Archiv für August 2010

193. Salafistische Islamschule

31. August 2010

السلفية

as-salafīya

Die perfekt handelnde Urgemeinde

Islamschule ist …?

Ein Gastbeitrag von Edward von Roy

In der Zeit des Herannahens der bereits explizit so genannten Weltwirtschaftskrise, von welcher der linke Niederrhein und nicht zuletzt die eine Viertelmillion Einwohner umfassende Stadt Mönchengladbach bereits betroffen sind, könnte der durch gegenkulturelle und gegenmoderne Milieus produzierte Fundamentalismus wieder besonders attraktiv werden. Waren es vor drei bis vier Jahrzehnten noch überwiegend neohinduistisch geprägte Strömungen wie Hare Krishna und Bhagwan bzw. war es der in Korea verwurzelte Kult der Mun-Sekte, die im Namen der Alternativkultur beim Seelenfang gefährlich erfolgreich waren, ist die Globalisierung inzwischen weiter vorangeschritten und wird die Realität der weltweit 1,5 Milliarden Menschen muslimischer Prägung auch in Europa und Deutschland spürbar.

Ein kraftvoller Fundamentalismus nämlich tritt uns in Gestalt des orthodoxen beziehungsweise revolutionären Islam gegenüber, der die vollkommene Lebensführung im Angebot zu haben vorgibt und seinen Anhängern ein komplettes Modell der Lebensführung und Rechtssprechung anbietet, das dem Individuum wenig bescheiden suggeriert, keine weitere Welterklärung mehr zu benötigen. Gegenüber den Weisungen des heiligen Buches, des Koran, der auf jede denkbare Frage die absolut korrekte Antwort bereits beinhalte, sei jedes nichtislamische Urteil, ob demokratisch, wissenschaftlich oder juristisch hergestellt, schlicht unwesentlich.

So bietet auch der Sohn eines Millî-Görüş-Funktionärs, der in Braunschweig geborene salafistische Scheich Muhamed Seyfudin Ciftci genannt Abu Anas seinen Jüngern an, die als sittlich minderwertig erklärte kulturelle Moderne der universellen Menschenrechte zu verlassen und die angeblich authentische islamische Lebensführungsdiktatur der Salafismus zu betreten. Ohne Geschlechtertrennung, ohne Gewand und Bart (männlich) bzw. ohne Ganzkörperschleier oder zusätzlichen Gesichtsschleier (weiblich) sei das absolute diesseitige und jenseitige Glück allerdings nicht zugänglich. Ex-Profiboxer und Islamprediger Pierre Vogel genannt Abu Hamza arbeitet dem Scheich zu und ist als innenstädtischer Missionar in ganz Deutschland durchaus erfolgreich damit befasst, die formell frühmittelalterliche Seinsweise der Salafiyya als jedem anderen totalitären Islam für überlegen zu erklären und einer säkularen Umsetzung des Islam, wie sie von Bassam Tibi und Necla Kelek plausibel begründet wird, sowieso.

Für alle Schichten der leider zunehmend zerklüfteten Gesellschaft bietet der klassisch-hochmittelalterliche, schariabasierte Islam des Fiqh (Sakraljurisprudenz) bzw. der separatistische Islam der Muslimbrüder und Salafisten die angeblich unumgänglichen, Lebenssinn herstellenden und vor dem Höllenfeuer bewahrenden Bildungs- und Praxisprogramme, die für das Prekariat (Bushido, Ammar114), für den jungen Durchschnittsrheinländer (Ex-Feuerwehrmann Sven Lau genannt Abu Adam) ebenso wie für unsere Eliten (Murad Wilfried Hofmann, Ayyub Axel Köhler) offensichtlich attraktiv sind.

Wer bei dem „Hüter der beiden heiligen Stätten“ (Saudi-Arabien) studiert hat, dem wird eine besondere Autorität zugestanden, und so kann sich kein DITIB- oder VIKZ-Imam umfassend von den Salafisten distanzieren, sondern allenfalls einräumen, das Kopftuch, die Geschlechtertrennung im Schulsport und das Leben nach dem Koran ebenfalls energisch verbreiten zu wollen, also im Sinne der islamischen Orthodoxie gehorsam zu sein. Der Mönchengladbacher VIKZ-Imam Adnan Özden hat derlei Schariagehorsam bereits öffentlich getätigt und sich, auf Kosten von Ciftci und Vogel, als Retter des städtischen friedlichen Zusammenlebens angeboten, nicht ohne die Spaltung der Stadtbevölkerung in Nichtmuslime und Muslime weiter voran zu treiben, ausgerechnet im Namen der Toleranz und des Dialogs.

Man sollte von Erpressung reden, lautet die derzeitige, von Kirchen und Bürgermeistern wie versehentlich mitgetragene Islamverteidigung doch sinngemäß: „Wenn du gegen das Kopftuch und die Scharia argumentierst, stellst du Toleranz und Koexistenz in Frage und schürst künftige, ethnoreligiös begründete Gewalt.“ Dabei wird übersehen, dass in der säkularen Republik gar keine Religionsvölker leben, sondern Individuen, die dem Schutz des gleich behandelnden Grundgesetzes unterstehen und eben nicht dem „Schutz“ der ungleich behandelnden (diskriminierenden) Scharia, auch nicht im Personenstands- und Familienrecht. Und um nichts anderes als um die durchgesetzte Rechtsverschiedenheit geht es dem politischen Islam, der in seinem gespaltenen „Kern“ dabei die Deklassierung der Frau erstrebt, emotional wie juristisch. Leider bezeichnen unsere Politiker wie Hans-Gert Pöttering und Horst Köhler den orthodoxen bzw. revolutionären Islam öffentlich als eine „im Kern friedliche Religion“, Fakten möchten und können sie uns dabei nicht nennen. Islamverharmlosung bedarf der Faktenferne, weshalb Norbert Bude und Reinhold Schiffers im Sinne ihres nachhaltigen beruflichen Erfolgs klug genug sind, das Wort Hidschab oder Scharia gar nicht erst auszusprechen.

Den Charakter einer Rechtsreligion zu verstehen, fällt Europäern, die von bis zu vier oder fünf Jahrhunderten der Säkularisierung profitieren (Renaissance, Aufklärung, universelle Wissenschaftlichkeit, Psychoanalyse, Totalitarismuskritik), offensichtlich schwer. Man frage einen Mönchengladbacher zu den Begriffen Standesbeamter, Rechtssachverständiger und Familienrichter und wird eine einigermaßen vernünftige Antwort bekommen, notfalls nach einem Blick in das Internetlexikon Wikipedia, jedenfalls wird wohl kaum ein Befragter einen Zusammenhang zum Spirituellen oder zur „Religion“ herstellen. Dass aber ein Scheich wie Muhamed Seyfudin Ciftci an der islamischen Universität zu Medina eine Ausbildung eben zum Rechtssachverständigen, Standesbeamten und Familienrichter durchlaufen haben könnte und für seine Getreuen hier in Deutschland eine parallele Rechtsordnung durchzusetzen wünscht, überfordert unsere zum „Dialog mit dem Islam“ aufrufenden Kleriker und Politiker möglicherweise immer noch. In Kanada und Großbritannien wird der rechtsspaltende Charakter des hoch politischen Islam richtigerweise im Namen des „One Law For All“ zurückgewiesen.

Sehr geehrter Herr Ciftci: In Deutschland besteht bereits eine Rechtsordnung, an einer zweiten ist kein Bedarf! Mit Ihrer »Islamschule« wollen Sie Menschen gegenüber den Standards der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte immunisieren und rufen Sie zu einem totalitär zu kontrollierenden, „zu Allah ins Paradies führenden“ Wohlverhalten auf, welches wissenschaftliche Erkenntnisse überflüssig macht und verhöhnt. Damit betreiben Sie Abschottung, Segregation und bedrohen die Integration des Individuums, also auch des „muslimischen“ oder des weiblichen, in den Bereich des gleich behandelnden Grundgesetzes.

Die im Umzug von Braunschweig nach Mönchengladbach befindliche Islamschule, an welcher in einem Online-Studium 200 Studenten akribisch lernen, sich aus der kulturellen Moderne zurückzuziehen und sich ins Mittelalter zu integrieren, will die Zerspaltung der Bevölkerung in Nichtmuslime und Muslime, was der Dhimmitude (Apartheid) des Kalifats zwar bestens entspricht, was wir als säkulare Staatsbürger jeder Religion, Ex-Religion oder Nichtreligion jedoch im Sinne der Rechtseinheitlichkeit zu verhindern haben und verhindern werden.

31. 08.2010, Edward von Roy, Diplom-Sozialpädagoge (FH)

192. „Eickener Erklärung“?

29. August 2010

Rückblick auf die Bürgerversammlung vom 28. August 2010 im Mönchengladbacher Stadtteil Eicken

Mein Name ist Gabi Schmidt, ich bin die Mönchengladbacherin, die die erste Demonstration am 16.08. auf dem Eickener Marktplatz bei der Polizei angemeldet hatte, an der sich etwa 300 Bürgerinnen und Bürger beteiligt hatten. Auch gestern abend war die Mehrzweckhalle in Eicken gut gefüllt, man zählte wieder weit über 200 Personen, die der Einladung der Vertreter der Bürgerbewegung Eicken zur Bürgerversammlung in die Eickener Mehrzweckhalle gefolgt waren, die teilweise nach einem harten Arbeitstag Stunden ihrer kostbaren Freizeit investierten. Die Halle war vom Bezirksvorsteher Nord, von Ratsherrn Reinhold Schiffers (SPD) organisiert worden.

Sehr klar kam in den folgenden zwei Stunden zum Ausdruck, dass die Bürgerinnen und Bürger sich von den Politikern nicht ernst genommen und alleingelassen fühlen. Deutlich war der Unmut der Mönchengladbacher über die Reaktion und das Verhalten der Politiker zu spüren. Verständlich, denn ein Vertreter des Innenministeriums fehlte, obwohl sein Kommen fest zugesagt worden war, auch Oberbürgermeister Norbert Bude glänzte durch Abwesenheit. Stadträte der CDU, der FDP und der GRÜNEN fanden ebenfalls den Weg in die Halle nicht, sie hatten wohl besseres zu tun, wie Manuela Buhse meinte. Was für ein Glück für die Volksvertreter, dass zur Zeit keine Wahl ansteht.

Aus der „hohen Politik“ standen den Menschen außer Herrn Schiffers daher nur zwei weitere SPD-Politiker als Ansprechpartner zur Verfügung, alle drei überzeugten mich nicht. Der Landtagsabgeordnete Körfges wollte die Sorgen der Bürger in den Landtag transportieren, nachdem die Spätzünder Post und Schoeren aus der CDU zwei Wochen vorher eröffnet hatten, eine Anfrage zum Thema Umzug der Islamschule nach Mönchengladbach unter dem Aspekt des verfassungswidrigen Handelns in den Landtag einbringen zu wollen. Körfges meinte auch betonen zu müssen, dass der Betrieb einer Schule nur dann untersagt werden könne, wenn es dafür eine gesetzliche Grundlage gäbe.

Als sei es der Bürgerinitiative jemals in den Sinn gekommen, gesetzeswidrig zu handeln und Ciftcis sogenanntes Fernstudium (Wissenschaftsvorbehalt?) auf Biegen und Brechen zu verhindern. So betonte denn der Jurist unter den Gastgebern, Wilfried Schultz auch anschließend, dass dieser „Einsatz“ den Menschen in der Halle nicht ausreiche. Die Integrationsratsvorsitzende Gülistan Yüksel als zweite Lokalpolitikerin hat klare Antworten der Landesregierung vermisst und sei erschrocken, dass sich niemand von den zuständigen Behörden bei der Veranstaltung am Freitag abend blicken lassen hat. Sie beabsichtigt in naher Zukunft eine weitere Informationsveranstaltung mit der Bürgerinitiative durchzuführen.

Zu hoffen wäre dann allerdings, dass die Referenten besser informiert sind als unser Integrationsminister, für den der Salafismus mit dem Islam soviel zu tun hat wie die Moon-Sekte mit dem Christentum (1). Wünschenswert wäre, dass Schneiders Stellvertreter aus Düsseldorf „kultursensibler“ eingestellt ist als der Herr Fachminister und die Frau Staatsekretärin und den Bürgern abnimmt, dass sie seit jeher alle Menschen in ihrer Mitte willkommen heißen und sie mit gebührendem Respekt behandeln. Grundsätzlich sind Mönchengladbacher zu einem Dialog auf Augenhöhe bereit, solange die Gesprächspartner die in der Verfassung garantierten Grundrechte jedem zuerkennen, diese Regeln als grundlegende Verhaltensnorm für alle bejahen und verwirklichen wollen. Auch wer die Demokratie für eine falsche Religion hält, verliert hier nicht seine Menschenwürde.

Manuela Buhse und Wilfried Schultz kritisierten am gestrigen Abend berechtigterweise den Ohrfeigencharakter des Ministerbesuchs in der Vitusstadt (2), bei dem die Teilnahme eines Vertreters des Innenministeriums an der Bürgerversammlung fest zugesagt wurde, ohne dieses Versprechen einzuhalten. Wie sollen die Mönchengladbacher Bürger dieses Verhalten der Landesregierung anders deuten, wenn nicht als Versuch, die Protestierenden in die rechtsradikale Schmuddelecke zu stellen? Buhse und Schultz stellten noch einmal ausdrücklich klar, dass in Eicken seit langem viele Nationen und Religionen friedlich zusammenleben.

Die Beiträge der beiden Gastgeber möchte ich allerdings ergänzen bzw präzisieren: Die Bundesrepublik Deutschland ist ein säkularer, freiheitlich demokratischer Rechtsstaat, in dem Religion oder Nichtreligion Privatsache ist. Wir leben mit Menschen zusammen, mit individuellen Persönlichkeiten, nicht mit ethnischen oder religiösen Kollektiven. Die Religion oder Nichtreligion unserer Mitbürger ist in einer offenen Gesellschaft kein wichtiges Persönlichkeitsmerkmal, es gilt die Glaubens- und Gewissensfreiheit für alle, in den Rahmenbedingungen der Verfassung. Gerade in Deutschland gibt es gute Gründe, warum wir die Religionszugehörigkeit (J (3)) nicht in den Pass eintragen.

