    Ein weiterer Wiener Prediger aus Tutin ist Nedžad B. genannt Ebu Muhammed [Nedžad Balkan]. Auch er ist eine zentrale Figur der Balkan-Salafistenszene in Wien. Die Leute um ihn und rund um die Gruppe Kelimetul Haqq erklären, dass die Mitglieder der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Bosnien-Herzegowina keine wahren Gläubigen seien. […]

    aus Sarajevo von: Adelheid Wölfl (Angst vor Jihad-Rückkehrern in Bosnien), in: DER STANDARD, 19./20.11.2014

    http://derstandard.at/2000008387548/Angst-vor-Jihad-Rueckkehrern-in-Bosnien

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