013. Kein Kopftuch im öffentlichen Dienst, kein Lehrerinnenkopftuch! Von Ümmühan Karagözlü

حجاب

ḥiǧāb

Hidschab

Kein Kopftuch im öffentlichen Dienst

Von Ümmühan Karagözlü (2007)

Seit dem Richterspruch des Bundesverfassungsgerichts ist auch das bevölkerungsreichste Bundesland, Nordrhein-Westfalen, damit beschäftigt, eine Entscheidung zum Kopftuch bei Beschäftigten öffentlicher Institutionen zu fällen. Als Sozialpädagoginnen (verschiedenster Glaubensrichtungen), die berufsbedingt täglich auf muslimische Kommilitoninnen und Klientinnen treffen, können wir diesem Thema nicht gleichgültig gegenüber stehen.

Bezug nehmend auf unsere langjährigen Erfahrungen in der Kinder- und Jugend- und Schulsozialarbeit sowie in der außerschulischen Bildung möchten wir folgende Gedanken einbringen:

vor etwa vierzig Jahren kamen die ersten Muslime als Gastarbeiter in die BRD. Die damalige Bundesregierung lud diese Menschen nach Deutschland, zunächst meist türkischstämmig und fast immer männlich, da es unserem Land an (billigen) Arbeitskräften mangelte. Weil die Arbeitsmarktsituation noch recht entspannt war und ausländische Arbeitnehmer selbst als Ungelernte hierzulande mehr verdienten als zu hause, holten sie nach einigen Jahren ihre Familienangehörigen nach und bauten gemeinsam mit ihnen eine neue Existenz auf. Der Wunsch in die Heimat zurück zu kehren wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, zumal das Wirtschaftswachstum weiter anhielt und für die teilweise bereits in der Bundesrepublik geborenen Töchter und Söhne qualifizierte Schulabschlüsse, interessante Ausbildungsmöglichleiten und attraktive berufliche Chancen lockten.

Bis etwa Ende der 90er Jahre war die Zugehörigkeit zum Islam für die in Deutschland arbeitenden, lernenden, studierenden und lebenden Muslime anscheinend so selbstverständlich, dass es ihnen nicht wichtig war, diese etwa durch Einhaltung strenger Bekleidungsvorschriften gegenüber der nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft zu dokumentieren. Dies galt auch für die Anhängerinnen dieser Weltreligion, die als Studentinnen in die BRD kamen oder als Flüchtlinge und Asylbewerberinnen Zuflucht vor Verfolgung und Tyrannei suchten. Auch ist uns nicht bekannt, dass zu dieser Zeit die laïzistische Haltung des türkischen Staates kritisiert wurde.

Die hier ansässigen muslimischen Menschen lebten wie die südeuropäischen Gastarbeiter so unauffällig, dass zu Zeiten wirtschaftlicher Blüte und Vollbeschäftigung die bundesdeutsche Politik der Lebenslage dieser Mitmenschen keine Aufmerksamkeit widmete. Obschon selbst während der etwa Mitte der 80er Jahre einsetzenden Weltwirtschaftskrise und deren desintegrierenden Folgen längst nicht mehr mit einer Rückkehr dieser Bevölkerungsgruppe in ihre Heimat zu rechnen war, ignorierte die damalige Bundesregierung gleichermaßen den aufkommenden Unmut der Mehrheitsgesellschaft wie die sich verschlechternde Lebenslage der nicht europäischstämmigen (kleinasiatischen) Migrantinnen.

Viel zu spät bemühten sich beispielsweise Migrationsbeauftragte oder Fachausschüsse um eine erfolgreiche Eingliederung dieser Bevölkerungsgruppe. Vor allem die in vielfältigen Bereichen des Alltags, besonders aber bei der Arbeitsplatzsuche exkludierenden Folgen mangelnder Sprachkompetenz (zunehmend auch in der Muttersprache) wurde lange Zeit nicht beachtet. Zwar haben wir mittlerweile Politikerinnen mit Migrationshintergrund sowie Ausländerbeiräte. Viele von uns haben türkische Kolleginnen, marokkanische Kommilitoninnen und albanische Nachbarinnen. Doch ist es bisher nur in Ausnahmefällen gelungen, die aus islamisch geprägten Kulturen stammenden Familien wirklich in unsere offene Gesellschaft zu integrieren.