Als Folge der europäischen Aufklärung und durch den so genanntem Kulturkampf Bismarcks sind die Einflussbereiche von Staat und Kirche auch in Deutschland getrennt. Jeder soll privat seiner Religion oder Weltanschauung anhängen und sie ausüben können, ganz gleich ob er gläubig, ungläubig oder atheistisch ist, solange er sich an die Normen des Grundgesetzes hält. Selbst die positive Religionsfreiheit gilt somit nicht unbegrenzt (4). Spirituelle Steinigungen, religiöse Polygamie und echtislamische Burkas oder Gesichtsschleier sind hier nicht erwünscht. Fast alle, die sich am Freitag versammelt haben, wollen kein glaubensbasiertes Recht wie die Scharia, dessen bin ich mir sicher. Anders als in Großbritannien (5) und Griechenland (6), (7) soll in der Bundesrepublik kein Schariarichter wie Mohammed Ciftci alias Abu Anas als zertifizierte religiöse Autorität frauenverachtende, grundrechtswidrige Fatwas (islamische Rechtsgutachten) erteilen (8) und Recht sprechen dürfen (9).

Eine Rechtsspaltung, auch wenn sie „nur“ das Familienrecht betreffen würde, müssen wir ablehnen und verhindern, wenn wir weiterhin in einer kulturell moderen, freiheitlich demokratischen Gesellschaft mit universellen Menschenrechten leben wollen. Wie wichtig das ist, zeigt das Beispiel der Integrationsbeauftragten Gülistan Yüksel und der anerkannten Mönchengladbacher Erziehungswissenschaftlerin und ehemaligen Rektorin der Universität Duisburg Essen. Beide setzten sich an der Hochschule Niederrhein im Fachbereich Soziale Arbeit bei ihren Voträgen für das Recht muslimisch sozialisierter Bürger ein, die Ehen ihrer Kinder zu arrangieren, ein klarer Verstoß gegen das universelle Menschenrecht auf freie Partnerwahl.

Die “Eickener Erklärung“, die Reinhold Schiffers gegen Ende der Veranstaltung als “Konzept, Entwurf, Grundlagenpapier“ erwähnte, sie sei im Internet veröffentlicht (wo?) und existiere in Versionen verschiedener Länge, als nicht signierte Handzettelchen wurde sie in Kurzversion am Eingang des Saals ausgeteilt, ist diesbezüglich zu diskutieren und eventuell zu konkretisieren. Auf Grund der vorgerückten Stunde war keine Gelegenheit mehr, Stellung zu beziehen oder gar abzustimmen. Wie viele Eickener stimmen der Eickener Erklärung zu ohne sie diskutiert zu haben? Die so genannte Eickener Erklärung ist somit keinesfalls das Ergebnis der Bürgerversammlung vom 27.08.2010.

Wir Gegner der salafistischen Islamschule haben die ersten Schritte auf einem langen Weg erfolgreich hinter uns gebracht. Künftig sollte die Bürgerbewegung sich allerdings um Eindeutigkeit und Transparenz bemühen.

28. August, Gabi Schmidt, Sozialpädagogin

(1) »NRW-Integrationsminister: „Radikale Minderheiten verdienen keine Toleranz“«, Rheinische Post, 14.08.2010.

http://www.rp-online.de/landtagswahl/nachrichten/Schneider-Radikale-Minderheiten-verdienen-keine-Toleranz_aid_893861.html

(2) »Integrationsminister Guntram Schneider und Staatssekretärin Zülfiye Kaykin beim Fastenbrechen in Mönchengladbach«, bei: Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

http://www.mags.nrw.de/06_Service/001_Presse/001_Pressemitteilungen/pm2010/008-August-2010/100820/index.html

(3) Judenstempel (Wikipedia).

http://de.wikipedia.org/wiki/Judenstempel

(4) »Rot-Verbot für Lehrer zulässig«, bei: Aktion für Geistige und Psychische Freiheit Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung (agpf). agpf: »„Insoweit ist das Berufungsgericht zutreffend von der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ausgegangen, nach der das Grundrecht der Religionsfreiheit gemäß Art. 4 Abs. 1 und 2 GG nicht schrankenlos gewährt ist, vielmehr insbesondere dort seine Grenzen findet, wo seine Ausübung auf die kollidierenden Grundrechte anders denkender Personen trifft und in diesem Falle ein Ausgleich gesucht werden muß (BVerfGE 52,223,246f. m.w.N.). Daher kann auch, wie das Berufungsgericht zutreffend angenommen hat, das regelmäßige Tragen bestimmter, von herkömmlicher Straßenkleidung abweichender Kleidungsstücke, die eindeutig auf eine bestimmte religiöse oder weltanschauliche Überzeugung eines Lehrers an einer 6ffentlichen Schule hinweisen, auf Unverständnis oder Ablehnung andersdenkender Schüler oder deren Erziehungsberechtigten stoßen und diesen Personenkreis in seinem Grundrecht negativer Bekenntnisfreiheit treffen, weil er sich einer solchen Demonstration religiöser Überzeugung nicht entziehen kann.“«

http://www.agpf.de/akt88-3.htm#ROT-VERBOT

(5) Islamische Scharia-Rat in London (Wikipedia). Islamic Sharia Council.

http://de.wikipedia.org/wiki/Islamischer_Scharia-Rat_in_London

(6) »Land zwischen Europa und Asien«. Über das schariabasierte Sonderrecht für die türkische Minderheit Westthrakiens, das im EU-Mitgliedsstaat Griechenland die Kindbraut legalisiert. Von: Dimitrios Kisoudis, in: Eurasisches Magazin (EM 03-10), 03.03.2010.

http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?thema=Balkan&artikelID=20100316

(7) »In Europa. Wo die Scharia noch gilt«, von: Michael Kreutz, auf: Transatlantic Forum. „Arrangierte Ehen, ohne dass die Brautleute sich vorher zu Gesicht bekamen; zwölfjährige Kinder, die zwangsweise verheiratet werden; Frauen, die nicht wissen, dass sie ein Recht auf Scheidung haben und die im Falle einer Scheidung das Sorgerecht an ihren geschiedenen Mann verlieren – allesamt Phänomene, die dort auftreten, wo die Scharia herrscht. Es gibt sie darum auch überall dort, wo muslimische Minderheiten sind. Also auch in Europa. Aber allein Griechenland zwingt als einziges Land der EU seine autochthonen muslimischen Bürger dazu, die Scharia zu praktizieren – ob sie es wollen oder nicht.“

http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2005/106/europa-scharia/

(8) »ISLAM-FETWA. Islamische Rechtsgutachten«, eine Homepage des salafistischen Predigers Sheikh Muhamed Seyfudin Ciftci

http://www.islam-fetwa.de/

(9) Homepage des salafistischen Predigers Sheikh Muhamed Seyfudin Ciftci. Biographie: „Im Jahre 1992-1994 war er aktiv im Bosnischen Kriegsgebiet als Sozialarbeiter der Internationalen Humanitären Hilfsorganisation [IHH] tätig. Ab 1994 begann er den Islam nach der Glaubenslehre der Salaf ul-Umma zu praktizieren. … Im Rahmen seines Studiums fertigte er in Arabischer Sprache Ausarbeitungen in den Fächern Fiqh nach der Madhab Hanafia, in Usul Fiqh al Qiyas sowie in Qada, dem islamischen Rechtssystem an.“.

http://www.muhamedciftci.de/index.php/biographie.html

191. Petition zur Freilassung von Shiva Nazar Ahari

27. August 2010

شیوا نظرآهاری

Šīvā Naẓar Āhārī

Iranische Journalistin Menschenrechtsaktivistin in Haft

Freiheit für Shiva Nazar Ahari!

Die 1984 geborene iranische Menschenrechtsaktivistin Shiva Nazar Ahari (1) ist für ihr couragiertes Eintreten für Gerechtigkeit bereits wiederholt inhaftiert worden. Am 14.06.2009 beispielsweise ist sie von Geheimdienstagenten in ihrem Büro verhaftet und in das berüchtigte Foltergefängnis der iranischen Hauptstadt, das Teheraner Evin-Gefängnis eingesperrt worden, wenige Tage nur nach der tatsachenfernen Wiederwahl des Präsidenten. Erst am 27.09.2009 kam sie gegen Kaution frei, 33 Tage hatte sie in Isolationshaft verbringen müssen. Bei der Bevölkerung war Shiva Nazar Ahari auch als Journalistin hoch geachtet und als Betreiberin des Blogs »Zende Bād Āzādī« bekannt, das bedeutet »Lang lebe die Freiheit!« (2).

Am 21.12.2009 wurde sie wiederum verhaftet, gemeinsam mit einigen Mitstreitern, als sie sich auf dem Weg zum Begräbnis des Geistlichen Hussein-Ali Montazeri nach Ghom (Qom) befand, allen Verhafteten droht die Todesstrafe (3). Montazeri war zwar im ersten Jahrzehnt nach der Iranischen Revolution als Nachfolger von Chomeini vorgesehen, doch wurde er von den Machthabern fallengelassen, als er der Regierung vorwarf, die Bevölkerung einzuschüchtern und den Menschen ihr Recht vorzuenthalten. Insbesondere für die Rechte der Religionsgruppe der Bahá’í sowie für Bürgerrechte und Frauenrechte hatte sich Montazeri, den manche als den spirituellen Führer der Green Movement, der brutal niedergeschlagenen Protestbewegung des letzten Sommers bezeichnet haben, stark gemacht.

Mittlerweile ist gegen Shiva Nazar Ahari offiziell Klage erhoben worden, der ungerechtfertigte Tatvorwurf lautet Teilnahme und Mittäterschaft bei einer geplanten Straftat (assembly and collusion to commit a crime), Verleumdung der Regierung oder Aufwiegelung der Menschen gegen die Regierung (propagating against the regime) und, was in der islamischen Theokratie äußerst schwer wiegt und die Hinrichtung erfahrungsgemäß leider wahrscheinlicher macht, „Krieg gegen Gott“ (Moharebeh. Enmity with god). Diese Tatvorwürfe sind völlig unbegründet, da Shiva Nazar Ahari nichts anderes tat, als sich auf friedliche Weise für Meinungsfreiheit und Menschenrechte einzusetzen.

Die Regierung des Iran muss sich dafür einsetzen, dass die Journalistin unverzüglich freigelassen wird. Ferner muss ihren Freunden und Angehörigen bis dahin der Zugang zu ihr gewährt werden und hat sie alle notwendige medizinische Unterstützung zu erhalten.

Unterstützen sie die unten genannte Petition mit ihrer Unterschrift oder schreiben Sie auf Englisch an: Head of the Judiciary – Ayatollah Sadegh Larijani – Office of the Head of the Judiciary – Pasteur Street, Vali Asr Avenue, south of Serah-e Jomhouri – Tehran, 1316814737 – Islamic Republic of Iran, verwenden Sie dabei die E-Mail info@dadiran.ir oder bia.judi@yahoo.com – die korrekte Anrede lautet Your Excellency (4).

Die bekannte, weltweit für das Menschenrecht der Pressefreiheit kämpfende Organisation »Reporter ohne Grenzen« (Reporters sans frontières), 1985 in Montpellier gegründet und weltweit gegen Pressezensur und für die Freilassung inhaftierter Journalisten aktiv, bittet uns: Unterschreiben Sie die Petition zur Freilassung der Bloggerin und Menschenrechtsaktivistin Shiva Nazar Ahari (5).

Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte stellt fest: „Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.” (6).

(1) Shiva Nazar Ahari. Freiheit für alle politischen Gefangenen!

http://persian2english.files.wordpress.com/2009/10/shiva.jpg

http://www.jminews.com/images/albums/ny9.JPG

(2) »Zende bad Azadi«, der Blog von Shiva Nazar Ahari. Lang lebe die Freiheit!

http://azadiezan.blogspot.com/

(3) Das Committee of Human Rights Reporters (CHHR), dem Shiva Nazar Ahari als Mitglied angehört, berichtet am 06.02.2010: “Seven members of an Iranian human rights organization, the Committee of Human Rights Reporters, are being held in detention in Tehran. They are under pressure to „confess“ to links with a banned opposition group, in which case they might face charges which can carry the death penalty. Three of the seven were among those arrested on a bus on its way to the funeral of a dissident cleric in December.”

http://www.chrr.biz/spip.php?article8288

(4) Please write to the Head of the Judiciary – Ayatollah Sadegh Larijani

http://www.chrr.biz/spip.php?article10725

(5) Petition, bei: Reporter ohne Grenzen (ROG) / Reporters sans frontières (RSF)

http://www.reporter-ohne-grenzen.de/kampagnen-aktionen/petition-iran.html

(6) Weltkarte Pressefreiheit, hellblau die höchste, dunkelrot die geringste Freiheit.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9e/Reporters_Without_Borders_2008_Press_Freedom_Rankings_Map.PNG

190. Brigitte Brouns

22. August 2010

مونشنغلادباخ

Мьонхенгладбах

מנשנגלדבך

Mönchengladbach

Gabi Schmidt

Mönchengladbach

Gleichstellungsbeauftragte

Brigitte Brouns

Mönchengladbach

Mönchengladbach, 09.08.2010

»Frauen in Mönchengladbach …

gesund * abgesichert * interkulturell * gewaltfrei * Leben!«

Offener Brief

Sehr geehrte Frau Brouns,

am 02. Oktober 2009 erlebten wir in den Räumen der Hochschule Niederrhein, Fachbereich Soziale Arbeit, eine zukunftsweisende, hervorragend besetzte und in Kooperation mit der Gleichstellungsstelle der Stadt Mönchengladbach organisierte Fachtagung mit dem oben zitierten Titel. Dieses Leitbild sollte uns auch 2010 eine Herausforderung sein.

Vor wenigen Tagen haben Sie und die Mitglieder des Stadtrats einen offenen Brief von uns erhalten, in dem wir gegen den Bau der „Islamschule“ in Eicken protestiert haben.

Sicherlich soll es das Ziel der Politik sein, Bürgerinnen und Bürger zu integrieren, jedoch bitte in das Grundgesetz und die kulturelle Moderne, nicht in die religiös begründete Segregation, die Geschlechterapartheid des (islamischen) Fundamentalismus und ins frühe Mittelalter. Unsere Grundrechte, abgeleitet von der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte (Paris 1948), sind universell, unteilbar und nicht verhandelbar. Diese Verfassungsprinzipien stehen nicht zur Disposition. Da gibt es nichts zu diskutieren, und da wird auch kein Dialog mit solchen „Andersdenkenden“ gepflegt, die diese Werte und Normen prinzipiell ablehnen und unbedingt abschaffen wollen.(1) Mit Verfassungsfeinden spricht man nicht, auch nicht im Namen der „Toleranz“.

