005. Ein Hauch von Revolte. Die Achtundsechziger und das exotische Fremde

05

Achter Themenkreis der Integrationskritik.

1968: Europas Möchtegern-Revolte

Alte

68er

Anything goes.

Alte 68er

Von Jacques Auvergne

Weshalb sind sie unfähig, die alten Achtundsechziger, dem frauenfeindlichen, antiemanzipatorischen und totalitären ’Kopftuch’ zu widersprechen oder auch nur dieses «Prinzip Kopftuch», d.h. die quasirassistische Teilung der Menschen in ‹Reine gegen Unreine›, sehr ähnlich dem indischen Gegensatz Brahmanen-Parias, zu erkennen?

Da wäre zunächst einmal ’Hitlers langer Schatten’, obschon dieses ja in Frankreich, den Niederlanden, Skandinavien und Großbritannien gerade nicht Schuldgefühle erwecken kann. Offensichtlich ist Deutschland trotz des nationalsozialistischen Zivilisationsbruches gut in das Gutmenschentum der anderen Westeuropäer integriert. ’Hitler’ könnte jedoch zusätzlich für die Deutschen zu einer Denkblockade an einer jeden Ausländerkritik geführt haben nach dem Motto: für meinen aus heutiger Sicht bösen Opa war der Fremde immer der Böse, für mich Guten möge er darum auf Ewig der Gute sein.

Die um 1970 für Deutschland und 2007 auch für uns noch zu wenige Islamkritiker zum Reflektieren über Scharia‑Tolitarismus, Islamoterrorismus und Kalifat wichtige Autoritätskritik entartete bis etwa 1980 zu einem ’verbindenden Element der Lähmung’ der sozialdemokratischen bzw. grünen Milieus in Westeuropa. Alle Autoritäten wollten die Siebziger Jahre in Frage stellen, wie es damals hieß. Doch warum machte man vor dem so unterdrückerischen Islam halt? Warum war man unfähig, die klassisch-feministische Islamismuskritik etwa von Alice Schwarzer (Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz) seitens der nach etwa 1985 in Routine und Korruption (Rügemer, Colonia corrupta) verkalkenden und im Machtgestrüpp persönlicher Eitelkeiten qualitativ untergehenden GRÜNEN- oder SPD-Ortskreise zu rezipieren?

Dabei hatte alles so viel versprechend, so hoffnungsvoll radikaldemokratisch angefangen. Auf der Grundlage

links-sozialer und utopisch-alternativer

Ansprüche blühte in den Siebziger Jahren in den USA, in Großbritannien, Skandinavien, Frankreich und Westdeutschland eine von Universitätsstädten ausgehende gewaltig wirksame Bewegung, die in den drei Akzenten oder Dimensionen

Pazifismus

Feminismus

Ökologie

dafür antrat, Sozialisation, Arbeitswelt, Medienlandschaft, Pädagogik und Rechtssprechung kritisch und kreativ neu zu gestalten.

Kritik an der Kolonialzeit (Commonwealth; Algerien) stiftete den Siebzigern geschichtsbezogen Identität, in Westdeutschland zudem antifaschistische Totalitarismuskritik (Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit). Umweltschutz wurde zur schlagkräftigen Kultur (greenpeace; christlich: die Schöpfung bewahren bzw. Mitwelt-Konzeption). Kritik an der dominanten Rolle Amerikas bzw. der NATO (Antikriegsbewegung bezüglich Vietnam; in Westeuropa Forderungen nach Abrüstung angesichts der möglichen Folgen eines Atomkrieges im West-Ost-Konflikt (Kalter Krieg bei bereits mehrfachem overkill). Sexuelle Emanzipation (bisexuell-schwul-lesbische Identitäten; freie Liebe; Scheidung enttabuisieren, sexuellen Missbrauch ansprechen und bearbeiten) war Forderungsgegenstand und Gestaltungsfeld zugleich. Religiös-spirituelle Sinnsuche (Buddhismus bzw. Zen, Hare Krsna, Baghwan usw.; Ökospiritualität und Indianisches; neue christliche liturgische Formen) bewegte Teile dieser alternativen Szenen. Relativ blind jedoch war man gegenüber den stalinistischen Gräueln (Alexander Solschenizyn) und gegenüber den Repressionen unter Fidel Castro und vor allem Mao. Absolut blind waren die Achtundsechziger gegenüber dem Islam. Ob hier noch ein Krümelchen Harem des 18ten oder eine Prise geheimnisvoller Orient des 19ten Jahrhunderts wirksam war?

Den Armeniervölkermord oder auch die Genitalverstümmelung an afrikanischen Mädchen anzuprangern sahen sich die angeblich so emanzipatorischen und globalen Siebziger und sogar Achtziger Jahre nicht in der Lage. Aus Feigheit? Tilman Zülch (Gesellschaft für bedrohte Völker), Alice Schwarzer (EMMA) und terre des femmes wurden zwischen 1980 und 2000 von SPD und GRÜNEN ebenso wie von der Pädagogik und Jugendpflege im doppelten Sinne links liegen gelassen.

