Archiv für Juni 2010

176. Islamische Philosophie

30. Juni 2010

اليسارية

al-yasārīya

La gauche (en politique)

Left-wing politics

Politische Linke

Ein linker Islam?

Ausschnitte aus dem fast zwei Jahrzehnte alten Vortrag von Ḥasan Ḥanafī »Die Aktualität eines ‘linken Islam’« (aus: »Gesichter des Islam, 2. Orient-Tagung im Haus der Kulturen der Welt«, 10.-12.12.1991, bei: Verlag Haus der Kulturen der Welt (Hg.), Berlin 1992) kommentiert Jacques Auvergne.

Der am 13.02.1935 in Kairo geborene und mit fünf Geschwistern in einem bildungsnahen und sehr musikalischen Haushalt aufgewachsene Ḥasan Ḥanafī (Vorname anglisiert und auch bei der Orient-Tagung als Hassan, Nachname nahöstlich auch Hanfi), der Vater spielte meisterhaft Posaune, Sohn Ḥasan übte als Jugendlicher das Violinenspiel, war als Student aktives Mitglied der Muslimbruderschaft und unterstützte die Geldsammlungen für die Familien der inhaftierten Muslimbrüder, wie Caryle Murphy in »Passion for Islam. Shaping the Modern Middle East: The Egyptian Experience« (2002) auf Seite 220 berichtet: „[he] was an active member of the organization while attending Cairo University“ (1).

Ḥasan Ḥanafī, der am 05.-06.04.2008 mit Islamverherrlichern wie Tariq Ramadan im Four Seasons Hotel (2), Organisator war die Georgetown University zu Doha in Qatar (3), über Innovation im Islam sprechen darf (4), muss doch einfach vielen, vielen Menschen auf der Welt als bedeutender ägyptischer Philosoph, arabischer Philologe, intellektueller Muslim, linker gottesfürchtiger Politiktheoretiker und gesellschaftsbezogener Islamdeuter gelten, denn in nahezu jedem arabischen Denkerclub scheint der Ägypter im Vorstand zu sitzen. So etwas kann doch wohl nicht grundlos geschehen: Generalsekretär der Ägyptischen Gesellschaft für Philologie seit 1976, Vizepräsident der Arabischen Gesellschaft für Philosophie seit 1983, Vorsitzender der philosophischen Fakultät an der Kairoer Universität seit 1988 und Vizepräsident der Arabisch-Philosophischen Gesellschaft seit 2001.

Der Denker gibt sich als den ewig Missverstandenen, den zwischen allen Stühlen sitzenden und den für sein ungeheuer eigenwilliges Theoriebilden geradezu ein Martyrium der Anfeindungen auf sich nehmenden Menschen. Beim genaueren Hinsehen bleibt in Hanafis Linksislam beziehungsweise Religionspolitik allerdings kaum noch etwas Eigenes übrig, eher schon die vollumfängliche Scharia. Sollte sich die arbeitsteilig agierende Muslimbruderschaft, auch in Ägypten längst so etwas wie ein Staat im Staate, frei nach dem von den europäischen Linken abgeschauten Motto vom Marsch durch die Institutionen, einen linksintellektuellen Philosophieprofessor zugelegt haben, um das offizielle transatlantische wie vor das allem links-oppositionelle Denken Ägyptens zu zähmen sprich politisch zu kontrollieren? Auch ohne wirklich völlig autonome – im Islam leider nach wie vor sehr gefährliche – Positionen wie diejenigen von Taslima Nasreen oder Faraǧ Fauda einzunehmen, hätte Ḥanafī mehr Zivilcourage beweisen müssen, um im weltweiten Vergleich als Philosoph gelten zu können oder auch nur als freiheitlicher Weltbürger. Europa scheint seinen so genannten Islamrepräsentanten ganz gerne einen Bonus zu erteilen, der die „edlen Wilden“ mit der Lizenz auf ein Vernachlässigen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) ausstattet und den Freibrief auf nachwissenschaftliche Faktenferne und kunstsinnige Flunkerei. Dass Ḥasan Ḥanafī der Muslimbruderschaft nahe stand, weiß Alain Navarro bei Middle East Online:

„Hanafi, who received his doctorate from the Sorbonne and has taught in Europe and the United States, was close to the fundamentalist Muslim Brotherhood in his youth. After passing through a phase of leftist leanings, he became one of the leading thinkers in the contemporary movement that posits a revolutionary political activism rooted in study of the Muslim scriptures. Rarely do other thinkers publicly side with him … (5)”

Wie wir gleich von Ḥasan Ḥanafī selbst hören werden, bekennt er sich vier bis fünf Jahrzehnte später immer noch zu den angeblich sozial und humanistisch motivierten Ur-Muslimbrüdern. Sein treuer koranzentriert-linksintellektueller Weggefährte beim Versuch, das Kalifat als gelebte Sozialdemokratie fehlzuetikettieren, heißt ‎Ǧamāl al-Bannā (ägyptisch Gamāl al-Bannā) dessen älterer Bruder 1928 vereinsgründend tätig wurde.

Navarro weiter, ich bin ihm ins Wort gefallen:

„Rarely do other thinkers publicly side with him, but one of them is Gamal al-Banna, a Muslim reformist and, ironically, younger brother of Muslim Brotherhood founder Hassan al-Banna.“

1966 erlangte Ḥanafī an der Pariser Sorbonne einen Doktorgrad, als Gastprofessor arbeitete er 1969 in Toulouse und 1970 in Louvain, zwischen 1971 und 1975 hatte er eine amerikanische Gastprofessur an der Temple University in Philadelphia inne (http://www.temple.edu/). Die folgenden zwei Jahre erlebte ihn die sudanesische Hauptstadt (University of Khartoum, 1976-1977). Das Jahr der ihre Barbarei bis heute behauptenden iranischen Revolution verbrachte der Ägypter an der University of Kuwait (1979), um drei Jahre später nach Marokko zu übersiedeln (University of Fes, 1982-1984) und vier Jahre in Japan (University of Tokyo, 1984-1985, wissenschaftlicher Berater an der United Nations University in Tokyo 1985-1987) anzuschließen. Erst im Jahre 1988 kehrte er an die Kairoer Universität zurück (6).

Der Name der Stadt Toulouse (440.000 Einwohner, davon 97.000 Studenten der drei dortigen Universitäten) ist gerade gefallen. Sollte das etwas mit dem Islam zu tun haben, dass ein Ḥasan Ḥanafī heute wie vor vierzig Jahren in Toulouse doch wahrscheinlich ganz offiziell reden dürfte (7), ein bis Mitte September 2006 dort erfolgreich lehrender, sehr gründlicher Philosophieprofessor namens Robert Redeker aber nicht (8)?

Hanafis Ziel bleibt seit der erlebten „antiimperialistischen“ (prokalifatischen) Protestkultur, seit den strukturhassenden und folgerichtig multikulturverliebten Siebziger Jahren, die magische Fusion von Scharia und Sozialismus, seinen phantastischen Weg nennt er den linken Islam. Zwar lebt bis heute kein Kairoer Straßenzug linksislamisch und auch kein abgelegenes Oasendorf, doch für Einladungen in Europas entgrenzt xenophile Rathäuser und Hörsäle reicht es allemal.

Hassan Hanafis Unterschrift auf »A Common Word Between Us and You« trägt die Nummer 47, die Reihenfolge ist alphabetisch bedingt, Bosniens Scharia-Spitzenpolitiker Mustafa Cerić findet sich daher unter 23, Nummer 51 ist der demokratieverdrossene Kalifatsfreund und deutsche Ex-Botschafter Murad Wildfried Hofmann und Platz 129 einem gewissen al-Tweijiri von der OIC-nahen ISESCO (Islamic Educational, Scientific and Cultural Organization) vorbehalten (9).

Begeistert von der Islamischen Revolution im Iran editierte und kommentierte Hasan Hanafi zwei Bücher Chomeinis (10), verlor aber sehr bald die Lust am Realkalifat, um sich der bürgerrechtlichen und gewaltfreien islamischen Staatstheorie zuzuwenden, die es allerdings seit 1.400 Jahren noch nirgendwo gegeben hat. Hanafi bevorzugt die literarische Steinigung des „edlen“ Koran, die praktizierten Steinigungen des Iran sind schließlich gar nichts für einen linken Feingeist. Gegen die im Namen Allahs und nach Maßgabe der Scharia verhängte saudi-arabische oder iranische Todesstrafe ging der ägyptische Salonrebell allerdings keineswegs jemals auf die Straße.

Pst, Hassan Hanafi betritt die Bühne:

Die islamische Linke ist kein Monopol der Muslime, sondern allen Menschen zugänglich. … Was ist z. B. in Polen geschehen? Marxismus auf der Oberfläche und Katholizismus im Innern

Die fundamentalistisch-religiös und völkisch aufgefasste Menschheit hat eine Binnenstruktur, die Erde gliedert sich in einander wesensfremde, eigenwillig-urtümliche Regionen, die ihrem angestammten Kult verhaftet bleiben müssen. Die katholische Seinsweise sei quasi genetisch verankerte Stammesreligion der löblich urigen Polen, und den so ganz anders gearteten, fraglos nicht minder urigen Arabern steht das Lebensgefühl der Scharia nun einmal als Geburtsrecht zu.

Die Nationen Europas werden ermuntert, sich ihren Religionen zuzuwenden, zum Islam zu konvertieren ist dabei ja nicht unbedingt nötig. Auch die türkische kollektive Seele sei mit Islam getränkt:

Oder wie es sich auch in der Türkei ereignet hat: Der Islam im Innern, Säkularisierung auf der Oberfläche.

Demokratie wird zum Provisorium, zum Tapetenmuster der Saison. Das wildromantische Religiöse stehe der Identität einer Nation näher als der säkulare Rechtsstaat, von universellen Menschenrechten oder gar von der Gleichberechtigung von Mann und Frau ist gar nicht erst die Rede, hier geht es schließlich um Höheres. Die Künstlichkeit des Parlamentarismus sei allenfalls als Verpackung der naturhafteren Gesellungsweise tauglich.

Der irgendwie ehrenwerte Anspruch der internationalen politischen Linken harmoniere bestens mit Koran und Kalifat.

Vielleicht ist das, was wir seit zwei Jahren in Osteuropa beobachten, von Polen bis in die Sowjetunion, eine Bestätigung dafür, dass soziale Veränderungen in einer Gesellschaft sich nur durch Kontinuität vollziehen können.

Trickserei, der Gewinner des Bürgerkriegs oder gar der Diktator wird immer behaupten können, im Einklang mit der geschichtlichen Entwicklung zu stehen, Adolf Hitler nannte das die Vorsehung. Ḥasan Ḥanafī mogelt uns hier die Software eines radikalen Differenzialismus in die Debatte und weiß, dass er die Europäer, zumal die Deutschen und da wieder ganz besonders die linken Deutschen, herrlich erpressen kann, indem er für ein islamisches Sonderrecht „Toleranz“ fordert.

Die russische Revolution von 1917 musste in dieser Logik ein Fehlschlag bleiben, da sie das historische Erbe des Christentums nicht anzutreten bereit war.

Evolution statt Revolution, das klingt entwicklungsfreundlich, sanftmütig, sozialdemokratisch. Die kultivierte Scharia wird zur permanenten Revolte, der europäische linke Hunger nach rebellischem Getue müsste mit Hanafis rotem Islam doch eigentlich zufriedenzustellen sein.

Das europäische Muster, das in der Renaissance entstanden ist, besagt: Ich kann nicht vorwärts schreiten, ohne den Bruch mit der Vergangenheit zu vollziehen. Dieses Modell, das Europa seit der Renaissance präsentiert, beinhaltet, dass ich kein säkularer Wissenschaftler sein kann, wenn ich nicht mit der Kirche, mit Aristoteles und Ptolemäus breche. Dieses Modell … entspricht vielleicht nur der europäischen Erfahrung.

Man möge als afrikanischer oder asiatischer Physiker oder Soziologe doch bitte am Stammesreligiösen kleben bleiben, besser freilich am Islam.

die unabhängigen Wissenschaftler, Denker und Schriftsteller der Renaissance entdeckten, dass die überlieferte Tradition nicht mit der Vernunft, der Wissenschaft und der Natur übereinstimmt … [und] haben … es vorgezogen, sich von der Vergangenheit abzuwenden und sich der Natur als offenes Buch zuzuwenden.

Hanafi missbraucht die reale Renaissance für die Zwecke seiner daʿa, seiner islamischen Mission. Einerseits waren die Denkverbote der Katholischen Kirche zwischen 1300 (Erdkugel, Heliozentrik) und 1900 (Darwin, Freud) für die sich entwickelnde Geographie, Biologie und Physik sicherlich zu eng (und sind es heute wieder, indem beziehungsweise insoweit der Islam der kirchlichen Basis – längst in beiden Großkirchen – dogmatisch-faktenfern und bereits einigermaßen repressiv als friedliche und frauenfreundliche Weltanschauung verkauft wird).

Andererseits war ja gerade der zunehmend „distanzierte“, nüchterne Blick der Wissenschaft geeignet, die menschliche Vor- und Frühgeschichte sowie mittelalterliche Entwicklung ebenso sorgfältig zu betrachten wie er zu einer immer genaueren Gesellschaftskritik fähig wurde, was im islamisch geprägten Teil der Menschheit im letzten Jahrtausend nicht stattfinden konnte. Hanafi verweigert die Analyse im Namen der Pflege des kulturellen Erbes. Von einer universellen Wissenschaft zu sprechen, schreckt er aus politischem Kalkül zurück, Hanafi will die religiös gefärbte Weltbetrachtung. Islampädagogik statt Erziehungswissenschaft, Fiqh-Evolution und Schariareform statt globaler Viktimologie und Kriminologie.

Ohne es durchschauen zu können, hätten sich die Europäer, ihr angeblich ganz und gar verachtenswertes Mittelalter überwindend, radikal (und bald tendenziell atheistisch) humanisieren müssen, das Fünfzehnte Jahrhundert hätte die Fesseln und Kerkermauern weggewischt und den Europäer zwar autonom, aber seelisch heimatlos gemacht. Die Nichteuropäer würden diese seelisch kranke Wurzellosigkeit des Okzidents spüren, ihr jüngerer islamischer Fundamentalismus, die Salafiyya, sei die gesunde Reaktion auf diese ihnen durch den „Weißen Mann“ mit kolonialer Gewalt übergestülpte Geschichtslosigkeit und Gottlosigkeit.

Diese Erfahrung [der Renaissance] verbreitete sich in Afrika, Asien und Lateinamerika. Das Ergebnis ist das, was wir heute erleben: Eine heftige Reaktion gegen die Säkularisierung und die Moderne in Gestalt der Bewegungen, die wir im Islam heute salafiyya (Rückkehr zur Zeit des Propheten und seiner Gefährten) nennen. Die islamische Linke ist sich dessen bewußt und versucht, so weit wie möglich nach vorn zu schreiten und zugleich zu garantieren, daß dieser Fortschritt nicht auf einmal und plötzlich geschieht. Sie verfährt vielmehr nach der Devise: ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück. Somit kehren wir [Muslime, zumal wir linken Muslime] immer wieder zu unserem Ausgangspunkt zurück.

Dem edlen Wilden namens Chomeini oder Gaddafi sind dekadente Kulturfolgen wie Pressefreiheit oder volle Frauenrechte schließlich nicht zuzumuten. Die masochistisch beglückten weiblichen und männlichen Gesichter der „linken“ deutschen Gutmenschen, die dem Mahner aus dem geheimnisvollen Orient zwei Jahre nach dem Mauerfall lauschen durften, mag man sich kaum vorstellen. Niemand wird dem roten Schariafreund widersprochen haben. Vorwärts, Genossen …

Mit dem Hüpfen jedenfalls Rechnen klappt`s noch nicht so doll, Hanafi landet aus unerleuchteter Sicht einen Schritt hinter dem Ausgangspunkt, aber egal, solange nur die Seelenmitte reines Allahbewusstsein ist. Eine islamische Elite soll dafür sorgen, dass sich die muslimische Basis nicht zu rasch auf die allgemeinen Menschenrechte zu bewegt, bei derartiger Hektik würde die geschichtsbewusste arabische Seele schließlich noch nicht mitkommen. Menschenrechte ja, vielleicht, morgen, sagen wir vorläufig: islamische Menschenrechte. Die Ayatollahs und Großmuftis können jederzeit behaupten: Nur ruhig, wir verändern uns ja, das dauert aber noch ein wenig.

Kulturrassismus und Emanzipation verwirbeln ineinander, die auf Ungleichbehandlung beruhende Scharia bekommt das Etikett der Entwicklungsdynamik. Deutschlands Sozialdemokraten glauben das ganz gerne, um sich gut zu fühlen, so fremdenfreundlich.

Die islamische Linke … versucht, eine Revolution in Gang zu setzen, gesellschaftliche Veränderungen zu initiieren, … und dabei sicherzustellen, daß die Revolution nicht im Keim erstickt wird, wie es bei allen Revolutionen der Fall war.

Revolutionsführer Hanafi kennt das rechte Maß und zügelt den ungestümen Elan der jungen Krieger. Jede Revolution der Menschheit ist gescheitert, jede, sagt Hanafi, der zum Segen der Menschheit die gelingende Revolution will, die erste der Menschheit, die einzig mögliche.

Dabei ist der Name nicht wichtig. Ich habe mir häufig überlegt, ob der Begriff „islamische Linke“ passend sei. Aber ich fand keinen besseren Ausdruck dafür.

Ich … ich … Namen sind nicht wichtig, der gottesfürchtige Revolutionstheoretiker Hanafi ist wichtig, und Allahgott natürlich.

Manchmal sage ich auch die „islamische“ oder die „zeitgenössische Revolution“, auch der „kämpferische Islam“, der „revolutionäre Islam“, bzw. „der politische Islam“. … Schließlich wollte ich zu Gamal ad-Din al-Afghani, dem Begründer der modernen, revolutionären Reformbewegung zurückkehren, die zum Projekt eines Islam gegen den Kolonialismus von außen und die Despotie im Innern geworden ist.

Aber es gibt keine zufrieden stellende Bezeichnung. Insofern ist der Name nicht wichtig, obwohl er viel Protest hervorruft.

Der Unschuldsengel provoziert, meint es aber gar nicht so.

Manchmal, wenn ich mit den Menschen aus dem Volk, auf den Dörfern, zusammen bin, also aufs Land gehe,

Et in Arcadia ego. Die lärmende Stadt verlassen, zurück zu den bäuerlichen Ursprüngen, da wo die Menschen noch ohne Heimtücke sind, echt und anständig.

Mit der im Dialogbetrieb mittlerweile häufigen, beim Realislam zwischen al-Maududi und Erbakan schlicht als faktenwidrig erkennbaren Behauptung, es gebe mehrere Islams (oder sagt man Islame?), reist der schariatreue und sozialistische Theoretiker auf den abgelegensten ägyptischen Bauernhof, um einem Melonen- und Hühnerzüchter die Frage zu stellen, welcher Islam denn dem Volk am besten dienen kann und wie dieser Islam denn heißen soll. Die Botschaft kam nicht nur aus dem Dorf oder aus dem Dorfkern, nein, von einem unverbildeten, archaischen, gleichwohl empfindsamem Geist „aus den Tiefen des ägyptischen Dorfes“, gleichsam aus der Zeit des Hanifen Abraham also:

Ein Bauer aus den Tiefen des ägyptischen Dorfes stand einmal auf und antwortete: „Professor, warum nennen Sie ihn nicht die islamische Linke?“ … Das war ein Bauer, der weder lesen noch schreiben konnte.

Hanafi gibt sich ohne Absicht. Fern habe ihm der Gedanke gelegen, der durchtriebene Schöpfer einer Vermarktungsstrategie namens Linksislam zu sein oder ein Kunstprodukt entworfen zu haben, um die unkontrollierbare ägyptische Linke der nach Beate Sträter oder Sabine Schiffer „antikolonialistisch und befreiungstheologisch“ geprägten Muslimbruderschaft an die gegenmoderne islamische Bewegung anzuschließen.

Einem unverfälschten Naturburschen also kam die Eingebung. Ja, der „linke Islam“ ist urig, maskulin und unverfälscht wie ein wettergegerbter Kameltreiber, die „islamische Linke“ ist keine Kopfgeburt, sondern etwas Kerngesundes. Internationale Standards brauchen unsere Bauern nicht, vor siebzig oder achtzig Jahren hätte man zwischen Rhein und Elbe gesagt: unsere arischen Bauern.

Reaktionären Kitsch aus der Blut-und-Boden-Ecke gibt es offensichtlich auch am Nil und auf islamisch.

die Bezeichnung „islamische Linke“ [ist] bei den Institutionen und Parteien nicht beliebt …, bei der Bevölkerung Ausdruck ihrer unterdrückten Wünsche.

Ein Hauch von den Erkenntnissen eines Sigmund Freud scheint hier wirksam zu sein. Wir können endlich werden, was wir halb bewusst und wer wir insgeheim bereits seit langem sind. Großer Hassan Hanafi, sei für uns authentisch. Führe uns zurück zum Ägyptisch-Eigentlichen, zur naturgemäßen Lebensweise, zum (wie zufällig völlig schariakonformen) Menschsein.

Zurück zur Natur, zurück zum Islam:

Die Massen der arabisch-islamischen Welt wenden sich von der Säkularisierung ab, die nur die Intellektuellen verstehen.

Dabei ist man, die eingebaute „Mittigkeit“ der wasaṭīya erlaubt es, vollendet moderat, versteht aber auch die Radikalen sehr, denn als koranbasierter Herrenmensch hat man Herz, ohne politisch gegen die den Unverständigen grausam erscheinenden Todesstrafen des ḥadd oder das Talionsrecht des qiṣāṣ sein zu müssen:

Sie wenden sich aber auch von den fundamentalistischen Bewegungen ab, die nur die nachvollziehen können, die in den Gefängnissen gefoltert worden sind.

Die islamische Linke … [ist] etwas, das in sich beide Legitimitäten vereinigt, die der Vergangenheit und die der Gegenwart, des Glaubens und der Revolution, des Jetzt und des Gestern … wenn dies nicht gelingt, dann haben wir die feindlichen Brüder vor uns, den blutigen Kampf zwischen Säkularisten und Fundamentalisten.

Hanafi könnte sich selbst beauftragt haben oder von der Muslimbruderschaft beauftragt worden sein, die ägyptische Linke handzahm und bei Laune zu halten und sie für die nach pakistanischem oder iranischem Vorbild zu gestaltende Transformation Ägyptens in eine Art von Islamischer Republik mit vollumfänglich implementierter Scharia nutzbar zu machen.

Einerlei, wie kommunistisch oder atheistisch der Säkulare denkt und wie allahkratisch und gewaltbereit der Dschihadist, Hanafi bringt die beiden Partner an den Verhandlungstisch und macht ihnen das schlechte Gewissen, bei einem Kooperationsabbruch den jeweiligen „Bruder“ frevlerisch zu misshandeln. Die Säkularen oder Sozialdemokraten dürfen also eine Truppe der gesamten islamischen Armee stellen und mögen sich mit dem Aufbau einer kleinen Fraktion in der nachrevolutionären Schura zufrieden geben.

Al-Afghani und sein Projekt gehören zur islamischen Linken – der Islam in der Konfrontation mit dem Kolonialismus von außen und der Despotie im Innern.

Besonders überzeugend ist das nicht, nicht nur Säkulare halten den jenseitszentrierten al-Afghani in erster Linie für einen Reaktionär. Die evangelische Bonner Pfarrerin Dr. Beate Sträter, einst als Islambeauftragte zuständig für die König-Fahd-Akademie, verglich die Muslimbruderschaft in ihrer Dissertation mit dem linken Ansatz der südamerikanischen Befreiungstheologen und betonte die angebliche Nähe zwischen Sayyid Quṭb und Leonardo Boff. Dieses Muster noch etwas weiter überdehnend lässt sich ein Antiimp Chomeini als vorbildlicher Marxist erkennen.

Mit der kulturrassistischen Scharia hat Hanafi kein Problem.

Muhammad Abduh versuchte zu zeigen, dass die Revolution lange Zeit braucht; daß sie eine Revolution der Erziehung und Bildung, der Sprache ist; sie muß eine Reform der Moscheen und der Gerichte umfassen, vor allem der al-Azhar. Die Revolution kann nicht als Putsch stattfinden.

Eine richtige Revolution ohne richtigen Putsch? Hier müsste eigentlich der dümmste Revoluzzer merken, dass er für eine neue Herrschaft eingespannt wird.

Nun dürften freiheitliche Demokraten sicherlich grundsätzlich ebenso gegen einen jeden bewaffneten Umsturz eingestellt sein, doch will Hanafi unblutig und mit links-nationaler Begeisterung ein islamofaschistisches Regime errichten. Hanafi will Allahs Gesetz verstaatlichen, möchte angeblich gegen den traditionalistischen Klerus (im Iran geschah die Revolution mit dem schiitischen Hochklerus) vorgehen, aber die Azhar selbst soll natürlich bestehen bleiben.

Von allem etwas: sozialdemokratische islamische Revolution, aber bitte ohne echte Revolution, pädagogisch gezähmte Dauerrevolte, aber keine universellen Menschenrechte, verstaatlichte Geschichtsverklärung, aber modernste Technologie. Ein roter Muslim stehe Polygamie und neunjähriger Ehefrau ebenso aufgeschlossen gegenüber wie der korangemäß halbierten Erbschaft für die Schwester gegenüber ihrem Bruder. Auch gegen das Kopftuch soll ein Aktivist des Linksislam offensichtlich nicht andenken.

Nach der kemalistischen Revolution in der Türkei fürchtete sich Rashid Rida, Abduhs Schüler, vor der Revolution der Säkularisten. Er wich ab vom Konzept der Revolution und kehrte zum Konzept der salafiyya zurück … Hassan al-Banna versuchte, in den 40er Jahren erneut zum aktiven politischen Islam zurückzukehren. Aber der Konflikt zwischen den Muslimbrüdern und der Revolution (von 1952) trieb die Muslimbrüder in die Gefängnisse. Aus den Leiden der Folter trat ein rachedürstiger, zorniger Islam hervor … vielleicht weiß dieser Islam … gar nicht, was er genau will. Vielleicht ist die Gottesherrschaft, hakimiyya, nur eine negative Reaktion auf alle säkularen Richtungen.

Vielleicht sind die massenhaften Morde, die Feldherr Mohammed angeordnet hat, nichts als eine Reaktion auf die gottvergessene Lebensweise der Araber und, natürlich, der Juden.

Die Außenwelt sei schuld am Dschihadismus. Zum Anspruch der irgendwie zerstörerischen Herrschaft Allahs orakelt Hanafi:

Aber wenn man nachfragt: Was bedeutet „Gottesherrschaft? wäre er unfähig, eine Antwort zu geben. Es ist ein destruktives Element, mit dem alle Herrschaftsformen zerschlagen werden sollen, die der islamistischen Bewegung Leid zugefügt haben.

Die Muslimbrüder hätten sich hängen lassen und kein Konzept von Staatsführung zustande gekriegt. Für derartig desorganisiert sollte man die Muslimbruderschaft, welcher Ex-Muslimbruder oder Noch-Muslimbruder Hassan Hanafi trefflich zuarbeitet, nicht halten.

Das gleiche Straucheln ereignete sich in der liberalen Strömung. Wenn wir einen Blick werfen auf das, was Tahtawi in seinem Buch „manahig al-albab al-misriya fi mabahig al-adab al`asriya“ geschrieben hat, und es mit dem vergleichen, was die neue Wafd-Partei von sich gibt, die ja den ägyptischen Liberalismus repräsentiert, dann finden wir, daß das Nationalgefühl bei Tahtawi den Islam und die Moderne umfaßt als Grundlage des liberalen Staates, der Gewaltenteilung, der Prinzipien der französischen Revolution, Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit.

Um zu verhindern, dass die liberalen Ägypter in der kulturellen Moderne ankommen, wirft Hanafi ihnen vor, ihre eigenen Werte und Standards inzwischen verraten zu haben. Dass Allahs Gesetz nicht die Gleichheit heiligt, sondern die Ungleichbehandlung jeder Frau und jedes Nichtmuslimen, vernebelt der Ägypter. Dem europäischen Publikum streut er den Sand in die Augen, beides ginge zusammen, Bürgergesellschaft und angewendetes Islamisches Recht, eine koranbasierte Pädagogik oder korantreue Soziologie und die Forderungen des späten Achtzehnten Jahrhunderts. Hanafi lügt uns ins Gesicht, er weiß genau, dass mit der Scharia die kulturelle Moderne universeller Menschenrechte nicht zu machen ist, doch soll der fremdenfreundliche linke Gutmensch gefälligst der Tatsache „tolerant“ gegenüberstehen, dass in Europas segregierten Straßenzügen die Menschenrechte und Bürgerrechte der Scharia nachgeordnet werden, was natürlich, vorerst lediglich im Personenstandsrecht (Vielweiberei) und überhaupt im Familienrecht (Aufenthaltsbestimmungsrecht über das Kind liegt beim Vater und dessen Sippe) die Rechtsspaltung bedeutet. Die AEMR könne sich im so ganz „anderen“ Afrika und Asien keine Gültigkeit anmaßen, wer das fordere, sei ein Eurozentrist und damit ein Rassist.

Der Verdacht drängt sich auf, dass die radikalislamische Bewegung sich zu Propagandazwecken eines Professors bedient, um die islamimmanente Deklassierung der Frau politisch weltweit durchzusetzen und die Europäer darauf einzustimmen, die universellen Menschenrechte als für den Orient nicht anwendbar zu betrachten. Ganz erfolglos ist Hanafi nicht gewesen, wenn halbwegs informierte und ziemlich einflussreiche Menschen wie Pöttering oder Horst Köhler dem deutschen Souverän, immerhin noch das deutsche Volk, ungefragt verkündigen, der Islam sei eine „im Kern friedliche Religion“. Der ehemalige Bundespräsident Köhler ist von Hasan Hanafi begeistert („einer der bekanntesten islamischen Philosophen unserer Zeit. Seit vielen Jahren prägt er sowohl die Debatten innerhalb der islamischen wie auch jene mit der westlichen Welt. Er setzt sich für ein islamisches Modernekonzept ein und … war Berater des InterActionCouncils, dem u.a. Helmut Schmidt und Hans Küng angehören“) ließ ihn am 20.10.2009 in Schloss Bellevue reden (11).