Ein deutlicher Beleg für diese These lässt sich am Beispiel der schlechten sprachlichen und sozialen Integration der zweiten und der dritten Generation türkischer Mitbürgerinnen festmachen, die eher Hauptschulabschluss oder auch gar keinen Schulabschluss erlangen. Diese zahlenmäßig große Gruppe lebt nicht selten in fast ausschließlich türkischen Straßenzügen, versorgt sich mit allen Artikeln des täglichen Lebens in den Geschäften ihrer Landsleute und konsumiert dank Satellitenfernsehen Information wie Unterhaltung in türkischer Sprache. Gerade für Frauen und Kinder bleibt die deutsche Sprache zunehmend Terra incognita. Auch trägt die erst seit wenigen Jahren wahrnehmbare Angst der Musliminnen vor Assimilation gewollt oder ungewollt zu einer Ghettoisierung bei, da wirklich tragfähige soziale Bindungen nur zu Landsleuten bestehen. Gespräche mit Deutschen werden auf ein Mindestmaß reduziert, offener Gedankenaustausch gar ist sehr selten.

Die halbherzig betriebene Integrationspolitik führte dazu, dass ein besonders hoher prozentualer Anteil der Migrantinnen und Einwohnerinnen mit Migrationshintergrund arbeitslos war und ist. Die beiden zuletzt geborenen Generationen stehen zudem vor dem Dilemma, von uns als Ausländerinnen gesehen und behandelt zu werden, während sie im Herkunftsland als ’Deutschländerinnen’ gelten. Es sollte uns daher eigentlich nicht überraschen, dass besonders für die dritte Generation einer Migrationswelle angesichts derartig verschlechterter Lebensbedingungen die Frage nach der eigenen Identität immens wichtig wird.

Derart durch düstere Zukunftsaussichten und tiefe Identitätskrisen verunsichert ist es nicht verwunderlich, dass es nach der Islamischen Revolution, Iran 1979, zu einer (vermeintlich) Gemeinschaft stiftenden Fundamentalisierung und Islamisierung insbesondere der unter 40jährigen Musliminnen überall in den Industriestaaten Europa gekommen ist. So ist zu beobachten, dass die Kopftuch tragenden Frauen, viele von ihnen hier geboren, im Straßenbild immer häufiger werden. Die Tatsache, dass nicht selten junge Musliminnen streng verhüllt mit Tuch und langem Mantel das Haus verlassen, während ihre Mütter in der Kleiderfrage die westliche Variante bevorzugen, ist ein unfreiwilliges Ergebnis derartig verfehlter Integrationspolitik und der gesamtgesellschaftlichen Kultur des Wegschauens.

Besonders betroffen macht uns allerdings die Beobachtung, dass seit etwa 2004 bereits sehr junge Mädchen nur noch mit der streng gebundenen Variante des Kopftuchs, welche Nacken, Hals und Dekolletee bedeckt und nur noch das Gesichtsoval frei lässt, aus dem Haus ihrer Familie heraus gehen. Selbst Zehnjährige mit Hidschab, wir meinen damit die Haube, die, aus einem Stück Stoff genäht Haare, Schultern und Oberkörper vollkommen einhüllt, erscheinen im westdeutschen Stadtbild. Dazu tragen sie nicht selten den oben bereits erwähnten, vor wenigen Jahren eigens entworfenen knöchellangen grauen oder schwarzen Mantel.

Dieses streng islamistische Outfit ist, wie wir meinen, für kleine Mädchen, die auch noch spielen und herumtoben sollten, unpraktisch und bewegungsfeindlich. Auch erwachsenen Frauen können mit diesem kaftanähnlichen Gewand ‚keine großen Schritte‘ machen. Zudem behindern diese Formen des Kopftuchs zweifellos Hör- wie Sehsinn der Trägerinnen und schränken das (Um-)Weltwahrnehmen der Mädchen und Frauen nicht unerheblich ein, besonders wenn auch der Blick züchtig gesenkt werden muss. Diese Kleidungsgewohnheiten erhöhen nicht nur die Unfallgefahren im Straßenverkehr (eingeschränktes Blickfeld), nein, jeder einigermaßen aufmerksame Mensch wird bestätigen dass Körpersprache und Auftreten sowie Denk- und Lebensgewohnheiten beeinflusst werden.