Gegen erste Islamkritiker wurde die Faschismuskeule geschwungen seitens ausgerechnet derjenigen Achtundsechziger, die den Marsch durch die Institutionen, Partei, Jugendamt, Schule und Kirche, erfolgreich geschafft hatten. Verordnete Fremdenliebe erwies sich so als ein antiaufklärerisches Dogma, das kaum fasslich auch den nach Europa einwandernden radikalen Clans etwa um die Muslimbruderschaft die Bahn ebnete. Namen von Großfamilien wie El-Zayat, Nada, Ramadan; Erbakan; Kaplan.

Als Studierender im Jahre 2007 offen sichtbar die demokratiefreudigen und islamkritischen internet-homepages oder ‑blogs politically incorrect, akte‑islam oder Dhimmideutsch zu lesen dürfte für junge Menschen, die sich für das Studium zum Pädagogen bzw. die Ausbildung zum Erzieher entschieden haben, extreme Gewissenskonflikte oder aber glückliches Desinteresse verursachen. Diese Studierenden oder Schüler haben womöglich ängstliche, korrupte, naive oder auch nur dumme Lehrer oder Professoren, welche islamistische Standpunkte nicht selten offen verteidigen, meist im Namen der US-Kritik oder des Multikulturalismus. Indessen die ersten Funktionäre von Milli‑Görüs oder bärtige marokkanische Salafisten vor allem die muslimischen Studierenden an eben diesen Schulen in Schach halten und Schweinefleisch unbemerkt vom Mensa-Speiseplan verschwindet. Nanu, schmecken porc und ham Europas nichtmuslimischen Studis nicht mehr? Doch nur nicht die Moslems provozieren, sie fühlen sich so schnell beleidigt.

Es ist anzunehmen, dass offene Kopftuchkritik das erfolgreiche Studium der Pädagogik oder Sozialpädagogik mancherorts bereits heute unmöglich macht oder jedenfalls sehr erschwert. Mit dem Begriff des Soziologen Beck ließe sich dieses vielleicht unter Risikogesellschaft subsumieren, was eigentlich nur bedeuten würde, wieder bei der wilhelminischen Kultur des Buckelns und Kriechens angekommen zu sein. Der Untertan.

Wir Achtundsechsziger – ich zähle mich einmal dazu:

warum lassen wir Achtundsechziger emanzipiert-kritische Muslime wie Rushdie, Tibi, Ates, Kelek und Cileli derartig im Stich? Warum fällt es uns so schwer, repressive Strukturen in Marokko oder Indonesien anzuprangern? Finden wir keine patriarchale Gewalt in Pakistan, keinen nicht aufgearbeiteten Genozid in der Türkei, keine Entführungen oder Morde an Nichtmuslimen in Nigeria, keine Todesfatwen gegen Dichter?

Sehen wir den al-Qaida-Terroristen als Schillers Wilhelm Tell, ist der Hamas-Selbstmordattentäter für uns Rousseus edler Wilder? Verwechselt ATTAC bin-Laden mit Robin-Hood? Womöglich wurde uns die selbst verordnete Fremdenliebe so sehr zum quasikatholischen Dogma, dass sie uns sogar nahöstliche oder nordafrikanische Menschenrechtsverletzungen wie die Verfolgung von islam- und regierungskritischen Journalisten als exotische Romantik erscheinen ließ.

Wir alten 68er haben etwas verwechselt: Kasbah-Hodscha ist nicht Viertelsozialarbeiter. Taliban-Kindersoldatentum ist nicht Abenteuerpädagogik und Koranschule nicht Selbsterfahrungsseminar. Die somalische Großfamilie ist keine alternative Kommune, ägyptische Mädchenbeschneiderin oder türkischer Sünnet‑Beschneider sind mitnichten wissenschaftlich denkende Kinder-Urologen. Cousinen‑Ehe ist nicht freie Liebe. Tschador und Burka sind nicht Hippieseidentüchlein.

Sind demnächst Zwangsehe, Polygamie und Steinigung in Europa legal? Auch eine Art von Rassismus kann es sein, den Fremden auf immer anders sein zu lassen, ihm dauernde Sonderrechte zu bewilligen. Die muslimischen Demokraten, die islamischen Künstler, die Apostaten und die Homosexuellen im Islam – alle diese individuell so unterschiedlichen und persönlich so freiheitsliebenden Individuen würden wir dann endgültig mit einsperren helfen in den bronzezeitlich geprägten Clan oder in die politreligiöse Community. Der Ausweg wäre eine durchdachte, gewollte und auch durchgesetzte Integration.

Islam ist noch für viel zu wenige das, was er einem emanzipierten Menschen allein sein darf: persönliche Spiritualität. Der Islam der Gegenwart ist noch keine demokratiefähige Religion. Islam heute, das ist ein sexualpolitisches Kartell. Territorialdominant. Territorial gefräßig. Wahrnehmung vernebelnd.

Erkennen zerkrümelnd.

Bildung hassend.

Jacques Auvergne

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