Sehr geehrte Frau Brouns, Sie sollten jetzt öffentlich über den Salafismus informieren.(2) Es handelt sich um eine jugendgefährdende, menschenfeindliche und dezidiert frauenverachtende Strömung des fundamentalistischen Islam, der insbesondere für Migranten der dritten Generation aber auch für junge Deutsche anziehend ist.(3) Ein großer Anteil der nicht muslimisch sozialisierten Bevölkerung, die der „Einladung zum Paradies“ auf den Leim zu gehen drohen, ist in der Regel zwischen zwanzig und vierzig Jahre alt. Durch schlechte oder fehlende Schulabschlüsse sowie die allgemein schwierige wirtschaftliche Situation sozial und ökonomisch marginalisiert und von der gesellschaftlichen Teilhabe weitgehend ausgeschlossen, ist es einem hohen Prozentsatz dieser Menschen noch nicht gelungen, in der Gesellschaft sicher Fuß zu fassen. Besteht dann durch angespannte Familienverhältnisse wenig Rückhalt und Zuspruch, ist die Wahrscheinlichkeit einer Sinnkrise groß. Mit seinem manichäischen Schwarz-Weiß-Denken, den einfachen Erklärungsmustern, klaren Regeln, simplen Lösungen und nicht zuletzt durch die scheinbare Aufwertung des verletzten Egos bieten salafistische Netzwerke jungen Leuten, die nach Orientierung, Rechtleitung und Anerkennung suchen, einen aus Sicht der Angeworbenen plausiblen Ausweg aus ihrer Misere an.

Jetzt gehört man zu Allahs auserwähltem Volk und steht als Rechtgläubiger endlich auf der Seite der Gewinner.(4) Das ist jedoch eine fatale Fehleinschätzung. Oft sehr spät erkennen aussteigewillige (neo)muslimische Bürgerinnen und Bürger, dass diese Formen des Fundamentalismus, die es prinzipiell in allen Religionen, auch der christlichen gibt, Individualität, freie persönliche Entfaltung und kritisches Denken verbieten und sanktionieren. Tragfähige Beziehungen zu Familienmitgliedern und Nichtmuslimen sind, solange diese nicht konvertieren, unzulässig, der Kontakt zum früheren Freundeskreis muss abgebrochen werden.(5) Zur Gruppe der muslimisch aufgewachsenen potentiellen „Paradiesjünger“ gehören oft genug pubertierende Teenager ebenfalls mit schlechter Sozialprognose, doch selbst Kinder sind bereits „eingeladen“ worden.(6) Diese Minderjähigen sind den schönfärbenden Werbeslogans ziemlich schutzlos ausgeliefert. Durch den von den Erwachsenen oft nicht kontrollierten, spielend beherrschten Umgang mit modernen Medien wie Handys, Videos und Internet stoßen sie ungehindert, mehr oder weniger zielgerichtet, auf radikale Inhalte, die sie fasziniert an Freunde weitergeben.

Eltern, die ihre herangewachsenen Kinder in den Fängen von salafistischen Extremisten wissen und die von ihnen nun gemäß der Doktrin gemieden und verachtet werden, leiden wie jene Väter und Mütter, die nicht verhindern konnten, dass zu einer Tochter oder einem Sohn, die auf die zunächst freundlichen, verständnisvollen Werber von Sekten, Neonazis oder anderen politischen Radikalen hereingefallen ist, kein Kontakt mehr besteht.(7), (8) Deshalb brauchen wir für den Islamismus ähnliche Aussteigerprogramme wie für Sekten und Neonazis.

Bei den beiden Vereinen Einladung zum Paradies und Masjid as-Sunnah, sie sind längst personell und ideell identisch, handelt es sich um rückwärtsgewandte politreligiöse Strömungen. Einem derartigen Verein eine „Sondergenehmigung“ für seine Da’wa (islamische Missionsarbeit) zu geben ist inakzeptabel. Wer aktiv dazu beiträgt oder nicht wenigstens ächtet, dass Frauen im Namen der Religion geschlagen werden dürfen, wer Schriften und anderes Lehrmaterial, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf der Verbotsliste führt, weiterhin auslegt und besitzt, Texte, die beraten, wie das Prügeln so anzustellen ist, dass keine Spuren hinterlassen werden,(9) wer neun- bis zwölfjährige Kindbräute,(10) teilweise schwanger,(11) für praktizierte Frömmigkeit hält, seinen Frauen erklärt, Burka und Niqab seien eine religiöse Kleidungspflicht (ganz ehrlich, unter solchen Bedrohungsszenarien würde auch ich behaupten, meine Gesichts- oder Ganzkörperverschleierung freiwillig zu tragen) und wer Demokratie für Kufr(12) und Wahlen für Schirk(13) erachtet, der hat in keiner freiheitlich demokratischen Stadt Werbeveranstaltungen, Vorträge oder Seminare durchzuführen.(14), (15), (16), (17)

Auch die Freiheit der Lehre gilt nicht unbegrenzt und hat die Rahmenbedingungen der Verfassung und der allgemeinen Gesetzgebung zu respektieren und einzuhalten. Feinde der Demokratie bekommen keine „Sondergenehmigung“, die Verfassung außer Kraft zu setzen.

Sehr geehrte Frau Brouns, wir appellieren an Sie als Frau, Bürgerin der Stadt und Amtsträgerin mit der wichtigen Aufgabe, für die Verfassungsprinzipien des Artikel 3 GG zu werben und diese durch das Allgemeine Gleichstellungsgesetz zu gewährleisten: Tragen Sie dazu bei, dass eine solche misogyne und demokratiefeindliche Gruppe keinen Infotisch aufstellen oder ähnliche Aktivitäten im öffentlichen Raum sowie in städtischen Einrichtungen durchführen darf, damit „Frauen in Mönchengladbach“ wirklich „gesund, abgesichert, interkulturell und gewaltfrei“ leben. Das Betreiben eines Kindergartens, der unsere Kinder nach antiaufklärerischen und gegendemokratischen Weltanschauungen erzieht, ist keinem Verein zu gewähren, auch für Muslime gilt das Grundgesetz.(18)

Klären Sie Eltern und junge Menschen unserer Stadt Mönchengladbach über solche fundamentalistischen Gruppen beispielsweise durch Informationsveranstaltungen, Projekttage und Druckschriften auf. Schon mehrfach sind Veranstaltungen des bekannten salafistischen Predigers Pierre Vogel, in die Schweiz durfte er im Dezember 2009 nicht einreisen,(19) ebenfalls vom Verfassungsschutz beobachtet und ein häufiger Gast in der Masjid As-Sunnah, in anderen Städten verhindert worden.(20), (21) Warum nicht auch in Mönchengladbach.

Gabi Schmidt, Sozialpädagogin

Edward von Roy, Diplom-Sozialpädagoge (FH)

(1) Schwäbisches Tagblatt vom 05.12.2007 – »Kein zweites Mal! OB Palmer wendet sich an Islamischen Verein« – (Die Geschlechtertrennung beim Auftritt des islamischen Predigers Pierre Vogel in der Hepper-Halle hatte am Montag ein Nachspiel im Gemeinderat. Dabei versprach OB Boris Palmer: „So etwas dulden wir kein zweites Mal.“) Südwest-Presse Baden-Württemberg vom 06.12.2007 – »Scharf missbilligt« – (Empört hat der Städtetag Baden-Württemberg auf die Geschlechtertrennung reagiert, die der Islamische Verein Tübingen bei einer Veranstaltung mit dem Prediger Pierre Vogel durchgesetzt hat. Den Saal in der städtischen Hepper-Halle durften Frauen am 25. November nur durch einen besonderen Eingang betreten, außerdem wurden sie auf „Frauenplätze“ im hinteren Bereich verwiesen. Städtetags-Sprecher Manfred Stehle sieht durch diese Regelung Mädchen und Frauen diskriminiert)

http://tuelpds.twoday.net/stories/4506237/

(2) Innenministerium Nordrhein-Westfalen »Salafismus – Entstehung und Ideologie. Eine Analyse der Ideologie durch den Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen«, Düsseldorf Juli 2009

http://www.im.nrw.de/sch/doks/vs/Salafismus.pdf

(3) Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2009, Pressefassung, Stand: 23.03.2010, Seite 17, Kapitel B Islamischer Extremismus und Terrorismus 1.3 Dawa-Arbeit

http://www.sicherheitsforum-bw.de/x_loads/vsbericht_bw_2009.pdf

(4) »biz« Die Mitgliederzeitschrift der GEW Berlin Nr. 11 / 2009: »Deutschenfeindlichkeit in Schulen« „Unsicherheit aber kollidiert mit den traditionellen Überlegenheitsgefühlen vieler Muslime, ihrer Vorstellung dem einzig wahren, ursprünglichen Glauben anzugehören

https://www.gew-berlin.de/blz/19635.htm

(5) al-walāʾ wa ʾl-barāʾa, Muslimsolidarität bei Meidung der Nichtmuslime und ihrer Verhaltensweisen. Wikipedia.

http://de.wikipedia.org/wiki/Al-wala%27_wa-l-bara%27

(6) RP-online vom 06.08.2010 »Islamisten werben Jugendliche an« – “eine Mönchengladbacher Ärztin … ein Mann in traditioneller muslimischer Kleidung in ihrem Wartezimmer. … Die Visitenkarte vom Verein „Einladung ins Paradies“ (EZP), die der Mann dem Zwölfjährigen zusteckte, nahm sie an sich. „Ich wollte sehen, was für ein Verein dahintersteckt“, sagt sie. Am Abend fand sie im Internet heraus, welche radikalen Ansichten die Mitglieder vertreten.”

http://www.rp-online.de/niederrheinsued/moenchengladbach/nachrichten/Islamisten-werben-Jugendliche-an_aid_890623.html

(7) Hisba (ḥisba), Wikipedia.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hisbah

(8) Meidung, Wikipedia.

http://de.wikipedia.org/wiki/Meidung

(9) WELT-online vom 20.01.2010 »Polizei stellt frauenfeindliche Islam-Bücher sicher« „Schlagen, ohne zu verletzen, Knochen zu brechen, blaue oder schwarze Flecken auf dem Körper zu hinterlassen, und unter allen Umständen vermeiden, ins Gesicht zu treffen. … Diese Behandlung habe sich für „kontrollierende oder führende Frauen“ als ebenso wirksam erwiesen wie bei unterwürfigen Frauen: „Diese Frauen genießen es, geschlagen zu werden.“ … Pierre Vogel (Abu Hamza) … Sven Lau (Abu Adam) und Muhammed Ciftci (Abu Anas) von der Islamschule in Braunschweig

http://www.welt.de/politik/deutschland/article5921859/Polizei-stellt-frauenfeindliche-Islam-Buecher-sicher.html

(10) Pierre Vogel, Wikipedia.

http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Vogel

(11) »Zwölfjährige bekam in Zwangsehe ein Baby« – Es ging um eine Elfjährige, die hier mit ihrem 22-jährigen Ehemann lebte. Das Paar meldete sich sogar mit Heiratsurkunde an. Am Mitwoch sollte sich der Grieche Hassan N. (damals 20, heute 22) vor Gericht verantworten, weil er eine 12-Jährige geschwängert hatte. … An der griechischen Grenze zur Türkei werden Minderjährige (ein altes Gesetz erlaubt dies) mit Zustimmung der Eltern verheiratet.

http://www.express.de/regional/duesseldorf/zwoelfjaehrige-bekam-in-zwangsehe-ein-baby/-/2858/705568/-/index.html

(12) Kufr, Wikipedia.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kufr

(13) Schirk, Wikipedia.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schirk

(14) Koran; Sure 4:34, Khouri nach Uthmani: “Die Männer haben Vollmacht … Ermahnt diejenigen, von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet, und entfernt euch von ihnen in den Schlafgemächern und schlagt sie.“

http://www.al-quran.info/?x=y#&&sura=4&aya=34&trans=de-theodor_khoury&show=both,quran-uthmani&ver=2.00

(15) Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg 08/2009 »Indiziertes Buch liegt an Informationsständen und bei Vorträgen in Baden-Württemberg aus« – Das Buch „Frauen im Schutz des Islam“ von Abd ar-Rahman Asch-Schiha … befindet sich auf der Liste der jugendgefährdenden Medien. In dem Buch wird das Schlagen der Ehefrau „zu Erziehungszwecken“ erlaubt. … Es lag sowohl an den Informationsständen über den Islam in Pforzheim am 14. Februar und 4. April 2009 als auch bei Vorträgen von Pierre VOGEL am 25. November 2007 in Tübingen und am 11. Juni 2009 in Stuttgart-Wangen zur Mitnahme aus. Es wurde ebenfalls in einem im Mai 2008 gesicherten Videofilm von Pierre VOGEL empfohlen.

http://www.verfassungsschutz-bw.de/index.php?option=com_content&view=article&id=921:082009-indiziertes-buch-liegt-an-informationsstaenden-und-bei-vortraegen-in-baden-wuerttemberg-aus&catid=144:allgemeines&Itemid=244

(16) »Fatwa zu der Frage, ob eine Muslima im Land der Ungläubigen ihren Gesichtsschleier ablegen darf« – “Die Vorschriften Allahs gelten sowohl in den Ländern der Ungläubigen, als auch in den islamischen Ländern. Selbst wenn die Frau sich [durch diese Regel] aufgrund der Reaktion ihrer Umwelt unwohl fühlen sollte, muss sie sich verschleiern. Sie muss dabei an ihre [göttliche] Belohnung denken.”, bei: ifi Institut für Islamfragen, 20.02.2010

http://www.islaminstitut.de/Anzeigen-von-Fatawa.43+M546f51abd88.0.html

(17) »Tawhid Ikhlas« Der Shirk der Wahlen. Der Shirk des Urteilsgesuchs bei einem Kufr-Gericht. Der Kufr der Loyalitätserklärung.

