004. Pop-Kultur der Dâr al-Harb: Sexismus und Shari’a

004

Integrationskritik, neunter Themenkreis.

Mysogyne

Popkultur

Mit glamour, Spaß & sex-appeal …

… in die technisch und medial perfekte

Halbtheokratie.

Von Jacques Auvergne

Kann die populärkulturell inszenierte symbolische Frauennacktheit halbierter Moderne die Kehrseite von Kopftuch und Schari’a sein?

Auf Plakaten für deutsche multiethnische Studentenpartys und islamophile Türkendiskos gleichermaßen sind zumeist und phantiasiereich obszöne Ikonen kriechender wollüstiger Sexsklavinnen abgebildet. Weitgehend nackte virtuelle Tänzerinnen also versprechen den anonymen und fraglos sehr männlichen Männern so etwas wie ein zu erwartendes angenehmes nächtliches Unterhaltungsprogramm. Derartige Konzession an jeden nur möglichen Voyerismus und Exhibitionismus könnte man ja für einen willkommenen Schutz gegen Theokratie und Kalifat halten. Auf den ersten Blick.

In Wirklichkeit ist die Huren-Sklavin eher geeignet, die fitna, die ’Verwirrung der Sinne’ zu versinnbildlichen, die von der Frau prinzipiell gegen die hehre Männerwelt ausgehe (und trägt Schwesterchen hijab). Wo doch der edle Islam die Frau so sehr würdige, mögen mir nun ’Islamforscherinnen’ mit rotem oder grünem Parteibuch entgegnen?

Hören wir doch einmal einen selbsternannten frommen Muslim, den Terrorflieger Mohammed Atta: “Und an meinem Grab seien keine unreinen Wesen, also keine Tiere und Frauen, und es seien an meinem Grab vor allem keine der unreinsten aller Wesen: schwangere Frauen.“

Übrigens werden Männer nicht nackig dargestellt, weder in Fotos bzw. Filmen zum sexualisierten Laufsteg-Geschehen in Paris, Rom, Madrid, Cannes oder Mailand noch auf den Plakaten und Flyern der o.a. Partys für männliche türkische oder tunesische Nachwuchspatriarchen.

Alice Schwarzer beschrieb die Problematik der Schülerinnenkleidung und erkannte ’bauchfrei’ wie ’Kopftuch’ als zwei Seiten derselben Medaille. Magersucht, ließe sich hinzufügen, scheint geradezu symptomatisch für das nackt gemachte Objekt Frau, ’er’ kann ruhig recht massiv sein. ’Er’ bleibt zudem bemerkenswert verhüllt, der auch finanziell potente Gorilla. Nacktes armes Barbie-Girlie. Der unbekleidete Leib der Frau. Machtgeile fromme Männer machen sich die Weibchen zur Beute, autochthon-allochthon vereint. Frau gegen Frau, Disko‑Konkurrenz, entsolidarisiert, isoliert. Im Patriarchat ist Frau Ware, für Dieter Bohlen wie für den osmanischen Pascha aus dem Kölner Plattenbau. Die Alltagsgewalt nimmt zu – alte Linke träumen multikulturell.

Jacques Auvergne

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