Ägyptens Liberale drohen aus der Reihe zu tanzen und für den politischen Islam nicht länger als Truppenbestandteil einsetzbar zu sein, weshalb Hanafi zum angeblich tragischen Verlust der kulturellen Wurzeln bei den prominenten Anhängern des ägyptischen Liberalismus klagt:

Schon bei Lutfi as-Sayyid tritt diese Verbindung ein wenig in den Hintergrund. Er isoliert sich vom kulturellen Erbe des Islam und wendet sich der Antike zu.

Das geht doch nicht, der Lutfi as-Sayyid kann uns hier doch nicht aus der Reihe tanzen. Die schöne Schlachtordnung ist im Eimer.

Antike ist ganz schlecht, dass ist schließlich Dschahiliyya. Aristoteles und Platon darf der zu muslimisierende Ägypter schließlich nur mit einer druckfrischen Fatwa lesen.

Bei Taha Hussein ist es noch stärker

Es. Das Grauen.

Bei Taha Hussein ist es noch stärker, wenn er in seinem Buch „Die Zukunft der Kultur in Ägypten“ aufzeigt, daß die eigene Zivilisation Teil der westlichen Zivilisation des Mittelmeeres ist, weit entfernt von Iran, Indien und Japan.

Das ist ganz schlimm, weit entfernt von Ayatollah Chomeini.

Hanafi will die islamische Abschottung gegenüber allen weltbürgerlichen Standards und sagt ungefähr: Diese gefährlich verunreinigte mittelmeerische Kultur könnte schließlich das Römische Recht beinhalten, das wenigstens den Männern ungeteilte staatsbürgerliche Rechte gewährt, damit wäre die edle Dhimmitüde nicht umzusetzen. Der Grieche Plethon war doch wohl unzweifelhaft ebenso mittelmeerisch wie Manuel II Paläologos oder der Ägypter Farag Fauda. Nein, dieses Mittelmeer ist jugendgefährdend, sogar die Barbareien namens Renaissance, Aufklärung, Demokratie, Psychoanalyse und Totalitarismuskritik sickerten ans Mittelmeer.

Die neue Wafd-Partei … scheut sich nicht, mit dem Kapitalismus zusammenzuarbeiten gegen den Nationalstaat, den Sozialismus und die wichtigsten Errungenschaften der ägyptischen Revolution.

Diese Verräter, wo Allahgott und Mohammed doch die Nation verherrlichen, wo das Kalifat doch das weltweit einzige jemals vollumfänglich erfüllte sozialistische Staatsprogramm darstellt und wo „die wichtigsten Errungenschaften der ägyptischen Revolution“ doch im Scharia-Familienrecht und im wieder entdeckten islamischen Bewusstsein der ägyptischen „Gesamtbevölkerung“ bestehen, zu der auch die Kopten gehören, die man im Alltag freilich ein wenig diskriminieren darf.

In was für Zeiten müssen wir leben, vor dieser Gottvergessenheit und Vaterlandslosigkeit schreckt nicht einmal die irgendwie westlich angekränkelte Wissenschaft zurück:

Wenn wir die dritte Strömung betrachten, die wissenschaftliche Strömung, von Shibli Shemayel, Farah Antun und Nicola Haddad, … dann finden wir das gleiche Phänomen, Die erste Generation machte einen guten Anfang; … bis wir vor einer Art Zusammenfügung von Wissenschaft und Glauben stehen wie bei Mustafa Mahmud. Man weiß nicht, ob das Wissenschaft oder Glauben ist, Übernahme aus den westlichen Wissenschaften, umhüllt vom Glauben der Muslime. Wir sind dann weder Wissenschaftler noch Gläubige.

Der ägyptisch-muslimische Endverbraucher soll es jetzt ein wenig mit der Angst zu tun kriegen: Wenn „wir“ internationale wissenschaftliche Standards verteidigen, sind wir vielleicht bereits unmoralische Apostaten. Der Ausweg sei die „islamische Wissenschaft“ und das permanente öffentliche Bekenntnis jedes „Wissenschaftlers“, ein gottesfürchtiger Muslim zu sein.

Und Hasan, der weise Denker aus dem Lande der Pyramiden, warnt den Schüler:

Mein kleiner Ägypter, misstraue dem Sumpf des Rationalen! Wage dich nicht zu weit vor in die Abgründigkeit des wissenschaftlichen Denkens!

Angesichts dieser Erscheinung haben wir auch hier gut angefangen und schließlich verloren.

Wir Vermessenen, unser Tun war nicht ausreichend koranbasiert.

Die islamische Linke hat versucht, eine neue Runde einzuläuten, der arabischen Renaissance neues Leben einzuhauchen, der Reformbewegung und dem Liberalismus Leben einzuhauchen

Einen Augenblick bitte, wenn hier einer haucht, dann doch wohl Allahgott. Ach so, Hanafi haucht für die Gottheit.

Den Sozialismus hat er auch gleich gerettet, das ist enorm.

Kulturheros Ḥasan Ḥanafī beschert uns Ägyptern eine Zukunft der Wissenschaftlichkeit, des Nationalstolzes, des Sozialismus und des Liberalismus, und das alles mit dem einen, dem einzigen Programm der Wäsche und Hirnwäsche, dem Schariaprogramm. Aber ach, al-fitna dräut allerorten:

der blutige Konflikt zwischen den verfeindeten Brüdern, zwischen Säkularismus und Fundamentalismus. Die Gemeinde (umma) ist in zwei Parteien gespalten

Gespaltenheit ist etwas Schreckliches, denn wer nicht der Hizb Allah angehört, muss doch wohl ein Parteigänger der Hizb Shaytan sein, die seit einigen Jahrzehnten bereits Ägyptens Sozialismus, Liberalismus und Wissenschaft unterwandert.

Die Massen wissen nicht, worin sich beide einig sind und worin sie sich unterscheiden.

Die Masse ist doof und bedarf der täglichen Rechtleitung durch Islamphilosophen und koranlesende Wissenschafts- und Vaterlandsfreunde wie Hassan Hanafi.

Die islamische Linke … ist eine historische Strömung. Vergleichbare Strömungen finden wir in der islamischen Revolution im Iran. Wir erleben eine Stärkung der islamistischen Bewegung in Ägypten, im Sudan, in den Maghrebländern Marokko, Tunesien und Algerien, in Jordanien, im Libanon und im Irak. Aber auch im Ausland, in Paris und London … unter den Muslimen dort … Alle meinen, vielleicht nur als undeutliches psychisches Gefühl, daß der Islam vielleicht der Rettungsanker sein könnte. Auch in der Türkei erleben wir ähnliches.

Das den Staat reinigende islamische Fieber steige weltweit. Koranbasierte Ekstase hebt an, der Orgasmus der keuschen politreligiösen Verschmelzung ist nahe: Lasst uns alle gemeinsam ein großes Kalifat bilden. Und Allah helfe der Millî-Görüş-Bewegung bei der Re-Islamisierung des vom Virus der Verwestlichung erkrankten Kleinasiens.

Durch gewisse Umstände, vielleicht waren es die Kreuzzüge, verlor die islamische Zivilisation mit Beginn des 5.Jh [islamischer Zeitrechnung, also etwa ab 1025 nach Christus] und der Zerschlagung der rationalen Wissenschaften, der Hinwendung zur Ash`ariyya und zum Sufitum ihr Vermögen, Neues hervorzubringen. … [Mit Blick auf das islamische] 6./7.Jh [etwa auf die Zeit zwischen und 1200 und 1225 n. Chr.] … stellt sich die Frage, warum die arabische Zivilisation zusammengebrochen ist

Dieses authentisch islamische Selbstbewusstsein ist einfach unschlagbar: Neuneinhalb Jahrunderte lang den fränkischen Kreuzrittern die Schuld daran geben, das weltweite Schlusslicht der Kreativität und Forschung zu verkörpern. Hanafi ruft zur Rache auf, islamische Wissenschaft und islamische Technik sollen in naher Zukunft, einem machtzentrierten, zyklischen und geheiligt sadistischen Geschichtsverständnis verhaftet, dazu dienen, die Nichtmuslime zu beherrschen.

Die als Waise aufgewachsenen oder die verstoßenen und nicht wieder aufgenommenen muslimischen Kairoer Frauen „ohne einen Namen“, die nicht selten in die Bettelei sprich Prostitution gedrängt werden, sind dem Islamdenker, dem die „linken“ Angehörigen der Postmoderne zwischen Tokyo und Osnabrück applaudieren, völlig gleichgültig. Dass am Nil die Bahá’í die „Wahl“ haben, in ihren ägyptischen Ausweispapieren im Feld Religionszugehörigkeit ihr Kreuz bei muslimisch, christlich oder jüdisch zu machen, bereitet Allahs akademischem Sozialisten keine schlaflosen Nächte, denn schließlich ist der Islam jetzt auch links.

Der Islam, der im Koran angelegte Herrschaftskult, in welchem Gläubigkeit mit Gehorsam identisch ist und die Frau emotional und juristisch herabgesetzt werden muss, erweist sich Nichtmuslimen, Ex-Muslimen oder muslimischen Säkularen gegenüber leider nach wie vor als zur Begegnung auf Augenhöhe unfähig. Muslimbruder Hanafi will das Kalifat und die Scharia und hätte von den Europäern, Nordamerikanern und Japanern bereits vor Jahren als eine Gefahr für ihre freiheitliche Lebensweise erkannt werden müssen.

Auf jeden Fall muß man konstatieren, daß die islamische Linke ein einheimisches Phänomen ist

Frei von Fremdverunreinigung.

Die islamische Linke … ist verpflichtet der Sanusiyya-Bewegung und ʿUmar al-Mukhtar in Libyen, der Mahdiyya im Sudan, der algerischen Revolution und dem Bund der algerischen Ulemas, auch Bashir al-Ibrahimi und der Revolution des Rif in Marokko, den Muslimbrüdern in Ägypten und in der restlichen islamischen Welt.

Weltweite islamische Linke = weltweite Muslimbruderschaft?

Die islamische Linke ist an drei Fronten tätig, die gleichsam wie ein gleichschenkliges Dreieck angeordnet sind. Jede Front dient der anderen, wie eine Armee, die an drei Fronten zugleich aktiv ist. Jede Front bereichert die andere.

Auf Kosten der Nichtmuslime und der säkularen Muslime, versteht sich.

Die erste Front ist das historische Erbe. … die Wirklichkeit zwingt mich, bei dem zu beginnen, was die Menschen in Bewegung setzt. Der Rationalismus, die Menschenrechte sind es im Westen

Ja, Westler, seien wir gemeinsam bewegt, solange wir nur unterschiedlich bewegt sind! Euch verzücke die AEMR, uns die Scharia!

Das kulturelle Erbe ist nichts Versteinertes, es ist veränderlich und erneuert sich ständig.

Die Flexibilität der Scharia ist die Kontinuität der Ungleichbehandlung der Frauen und Nichtmuslime auch bei politischem Gegenwind.

Zu den wichtigsten Elementen der Koranwissenschaft gehören asbab an-nuzul, die Ursachen der Offenbarung. Was bedeutet asbab an-nuzul? Wir sind Philosophen. Die Ursache der Offenbarung bedeutet, daß die Wirklichkeit Priorität vor dem Denken hat.

Wie wahr, und wie an der Ampel: Für Vertreter des organisierten Islam hat die Schariawirklichkeit die Vorfahrt gegenüber der Tatsache. Die Tatsache hat im Straßenverkehr der Globalisierung rot, besser ist das, die Scharia grün.

Hanafi behauptet natürlich, Koran und Scharia würden der Authentizität und Spontaneität gerecht werden und das wissenschaftliche Denken, wir kennen das aus der Debatte um das deutsche Lehrerinnenkopftuch, sei zu wenig „flexibel“, zu wenig auf den „Einzelfall“ bezogen.

Ein Ereignis findet in der Gesellschaft statt.

Allah denkt eben sehr sozial und ist darüber hinaus auf menschliches Personal angewiesen, um zu Erhöhen und zu Erniedrigen.

Dann kommt die Offenbarung und legt eine von vielen möglichen Lösungen nahe. In der Regel ist es die Lösung ʿUmars, d.h. am Anfang steht das soziale Geschehen.

Der Sturz der deutschen Sozialarbeit in die (paradoxerweise unduldsam proislamistische) Beliebigkeit führte über das Protest-Camp in Gorleben und Hasselbach und über das Urschreiseminar bis hin zur Klientenzentriertheit: „Was fühlst du? Leben ganz im hier und jetzt. Einerseits, andererseits. Nett, das wir drüber gesprochen haben.“ So ausgebildet lässt sich freilich für jeden Arbeitgeber „konfliktfrei“ tätig werden, demnächst auch für Moscheeverein oder Muslimbruderschaft. Woodstock goes Caliphate.

Bei der Frage nach den Ursachen der Offenbarung brauche ich keinen Marxismus. Die Grundlage der Offenbarung ist die gesellschaftliche Wirklichkeit.

Hierzulande reitet insbesondere Schariafreund Mathias Rohe auf den Europa irgendwie mit Glück beschenkenden asbab an-nuzul, auf dem Begriff des Offenbarungsanlasses herum.

Nehmen wir die Wissenschaft von der Biographie des Propheten (sira). Warum muss ich mich auf die Person des Propheten konzentrieren?

Genau, Mohammedforschung ohne Mohammed, Islam ohne Allah, alles ganz spontan und sozialpädagogisch. Schließlich geht es um uns alle und gebärdet sich Ḥasan Ḥanafī als Gemeinwesenarbeiter.

Achtung, der pure Forscher bricht in Hanafi durch:

Ich wende mich nun den reinen Wissenschaften zu

Das kann ja heiter werden.

Warum sind Offenbarung, Vernunft und Natur auseinandergefallen? … Wir erachten die Offenbarung als gegen die Vernunft und die Natur gerichtet.

Das Kalifat wird diese Splitter wieder zusammenschmieden, dann werden Präsident und Bürgermeister in ihrer Dienstzeit endlich wieder die Wahrheit verkünden und dann werden die Aussagen der Universitätsgelehrten endlich wieder unser aller Seelenheil sichern.

Ich hatte ja erwähnt, daß die islamische Linke an drei Fronten gleichzeitig aktiv ist. Die erste ist die des kulturellen Erbes. Die zweite ist die des abendländisch-westlichen Erbes. … Die ehemalige Sowjetunion ist Teil der westlichen Zivilisation und Kultur. … Auf jeden Fall ist für die arabische Welt der Westen die Herausforderung. Er ist der Andere schlechthin.

Hanafis Kulturrassismus wird geopolitisch, der Orient als angestammter Raum der Seelenrettung, der Westen als der Weltregion gewordene Satan.

Die islamische Linke versucht, die Frage als einen Diskurs zwischen dem Ich und dem Anderen zu formulieren. Das Ich ist das kulturelle Erbe, das noch lebendig ist, das Andere ist das westliche Erbe.

Der Torrero erblickt den Stier. Wisse, Koranschüler, wo der Feind steht.

Deutschland kennt derlei seelische Geometrie aus der Zeit um 1930 als die Definition des „Entarteten“ etwa in der Kunst oder als das Wort, welches der von der kulturellen Moderne universeller Menschenrechte tief verunsicherten teutonischen Seele Orientierung bietet: „Die Juden sind unser Unglück“.

Jede Zivilisation ist lokal.

Menschlichkeit darf nach Ḥasan Ḥanafī eben nie global sein, Muslimbruder Ḥanafī ruft dazu auf, den Gedanken der weltweiten Zivilisation mit allem Einsatz zu boykottieren.

Ein europäischer, nichtmuslimsucher Kulturrelativist hat hier keine „Probleme“ und kann seine Haltung dem Islam gegenüber als „tolerant“, „friedenserhaltend“ und „funktional“ verstehen.

Wie ein Professor es um die Jahrtausendwende seinen Studenten, angehenden Sozialpädagogen und Sozialarbeitern, sagte: „Individuelle Intelligenz ist das Funktionale, das an wechselnde Bedingungen Angepasste, sei intelligent bedeutet also: passe dich an!“ Der Doktor der Psychologie, über Religion verlor er nie ein schlechtes Wort, hätte uns ja vielleicht auch in den Jahren 1932 bis 1934 zu einer auf „Funktionalität“ basierenden Intelligenz geraten und fraglos zu denen gehört, die „auf der sicheren Seite“ stehen.

Wer von sich behauptet, seine Zivilisation sei international, der beherrscht lediglich die Medien. … Es ist an der Zeit, subjektiv und wissenschaftlich zu werden, und den Westen in einen Forschungsgegenstand zu verwandeln. … Wie ist die Struktur des Westens? Wie denkt er? … Was wird aus dem Westen? … Das ist die zweite Front, an der wir tätig sind.

Wie der im Jahre 1111 verstorbene al-Ghazali es tat: Das fremde Denken studieren – um es zu zerstören.

zur dritten Front. … die direkte Theoriebildung über der Wirklichkeit. … Es handelt sich um die Fähigkeit, einen Text zu schaffen und nicht nur Texte zu lesen oder zu interpretieren.

Hanafis Textgewebe analysieren wir gerade und stellen fest, dass er den männlichen Muslimen ein Kettenhemd der Verweigerung der Menschenrechte und insbesondere der Frauenrechte geflochten hat, allen Muslimen eine Sklavenkette und Fußfessel geschmiedet, welche gerade auch den „zu muslimisierenden“ Kindern und Jugendlichen ein freies Umherlaufen auf dem Planeten und ein Einfordern von allgemeinen Menschenrechten verhindern soll.

Die Wirklichkeit, die mich umgibt, stellt sieben Herausforderungen an mich.

Erstens die Befreiung der Heimat. Palästina ist besetzt

Ḥasan Ḥanafī sagt: Israel ist zu zerstören.

Die zweite Herausforderung an uns ist die Freiheit des Bürgers. … Wie schaffe ich [in den Gefängnissen] die Folter … ab? … “La ilaha illal-lah“. … Das ist die Formulierung von Sayyid Qutb in seinem Buch “al-`adala al-islamiyya“ (Islamische Gerechtigkeit). „Keinen Gott“ bedeutet, ich tilge aus meinem Bewußtsein alle falschen Götter. „Außer Gott“ heißt, … Gott ist die Freiheit. Mit … „Es gibt keinen Gott außer Gott“ sage ich, Er, der Herr dieses Hauses, möge zurückkehren.

Von der Demokratie zur Allahkratie. Nicht das Volk, Allah ist der Souverän.

Die dritte Frage ist die soziale Gerechtigkeit.

Der vollumfänglichen Scharia.

Die vierte Herausforderung ist die Wiederherstellung der Einheit angesichts der Zersplitterung. Wir bilden eine Nation, all diese Grenzen sind künstlich gezogen.

Der arabische Raum als Großislamisches Reich.

Die fünfte Herausforderung ist die Wahrung der Identität gegen die Verwestlichung. Schauen Sie sich Kairo oder jede andere Stadt bei uns an. Ist das noch eine arabisch-islamische Stadt? … Ich verteidige die Sache der Identität mit Muhammad Iqbal.

Kampf gegen McDonald`s, Coca Cola & Mickey Mouse.

Statt dessen: Halal Food, Mecca Cola, Nahool und Farfur.

Die sechste Herausforderung ist die Entwicklung. Wir sind immer noch von anderen abhängig bei den Nahrungsmitteln, der Kleidung und den Waffen

Den Rest der Welt wirkungsvoller erpressen können. Die europäische politische Linke mag dieses uns an das Autarkiekonzept der frühen NSDAP erinnernde Ideal als „Entkolonialisierung“ zu feiern.

Die siebte und letzte Herausforderung ist die Mobilisierung der Massen. Wie kann ich die Menschen für das nationale Projekt der islamischen Linken gewinnen? Die islamische Linke drückt die Gefühle der Menschen aus für ihre Mission in der Geschichte und für die Sicherheit, die sie anstreben.

Das geht nun mal nicht ohne einen Führerkult. Alle im gleichen Takt marschieren lassen, den Abweichler in die Marschformation zurück zwingen.

Die säkulare Muslima Ümmühan Karagözlü attestierte: Du bist nichts, die umma ist alles.

trotzdem hat die islamische Linke ein Arbeitskonzept entwickelt: Pluralität auf der Ebene der Theorie, Einheit von Programm und den gemeinsamen nationalen Zielen.

Der Muslimbruder.

Die islamische Linke kann das Denken nicht vereinheitlichen. Sie erkennt die Pluralität an.

Diversity … innerhalb der von der Scharia vorgegebenen Grenzen.

Getrennt marschieren, vereint schlagen: Die vier politischen Strömungen Ägyptens müssen unter der Fahne des Islam vereinigt werden.

Es gibt die islamistische Bewegung, … die liberale Strömung, … die marxistische Bewegung, … [und die] arabisch-nationalistische oder nasseristische Bewegung. … Ich erlaube den Pluralismus auf der Grundlage der Einigkeit über diese sieben Herausforderungen.

Alles andere Denken ist unzulässig, Israelsolidarität etwa ist verbotenes Denken und darf vernichtet werden.

Ḥasan Ḥanafī macht seinen auf die Errichtung eines nahöstlichen Großkalifats zielenden Vorschlag nach einem arbeitsteiligen Vorgehen an einem Beispiel erklärlich, an Punkt Eins des Sieben-Punkte-Programms, der Zerstörung Israels:

Wer Palästina im Namen des Islam befreien will, wie Hamas das tut, ist willkommen. Wer Palästina im Namen des Liberalismus und der Freiheit des palästinensischen Volkes befreien will, ist ebenfalls willkommen. Wer Palästina im Namen der arabischen Nation befreien will, ist ebenfalls willkommen. Wer Palästina im Namen des internationalen Proletariats und der Rechte der arabischen Arbeiter … befreien will, ist ebenfalls willkommen.

Ich will, daß die islamische Linke auf den Schultern eines jeden getragen wird, wenn sie jemals regieren sollte, da sie eine Lösung für die Krise des Menschen und der Herrschaft ist.

Die Islamische Republik ist für alle da, jeder ist zum Tragen des Gemeinwesens berechtigt.

Und verpflichtet.

Jacques Auvergne

(1) Caryle Murphy: »Passion for Islam. Shaping the Modern Middle East: The Egyptian Experience« (2002). Student und Muslimbruder Ḥasan Ḥanafī half bei Geldsammlungen für die Familien der inhaftierten Muslimbrüder, “[he] was an active member of the organization while attenmding Cairo University”

http://books.google.com/books?id=Rjj48T4zrb8C&pg=PA220#v=onepage&q&f=false

(2) Four Seasons Hotel, Doha, Qatar

http://www.fourseasons.com/doha/

Ballsaal al-Mirqab

http://www.fourseasons.com/doha/weddings/function_rooms_and_settings/al_mirqab_ballroom/#image-doha-hotel-DOH_110

(3) Georgetown University, Qatar. CIRS – The Center for International and Regional Studies, Georgetown University School of Foreign Service in Qatar, P.O.Box 23689, LAS Building, Education City, Qatar Foundation, Doha, State of Qatar

http://cirs.georgetown.edu/52945.html

(4) Georgetown University, Qatar. Innovation in Islam Conference Launched: Two day -long conference discusses civic, political, and cultural life in Islamic society. The Center for International and Regional Studies at the Georgetown University School of Foreign Service in Qatar (SFS-Qatar) opened its annual academic conference entitled “Innovation in Islam.”

http://sfs.georgetown.edu/qatar/49805.html

(5) Alain Navarro, aus Kairo, bei »Middle East Online« am 02.10.2006. Der junge Ḥasan Ḥanafī war Muslimbruder. »Egypt professor compares Koran to supermarket. Hanafi’s remarks about Islam’s holy book spark fierce demands from his fellow Muslims he retract them«

„Hanafi, who received his doctorate from the Sorbonne and has taught in Europe and the United States, was close to the fundamentalist Muslim Brotherhood in his youth. After passing through a phase of leftist leanings, he became one of the leading thinkers in the contemporary movement that posits a revolutionary political activism rooted in study of the Muslim scriptures. Rarely do other thinkers publicly side with him, but one of them is Gamal al-Banna, a Muslim reformist and, ironically, younger brother of Muslim Brotherhood founder Hassan al-Banna.“

http://www.middle-east-online.com/english/?id=17686

(6) Hasan Hanafi. Hassan, anglisiert; nahöstlich auch Hanfi. Biographie

http://www.answers.com/topic/hassan-hanafi

(7) Zwar nicht Toulouse, aber dafür gleich in Japan (2007)

http://www.youtube.com/watch?v=OlAyzz001RQ

09.04.2007, Hassan Hanafi: »From Fundamentalism to Post-Fundamentalism«, oder auch nicht inshallah!

http://www.youtube.com/watch?v=ryGYoGBQDyw&NR=1

02.-04.10.2009, »Edmonton, Alberta, USA. Cultures in Conflict or Dialogue? Alternative Models«, da wird Polygamie, Tschador und Dhimmitude zur Alternativkultur.

http://www.youtube.com/watch?v=JecGImVX0Ls&feature=related

Gesetze, Wissenschaft, Erfindungen, steht alles auch im Koran. Von den Griechen, Chinesen und Indern hat das alte Kalifat nichts übernehmen müssen. Auch Abraham war Muslim. Und eure Renaissance habt ihr sowieso von uns Arabern. »1001 Inventions: Muslim Heritage in our World«

http://www.1001inventions.com/

Allen Fortschritt verdankt die Menschheit dem Islam. Königliche Volksverblödung mit großzügiger Billigung der Foundation for Science Technology and Civilisation (FSTC, Präsident ist Salim al-Hassani). Die Seite »Muslim Heritage« zitiert einen Islamschmeichler namens Prince Charles: “If there is much misunderstanding in the West about the nature of Islam, there is also much ignorance about the debt our own culture and civilisation owe to the Islamic world”und stellt die die auf die europäische Renaissance bezogene und nur rhetorisch zu verstehende Frage: “Did modern Civilisation really rise from nothing?”

http://www.muslimheritage.com/about/default.cfm

(8) Robert Redeker bei: SPIEGEL-online vom 29.07.2007, »Leben mit der Fatwa«, gekürzt und deutsch von Philipp Reuter. „Ein islamkritischer Artikel reichte aus, um zum Todes-Kandidaten zu werden: Der Philosoph Robert Redeker nahm im „Figaro“ kein Blatt vor den Mund – und musste abtauchen. Dem Magazin „Gazette“ erzählte er die Geschichte seiner Verfolgung.“

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,496745,00.html

Zu Robert Redeker, bei Gudrun Eussner. Texte zu Robert Redeker finden sich von hier aus.

http://www.eussner.net/artikel_2007-06-28_17-41-09.html

Robert Redeker: »Face aux intimidations islamistes, que doit faire le monde libre?«, der für ein freiheitlich bleibendes Europa und Nordamerika unverzichtbare und zentrale Text erschien am 19.09.2006 in »Le Figaro«. Aus der Homepage von Robert Redeker.

http://www.redeker.fr/crbst_82.html

(9) »A Common Word Between Us and You«

http://www.acommonword.com/index.php?lang=en&page=signatories

(10) Anke von Kügelgen: »Averroes und die arabische Moderne: Ansätze zu einer Neubegründung des Rationalismus im Islam«, bei: Brill, Leiden New York Köln 1994, Seite 207: „Die iranische Revolution begrüßte Ḥanafī zunächst emphatisch mit der Edition zweier Schriften Khomeinis, äußerte aber auch hierin schon Kritik an der … antiwestlichen Haltung und wandte sich … bald wieder von Khomeini ab.“ Hanafis Denken etwa zu den Begriffen „Erbe“ und „Vaterland“ wird auf den Seiten 206 – 237ausgezeichnet dargestellt.

http://books.google.de/books?id=MOmaDq8HKCgC&printsec=frontcover#v=onepage&q&f=false

(11) Horst Köhler nennt den Islam eine „im Kern friedliche Religion“ und ist von Hasan Hanafi begeistert: „einer der bekanntesten islamischen Philosophen unserer Zeit. Seit vielen Jahren prägt er sowohl die Debatten innerhalb der islamischen wie auch jene mit der westlichen Welt. Er setzt sich für ein islamisches Modernekonzept ein und … war Berater des InterActionCouncils, dem u.a. Helmut Schmidt und Hans Küng angehören.“ Der einstige Bundespräsident ließ den ehemaligen aktiven Muslimbruder und heutigen großen Bewunderer der Muslimbrüder am 20.10.2009 in Schloss Bellevue auf der Podiumsdiskussion »Zukunft der Moderne« reden

http://www.bundespraesident.de/Journalistenservice/Pressemitteilungen-,11107.658077/Podiumsdiskussion-Zukunft-der-.htm?global.back=/Journalistenservice/-%2C11107%2C6/Pressemitteilungen.htm%3Flink%3Dbpr_liste

175. Chomeini: Velayat-e Faqih

26. Juni 2010

ولایت فقیه

Wilāyatu l-Faqīh

Velāyat-e Faghīh

Herrschaft des Obersten Rechtsgelehrten

Die Herrschaft der Imame

Gedanken zum »Velāyat-i Faqīh« des Chomeini. Von Jacques Auvergne.

Zwischen dem 21.01.1970 und dem 08.02.1970 hielt der 67-jährige, seit mehr als fünf Jahren in der Verbannung lebende Großayatollah Chomeini (Rūḥollāh Mūsavī Khomeynī (1)) in seinem irakischen Exil in Nadschaf neunzehn Vorträge, die alsbald in einem kleinen Buch zusammengefasst wurden, »Velāyat-e Faghīh«, das bedeutet „Herrschaft des Obersten Rechtsgelehrten“ (von arabisch Wilāyatu l-Faqīh, Verwaltungshoheit des Schariagelehrten). Mitschriften der Vorlesungen wurden mit verschiedenen Titeln versehen (The Islamic Government, Authority of the Jurist, A Letter from Imam Musavi Kashef al-Qita) um die iranische Zensur irrezuführen und anschließend in den Iran geschmuggelt, wo das inhaltlich explosive Büchlein in den letzten Jahren vor der Islamischen Revolution weite Verbreitung fand und nach 1979 die dem jenseitigen Glück der schariatisch Gehorsamen verpflichtete heutige Verfassung des Īrān prägen konnte.