»Der Shirk der Wahlen«

http://tawhidikhlas.info/index.php/2010/03/28/der-shirk-der-wahlen

»Der Shirk des Urteilsgesuchs bei einem Kufr-Gericht«

http://tawhidikhlas.info/index.php/2010/04/11/der-shirk-des-urteilgesuchs-bei-einem-kufr-gericht

»Der Kufr der Loyalitätserklärung«

http://tawhidikhlas.info/index.php/2010/04/02/der-kufr-der-loyalitaetserklaerung

(18) Mönchengladbacher Schariafreunde wollen Kleinkinder segregierend beeinflussen, YouTube: »Masjid As Sunnah Mönchengladbach – Erster muslimischer Kindergarten«

http://www.youtube.com/watch?v=hUIJobnAROs

(19) WELT-online vom 12.12.2009 » Schweizer Grenzer weisen Islamprediger Vogel ab« – “Der Versuch, nachts die Grenze zu überqueren, scheiterte an den Schweizer Grenzbeamten. … Vogel wollte nach Behördenangaben in Begleitung mehrerer Personen am Autobahnzoll Weil am Rhein in die Schweiz einreisen. Der 31-jährige … predigt vor allem vor jüngeren Leuten, die er ebenfalls zum Übertritt auffordert. Er tritt unter anderem für das islamische Recht, die Scharia, ein.”

http://www.welt.de/politik/deutschland/article5507657/Schweizer-Grenzer-weisen-Islamprediger-Vogel-ab.html

(20) Wiesbadener Kurier vom 27.01.2010 – »Stadt Wiesbaden verteidigt Integrationsvereinbarung – Moschee lädt Prediger aus«

http://www.wiesbadener-kurier.de/region/wiesbaden/meldungen/8294320.htm

(21) General-Anzeiger vom 20.02.2010 – Dagmar Blesel: »Keine Predigt im Brückenforum« – Der nicht unumstrittene Prediger Pierre Vogel, der 2001 zum Islam konvertiert ist, darf nicht im Brückenforum sprechen.

http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=702565

Brigitte Brouns

Gleichstellungsstelle der Stadt Mönchengladbach

Sehr geehrte Frau Schmidt,

ich bedanke mich für Ihren Offenen Brief, den sie mir in meiner Funktion als Gleichstellungsbeauftragte zugesandt haben. Ihre Besorgnis zur Einstellung des Vereins „Einladung zum Paradies“ Frauen gegenüber der dem Art. 3 GG widerspricht, teile ich. Dies ist auch ein Grund für die Aktivitäten des Verfassungsschutzes. Der Presse von heute ist zu entnehmen, dass die Landtagsabgeordneten aus Mönchengladbach das Thema unter dem Aspekt des „verfassungsfeindliches Handeln“ in den Landtag einbringen wollen. Sollte es gelingen, würde eine große Öffentlichkeit mit dem Ziel der Aufklärung erreicht und ggf. mit der Verpflichtung des politischen Handelns.

Innerhalb der Stadt Mönchengladbach steht die Gleichstellungsstelle in einem Austausch mit den zuständigen Stellen und hat insbesonders dem gesetzlichen Auftrag die Benachteiligung von Frauen zu verhindern im Blick.

Den Ausführungen entnehmen Sie, dass die Gleichstellungsstelle versucht die Inhalte der Veranstaltung vom 02.10.09 „Frauen in Mönchengladbach…. gesund* abgesichert * interkulturell * gewaltfrei * Leben!“ auch im Arbeitsalltag umzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Brigitte Brouns, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Mönchengladbach

Gabi Schmidt, Mönchengladbach, 22.08.2010

Sehr geehrte Frau Brouns,

vielen Dank für Ihre Antwort auf meinen offenen Brief vom 13.08.2010.

Den Umzug der so genannten Islamschule nach Mönchengladbach in den Landtag einzubringen, um zu erfragen, welche Informationen der Landesregierung über Bestrebungen, Lehrinhalte sowie Ziele der fusionierten Vereine Masjid as-Sunnah und Einladung zum Paradies vorliegen, befürworten und unterstützen sicherlich viele Bürger als ersten Schritt in die richtige Richtung.

Doch Ihrer Ansicht, dass mit der vorgesehenen Aussprache im Plenum eine große Öffentlichkeit mit dem Ziel der Aufklärung erreicht und die Regierung gegebenenfalls zu politischem Handeln verpflichtet werde, schließt sich die Mehrheit der Mönchengladbacher nicht an, dessen bin ich mir sicher. Ob es den Abgeordneten überhaupt gelingt, die Aktivitäten der Gruppe auf die Tagesordnung des Landtags zu setzen, ist fraglich und auch an der bisher praktizierten Hinterzimmerpolitik seitens der Mönchengladbacher Stadtverwaltung und des Landtags wird sich so schnell nichts ändern. Kein Informationskrümel wird ohne massiven politischen Druck durch die Bevölkerung an die Öffentlichkeit dringen. Funktionsträger aus Politik, Sozialarbeit und Kirche sowie Einzelpersonen ohne exponierte soziale Rolle sollten nun eng zusammenarbeiten, damit jeder seinen Anteil dazu beitragen kann, die offene Gesellschaft und unser Recht auf Information zu verteidigen und einzufordern.

Mit der Initiative der Mönchengladbacher Abgeordneten, der geplanten Diskussion über den Verein und seine so genannte Schule unter dem Aspekt des verfassungswidrigen Handelns und der vagen Andeutung zur politischen Handlungsverpflichtung der Landesregierung geben sich die Menschen nicht zufrieden. Nicht nur die Eickener sind über die Geheimniskrämerei der Verwaltung bezüglich der gegenwärtigen und zukünftigen Baupläne des Vereins Einladung zum Paradies sehr aufgebracht. Wähler haben ein Recht darauf zu erfahren, warum der Verfassungsschutz sich mit Nachbarn beschäftigt, mit denen sie Tür an Tür leben müssen. Die Demonstranten fragen nach Informationsmaterial, Beratungsangeboten, Ausstiegsprogrammen und wollen wissen, ob die fundamentalistische Organisation um Sven Lau, Pierre Vogel und Mohammed Ciftci, die beispielsweise so offensichtlich gegen die Grundsätze der negativen Religionsfreiheit und die Gleichstellung und Gleichbehandlung von Frau und Mann verstößt, einen Kindergarten eröffnen und Jugendarbeit betreiben darf.

Am Montagabend, dem 16.08.2010, trafen sich bis zu 300 Bürger auf dem Eickener Marktplatz, um für unseren säkularen, freiheitlich demokratischen Rechtsstaat und universelle Menschenrechte zu demonstrieren. Dazu gehört auch, über Ereignisse und Entwicklungen, die sich auf unseren Alltag auswirken, aufgeklärt zu werden. Unsere Bürger und Nachbarn sowie unsere Kinder und Jugendlichen haben einen Rechtsanspruch auf Schutz vor Extremismus und dessen Folgen, um welche Variante von Radikalismus es sich auch immer handeln mag. Unsere Lebensqualität, unsere soziale, ökonomische und körperliche Sicherheit sowie die Lern- und Entwicklungschancen unserer jungen Menschen sollten im Mittelpunkt der Bemühungen unserer politischen Vertreter stehen, unabhängig von Religion oder Weltanschauung, Ethnie oder Herkunft, Deutschstämmigkeit, Einbürgerung oder ausländischer Staatsbürgerschaft, Geschlecht oder sexueller Orientierung.

Die Verfassung gilt für alle in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Menschen. Eine Untergliederung in ethnoreligiöse Kollektive nach indonesischem oder leider auch griechischem Vorbild, eine Rechtsspaltung in Grundgesetz und Scharia, lehnen die Mönchengladbacher ab. Die Auswirkungen dieser fundamentalistisch-islamistischen Strömung auf die offene Gesellschaft, ihre antidemokratischen und antiemanzipatorischen politischen Ziele, ihre Lebensführungsdiktatur und tödliche Bedrohung für alle Abweichler unterschätzt der Integrationsminister offensichtlich gewaltig, sein unpassender, faktenferner Vergleich „Die Salafisten haben aber mit dem Islam so viel zu tun wie die Moonsekte mit dem Christentum“ beweist bestenfalls die Uninformiertheit des Fachministers. Auf eine derartige „Aufklärung“ kann Nordrhein-Westfalens Bevölkerung verzichten.

Dem Bericht des Verfassungsschutzes NRW von Juli 2009 ist eindeutig zu entnehmen, dass die Bewegung der Salafiyya (und der Wahhabiyya) ihren gesamten Alltag striktestens nach dem Propheten Mohammed (Muhammad) und ‘den frommen Altvorderen der ersten drei Generationen‘ sowie nach Koran und Sunna (Scharia (1)) ausrichtet. Die Anhängerinnen und Anhänger dieser Glaubensrichtung praktizieren somit den Ur-Islam, dessen Leitlinien sich nach salafistischer Auffassung auch heute noch jeder Muslim bedingungslos zu unterwerfen hat. Jede andere Interpretation ist dementsprechend eine Verfälschung der reinen, wahren Lehre, Demokratie und Gleichberechtigung sind deshalb nicht zu tolerierender Kufr (Unglauben (2)).

Muhammed Ciftci ist 1973 in Braunschweig als Sohn eines hohen Milli Görüs Funktionärs geboren worden. Von 1992 bis 1994 war er im bosnischen Bürgerkriegsgebiet als Sozialarbeiter der IHH tätig. Diese islamistische Organisation wurde am 12. Juli 2010 von Bundesinnenminister de Maizière verboten (3), weil sie in großem Stil als humanitäre Hilfe deklarierte Spendengelder entweder direkt an die Hamas überwiesen oder aber mit diesem Geld weitere antisemitische Gruppierungen unterstützt hatte, die mit der international agierenden palästinensischen, aus der Muslimbruderschaft hervorgegangenen Terrororganisation zusammenarbeiteten, um ihren gemeinsamen Erzfeind Israel zu vernichten (4). Entscheidungsbefugt für die Lenkung der Finanzströme waren ehemalige bzw. im Amt befindliche Funktionäre der islamistischen Organisation Milli Görüs (IGMG), der vom Verfassungsschutz beobachteten Vereinigung, in der auch Ciftcis Vater eine leitende Position inne hatte.

Die engen persönlichen Beziehungen zu dieser international agierenden, einflussreichsten türkischen Bewegung des politischen Islam sind deshalb interessant, weil der Braunschweiger Deutschtürke an der Islam-Universität in Medina die Rechtswissenschaften von Scharia und Fiqh studierte und von mehreren hochgeachteten Scheichs eine Lehrbefugnis erteilt bekam. Ciftci ist damit eine Autorität der hanafitisch geprägten Madhhab, der am weitesten verbreiteten Rechtsschule, der heute knapp 45 % der Sunniten weltweit angehören und nach der sich auch die meisten Deutschtürken in der BRD orientieren (5).

Der Scheich und sein umstrittenes „Lehrinstitut“ ist daher kein Eickener und auch kein Mönchengladbacher Problem. Bei den Dawa-Tourneen des Predigers erleichtert ihm der deutsch-türkische Migrationshintergrund als Landsmann, Glaubensbruder und Muttersprachler den Zugang zur größten Gruppe muslimisch sozialisierter Zuwanderer in der BRD. Der taktisch und logistisch klug gewählte Sitz der „Schule“ im deutsch-niederländisch Grenzgebiet ist für die muslimisch geprägten Bevölkerungsgruppen aus den Niederlanden und Belgien, meist Zuwanderinnen und Zuwanderer aus Marokko, Indonesien und der Türkei, leicht zu erreichen. Das Online-Fernstudium, das Abu Anas, wie sich der Mönchengladbacher Neuzugang auch nennt, bietet dem zertifizierten Gelehrten die Möglichkeit, ohne großen Zeitverlust und Energieaufwand einfach per Mouseclick weltweit Millionen Schüler zu erreichen. Diesen Sachverhalt gilt es vor allem wegen der über 350.000.000 hanafitisch geprägten Menschen zu bedenken, die einem durch mehrere anerkannte saudische Gelehrte ausgezeichneten Scheich (Lehrbefugnis) ihrer Rechtsschule absoluten Gehorsam schulden. Wie Sie diesen Ausführungen entnehmen, ist Eicken, ist Mönchengladbach überall, Ciftcis Einfluss ist nicht lokal, sondern international.

Nachdem Sie uns darüber informiert haben, was die Mönchengladbacher Landtagsabgeordneten (männlich) zu unternehmen gedenken, um ihrem Mandat entsprechend, die Interessen ihrer Wähler zu vertreten, fragen wir Sie erneut, sehr geehrte Frau Brouns, wie Sie und Ihre Dienststelle dem gesetzlichen Auftrag nachkommen wollen, dafür Sorge zu tragen, dass alle Frauen und Mädchen in Mönchengladbach, auch die Salafistinnen, gleiche Partizipations- und Entwicklungschancen haben und gesund, abgesichert, interkulturell und gewaltfrei leben dürfen (6).

Menschenrechte, Frauenrechte sind universell, unteilbar, unverhandelbar und ewig. Für das Frauenwahlrecht, die Zulassung zu Beruf, Studium und Geschlechtergerechtigkeit, kämpfen Frauenrechtlerinnen bis heute. Der Zivilcourage und dem Durchsetzungsvermögen von Helene Weber, Elisabeth Selbert, Frieda Nadig und Helene Wessel verdanken wir den Grundsatz im Art. 3 GG: Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Welche Maßnahmen will die Gleichstellungsstelle ergreifen, um dieses Prinzip, an das so viele Rechte und Zukunftschancen geknüpft sind, nicht durch fundamentalistische Strömungen aushöhlen zu lassen? Gibt es entsprechende Konzepte oder Projekte? In welchem zeitlichen Rhythmus findet der von Ihnen erwähnte Austausch mit involvierten Stellen der Stadt Mönchengladbach statt, welche Ämter und Institutionen sind beteiligt? Mit welchen innerstädtischen und auswärtigen frauenspezifischen Organisationen ist die Gleichstellungsstelle Mönchengladbach vernetzt?

Haben Sie eine Stellungnahme zur Organisation Einladung zum Paradies / Islamschule verfasst, die sich besonders mit dem korantreuen Frauenbild auseinandersetzt? Werden Sie als Leiterin Ihrer Dienststelle die Landespolitiker dabei unterstützten, eine Anfrage „verfassungsfeindliches Handeln“ in das Landesparlament einzubringen, beispielsweise indem Sie auf die ohnehin schwierige ökonomische und soziale Lebenslage von Frauen in unserer Stadt durch entsprechendes Informationsmaterial hinweisen? Haben Sie beispielsweise am Montag, dem 16.08.2010, am Protest der Bürger auf dem Eickener Marktplatz teilgenommen, die nicht zuletzt für die Rechte aller Frauen auf die Straße gegangen sind und haben Sie dort mit Betroffenen gesprochen? Kennen Sie ihre Sorgen? Wären Sie bereit, mit der sich gründenden Bürgerinitiative über die frauenpolitisch relevanten Aspekte des fundamentalistischen Islam zu diskutieren?