Schon diese oben beschriebenen Alltagsszenen deuten an, dass es bei der bevorstehenden Entscheidung des Landtages von Nordrhein-Westfalen um weit mehr geht als um die rechtliche Gewichtung des Staates zur weltanschaulichen Neutralität einerseits und das Diskriminierungsverbot eines nach Meinung der Anhängerinnen religiös zu interpretierenden Symbols einer monotheistischen Weltreligion andererseits. Hier steht wesentlich mehr als die Klärung dieser Streitfrage zur Entscheidung an!

Wie viele Politikerinnen und Bürgerinnen in der BRD sind wir der Meinung, dass Kleidungsstücke wie Hidschab und Türban (dazu gehören nach unserer Ansicht auch Kippa, Sikh-Turban oder Frömmler-Strickmütze der Islamisten) keine religiös zu interpretierenden Insignien sind, die unter das Benachteiligungsverbot nach Art. 3 GG fallen. Diese Ansicht lässt sich wie folgt begründen:

Nach wie vor sehen weltweit viele Musliminnen das Tragen des Kopftuchs nicht als religiöse Pflicht an. So schreibt Prof. Bassam Tibi in seinem Buch Der Islam und Deutschland – Muslime in Deutschland, dass er viele afrikanische und südostasiatische Gebiete islamischer Bevölkerung bereist habe, in denen Frauen mehrheitlich nicht Kopftuch tragen.

Auch in Europa und in der BRD ist die Gruppe derjenigen Muslimas, die sich nicht mit islamistischen Kleidungsvorschriften identifiziert, deren Mitglieder sich gleichwohl als gläubige Musliminnen bezeichnen, recht groß. Selbst im Koran wird man nach einem ausdrücklichen Kopftuchgebot vergeblich suchen (und nur im Hadith fündig), eher findet man dort Textstellen, die besagen, dass die Frauen keine auffällige Kleidung tragen sollten. Das Kopftuch selbst wird nicht erwähnt; Ralph Ghadban (Das Kopftuch in Koran und Sunna) hingegen weist auf die islamische Überlieferung hin. Wie aber kann es dann sein, dass gerade unter den jungen Muslimas der Anteil derjenigen, die zwar ihr Haar unter einem fundamentalistisch streng gebundenen Kopftuch verbergen, ansonsten aber bewusst erotische und den Körper in Szene setzende, hautenge Kleidung bevorzugen, so sehr groß ist (klappernde Stöckelschuhe, Top mit transparenter Spitze an Taille und Oberarm, Rock mit langen Seitenschlitzen)? Religiöse Motive scheinen diese Anhängerinnen des vermeintlich einzig wahren Glaubens wohl nicht gerade umzutreiben.

Unter Berücksichtigung solcher Beobachtungen und angesichts der Tatsache, dass sich selbst aus dem heiligen Buch der Muslime eine religiös begründete Verpflichtung jeder muslimischen Frau zum Tragen des Kopftuches nicht ableiten lässt, kann dieses ‚Stück Stoff‘ nicht als ein ‚eindeutig religiöses Symbol‘ interpretiert werden.

Im Konsens mit vielen Bürgerinnen und Politikerinnen in NRW und auch mit Blick auf die Bundesländer, in denen schon eine Entscheidung zum Kopftuch getroffen wurde, sind wir vielmehr der Ansicht, dass mit dem ‚Kleidungskodex der islamischen Renaissance‘ auch Haltungen einhergehen, die nicht schützenswert ist. Daher fordern wir die Landesregierung auf, sich bei ihrer Meinungsbildung keineswegs darauf zu beschränken, dass allein die Möglichkeit, dass ein Tragen des Kopftuches religiös begründet sein könnte, ausreicht, um eine verfassungsrechtlich nicht tragbare Beteiligung von kopftuchtragenden Lehrerinnen in staatlichen Schulen im Falle eines Kopftuchverbots abzuleiten.