Hier wird die Übertragung von Ausschnitten aus dem »Velāyat-e Faghīh« aus dem Englischen und aus verschiedenen Werken des schiitischen Islamkonvertiten (ein Ex-Kāfir, sozusagen), Chomeini-Biographen und Chomeini-Verehrers Hamid Algar (2) herangezogen, aus dem die wichtigsten Aussagen ins Deutsche übersetzt werden.

Hamid Algar wurde 1940 in England geboren, erlernte als Jugendlicher das Französische und Deutsche und verbrachte vor seinem Hochschulstudium ein ganzes Jahr im badischen Freiburg. In Cambridge studierte er bis 1965 das Arabische, das Persische und die Islamwissenschaften und erhielt seinen Dr. phil. ebendort und als Islamwissenschaftler. Seither ist Algar Dozent im kalifornischen, zunächst studentisch-revolutionären Berkeley, von wo aus er in unserer Zeit die äußerst Chomeini-orientierte und dabei interessanterweise den Saudis wohl gesonnene Islamic Human Rights Commision (IHRC) unterstützt. Diese titelt am 03.06.2002 mit »IHRC UK EVENT: A discussion with Professor Hamid Algar« und gibt sich erfreut über die „große Ehre“, Algar am gleichen Tag ins schiitische Londoner Islamische Zentrum (The Library, Islamic Centre of England, 140 Maida Vale, London, W9) einladen zu dürfen (3).

Das Schiitenzentrum, gelegentlich Markaz Eslami genannt oder Hawza Ilmiyya, wird vom iranischen Irshad Trust und dem zeitgleich (1996) gegründeten Islamic Centre of England Ltd (ICEL) geführt, der unmittelbar Ayatollah Chamenei (ʿAlī Ḫāmeneʾī) untersteht. Als Oberster Rechtsgelehrter ist Chamenei Staatsoberhaupt – und für die zahllosen Ermordungen und Verhaftungen, die Pressezensur sowie den frauenfeindlichen Schleierzwang der heutigen iranischen Diktatur verantwortlich. Bei der Lektüre Jahrhunderte alter islamischer Texte kann es schon einmal vorkommen, dass mitten in London alle Nichtmuslime mit Schweinen und Hunden (pigs and dogs) verglichen und als Dreck (filth) bezeichnet werden (4).

Die Islamic Human Rights Commision erledigt die „Verteidigung der Unterdrückten“ völlig im Sinne Allahgottes, Mohammeds oder Chomeinis. Polytheisten oder Ex-Muslime sollen allerdings vermutlich nicht zu diesen Unterdrückten gerechnet werden und sind so, völlig folgerichtig, auch nicht zu verteidigen. Die IHRC lässt Arzu Merali am 17.11.2009 die weltweit herumgereichte Proislamistin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi loben („Mrs. Ebadi might well be the most courageous human rights defender the world has ever seen“), jene Ebadi, die gründliche Islamkritiker allerdings für das Maskottchen des mordenden Mullah-Regimes halten und für Ahmadineschads Glücksfee, „a human rights activist for her pro-woman and child work“ (IHRC).

Bereits am 18.04.2004 gab die IHRC ihre hochrangigen Mitstreiter Saied Reza Ameli und Arzu Merali die Broschüre »British Muslims Expectations of the Government. DUAL CITIZENSHIP: British, Islamic or both?« heraus mit dem, ganz im Sinne von Tariq Ramadan oder Murad Wilfried Hofmann, recht unverhohlen auf eine künftige gesonderte Muslim-Staatsbürgerschaft hingearbeitet wird (bei IHRC-online am 02.04.2010 (5)), was wenig zufällig der Forderung des Allāh- und Qaraḍāwī-Stellvertreters Mustafa Cerić nach einer Rechtsspaltung im Familienrecht sehr genau entspricht.

Am 18.11.2009 sucht die IHRC freiwillige Schariafreunde (Alert: Volunteers required for an IHRC research project on Germany) und verurteilt nicht einmal drei Wochen später, am 07.12.2009, die rechtsstaatlich legitimierten Polizei-Razzien bei der deutschen Millî Görüş (Germany. IHRC condemns the recent raids of the offices of IGMG). IHRC-Vorstandsmitglied Massoud Shadjareh beklagt die weltweite Islamophobie, der in Deutschland die IGMG zum Opfer falle: „what is happening in Germany is a reflection of the intolerant attitude of the EU governments against Islam and the draconian approach to Muslim groups in general“.

Alljährlich vergibt die IHRC den als ätzende Ironie zu verstehenden Preis für Islamophobie (The Islamophobia Awards) an die größten Islamophoben des Jahres („the worst Islamophobes of the year“). Islamophobie wird von der IHRC definiert:

„What is Islamophobia? A contemporary and emerging form of prejudice Islamophobia can be described as stereotypes, bias or acts of hostility towards individual Muslims or followers of Islam in general. In addition to individual acts of intolerance and racial profiling, Islamophobia leads to viewing Muslims as a greater security threat on an institutional, systemic and societal level and perceiving their views to be intrinsically problematic, violent or unethical.“

Damit ist also jeder, der die Polygamie, die Frauenverstoßung, das halbierte Erbe der Frau und ihre halbe Stimme vor Gericht, den Kulturrassismus der Dhimmitude, das Steinigen der Ehebrecherin oder das Schwängern neunjähriger Bräute für „unethisch“ (unethical) hält, ein Islamophober. Islambezogenes Wissen wird so zum „Vorurteil“ und „Stereotyp“. Der Dschihad gegen die Menschenrechte, jetzt gleich, und gegen die Tatsache, etwas später.

Der offizielle IHRC-Berater („Professor Algar is also an advisor to IHRC“) meint, der Islamischen Revolution von 1979 komme für den weltweiten Islam die Rolle des hervorragendsten und hoffnungsvollsten Ereignisses zu (6).

Nun zu Ayatollah Chomeini. Neben den kommentierenden Zwischenrufen stammen auch die in eckigen Klammern stehenden [erklärenden] Anmerkungen von Jacques Auvergne.

1. Die [noch so gut gemeinte] Gesamtheit von Gesetzen reicht für die [heilssichernde] Verbesserung der Gesellschaft nicht aus. Damit die Gesetze [also wirklich] zum Werkzeug der Verbesserung werden und zum Glück der Menschheit, bedürfen sie der ausführenden Gewalt, der Vollstrecker. Deswegen hat der erhabene Herr neben einem offenbarten System von Gesetzen, neben den Geboten der Šarīʿa, eine Regierung errichtet und die Einrichtung von Institutionen der Ausführung und Verwaltung befohlen. [Muhammad als] der Gesandte Gottes stand an der Spitze der ausführenden und verwaltenden Organe der islamischen Gemeinschaft. [Denn] außer der Verkündigung der göttlichen Offenbarung und der Erläuterung und Auslegung der islamischen Religionsgesetze, Gebote und Anordnungen wirkte er vorbildlich an der Umsetzung der Gebote und am Aufbau der gesellschaftlichen Strukturen des Islam, um einen [veritablen] islamischen Staat zu stiften. So begnügte sich der Prophet in jenen Jahren nicht nur mit dem Verkünden des Strafrechtes, sondern führte es zugleich aus: Er schlug Hände ab, ließ Auspeitschen und ordnete Steinigungen [ar-raǧm] an. … Wenn er den Kalifen, den Nachfolger bestimmte, so nicht allein, um die Glaubenssätze und göttlichen Befehle zur Sprache zu bringen, sondern er sorgte dafür, das man sich auch um die Ausführung der Gebote und Gesetze kümmert. … Die Muslime brauchten nach dem [Tode des] Propheten jemanden, der die Gesetze anwenden und die islamische Gesellschaftsordnung garantieren konnte, damit ihr Glück im Diesseits wie im Jenseits gesichert ist.

Der Valî-e Amr [Walī ul-Amr, der Vormund der Menschheit, der Befehlshaber Allahs] ist zugleich Inhaber aller ausführenden Gewalt. … [Sowohl] die Sunna und die Lebensweise des Gesandten verlangen [von uns], die Notwendigkeit der Bildung einer [islamischen] Regierung [zu erkennen]; denn zum einen hat der Prophet selbst eine Regierung geformt, … und zum anderen hat er, dem Befehl Gottes treu, einen Nachfolger für sein Führungsamt festgelegt, was bedeutet, dass die [islamische] Regierung nach dem Tode des Propheten unverzichtbar bleibt. Die Notwendigkeit der [organisierten] Durchsetzung der göttlichen Gebote … bleibt nach dem Tode des Propheten bestehen. Nach den Worten des ehrbaren Koran beziehen sich die islamischen Gebote nicht auf Raum und Zeit; sondern werden bis in alle Ewigkeit bestehen bleiben und ausführungspflichtig sein.

Demnach entspricht es sowohl der Vernunft als auch der Scharia [Šarīʿa], dass das, was zu Lebzeiten Mohammeds und Alis von Nöten war, nämlich der Regierungsaufbau und die Einrichtung einer islamischen Verwaltung, … auch heutzutage unverzichtbar ist. … Wer auch immer sagt, die Einrichtung einer islamischen Regierung sei nicht notwendig, hat damit die Pflicht der Durchsetzung der Islamischen Gebote, ihre Vollkommenheit und Kohärenz sowie die ewige Geltung der Religion des Islam abgestritten. … Ein anderer Grund, der die Regierungsbildung unabdingbar macht, heißt: Das Wesen der islamischen Gesetze, al-aḥkām aš-šarʿ [aḥkām, gehorsamspflichtige Anweisungen Allahs, zu: Sg. ḥukm, Gottesbefehl, Islamisches Gebot].

2. Diese aḥkām-e šarʿ sind das Gefüge der Gesetze und Bestimmungen, die als [vollkommenes] Ganzes [allein] eine [gesunde] Gesellschaftsordnung aufzurichten vermögen. In [der Šarīʿa als] diesem System der Rechte [und Pflichten] ist alles berücksichtigt, was der Mensch zu einem gelingenden Leben braucht: Vom rechten Verhalten im Umgang mit Nachbarn, Kindern, Familienmitgliedern oder Verwandten beziehungsweise Mitbürgern über private Belange [wie auch] dem Eheleben bis hin zu den [von Allāh aufgestellten] Bestimmungen über die Frage nach Krieg und Frieden oder zu den Fragen, die den Umgang mit anderen Völkern betreffen. Alle Rechtsbereiche, … vom Strafrecht bis zum Wirtschafts-, Industrie- und Landwirtschaftsrecht, sind [in der Šarīʿa] zur Sprache gebracht [und sehr deutlich] angeordnet worden. Die Šarīʿa hat [damit] für alle Lebensstationen [die optimalen, vollkommenen] Bestimmungen: … von der Heirat und ihrem Abschließen [Imam-Ehe], über die Embryonalentwicklung und die gesunde Ernährung der werdenden Mutter, über die elterlichen Pflichten während der Stillzeit bis zur Frage, wie man Kinder erziehen soll und wie das rechte Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern aussehen muss.

2.1. [Beim] genauen Betrachten des Wesens und Charakters der aḥkām-e šarʿ wird erkennbar, dass Erreichbarkeit und Verwirklichung dieser Gebote einer Regierungsbildung bedürfen, [und] dass die Durchsetzung der göttlichen Gebote ohne einen groß angelegten Apparat der Kontrolle und Verwaltung nicht zu gewährleisten ist.

Nehmen wir beispielsweise den ḫums [wörtlich das Fünftel], der eine bedeutsame Einnahme des Fiskus [Baytu l-Māl, die „Schatzkammer“ der umma, zu bayt / bait, Haus] bildet. … In unserer [einzigen heilssichernden] Religion wird ḫums in den Bereichen Handel, Landwirtschaft und Bergbau eingezogen sowie bei allen Gewinnen und Erlösen. Es treten zakāt [zakāh, die für jeden Muslim verpflichtende Sozialabgabe] und ǧizya [Kopftsteuer der Dhimmis an die befehlsberechtigten Muslime im islamischen Staat] hinzu sowie die ḫarāǧ [Grundsteuer]. … Mit Anarchie oder Chaos wäre derlei [wohldurchdachte Finanzpolitik] doch ganz gewiss nicht zu machen.

2.2. Ein weiterer Beweis für die Notwendigkeit der Bildung einer Islamischen Regierung sind die Gebote der Aufrechterhaltung der Islamischen Ordnung und diejenigen der militärischen Verteidigung des unverletzlichen Territoriums. Beispielgebend dürfen wir hier das göttliche Gebot aus der Sure al-Anfāl Vers 61 heranziehen: „Bereitet euch nach Kräften gegen eure Feinde und rüstet starke Heere auf.“ Dieses Gebot ist ein Befehl an alle Muslime, eine Armee aufzustellen und dauerhaft zu finanzieren sowie ein Befehl, auch in ruhigen und friedlichen Zeiten in ständiger Alarmbereitschaft zu sein. Wenn die Muslime sich an dieses göttliche Gebot gehalten hätten, wäre es einer Handvoll Juden nicht gelungen, unsere Lande zu besetzen und unsere al-Aqṣā-Moschee zu zerstören oder in Brand zu setzen. … Wenn die Regierungen der [heutigen, so genannten] islamischen Staaten wirklich die [vor Allāh legitimen] Vertretungen der Gläubigen gewesen wären, hätten sie ihre geringen Meinungsverschiedenheiten und Streitereien beiseite gelassen und sich zu einer einzigen, geballten Faust vereint.

Die al-Aqṣā-Moschee steht auf dem etwas nachträglich al-Ḥaram aš-Šarīf, „das edle Heiligtum“ genannten Tempelberg, der im regional wesentlich angestammteren Hebräischen Berg des Hauses heißt, Har haBayit. Gemeint ist allerdings ganz Jerusalem, was wiederum heißt: ganz Israel, das es aus Chomeinis Sicht für den Islam zurückzuerobern gilt. Wortherkunft zu al-masǧid al-aqṣā, „der weit entfernte Ort der Niederwerfung“. Wird oft verwechselt mit dem benachbarten goldbekuppelten Felsendom, Qubbatu ṣ-Ṣaḫra.

2.3. Göttliche Gebote zum Recht und Strafrecht

Ohne eine funktionierende [islamische] Regierung können, um weitere Beispiele anzuführen, die vielen göttlichen Gebote zu den diyyāt [Sg. Diyya, talionsrechtliche finanzielle Entschädigung, heilssicherndes Blutgeld] oder die strafrechtlichen Gebote Gottes zu den ḥudūd [Sg. ḥadd] und zum qiṣāṣ nicht angewendet werden.

3. Von der Notwendigkeit der politischen Revolution

Als der Prophet gestorben war, haben die Widersacher [Allahs] und die Umayyaden (al-Umawiyyūn) verhindert, dass es eine Islamische Regierung nach der Maßgabe der Wilāya [vor Allāh legitime Statthalterschaft und Staatsführung] gibt. Diese Kräfte haben ein Regieren zu Allahs und Mohammeds Zufriedenheit nicht geduldet, … ihre Regierungsweise ähnelte vielmehr derjenigen der persischen Großkönige, römischen Cäsaren oder ägyptischen Pharaonen. Diese unislamische Form des Regierens hat an den meisten Orten der Welt bis in unsere Tage ihre [heilsgefährdende] Fortsetzung gefunden. Doch gebieten uns sowohl die Šarīʿa als auch die Vernunft, dass wir nicht zulassen, dass sich ein derartiges Regieren, ein derartig unislamischer politischer Zustand fortsetzt. Denn der Zusammenhang müsste doch eigentlich jedem [Gläubigen] ersichtlich sein, dass das Vorhandensein einer unislamischen politischen Ordnung lediglich bedeutet, dass die [gleichsam naturhafte und gesunde, fiṭra-anlagegemäße] islamische politische Ordnung nicht zum Durchbruch gekommen ist.

Sondern von universell-menschenrechtlichen, freiheitlich-demokratischen und anderen satanischen Kräften verhindert wird.

Daraus folgt, dass jede unislamische Politik einen Polytheismus darstellt, weil ihr Herrscher ein Ṭāġūt [anglisiert Taghoot, NL taghoet] ist, ein Götze. Wir [Muslime] haben die Pflicht, jede Spur der Vielgötterei aus unserem Leben und Staat zu entfernen und für immer zu zerstören. … Wir müssen grundsätzlich Bedingungen schaffen, die der Herrschaft eines Ṭāġūt oder einer [schariarechtlich] illegitimen Macht entgegengesetzt sind [wir dürfen hier gewalttätig sein], denn nur unter diesen können [junge] Menschen zu Frömmigkeit und Bildung emporwachsen. Die Verderbtheit unserer Zeit wird durch das politische System verursacht, welches der Herrschaft der Ṭawāġūt [eigtl. Ṭawāġīt, Götzen, Sg. Ṭāġūt) und derjenigen des Polytheismus dient. Das aber ist die „Verderbnis auf Erden“, die beseitigt werden muss und deren Verursacher zu bestrafen sind. Keine andere Verderbtheit war es, die einst das politische System des ägyptischen Pharao aufgerichtet hat. In einer solchen Gesellschaft aber kann ein religiöser, Gott fürchtender Mensch nicht existieren, will er dem Islam und dem islamischen Wohlverhalten treu bleiben. Er hat nur zwei Möglichkeiten: entweder er akzeptiert, dass er [schariarechtlich] verbotene Taten begeht und damit de facto dem Polytheismus dient, oder er leistet Widerstand, um dem System und der Logik des Ṭāġūt zu entkommen. Uns bleibt gar keine andere Wahl als die verderbten und Verderbtheit erzeugenden politischen Systeme zu vernichten.

Als er am 06.10.1981 mit drei dschihadistischen Komplizen der Gruppe al-Jihad (auch: al-Gihad) seinen Präsidenten Muḥammad Anwar as-Sādāt (el-Sadat) erschossen hatte, rief der Attentäter Khalid Ahmed Showky al-Islambouli: „Ich habe den Pharao getötet!“ (I have killed the Pharaoh!), nach anderen Berichten: „Tod dem Pharao!“ („Death to Pharaoh!). Al-Jihad / al-Gihad ist eine Abspaltung der radikalislamischen al-Jamaat al-Islamiya (el-Gama’a el-Islamiyya), die am 08.06.1982 den Agrarwissenschaftler und Gesellschaftskritiker Faradsch Fauda (Farag Fauda) ermordete. Vielleicht hat Attentäter al-Islambouli genau Ayatollah Chomeinis zitierten heiligen Hass auf das „politische System des ägyptischen Pharaos“ nicht gekannt, in der Geschichtslosigkeit oder vielmehr in der ewigen Gegenwart des Islam jedoch ist jede unislamische Herrschaft ein Staat der Feinde Allahs, der gewissermaßen als pharaonisch gelten muss und damit zu beseitigen ist. Die Ära der Pharaonen ist für jeden Dschihadisten gleichbedeutend mit der von bin Taimīya (1263-1328), al-Maudūdī und Quṭb „politisch“ (islamisch konsequent) verwendeten berüchtigten Ǧāhilīya, der Epoche der [vorislamischen] Barbarei. Denn einerlei ob vorislamisch oder unislamisch, die Herrschaft Allahs ist morgen aufzurichten, dein Heil ist heute gefährdet und dein Einsatz beim Beseitigen des Kufr ist in zwei Stunden gefragt, am besten in einer Stunde.

4. Die Unabdingbarkeit der Islamischen Einheit

Die Kolonialmächte und Despoten haben die Geborgenheit des Islam in Stücke gerissen, die islamische Umma in separate Nationalstaaten geteilt. Russland, England, Österreich und die anderen Kolonialmächte handelten vereint, überzogen das Osmanische Reich mit Krieg und teilten es untereinander oder machten die Territorien abhängig. …

Der typisch islamischen Angst vor der fitna, der „Zerspaltung“ von Gesellschaft oder Kriegerbund, lässt sich mit dem Aufbau absolut verlässlicher Hierarchien von Befehl und Gehorsam begegnen, die es gilt, als egalitär darzustellen.

Uns bleibt gar kein anderer Weg, wollen wir die Einheit der Umma wieder herstellen und die islamische Heimat den Besatzern beziehungsweise ihren Marionettenregierungen entreißen, als eine [islamische] Regierung zu bilden. Um der Einheit und Freiheit der muslimischen Völker Willen gilt es, die unterdrückerischen und die von [ungläubigen] Fremden ernannten Regierungen zu stürzen. um anschließend die Gerechtigkeit und Gemeinwohl gewährleistende Islamische Regierung aufzurichten. Wir sehen, dass die Regierungsbildung zum Schutz von Einheit und Wohlergehen aller Muslime unerlässlich ist, wie uns ja bereits die heilige Zahrā ermahnt: „Das Imamat ist für die aufrecht erhaltene Ordnung der muslimischen Gemeinschaft und die Verwandlung ihrer Zerstrittenheit in Eintracht unerlässlich.“

Die Mutter aller prophetischen Nachkommen und Tochter (bint) Mohammeds gilt den Schiiten als eine Heilige (7).

Fāṭima bint Muḥammad (606-632) wird auch Fāṭima z-Zahrā genannt. Man verwechsele sie nicht mit der ungefähr sechs Jahre eher verstorbenen Fāṭima bint Asad, einer der ersten Musliminnen oder Muslime überhaupt, welche vier Söhne und zwei Töchter hatte, unter den Söhnen befanden sich Ǧaʿfar bin Abī Ṭālib („Dschafar ibn Abu Talib“) (8) und ʿAlī bin Abī Ṭālib („Ali ibn Abu Talib (a.)“), der vierte der vier rechtgeleiteten Kalifen der Sunniten und der erste der heiligen schiitischen Zwölf Imame (9).

5. Von der Notwendigkeit der Emanzipation der Entrechteten und Unterdrückten

Unsere Aufgabe ist es, diese [hungernden und entrechteten] Menschen zu retten. Unsere [von Gott auferlegte] Pflicht ist es, Freund aller Unterdrückten und Feind jedes Unterdrückers zu sein. … Den ʿUlamāʾ des Islam kommt dabei eine wichtige Aufgabe zu … sie dürfen es nicht länger dulden, dass ein großer Teil der Menschheit Hunger leidet, während wenige Ausbeuter und Plünderer im Überfluss leben. Der Emir der Gläubigen [ʿAlī] sagt uns: „Die Regierungsführung habe ich nur deswegen übernommen, weil Allāh die ʿUlamāʾ dazu verpflichtet hat, zur Dekadenz der Plünderer und Unterdrücker und zur Marginalisierung und Mittellosigkeit der Unterdrückten nicht zu schweigen“ (Nahdsch-ul-Balāgha 41/1 (10)). Wir dürfen nicht länger tatenlos dabei zusehen, wie sich die Verräter [der rechten, islamischen Seinsweise] Unredliches erlauben und die Pfründe der [ungläubigen] Fremden einstreichen, … und dabei Millionen von Muslimen in Armut belassen. Es ist die Aufgabe der ʿUlamāʾ und aller anderen Muslime, … die unterdrückerischen Regimes zu stürzen und islamische Regierungen zu errichten.

6. Über die Notwendigkeit des Regierens gemäß der Aḫbār [Sg. ḫabar, Bericht, Nachricht] der heiligen Berichte

Aḫbār („Nachrichten“) ist heutzutage, die Faktennähe nimmt sich zaghaft den Vortritt gegenüber der islamischen Heilsrettung heraus, der Name vieler arabischsprachiger Zeitungen (11), sogar bis in die USA (12).

Keine Religionsgemeinschaft auf der Welt vermag ohne einen Führer zu sein. … Allahs Ratschluss hat es fern gelegen, die Menschheit ohne einen Führer zu lassen, von dem, wie er [Allāh] weiß, die Menschen existentiell abhängig sind, weil sie die Feinde abzuwehren und die gemeinschaftlichen Einkünfte zu verteilen haben und weil sie die gemeinsamen Gebete verrichten müssen … . Ohne einen von Gott eingesetzten Imām, Führer, welcher Ordnung und [bestenfalls rein schariatische] Gesetzeseinhaltung gewährleistet, würden Volk und Religion untergehen.

Die Menschen sind zu mangelhaft, zu unterschiedlich und launisch, um ohne einen Führer leben zu können. … Viele Gründe also sprechen für die Islamische Regierung und die Einsetzung eines Valī-e Amr, eines befehlsgebenden Statthalters. … Die Anwesenheit eines [obersten politischen] Befehlsgebers, eines Wächters über das Islamische Gesetz, ist unerlässlich, … um die bidʿa – die von Menschen erfundene, irrige Lehre – abzuwehren.

Die Verwestlichung [Entartung] der Muslime hat nur geschehen können, weil wir keinen Qaiyim (Vormund, Aufpasser) hatten.

B. Über die Natur der Islamischen Regierung

1. Islamisches Regieren und nichtislamisches Regieren

Islamisches Regieren lässt sich mit keiner anderen Regierungsweise vergleichen. Sie ist beispielsweise keine Diktatur …, sondern die an Koran und Sunna gebundene Anwendung der göttlichen Gesetze auf das Volk.

Anders als Monarchie oder Verfassungsstaat … obliegen die Legislative und die Bevollmächtigung zur [Durchsetzung der] Šarīʿa [durch seine die Gewaltlizenz gegen alle Nichtmuslime und unbotmäßigen Muslime innehabende Regierung] dem erhabenen Gott [Allahgott]. Gesetzgeberische Gewalt nämlich kann im Islam nichts anderes sein als die heilige Šarīʿa. Niemand sonst [außer Allah] hat das Recht, Gesetze zu erlassen, keine außerhalb der Šarīʿa liegenden [beziehungsweise gegen ihre Grenzsetzungen verstoßenden] Gesetze dürfen zur Anwendung kommen. Und so kennt die Islamische Regierung auch kein Parlament, sondern eine Planungskammer, die für die einzelnen Ministerien Pläne aufstellt, welche den Geist der Islamischen Normen wiederspiegeln. Die Pläne wiederum prägen den Charakter des Öffentlichen Dienstes, der das ganze Staatsgebiet erfüllt.

Die Gesamtheit des [kohärenten und ewigen] Islamischen Gesetzes, das sich aus Koran und Sunna herausbildet, wird von der gehorsamspflichtigen Umma [in Freiwilligkeit] anerkannt. Gesetzlichkeit ist damit Sache des Volkes, durch die [auf der Zustimmung des Volkes aufbauende, harmonische] Übereinstimmung zwischen [islamischer] Führung und [muslimischem] Volk ist die Ausübung des Regierungsamtes leicht. In den Republiken oder konstitutionellen Monarchien hingegen wird es überwiegend so sein, dass die so genannten Volksvertreter der Bevölkerung ihren Willen aufzwingen.

Die Islamische Regierung ist eine Regierung der Gesetze, Gott selbst ist Souverän, das Gesetz wiederum ist Befehl oder Gebot des Herrn. Alle Individuen unterstehen dem Islamischen Gesetz, anders gesagt, unterstehen Allahs Befehl.

Als der Prophet [Mohammed] das Kalifat implementierte, tat er es auf Befehl Gottes. Allāh selbst hat ihn zu seinem irdischen Kalifen [Statthalter, Stellvertreter] gemacht, es war also nicht etwa der Fall, dass Mohammed hier einer persönlichen Meinung gefolgt wäre. Mohammed wiederum bestimmte ʿAlī zu seinem Kalifen, um das Aufkommen von Zwist in der noch unerfahrenen Umma zu vermeiden. Wir sehen, dass Regieren im Islam bedeutet, den Gesetzen Folge zu leisten und dass außer ihnen nichts anderem die Rolle des Herrschens zukommt. Sogar die Freiräume [persönlicher Entscheidung] wurden [schließlich] von Gott [unübertrefflich perfekt] bestimmt. Das prophetische Erwähnen eines Sachverhaltes oder Verkünden eines Gebotes verlief in jedem einzelnen Fall in den Bahnen des göttlichen Gesetzes, weshalb alle Muslime Mohammeds Beschreibungen oder Anweisungen [absolute] Folge leisten müssen. Selbst das Folgeleisten ist ja ein göttlicher Befehl, Koran 4:59, „und gehorchet dem Gesandten“.

Auch das Gehorchen auf die Anweisungen der Ulil-Amr, der [„heiligen“] Statthalter, entspringt Allahs koranischem Befehl aus Sure 4 „Und gehorchet denen unter euch, die Befehle erteilen dürfen!“ Persönliche Meinungen, und seien es die des Propheten selbst, haben in diesem System keine Bedeutung. Alle unterstehen Allahs Willen.

Ulil-Amr (ʾ-m-r; Supreme Authority, Heilige Obrigkeit) entstammt dem Koran, wo es in 4:58 heißt: „Gehorche Allah und dem Gesandten und all jenen, die hoheitliche Macht haben (13).“

2. Voraussetzung des Regenten

Neben Vernunft und Klugheit sowie Wohlgeratenheit:

1. Gesetzeskenntnis [Schariawissenschaft] und Gerechtigkeit

2.1. Gesetzeskenntnis des Regenten ist unerlässlich. … Unsere religiösen Führer (Aʾimma, Sg. Imām) erklärten ihr Imāmāt durch den Wissensvorsprung des Führers. … Gesetzeskenntnis und Gerechtigkeitssinn sind die Grundlage der legitimen Herrschaft jedes Regenten, alle weiteren Führungseigenschaften sind entweder unmaßgeblich oder unwichtig.

Das Kalifat betreffend muss der Kalif zum Ersten die Islamischen Gebote kennen, muss also gesetzeskundig sein, und hat sich zum Zweiten durch Gerechtigkeit auszuzeichnen sowie durch Vollkommenheit der Moral und Glaubenstiefe. … Solange er taqlīd übt [und keinen iǧtihād betreibt] … wird seine Herrschaft scheitern, zumal ein richtiger Herrscher und Vollstrecker ja doch wohl nie nur ein getreuer Befolger sein kann. Denn auch das steht für alle Zeiten fest: „Die Theologen gebieten über die Sultane [Könige, Präsidenten]“. Die Könige, sofern sie echte Muslime sind, haben sich den Fuqahāʾ, den Theologen zu unterwerfen und sie haben die Fuqahāʾ nach dem Islamischen Gesetz und Gebot sowie nach der korrekten [das diesseitige und jenseitige Heil bestmöglich garantierenden] Anwendung von Koran und Hadith zu befragen.