Mit freundlichen Grüßen

Gabi Schmidt, Sozialpädagogin und Gleichheitsfeministin

(1) Christine Schirrmacher: »Frauen unter der Scharia«, bei: Bundeszentrale für politische Bilödung (BpB)

http://www.bpb.de/publikationen/VWBAUH,0,Frauen_unter_der_Scharia.html

(2) At-Tawhid wal-Ikhlas: Der Kufr der Loyalitätserklärung

http://tawhidikhlas.info/index.php/2010/04/02/der-kufr-der-loyalitaetserklaerung

„Wer sich zur der ‘freiheitlich demokratischen Grundordnung‘ des Grundgesetzes (was ihr Tāghūt ist) bekennt (wie unter 2.1), erklärt damit, dass er das Grundgesetz der Demokratie als für sich legitim und rechtmäßig ansieht, was klarer Kufr ist. Denn sich zu einem anderen Gesetz als das Allāhs zu bekennen, ist Shirk bi-Allāh, Beigesellung, Verstoß gegen das Prinzip des Eingottglaubens im Islam …“.

(3) Bundesinnenminister Dr. de Maizière verbietet Hamas Spendenverein. Pressemitteilung vom Bundesministerium des Innern (BMI), 12.07.2010

http://www.pressrelations.de/new/standard/result_main.cfm?aktion=jour_pm&r=417592

(4) Hamas (Ḥarakat al-muqāwamat al-islāmiyya, Islamische Widerstandsbewegung)

http://de.wikipedia.org/wiki/Hamas

(5) »Kurzbiographie von Muhammed Seyfudin Çiftçi Abu Anas«

http://www.abuanas.de/index.php/biographie.html

…Im Rahmen seines Studiums fertigte er in Arabischer Sprache Ausarbeitungen in den Fächern Fiqh nach der Madhab Hanafia, in Usul Fiqh al Qiyas sowie in Qada, dem islamischen Rechtssystem an.

(6) »Das fordern die Mönchengladbacher Salafisten von Ehefrauen«, Rheinische Post, August 2010

http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/Das-fordern-die-Moenchengladbacher-Salafisten-von-Ehefrauen_bid_57442.html

189. Islamschule: Eicken protestierte

22. August 2010

Nachbetrachtung zur Demonstration am 16.08.2010 im Mönchengladbacher Ortsteil Eicken

Mein Name ist Gabi Schmidt, ich bin als Sozialpädagogin in der Lern- und Sprachförderung tätig und nicht nur aus beruflichen Gründen am Thema Integration sehr interessiert. Von Beginn an hatten mein Kollege Edward von Roy und ich uns deshalb am Protest der Eickener Bürger beteiligt, wir sind die Autoren der offenen Briefe an Oberbürgermeister Norbert Bude und an die Gleichstellungsbeauftragte Brigitte Brouns. Ich hatte auch die Demonstration am 16. August bei der Polizei angemeldet. Auf Wunsch einiger Eickener sowie in Absprache mit der Polizei haben wir dabei bewusst auf einen Programmablauf verzichtet. Ziel war es, den Bürgern einen geschützten öffentlichen Raum der Begegnung anbieten zu können. Wir hatten nur sicherheitshalber den Zeitrahmen auf zwei Stunden festgelegt, um das „Hausrecht“ ausüben zu können und den Marktplatz nötigenfalls von Störenfrieden frei zu halten. Der befürchteten Inbeschlagnahme des Themas durch Extremisten jeder politischen Richtung wollten wir durch den Verzicht auf Plakate bzw. das Verteilen von Flyern entgegenwirken. Mit 50 Personen wurde auch seitens der Polizei gerechnet, zumal keine Einladungen ausgesprochen waren.

Wir waren zwei Stunden eher da und sahen, wie der Marktplatz sich mit Gesprächssuchenden, Journalisten und Polizeikräften zu füllen begann. Herr von Roy und ich mischten uns unter die ca. 300 bunt zusammengewürfelten Teilnehmer und beteiligten uns an den Diskussionen mit Frauen und Männern unterschiedlichsten Alters, mit Anwohnern und Besuchern aus den Nachbarstädten Krefeld, Neuss und Düsseldorf. Einige Demonstranten waren Mitglieder in Parteien, andere politisch ungebunden. Auch zu den teils sehr jungen Vertretern der Antifa, die anfangs durch Sprechchöre, Plakate und Spruchbänder auf sich aufmerksam zu machen versuchten, hatte ich sehr guten Kontakt. Irgendwann räumten sie ihre Utensilien, die eigentlich nicht zugelassen waren, ein und beteiligten sich ebenfalls lebhaft an den Debatten mit den Teilnehmern des Protests.

Es trafen sich auf dem Platz Bürger unterschiedlicher Weltanschauungen und Herkunft, darunter auch besorgte muslimisch geprägte Familien, die gut in die offene Gesellschaft integriert sind und die von den Salafisten propagierte Abschottung von den „Nichtmuslimen“ kritisieren. Selbst Menschen, die sich vorher nicht kannten, tauschten sich miteinander über die menschenverachtende, speziell frauenverachtende islamistische Gruppe und ihre Lehrmeinungen aus und erörterten die Folgen eines salafistisch ausgerichteten so genannten Fernstudiums. Eine dröhnende Stimme am Megaphon oder die berüchtigte Hintergrundmusik hätten diese intensive Kommunikation verhindert.

Während der ganzen Veranstaltung, die meisten hielten die vollen zwei Stunden durch, blieben die Gespräche friedlich, wenn auch teilweise engagiert, kontrovers und lautstark argumentiert wurde. Sogar Muhammed Ciftci, der Leiter des geplanten Instituts und einige seiner salafistischen Gefolgsleute waren an den Versammlungsort gekommen, um sich als „die Muslime“ darzustellen und „Einladungen“ auszusprechen. Einige Demonstranten nutzten mutig die Chance, die Salafisten direkt anzusprechen oder ihnen zuzuhören, um sich ein authentisches Bild zu machen. Hitzige Streitgespräche entbrannten, bei denen den Fundamentalisten offenbar hin und wieder die Argumente ausgingen. Dass die gut informierten Kritikerinnen und Kritiker dann lautstark und unsachlich als Nazis beschimpft wurden, kam in der Bevölkerung sehr schlecht an. Auch dass bei der Gruppe der Extremisten Frauen völlig fehlten, fiel sehr negativ auf.

Wie beim Auftritt der NPD am Samstag vorher, wo die ebenfalls unter Beobachtung stehenden Rechtsradikalen sich vergeblich als Retter vor einer „islamischen Überfremdung der Heimat“ präsentieren wollten, haben die auf dem Marktplatz versammelten Menschen unter Beweis gestellt, Mönchengladbach ist tolerant und offen, solange nicht mutmaßliche Verfassungsfeinde die Rahmenbedingungen des Grundgesetzes ausweiten und für ihre Ideologie legalistisch aushöhlen.

Die Demonstration war ein Musterbeispiel politischer Teilhabe und gelungener demokratischer Streitkultur. An diesem Montagabend hatten Bürger die Gelegenheit wahrgenommen, sich über den vom Verfassungsschutz beobachteten Verein zu informieren, ihre Bedenken vorzubringen, Standpunkte zu diskutieren, Telefonnummern und E-Mails auszutauschen, um sich solidarisch in ihrem Protest zu unterstützen und zu organisieren. Vielfach wurde der Wunsch nach weiteren Veranstaltungen an mich herangetragen, eine Initiative wird gegründet werden. Hier wurde deutlich: Wir sind das Volk, von dem alle Macht im Staate ausgeht. Von der viel beklagten Politikverdrossenheit keine Spur.

Eine gelungene Werbeveranstaltung für die Stadt, ihre Bürgerinnen und Bürger sowie unseren säkularen, freiheitlich demokratischen Rechtsstaat. Nun hat, wer die Medienberichte verfolgt und die lokalpolitischen Ereignisse beobachtet hatte, begriffen: Mönchengladbacher sind keine Extremisten und mögen keine Radikalen.

Gabi Schmidt, Sozialpädagogin, 19.08.2010

188. Sayyid Qutb: Social Justice in Islam

20. August 2010

العدالة

al-ʿadāla

Gerechtigkeit

Erde und Himmel in einem einzigen System. So wacht endlich auf!

Zur Abhandlung »Al-ʿadāla al-iǧtimāʿīya fi l-islām« (1949) des Sayyid Quṭb wird die auszugsweise Übertragung der englischen Fassung »Social Justice in Islam« (1953) ins Deutsche herangezogen. Deutsche Fassung und Kommentare von Jacques Auvergne.

Vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs veröffentlichte Sayyid Quṭb (1) sein »Al-ʿadāla al-iǧtimāʿīya fi l-islām (2)« als das arabische Original des späteren englischen »Social Justice in Islam«. Mindestens sieben textlich etwas voneinander abweichende arabische Auflagen des neben »Milestones« vielleicht bekanntesten Werkes des Theoretikers der 1928 gegründeten Muslimbruderschaft (MB) folgten rasch. John B. Hardie erarbeitete 1953, nur vier Jahre nach dem Erstdruck, eine Übertragung ins Englische, die Hamid Algar (1999 bei Islamic Publications International) nachbearbeitete und die wir für unsere Betrachtung heranziehen (3).

19. In Ägypten und überhaupt in der muslimischen Welt vernachlässigen wir unsere ureigenen Quellen und unser eigenes geistiges Erbe, um stattdessen dem Import fremder Bräuche und Gesetze den Vorzug zu geben. Wir müssen nur ein wenig die Augen aufmachen, um zu erkennen, in welchem miserablen Zustand unsere gegenwärtige soziale Lage ist: Ganz offensichtlich haben unsere gesellschaftlichen Parameter keinen Bezug zur Gerechtigkeit.

Der „Westen“, die kulturelle Moderne, sei wurmstichig, der Islam makellos. Den Islam gelte es nur noch konsequent anzuwenden, um optimale soziale Gerechtigkeit zu verwirklichen. Etwas zu großzügig überblickt der Ägypter die Menschheitsgeschichte:

23. Dann aber hat es Gott gefallen, das Christentum die Ozeane überqueren zu lassen, alle Erhabenheit und Reinheit und Weltverneinung mit sich tragend. Dort traf es auf die Römer, die Erben der heidnischen und materialistischen griechischen Kultur, und ebenso auf die Völker der abgelegenen Teile Europas, was den ersten Kontakt zur barbarischen Welt darstellte.

Allahgott hat den Europäern bzw. Christen eine faire Chance gegeben, den Weg zur wahren Religion zu finden. Konvertiten wie Murad Wilfried Hofmann (* 1931 im unterfränkischen Aschaffenburg) oder Pierre Vogel (* 1978 im rheinischen Frechen) dürfen sich, Allahs christlicherseits missverstandenes Erbe in Europa verwaltend, als Lichtbringer in den europäischen Gefilden der Barbarei fühlen. Etliche Konvertiten zum Islam behaupten, nicht etwa antichristlich, sondern konsequent jesuanisch zu empfinden, Jesus (ʿĪsā) sei als „Hanif“ (ḥanīf, ḥunafāʾ vorislamischer Monotheist) gewissermaßen ein Muslim, in jedem Falle ein nabī (Prophet) und rasūl (Gottesgesandter), der auf den kosmisch letzten Verkünder und Gesandten hinweist, auf Muḥammad, den Stifter der einzig sittlich zu nennenden menschlichen Lebenweise, des Islam.

Nur der Koran verstehe den Nazarener korrekt. Muḥammad wurde, anders als ʿĪsā bin Maryam (Jesus von Nazareth), von Allāh ein besonderes Privileg eingeräumt, nämlich „fī s-sabīl Allāh“ zu schreiten, auf dem Wege Gottes, das bedeutet zumeist, den ǧihād zu praktizieren, zu töten. Theologisch korrekt ist, christlich wie islamisch, dass Jesus auch aus religiösen oder gottesdienstlichen Gründen nicht morden durfte.

23. Das Christentum, dieser selbstlose, selbstverleugnende Glaube.

Dem zauberkräftigen, er könne jederzeit geformte Tonerde in einen lebendigen Vogel verwandeln (Koran 3:49 (4)) Ankündiger des Islam sechs Jahrhunderte vor Mohammed war die Askese auferlegt, erst Mohammed war der berufene Genießer.

24. Europa war nie wirklich christlich. Folgerichtig blieb die christliche Religion vom Geschäftsleben und Alltagsbrauchtum abgespalten.

Das Christentum sei wesensgemäß dürftig und blutleer, erst der Islam bringe der Menschheit die herrschaftliche Macht. Mit dem Medinastaat setzt sich die Gottheit für die gesamte Menschheit gleichsam als Regent ein und nimmt gewissermaßen Platz wie auf einem Thron (vgl. āyatu l-kursī, „Thronvers“, das ist Koran 2:255), die Kalifen herrschen stellvertretend für den wahren König des Weltalls: „Allah hat das Königreich inne über die Himmel und die Erde“ (42:49), „To God belongs the Kingdom of the heavens and the earth (5).“ Das Streben nach der Fülle des Lebens berechtigt, nein, verpflichtet jeden Gläubigen zur allahkratischen Seinsweise (ḫilāfa islāmīya, Kalifat), zur möglichst vollkommenen Umsetzung von Scharia und Fiqh, zur Einziehung der Sozialabgabe (zakāh) und bedarfsweise eben auch zur Tötung des Apostaten oder sonstigen Straftäters. Eine kapitalistische oder marxistische Versuchung besteht für den Allahbewussten nicht:

24, 25. In Europa sah die Kirche mit dem Werkzeug der Inquisition ihre Aufgabe darin, jeden Gegner umzubringen oder zu verbrennen. Seit dieser Zeit ist die Kirche ein erbitterter Feind des freien Geistes. Die Kirche beschränkte sich also keineswegs auf den rein spirituellen Bereich, was ihre ureigene, wahrhaftig christliche Sphäre und Aufgabe gewesen wäre. … Schlussendlich formten die heimlich zum Lager der Kapitalisten übergelaufenen Kirchenmänner ihre Ideologie zu einem Opiat, um die Massen der Arbeiter gefügig zu halten.

26. Doch was hat das alles mit uns zu tun? Die Bedingungen der Geschichte und das Wesen und die Natur des Islam haben mit all diesen Dingen [christliche Askese, europäisches Mittelalter, Kapitalismus, Materialismus, Kommunismus] nichts zu tun. … Der Islam wählte den Weg, Erde und Himmel in einem einzigen System zu vereinigen, einem Staatswesen, das sowohl im Herzen des Individuums als auch im gesellschaftlichen Alltag präsent ist, ein Vorhaben, das keine Spaltung zwischen muslimischer Religionspraxis und religiöser islamischer Intention zulässt.