Wir halten es für unverzichtbar, angesichts der Grundrechte der Kopftuchgegnerinnen wie auch der in dieser Frage Unentschiedenen abzuklären, für welche Strömungen (Politislam sprich Schariagesetz-Lobby; Traum vom erneuerten Kalifat), Lebenspraxen (Gewalt in der Erziehung, Zwangsverheiratung) und Geisteshaltungen (Verachtung von Andersgläubigen, Verbot der Apostasie bei Todesdrohung) das Symbol Kopftuch, das Prinzip Kopftuch eben auch gesehen werden kann. Sieht man sich im Straßenbild um, informiert sich oder spricht mit Vertreterinnen der beiden Meinungsfraktionen, spricht vieles dafür, dass ’dieses Stückchen Stoff’ für verschiedene Haltungen und Ansichten in Anspruch genommen werden kann. Doch sicherlich nicht für die Emanzipation der Frau.

Die demonstrative Unterwerfung unter eine Kleidungsvorschrift, die den äußerlich von Weitem erkennbaren Unterschied zwischen den Geschlechtern zementiert, als Ausdruck von Selbstbewusstsein und Gleichberechtigung zu werten hält nicht nur Frau Dr. Lale Akgün, MdB und langjährige Islambeauftragte der SPD Bundestagsfraktion für grotesk. Wer die Weiterentwicklung der Gleichberechtigung und Gleichstellung als wesentliches Ziel der Mitgliedsstaaten des Europarates anerkennt, kann eine solche Verunglimpfung und Verachtung der Frauen Iran, Afghanistan, Saudi Arabien und Algerien, die das Kopftuch eben nicht freiwillig gewählt haben, nur als zynisch ansehen.

Frauen, die behaupten, ohne Kopftuch würden sie sich nackt fühlen, geht es nicht alleine um Schutz. Nein, unausgesprochen unterteilen sie gleichzeitig ihre Geschlechtsgenossinnen in die Gruppe der Ehrenhaften und die der Unreinen, egal ob die Betroffenen Muslimas sind oder gar so genannte Ungläubige. Das Kopftuch, einschließlich der damit einhergehenden ‚Software‘, ist somit Symbol für die Spaltung der halben Menschheit in Sittsame, Tugendhafte sowie in verachtenswerte Sünderinnen. Die zunehmende Gewohnheit dieser Musliminnen, Männern prinzipiell nicht mehr die Hand zu geben (prominente Vertreterin: Fereshta Ludin), zielt in die gleiche Richtung: sie manifestiert für alle Umstehenden sichtbar der minderwertigere Stellung der Frau, die grundsätzlich als unrein gilt. Dieses (deutsche, europäische) Begrüßungs- und Verabschiedungsritual ist streng gläubigen Muslimas außerdem untersagt, weil selbst dieser harmlose Hautkontakt sexualisiert wird und Mädchen und Frauen unterstellt, wie eine Hure Männer zu verführen. Eine unserer Meinung nach kompromittierende Unterstellung.

Das Verhüllen der Haare kann also auch als Symbol für die Diskriminierung aller Menschen (also der muslimischen Männer) gesehen werden, die nicht bereit sind, sich dieser Frauen verachtenden Bekleidungsethik zu unterwerfen. Während eine große Gruppe von ‚Ungläubigen‘ Religionsfreiheit und das Recht zur freien Meinungsäußerung, d.h. auch Kritik an den religiösen Weltanschauungen, als demokratische Tugend (bekannte Persönlichkeiten erachtet (bekannte Persönlichkeiten wie z.B. Prof. Bassam Tibi, der Dalai Lama, Hans Jonas und Willigis Jäger gehören dazu), droht Schriftstellerinnen und künstlerischen Freigeistern wie Sir Salman Rushdie die Todes Fatwa. Für eine solche Geisteshaltung, für die das Kopftuch eben auch stehen kann, religiöse Toleranz einzufordern, halten wir für eine dreiste Provokation.