Sunnitisch und schiitisch Volksentmündigung, Allahkratie, schiitisch zusätzlich Klerusherrschaft, Klerokratie.

2.2. Der Regent muss in Moral und Glaubenstiefe integer sein sowie vollkommen gerecht und sündenfrei. Denn wer die ḥudūd [Sg. ḥadd] vollstreckt, das islamische Strafrecht, kann doch nicht selber ein Sünder sein. Nein! Der gesegnete und allmächtige Allāh gibt keinem unrechten Herrscher eine solche Befugnis.

Islamische Führungsethik: Wer nur genügend mordet, dabei selbstverständlich ausschließlich schariakonform mordet (ḥalāl-Mord), ist integer und ohne Sünde.

Was aber soll man [als Muslim] jetzt tun, in einer Epoche der „Verborgenheit“ [ohne Kalifat beziehungsweise ohne einen obersten schiitischen Imām], in einer Zeit, in der der gesegnete und erhabene Allāh keine Person mit dem Amt der Regierungsbildung betraut hat? Wie erläutert, ist der Aufbau der Islamischen Regierung [jedem Muslim] vorgeschrieben. … wenn also zurzeit kein höchster Imam der Staatsführer ist, dann muss eben jeder Einzelne alles in seiner Macht stehende tun, um dieser Staatsform zur Gestaltwerdung zu verhelfen. [Geeignete Kandidaten für die Bildung einer Regierung des Super-Imam gibt es ja schließlich auch heute genügend, und] wenn diese sich nur gemeinschaftlich versammeln würden, könnten sie die Menschheit mit einer Staatsführung der allgemeinen Gerechtigkeit beschenken.

„Verborgenheit“ meint im engsten Sinne das gemäß der schiitischen Gläubigkeit die derzeit zu duldende „Große Verborgenheit“, al-ghaiba al-kubra (14), das Warten auf den 12. Imām, jenem sehr heiligen Wiederkehrer, dessen Figur sich allerdings notwendig mit dem Amte Mohammeds und demjenigen eines jeden wahren Kalifen verflicht sowie mit der Rolle des den Endkampf gegen das Böse erfolgreich führenden Heerführers, des Mahdī (15). Der ungeduldige Noch-nicht-Diktator Chomeini bringt sich hier in jeder Weise selbst ins Spiel, wer weiß, ob er nicht von den glühendsten Getreuen für den verborgenen Imām gehalten worden ist. Wer weiß, ob im Jahre 2010 der an der Atombombe bauende Herr Ahmadinedschad (Maḥmūd Aḥmadī-Nežād), als 6. Präsident seit dem 03.08.2005 im Amt, nicht bewusst damit kokettiert, dem Mahdī sehr zu ähneln.

3. Die Regentschaft des Faqīh

Sobald eine würdige Person auftritt [zum Beispiel ich, Chomeini], welche die soeben genannten Eigenschaften aufweist, und eine Regierung aufbaut, dann ist diese genau das Staatswesen, das der Prophet dereinst für die Verwaltung seiner Gemeinschaft stiftete, und jeder [Muslim] hat die Pflicht, dieser Regierung Folge zu leisten.

Der Führerstaat. Gelegentlich ähnelt Chomeinis Buch »Velāyat-e Faghīh« dem Hitlerschen Mein Kampf.

Es ist nämlich völlig unberechtigt, zu fragen, ob Allāh Mohammeds Regentschaft in vollkommenerem Maße ermächtigt hätte als diejenige von ʿAlī und diese vollkommener ermächtigt als die der Theologen. … Allāh hat dieselbe [ungeschmälert heilssichernde und unteilbare] Vollmacht den Menschen anvertraut, sowohl Mohammed als auch ʿAlī oder den Aʾimma [die Mehrzahl von Imām], und zu dieser Vollmacht gehört Heeresgründung, Mobilmachung und Steuereintreibung (zakāt, ǧizya usw.).

Das prekäre Heil der muslimischen Seele ist mit einem Male relativ gesichert, der Muslim kann womöglich bald wieder leben wie zu Zeiten des Propheten. Die vollumfänglich installierte islamische Seinsweise allein gibt optimalen Anschluss an den Medinastaat gestern und die Paradiesfreude morgen. Chomeini erlöse uns.

Wilāya, Regieren und Verwalten eines Staates sowie Gesetzeserlass nach [den Strukturen] der [ungefilterten, ungeschmälerten] Šarīʿa ist ein schweres und bedeutsames Tun, zumal sie niemandem besondere Würde einbringt und keinen höher stellt als den anderen. Anders als oft vermutet ist Wilāya kein Privileg, sondern eine Bürde.

Die Pflicht zur Wilāya (islamische Regierung und islamisches Führertum) erlischt für einen Muslim niemals, zumal die Fuqahāʾ (Gelehrten) von Gott eingesetzt sind. Sie sollen versuchen, die Steuer, das Zehntel (zakāt), Fünftel (ḫums) und die Grundsteuer (ḫarāǧ) einzunehmen und im Sinne des [kulturrassistischen islamischen] Gemeinwohls zu verwenden, auch das islamische Strafrecht sollen sie durchsetzen [und dem Dieb die Hand abhacken].

Wir haben eine das Weltall schaffende Herrschaft vor uns, das Kalifat ist kosmogenetisch, alle Teilchen des Universums sind dem Führer (Valī-e Amr) unterworfen.

Zackig bis auf die subatomare Ebene, und selbst die Moleküle entbieten den Hitlergruß. Mohammed und Chomeini als zwei Seelen rettende Teilchenbeschleuniger. Profane Gaszentrifugen zur waffenfähigen Anreicherung von Uran mögen beim globalen Saubermachen Ergänzung sein (16).

Nach der Überlieferung sind der Prophet und die Aʾimma [Sg. Imām] einst Lichter im Schatten des göttlichen Thrones gewesen, auch in ihrer Embryonalentwicklung oder vielmehr Keimbefruchtung sind sie gewöhnlichen Menschen ungleich.

Wissenschaft war gestern, jetzt kommt al-islām. Der schiitische Hochklerus wird uns zur Superrasse.

5. Die theologische Regierungskunst in der Überlieferung

Der heutige Islam aber ist wie ein Fremdling. Nichts als der Name von ihm ist geblieben. Der umfassende islamische Strafrechtskatalog, der trefflichste seiner Art, der jemals den Menschen offenbart worden ist, ist in Vergessenheit geraten. Hat denn der Prophet auch so gehandelt? Verlas er etwa nur den Koran und schob ihn dann beiseite? War er nicht vielmehr um die [genaue] Vollstreckung der Strafen und Durchsetzung der Gebote bekümmert? Haben etwa die Kalifen sich darauf beschränkt, der Bevölkerung einen Haufen an theologischen Fragestellungen vor die Nase zu werfen und sich dann [in die Tatenlosigkeit und ins Schweigen] zurückzuziehen? Oder ließen sie [nicht vielmehr] die Straftäter auspeitschen, steinigen, einsperren oder in die Verbannung schicken?

6. Das unmittelbare Regieren der Fuqahāʾ

Die höchste Aufgabe aller Propheten liegt darin, eine gerechte Gesellschaftsordnung aufzurichten. Das setzt sicherlich Diskussion und Mission, Pädagogik und Propaganda der von Allāh gesetzten Normen voraus, das Ziel aber bleibt die [einzig] gerechte Gesellschaftsordnung, wie das der Koran (al-Hadīd:25 [hier nach Rudi Paret, ergänzt]) sagt: „Wir haben doch (im Laufe der Zeitalter) unsere Gesandten mit den klaren Beweisen (zu allen Menschen) geschickt und die Schrift und die Waage mit ihnen herabkommen lassen, damit die Menschen für Gerechtigkeit sorgen würden.“ Also bleibt das generelle Ziel allen Prophetentums, die Menschen auf der Basis gerechter sozialer und politischer Beziehungen zu ordnen, auf dass sie ein gelingendes Leben führen können, was [nur] dann möglich ist, wenn eine [islamische] Regierung gebildet und die Gebote [der vollumfänglichen Scharia] durchgesetzt werden.

6.1. Islamische Regierung als praktizierte Gesetzesreligion benötigt Staatsführer und mehr noch Religionsgelehrte (Fuqahāʾ), welche gesetzeskundig sind. … Die Fuqahāʾ sind nach Allahs Geboten Treuhänder und … dürfen nicht dulden, dass vom Islam abgewichen wird. … Bestraft daher ein Faqīh einen Sexualstraftäter wegen unehelichem Geschlechtsverkehr (Ehebruch), hat er ihn den [göttlichen] Weisungen gemäß vor ein Publikum zu führen und mit hundert Schlägen auspeitschen zu lassen. Der Faqīh darf weder 101 Schläge verordnen noch ihn beleidigen, ohrfeigen oder für einen Tag einsperren. Nicht anders hat es der [islamische] Theologe bei der Einziehung der [von Allāh befohlenen] Steuer zu tun, die und die Summe darf er einnehmen und keinen Cent mehr.

Der Herrscher [im Islam] ist wirklich das personifizierte Gesetz. Alle befinden sich unter seiner Herrschaft in Sicherheit und haben ein Recht auf den Schutz, der ihnen gesetzlich [d. h. nach der Scharia] zusteht. Im Rahmen der Weisungen Allahs sind die Muslime also in der Islamischen Gesellschaft freie Menschen, denen niemand Vorschriften machen darf …

Falls es also [und hoffentlich in Kürze] zur Bildung des Islamstaates kommen sollte, werden alle Menschen im Schutz der [optimalen] Gesetze leben und kein Politiker hätte das Recht, etwas zu tun, was gegen die Vorgaben und Vorschriften der heiligen Šarīʿa verstößt.

Der Islam betrachtet Gesetze als Werkzeuge oder Vehikel, mit denen eine gerechte Staatsordnung aufgebaut werden kann, als Instrumente, welche die Menschheit in der Moral und im Geist veredeln.

6. 3. Rechtskundige Theologen (al- Fuqahāʾ) als sozialpolitische Entscheidungsbefugte

Eine Überlieferung [»Wasāʾil aš-Šīʿa« Hadith 9] berichtet, wie Ishaq bin Yaʿūb den Regenten der Zeitalter (Ṣahib az-Zamān, der verborgene Imām in der Schia) fragt, wer einem denn [heilssichernde] Beratung zu „Begebenheiten und Geschehnissen“ erteilen könne. Der Ṣahib az-Zamān sprach: „So erbitte du doch von den Überlieferern des Hadith [in deiner Stadt] die Erteilung eines Ratschlags, denn diese sind [gottgegebener, Orientierung stiftender] Beweis für euch, nicht anders, als ich euch gegenüber den Beweis Gottes verkörpere.“

»Wasāʾil aš-Šīʿa« (Wasa’il al-Shi’a) ist die nach »Kutub Arbaʿa« („Vier Bücher“ (17)) die maßgeblichste Hadithsammlung des schiitischen Islam und wurde vor etwas mehr als drei Jahrhunderten von Scheich al-Ḥurr al-ʿĀmilī (1623-1692) zusammengestellt (18).

Mit „Begebenheiten und Geschehnissen“ sind [dabei] all jene Situationen gemeint, die von der Šarīʿa nicht entschieden worden sind, jene Unvorhersagbarkeiten also, die über einen Muslim hereinbrechen. Was aber bedeutet „Beweis Gottes“? Nichts anderes, als dass der Gesandte, dass also Mohammed das letzte Wort hat und die absolute Autorität innehat, der jeder Muslim gemäß göttlicher Anordnung in allen Lebenssituationen Folge leistet. Damit also ist die Instanz der [Recht bzw. Einzelfallrecht sprechenden oder Lebensberatung erteilenden] Fuqahāʾ für das ganze Volk und für alle [nur denkbaren] Vorkommnisse zuständig und verantwortlich.

Durch Gott selbst also ist der Ḥoǧatollāh, der Beweis Gottes, für spezifische [irdische] Aufgabenbereiche eingesetzt worden, weshalb der Muslim die Worte und Handlungen des Ḥoǧatollāh gehorsam nachahmen muss. Gegen jeden, der sich hier widersetzt, wird Beweis geführt werden. Wer sich also trotz dieser [Mensch gewordenen und durch Gott in ihr Amt eingesetzten] göttlichen Beweise an die bestehenden [säkularen, wissenschaftlich orientierten] Institutionen wendet, welche nichts als Institutionen der Unterdrückung darstellen, wird am Tage der Auferstehung der Beweisführung Allahs entgegen sehen müssen [und wird damit nachfolgend, sehr wahrscheinlich für immer, in die unnennbar grauenvolle Hölle fallen].

Allāh selbst wird euch die Frage stellen, warum ihr trotz des Beweises die Unterdrücker [Präsidenten, Ministerien, Universitäten, Polizei- und Beratungsstellen] um Rat gebeten habt und ihre [säkulare] Justiz verwendet habt [und kein Scharia-Gericht]. Allāh selbst wird jeden Regenten und Regierungsmitarbeiter, der sich unislamisch verhalten hat, zur Rede stellen und für seine Taten verantwortlich machen. So wird er [Allāh selbst] fragen: Warum habt ihr das Vermögen des Volkes verprasst? Warum habt ihr ein Fest zur Feier des 2.500-jährigen Bestehens des Königshauses begangen? Heutzutage sind eben die Fuqahāʾ die islamischen Beweise, und zwar für alle Menschen. Alle Führungs- und Leitungsaufgaben sind ihnen [von Allāh] anvertraut worden. Wer sich dem widersetzt, den wird Allāh zur Rede stellen.

Gott selbst also hat euch Menschen den Befehl gegeben, das euch zur getreuen Verwahrung Anvertraute [al-amānat, von Allāh treuhänderisch dem Vormund überlassene Güter] an die rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben.

Letztlich gibt es nur einen rechtmäßigen Besitzer, das ist Allāh, der den Menschen als zeitlichen Verwalter des Planeten und seiner Ressourcen eingesetzt hat; die ǧizya von morgen steht also der Umma als rechtmäßiger Besitz gewissermaßen bereits heute zu und die den getöteten Feinden abgenommene Kriegsbeute, al-anfāl, wechselt aus der Hand des unrechtmäßigen Eigentümers zum angemessenen Ort hinüber.

Weil die Frau im Islam als verstandesschwach, leicht zu verführen und zudem auch noch als wankelmütig gilt, ist für den muslimischen Ehemannn unter amānat, überantwortetes Gut, durchaus auch die eigene Ehefrau zu verstehen, für die er ja dank der Gnade des Allmächtigen die Treuhänderschaft übernommen hat: „Allah, gepriesen sei er, hat die Ehefrau der Obhut des Mannes anvertraut, Allah Ta’ala has assigned the wife to the care of the husband.“ In seiner unbegrenzten Gnade hat Allah dem Ehemann wahrhaftig das Recht zuerkannt, von der heiligen Wertsache namens Eheweib Behaglichkeit, Erholung, Friedlichkeit und Nutzen zu beziehen, However, Allah Ta’ala in His infinite mercy has bestowed to the husband the right to derive comfort, rest, peace and benefit from the Sacred Trust we call The Wife (19).“

Dem Hadith gemäß gilt das Gebot des Verwahrens für die Imame, das Gebot der Gerechtigkeit für die Regenten und das Gebot des Gehorsams für jeden Muslim. … Denn wenn der Prophet zum Gebet ruft, folgt er Allahs Anweisung. Der den Gottesdienst begehende Muslim aber ist, in diesem Augenblick, Allāh gegenüber gehorsam, und das ist etwas völlig anderes, als [im Alltag oder Krieg] dem Propheten zu gehorchen. … Bereits der Koran macht uns den Sachverhalt klar: Gott ist zuständig für die Gebote, der Prophet aber für die Ausführung.

Architekt Allahgott, Mohammed Bauunternehmer.

Dem muslimischen Endverbraucher gezielt undurchschaubar überlagern sich die verschiedenen Gehorsamsvektoren mit Raffinesse, zunächst zu den uns von der x- und der y-Achse bekannten Raumdimensionen auffächernd (seitwärts zu den Menschen, aufwärts zur Gottheit), dann aber bald, zumal seit dem Ableben Mohammeds, eine zeitbezogen gestaffelte Kopplung bildend und den von Allah als der absoluten Ursache ausgehenden Energie- oder Druckimpuls in die geringerwertigen Zonen der göttlichen Hühnerleiter (Allahs Kosmos ist eben Hierarchie, kosmische Ungleichheit) weitergebend wie ein Starkstromkabel oder eine Reihung kunstvoll einstürzender Dominosteine.

Die Moral des Radfahrers oder orthodoxen Muslims lautet eben: Nach oben buckeln, nach unten treten. Die innermuslimische Menschenschar zweiter Klasse, die weibliche, ist folgerichtig heilssichernd zu erniedrigen, und da islamische Spiritualität und praktizierte Misogynie die zwei Wasserspiegel einer uns vom Waschbeckensyphon vertrauten kommunizierenden Röhre bilden, musste eine westdeutsche Großstadt wie Köln, die ein Großbordell bereits hatte, dann auch die Großmoschee erhalten.

Orthodoxer Islam ist der Politkult der Frauenentrechtung und der Ausplünderung der Nichtmuslime und damit von Artikel 4 (Religionsfreiheit) des Grundgesetzes nicht gedeckt. Ehrenmord, den sicherlich leider auch das Jesidentum kennt, ist etwas typisch Islamisches und wird es bis zur ehrlich gemeinten Zerstörung der Scharia durch die dann säkularisierten Muslime auch bleiben. Ob man die Sache Islamisches Weltbild oder Scharia nennt, seelisch-geometrisch und bei hoch politischer Auswirkung ist sie, ob atomar oder global, stets die in zwei Hälften halbierte Scheibe, welche die muslimische und die männliche Täterschaft und das nichtmuslimische und das weibliche Opfersein will.

Entweder denken wir eine, einschüchternd große, Hälfte weiß und die andere schwarz, gut und böse, himmlisch und höllisch, männlich und weiblich, oder wir malen zwei überschaubar kleine Hälften in Blau und Rot oder auch gleichfarben, aber verrücken sie ein wenig gegeneinander, vielleicht um ein Viertel des Durchmessers: Das ist Islam, die auf geheiligte Ungleichheit begründete Herrschaft. Das ist das halbierte Gesicht Allahgottes, das eine, verteidigende und das andere, zerstörende Auge der Gottheit.

Das ist die Gebrochenheit des irdischen Seins auf jeder Ebene, den Menschen bereits auf der Ebene seiner Organe, Drüsensekrete, Hautzonen und Körperhaare in himmlische und satanische Gefilde zerlegend. Der dem unterworfenen Menschen, dem Muslimen, einzig verbleibende Fluchtweg, der sogar der Frau Erleichterung verschaffende, erlösende Ausweg besteht darin, im Jenseits oder bei absolutem irdischem Gehorsam an einem Seelenfrieden (ungebrochener Kreis), vielleicht, teilhaftig zu werden.

Ob die betrachtete, zu islamisierende Einheit dabei das Molekül sei, jeder Mensch oder der Globus, bleibt einerlei. Die islamisch verstandene Weltkugel ist ein gigantisches, im inneren Krieg befindliches Doppelatom, kosmischer Eigentümer ist jederzeit Allahgott, der als Schöpfer, allmächtiger Steuermann und Sieger feststeht und der sich viele Dämonen und Satane hält, um deinen Charakter auf die Probe zu stellen und die Menschheit in ewige Gewinner und ewige Verlierer zu spalten. Weiß muss Schwarz besiegen und auslöschen, die Dār al-Islām die Dār al-Ḥarb erlösen, al-īmān (20) muss den verstockten, Krieg gegen Gott führenden Rest des weltweiten Kufr mit angemessener Brutalität in die Hölle drücken.

6.4. Muslime boykottieren alle unrechtmäßige Herrschaft

Der Koran selbst fordert in Sure 4 Vers 60 alle Muslime zum Boykott der ungerechten Herrschaft auf: „Hast du denn nicht jene Menschen gesehen, die nur vorgeben, an das zu glauben, was [in den Offenbarungen] den Menschen herab gesandt worden ist, während sie sich doch zur Entscheidungsfindung an die Götzen (Ṭawāġīt, Ṭawāġūt; Sg. Ṭāġūt] wenden, obgleich ihnen aufgetragen ist, nicht an sie zu glauben? Satan leitet sie weit ab [von der Geradheit des durch Allāh gewirkten Lebenspfades].“ Vielleicht ist [von besagtem Koranvers] nicht jedes [heutige] diktatorische Regime oder jede unrechte Herrschaft mit „Ṭāġūt, Götze“ gemeint, doch müssen wir vermuten, dass zum mindesten Regenten und Richterschaft gemeinsam mit Ṭāġūt gemeint sind.

Denn es ist doch so, dass man sich zuerst an die gerichtliche Instanz wendet, um [auf Erden] Recht zu bekommen, und der Schiedsspruch, wie immer er ausfallen mag, wird alsdann von den Behörden vollstreckt. [Aber] jede auf Ungerechtigkeit und Tyrannis gegründete Herrschaft ist Ṭāġūt, indem sie sich gegenüber Allahs Gebot als ungehorsam erweist, sich [also] rebellisch auflehnt [Krieg führt gegen Gott], willkürlich Gesetze erlässt und entsprechend anmaßend [und letztlich illegitim] nach diesen Gesetzen handelt.

Nicht koranbasierte Gesetzesbücher sind Fetisch, schlimmster Schirk und Kufr.

Allāh hat den Befehl ausgesprochen, ihnen [der Kombination aus Regent und Richterschaft bzw. ihren Gesetzeswerken] entgegenzutreten und ihren [säkularen, nicht jenseitszentrierten] Gesetzen gegenüber Widerstand zu leisten. Unweigerlich werden alle [Gottesfürchtigen], die den Götzen den Gehorsam verweigern wollen, auf große Widerstände stoßen, doch brauchen sie nur [da Allāh niemandem aufgetragen hat, eine Last zu tragen, die zu schwer für ihn ist] im Rahmen ihrer Chancen und Fähigkeiten [für das Kalifat, für die Islamische Revolution] engagierten Einsatz zu leisten.

Es ist das politische Gebot des Islam, jede unrechte Herrschaft zurückzuweisen. Das Volk ist aufgerufen, die [vor Allāh] illegitimen Regierungen und ihren Justizapparat zu boykottieren, um den unterdrückerischen und ungerechten Institutionen jedes Arbeiten zu lähmen.

Ob 1979 in Teheran oder 2010 in Köln: Wie ein Kleinkind über eine unerwünschte Mahlzeit dezidiert bähh äußert, so verschmähe der Rechtgläubige doch bitte die ihm von der kulturellen Moderne angebotene, trügerisch verheißungsvoll duftende Speise der juristischen Gleichbehandlung der Nichtmuslime oder Frauen. In deutschen Gerichtssälen braucht man als radikaler Muslim vor dem Richter nicht aufzustehen (20).

Ob Präsident Erdoğan von Zeit zu Zeit heimlich Ayatollah Chomeini liest? Gleichheit vor dem Gesetz für Atheisten oder für Frauen? Bähh!

Zweifelsohne hat der [absolute] Imām [und damit: hat Gott] die Geistlichen ebenso mit der Rechtsfindung wie mit dem Regierungsamt beauftragt. Nun ist es an den Muslimen, an jedem einzelnen, diesem Befehl des Imam [und damit diesem Gottesbefehl] Folge zu leisten.

Diese Aufruf zum sofortigen, totalen Einsatz erinnert sehr an den Sunniten al-Maudūdī (1903-1979), wenn auch bei dem zusätzlichen Einbau der schiitischen Kaste der Theologen. Dein Islam als der von dir zu betreibende politische Umsturz.

7. Der zeitlich dauerhafte Charakter des Amtes der ʿUlamāʾ.

Es stellt sich die Frage, ob die vom [absoluten] Imam bestimmte Rolle des Amtes der Fuqahāʾ (Sg. Faqīh) nach seinem Tod nicht mehr gelten solle oder Bestand habe. … Auf der ganzen Welt bleiben die Führungsämter des Militärs beim Tod eines Herrschers in Kraft und werden keineswegs außer Dienst gesetzt, es sei denn, die neue Regierung stürze die Militärführer. Sicherlich gibt es Anweisungen, die mit dem Ableben des Faqīh ihre [gehorsamspflichtige] Gültigkeit verlieren, etwa ein an einen bestimmten Menschen gerichteter Arbeitsauftrag, der an einem benannten Ort umgesetzt werden soll. Doch die Vormundschaft für einen Unmündigen oder das Verwalteramt eines Waqf [islamische Stiftung] bleiben auch nach dem Tode des Faqīh rechtskräftig. Nicht anders ist es mit der den Islamischen Theologen auferlegten Pflicht, den Staat zu führen und Recht zu sprechen, die immer [bis zum Tage der Auferstehung] Gültigkeit besitzt. Was also Imām Ṣādiq als die Amtspflichten eines Faqīh festgelegt hat, hat der auf ihn folgende Imam Mūsā ibn Ǧaʿfar ebenso wenig aufgehoben wie die nachfolgenden Imame. Keiner, nicht einmal ein [höchster] Imām also kann einen derartigen Befehl für ungültig erklären und den Menschen empfehlen, sich nicht an die gerechten Geistlichen zu wenden, sondern an die [Gerichte und Ministerien der] ungerechten Regenten.

Man mag sich bei Chomeinis Führungsanspruch an das Selbstverständnis von Diktatoren wie Hitler und Mao erinnert fühlen. Als Totalitarismus gründet sich Chomeinis hier entworfene Klerusregierung oder Klerokratie auf die schiitische Scharia und nicht zuletzt auf den keineswegs falsch verstandenen Koran. Das womöglich allzu leicht übersehene „Ǧomhūrī-ye Eslāmī – Islamische Republik“ im Titel des heutigen Staates Īrān ist kein Etikettenschwindel, sondern ein restauriertes islamisches Kalifat in seiner schiitischen Spielart, mit großem Ernst dem kulturrassistischen medinensischen Staat Mohammeds nachgebildet. Die brutal niedergeknüppelten Demonstrationen des Sommers 2009 deuten glücklicherweise auf eine längst bestehende umfassende Befreiungsbewegung im Volk hin. Die Mehrheit der Iraner möchte, weltweit hat man das miterlebt, nicht länger in einer Allahkratie leben. Das Kalifat jedoch ähnelt mit Führerprinzip, Personenkult und verordnetem absolutem Gehorsam aller Untertanen einem, zwar imaginiert-jenseitszentrierten sowie seltsam sexualisierenden und frauendeklassierenden, Faschismus, und das seit 1.400 Jahren.

Können Nordamerikas oder Europas Schiiten der von Chomeini geforderten Regierungsführung der Imame, der zum Buchtitel gewordenen Velāyat-e Faghīh, überhaupt offen widersprechen? Hoffen sie, nicht selten Flüchtlinge aus dem Iran, dass sie einstweilen von der kulturellen Moderne und ihren Freiheitsrechten profitieren können, und dass nur ja niemand eine schiitische Moschee in ihrer Nähe baut? Spielen sie auf Zeit, hoffen sie, ihren Allāh gequält betrügend, dass sich ihre Familienangehörigen in den nächsten Jahren eben keinem strengen Verständnis der Scharia zuwenden werden?

Ob Scharia mit oder ohne ein paar Ayatollahs, auch Imam Chomeinis politischer Geist ist der menschenverachtende und frauenfeindliche Geist des echten, zeitlosen Islam. Hoffen allein wird daher für den erhaltenswerten säkularen Staat zu wenig sein, um den schiitischen Beitrag zu einer islamisch dominierten Theologisierung der nordamerikanischen und europäischen Politik für immer zu verhindern.

Jacques Auvergne

(1) Rūḥollāh Mūsavī Khomeynī

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/ac/%D8%B1%D9%88%D8%AD_%D8%AE%D8%AF%D8%A7_%D8%AE%D9%85%DB%8C%D9%86%DB%8C.jpg

(2) Über Hamid Algar ist das Imam Reza Network voll des Lobes, veröffentlicht bei »English Islam Times«

http://www.islamtimes.org/vdch.6n-t23n-k10d2.html

Zweifelsohne, dieser Dozent hat Höheres im Sinne. Foto, Prof. Algar zeigend.

http://www.islamtimes.org/images/docs/000006/n00006684-t.jpg

Erstveröffentlichung

http://www.imamreza.net/eng/imamreza.php?print=7094

Imam Reza Network

http://www.imamreza.net/eng/

(3) Hamid Algar ist Berater der IHRC (Islamic Human Rights Commission). Die IHRC erledigt die „Verteidigung der Unterdrückten“ im Sinne Allahgottes. Mohammeds und des Koran.

„The Islamic Human Rights Commission was set up in 1997. We are an independent, not-for-profit, campaign, research and advocacy organization based in London, UK. We have consultative status with the United Nations Economic and Social Council. Our aims are manifold, and our inspiration derives from the Qur’anic injunctions that command believers to rise up in defence of the oppressed.”

Alljährlich vergibt die IHRC den als ätzende Ironie zu verstehenden Preis für Islamophobie (The Islamophobia Awards) an die größten Islamophoben des Jahres („the worst Islamophobes of the year“).