Es gelte, Himmel und Erde zur korantreuen Diktatur zu versöhnen. Paradiesischer Faschismus im Namen der übermäßig strapazierten Religionsfreiheit.

30. Damit ist klar, dass es im Islam keine Unterscheidung zwischen Glaube und Welt geben kann oder, wie es im frühen Christentum der Fall war, zwischen Theologie und sozialer Praxis. Des Weiteren kennt der Islam keine Priesterschaft und keine andere vermittelnde Instanz zwischen dem Geschöpf und dem Schöpfer, vielmehr hat jeder Muslim, noch auf dem entferntesten Winkel des Landes oder auf dem abgelegensten Teil der Ozeane, die Fähigkeit, sich ohne einen Priester oder Fürsprecher aus eigener Kraft der Gottheit zu nähern. Die muslimische Herrschaft erlangt ihre Autorität nicht von einem Klerus oder vom Himmel, sondern schlicht durch die muslimische Gemeinschaft selbst. Ganz ähnlich entstammen die Prinzipien der Verwaltung dem religiösen Recht, das in Geist und Verbindlichkeit universell ist und alle Menschen als Gleiche behandelt.

Der Ideengeber der Muslimbrüder stolpert aus dem Lobgesang auf das Kalifat in die politische Lüge, denn das Islamische Recht beruht natürlich auf der Ungleichbehandlung. Andererseits wird im Islam jeder gleich ungleich behandelt, Nichtmuslim und Muslim, und jeder darf bei der Deklassierung der Frau mitmachen, insofern meint die Scharia wirklich jeden von uns und versöhnt den Steiniger mit dem Gesteinigten in unsteigerbarer Harmonie.

Im Namen der Toleranz und der Koexistenz können Millî Görüş, Zentralrat der Muslime und VIKZ weiter an der Integration der Diskriminierung arbeiten. Multikulturelle und Kirchenfürsten jubeln: „Mehr Differenz!“

30. Keineswegs steht der Islam dem Lernen oder dem Lernstoff ablehnend gegenüber, ganz im Gegenteil betrachtet er das Lernen als göttliche und geheiligte Befähigung und als Teil der religiösen Pflichten: „Die Erlangung von Wissen ist Pflicht für jeden Muslim“, wie der Islam fordert, der betont: „Strebe nach Wissen, und müsstest du dazu bis nach China reisen!“ Unsere Religion verheißt: „Demjenigen, der den Pfad des Forschens beschreitet, wird Allah den Pfad ins Paradies leicht machen.“

Alle Erkenntnis hat dabei innerhalb der Grenzen der Scharia zu verbleiben. Wissenschaft hat die Aufgabe, diese von Allahgott gesetzten Grenzen zu bestätigen. Was gegen den Koran verstößt, ist falsches Wissen und darf nicht verbreitet werden. Kopftuchkritik etwa ist völlig falsches Wissen.

67. Und so beleuchtet der Islam die Frage nach der Freiheit in allen Einzelheiten und von allen Seiten und erreicht eine vollständige Emanzipation des Bewusstseins.

Das stimmt, der gründlich durchislamisierte Verstand hat alle Korrelation und Kausalität überwunden, Tatsachen oder Menschenrechte sind für das Bewusstsein einfach kein Problem mehr.

67. Der Islam befasst sich keineswegs ausschließlich mit spirituellen Werten oder ausschließlich mit ökonomischen Werten, sondern betrachtet beides zugleich. Er anerkennt die ganz praktische Wirklichkeit des Daseins ebenso wie das Vermögen der Seele und er ist bestrebt, in der menschlichen Natur die höchsten Wünsche ebenso zu wecken wie die profansten Fähigkeiten. Ohne eine solche umfassende Freiheit vermag sich der Mensch nicht vor der Gewalt der Erniedrigung und Ausbeutung zu schützen und kann seine ihm zustehende Soziale Gerechtigkeit nicht einfordern. Diese Freiheit ist also ein Eckstein für den Aufbau der islamischen Sozialen Gerechtigkeit.

Mit islamischer „Freiheit“ ist das Recht auf religiös begründete Rechtsverschiedenheit gemeint, musliminterner „Eckstein“ ist die Ungleichbehandlung der Frau, die das „Recht“ auf einen Schleier und einen Ehemann hat.

Ein universitärer Fachbereich „islamische Betriebswirtschaft“ oder „islamische Evolutionslehre“ wäre immerhin denkbar, um die freiheitliche Demokratie etwas rascher zu beenden.

90. Die islamische Gemeinschaft ist ein einziger Leib und sie empfindet alles gemeinschaftlich: Was immer einem Mitglied der umma widerfährt, klingt im Bewusstsein aller Muslime nach. Das ist das schöne, lebhafte Lächeln, das der edle Botschafter an den Tag legte, während er sprach: „Das Verbindende der Muslime ist, dass sie einander in Liebe und Barmherzigkeit zugetan sind und in ihrer Beziehung einem einzigen Körper gleichen: Sobald ein Muslim einem Leiden ausgesetzt ist, leiden alle Muslime wie von Fieber geschüttelt und wie von Schlaflosigkeit geplagt.“

Das Geschöpfähnliche oder Belebte, das Organische, das Gleichnis, einen einzigen Körper zu bilden oder einen Baum oder eine Harmonie mit der Weltnatur, mag einen rühren oder begeistern, doch setzt das Denken womöglich aus und wird übersehen, dass jeder Totalitarismus eines rhetorischen Holismus oder Organizismus bedarf, sich als Naturreligion, humane Angemessenheit (eine die Gesundheit befördernde „Ergonomie“), in jedem Fall: sich als menschenfreundlich darstellen muss.

Auch das Dritte Reich stellte sich als naturgewollt und naturgemäß dar, oft mit rassistischen Konzepten („entartete Kunst“, „artfremd“) versehen, gelegentlich ließ es sich als schicksalsgemäß bis gottgewollt erscheinen, Hitler sagte „Vorsehung“.

Glaubt man der römischen Legende, verglich Agrippa Menenius Lanatus im Jahre 494 v. Chr. die angebliche Natürlichkeit und Angemessenheit des staatstragenden, etwas entrechteten Plebejertums und herrschaftlichen Patriziertums mit Hand, Magen und Kopf: Einer muss verdauen und arbeiten, der andere denken und lenken. Auch Medinarepublik und mittelalterliches Kalifat sind Halbsklavenhalter- (Dhimmis) und Sklavenhaltergesellschaften zur Ehre Allahs. Die Sklaverei ist im nicht reformierbaren Islam theologisch keineswegs aufgehoben und wird beispielsweise im Sudan und in Mauretanien an den dunkelhäutigeren Bevölkerungsgruppen praktiziert. Philippinische Gastarbeiter in den Golfstaaten oder iranische bzw. ägyptische Bahá’´í leben bisweilen faktisch versklavt.

91. Die islamische Bestrafung für Ehebruch ist schwerwiegend, denn er ist ein Angriff auf das Ehrenwerte und ein Verächtlichmachen des Heiligen und eine Ermutigung der gesellschaftlichen Schamlosigkeit und Unmoral.

Interreligiös verglichen legt der Islam eine seltsame Sexualpanik an den Tag, die dem angeblich keuschen Obszönisieren der Kinder und Frauen dient, natürlich nur zum Zwecke der gründlicheren Kontrolle auf sexuelles und politisches Wohlverhalten. Doktrinäre und totalitäre Sexualmagie und Schuldgefühlerweckung erzeugt ein zur Endlosigkeit gestaffeltes System von Double-Bind-Situationen, ein Gestrüpp der Unerfüllbarkeiten, bei dem jeder Verhaltensfehler in die ewige Verdammnis führen kann. Das der Scharia unterworfene Individuum wird einerseits planmäßig desorientiert und muss den Schariawissenschaftler (ʿālim, Pl. ʿulamāʾ) oder Fiqh-konformen Rechtsgutachtenersteller (muftī, türk. müftü) um Auskunft fragen, andererseits hat es selbst im Sinne der islamstaatlichen oder auf den Islamstaat hinarbeitenden ḥisba religionspolizeilich tätig zu werden, soweit das in seinen Kräften liegt.

91. Eine Bestrafung von achtzig Peitschenhieben ist für denjenigen festgelegt, der eine Frau fälschlicherweise des Ehebruchs bezichtigt. … In so einem Fall ist der Straftatbestand der Bezichtigung genau so schwer zu ahnden wie derjenige der Unmoral, denn er stellt einen Angriff auf den Ruf und die Ehre dar, ein Entzünden des Hassgefühls und der Verbitterung und ein Verbreiten der Boshaftigkeit.

Koran 24:4 (If you accuse an honorable women of adultery, be sure to bring four witness. Otherwise you will receive 80 lashes (6)), Quṭb mahnt zur wortgetreuen Umsetzung des göttlichen Befehls.

Die Muslimbruderschaft hat den Islam keineswegs falsch verstanden.

91. Die Bestrafung für Dienstahl ist ähnlich streng, denn er stellt einen Angriff gegen das menschliche Empfinden für Sicherheit und wechselseitiges Vertrauen dar und ist mit einem Abtrennen einer Hand zu belegen, im Wiederholungsfall ist die zweite Hand abzuschneiden, beim dritten Mal ein Fuß, beim vierten Mal der andere Fuß. Es gibt heute einige Menschen, die derlei Strafen für ein Eigentumsdelikt erschreckend finden, aber der Islam betrachtet diese Angelegenheit vom Standpunkt des Schutzes, der Sicherheit und der gesellschaftlichen Stabilität aus.

Sayyid Quṭb wiederholt lediglich, was gute dreizehn Jahrhunderte eher vom Himmel eingeflüstert und von den Menschen aufgeschrieben worden ist, siehe 5:42 in Allahs Notizbuch: „Richtest du aber, so richte in Gerechtigkeit“ (hier eingebettet in die moderne missionarische Abhandlung »Gerechtigkeit im Islam«, Riad 2008 (7)).

113. Eine Abhandlung über soziale Gerechtigkeit im Islam muss notwendigerweise eine Betrachtung der islamischen politischen Theorie beinhalten, … die alle Aspekte des Lebens umfassen muss und alle Arten von Anstrengung, die aber auch sowohl die spirituellen wie die materiellen Werte beziehungsweise Güter einschließen muss, denn diese sind unlöslich miteinander verwoben. Mit all diesem hat die politische Theorie des Islam zu tun, umso mehr, als dass es letzten Endes um die Implementierung des Religiösen Rechts geht, das sich der Gesellschaft in jeder Hinsicht widmet, um soziale Gerechtigkeit und Ausgewogenheit sicherzustellen und um Wohlstand und Wohlergehen zu verbreiten, soweit sich dieses im Einklang mit den Grenzen der vom Islam akzeptierten Prinzipien befindet. …

Kein Faschismus ohne die Rhetorik der Harmonie. Eine islamische Führerschaft und Richterschaft ergibt sich aus den „religiösen Gesetzen“ wie von selbst, totale „spirituelle“ Überwachung und absoluter heilssichernder Gehorsam bauen den Islamstaat. Der Ruf nach dem wahres Glück bringenden Totalitarismus, der fromme Schrei nach praktizierter Erniedrigung der Frauen und Frevler wird wiederholt:

113. Eine der Hürden beim Verstehen und Erlernen des Islam besteht darin, zu erkennen, dass alle Anordnungen und Dimensionen ein Ganzes bilden, keine religiöse Anweisung kann ohne die andere verstanden werden. Denn diese Religion ist in ihrer Essenz Einheitlichkeit, Gottesdienst und Alltagsarbeit, politische und ökonomische Theorie, rechtliches Erfordernis und geistliche Erbauung, Frömmigkeit und Wohlverhalten, diese Welt und die kommende Welt, sie alle sind Teile eines wohlverstandenen Ganzen.

Über die „Essenz“ wird, unter Verschweigung der Nebenwirkungen, in Deutschland mittlerweile viel Geraune hörbar, etwa bei Kalifatsfreund und Ex-Botschafter Murad Wilfried Hofmann als der 2009 in Dubai gekürten Islamic Personality of the Year (8). Hofmann:

„Es gibt ein Leben nach dem Tod. Sinn der menschlichen Existenz ist die Erkenntnis und das Lob Gottes. Wer sich Gott ganz hingibt, ist Muslim – so wie schon Abraham und wie Moses und Jesus. Jeder ist nur für sich selbst verantwortlich. (Es gibt keine Erbsünde.) Das Verhalten des Menschen entscheidet über sein Schicksal im Jenseits. Muhammad hatte als Prophet die Aufgabe, diese Wahrheiten in Erinnerung zu rufen und damit die Verformungen zu korrigieren, die es im Judentum und Christentum (wegen der Vergötterung von Jesus) zwischenzeitlich gegeben hatte. Insofern ist Muhammad der letzte, das »Siegel« der Propheten (33: 40). Das ist die Essenz der Botschaft des Korans. Wer sie recht bedenkt, versteht, daß der Islam nicht nur die jüngste der monotheistischen Weltreligionen ist, sondern zugleich die älteste – nämlich die unverfälschte Religion Abrahams (9).“

Auch der Stellvertreter Allahs auf iranischer Erde und gottesfürchtige Massenmörder Ayatollah Chamene’i (ʿAlī Ḥoseynī Ḫāmeneʾī) hat dieses zur Führung berechtigende Gespür für die „Essenz“ der einzig anständigen menschlichen Lebensweise:

„Vollständige Beachtung der islamischen Essenz und der islamischen Originalwerke als außerordentlich reiche Quellen für die Anhebung des Niveaus der Humanwissenschaften im Inland und auf Weltebene. Beachtung der religiösen Spiritualität bei der wissenschaftlichen Forschungstätigkeit. … Erforderlichkeit der Moralität der Gesellschaft (10).“

Ein drittes Beispiel für islamische „Essenz“ findet sich unter den schiitischen Mystikern der auf den jemenitischen Eremiten Uwais al-Qaranī (türk. Veysel Karani, Todesjahr 657) zurückgehenden, heute weltweit verbreiteten Shahmaghsoudi-Bewegung (Maktab Tarighat Oveyssi (MTO)), die nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten einigen Zulauf hat. In nicht ganz einwandfreiem Deutsch wird die treulich beibehaltene repressive Sunna und Scharia vom zerfließenden Individuum als allahzentrische Ekstase wahrgenommen und als die dem Lehrmeister zu erbringende Huldigung kultiviert, „Essenz“ oder innerer Sinn (bāṭin) werde dem Praktizierenden erfahrbar:

„Der Lehrer, genannt „Pir“, was „das Licht des Weges“ bedeutet, leitet den Suchenden durch den Prozess der Selbsterkenntnis. Die Lehren von Hazrat Imam Mohammad Bagher, dem fünften Imam der Schiiten, erhellen klar den Weg der Kenntnis für den wahren Suchenden. Er sagt: Der Lehrer, der spirituelle Führer, ist eine reine Essenz, die von Gott an das Herz des Suchenden durch sein göttliches Licht eingeführt werden muss. Durch Reinigung, wird das Licht der Erkenntnis allmählich bezeugt (11).“

Imam Bagher ist Muḥammad ibn ʿAlī al-Bāqir (681-733), Sohn des prophetischen Urenkels Alī bin Ḥusain Zain al-ʿĀbidīn (schiitischer Vierter Imam), Vater des Ǧaʿfar ibn Muḥammad aṣ-Ṣādiq (Sechster Imam).