Wir alle wissen um die lebenslang prägende Beispielfunktion jeder Kindergärtnerin und Lehrerin, vor allem in Grundschulklassen. Daher müssen wir damit rechnen, dass nicht nur auf muslimische Kinder und Schülerinnen einer neben den Eltern und später der Peergroup so wichtigen Identifikationsfigur vorbehaltlos nacheifern. Eine Art textilen Ausweis der Reinheit und Rechtgläubigkeit (dazu gehören auch das islamische maskuline Gebetskäppchen und die jüdische Kippa) tragende Islamistinnen hätten dann in staatlichen Institutionen wesentlichen Anteil an der Interpretationshoheit ‚wahrer Religion‘. Sie würden jungen Muslimas verdeutlichen, wie sich ehrbare Mädchen und Frauen nicht nur ihren Glaubensbrüdern und -schwestern, sondern auch der Mehrheitsgesellschaft gegenüber kleiden und zu verhalten hätten. Damit würden wir ausgerechnet Fundamentalistinnen einen so wesentlichen Bereich wie die Deutung des (Um )Welt- und Menschenbildes in demokratischen Erziehungs- und Bildungsräumen überlassen.

Die gesunde, selbst bestimmte Entwicklung von Töchtern und Söhnen zu gesellschaftskritischen und demokratischen Persönlichkeiten, die ein auf dem Grundgesetz (Artikel 3 Absatz §) fußendes Frauenbild bejahen, sollte uns sehr am Herzen liegen. Nicht nur wir Pädagoginnen sollten uns verpflichtet wissen, jeder diesem Erziehungs- und Bildungsauftrag zuwiderlaufenden Entwicklung entschieden entgegenzutreten. Die seit wenigen Jahren von Islamisten propagierte Abmeldung vom Sport- und Schwimmunterricht sowie das Verbot an Klassenfahrten teilzunehmen, verhindert ein wesentliches Erziehungsziel: die gelingende Integration in die Klassengemeinschaft.

Der Gewissenskonflikt, dem junge Musliminnen, die ihre nicht verhüllten Mütter und Schwestern verachten müssten ausgesetzt sind, dürfte niemanden kalt lassen, schon gar nicht Abgeordnete einer demokratischen Landesregierung. Solch vorgeblich religiöse Kleidungs- und damit einhergehende Verhaltensvorschriften und Einstellungen sorgen für die Instrumentalisierung unserer Schulhöfe, Lehrerzimmer und Klassenräume durch die hart agitierende Minderheit der Fundamentalistinnen und verstoßen gegen Art. 3 Abs. 3 GG. Beides kann nicht im Interesse der Landespolitik sein und sollte durch ein entsprechendes Gesetz verhindert werden.

Das Verbot von Kopftuch und anderen aufdringlichen Symbolen sollte sich jedoch keinesfalls auf staatliche Erziehungs- und Bildungseinrichtungen beschränken, sondern auch im Gerichtssaal Anwendung finden. Dies halten z.B. für eine verfassungskonforme Verteidigung und Urteilsfindung für unumgänglich. Wir hätten Zweifel, dass ein Gebetskappe oder Turban tragender Anwalt beziehungsweise eine streng verhüllte Richterin aufgrund ihrer schon äußerlich sichtbaren fundamentalistisch religiösen Wertehierarchie zu einem Vergewaltigungsopfer oder zu einem homosexuellen Verdächtigen mit der gebotenen Objektivität Stellung nehmen kann.

Ümmühan Karagözlü

Diese Abhandlung wird von einer Autorin verfasst. Sie beschreibt und reflektiert insbesondere Lebenslage und Perspektiven von Frauen mit und ohne Migrantionshintergrund in der BRD. Zur besseren Lesbarkeit des Textes verwendet die Autorin generell die weibliche Sprachform (geschrieben: Sozialpädagoginnen, Bürgerinnen etc.), Männer sind ganz selbstverständlich mit gemeint.