Islamophobie wird von der IHRC definiert: „What is Islamophobia? A contemporary and emerging form of prejudice Islamophobia can be described as stereotypes, bias or acts of hostility towards individual Muslims or followers of Islam in general. In addition to individual acts of intolerance and racial profiling, Islamophobia leads to viewing Muslims as a greater security threat on an institutional, systemic and societal level and perceiving their views to be intrinsically problematic, violent or unethical.“ Damit ist also jeder, der die Polygamie, die Frauenverstoßung, das halbierte Erbe der Frau und ihre halbe Stimme vor Gericht, den Kulturrassismus der Dhimmitude, das Steinigen der Ehebrecherin oder das Schwängern neunjähriger Bräute für „unethisch“ (unethical) hält, ein Islamophober. Islambezogenes Wissen wird zum „Vorurteil“ und „Stereotyp“. Der Dschihad führt Krieg gegen die Tatsache.

http://www.ihrc.org/

(4). Sean O’Neill berichtet am 20.04.2006 auf der britischen TIMES-online, dass das schiitische Zentrum Londons Nichtmuslime als „filth“, als Dreck darstellt, die Schweinen und Affen ähneln würden. In: »Muslim Students ‘being taught to despise unbelievers as filth’« erfahren wir, dass Studenten Protest einlegen und forfern, dass der mittelalterliche Text vom Curriculum verschwindet.

http://www.timesonline.co.uk/tol/news/uk/article707299.ece#cid=OTC-RSS&attr=Britain

(5) »Dual Citizenship: British, Islamic or Both? — Obligation, Recognition, Respect and Belonging«, (VOL. 1 of the British Muslims’ Expectations Series, Summary). A report by Saied Reza Ameli and Arzu Merali for the Islamic Human Rights Commission, November 2004

http://www.ihrc.org.uk/file/BMEG_VOL1.pdf

(6) Über den Leugner des Völkermordes an den Armeniern und Verharmlosers von Selbstmordattentaten gegen israelische Zivilisten Prof. Hamid Algar weiß die Seite »Discover The Noetworks« in »Anti-American professor at the University of California-Berkeley« zu berichten.

Hamid Algar meint zur Bedeutung der Islamischen Revolution für die Muslime und den weltweiten Islam: „the most significant, hopeful, and profound event in the entirety of contemporary Islamic history“.

http://www.discoverthenetworks.org/individualProfile.asp?indid=2161

http://www.campus-watch.org/article/id/3241

(7) Die gottesfürchtigen »Shia Sisters« haben für The Holy Zahra immer einen flotten Reim auf Lager, solange es nur um Kopftuchverteidigung und gegen unzüchtige indische Kinofilme geht: „Making mockery of ‘hijaab’- Have you no shame? Sisters in ‘Imaan’ – Islam is no game! They gave us ‘Surah Nisa’ – For guidance as beacons of light! But still ‘Kuffar’ system confuses you – Believing wrong is right! This fashion world is just a stepping stone, for all to one day leave. So is it not better now, you repent your sins, practice and believe! Bollywood films are Satanic, that destroys Islamic ideology by day! These and otherworldly attractions lead you astray!“

http://www.shiasisters.net/articles_submissions/tears_of_fatema_zahra.html

(8) Dschafar ibn Abu Talib.

http://www.eslam.de/begriffe/d/dschafar_ibn_abu_talib.htm

(8) Ali ibn Abu Talib (a.), ʿAlī bin Abī Ṭālib. 4 = 1, vierter sunnitischer Kalif = erster Imam der heiligen schiitischen Zwölf Imame.

http://www.eslam.de/begriffe/a/ali_ibn_abu_talib.htm

(9) In Bremen vertreibt Gürhan Özoguz die gesammelten Worte des Scharif Radhi Muhammad ibn Hussain: »Nahdsch-ul-Balagha. Pfad der Eloquenz«, in der Übertragung ins Deutsche von Fatima Özoguz

http://m-haditec-shop.de/index.php?page=product&info=487

Syed Radi: Nahj-ul-Balagha

http://www.nahjulbalagha.org/

NAHJUL BALAGHAH, bei AhlulBayt

http://www.ahlulbaytportal.com/en.php/page,Nahj1603.html?PHPSESSID=4bd3cd3ecd3021bfe4c0d9fe9245b3fd

In Bremen erhält man buchgewordene Sonnenstrahlen, Intimes aus dem Leben eines Massenmörders, Kriegstreibers und Revolutionsführers. »Sonnenstrahlen. Geschichten aus dem Privatleben Imam Chomeinis«, denn: „Viel wurde über Imam Chomeini als politisches und einiges als spirituelles Vorbild und Oberhaupt der Islamischen Revolution geschrieben. Das Ziel dieses Buches besteht darin, dem Leser einen Einblick in das Privatleben Imam Chomeinis zu ermöglichen, über das viel zu wenig bekannt ist.“

http://m-haditec-shop.de/index.php?page=product&info=493

(11) al-Akhbaar heißt und ist so, „Nachrichten“, irakisch.

http://www.akhbaar.org/

Akhbaar-e-Pakistan, auch Nachrichten, kommt aber gar nicht aus Pakistan, sondern aus der Großstadt (700.000 Einwohner) Mississauga, westlich von Toronto, Provinz Ontario, Kanada. Toronto? Genau, um ein Haar wäre dort vor neun Jahren die Scharia verstaatlicht worden, die hält sich lokal erfahrungsgemäß ein paar Jahrhunderte frisch.

http://www.akhbaarepakistan.com/

Toronto und Islam? Genau: »The International Campaign Against Sharia Court. Internationale Kampagne gegen das Sharia-Gericht in Kanada«

http://www.nosharia.com/german.htm

Homa Arjomand blickt durch: “The Campaign Against Sharia Court in Canada consists of independent individuals and members of various organizations. We believe that all people who live in Canada are citizen with equal rights, and should live according to the same social laws and norms. We do not divide society into cultural, religions, national, racial groups. We stand for equal and universal laws for all humanity irrespective of sex, race, ethnicity, etc. The International Campaign Against Sharia Court in Canada opposes the Ontario Arbitration Act 1991 which recognizes the Islamic Court in Canada under the pretext of “religious freedom”, “tolerance” and cultural sensitivity. We call on all individuals and progressive organizations to join the International Campaign Against Shari’a Court in Canada. We demand: Separation of religion from the content of the Canadian justice system. We demand: That all family disputes be resolved in the Canadian secular court system and not by arbitrators outside of court regardless of their race, ethnicity, religion.”

http://www.nosharia.com/about.htm

»JAME MASJID MISSISSAUGA, Islamic Propagation Centre (IPC) of Ontario«

http://blog.jamemasjid.org/

Allahs kanadischer Vize: Imam Nafis Bhayat. Geboren in Indien, Schariastudium in Darul Uloom Bury, UK, Umzug nach Kanada, Oberster Imam im Islamic propagation centre of Ontario, besser bekannt als Jame Masjid Mississauga. Mister Bhayat ist Kanadas islamischer Multifunktionsträger: „Imam Nafis is an executive member of the Canadian council of Imams, Canadian Council of Muslim Theologians, Shariah advisor to UM financial and Ontario registered minister of religion & licensed marriage officer.“

http://alfajrinstitute.com/main/wp-content/uploads/2009/10/imam%20nafis%20bio.pdf

Darul Uloom Bury. Die in Bury, Großraum Manchester, gelegene Darul Uloom Al-Arabiyyah Al-Islamiyyah, meistens kurz Darul Uloom Bury genannt (Darul Uloom Islamic College, 149 Holcombe Old Road, Bury, Lancashire BL8 4NG), ist die älteste einer Reihe von britischen Madrassas, die dem pakistanischen, urdusprachigen, strengstens schariatreuen und zusätzlich antihinduistischen Deobandi-Milieu entsprossen sind und auf der ganzen Welt Darul Uloom (Dar al-’Ulum) heißen. Die eigentliche, erste Dāru ʾl-ʿUlūm („Haus des Wissens“) steht in Deoband (Devaband), Provinz Uttar Pradesh, Indien. Die Anhänger dieses Studienzentrums und ihre Familien, auch hier funktional der den Staat ins Kalifat transponierenden türkischsprachigen Görüş-Bewegung ähnlich: Staat im Staat und Volk im Volk (Türkei: gegenmodern, antikurdisch, anti-alevitisch) werden deswegen Deobandi genannt. Dem vor 250 Jahren am Studienzentrum in Lucknow (Lakhnaū), dem Firangi Mahal (wörtl. Palast des Franzosen, Farangi ist aber auch jeder Europäer) entstandenen und als Scharia-Curriculum weltweit verbreiteten Dars-e-Niẓāmī verpflichtet, gründete der aus Indien stammende Scheich MOTALA (Shaikh-ul-Hadis Moulana Yusuf MOTALA, * 25.11.1946) die Schule im Jahre 1973. Männliche Schüler zwischen zwölf und 23 dürfen damit beginnen, die Islamische Weltsicht, Pflichten- und Rechtslehre zu studieren, die ungefilterte Scharia also, die Säkularen sollten die Demokratiegefährdung erkennen, von Gehirnwäsche reden und Aussteigerprogramme anbieten. Die jüngsten Schüler erhalten dort vorab ihre weiterführende Schulausbildung, in den höheren Klassen erst sind wenige der allerbesten Schüler berechtigt, einen Iftaa- oder Mufti-Kurs anzuschließen und sich in ein Spezialgebiet der Scharia einzuarbeiten, sie tragen später den akademischen Titel eines Aalim / Maulana from the Darul Uloom. Motala war Schüler von Muhammad Zakariya al-Kandahlawi, dem Neffe des Gründers der antiwestlichen Tablighi-Missionsbewegung oder »TJ« (Tablighi Jamaat, Gemeinschaft der Verkündigung und Mission), Muhammad Ilyas al-Kandhlawi.

http://www.inter-islam.org/

Holcombe-Hill & Moor, ostwärts blickend, fotografiert von: „Parrot of Doom“, am: 21.11.2007

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d6/Holcombe_hill1.jpg

Islam zwischen Karibik und Atlantik. Trinidad und Tobago (T&T) hat 60 % Christen (katholisch / evangelisch jeweils gleich stark), 25 % Hindus, etwas Voodoo und nur 6 % Muslime. DARUL ULOOM TRINIDAD AND TOBAGO. The Home of Islamic Knowledge

http://www.darululoomtt.org/aboutus.shtml

DarulUloom Toronto, “AL-ASHRAF ISLAMIC SCHOOL“. Die DarulUloom of Canada ist im idyllischen Bowmanville gelegen, ann#hernd eine halbe Fahrtstunde außerhalb von Toronto. On The Path To Paradise … Insha Allah.

http://www.darululoom.ca/

Die Islamisierung Kanadas: Toronto Shariah Program. Shaikh Yusuf Mullan (Dewsbury, UK) und Sheikh Shams Ad-Duha Muhammad (auch britischstämmig, aufgewachsen in East-London).

http://www.shariahprogram.ca/

(12) al-Akhbar. Arab-American News (Los Angeles, California USA) „AL-Akhbar is a bilingual, Arabic and English newspaper that was established in 1995 by Samer Saba. AL-Akhbar is the most involved newspaper in the Arab-American community activities in Southern California spreading the word all over the western states helping all types of businesses, Arab American and otherwise, rely on AL-Akhbar to reach Arabs and Middle Easterners in the United States. … AL-Akhbar Is an independent bilingual (Arabic-English) news-paper, published in Los Angeles”

http://www.alakhbar-usa.com/

(13) Ulil-Amr. Koran 4:58, Script Usmani, dank sei Quran Explorer: Obey Allah, and obey the messenger and those of you who are in authority.

http://www.quranexplorer.com/quran/

Der Vers “Wilayah” ist dem Portal AhlulBayt am 06.04.2010 eine Diskussion zur Allahkratie wert, man übersetzt den Koran: Obey Allah and obey the Apostle and those vested with authority among you.

http://www.ahlulbaytportal.com/en.php/page,905A8697.html?PHPSESSID=4bd3cd3ecd3021bfe4c0d9fe9245b3fd

(14) Kleine Verborgenheit, al-ghaiba al-sughra (873-941), der Unsichtbare spricht zu seinen Getreuen über Botschafter. Seit dem Jahre 941 ist der Imām entschwunden und bis zu seiner Wiederkehr leben wir in der Großen Verborgenheit (al-ghaiba al-kubra). Von: Eslam, mit freundlicher Genehmigung bei: Islamisches Zentrum Schwerin

http://iz-sn.de.tl/Imam-al_Mahdi–k1-aswaf-k2–_-Er-ist-noch-immer-am-Leben-ar-.htm

Eslam: vier Botschafter halten Kontakt zum Mahdi

http://www.eslam.de/begriffe/b/botschafter.htm

Eslam: Imam Mahdi, geboren 869, der Fürst der Zeit (Sahib-ul-Zaman, )

http://www.eslam.de/begriffe/m/mahdi.htm

(15) Mahdi & Co, bei AhlulBayt sortiert man den Mahdismus (the „Mahdism“)

http://www.ahlulbaytportal.com/en.php/page,Unit2905.html

Junge, ohne Mahdi fehlt dir was: »The Emergence of Belief in the Mahdiism«

http://www.ahlulbaytportal.com/en.php/page,2905A6822.html

(16) Mit Zentrifugen für Uranhexafluorid (UF6) ist man auf dem Weg zur Atombombe. Kaskade von Gaszentrifugen, Piketon, Ohio, USA 1984

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/69/Gas_centrifuge_cascade.jpg

Max Steenbeck (1904 – 1981), deutscher Physiker unter Hitler und Stalin, 1947 Erfinder der Technologie der Urananreicherung per Gaszentrifuge

http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Steenbeck

Gaszentrifuge (Wiki)

http://de.wikipedia.org/wiki/Gaszentrifuge

(17) Die Struktur der bedeutendsten Hadithsammlung der Šīʿa, »Kutub Arbaʿa«, wörtlich Vier Bücher, beschreibt die von Bremen aus durch Gürhan Özoguz und Yavuz Özoguz betriebene Seite »Eslam«

http://www.eslam.de/begriffe/v/vier_buecher.htm

(18) Der Šīʿa stellte Scheich al-Ḥurr al-ʿĀmilī (Shaykh Muhammad ibn al-Hasan al-Hurr al-’Amili, 1623-1692) die nach dem vierbändigen »Kutub Arbaʿa« („Vier Bücher“) zweitwichtigste Hadithsammlung zusammen: »Wasāʾil aš-Šīʿa« (Wasa’il al-Shi’a). Dort heißt es: „Wer glaubt, keine zakāt bezahlen zu müssen, ist ungläubig und rituell unrein, if he does not believe that Zakat is obligatory, he is a kafir and Najis (ritually impure)“, aus: »One Who Does Not Pay Zakat is a Kafir«

http://www.ahl-ul-bait.org/en.php/page,1883A7767.html?PHPSESSID=a12f48c55d62af72cae0145795efc045

Zum ärgerlichen Thema Lästern und üble Nachrede (ġība) weiß www.al-shia.de zu berichten „Der Prophet Muhammad (ص) sagte einst zu Imam ‘Ali (ع): „O ‘Ali! Sollte jemand hören, wie in seiner Anwesenheit über seinen Muslimbruder gelästert wird, ohne zu dessen Verteidigung zu eilen, obwohl es ihm möglich wäre, wird er von Gott im Diesseits und im Jenseits gedemütigt.“ [Al-Hurr al-`Amili, Wasa'il al-Shi`ah, Band 8, Tradition Nr. 16336]“

http://www.al-shia.de/artikel/laestern.htm

AL-SAIF AL-MASLUL mutet radikal sunnitisch an und sortiert herablassend die schiitische Hadithwissenschaft

http://maslul.de/grundlagen/articles/quran-verfaelschung.html

AL-SAIF AL-MASLUL gibt sich erschrocken über die bekannten Gräuslichkeiten Ayatollah Chomeinis & Co. und will, alternativ, das sunnitische Kalifat

http://www.maslul.de/aussagen.html

AL-SHIA.EU

http://www.al-shia.eu/

»Wasāʾil aš-Šīʿa« (Wasa’il al-Shi’a)

http://en.wikipedia.org/wiki/Wasael_ush-Shia

Scheich al-Ḥurr al-ʿĀmilī (al-Hurr al-Aamili)

http://en.wikipedia.org/wiki/Shaikh_al-Hur_al-Aamili

(19) Weltverwaltungsprinzip amānat. Frauen sind verstandesschwach, leicht zu verführen und launisch, daher fasse der muslimischen Ehemannn seine Frau unter das amānat-Prinzip der geheiligten treuhänderischern Wertsachen, er ist schließlich ihr Vormund, ihr Aufpasser: „Allah Ta’ala has assigned the wife to the care of the husband“. So sieht es am 09.11.2007 die Seite »Domain of Islam. Home to Islamic Sources« und titelt: Islamic Family: An Amaanat – For Husbands to Mediate, „However, Allah Ta’ala in His infinite mercy has bestowed to the husband the right to derive comfort, rest, peace and benefit from the Sacred Trust we call The Wife.“

http://darulislam.info/Article150.html

(20) Glaube, al-īmān.

http://www.imaan.net/

Scheich Waleed al-Mineesi: »Bedingungen des Sieges, Ursachen der Fehlschläge, Conditions for Victory, Reasons for Defeat«. Allahgott ungehorsam zu sein, „disobeying Allah and His Messenger“, lässt dem Teufel Kräfte zuwachsen.

http://www.imaan.net/2007/10/post.html

Islampolitik ist die Durchsetzung der Apartheid der Geschlechter, „because the woman and man are forbidden to imitate each other“, denn Frauenarme sind nackter als Männerarme und Frauenhaar gefährdet die allgemeine Tugend stärker als Männerhaar. Die bekennende Ex-Christin aus Alabama, Shariffa Carlo, will den Schleier für die muslimische Amerikanerin der Zukunft: »The Hijab«, „May Allah guide our women to the proper dress of the Muslim woman, … to the dress of dignity and piousness.”

http://www.imaan.net/2006/09/the_hijab.html

Ganz viel īmān hat die Frau, welche die Polygamie gutheißt. Die Nordamerikanerin und Neomuslima Shariffa Carlo (Andalusia, AL 36420, US) weiß in »The Second Wife«, dass die muslimischen Frauen endlich aus dem Rinnstein des Westens heraustreten müssen, der Weisheit und Reinheit des Islam entgegenstrebens. Vielweiberei ist, glaubt man Shariffa Carlo, keine Beleidigung, sondern eine Würdigung der Frau: “Muslim women have to take their minds out of the gutters of the West, and bring them up to the wisdom and purity of Islam’s high ground. Polygyny is not an insult to women; it is a sign of respect. How many women would remain husbandless if it were haram?”

http://www.zawaj.com/articles/second_wife.html

(21) Am 05.06.2000 schreibt Gisela Friedrichsen ausgezeichnet in DER SPIEGEL 23/2000 (»Der Schatten Gottes auf der Erde«), wie Allahzentrik und Jenseitszentrik mit den wenigen, sehr funktionalen und daher allgemein anerkannten Ritualen der säkularen Moderne kollidieren, beim Prozess um den so genannten Kalifen von Köln, Muhammed Metin Kaplan:

»Als der inhaftierte Kaplan in den Saal geführt wurde, erhoben sich seine Anhänger, die Arme in die Luft stoßend. Als dann der Senat einzog, setzten sie sich demonstrativ. Dann die Vereidigung der sechs Dolmetscher. Wieder weigerten sich die Muslime. Vor Ungläubigen aufstehen? Der Vorsitzende Ottmar Breidling, 53, bot Entgegenkommen an: Wer aus religiösen Gründen glaube, nicht aufstehen zu können, solle den Saal verlassen. Plötzlich wilde Gesten. Der „Kalif“ schrie: „Hier wird dem Islam der Prozess gemacht!“ … Brinkmann: „Also weil die deutschen Gesetze von Menschen gemacht sind, braucht man sie nicht zu befolgen?“ Zeuge: „Ein Muslim kann sich nicht an Gesetze halten, die nicht von Gott sind.“«

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-16597444.html

174. Mahmud Zaqzuq (2006)

23. Juni 2010

الوزير اوقاف

al-Wazīr al-Auqāf

Minister für heilssichernde Stiftungen

Allahs Münchner Philosoph

Zum Interview »Es gibt Auffassungen, die verändert werden können« mit dem ägyptischen Religionsminister und 1933 geborenen Philosophen Prof. Dr. Mahmoud Hamdi Zakzouk (Maḥmūd Ḥamdī Zaqzūq), abgedruckt in Praxis Geschichte (»Praxis Geschichte. Zeitschrift für den Geschichtsunterricht in der Sekundarstufe I/II«, Ausgabe 4/2006 „Islamische Welt“, 46-49, bei Westermann, Braunschweig) stellt Jacques Auvergne einige Zwischenrufe in den Raum der in Ausdünnung befindlichen freiheitlichen Demokratie.

Nach dem Waqf, der Islamischen Stiftung, trägt Ägyptens Religionsminister den Titel The Minister of Awqaf. Der im Jahre 1933 geborene »Minister für die Allah wohlgefälligen Stiftungen« ist damit die reguläre Nummer zwei der islamischen irdischen Hierarchie des Landes der Pyramiden, der am 10.03.2010 verstorbene Großscheich Muhammad Sayyid Tantawi (Muḥammad Sayyid Ṭanṭāwī) war als Großimam der Azhar-Moschee die erste Sprosse der ägyptischen al-miʿrāǧ, der islamischen Himmelsleiter, ganz oben hält freilich Allahgott die miʿrāǧ-Leiter Sekunde für Sekunde im Lot und die vertikalen hölzernen Holme bleiben Sunna und Scharia. Den Nichtmuslimen erzahlt man, mit dem Ziel, sie zum Islam zu locken, es gäbe keine Hierarchie klerikaler Befehlsgeber und der Islam sei egalitär.

Der Verteidiger der den Segen der Gottheit aufs kulturrassistische ägyptische Gemeinwesen herabrufenden Glaubenspraxis, den seit Jahren pragmatisch im Untergrund lebenden Ex-Muslim und Neo-Christen Mohammed Beshoy Hegazy ebenso baldmöglich wie islamisch-würdevoll vom Leben zum Tode zu befördern, war am 25.10.2007 geschätzter Dialogpartner der 1986 ins Leben gerufenen Osnabrücker »Friedensgespräche« um entgrenzt tolerante Professoren wie Dr. Reinhold Mokrosch und Dr. Roland Czada. Gegen die Einladung Zakzouks nach Osnabrück erhoben sich zivilcouragierte Stimmen, mit der trefflichste Protest wurde vom Bundesverband der Bürgerbewegungen zur Bewahrung von Demokratie, Heimat und Menschenrechten (BDB, die nachmalige Bürgerbewegung Pax Europa) in Form einer Presseerklärung formuliert (1).

Mokrosch, Reinhold Mokrosch, Uni Osnabrück. 1984-2005 Professur für „Evangelische Theologie: Praktische Theologie / Religionspädagogik“; frühe Forschungen zu „Tillich und Schelling“, später zu Luther und Bonhoeffer. War Leiter der Forschungsstelle „Werte-Erziehung in Religion und Gesellschaft“. Mokrosch gilt manch einem und sieht sich selbst als Experte für „Religionspädagogik, Interreligiöse und islamische Religionsdidaktik, Kirchengeschichtsdidaktik, Didaktik des Ethikunterrichts, Wertebildung“. Seit 1997 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates der Osnabrücker Friedensgespräche. Nach seiner Emeritierung (2005) Bekundung, am christlich-islamischen Dialog weiterarbeiten und Handbücher zur Friedenspädagogik und Wertethik veröffentlichen zu wollen. Gemeinsam mit Werner Haussmann, Hansjörg Biener und Klaus Hock gab Reinhold Mokrosch das »Handbuch Friedenserziehung: interreligiös – interkulturell – interkonfessionell« heraus, in dem Hans Küng als Autor nicht fehlt. Mit Arnim Regenbogen 2009 Herausgeber von »Werte-Erziehung und Schule: Ein Handbuch für Unterrichtende«, wo Leute wie Johannes Lähnemann oder die strengstens schariatreue Kölner Fundamentalistin Rabeya Müller veröffentlichen.

Czada, Roland Czada, Uni Osnabrück. Erlernte allerlei aus Politik-, Kultur- und Verwaltungswissenschaft. Moderierte am 26.02.2010 an der Uni Osnabrück eine Veranstaltung innerhalb der Tagung: »Imamausbildung in Deutschland: Islamische Theologie im europäischen Kontext« (25.02.2010 bis 27.02.2010), für die als Veranstalter „ZIIS – Zentrum für Interkulturelle Islamstudien, Lehrstuhl für Islamische Religionspädagogik in Kooperation mit dem Bundesministerium des Innern und dem Niedersächsischen Innenministerium“ gezeichnet hatte. (2).

An der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität promovierte Mahmoud Hamdi Zakzouk (Maḥmūd Ḥamdī Zaqzūq) im Fach Philosophie mit einem Vergleich zwischen dem jenseitszentrierten Machttheoretiker al-Ghazali und dem französischen Philosophen und Mathematiker Descartes (1596-1650, dualistischer Mechanizismus über der alldurchwaltenden Doppelsphäre Geist-Welt, im übrigen humane Berufenheit zum Wissenserwerb nach Maßgabe des „Cogito ergo sum“). Wie kein anderer außer vielleicht Mohammed beziehungsweise Allahgott selbst trug der im Jahre 1111 verstorbene Perser al-Ghazali dazu bei, jeden Bereich des Lebens, beispielsweise jeden kaufmännischen und handelsrechtlichen, der Pflichtenlehre der Scharia explizit untertan zu machen, womit ab sofort auch dort eine jede begangene Pflichtwidrigkeit heilsgefährdende Folgen hat. Hatte sich Politiker Mohammed eher auf das Anordnen von Mordaufträgen und Durchführen von Beutezügen und Steinigungen beschränkt, strickte al-Ghazali, islamisch betrachtet vollendet konsequent, das Webmuster der Rechtssprechung der Scharia gewissermaßen bis an den Rand des Weltalls, insofern folgerichtig, als dass Allahgott immer global gedacht hat und die heutige Umma ein über alle Kontinente aufgeblähter altarabischer Stamm ist. Die nichtmuslimischen Glaubensnationen gleichen götzendienerischen Oasensiedlungen und sollten doch wohl besser zivilisatorisch veredelt werden, islamisiert.

Im bewegtesten Jahr der vielfach gründlich emanzipatorisch gedachten, zumeist aber rasch wertebeliebig-spaßkulturell sprich wirkungslos gewordenen Studentenrevolte, im Jahre 1968, trat der Ägypter Zakzouk eine Professur für Philosophie an der Kairoer al-Azhar an. Sechs Jahre früher war der perfekt Deutsch sprechende Zakzouk noch DAAD-Stipendiat im westlichen Mittelhessen gewesen, im schönen Marburg. An jener traditionsreichen Institution also ließ Professor den akademischen Nachwuchs Ägyptens ein wenig denken, die in Deutschland immer wieder mit etwas verlegenem Lächeln Universität genannt wird, obwohl dort dem Vorbehalt der Ratio, der seit Renaissance und Aufklärung und eigentlich bereits seit Platon und Vergil maßgeblich für freies Denken ist, der auf die Rettung der Seele zielende Schariavorbehalt vorangestellt wird, der wie nebenbei eine misogyne Sexualpolitik (Hidschab) und kulturrassistische Realpolitik (Kalifat) befördert und verlangt.

Ein Verweigern der kulturellen Moderne geht mit dem Scharia-Kult einher, zu der den berüchtigten Dialogbeauftragten aus Kirche und Wohlfahrtsverband seit ein paar Jahren leider nicht viel mehr einfällt, als zu klagen, all das sei zwar irgendwie bedauerlich, habe aber nichts mit dem „eigentlichen“ Islam zu tun. Auf unsere Gegenfrage, ob Hidschab und Fiqh unislamisch seien, schweigen die wohldotierten Islamversteher und verweisen auf den mit Yusuf al-Qaradawi korrespondierenden und jahrelang der Milli Görüs zugeneigten Penzberger Vorzeigeimam Benjamin Idriz, der im Mai 2010 zur Gegenfrage übergeht, „was denn die Sharia sei und wo das stünde (3)“. 2009 äußerte Idriz bereits grinsend die nicht ernst gemeinte Frage, in welchem deutschen Buchhandel er denn die gedruckte, geheimnsivolle Scharia erwerben könne, vom Curriculum der weltweit aktiven sunnitisch-hanafitischen Deobandi um ihr pakistanisches Studienzentrum Darul-Uloom, vom schariatreuen Lehrplan der höchste Autorität genießenden Kairoer al-Azhar oder vom Schariastudium des in Mittelfrankreich (Region Morvan, Saint-Léger-de Fougeret bei Château-Chinon, Département Nièvre) gelegenen, der Muslimbruderschaft nahestehenden Predigerzentrums Institut Européen des Sciences Humaines (IESH) distanziert sich Herr Idriz mit keiner Silbe.

Der Minister für heilssichernde Stiftungen legt los:

Man spricht heute gerne davon, dass der Islam keine Aufklärung wie Europa erlebt habe. Aber wenn man den Grund hierfür kennt, wird man sich darüber nicht wundern. Er liegt in den Lehren des Islams, der von Anfang an gegen die Autorisierung von Machtbefugnissen religiöser Autoritäten auftrat.

Da fragt man sich doch, ob Aufragsmörder Mohammed nun nicht autoritär genug war oder aus aber islamischer Sicht nicht ausreichend religiös.

Europa erlebte die Herrschaft der Kirche und die lange Zeit andauernden Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Staat. Schließlich versuchte Europa, sich ganz von der Vorherrschaft der Kirche zu befreien. Zu diesem Zweck waren die Epochen der Renaissance und der Aufklärung nötig.

Geschichte ist ein offener Prozess, ein handelndes Subjekt namens Europa hat es in jenen Jahrhunderten zwischen Mailand und London gar nicht gegeben, vielmehr gab es Männer und Frauen, die ihr Leben, ihr Denken, Sprechen und Schreiben und nicht zuletzt ihre Sexualität selbst bestimmen wollten, ohne sich von den mächtigen und gewaltbereiten Wortführern der, deutlich gegen die jesuanische Intention, Staat gewordenen Kirchenreligion gängeln zu lassen. Mohammed hingegen war Militärseelsorger und Staatsführer in einem, absoluten Gehorsam fordernder Feldherr ebenso wie die menschgewordene Schwelle zum Paradies. Sicherlich hat Jesus gesagt: „Keiner kommt zum Vater denn durch mich“, was man ja einmal etwas respektlos mit dem „Du kommst hier nicht rein!“ eines heutigen halbseidenen Club-Türstehers vergleichen könnte und wobei einem der Unterschied zum Islam klar wird, der darin besteht, dass der Nazarener die völlige Gewaltlosigkeit predigte und eine transparente, egalitäre Ethik sogar für Ausländer, Sünder und Frauen verlangte, während Allahs Liebling im Auftrag der die Ehebrecherin steinigenden und dem bekennenden Islamapostaten den Kopf abhackenden Gottheit als jenseitsverliebter Despot auftrat.