Genug der dem Islamkritiker oder muslimischen Unkundigen verborgenen Essenz.

Sayyid Quṭb ruft zur Revolte:

261. Unsere Mission ist es, nach einer Erneuerung des Islamischen Lebens zu rufen, nach einem Leben, das vom Geist regiert wird und vom Islamischen Gesetz, das allein die Form von Islam erzeugen kann, die wir heute benötigen, und das mit der authentischen Islamischen Tradition konform ist.

Schariarepublik Ägypten, Schariarepublik Deutschland.

261. Es kann für uns nicht genug sein, dass es den Islam als lebendige Kraft irgendwann einmal in der Vergangenheit gegeben hat, es reicht nicht aus, das er einmal weithin erschallte und eine wohldurchdachte Gesellschaftsform zur Lebzeit des Propheten und im Zeitalter des Kalifats möglich machte. Wir müssen erforschen, was die Ursache für das Abbremsen der Ausbreitung des Islamischen Geistes gewesen ist und warum die Entwicklung der politischen und ökonomischen Theorie des Islam so kurz nach dem Zeitalter Mohammeds zu einem Ende kam.

262. Die heutige so genannte Islamische Gesellschaft ist im eigentlichen Sinne des Wortes nicht islamisch. … Wir urteilen nicht nach dem, was Allah uns offenbart hat, die Grundlage unseres Wirtschaftens ist das platte Nutzendenken. … Wir dulden die Extravaganz und den Luxus, die vom Islam verboten sind. … So lange, wie die Muslimische Gesellschaft dem Islam treu Folge leistete, konnte keinerlei Schwächlichkeit aufkommen und konnte sie den Alltag der Gesamtgesellschaft kontrollieren.

263. Die Ausbreitung des Islamischen Geistes ist niemals ganz gestoppt worden, auch wenn sich das tolerante Kalifat in eine tyrannische Monarchie verwandelt hat. … Vielmehr konnte die Scharia bis in das 19. Jahrhundert als Grundlage des bürgerlichen Rechts in Kraft bleiben, bis wir die französischen Gesetze einführten.

Die heutigen Muslime können sich also beauftragt sehen, die Scharia im Personenstands- und Familienrecht zu verwirklichen, damit Zweitfrau und Kindbraut auch in Europa, Tunesien oder in der Türkei legal möglich werden. Besonders „französisch“ ist die standesamtliche Trauung, die von einem jeden praktizierenden Gläubigen im Sinne der Muslimbruderschaft offensichtlich durch die Imam-Ehe zu ersetzen ist.

270. Wir müssen über den Hass gegen den Islam reden, der aus dem Geist der Kreuzzügler stammt und der in Europa nach wie vor und kaum wahrgenommen wirksam ist.

Jetzt müssen kalifatstreue Islamisten, nichtmuslimische Antiimperialisten und Kirchenfunktionäre die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nur noch so lange und so laut als „europäisch“ oder „westlich“ etikettieren, bis erst die Sozialpädagogen und dann die Politiker glauben, dass die Forderung nach afrikanischer und asiatischer Gleichberechtigung von Mann und Frau als Versuch der erneuten Kolonialisierung zu deuten ist. Unter der Führung von Tariq Ramadan, Mustafa Cerić und Mathias Rohe mag es gelingen, auch in der Europäischen Union ein auf der Scharia beruhendes muslimisches Recht zu integrieren, damit sich die Korantreuen nicht so entfremdet und gedemütigt fühlen. Zwei letzte Zitate:

318. Wir stehen wahrhaftig an einer Weggabelung: Werden wir der Karawane des Westens folgen, die sich als Demokratie bezeichnet, oder werden wir uns der östlichen Karawane anschließen, die im Westen als Kommunismus bekannt ist? Oder werden wir zum Islam zurückkehren und ihm die vollumfängliche Gültigkeit in Alltag, Geistesleben, Forschung, Gesellschaft und Wirtschaft einräumen?

319. Die Bedingungen für unser Anliegen sind günstig, denn zwei große Islamische Gebilde sind geboren worden: Indonesien und Pakistan, und die Arabische Welt erwacht sowohl im Osten wie im Westen. Letztlich wird Allah alle menschlichen Angelegenheiten bestimmen und unsere Pflicht bleibt, Ihm zu vertrauen und den Glauben zu bewahren.

Die Religionsdiktatur zu errichten ist Pflicht für alle charakterlich Aufgeweckten und geistlich Aufgewachten, der muslimische Demokrat ist eine Schlafmütze.

Jacques Auvergne

(1) Sayyid Quṭb, Fotografie. Das Blog »Ketethaya« schreibt wie selbstverständlich Märtyrer (šahīd) Sayyid Quṭb

http://ketethaya.blogspot.com/2010/02/blog-post_19.html

Zu Shahid (šahīd, Pl. šuhadāʾ) erläutert das englische Wikipedia: “Schahid ist ein religiöser islamischer Begriff, der zwar im Ursprung Zeuge bedeutet, doch in der Praxis den Märtyrer meint. It is a religious term in Islam, literally meaning ‘witness’, but practically means a ‘martyr’.”

http://en.wikipedia.org/wiki/Shahid

Sayyid Quṭb, in einer Zeichnung. Auf der Seite »Wuǧūh« (“Portraits”).

http://www.wojouh.com/index.php?action=gallery.details&id=210

(2) Tödliche Eleganz, kalligraphischer Faschismus: Bucheinband: »»Al-ʿadāla al-iǧtimāʿīya fi l-islām«, Sayyid Quṭb

http://www.nessma.com/books/sqotb010/page0001.gif

Gefunden bei den Terrorismusverherrlichern von »Palestine`s Dialogue Forum« (paldf.net)

http://www.nessma.com/books/sqotb010/page0001.gif

(3) »Social Justice in Islam«, Sayyid Qutb (Autor), John B. Hardie (Übersetzer), Hamid Algar (Übersetzer), Taschenbuch: 352 Seiten, Verlag: Islamic Publications International; Auflage: Revised (August 1999), Sprache: Englisch

http://www.amazon.de/Social-Justice-Islam-Sayyid-Qutb/dp/1889999121

(4) Im Koran sagt Jesus über sich selbst, das Tonvogelwunder vollbringen zu können. I fashion for you out of clay the likeness of a bird, and I breathe into it and it is a bird by Allah’s leave.

http://www.islamonline.net/servlet/Satellite?pagename=IslamOnline-English-Ask_Scholar/FatwaE/FatwaE&cid=1119503549308

(5) Mit dem Koran (42:49) von der nordamerikanischen oder europäischen Parallelgesellschaft zur göttlichen Monarchie? To God belongs the Kingdom of the heavens and the earth (Arthur John Arberry). The kingdom of the heavens and earth belongs to Allah (Aisha Bewley).

http://www.islamawakened.com/Quran/42/49/default.htm

(6) Quṭb zitiert den Koran und hält bei falscher Bezichtigung des Ehebruchs achtzig Peitschenhiebe für sozial gerecht. Punkt 25 bei: »Skeptic’s Annotated Quran« in der tabellarischen Übersicht »Women in the Quran«.

http://skepticsannotatedbible.com/quran/women/long.html

(7) Koran 5:42, Richtest du aber, so richte zwischen ihnen in Gerechtigkeit. Aus dem Text: »Gerechtigkeit im Islam« der vom saudi-arabischen Riad (ar-Riyāḍ, „die Gärten“) aus durch die „Cooperative Office for Dawah in Rawdah“ betriebenen Seite »The Religion of Islam« – „Beschreibung: Gerechtigkeit als Grundziel des Islam und ein sittlicher Wert, sowie der Standard der Gerechtigkeit aus der Sicht des Quran.“

http://www.islamreligion.com/de/articles/376/

(8) Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) steht der Muslim Brotherhood nahe und berichtet am 09.09.2009 über sein Ehrenmitglied und Beiratsmitglied: »Beim diesjährigen „Dubai International Holy Quran Award“ wurde der deutsche Muslim, Dr. Wilfried Murad Hofmann zur „Islamic Personality of the year“ erklärt. Die Ehrung ist verbunden mit einem Ehrenpreis in Höhe von umgerechnet 180.000 Euro. An diesem Donnerstag wird Hoffmann die Urkunde aus den Händen Seiner Hoheit, Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum als Vizepräsident und Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate und Herrscher von Dubai, entgegen nehmen.«

http://www.zentralrat.de/13853.php

(9) Da ist sie wieder, die geheimnisvolle islamische “Essenz”, angesichts derer Burka und Steinigung nicht so wichtig sind. Murad Wilfried Hofmann.

http://www.randomhouse.de/content/edition/excerpts/36844.pdf

(10) Es ist Herbst geworden, die oft studentischen Protestierer des Sommers sind eingeschüchtert oder eingesperrt oder ermordet und die göttliche Diktatur lädt die Nachwuchsforscher aus Atombombenbau, Propaganda und Unterhaltung am 28.10.2009 nach Teheran und gibt bekannt: „Am heutigen Morgen fanden sich mehrere Hundert Elitekräfte aus Wissenschaft, Kultur und Literatur zu einem Treffen in freundschaftlicher Atmosphäre mit Ayatollah Chamenei, dem Oberhaupt der Islamischen Revolution ein und legten ihm ihre Standpunkte und Vorschläge bezüglich verschiedener Fragen vor.“

Aus: »Internetseite des Büros des geehrten Führenden Seyyed Ali Khamenei, Jahr der Innovation und Entfaltung«

http://www.leader.ir/langs/de/index.php?p=contentShow&id=6072

Führer, englisch leader. Man beachte die aus sechs Buchstaben bestehende URL, es kann nur Einen (Führer) geben. The Office of the Supreme Leader Sayyid Ali Khamenei

http://www.leader.ir/

(11) »Maktab Tarighat Oveyssi Shahmaghsoudi, School of Islamic Sufism« – „Shahmaghsoudi, bezieht sich auf den 41. Meister der Oveyssi Schule, Hazrat Shah Maghsoud Sadegh Angha“

Das sozialpädagogische Heil rinnt aus dem Medinastaat heran und bedarf des initiierten Führers. Die silsila ist die ununterbrochene Kette der baraka, Segnungskraft, und des von Meister zu Meister übereigneten Führertums aller einzelnen Orden (ṭarīqa, Pl. ṭuruq) des Sufismus (taṣauwuf, ṣūfīya).

http://www.mto.org/website/tr/history.html

187. Hundred cities of the world against stoning!

15. August 2010

سکينه محمدي آشتياني

Sakineh Mohammadi Ashtiani

28. August

100 STÄDTE DER WELT GEGEN STEINIGUNG!

Die weltweiten Bemühungen, Sakineh Ashtiani vor der Steinigung zu retten, hat die Weltöffentlichkeit auf die barbarische und verbrecherische Strafform aufmerksam gemacht. Inzwischen kennen Millionen von Menschen Sakinehs Namen. Hunderttausende haben ihre Abscheu über die Steinigung zum Ausdruck gebracht, indem sie beispielsweise Petitionen unterschrieben haben oder an Protestaktionen überall auf der Welt teilgenommen haben. Diese Bewegung von Millionen von Menschen muss sich organisieren und ihren Protest auf die Straße bringen!

Dazu rufen wir die Bürgerinnen und Bürger auf der ganzen Welt auf, sich den 28. August 2010 als den Tag der Protestaktion 100 STÄDTE DER WELT GEGEN STEINIGUNG (100 CITIES OF THE WORLD AGAINST STONING) vorzumerken. Wir rufen die eine, aus allen Völkern der Welt bestehende menschliche Zivilisation dazu auf, aktiv ihre engagierte Ablehnung der Steinigung als eine vormittelalterliche Form der Barbarei zum Ausdruck zu bringen. Organisieren auch Sie Protestveranstaltungen, wo auch immer, oder nehmen Sie an diesen teil. Verurteilen Sie das islamistische Regime im Iran als den grausamsten aller Staaten, in denen die Todesstrafe der Steinigung angewendet wird. In den 31 Jahren seines Bestehens hat dieser Staat mindestens 109 Menschen gesteinigt, vor allem Frauen, und momentan befinden sich 25 weitere Menschen auf der Liste der zum Tode Verurteilten. Diese barbarischen, nicht endenden Morde müssen gestoppt werden!

Wir wenden uns insbesondere sowohl an alle bisherigen Aktivisten gegen die Steinigung als auch an alle Gruppen und Organisationen, die Teil der bestehenden internationalen Kampagne zur Rettung von Sakineh gewesen sind, um gemeinsam ein erfolgreiches 100 STÄDTE DER WELT GEGEN STEINIGUNG durchzuführen. Wir bitten Sie, zu uns über die unten genannten Websites Kontakt aufzunehmen, um alle Ihre Anstrengungen wirksam bündeln zu können. Wir werden in Kürze die Namen der Städte bekannt geben, die bereit sind, eine Aktion durchzuführen.

Des Weiteren appellieren wir an alle Gewerkschaften und an alle anderen Arbeiterorganisationen, an alle Frauenorganisationen, an Amnesty International sowie an alle fortschrittlichen Vereinigungen, sich an unserer Kampagne zu beteiligen, um das islamistische Regime zu überwinden. Bitte leiten Sie diesen Aufruf an alle Ihre Mitglieder weiter und motivieren Sie diese zu einem machtvollen weltweiten 100 CITIES OF THE WORLD AGAINST STONING.