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4 Antworten to “013. Kein Kopftuch im öffentlichen Dienst, kein Lehrerinnenkopftuch! Von Ümmühan Karagözlü”

  1. Anonymous Says:

    Wie ich sehe, ist Frau Karagözlü auch eine Person mit Migrationshintergrund. Wahrscheinlich auch eine Muslimin. Doch leider sieht es so aus, als ob sie keine Ahnung hätte, wovon sie redet, bzw. schreibt.
    Es ist natürlich sehr einfach, wenn man mehr oder weniger mit dem Islam überhaupt nichts zu tun hat. D.h. auf ihrem Ausweis steht sehr wahrscheinlich, (wenn sie nicht zu einer anderen Religion konvertiert ist), muslimisch. Sie scheint den Koran nicht richtig gelesen zu haben. Integration bedeudet nicht, die eigene Religion abzulegen u sich einem westlichen Glauben zu widmen. Integration bedeutet nicht, die eigene Kultur einfach zu vergessen, um die westliche Kultur anzunehmen. Integration bedeutet nicht, die Vergangenheit zu streichen. Gerade Sie Frau Karagözlü, die sich angeblich so gut integriert und sich der westlichen Kultur sozusagen perfekt angepasst hat, sollten das Ganze eigentlich realistischer beschreiben, bzw. darlegen können. Der Islam ist eine Weltreligion, die genausoviel Respekt und Akzeptanz verdient, wie alle anderen Religionen auch. Solange diese Religion natürlich nicht einmal von Menschen, die diesem Glauben angehören, richtig verstanden und interpretiert wird, braucht man darüber auch nicht weiter zu reden. Frau Karagözlü sollte mal in Ihre Vergangenheit schauen. Sie sollte sich mal mit ihrer eigenen Geschichte und ihrer eigenen Kultur auseinander setzen. Sie sollte sich mal über das Osmanische Reich informieren. Sie sollte mal in den Spiegel schauen, ob sie das wirklich ist, was sie da sieht. Ich, als eine moderne Frau, die keine Kopfbedeckung trägt, lache nur über solche Texte, wie oben geschrieben. Es ist schlimm, keine eigene Identifikation zu haben. Solange man die nicht hat, ist man nur eine Kopie, von anderen. Nicht das Original………Also liebe Frau Karagözlü, machen Sie sich liber nochmal Gedanken über Ihre Herkunft, vielleicht kommen Sie auf ein Ergebnis 🙂

  2. Cees van der Duin Says:

    Sehr geehrte Spalterin der Menschheit in Westmensch und Ostmensch, sehr geehrte Verherrlicherin des Osmanischen Reichs,

    der wörtlich gelesene Koran setzt die Frau eine Stufe herab, wie Sie beim Theologen Abu Hamid al-Ghazali (1058–1111) nachlesen können und es sich vom der Muslimbruderschaft nahe stehenden ECFR-Scheich Yusuf al-Qaradawi, dem Sie leider nicht widersprechen, bestätigen lassen können.

    Weil wir, ob muslimisch, ex-muslimisch oder noch-nie-muslimisch, als Pädagogen oder Sozialpädagogen die universellen Menschenrechte (AEMR, 10.12.1948) verteidigen und nicht die diversen Fahrpläne zur Rettung der Seele vor dem Höllenfeuer, betonen wir, dass Religionen möglicherweise nur wenig oder auch gar keinen Respekt verdienen, nämlich dann, wenn ihre Dogmatik der AEMR entgegen steht, wie das bei einem Islam, der himmlischen Schariabefehl und irdische Fiqh-Gerichtlichkeit nicht verwirft, der Fall ist.

    Wir treten kulturellen Rassisten nicht weniger entschlossen entgegen als wir es Hautfarbenrassisten gegenüber tun. Inhaltlich ganz in der Nachfolge von Sayyid Qutb (1906-1966) oder Ali Schariati (1933-1977) reden Sie von westlicher Glaube bzw. westliche Kultur. Wollen Sie damit ermöglichen, den globalen zu Muslimisierenden die Zumutung der allgemeinen Menschenrechte zu erparen, die dann ja „westliche Menschenrechte“ wären? Wie auch immer, als Verteidigerin des orthodoxen Islam wollen Sie – mitten in Deutschland – die eine Menschheit in westlich-säkularen und östlich-schariapflichtigen Kulturkreis spalten. Damit bauen Sie am tugendüberwachenden islamischen Gegenstaat, befördern den Rückzug der so genannten Muslime aus dem säkularen Bürgertum und, kurz gesagt, agieren kulturell rassistisch.