Gelegentlich ist das Christentum militant geworden trotz seines radikal friedfertigen Gründers, der künftige Islam aber mag demokratietauglich werden, obwohl es Mohammed gegeben hat.

Im Islam gibt es grundsätzlich keine religiös legitimierte Vorherrschaft und Hierarchie religiöser Würdenträger.

Sagt der zweithöchste Würdenträger Ägyptens. War der seit mehr als einem Jahrtausend doktrinär als perfekt zu verstehende Mohammed denn etwa gar kein religiöser Würdenträger? Oder trat Mohammed als Bekämpfer jeglicher Hierarchie auf?

Im Gegensatz zu einer Unterwerfung unter religiöse Autoritäten lehrte man die Notwendigkeit der selbstständigen Betätigung der Vernunft.

Sehr geehrter Herr Minister, wie schamlos möchten Sie uns eigentlich am heutigen Tage ins Gesicht lügen? Vernunft ist im Islam nur zulässig, solange sie die angeblich gottgegebenen politischen, sozialen und sexuellen Grenzen der Scharia bestätigt und lobpreist. Hohe oder höchste Konformität mit den frauenfeindlichen Normen des Islamischen Gesetzes ist gleichbedeutend mit der islamischen Vernunft. Die Pflicht, als Frau das Kopftuch zu tragen oder als Muslim die Polygamie zu bejahen, ist „vernünftig“, jegliche Kopftuchkritik „unvernünftig“.

Warum widerspricht Praxis Geschichte dem rhetorischen Taschenspieler Zakzouk hier nicht sofort?

Der Islam beschäftigte sich von Anbeginn an sowohl mit religiösen wie auch mit weltlichen Dingen, vor allem mit der Frage einer gerechten Gesellschaft.

Allerdings, leider ist im Islam Gehorsam gleichbedeutend mit Glaubenstiefe. Zwischen Religion und Politik zu differenzieren ist angesichts einer reinen Gesetzes- und Wohlverhaltenslehre recht sinnfrei. Das alles mag ja in hundert Jahren einmal anders sein, doch muss dafür die Schariadoktrin und das differenziert diskriminierende Spruchrecht des Fiqh von jedem Individuum jederzeit ersatzlos gestrichen werden können, ohne dass der Imam der nächsten Moschee es damit bedroht, in den Flammen der Hölle zu brennen.

Zakzouk hat soeben die Auspeitschung des Weintrinkers und die Ermordung des Polytheisten als „Gerechtigkeit“ verteidigt, ohne uns zu sagen, ob er, den Genießer eines alkoholischen Getränkes betreffend, vierzig oder achtzig Peitschenhiebe für „sozial gerecht“ hält.

Der in der Neuzeit aufgetretene Zerfall der islamischen Kultur hat viele Gründe, aber der Islam selber gehört nicht zu ihnen.

Wie einer der beiden in Streit geratenen Sandkastenbengel, beide zeigen völlig überzeugt mit dem Zeigefinger auf das kindliche Gegenüber und empören sich engagiert: „Der da hat angefangen!“ Leider sagt Professor Zakzouk uns die Namen der religiösen Islamscherben nicht, enthält uns vor, in welche Bruchstücke der Mohammedglaube denn nun zerfallen ist und wen wir als den destruktiven Kaputtmacher ausmachen sollen. Wie auch immer, die Kultur gewordene kosmische Unschuld hat einen Namen, al-Islam.

Natürlich gab es Theologen, die aufgrund ihrer Beschränktheit des Islam buchstäblich – also einseitig – interpretierten. Auch aus politischen Gründen geschah dies teilweise. Aber die Muslime waren religiös gesehen nie gezwungen, irgendwelche Interpretationen zu akzeptieren.

Lediglich ein paar koranisch begründete Peitschenhiebe einstecken mussten sie, spirituell völlig autonom. Man möge den seelsorgerlich gemeinten Peitschenhieb auch bitte nicht politisieren.

Jeder kann als Sunnit die Rechtsschule seines Vaters oder, als sunnitische Frau, die des Ehemannes verlassen und sich eine hübsche Moschee bauen, in der täglich gegen Kopftuch, Polygamie, Azhar und Scharia gepredigt wird – bitte Vorsicht, das war ein schlechter Scherz.

Der Islam unterstützt das Bemühen nach notwendigen Erneuerungen.

Da stimmt, die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist für Allah und für Herrn Zakzouk unnötig.

Unnötige Neuerungen kennt der Islam als bidʿa, als „modernistische“ Gefährdung des Seelenheils.

Für die islamische Philosophie bedeutet [der Idschtihad] dass sie vor allem bemüht war und ist, die Aufgabe, Vernunft und Religion in Übereinstimmung zu bringen, so weit wie möglich zu lösen.

Damit der Wanderer in der Wüste nicht die Orientierung der Zakzoukschen „Gerechtigkeit“ und „Vernunft“ verliert, stellt die „barmherzige“ islamische Gottheit ein Schild in den Sand mit der Aufschrift: „Bis hierher denken und keinen Schritt weiter!“

Bei Überschreiten der Grenze reagiert Allah mit offener Brutalität, in der moralischen Grauzone der schariarechtlichen Ungewissheit mit verlässlicher Willkür. Idschtihad wäre für alle Sunniten das durch die geistliche Elite auszuführende und islamrechtlich möglicherweise zulässige autonome Interpretieren der religiösen Quellen innerhalb der von der Scharia gezogenen Grenzen.

Hierbei stützte sie [die islamische Philosophie] sich auf die vielen Äußerungen des Korans, welche die Rolle der Vernunft betonten und die Betätigung der Vernunft ausdrücklich als eine religiöse Pflicht bezeichneten.

Los, Moslem, sei vernünftig, das ist ein Befehl, viele Grüße, dein Allah!

Was bei derartiger geheiligter Vernunftpflicht herauskommen mag, zeigen uns die Leistungen im Bereich der Frauenrechte, Kreativität und Pressefreiheit in der Weltregion zwischen Casablanca und Kuala Lumpur, in der das von Herrn Zakzouk erwähnte Büchlein namens Koran in der Tat eine Rolle spielt, das übrigens keineswegs sich selbst „äußert“, sondern die zu Schriftzeichen gewordene Stimme des Schöpfers darstellt. Es gibt nahezu keine Leistungen.

Was „islamische Philosophie“ sein soll, dürfen wir ja vielleicht Zakzouks auf Logik weitgehend verzichtenden Argumentationsmustern entnehmen.

Im letzten Jahrhundert schrieb deshalb der bekannte ägyptische Schriftsteller al-Akkad ein Buch mit dem Titel: „Das Denken ist eine religiöse Pflicht“, wobei er sich vor allem auf koranische Texte stützte.

Sich auf Laotse oder Nietzsche zu stützen oder die Gleichberechtigung für Ägyptens Kopten, Atheisten und Frauen zu fordern, wäre für einen al-Akkad auch lebensgefährlich gewesen. Wer das »Thought is an Islamic duty« (4) des Autoren und Poeten ‘Abbas Mahmoud el-’Akkad (ʿAbbās Maḥmūd al-ʿAqqād, 1889-1964) gelesen hat, verwechselt derartige Führung eines Gottesbeweises hoffentlich nicht mit freiem Denken. Als ein guter Schriftsteller und Poet mag ‘Abbas el-’Akkad, der fließend Französisch und Englisch sprach, sich ja erwiesen haben.

Zakzouk legt uns den Trugschluss nahe: Je mehr Denken, desto mehr Islam. Ratio und antirationales Allahbewusstsein fusionieren zu einer Kultur der Begeisterung, die für die Unkenrufe der AEMR keine Energie verschwenden möchte.

Ich selbst habe kürzlich ein Buch unter dem Titel „Kultur ist eine islamische Pflicht“ geschrieben, das wegen großen Interesses in Malaysia bereits übersetzt wurde.

Dass mehrere Jahrhunderte vergingen, ohne dass im arabisch-islamischen Raum liberale Strömungen zustande kamen, kann man nicht einfach auf einen einzigen Grund, nämlich das islamische Denken, zurückführen.

Eher schon auf amtierende Sittenwächter und Religionspolizisten wie Mahmoud Hamdi Zakzouk. Das Erbauungstraktätchen, mit dem Ägyptens Religionsminister den Gottesfürchtigen am Nil zur Kulturpflicht ermahnt, sollten wir uns an Land ziehen.

Ein zünftiger Brückenbauer hat an möglichst tiefen Gräben und Schluchten ein professionelles Interesse.

Brückenbauer Zakzouk, der in Nordrhein-Westfalen vor vielen Jahren bereits ganz offiziell für das Düsseldorfer Schulministerium islampädagogisch tätig sein durfte, denkt über die Bedeutung der weltweiten Erziehungswissenschaft nach und entwirft die Schule der Zukunft, die geeignet sei, die Aussöhnung der in Okzident und Orient zerklüfteten Welt zu befördern, die grässlich tiefe Schlucht zwischen Europa und dem Islam glücklich überwindend:

Ein erster Schritt hierfür wäre eine Verbesserung der Informationen über die andere Seite in den Schulbüchern. Der vor einiger Zeit leider verstorbene Professor Falaturi beschäftigte sich mit seinem Team jahrzehntelang in vorbildlicher Weise mit einer Revision der europäischen Schulbücher zum Islam. … Die Ergebnisse [Falaturis (5)] könnten als Grundlage für Bemühungen um eine Verbesserung der Schulbücher dienen.

Eine „Verbesserung“, die darauf hinauslaufen wird, die islamische Deklassierung der Frau zu bagatellisieren und die rassistische Dhimmitude der muslimisch beherrschten Religionsvölker zur multikulturellen Gesellschaft zu verklären. Was Deutschlands gründlicher arbeitende Sozialpädagogen allerdings zu verhindern haben, weil sie Allahgott nicht mit ihrem Arbeitgeber identifizieren möchten, sondern das ungeschmälerte Recht in ihrem Stadtviertel durchsetzen wollen, und zwar auch für die Töchter der angeblich so ganz andersartigen Muslim-Spezies.

Was die Informationen über den Westen in den islamischen Schulbüchern angeht, ist darauf hinzuweisen, dass die Muslime durch ihre Religion prinzipiell aufgefordert werden, das Christentum als wahre Religion anzuerkennen und zu respektieren. … Der Koran betont ausdrücklich die Gemeinsamkeiten der Religionen

Die Christenweibchen darf man als männlicher Muslim auch als Erst- bis Viertfrau heiraten oder, anzahlmäßig unbegrenzt, als Konkubine schwängern, den Aufenthaltsort des womöglich nachfolgend entstehen Kindes bestimmt nach der Scharia der Vater und die Frage nach der Religion des Kindes hat Allahgott gleich mit geklärt.

Islamkenner wissen, dass Zakzouk glauben muss, dass jeder Mensch als Muslim geboren ist und dass erst die fehlgeleiteten Eltern das Kind als Juden, Christen oder Zoroastrier erziehen. Die kulturelle Herrenrasse des Kalifats hält sich das in die Nähe einer Sklavenkaste hinab zu rückende christliche Arbeitervolk. Die Jesusleute bleiben ja schließlich eingeladen, jederzeit zu ihrer wahren Religion zurückzukehren, zum Islam.

Zweifel ist für das Denken sozusagen eine Medizin, die der Patient gemäß den Anweisungen des Arztes einzunehmen hat, wenn sie eine heilsame Wirkung haben soll.

Wildes Herumzweifeln führt die Jugend ins Verderben. Medizinmann Mohammed hat die Verabreichung der Zweifelsdosis zweifelsohne vorbildlich kultiviert. Wer am Führer zweifelt oder an Allahgott verzweifelt, dessen Kopf wird, ganz nach Maßgabe der Hurma (körperliche Unversehrtheit im Islam), kein Zweifel, in einiger Entfernung zum Körper abgelegt.

Diese Art eines systematischen Zweifels erfordert eine gewisse Reife und Mündigkeit

Die der Ehemann als Vormund für seine Ehefrau (ihre Geschlechtsreife und Ehefähigkeit beträgt neun Mondjahre) übernimmt.

Keine Sorge, kleiner Muslim, dein Imam zweifelt ausreichend für dich. Und auch dieser Imam ist, bunte Kacheln mit mechanischem Gehorsam versinnbildlicher geometrischer Musterung im Hintergrund des heiligsten Moscheeraumes, zum Erleichterung verkörpernden Lächeln verpflichtet, da Scheich Yusuf al-Qaradawi ihm das Zweifeln abnimmt, den wiederum Mohammed vom Ballast unnötiger Fragen befreit hat.

[Zweifeln setzt] die Möglichkeit und Fähigkeit [voraus], … zwischen wahr und falsch zu unterscheiden. Man muss den jungen Menschen zuerst ein selbständiges Denken beibringen

Und man muss ihnen bedarfsweise ein wenig Prügel beibringen, damit die Sache mit der Differenzierung zwischen wahr und falsch auch ordentlich funktioniert und der Schüler genau das für wahr, gesund und „vernünftig“ hält, was Necmettin Erbakan, Mustafa Cerić oder Mahmoud Zakzouk für „wahr“ halten, Polygamie und Kopftuch beispielsweise, und das für „falsch“ erachten, was Erbakan, Cerić oder Zakzouk, von heiligem Ekel geschüttelt, verabscheuen, die universellen Menschenrechte etwa oder das Recht auf eine muslimische Lebensführung ohne Scharia.

Für die Muslime gehört die Anerkennung des anderen prinzipiell zu der Natur der islamischen Religiosität, denn jeder Muslim ist religiös verpflichtet, die anderen Offenbarungsreligionen, Christentum und Judentum, zu akzeptieren und an ihre Wahrheit zu glauben.

Wobei es darauf ankommt, zu erkennen, dass die christliche Wahrheit den Zorn Allahgottes nach sich zieht und die jüdische Wahrheit eine verlogene Wahrheit ist und im wahrhaftigen Verfälschen der Schrift besteht. Die unwürdige Wahrheit des Judentums und die wurmstichige Wahrheit der Christenheit haben denn auch nur den irdischen Zweck, auf die makellose Wahrheit des Islam hinzuweisen.

Ex-Muslime und Bahá’í gehören aus Allahs und Zakzouks Sicht nicht zur Solidargemeinschaft.

Der Islam betont die Gemeinsamkeiten zwischen den drei offenbarten Religionen.

Genau, Hindus kommen unmittelbar ins Höllenfeuer und haben gar keine Rechte, Bahá’í, Atheisten oder uneheliche Kinder in Kairo können einfach so bestohlen und vergewaltigt werden, die brauchen und bekommen auch keine amtlichen Ausweispapiere, können nichts erben und nicht zur Schule gehen. Koptische Klöster oder Kirchen darf man als Ägypter angelegentlich zerstören, aber nur aus Notwehr. Um des sozialen Friedens Willen hat Allah verboten, ruinierte Kirchen jemals wieder aufzubauen. Koptenmädchen werden straflos entführt, für Herrn Zakzouk ist das nicht der Rede wert, schließlich gibt es keinen Zwang in der Religion.

In einer harmonischen Staatsordnung (Islamische Gesellschaft) wechselt die Kopfsteuer (Dschizya) den Eigentümer und wandert vom sklavenähnlichen Christen hin zum würdevollen Muslim, um die „Gemeinschaft“ (Zakzouk) zu betonen.

Dass man den Schülern im Unterricht ein kritisches Denken beibringt, ist natürlich wünschenswert, aber das bedeutet nicht, dass man ihnen beibringen sollte, an ihrer Religion zu zweifeln, bevor man ihnen die Möglichkeit gegeben hat, ihre Religion gründlich zu studieren.

Der makellose Islam stehe also bitte unter einem ganz besonderen Schutz. Erst nach vieljährigem dogmatischem Drill, mutige Menschen reden allerdings sinnvollerweise von Gehirnwäsche, ist es dem zu muslimisierenden jungen Individuum (alsbald leider zumeist Ex-Individuum) gestattet, kunstvollen Zweifel an der Religion des Islam kundzutun, wobei die Bahnen des zweifelnden Gedankenfluges, wie ein Vogel, immer elegant ein Stückchen vor der Dank Allahs Weisheit gesetzten Begrenzung des Denkens, der Mauer der Scharia, abdrehen. Um beim ornithologischen Gleichnis zu bleiben: Der schwungvolle Vogel, der muslimische Mauersegler, eckt eben nicht an, sondern verhält sich islamkonform und ruft den Muslimen und Nichtmuslimen zu: „Ich bin frei!“

Indirekt fordert Zakzouk die Implementierung der Scharia ins deutsche Curriculum eines künftigen Islamischen Religionsunterrichts (IRU), schließlich muss der Schüler, ihr Europäer zweifelt doch so gerne, den totalen Islam erst einmal erlernen, um ihn später einmal in Zweifel ziehen zu können, inschallah.

Explizit richtet Zakzouk seine Kritik in erster Linie gar nicht an Deutschland, sondern an den ägyptischen Staat und dessen öffentliches Schulsystem. Ägypten will offensichtlich die ungefilterte Begeisterung fürs Kalifat nicht in seinen staatlichen Schulen unterrichtet wissen, womit der ägyptische Religionsminister natürlich nicht zufrieden sein kann.

Die Frage der vernünftigen Anpassung oder Nichtanpassung wurde bereits von dem Propheten Mohammed ausführlich behandelt, der sich für einen Kultur- und Religionspluralismus und für die Bedeutung des Wissens von Spezialisten einsetzte.

So kann man den Staat gewordenen kulturellen Rassismus freilich auch nennen, „Religionspluralismus“. Zakzouk empfiehlt Europa offensichtlich die Rechtsspaltung, zunächst im Familienrecht beziehungsweise Personenstandsrecht sowie im Schulrecht.

Die stufenweise Entwicklung von vernunftbestimmten Gesellschaftsordnungen betonte der Islam von Anfang an.

Das mag zweierlei bedeuten, einerseits: Ihr Westler, lasst uns Orientalen mit der AEMR noch ein paar Jahrhunderte Zeit, wir brauchen ein wenig länger. Andererseits mag Zakzouks evolutionäres Geraune heißen: Die Menschheitsgeschichte hat sich von der Barbarei des Polytheismus über die hanifischen Propheten bis zur Seinsweise des Islam hinauf entwickelt, von der Unvernunft über die halbe hin zur vollendeten Vernunft.

[Wir] müssen … ein kritisches Denken betätigen und vernünftige Lösungen suchen, die im Rahmen der islamischen Weltanschauung möglich sind. In unserer Religion gibt es feststehende Prinzipien und Morallehren, die keine Veränderung benötigen.

Frei nach dem Herrn Schariaminister aus dem Lande der Pyramiden: Wenn wir Muslime sagen, dass der Mann vier Ehefrauen haben kann, die er ohne die Angabe von Gründen verstoßen darf, dann ist Veränderung weder erwünscht noch erforderlich.

Aber es gibt auch Auffassungen, die geändert werden können, wenn eine Anpassung nötig ist. So akzeptieren die Muslime auf keinen Fall die Homosexualität und die Heirat zwischen Frauen [untereinander einerseits] und zwischen Männern [untereinander andererseits].

Und das soll künftig auch im flächendeckend einzuführenden Islamischen Religionsunterricht in Deutschland gelehrt werden, schließlich gibt es keinen Zakzouk-Islam, sondern nur einen Islam: Unter uns Muslimen sind Lesben und Schwule unerwünscht, und dafür tragen wir das Kopftuch oder bauen eine Moschee. Kopftuch bedeutet: Ich bin keineswegs lesbisch und ein schwuler Sohn wäre mir und Allah ein Gräuel.

Die realen weiblichen und männlichen Homosexuellen Ägyptens, selbstverständlich arrangiert verheiratet sprich zwangsverheiratet, gehen ihren Neigungen eben gar nicht oder aber heimlich nach, leben auf der Flucht oder im Untergrund oder werden bei polizeilichen Razzien an bekannten Treffpunkten verhaftet und allesamt eingesperrt, wie das am 11.05.2001 mit den 52 Partybesuchern des am Nilufer ankernden Bootes »Queen Boat« geschah (6).

Aber die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern, die der Islam von Anfang an sich zum Ziel gesetzt hat – zum Beispiel in Bezug auf das Scheidungsrecht – ist islamisch sehr wünschenswert und wird durch die zunehmend gleichen Entwicklungs- und Bildungschancen für Frau und Mann verwirklicht.

Sicherlich will der Islam die Gleichstellung der Frau – im Paradies, und auch das ist nicht so ganz sicher, sonst müssten der Frau schließlich 72 nette paradiesische Liebhaber in Aussicht gestellt sein.

Ob Zakzouk uns sagen möchte, dass die Sache mit der Gleichstellung leider nie geklappt hat, obwohl die Muslime sich seit 1.400 Jahren alle erdenkliche Mühe gegeben haben? Nein, Zakzouk betreibt den kunstsinnigen Kitman, die Lüge durch Auslassung, er weiß, dass die Europäer jetzt ein paar Worte der Gleichberechtigung für die Frau hören wollen, und, bitte sehr, er äußert sie. Dass der Islam die emotionale Befrachtung der Frau mit Ekel predigt und ihre Deklassierung mit dem Islamischen Recht und bereits im Koran fordert (halbes Erbe, halbe Stimme vor Gericht), zieht Allahs Münchner Philosoph mit keiner Silbe in Zweifel.

Verständlich werden diese islamischen Lehren in Bezug auf Moral und Sitte, wenn man berücksichtigt, dass nach islamischer Auffassung Freiheit kein absoluter Wert ist, sondern nur in der Bindung möglich ist.

Allerdings nicht etwa in der Bindung an eine Rechtseinheitlichkeit, es sei denn, man versteht das mehrstufig diskriminierende Islamische Recht als ein einheitliches Recht, womit eine gewisse wüste Gottheit keine Probleme zu haben vorgibt; das Lügen behält sich der Gott der Eigenschaftslosigkeit sprich der Willkür allerdings ausdrücklich vor!

Freiheit ist „im Islam“, das klingt bezeichnenderweise immer ein wenig nach „im Weltall“ oder „in Taka-Tuka-Land“, kein absoluter Wert. Ja, die Frau, deren Ehemann, wie wir gelernt haben, für sie ganz viel zweifelt, bekommt auch den größeren Teil ihrer Freiheit abgenommen, die ja schließlich für sie eine allzu schwere Bürde wäre.

Körperliche Unversehrtheit oder das Recht auf Leben ist im Islam „kein absoluter Wert“ (Zakzouk), damit die amputierte Hand des Diebes zwar vom Arm herab, aber keinesfalls aus der Zone der „Gerechtigkeit“ heraus fällt.

Zakzouk unterstreicht, dass der Islam gegen Artikel 1 des Grundgesetzes verstößt, wo es heißt und auch so gemeint ist, dass die Würde „des Menschen“ unantastbar ist, also nicht diejenige „des muslimischen Menschen“ oder „des männlichen Menschen“. Was tun, Herr Schäuble oder Herr Laschet, mehr Dialog?

Die Grenzen der Freiheit sind durch die moralische Natur des Menschen gegeben, auf die uns die Lehren der Religion hinweisen.

Ohne Religion ist der Mensch ein Barbar, das könnte ganz und gar stimmen, wüssten wir nicht, dass Koran und Scharia den Menschen im Bereich der Barbarei gefangen halten und dass Huitzilopochtli ein sehr hungriger Gott war, der nach frisch geopfertem Menschenfleisch verlangte.

Was die Morallehren betrifft, setzen sich die Muslime vor allem für die Erhaltung der Institution der Familie ein, die durch die Globalisierung bedroht wird.

Hier formuliert der in Bayern ausgebildete Denker gezielt unscharf, deutlicher wird immerhin, dass er die diskriminierungsfreie Universalität zurückweist, denn ohne herabgewürdigte Religionsvölker und Menschenklassen, eine Menschenklasse sind dabei die muslimischen Frauen, ist Allah arbeitslos.

In der Tat ist die entrechtete Rolle, welche die Scharia der muslimischen Tochter oder Ehefrau abverlangt, nicht mit den allgemeinen Menschenrechten in Übereinstimmung zu bringen. Die AEMR muss daher als ein Angriff gegen die „harmonische“ und „moralische“ muslimische Familie erlebt werden, ganz entsprechend führt auch die Muslimbruderschaft den weltweiten Krieg gegen die Frauenrechte und gibt sich mit ihrer Kriegsflagge zu erkennen, dem Kopftuch.

Auf die Frage nach der AEMR antwortet der Religionsminister mit einem Hütchenspielertrick:

Ein Zeichen für die Einmaligkeit einer jeden Person ist doch zum Beispiel die Tatsache der Einmaligkeit der Fingerabdrücke. Man handelt somit gegen die Natur der Dinge, wenn man versucht, bei Menschen religiöse oder kulturelle Besonderheiten auszulöschen.

Zakzouk verwirbelt trickreich Individual- mit Gruppenrechten. Die AEMR und das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland meinen, bei allem Schutz der Familie, der Identität und Religiosität, den individuellen Staatsbürger, nicht den mittelalterlichen gebliebenen Clan.

Maḥmūd Ḥamdī Zaqzūq (7) macht die Menschenrechtserklärung fürs Kalifat nutzbar, indem er Kollektivrechte verteidigt, indirekt fordert er für Europa damit die Rechtsspaltung.

Warum eine muslimische Frau einen nicht-muslimischen Mann nicht heiraten darf? Die Heirat soll – wie der Koran betont (Sure 30:21) auf „Liebe und Barmherzigkeit“ beruhen und auf emotionaler Harmonie basieren. Dadurch kann man die Beständigkeit einer Ehe garantieren. Dazu gehört Respekt und Verständnis für die Religion des Islams, welcher die Frau angehört.

Reizend, der vorbildlich treue muslimische Ehemann sagt damit also aus: „Ja mein Schatz, ich liebe dich, aber nimm es nicht persönlich, ich liebe nur den Islam in dir!“

Jacques Auvergne

(1) Gegen die Einladung des Schariafreundes Zakzouks nach Osnabrück wurde vorab Protest laut, trefflicher Protest wurde vom »Bundesverband der Bürgerbewegungen zur Bewahrung von Demokratie, Heimat und Menschenrechten e.V“ (BDB)« in Form einer Presseerklärung formuliert

http://www.bdb.buergerbewegungen.de/zakzouk.pdf

Würzburg, 17.05.2008. Sternstunde Europas: BDB und Pax Europa fusionieren zur Bürgerbewegung Pax Europa (BPE). Die BPE ist als gemeinnützige privatrechtliche Körperschaft anerkannt und Mitglied der Lobbyliste des Deutschen Bundestages

http://www.buergerbewegung-pax-europa.de/

»PAX EUROPA Blog. Texte & Kommentare von BPE-Mitgliedern«

http://bpeinfo.wordpress.com/

(2) Roland Czada und die Imam-Ausbildung. Universität Osnabrück, Tagung:

»Imamausbildung in Deutschland: Islamische Theologie im europäischen Kontext«, Osnabrück, 25.02.2010 bis 27.02.2010

Tagungsleitung:

Prof. Dr. Bülent Ucar: Islamische Religionspädagogik

Prof. Dr. Rauf Ceylan: Islamische Religionspädagogik

Prof. Dr. Arnulf von Scheliha: Evangelische Theologie

Prof. Dr. Martina Blasberg-Kuhnke: Katholische Theologie

Mit dabei: Mathias-Rohe-Schüler Dr. Michael Kiefer („Ziele der Imamausbildung aus nichtmuslimischer Sicht“), Mizrap Polat („Die Bedeutung der Fiqh-Kompetenz in der Imamausbildung“), Harry Harun Behr („Religionspädagogische Kompetenzen von Imamen“) und der VIKZ-Öffentlichkeitsbeauftragte Erol Pürlü („Imamausbildung in Deutschland: Erfahrungen und Kompetenzen der islamischen Verbände am Beispiel der VIKZ“). Auch Johannes Lähnemann, Rauf Ceylan und Mouhannad Khorchide fehlten nicht. Abschlussveranstaltung mit Dieter Wiefelspütz (MdB, SPD), Bülent Ucar (Uni Osnabrück) und Aiman Mazyek (ZMD).

Czadas Beitrag: „10:45 bis 12:00 Uhr, Politische und soziologische Rahmenbedingungen, Leitung: Prof. Dr. Roland Czada, Osnabrück, Raum 01/EZ 04“.

http://www.islamische-religionspaedagogik.uni-osnabrueck.de/images/Tagung_-_Imamausbildung_-_Februar_2010.pdf

(3) Benjamin Idriz lügt, dass sich die Balken biegen, und verleugnet das Islamische Gesetz, die Scharia. Aus Penzberg kann Islamkritikerin Epistemology berichten, „was denn die Sharia sei und wo das stünde“. Epistemology durchschaut die tatsachenwidrige Glitschigkeit des Imams: „Bei der Stadtversammlung in München hat er uns noch erzählt, sein Freund Mustapha Ceric, der Obermufti von Bosnien, sähe in der Sharia die Liebe zu Allah. Der Imam lebt anscheinend nach dem Motto, was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern an.“ Bei: Politically Incorrect (17.06.2010), aus dem wichtigen Erlebnisbericht »Stuhlkreis mit Idriz«

http://www.pi-news.net/2010/06/stuhlkreis-mit-idriz/

(4) Abbas el-Akkad (ʿAbbās Maḥmūd al-ʿAqqād), »Thought is an Islamic duty«

http://www.arabphilosophers.com/English/philosophers/modern/modern-names/eAbbas_Mahmoud_Elakkad.htm

el-’Akkad, Gemälde, entnommen: Wiki, Maler: Rif, veröffentlicht: Beirut 1973

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/5/51/Image-A_Portrait_of_AL-Aqqad_by_the_artist_Rif%2Cat_Afifi.jpg

(5) bei Eslam: Prof. Abdoldjavad Falaturi und die 1978 gegründete Kölner „Islamische Wissenschaftliche Akademie“.