Wir appellieren an alle Stadträte, Stadtverwaltungen und Parlamentarier überall auf der Welt, aktiv an dieser globalen Bürgerbewegung teilzunehmen, Erklärungen abzugeben und Resolutionen zu verabschieden, die das barbarische steinigende Regime des Iran ächten.

Wir bitten die Medienverantwortlichen der Welt, uns bei der Verbreitung der aktuellen Informationen zum Stand der Kampagne 100 STÄDTE DER WELT GEGEN STEINIGUNG zu unterstützen.

Wir rufen ebenso alle Iranerinnen und Iraner im Ausland, alle iranischen oppositionellen Organisationen und alle farsisprachigen Medien dazu auf, die Aktion 100 STÄDTE DER WELT GEGEN STEINIGUNG als ein Protestanliegen im ureigenen Interesse gegen das steinigende iranische Regime zu betrachten und bitten sie, ihre Kräfte einzubringen und ihre kreativen Ideen beizusteuern.

International Committee Against Stoning

http://stopstonningnow.com

Iran Solidarity

http://www.iransolidarity.org.uk

Mission Free Iran

http://www.missionfreeiran.com

International Committee Against Execution

http://notonemoreexecution.org

5. August 2010

186. Islamschule Mönchengladbach?

5. August 2010

مونشنغلادباخ

Мьонхенгладбах

מנשנגלדבך

Mönchengladbach

Gabi Schmidt, Edward von Roy

Mönchengladbach

An den Oberbürgermeister der Stadt Mönchengladbach, Norbert Bude, an die Ratsmitglieder der Stadt Mönchengladbach

Mönchengladbach, 04. August 2010

Offener Brief. Keine salafistische Lehrstätte in Mönchengladbach

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren,

im Januar 2010 wurde bei einer bundesweiten Razzia der Polizei in Privatwohnungen und in wahhabitischen bzw. salafistischen Moscheen gegendemokratisch und frauenfeindlich orientierte Literatur sowie Filme und CDs beschlagnahmt. Darunter war nach Angaben der WELT auch die in Saudi-Arabien publizierte Schrift „Frauen im Schutz des Islam“,(1) in der an die verheirateten männlichen Rechtgläubigen appelliert wird, ihre widerspenstigen Ehefrauen erst zu ermahnen, dann im Ehebett zu meiden und zuletzt im Namen der Religion zu „schlagen, ohne zu verletzen, Knochen zu brechen, blaue oder schwarze Flecken auf dem Körper zu hinterlassen, und unter allen Umständen vermeiden, ins Gesicht zu treffen.“(2)

Derlei barbarische Gewalt ist von Artikel 4 GG Religionsfreiheit nicht gedeckt. Wer derartige Bücher verteilt, braucht die bundesdeutsche Verfassung offensichtlich nicht mehr, sondern will einen anderen Staat. Die drei wichtigsten Figuren im deutschen Teil der der Bewegung der saudisch bzw. wahhabitisch beeinflussten Salafiyya sind im Zusammenhang mit den beschlagnahmten Büchern vom Januar 2010 in der Presse genannt worden, es sind die Prediger Mohammed Ciftci (Braunschweig), Pierre Vogel (Köln) und Sven Lau (Mönchengladbach). Ihr regelmäßig verwendeter Kampagnen- oder Vereinsname lautet „Einladung zum Paradies“ (as-Sunnah-Moschee, Masjid as-Sunnah, Eickener Straße), die Seelenrettung ist also Programm, was bedeuten könnte, dass alle Nichtmuslime auf dem Way to Hell befindlich sind.

Ciftci arbeitet von Braunschweig aus, 200 Studenten nehmen am Fernstudium der „Islamschule“ teil. Dieses Zentrum könnte nun nach Mönchengladbach verlegt werden, was wir für nicht wünschenswert halten. Der niedersächsische Verfassungsschutz berichtet über diese Pläne des bekannten Salafisten Mohammed Ciftci aus Braunschweig zu einem Umzug nach Mönchengladbach: „In diesem „Dawa“ (Missions-) Zentrum soll dann sowohl eine Moschee als auch die derzeit noch in Braunschweig angesiedelte Islamschule untergebracht werden.“(3)

Die Hannoversche Allgemeine beruft sich auf Landes- und Bundesverfassungsschützer, die wissen, dass das Ziel des an Ciftcis Braunschweiger Islamschule gelehrten Salafismus die Abkehr von der Demokratie und die Hinwendung zum „Gottesstaat“ ist. Demokratie gelte, so die HAZ weiter, für Salafisten als „falsche Religion“.(4)

Die WELT schreibt zu den Zielen der Salafisten: „Sie schwören zwar der Gewalt ab, verfolgen aber unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit und Gesetzestreue antidemokratische Ziele. Mit propagandistischen Mitteln wird versucht, Vorstellungen und Werte in der hiesigen Gesellschaft zu verankern, die nicht nur laufende Dialog- und Integrationsbemühungen untergraben, sondern auch die Gültigkeit geltender Rechtsnormen aushebeln.“ Diese Islamisten wollen also nicht die wichtige Integration, sondern die Abschottung, die Segregation, ihre Rede von religiöser Toleranz bedeutet geheiligte Frauenentrechtung, und wenn sie Koexistenz sagen, sollten wir Apartheid verstehen. Salafisten verlangen von ihren Frauen eine extreme Weise der Verschleierung.

Anders als es die jenseitszentrierten Herren Ciftci, Vogel und Lau sehen, ist für uns Säkulare, also auch für die Muslime unter uns, Demokratie keine „falsche Religion“, sondern dient überhaupt nicht der Rettung des Seelenheils. Die freiheitliche Lebensweise, die mit der Scharia bzw. mit dem islamischen Recht nicht möglich ist, schafft die für jeden, auch für jede Frau, zugänglichen Grundrechte und Bürgerrechte.

Die gestrige Rheinische Post erkennt das politreligiöse Anliegen der Islamisten: „Sicherheitsbehörden warnen, dass die Salafisten die freiheitlich demokratische Grundordnung grundsätzlich ablehnen.“(5)

Wir fordern den Mönchengladbacher Bürgermeister Norbert Bude und Mönchengladbachs Ratsmitglieder dazu auf, sich von den gegendemokratischen Bestrebungen der Braunschweiger Islamschule zu distanzieren und klar zu sagen, dass ein an der gegenmodernen Scharia orientiertes Studienzentrum in Mönchengladbach nicht erwünscht ist. Sich hinter den Vorschriften des Baurechts zu verstecken („Nach Eingang entsprechender Anträge wird zu prüfen sein, ob eine Genehmigung erteilt werden kann“), wird dabei nicht genügen, das zu erreichen, worum es geht, nämlich die wahhabitisch-salafistische „Islamschule“ zu verhindern.(6)

Mönchengladbach braucht keine Lehrstätte des fundamentalistischen und frauenfeindlichen Gesellschafts- und Menschenbildes des islamischen Mittelalters. Verhindern Sie die Ansiedlung der salafistischen „Islamschule“.

Gabi Schmidt, Edward von Roy

Quellen

(1) Verfassungsschutz Baden-Württemberg zum Buch Frauen im Schutz des Islam (Abd ar-Rahman asch-Schiha) – Indiziertes Buch liegt an Informationsständen und bei Vorträgen in Baden-Württemberg aus

http://www.verfassungsschutz-bw.de/index.php?option=com_content&view=article&id=921:082009-indiziertes-buch-liegt-an-informationsstaenden-und-bei-vortraegen-in-baden-wuerttemberg-aus&catid=201:meldung&Itemid=327

(2) WELT-online vom 20. Januar 2010 – Polizei stellt frauenfeindliche Islam-Bücher sicher

http://www.welt.de/politik/deutschland/article5921859/Polizei-stellt-frauenfeindliche-Islam-Buecher-sicher.html

(3) Verfassungsschutz Niedersachsen am 27. Juli 2010 – Islamschule vor Umzug nach Nordrhein-Westfalen

http://www.verfassungsschutz.niedersachsen.de/live/live.php?&article_id=88627&navigation_id=12260&_psmand=30

(4) Hannoversche Allgemeine vom 03. August 2010 – Umstrittene Islamschule in Braunschweig plant Umzug nach NRW

http://www.haz.de/layout/set/gallery/layout/set/gallery/Nachrichten/Politik/Niedersachsen/Umstrittene-Islamschule-in-Braunschweig-plant-Umzug-nach-NRW

(5) Rheinische Post vom 03. August 2010 – Warnung vor Islamschule in Eicken

http://www.rp-online.de/niederrheinsued/moenchengladbach/nachrichten/Warnung-vor-Islamschule-in-Eicken_aid_889431.html

(6) BürgerZeitung Mönchengladbach – Stadtverwaltung hat ungenehmigten Ausbau von Räumen des Vereins „Einladung zum Paradies e.V.“ gestoppt

http://www.bz-mg.de/stadtbezirk-nord/eicken/stadtverwaltung-hat-ungenehmigten-ausbau-von-raumen-des-vereins-%E2%80%9Eeinladung-zum-paradies-e-v-gestoppt.html

Mönchengladbachs Oberbürgermeister Norbert Bude reagierte am 05. August 2010 auf den Offenen Brief: »Keine salafistische Lehrstätte in Münchengladbach« (vom 04. August), die Angesprochenen antworteten ihm.

Von: Norbert Bude

An: Edward von Roy – Betreff: Islamschule, Datum: Thu, 05. Aug 2010

Sehr geehrte Frau Schmidt,

sehr geehrter Herr von Roy,

ich bedanke mich für Ihr Schreiben vom 5. August 2010, mit dem Sie sich zur Ansiedlung des Vereins „Einladung zum Paradies“ in unserer Stadt an mich gewandt haben.

Ich habe großes Verständnis für alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, die sich besorgt über die Aktivitäten des salafistischen Vereins in Mönchengladbach zu Wort gemeldet haben. Den meisten mir bekannten Beiträgen ist Eines gemein: Wir tolerieren unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger muslimischen Glaubens – richten uns jedoch gegen jegliche Art von Extremismus, Fundamentalismus und Intoleranz.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es keine Alternative zur Integration der Menschen mit Migrationshintergrund gibt. Der Weg dorthin führt sicherlich über einen konstruktiven Dialog. Dabei müssen wir extremistischen Tendenzen – egal welcher Ausrichtung – eine klare Absage erteilen und ganz deutlich machen, welchen Stellenwert für uns die Demokratie und die freiheitliche Grundordnung haben.

Ich werde mit allen mir zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten dafür eintreten, dass die Aktivitäten des Vereins „Einladung zum Paradies“ verfolgt werden und rechtswidriges Handeln geahndet wird. Dabei stehe ich in engem Kontakt zu den Strafverfolgungsbehörden in unserer Stadt. Es darf allerdings nicht verkannt werden, dass die Möglichkeiten, die mir als Chef der Kommunalverwaltung zur Verfügung stehen, begrenzt sind.

Der Verein wurde bisher seit Jahren von den Verfassungsschutzbehörden in Niedersachsen beobachtet. Der für ein Verbot zuständige Innenminister sah bislang keine rechtliche Handhabe, dem Verein seine Legitimation zu entziehen.

Der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen hat zwischenzeitlich mitgeteilt, dass der Verfassungsschutz unseres Landes nunmehr die weitere Beobachtung übernehmen wird.

Solange der Verein legal existiert, werde ich als Behördenleiter den Verein wie jeden anderen vergleichbaren Akteur in dieser Stadt betrachten müssen. So bin ich als untere Bauaufsichtsbehörde gegen nicht genehmigte Baumaßnahmen auf der Eickener Straße vorgegangen.

Ausdrücklich möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es sich dabei nicht um ein „Verstecken hinter Vorschriften des Baurechts“ handelt. Es ist vielmehr das Handeln, dass der Verwaltung derzeit konkret möglich ist.

Ich hoffe, dass durch die ausgelöste breite öffentliche Diskussion insbesondere die vom Verein umworbenen jungen Menschen in unserer Stadt sensibilisiert wurden. Wichtig ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Thematik, die dazu führen muss, fundamentalistischen Aktivitäten den Boden zu entziehen.

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Bude

Oberbürgermeister der

Stadt Mönchengladbach

Rathaus Abtei

41050 Mönchengladbach

Von: Edward von Roy

An: Norbert Bude, Betreff: Re: Islamschule, Datum: Thu, 05. Aug 2010

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

wir bedanken uns für Ihre heutige Antwort auf unseren Offenen Brief. Sicherlich soll es das Ziel der Politik sein, Bürgerinnen und Bürger zu integrieren, jedoch bitte in das Grundgesetz, nicht in die religiös begründete Segregation und die Geschlechterapartheid des islamischen Fundamentalismus.

Unsere Grundrechte, abgeleitet von den universellen Menschenrechten (Paris 1948), sind ewig, allumfassend und unteilbar. Da gibt es nichts zu diskutieren, und da wird auch kein Dialog mit „Andersdenkenden“ gepflegt, auch nicht im Namen der „Toleranz“. Sehr geehrter Herr Bude, Sie müssen jetzt öffentlich vor dem Salafismus warnen.

Bei den beiden Vereinen, Einladung zum Paradies und Masjid as-Sunnah, sie sind längst personell und ideell identisch, handelt es sich um islamistische Strömungen, die zwar auch Migranten der dritten Generation ansprechen, aber vor allem für Konvertiten (nicht zuletzt weibliche) interessant sind. Pierre Vogel und Sven Lau haben zwar einen langen Bart, aber keinen Migrationshintergrund.

Im Interesse der jungen Menschen unserer Stadt sollten Sie vor diesem Verein öffentlich und gut begründet warnen, die Hintergrundinformationen sind allgemein zugängig.

Einem derartigen Verein eine Sondergenehmigung für ihre Da’wa (islamische Missionsarbeit) zu geben ist inakzeptabel und skandalös. Wer Frauen im Namen der Religion schlägt, und dabei sogar empfiehlt, so zu schlagen, dass keine Spuren hinterlassen werden, wer neun- bis zwölfjährige schwangere Kindbräute für praktizierte Frömmigkeit hält und wer Demokratie für Kufr und Wahlen für Schirk hält, der hat in keiner freiheitlich demokratischen Stadt einen Informationstisch aufzubauen, auch nicht mit einer Sondergenehmigung.

Mit freundlichen Grüßen

Gabi Schmidt, Sozialpädagogin,

Edward von Roy, Diplom-Sozialpädagoge (FH)


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