    Gegenmodern beschwören Sie das orientalische bzw. osmanisch-türkische Ahnenerbe. In der kulturellen Moderne angekommene Menschen werden es als lachhaft empfinden, wenn ein richtig echter Norweger oder Nordfriese an Odin und Freya glauben soll und ein waschechter Azeri, Turkmene oder Kasache an den Ewigen Blauen Himmel des Tengrismus. Ebensowenig hat sich eine hellhäutige „Biodeutsche“ ergriffen und schicksalsergeben als Erbin von Dirndl, Pickelhaube, Kolonialzeit und Führerstaat zu verspüren, wenn sie („sollte mal in ihre Vergangenheit schauen … sollte mal in den Spiegel schauen“) über ihre Aufgabe im Weltganzen nachdenkt. Der Türke-an-sich ist für uns kein pauschaler Allahfreund, der Beförderer einer modernen Türkei eben gerade kein Neo-Osmane.

    Es ist zu wünschen, dass Sie nicht nur keinen Hidschab (Schleier) tragen, sondern sich dafür einsetzen, dass die Kinder muslimischer Großeltern angstfrei ohne Religion leben können oder mit einem säkular gezähmten (zivilisierten) Islam leben können, der diskriminierende Schariadoktrin und „heilssichernde“ Fiqhjustiz nicht mit moderner Bildung verwechselt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Cees van der Duin

    PS
    Ümmühan Karagözlü wird Ihnen zeitnah auf dem von ihr betriebenen Blog Schariagegner (unter dem inhaltsgleichen Text) antworten.

    http://schariagegner.wordpress.com/2007/12/14/kopftuch-freiheitlich-demokratische-grundordnung/

  3. Sekülerizm Says:

    Wo du wolle, Frau, Himmelsgarten oder Höllengrube?

    Das ist Hidschaab

    don`t Emphasize the Body shape … Fashion Yet Within the Teachings of ISLAM

  4. Anonymous Says:

    Hallo Cees van der Duin,

    ich frage mich nur gerade, worüber Sie sich so aufregen ?? Jeder Mensch hat das Recht, seine Meinung offen und direkt zu vertreten! Das müssten Sie und auch Frau Karagözlü am besten wissen! Das was ich oben geschrieben habe, ist meine Meinung dazu. Daran wird sich auch nichts ändern, selbst wenn Frau Karagözlü persönlich vor meiner Haustüre stünde. Ich würde sagen, jeder sollte so leben und sich so kleiden können und dürfen wie er/sie es will. Man sollte sich vielleicht gegenseitig akzeptieren lernen und nicht versuchen Andere von der eigenen Meinung zu überzeugen.

    Überhaupt wenn ich mich diskriminiert fühle und das auch noch von einer Person, die aus der gleichen Kultur stammt, ist für mich unakzeptabel. Das Kopftuch politisch anzusehen, oder gar als ein Zeichen der Unterdrückung zu sehen, ist für mich völliger Quatsch! Man sollte da so einiges auseinander halten können. Lassen Sie doch diese Frauen in Ruhe, die ihre Kopfbedeckung tatsächlich aus religiösen Gründen tragen. Das bedeutet doch nicht, dass diese Frauen dumm und unintelligent sind. Ganz im Gegenteil. Die meisten von ihnen sind offener und freier, als Sie es vielleicht glauben. Eigentlich gibt es da überhaupt keine Probleme, wenn da nicht immer irgendwelche Wichtigtuer ein Problem daraus machen würden, wenn Sie verstehen, was ich meine?? In diesem Sinne … mir ist es nicht wichtig, ob Frau Karagözlü mir darauf antwortet oder nicht … ich habe nur meine Meinung dazu geäußert und damit ist diese Sache für mich erledigt. Desweiteren wünsche ich Ihnen viel „ERFOLG“, in Ihrer, ja sozusagen „MISSION“.

    Kümmern Sie sich doch um Frauen, die wirklich Hilfe brauchen! Und das sind nicht immer die angeblich hilflosen kleinen Musliminnen, nein: Es gibt auch genügend westliche Frauen, die geschlagen, missbraucht oder vergewaltigt werden, also sprich, die total wertlos von ihren Männern behandelt werden.

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