„Um der Überforderung und Entfremdung der Muslim in der Westliche Welt, zunächst vor allem in Deutschland, entgegenzuwirken und gegenseitige Vorurteile und Missverständnisse abzubauen, wurde das Kölner Schulbuchanalyseprojekt gegründet, das seit 1981 alle in Deutschland zugelassenen Schulbücher aller Fächer auf ihr Islambild hin untersuchte.“

http://www.eslam.de/begriffe/f/falaturi.htm

(6) Ort der homosexuellenfeindlichen Razzia: „Cairo 52“, Queen Boat, 11.05.2001

http://en.wikipedia.org/wiki/Cairo_52

Das Queen Boat war lange Zeit der etwas subversive Treffpunkt für einen Teil von Kairos vielen homosexuell lebenden und liebenden Menschen

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/ac/QueenBoat.JPG

A Jihad for Love (2007), ein Film des in Indien aufgewachsenen Filmproduzenten und bekennenden „gay Muslim“ Parvez Sharma thematisiert das tabubehaftete Thema Islam und Homosexualität

http://en.wikipedia.org/wiki/A_Jihad_for_Love

Homosexualität im Islam

http://de.wikipedia.org/wiki/Homosexualit%C3%A4t_im_Islam

(7) Der Deutsche Akademische Austauschdienst bewirbt den heute so mächtigen Mahmoud Hamdi Zakzouk mit Lebenslauf und Foto: “Egypt is a deeply Islamic country – and this means that the Ministry of Religion is an appropriately important political office.” Der Austauschdienst hatte den 29-jährigen einst (1962) nach Marburg geholt: “He came to Germany aged 29 in 1962 on a DAAD scholarship, first to Marburg and then to Munich.”

http://www.daad.de/alumni/pics/vip/Mahmoud_Hamdi_Zakzouk.jpg

Foto von Peter Ziegler aus Basel vom 30.04.2004, Zakzouk zeigend

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/f/f3/Mahmoud_Zakzouk_2004.jpg

173. Schariatis Islamkunde und der Entwurf einer Schule

17. Juni 2010

التلبية

at-talbiya

Das Folge leisten auf einen Zuruf,

die Annahme der Einladung (1)

Ali Schariati und der Islam als »Schule«

Zum Abschnitt »Der Entwurf einer Schule« aus Ali Schariatis »Die Islamkunde«, Teheran, ohne Erscheinungsjahr, also vermutlich etwa 1970. Von Jacques Auvergne.

Hier wird die Übersetzung des aus dem iranischen Kermanschah stammenden Mohammed Djassemi »Macht und politische Ordnung im Iran« herangezogen, Djassemis Inauguraldissertation im Fach Philosophie aus dem Jahre 3 der Installation der Allahkratie auf iranischem Boden (Augsburg 1981). Djassemi wurde wie Schariati 1933 geboren und lebt heute auf der größten nordfriesischen Insel, im Eigenverlag veröffentlichte er »Der neue Humanismus: Auf dem Wege zu einer humanen Gesellschaftsordnung« (Tinnum, Gemeinde Sylt 2005).

Zunächst zu Schariatis Prägung und Horizont.

Der am 23.11.1933 geborene Ali Schariati, korrekt gesprochen ʿAlī Šarīʿatī, war Sohn des idealistischen islamischen Aktivisten und schariatreuen sprich menschenrechtswidrigen Koranexegeten Aqa Mohammad Taqi Shariati. Aqa Mohammad Taqi führte Sohn Ali in den Kreis um Abolqassem Shakibnia ein, einem Theoretiker der revolutionären Chimäre namens Islamischer Sozialismus, einer hinterlistigen oder hoffnungsvollen Fehletikettierung für Dhimmitude oder Kalifat. Ali Schariati schrieb sich am Teacher’s Training College zu Maschhad ein, wurde 1952 Gymnasiallehrer und gründete die Islamic Students’ Association, was nach Protestaktionen zu seiner kurzfristigen Verhaftung führte. Im Folgejahr, am 19.08.1953, wurde mit Hilfe des amerikanischen Geheimdienstes CIA die demokratisch gewählte Regierung um Mohammad Mosaddegh gestürzt (1953 Iranian coup d’état). Schariati nahm Kontakt zur National Resistance Movement of Iran (NAMIR) auf. Bis 1955 studierte Schariati erfolgreich (Bachelor) an der Ferdousī-Universität zu Maschhad. 1957 wurde er wieder eingesperrt, gemeinsam mit sechzehn Mitgliedern des NAMIR.

In den Jahren zwischen 1958 und 1963 lebte Schariati in Paris, wo er Soziologie studierte, als exzellenter Student erkannt und geehrt wurde und Sartre kennenlernte. Um 1959 arbeitete Schariati mit dem FLN zusammen, der algerischen Nationalen Befreiungsfront (le Front de Libération Nationale), die zunehmend intensiv eine Fusion von Sozialismus, Nationalismus und Islam ausarbeitete. Schariati las später die Schriften des antikolonialistischen Vordenkers Frantz Fanon und wurde, 1964 in den Iran zurückkehrend, mit der Anklage subversiver Umtriebe für einige Wochen ins Gefängnis geworfen. Der Algerienkrieg (la Guerre d’Algérie) der FLN dauerte von 1954 bis 1962 und endete mit der Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich.

Neben den erwähnten Herren Shakibnia und Fanon hatte der Klerikersohn Jalal Al-e Ahmad (1923-1969) prägenden Einfluss auf Schariati. Al-e Ahmad war kurzzeitig Tudeh-Kommunist und wurde als Autor des antiimperialistisch-antieuropäisch motivierten »Gharbzadegi« (1962) berühmt, der Begriff bedeutet etwa „Westlichkeitswahn, Europäisch-amerikanisch verursachte Erkrankung des Orients“ und wurde um 1940 durch einen Heidegger-Kenner und radikalen Kulturrelativisten, durch den die universellen Menschenrechte dezidiert verweigernden Antisemiten und Teheraner Professor Ahmad Fardid geprägt, dessen geistige Nähe zu Sayyid Quṭb oder Adolf Hitler aufschlussreich ist für das Verweigern der universellen Menschenrechte vieler muslimisch geprägter Intellektueller bis in unsere Zeit, welche die angeblich kolonial ausgerichtete AEMR durch den Koran ersetzt wissen möchten. Das Buch »Gharbzadegi« (Occidentosis: A Plague from the West) wurde 1962 illegal veröffentlicht, das eher hasserfüllt als spöttisch gemeinte Gharbzadegi wird im Englischen treffend mit Occidentosis, Euromania oder Westernitis wiedergegeben. Der radikale Kulturrelativismus Fardids wird heute durch Schariafreund Abdolkarim Soroush (Hossein Haj Faraj Dabbagh) fortgeführt, den wir als global denkenden Proislamisten erkennen sollten, als Gegner der kulturellen Moderne und als Demokratierisiko. Nach 1953 war Al-e Ahmad für mehrere Jahre in Haft. Als ein weiteres persönliches Vorbild wird für den 1977 im englischen Exil verstorbenen Schariati Shapur Bakhtiar (Shāpūr Bakhtīār, 1915-1991) gelten können.

Bakhtiar besuchte als Jugendlicher die französische Schule in Beirut, war Student an der Sorbonne, Kämpfer in den Internationalen Brigaden des Spanischen Bürgerkriegs, im Zweiten Weltkrieg Mitglied des französischen Widerstands der Résistance und war schließlich, zu Beginn des Jahres 1979 wenige Wochen lang der letzte iranische Premierminister unter dem Schah. Bei Ausbruch der Islamischen Revolution konnte Bakhtiar nach Frankreich flüchten, wo er im Folgejahr, im Juli 1980, einem versuchten Mordanschlag gegen ihn entkam, bei dem ein Polizist und ein Nachbar starben. Bakhtiar lebte weiterhin in Suresnes im Westen des Großraums Paris (Département Hauts-de-Seine), wo er mit seinem Sekretär in der eigenen Wohnung durch drei Angreifer im August 1991 ermordet wurde, wie zu vermuten ist vom iranischen Geheimdienst.

Soweit zu Schariatis Prägung und Horizont, nun zu seinem Text.

Gleich mit dem ersten Satz erläutert uns Ali Schariati, was für ihn maktab bedeutet, was einem iranischen Intellektuellen eine „Denkschule“ ist, eine umfassende Weltanschauung nämlich, die den Charakter gesund erhalte und zivilisiere, ihn zur Tugend und Sitte forme und die allein uns als Hörern oder Lesern Verlässlichkeit und nachhaltiges Glück biete:

1. Wenn ich „Schule“ meine, so ergibt sich dafür folgende Definition: Schule besteht aus … einer konsistenten und proportionalen Reihe (auch: Summe) philosophischer Ausschau, religiöser Überzeugung, moralischer Werte und praktischer Methoden, die in einem kausalen Zusammenhang ein dynamisches, sinnvolles, richtungsweisendes und lebendiges Ganzes ausmachen; alle Organe dieses Ganzen werden von demselben Blut gespeist und von einem einheitlichen Geist beseelt.

Ein wissenschaftlicher Experte kann eine „Schule“ (Maktab) haben oder nicht.

Wie wir wissen, legt Ali Schariati sich und uns den Eintritt in die Schule der ewigen islamischen Bewegung nahe, die er, den mathematischen so genannten Zentralwert (Median) zur Verherrlichung Allahs gleichnishaft verwendend, als »The Median School Of Islam« anbietet, als Gleichzeitigkeit aus persönlichem, zur Orthopraxie mahnendem Heilsweg, korantreuem Gleichklang der Rhetorik und monopolistisch das gelingende Leben garantierender staatlicher Ethik der Scharia.

Dass damit jede Individualität islamisch-glücklich (totalitär) überwunden ist und ein jeder bereits jetzt weiß, was der die Bühne betretende Wissenschaftler, Journalist oder Poet gleich erzählen wird, schreckt den gottesfürchtigen Iraner nicht, was uns erschrecken sollte:

1. Wenn ein Experte für Physik eine „Schule“ besitzt, so können Sie im voraus erraten, welche Ansichten er über die wirtschaftlichen und klassenmäßigen Probleme hat, bevor er seine diesbezüglichen Meinungen geäußert hat. Von einem Experten der Ökonomie, – vorausgesetzt, dass er eine „Schule“ hat, – kann man ebenfalls annehmen, dass er diese oder jene philosophische Ansicht über die Welt oder die Natur besitzt.

Mit Schariati nämlich hält der fiktive koranbasierte Physiker oder Volkswirtschaftler den frühmittelalterlichen Staat von Medina für die erste klassenlose Gesellschaft und für die perfekteste aller Demokratien und erkennt den aus der Sphäre des absoluten Überblicks allerlei Einflüsterungen erhaltenden Mohammed als den vollkommensten Wissenschaftler aller Zeiten.

Alle irdischen sozialen Missstände sind damit auf grundsätzliche Islamferne zurückzuführen, individuelles Fehlverhalten ist Glaubensmangel.

1, 2. bei einer Person, die eine „Schule besitzt, bilden die ökonomischen, religiösen und philosophischen Ansichten … und selbst ihre künstlerische und literarisch Geschmacksrichtung ein zusammenhängendes (auch: harmonisches) Gewebe

Eine Biographie werdende Textilie, ein Wohlverhalten werdendes Flechtwerk, die oder das sich, haben wir einen vorbildlichen Menschen vor uns, aus der nahezu ungefilterten und ungehemmten Webekunst Allahgottes strickt, der allein schließlich Anstoß und Ursache ist, da er andernfalls nicht allmächtig wäre.

Der Asoziale weist einen islamrechtlichen Webfehler auf und der koranisch verbürgte Teufel wird zur sozialen Laufmasche.

2. Somit bildet die „Schule“ ein System, dessen einzelne Trabanten: Individuelle Affekte, soziales Verhalten, charakterliche (auch: moralische) Besonderheiten und insbesondere die philosophischen, religiösen und gesellschaftlichen Ansichten um eine zentrale Sonne kreisen

… den sonnigen Allah …

In sich sinnvoll und geschlossen befindet sich das System in einer bestimmten Richtung in Bewegung.

… in Richtung des harmonischen Miteinanders der schlussendlich rechtsverschiedenen „Gesamtgesellschaft“, in Richtung des Kalifats.

2. Und eine solche „Schule“ ist es, die Bewegung hervorbringt, Konstruktives leistet, gesellschaftliche Macht entwickelt, Engagement und Verantwortungsgefühl entstehen lässt, jedoch können weder Expertentum noch Wissenschaften eine ähnliche Wirkung verursachen. Und seit man den Islam aus einer „Gesinnungsschule“ zu einem „kulturellen Wissensgut“, einer „Ansammlung von Wissenschaften“ verwandelte, entledigte ihn man seiner Dynamik, seiner Verantwortung und seines sozialen Selbstbewusstseins, wobei ihm die Wirkung auf die Gestaltung des gesellschaftlichen Schicksals der Menschheit [abhanden kam].

Echter kultureller Fortschritt sei und bleibe stets korantreu. Am islamischen Wesen soll die Welt genesen, der makellose Ur-Islam aber ist durch gemeine Lobbies in die Verkrustung überführt worden.

Ohne sich von der Scharia zu distanzieren, stellt sich der Redner als ein Islamreformer vor. Wie sehr er den Klerus der Zwölferschia kritisiert, bleibt aus erklärlicher Vorsicht offen. Schariati erscheint gewissermaßen als schiitischer Salafist, jedenfalls als ein schiitischer Puritaner, der Lebensfreude, soziale Gerechtigkeit, Antikolonialismus und technologischen Fortschritt aus der einzig brauchbaren Handlungsanweisung herausliest, aus dem Koran.

Insofern ist Ali Schariati deutlich radikalislamischer als ein schließlich auch historisch gewachsenes Erbe verkörpernder iranischer Geistlicher, die deutliche Nähe zwischen al-Maududi und dem zu unrecht als „links“ oder „fortschrittlich“ gehandelten Schariati mag an dieser Stelle deutlich werden.

2, 3. (In meiner Vorlesung also) besitzt die Islamkunde eine solche (oben dargelegte) Bedeutung, keine (bloße) Kultur(-geschichte), keine bloße Ansammlung von Wissenschaften, die man studieren sollte. Selbstverständlich sind die islamischen Wissenschaften, die islamische Kultur sehr wertvoll und inhaltsreich und gereichen der islamischen „Zivilisation“ sehr zum verdienten Ruhm, jedoch (bei mir) hat die Islamkunde die Bedeutung der islamischen Ideologie

Erworbenes Wissen zur Scharia sei nachrangig, zunächst käme es auf die totale persönliche, eigentlich: ex-persönliche, Hingabe an. Im Stile des besonders weltüberwindend orientierten Teils der Sufis mahnt Schariati zum Tadscharrud, zur Ich-Abstreifung.

4, 5. Der Islam als eine Ansammlung von Wissenschaften hat sich während der Geschichte der islamischen Zivilisation zu einer Summe von philosophischen, theologischen (Kalām), linguistischen, historischen, kommentatorischen Wissenszweigen entwickelt. … Und der Weg, über diese Wissenschaften ein Wissen zu erlangen, ist, sie zu studieren. Aber den Islam als eine Ideologie muss man auf eine andere Weise verstehen und kennenlernen; der Islam als Ideologie ist keine fach-spezifische Disziplin, sondern das Fühlen einer „Schule“, er ist Glaube und nicht eine Kultur, sein Verstehen heißt Überzeugung und nicht das bloße Ansammeln von Wissen

Wie nebenbei bejaht Schariati die Schariawissenschaft und ihre mächtigen iranischen Eliten, verwirft aber ein etwaiges plattes Memorieren seitens der Koranschüler beziehungsweise ein eventuelles ausgesprochenes Karrieredenken der Geistlichen, sondern fordert eine ekstatische und militante (ich-auslöschende) Begeisterung und Hingabe eines jeden Adepten orientalischer Kultur oder religiöser Erkenntnis. Ali Schariati ruft zu einer vollkommenen Islamisierung des Bewusstseins des Einzelnen auf, zu einer seelischen Islamischen Revolution.

Für die profanen Äußerlichkeiten war in den Folgejahren Ruhollah Chomeini zuständig, Feingeist Schariati indessen bekümmerte sich um das vorbereitende religiöse Kribbeln der jungen Generation. Sein modern, hedonistisch und spontan daher kommendes islamverherrlichendes Denken bleibt eine Gefahr für Europa und Nordamerika, nicht zuletzt die jungen Muslime in Deutschland betreffend, die wir Sozialpädagogen und Sozialarbeiter vor der unkritischen oder pflichtschuldig-begeisterten Lektüre der Texte Schariatis warnen.

Das geradezu suchthafte Bestreben, den „eigentlichen“ Islam als harmlos und menschenfreundlich darzustellen, wird in den kommenden Jahren darauf angewiesen sein, Schariati in allen europäischen Sprachen zu vermarkten. Für vulnerabel dürfen wir hierbei die im Altersdurchschnitt oft eher jungen und sich gerne der politischen Linken zurechnenden Milieus der Amateure von attac, JuSo und AStA ebenso halten wie die multikulturell orientierten (enthemmt machtgeilen?) erwachsenen und professionellen Szenen der beiden Großkirchen, etwa dort, wo man seit Jahren eine Rabeya Müller zu Kirchentagsveranstaltungen einlädt oder überall da, wo man den demokratieüberwindenden Satz der Lamya Kaddor „Die Aufklärung ist nicht für den Islam übertragbar“ bagatellisiert oder als problematisch schlicht nicht mehr wahrzunehmen vermag.

Der Platonverachter und Renaissanceverspotter Schariati betreibt die Einbürgerung des Humanismus in den menschenverachtenden Islamischen Staat:

9. Mit dem Begriff „Humanismus“ meine ich hier den „Wert der Wahrheit“, der Bestimmung und des Sinnes, den jeder Mensch in seiner „Schule“ für die Menschheit in Aussicht stellt. Es handelt sich daher nicht um die spezielle Bedeutung des Begriffs im Sinne vom „Wesen des Menschen“, die bei den alten Griechen, in der Renaissance sowie bei den verschiedenen Schulen des Radikalismus im 18. und 19. Jahrhundert und schließlich beim Existentialismus im 20. Jahrhundert eine Rolle gespielt hat.

Die wertebeliebige Selbstbezogenheit der Existentialisten würde man ja gerne ausführlicher kritisieren, aber ist es nicht so, dass Schariati soeben die Intention und Arbeit der europäischen Aufklärung als radikal bezeichnet hat? Den Atheismus (Feuerbach, Nietzsche), der seine Pfahlwurzel sicherlich nicht in koranischer oder auch nur monotheistischer Erde schlagen möchte, hält der Iraner für einen Radikalismus.

Säkular religiöse Menschen, darunter es ja durchaus auch, aufgrund der islamischen Gewaltbereitschaft allerdings mittlerweile selbst in Deutschland erklärlich zurückhaltende, Muslime gibt, können den Atheismus entspannt als eine von mehreren Quellen sehen, aus denen sich die kulturelle Moderne speist und mit ihr jene Lebensform nährt, die jedem Menschen, auch dem weiblichen, maximale Chancen bietet: die freiheitliche Demokratie.

Nach der fiṭra-Konzeption, dem natürlichen Geschaffensein und göttliche Annäherung suchenden Ausgerichtetsein auf Allah hin, erklärt Schariati den gesunden (allahbewussten, schariakonform handelnden) Menschen zum Utopisten und Idealisten, zur Verkörperung gelingenden Lebens:

18, 19. Demnach entspringt die Bildung von Utopien, – allen äußerlichen Argumenten zuwider –, dem unumstößlichen und individuellen Bedürfnis jedes idealistischen Menschen. … Grundsätzlich ist der Wunsch nach einer „Über-Gesellschaft“ in der Fiṭra des Einzelnen und im Gewissen jeder Gesellschaft verankert. … Grundsätzlich beweist die Existenz von Utopien … , dass der Mensch stets geneigt ist, sich vom „gegebenen Zustand“ aus zu einem „gewünschten“ Zustand hin zu bewegen.

Wobei das Wünschenswerte wie zufällig mit dem sozialen Ideal des Koran übereinstimmt und nach Schariati selbst der engagierte Atheist die Existenz Allahs dadurch beweist, dass er zu etwas hin will.

Ṭālib, Schüler, heißt im eigentlichen Sinne Hin-Streber.

19. Aber die „Über-Gesellschaft“ einer „Schule“ ist keine phantastische Gesellschaft mehr; sie ist vielmehr eine ideale Gesellschaft, die entsprechend dem Geiste einer Schule fundiert (errichtet) werden soll; die Bekenner dieser Schule betrachten das Leben in einer solchen Gesellschaft als das eigentlich menschliche

So, wie es nur zwei Parteien geben kann, die Partei Satans und die Partei Allahs, könne es, folgt man Schariati, nur zwei Schulen geben, die antiislamisch-kranke von Karl Marx beziehungsweise Lenin und die proislamisch-gesunde, die eine Staatwerdung ihrer Lebensweise anstrebt, das Kalifat.

Schariati baut die eventuell vorhandenen Hemmschwellen des Zuhörers ab, den Schariaverweigerer öffentlich als unmenschlich anzuprangern, und verherrlicht den politisierten Eingottglauben, at-tauḥīd, in welchen er, ohne gegen die Scharia zu verstoßen, jeden pantheistischen und atheistischen Anspruch gleich integriert, was allerdings nur bedeutet, dass der Intellektuelle den hungrigen Islam die aus Allahgottes Blickwinkel allzu dürren Dimensionen von Pantheismus und Atheismus vollständig schlucken lässt:

23. Tauḥīd als weltanschaulicher meiner Schule. Meine Weltanschauung besteht aus dem „Tauḥīd“ … eine Auffassung von der Welt als Einheit und nicht als Teilung derselben in Diesseits und Jenseits (dunyā und ākhirat), in Physik und Metaphysik, in Materie und Geist, in Körper und Seele

Der Parteigänger einer göttlichen Natur hat fürderhin zu schweigen, Wanderer Schariati hat die Führung über den Pantheismus übernommen und ihn in sein Reisegepäck gesteckt, in Richtung der Glückseligkeit strebend, der größtmöglichen Nähe zu Allah.

Ganz im Hier und Jetzt die Höllenflammen knistern hören und den Paradiesglanz leuchten sehen, für besonders „dynamische“ Muslime ist das nun wahrlich kein spirituelles Problem.

Allah ist und will die Einheit, andernfalls hätte er ja einen zweiten Gott (den Teufel bzw. die Erde) neben sich. Schariati benutzt einen theologischen Taschenspielertrick und sagt nicht, dass er die Scharia nicht zur Basis aller Politik machen will und den Koran nicht zur Verfassung, darauf aber wäre es angekommen.

Kalifatspolitiker Mustafa Cerić verwendet in seinen englischen Texten das deutsche Wort Weltanschauung. Schariati:

23. Ich verstehe darunter [unter dem tauḥīd] eine „Weltanschauung“ und bin der Meinung, dass der Islam die gleiche Bedeutung dem Tauḥīd beimisst. Ebenfalls fasse ich „Schirk“ (=Vielgötterei) von demselben Blickwinkel auf. … „Schirk“ [ist] eine Weltanschauung, eine Auffassung vom Ganzen, die besagt, dass das Universum aus einer Summe von diversen, disharmonischen, in sich widersprüchlichen und heterogenen Bestandteilen, aus verschiedenen, völlig selbständigen und unversöhnlichen Polen, aus divergierenden Bewegungen, aus zerstreuten und zusammenhanglosen Wesenheiten … besteht. … Der Tauḥīd sieht das Universum als ein Imperium an, während … „Schirk“ es als eine feudale Ordnung betrachtet.

Blendend argumentiert, leider schariatreu und damit menschenrechtswidrig.

Ein wirklich mächtiger Teufel wäre ein zweiter Gott neben Allahgott und ist daher als Glaubensbestandteil zurückzuweisen, bedarfsweise mit der selben Prügel, die den Teufel islampädagogisch im Hirn des Kindes installiert. Der erkenntnistheoretisch unzulängliche Mensch bleibt damit vom Islam abhängig wie der Süchtige von seiner Droge, denn Kausalität und Kohärenz schaffen nicht die Naturgesetze, sondern schafft die Gottheit. Zugleich kann nicht einmal die Welt eine wirklich eigene Bedeutung haben, da diese die Rolle und Allmacht Allahs schmälern würde.

Mit dem Buch der Bücher bewaffnet, dem Ur-Buch schlechthin, geht Schariati beherzt ans Naturbetrachten:

27. Unter allen religiösen, wissenschaftlichen und philosophischen Werken ist [es] eigentlich nur der Koran, der alle Dinge, Realitäten und Bewegungen in der Natur als „āyāt“ bezeichnet.

Als Zeichen, so āyāt wörtlich, als Hinweis auf die Allmacht und Allgegenwart des Islamgottes. Die Verse des Koran selbst heißen so, Einzahl āya, und das menschliche Auge hat seit der Offenbarung an Mohammed den Eigenklang der Stimme Gottes, die koranischen Schriftzeichen, aus Stein, Baum, Stern, Quelle, Blume und Mensch herauszulesen, jedes andere Lesen, jede andere Wissenschaft, wäre schließlich Polytheismus und damit todeswürdig.

29. Widerspruch und Zwietracht [sind] mit der fundamentalen Annahme der Tauḥīdī-Weltanschauung unvereinbar. Demnach kann es in der Tauḥīdī-Weltanschauung keinen Widerspruch im Sein, keinen Widerspruch zwischen Mensch und Natur, Seele und Körper, Diesseits und Jenseits, Materie und Geist, sowie keinen rechtlichen, klassenmäßigen, sozialen, politischen, rassischen, völkischen, territorialen, blutsmäßigen, erblichen (genetischen), wesensmäßigen, anlagemäßigen (= fiṭrī) und sogar ökonomischen Widerspruch geben

Allahgott hat eben für alles gesorgt. Nach der fiṭra ist jeder Mensch als Muslim geboren und allenfalls nachträglich von seinen, in dieser Logik widernatürlich handelnden, Eltern oder Pädagogen zum Juden, Christen, Hindu oder Atheisten erzogen worden. Territoriale Widersprüche sind ebenfalls harmonisch zu beseitigen, nämlich durch Eroberung der Dār al-harb durch die Dār al-Islām, damit die unsteigerbar beglückende Einheit wirklich für jeden erfahrbar wird.

Das Kalifat, legt Schariati uns nahe, sei die von Karl Marx gut gespürte aber unzulänglich entworfene klassenlose Gesellschaft. Der letzte Prophet und mit ihm Muslim Schariati (wobei dieser auch hierin seinem Vater treu folgt) werden zum veritablen Sozialisten, und wer als junger Iraner den ganzen, den echten Sozialismus will, könne ihn nur auf dem Wege der Vertiefung des islamischen Bewusstseins erreichen.

29, 30. Der Widerspruch von Diesseits und Jenseits, … Vernunft (= ‘aql) und Erleuchtung (= ischrāq), Wissenschaft und Glaube, … Herrschern und Beherrschten, Geistlichkeit und Nicht-Geistlichkeit, … Licht und Finsternis, gutem und bösem Prinzip, … Proletariern und Kapitalisten … ist nur mit der „Schirk-Weltanschauung“ vereinbar, d. h. mit dem Dualismus, der Trinitätslehre oder Polytheismus vereinbar, und nicht mit dem „tauḥīd“, der die Schau der Einzigkeit darstellt.

Problem war gestern. „Der Islam ist die Lösung.“

Die Geistlichkeit abzuschaffen könnte den Exilanten Chomeini sauer werden lassen, aber Schariati hat das, genau betrachtet, soeben gar nicht gefordert: Der Ayatollah kann auch künftig also sehr wohl existent sein, wir Nichtkleriker sollen mit Schariati einfach keine Unterschiede mehr sehen zwischen den Scheichen und uns als den Gehorsamspflichtigen – auf zum Friedensfest.

Zwischen dem im Staatsauftrag Steine werfenden Muslim und der zu steinigenden Frau gebe es, nur mit ausreichender Weisheit betrachtet, keinen störenden Widerspruch, sondern bestehe dieser erhabene Fluss der Einheit des Seins und der göttlichen Harmonie.

31. Der Mensch hat innerhalb der Tauḥīdī-Weltanschauung nur vor einer Macht Furcht, er ist nur einem Richter gegenüber verantwortlich, er blickt nur nach einem Mekka (= Qibla) … im umgekehrten Fall wäre alles ohne „ihn“ nichtig und sinnlos … (Denn allein) die Ergebenheit (= taslīm, abstammend von islam!) „ihm“ gegenüber, welche zugleich das Grundgesetz des Seins ist, setzt den Menschen in die Lage, gegen alle falschen Mächte und demütigenden Fesseln der Angst und Habgier … zu rebellieren.

Humanität ist Gottgehorsam.

53. So gesehen ist auch der Kampf der Religion gegen Religion ein historischer Kampf: Die auf Vielgötterei aufbauende Religion … führt Krieg, um das gesellschaftliche „Schirk“, die Uneinigkeit der Klassen zu rechtfertigen, wogegen der Kampf der monotheistischen Religion … die Rechtfertigung der Einheit von Klassen und Rassen zum Ziele hat. Dieser historische Kampf zwischen Kain und Abel, „Schirk“ und „Tauḥīd“, … der Religion der List … und der Religion der Aufklärung, der Bewegung und der Revolution … wird bis zum Ende der Zeit (= ākhir az-zamān) andauern.

Der auf Kulturrassismus gegründete Koran legt dem Leser nahe, was Schariati natürlich weiß, das Judentum als die heilsgefährdende Lehre kosmischer Niedertracht und List zu begreifen, eine nach Schariati offensichtlich „ganzheitlich-harmonische“ Weltsicht, die sich im heutigen, muslimischerseits praktizierten Antisemitismus und Israelhass im Bereich zwischen Muslimbruderschaft und Millî Görüş äußert.

Dass Gotteskrieger Schariati wieder beim Dualismus der Manichäer gelandet ist, geht im vor lauter Kult um die kosmische Einheitlichkeit nicht mehr in den Verstand. Islam beseitigt jeden Widerspruch, denkt man ihn nur radikal genug. Letztlich betrifft dieser Fundamentalismus jede doktrinär aufgefasste beziehungsweise angedrillte Religiosität, wir sollten daher Qualitätskriterien für demokratietaugliche Religiosität bekennen.

In seinem Holländischen Tagebuch erkannte Leon de Winter, worum es für Europa bei der Integration eben nicht der Scharia, sondern der Muslime geht: „Wir sollten die Arroganz aufbringen, unsere neuen islamischen Mitbürger Verträglichkeit, Individualität und die Rechte und Pflichten des modernen Bürgertums zu lehren, doch wir lassen uns von den Illusionen des Multikulturalismus lähmen. Seit den sechziger Jahren machen wir uns selbst weis, alle Kulturen seien gleichwertig. Wenn das so wäre, wäre Kannibalismus nur eine Frage des Geschmacks. In den Niederlanden wie in ganz Europa wird der Druck der Intoleranten auf unsere Toleranz zunehmen.“

Rächer Schariati reinigt die Erde:

54. Das wird eine zwangsläufige Revolution sein, um der Kainschen Geschichte ein Ende zu setzen und die Gleichheit aller im Weltmaßstab zu verwirklichen. … … dies geschieht in Form einer Weltrevolution, einer historischen und klassenmäßigen Rache, die sich mit aller Entschiedenheit über das gesamte Leben der Menschheit erstreckt.

Schariati will den Weltfrieden der Pax Islamica, das Globalkalifat. Angesichts von so viel Glaubenseifer könnte ja selbst ein Chomeini anerkennend staunen. Mangel an Entschiedenheit wird man den iranischen Islamrevolutionären der späten Siebziger Jahre nun wahrlich nicht vorwerfen können.

Der 1977 verstorbene Schariati stellt sich uns mit seinen, den politischen Umsturz im Namen des Islam fordernden Sätzen als Wegbereiter der 1979 errichteten göttlichen Diktatur vor und löst endlich auch das Betriebsgeheimnis von dem, was er sich unter einer „Schule“ vorstellt:

66. Die Ideologie ist innerhalb dieser Schule, – um es in einem Wort zu sagen –, gleichbedeutend mit dem Islam.

Um dem Publikum allerdings sogleich ein neues Rätsel zu präsentieren:

Die Frage aber lautet, mit welchem Islam?

Ganz viele kleine Islame. Oder sagt man Islams?

Der in Bahnhofsvierteln ohne Gewerbeschein auf unsere Wettgelder erpichte Trickser verwendet mehrere Hütchen. Und nur eine Kugel. Taschenspieler Schariati verdoppelt die Scharia oder halbiert sie:

67. Der Islam von „Gerechtigkeit und Führung“ Ja! Der Islam von „Kalifaten, Klassen und Aristokraten“ Nein!

Der Islam von „Freiheit, Bewusstsein und Bewegung“ Ja! Der Islam von „Gefangenschaft, Schlaf und Ruhe“ Nein!

Der „kämpferische“ Islam Ja! Der „geistliche“ Islam Nein!

Der Islam als „Gesinnungs- und Gesellschaftskampf“ als „wissenschaftliche und rationale Autorität“ Ja! Der Islam von „Imitation, Fanatismus und Ergebenheit“ Nein!

Der Islam von „Koran“ Ja!

Der Mann betrügt weniger uns als vor allem sich selbst.

68. Das, was ich als Suchender wünsche, ist eine Rückkehr zum Islam als einer „Ideologie“. … Den Islam als Ideologie … kann man begreifen, wenn man die … Hauptkomponenten einer wissenschaftlich analytischen und komparativen Untersuchung unterzieht: Allah, Koran, Mohammed, Mustergefährten (=ṣaḥabī) und (Propheten-)Staat (=Madīna).

Die ideale Gesellschaft … heißt „Umma“. … Das Wort „Umma“ … beinhaltet einen fortschrittlichen Geist, eine dynamische, engagierte und ideologische Schau der Gesellschaft.

70, 71. Der ideale Mensch = „Der Kalif Gottes“. Das ist ein „gottähnlicher Mensch“, in dem der „Gottesgeist“ über die „satanisch-schlammige“ Hälfte gesiegt hat … Die Richtschnur der Bildung, die pädagogische Philosophie rührt von dem Imperativ her: „Gewöhnet euch an die göttliche Ethik! … Das schließt zugleich die Absage an jedwede fixe und konventionelle Erziehungsmaßstäbe ein. … Dieser ideale Mensch durchquert die „Natur“ und wird dabei Gott gewahr; er wendet sich den „Menschen“ zu und gelangt somit an Gott. Dieser sein Weg geht also nicht an der Natur vorbei und macht keinen Bogen um die Menschen.

Religiöses Kleingeld. Islamisches Einmaleins.

Die Natur dem Kalifat nutzbar machen. Und zugleich die muʿāmalāt-Dimension der Scharia erfüllen, jene Verpflichtungen, die Allāh dir den Menschen gegenüber aufgetragen hat und deren Nichteinhaltung, etwa, als Mann ohne triftigen Grund dem Freitagsgebet fern bleiben oder als Frau kein Kopftuch zu tragen und dem Ehemann ungehorsam zu sein, dich nach deinem Ableben in das Höllenfeuer eingehen lässt.

Bedauerlich, dass der Iraner lebenslang die universellen Menschenrechte nicht als wertvoll erkannt und verteidigt hat. Schariati hätte besser Pistazien gezüchtet und zur Geistes- und Religionsgeschichte der Menschheit geschwiegen, als sich (und die Geschichte) derartig zu verbiegen. So sehr kann die Jahrhunderte alte Scharia das Denken eines Menschen verzerren.

Der „einzelfallorientierte“ (willkürliche) Islam von Scharia und Fiqh hat sich nicht verändern können, er wird es auch nie. Der barbarische Kult hat den Hirnen und Leibern von muslimischen Intellektuellen wie Ali Schariati vielmehr den einzigen irdisch möglichen Verwendungszweck zugewiesen, nämlich zu jenem Geröll zu werden, den eine Armee zum Erreichen des Schlachtfeldes nun einmal braucht, zum Schutt der Aufmarschrampe des islamischen Faschismus.

Wer daraus nichts lernen möchte, wird die mordreiche Lektion wiederholen müssen. So lange wir Europäer oder Nordamerikaner unseren Politikern und Kirchenfunktionären nicht widersprechen können oder vielmehr wollen, die faktenfern behaupten, der Islam sei eine „im Kern friedliche Religion“, droht der islamische Totalitarismus auch in Europa mit klandestinen Geheimdiensten, Entführungen und Auftragsmorden Einzug zu halten. Der organisierte Islam der Scharia – und einen anderen organisierten Islam gibt es nicht – gefährdet im polizeilich und journalistisch kaum noch erreichten Abseits unserer Städte die freiheitliche Lebensweise längst mit Zwangsheirat und Ehrenmord, mit Polygamie sowie mit elf- oder zwölfjährigen schwangeren Bräuten, kurz, mit eben der Rolle der Frau, die der keinesfalls falsch verstandene Allahgott als sittlich einwandfrei und deine Seele rettend vorsieht.

Wer war und wer blieb Ali Schariati, der Zornige und Belesene, der antikolonialistische Aktivist, der Sohn des Tafsīr-Fachmannes, der religiös beseelte Antikommunist, der Kenner von Europas Geschichte und Literatur, der strahlende iranische Redner in Moscheen, auf Marktplätzen und in Universitäten, der Mann mit dem gewinnenden Lächeln, dessen Stimme jahrelang in Hunderttausenden von Iranern Stolz und Hoffnung erwecken konnte? Chomeinis Maskottchen.

Der Harlekin des Kalifats.

Jacques Auvergne

(1) Muslim, begebe dich in die Harmonie mit dem ursprünglich islamischen Weltall, übe dich in der absolute Befolgung, at-talbiya, in der einzig angemessenen Antwort auf die absolute Einladung: „Labbayka Hajjan – O Allah! I answer Your call to perform Hajj.“

“Labbayk, allahumma labbayk … – Dear God! I accept your invitation …”

Aus: HÜSSEYİN ALGÜL: »The blessed days and nights of the Islamic Year«, İzmir 2005 (Originaltitel: Mübarek Gün ve Geceler, 2004)

http://books.google.de/books?id=mk-E3rDUFgIC&printsec=frontcover#v=onepage&q&f=false

Scheich Muhammed Ali FARKÛS (Ferkous) aus Algerien (»Cheikh Ali Ferkous sort enfin de son silence et donne son avis sur la question de … «). Seine Fatwas finden sich unter www.fatawaferkous.com). Farkûs / Ferkous spricht zu uns über die einzig mögliche Annahme der einzig wahren Einladung, über die Talbiya, die von den Männern laut erfleht wird, die mit ihrer Stimme zur Verführung und Sünde verlockenden Frauen dürfen sie denken:

“Talbiya: is to say in hajj or in`Umra “Labbayk Allahumma Labbayk, Labbayk La Sharîka Laka Labbayk, Innal Hamda Wan Ni`mata Laka Wal Mulk, La Sharîka Lak (here I am at Your service O Lord, here I am, here I am. There is no partner to you. Here I am. Truly, the praise and favor is yours, and the dominion. There is no partner to you).”

“For this reason, a Muhrim woman in hajj or in `Umra makes Talbiya and does not rise her voice. The sharia ordered her also to clap her hands and not saying Tasbîh in the prayer, all this in order to avoid temptation and avoid falling into sin.”

http://www.ferkous.com/eng/Bk9.php

172. Ali Schariati: Exploitation und Raffinierung

16. Juni 2010

التطابق

at-taṭābuq

Kongruenz

Das Nichtislamische verstoßen

Jacques Auvergne betrachtet die in Abadan gehaltene Rede Ali Schariatis: »Exploitation und Raffinierung der kulturellen Quellen«

Dem Betreiben von Konrad Adenauer dürfte es zu verdanken gewesen sein, das neue Verwaltungszentrum der vom barbarischen Faschismus befreiten drei westlichen Besatzungszonen, der Bundesrepublik Deutschland, in den Süden der Kölner Bucht zu legen. Nachfolgend siedelten sich die ausländischen Vertretungen im rheinischen Bonn an: China, Sowjetunion, USA, und, in der Godesberger Allee 133-137 (Presse- und Kulturabteilung), die Botschaft des ab 1979 alle Frauen unter den Ganzkörperschleier prügelnden iranischen Gottesstaates. Auf der besonders gesicherten dritten Etage dieses Hauses haben sich nach Informationen der The Federation of American Scientists (FAS) in sechs Büros und mit einem Radiosender ausgerüstet 20 Nachrichtendienstler Tag und Nacht darum bemüht, in der Bundesrepublik Militär- und Wirtschaftsspionage zu betreiben und die 100.000 deutschen Exil-Iraner zu überwachen (1).

Im Oktober des Jahres 1980 übersetzte die zwielichtige Botschaft der seit achtzehn Monaten für Allahgott folternden und mordenden Islamischen Republik die Rede »Exploitation und Raffinierung der kulturellen Quellen«, die der 1977 verstorbene Ali Schariati (ʿAlī Šarīʿīatī) vor Studenten der Stadt Abadan (Ābādān) gehalten hatte.

Abadan liegt im Tiefland unweit des südirakischen Basra (Baṣra) am Schatt al-Arab (Šaṭṭ al-ʿArab), dem Zusammenfluss von Tigris und Euphrat gelegenen) und ist ein Zentrum der Ölförderung. Im Ersten Golfkrieg (Iran–Iraq War), der 1980 begann und bis 1988 andauerte und vermutlich etwa 500.000 Tote forderte, davon etwa 60 % Iraner, wurde Abadan teilweise zerstört. Sechzig Prozent der Einwohner des inzwischen 400.000 Einwohner zählenden Abadan, das eine der größten Erdöl-Raffinierien der Welt beherbergt, sind in Clan-Strukturen lebende iranisch-schiitische Araber, daneben gibt es heute ethnische Südwestiraner von den Völkern der Bachtiaren und Luren, die erst um 1990 angesiedelt wurden. Kurz vor dem koranbasierten Umsturz von 1979 wurde Abadan von einem Terroranschlag heimgesucht, als dessen Auftraggeber der Islamist und bekennende Haupttäter Hossein Takbalizadeh die Vereinigung der kämpfenden Geistlichkeit verantwortlich macht: Im brennenden Kino Cinema Rex, das den 1979 entstandenen, tragisch-sozialkritischen Kriminalfilm Gavaznha („Hirsche“) von Masoud Kimiai zeigte, starben am 19.08.1978 mindestens 430 und bis zu 600 Menschen, im gesamten Iran wurden an diesem Tag Brandanschläge verübt, achtundzwanzig Orten.

Der Titel spielt auf den Vortragsort an und ruft zu, Stolz auf die iranische und vor allem islamische Geschichte und Identität auf, eine Erbschaft und Verpflichtung, die angeblich jeden Studenten wesensgemäß von einem französischen oder russischen, US-amerikanischen oder chinesischen Studenten unterscheide. Die Juwelen des Islam gelte es gewissermaßen bergmännisch zu heben und das koranbasierte iranische geschichtliche Erbe zum Aufbau einer neuen Zivilisation zwischen zwei bedrohlichen Imperien, zwischen Kommunismus und Kapitalismus zu verfeinern. Das traditionsreiche iranische Judentum und der iranische Zoroastrismus sind dem Redner keine Silbe wert. Schariatis Variante der Vaseteh- oder wasaṭīya-Konzeption („Mittigkeit“; Koran 2:143 As an umma, a nation justly balanced) wurde in jenen Jahren als „Na Sharghī, Na Gharbī! Neither East, Nor West!“ vernehmbar, ein Appell, den Großayatollah und Revolutionsführer Ruhollah Chomeini nur wenige Jahre später mit einer gewissen Veränderung oder Ergänzung als revolutionären Sprechchor verbreiten ließ: „Na Gharbī, na Sharghī, Dschomhūrī-ye Eslāmī!“, und damit klar machen ließ, was für einen vernunftbegabten Menschen künftiglich das mittlere Maß und was von nun an unser aller politische Ausgewogenheit ist: „Weder West noch Ost – Islamische Republik!“

Die Botschaft der Islamischen Republik Iran lobte denn vor drei Jahrzehnten (1980) auch – posthum – den beliebten und begabten Redner und verwendete ihn, wohl nicht ganz zweckentfremdet, als Einweiser in die sich auf Mohammeds medinensische Staatsgründung berufende Allahkratie: „In den Jahren vor der Islamischen Revolution Irans war Ali Schariati bemüht, der jungen iranischen Generation ein neues kulturelles Bewusstsein zu vermitteln. Er hatte erkannt, dass ohne dieses Bewusstsein ein Aufbegehren gegen den von innen und außen erzwungenen Modernismus nicht möglich ist. … Er forderte daher die Rückbesinnung auf die echten kulturellen Werte und lehnte jede unreflektierte Übernahme der zur Entfremdung führenden Ersatzkultur ab (Seite 5).“

Bis heute sind Europas politisch ambitionierte Koranleser zwischen Necmettin Erbakan, Tariq Ramadan, Mustafa Cerić und Pierre Vogel darauf angewiesen, die universellen Menschenrechte, nicht zuletzt die Gleichberechtigung von Mann und Frau, als „modernistisch“ zu klassifizieren, als widernatürlich und gotteslästerlich oder jedenfalls als dringend multikulturell zu ergänzen, allein die Legalisierung der ewigen Scharia, zunächst zumindest im Familienrecht, bewahre die Muslime davor, sich zu „entfremden“. Unentbehrlich zu diesem System heilssichernden Wohlverhaltens, hier sind sich Schiiten und Sunniten einig, sei die Verhüllung des weiblichen Leibes mit, funktional bewertet, allzu großzügig geschnittenem Stoff, mit einem Schleier, dessen Minimalvariante das so genannte Kopftuch darstellt, das auch Lehrerinnen im staatlichen Schuldienst nicht vorenthalten sein darf.

Schariati:

7. Verehrte Zuhörer, meine Damen und Herren, Kommilitonen! … Eine Nation, eine Gesellschaft verfügt sowohl über wirtschaftliche Quellen und Bodenschätze als auch über kulturelle und geistige Quellen, sie sich im Laufe der Geschichte angehäuft haben.

Durchaus in der Manier eines Nationalisten verherrlicht Muslim Schariati in der von schiitischen Arabern bewohnten Stadt das der Gottheit wohlgefällige Eigene und setzt das dämonisch Fremde herab, iranische Geschichtstümelei mit dem koranisch vorgegebenen Hass auf alles Nichtislamische verschmelzend. Der Redner fordert die heilige Abwendung von einem Zustand der ökonomischen und spirituellen Unwürdigkeit:

8. Ein Volk kann … aus Rückständigkeit und Dekadenz in einen Zustand der geistigen und sozialen Kreativität und Aufbautätigkeit übergeleitet werden.

Weltbürgerlichkeit habe man genügend bewiesen. Vom inhumanen Europa könne man ohnehin nichts Nützliches lernen:

8. In den letzten Jahrzehnten hat die neue, gebildete Generation Asiens und Afrikas die philosophischen, kulturellen und geistigen Schulen Europas unmittelbar kennengelernt. … Phrasen, die uns nichts angehen, die mit unserem Schicksal, mit unseren Sorgen und Problemen nichts zu tun haben. Der Orientale leidet unter Hunger, der Abendländer unter Übersättigung.

Schariati holt die Antikapitalisten und Kolonialismuskritiker in Orient und Okzident ab. Zugleich initiiert er die Bereitschaft, die Welt in kulturrelativistischer Weise zu denken, es gebe eine Mehrzahl von Weltregionen, deren Standards nicht aufeinander zu übertragen seien. Was unter den radikalen Konstruktivisten der europäischen Sozialen Arbeit von heute und bei den Multikulturalisten des halbernst gemeinten deutschen Integrationsbetriebs auf Zustimmung stoßen dürfte, denn endlich hat man mit Ali Schariati die Erlaubnis, diese nervenden Standards der AEMR und die frauenrechtlichen Forderungen einer Alice Schwarzer nicht auf die irgendwie so geheimnisvoll andersartige Spezies übertragen zu müssen, auf die von „Alterität“ und „Differenz“ gekennzeichneten und damit nahezu außerirdisch anmutenden Muslime, auf die mehr oder weniger freiwillig im Einklang mit Sunna und Scharia lebenden Einwanderer in Köln-Ehrenfeld oder Duisburg-Marxloh.

Man kann den edlen, aufregend männlichen Wilden so lassen, wie er ist, auf Wunsch polygam, der Ehefrau das Ausgehen verbietend und der Tochter das Heiraten eines Nichtmuslimen oder das Zusammenleben mit einer Frau oder ein Leben als Ledige, und so preist man als Prof. Dr. Ursula Boos-Nünning die „Virginität“, den Jungfernhäutchenkult, und die arrangierte Ehe. Wenn man als Sozialdezernent oder Sozialpädagoge erst allüberall im Bildungsbereich und Arbeitsleben das Kopftuch zulässt und die spirituelle Burka gleich mit, wird die Integration schon gelingen, so schlimm ist die Implementierung der Scharia ins Rechtssystem ja auch wieder nicht, wie uns Rowan Williams, Mathias Rohe, Christian Giordano und Mustafa Cerić erläutern, und überhaupt bleibe der Islam eine „im Kern friedliche Religion“, wie die Herren Pöttering und Köhler versichern. Zurück zu Schariati.

Beides sei verkümmert und müsse geschichtsbewusst und koranbasiert neu organisiert werden, Ökonomie und Kultur des Iran, unabhängige Nutzung der Bodenschätze und religionszentriertes Geistesleben, sonst drohe eine Fortsetzung der Abhängigkeit und eine Zukunft als wirtschaftlich ausgebeutete und auch seelisch versklavte Kolonie der US-Amerikaner und der Europäer:

12. Wenn eine Gesellschaft nicht fähig ist, ihre materiellen Ressourcen in ihren Dienst zu stellen, finden sich andere Gesellschaften, die diese Fähigkeit besitzen und davon Gebrauch machen. … Der aufgeklärte Europäer, der den Orient besser kennt als wir Orientalen, benutzt unsere kulturellen und geistigen Quellen und schafft neue philosophische Schulen und Ideen.

Schariati fährt mit seiner sanften Volksverhetzung fort: Europa sei der ewige Feind des Orients, das Territorium der Widersacher der schariatreuen Humanität, Irans Zukunft liege im politischen Anti-Okzidentalismus:

13. Der Gegner, der ein Volk um seine Unabhängigkeit und nationale Identität bringt, lehrt es am besten, wie es sie wieder zurückerlangt. Daher ist es notwendig, zu ergründen, wie wir durch den Westen von unseren kulturellen und geistigen Quellen abgeschnitten wurden.

Von der eigenen Makellosigkeit und Unschuld überzeugt zu sein, ist ein Ausdruck orthodox-muslimischen Selbstbewusstseins und enthemmter Lernverweigerung. Ein sehr islamisches Denken offensichtlich, mit dem Finger auf das Gegenüber zu zeigen und zu sagen: „Der da hat angefangen!“ So wird das nichts mit dem Ankommen in der kulturellen Moderne.

Die Internationale der Antiokzidentalisten hingegen sei human, da sie islamisierungsfreundlich ist und auf volle Frauenrechte und Pressefreiheit verzichtet:

14. Hätten wir lieber statt Bert BRECHT Katib YASIN gelesen, anstelle von Jean Paul SARTRE Omar MOULUD oder Omar EZGAN kennengelernt, statt Albert CAMUS Frantz FANON gelesen, um uns kennenzulernen.

Der algerische Schriftsteller Yacine KATEB (1929-1989) ist gemeint, der unter dem Künstlernamen »Kateb Yacine« schrieb, ein moralischer Anwalt für die Minderheitenrechte der Berber, der sich ab 1947 zum Kommunismus bekannte. Der Aktivist mischte Lokalpatriotismus oder auch Xenophobie mit Atheismus und Islamresistenz: „L’ Algérie arabo-islamique est une Algérie contre-nature.“ Kateb Yacine arbeitete kürzere Zeit als Dockarbeiter und dann als Journalist, lebte vorübergehend in Paris, lernte 1954 Bertolt Brecht kennen, hielt sich zeitweilig in Kairo auf und nahm eine Einladung in die Deutsche Demokratische Republik (DDR) an. Der Religionskritiker und Kopftuchgegner trat für die Gleichberechtigung der Frau ein, Schariafreund Schariati muss ihn also missverstanden haben, und setzte sich für das Tamazight, die Berbersprache ein. Sohn Amazigh Kateb singt heute bei der französischen Musikergruppe »Gnawa Diffusion«, die er 1992 in Grenoble gründete (2).

Frantz Fanon (1925-1961) war ein auf Martinique geborener Psychologe, Politiker und Autor. Der Ideologe der Entkolonialisierung und Unterstützer des 1954 gegründeten algerischen, nach der gewonnenen Unabhängigkeit Sozialismus mit Islambegeisterung verschmelzenden »Front de Libération Nationale« (FLN, Ǧabhat al-Taḥrīr al-Waţanī), der Nationalen Befreiungsfront, wird in radikalislamischen Kreisen ebenso wie bei Europas linksradikalen Proislamisten mit Begeisterung zitiert. Bei ahlu-sunna.com etwa verbreitet ein gewisser Mohammed Isa ein Wort von Frantz Fanon: „Das Problem ist klar: die Fremden müssen verschwinden. Bilden wir eine gemeinsame Front gegen den Unterdrücker und verstärken wir diese Front durch den bewaffneten Kampf“ und betreibt auch gleich dschihadistische Nachrüstung mit Malcolm X: „Wenn du nicht bereit bist, dafür zu sterben, dann streiche das Wort »Freiheit« aus deinem Vokabular (3).“

Mit billigem Rechtspopulismus ruft Schariati zum Verwerfen des „Westlichen“ auf, zum Boykott von einem populären amerikanischen Erfrischungsgetränk und zur Hinwendung zum Iranisch-Nationalen, das sich bei Schariati bekanntlich aus der Quelle namens Religion oder vielmehr Allah speist. Der Feind sei im eigenen Volk zu finden, als der gemeine Gewalt anwendende, prowestliche Dekadente:

22. Wir haben nicht einmal mehr die Fähigkeit, unsere Getränke auszusuchen. Welcher [Iraner] hat schon den Mut zu sagen: Mir schmeckt kein Coca Cola? Was geht dich das an, was hast du denn schon zu bestimmen, dass dir kein Cola schmeckt, sondern Buttermilch? Schämst du dich denn nicht, so etwas zu behaupten, auch wenn du dein Leben lang Buttermilch getrunken hast?

Das mag ja in humorigem Stil vorgetragen worden sein und von den Studenten der Stadt des Erdöls Abadan mit Erheiterung aufgefasst, doch lässt sich denken, wie sehr ein nationalistisch-iranischer und zunehmend streng an der Scharia orientierter Konformismus das Klima auf dem Universitätsgelände bestimmt haben mag: Jeder Student erhält aus der Hand Ali Schariatis den Freibrief, den Sympathisanten des amerikanischen oder europäischen Lebensstils als Landesverräter zu brandmarken und die Forderung nach vollen Rechten für Atheisten und Frauen für einen fortgesetzten Versuch der Zerstörung der islamisch-iranischen Kultur und Erhabenheit.

Dabei gibt sich Schariati keinesfalls als Theoretiker, sondern inszeniert sich den jungen Menschen als orthopraktisches Vorbild an gereinigter, „entwestlichter“ Gesinnung, fordert die konsequente orientalisch-islamische Lebensweise, ohne dass wir wissen, ob der Redner zur Stunde europäische Straßenschuhe oder arabische Sandalen trug. Mit der unfreiwillig albernen, verbissenen Logik eines xenophoben Trägers von Trachtenjankerl und Lederhose berichtet Schariati aus dem fernen Europa:

23. Als ich in der Schweiz einen Freund aufsuchte, sah ich, dass er ein Paar orientalischer Schuhe an die Wand seines Zimmers gehängt hatte. „Was ist das?“ fragte ich ihn. „Rückbesinnung auf mich selbst,“ erwiderte er. „Das ist keine Rückbesinnung, wie du glaubst. Wenn du dich wirklich auf dein Iranertum besinnen willst, musst du wissen, dass der Iraner seine Schuhe nicht an die Wand hängt, sondern vor die Tür stellt, um sie anzuziehen. Wenn du dieses orientalische Schuhwerk angezogen [hättest] und damit auf die Straßen von Genf gegangen wärest, hätte ich verstanden, wie ernst du es meinst.“

Traditionsbewusstsein oder die ernste Suche nach dem Authentischen könnte uns ebenso anrühren wie fröhlich-geradlinige Heimatliebe, doch bemüht sich Schariati nicht, etwaigen schamanisch-animistisch inspirierten oder mutterrechtlich organisierten Stämmen der islamisch beherrschten Erdteile auf die Spur zu kommen oder auch der Lebensweise und Ethik der diskriminierten orientalischen Christen seiner Gegenwart, sondern verteufelt das Vaterlandsvergessene beziehungsweise Uniranische an sich, und, an dieser Stelle des Vortrags noch etwas wenig hörbar, dämonisiert er ebenso alle Unislamische oder gar Islamfeindliche.

24. Die kolonialistische Soziologie Europas hat es richtig verstanden: Um dem Orient die Identität zu nehmen, ihn ohne Mühe auszuplündern, irrezuführen und zu regieren, musste man ihn von seiner Geschichte trennen; sobald er die Identität verliert, läuft er mit Stolz und Opferbereitschaft dem Westen nach.

In den Grenzen der immerhin bereits 1948 verfassten Menschenrechte lässt sich eine antikolonialistisch motivierte innere Bewegtheit der Menschen im damaligen Iran sicherlich gut nachvollziehen (und vielleicht auch bei den Ägyptern zur Zeit des Baus des Suez-Kanals, einem Milieu, dem Ḥasan al-Bannā entstammte bzw. das er nutzen konnte, der Gründer der Muslimbruderschaft). Schariati vernebelt hier Menschenrechte und koloniale Ausbeutung ganz bewusst, um jeden Atheisten und jede Frauenrechtlerin als einen Agenten der Ausbeuter darzustellen. Damit lädt er die Schuld auf sich, der Islamischen Revolution den Weg bereitet zu haben. Den Totalitarismus von Sunna und Scharia, die Willkür und der geheiligte Sadismus der Islamischen Sakraljurisprudenz des Fiqh kannte Schariati gut genug, er hat hier ganz bewusst zur Menschenrechtswidrigkeit der Scharia geschwiegen, stattdessen mit grandiosem Gestus Coca-Cola verworfen.

Cola-Gegner Schariati wurde erhört. Im Jahre 2002, in welchem Saudi-Arabien zum Cola-Boykott aufrief, erfand der in Frankreich wohnhafte Tawfik Mathlouthi die proislamistische, antijüdische und propalästinensiche Variante des Cola-Trinkens, Mecca-Cola. Mecca-Cola, deren Unternehmenssitz mittlerweile in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) ansässig ist, sponsorte das im Oktober 2003 in Malaysia abgehaltene Gipfeltreffen der Organisation of the Islamic Conference (OIC), ihre trinkbare antiwestliche Gesinnung war dabei offizielles Getränk jener Organisation, deren Kairoer Menschenrechtserklärung von 1980 alle Gesetze unter den Vorbehalt der Scharia stellte (4).

Nun wird Schariati fromm und erweist sich zwar als Muslim, aber ebenso, die aus seiner Sicht moralisch angekränkelten Europäer betreffend, als ein Führer der etwas minderwertigen Dhimmis zur ehrlichen christlichen Gottesfurcht, stammt doch alle Humanität von Allahgott und war Martin Luther, ohne es zu wissen, durch Mohammed inspiriert:

26. Die Islamisierung des Christentums während der Kreuzzüge hat den Protestantismus hervorgebracht. Ein Teil des Christentums wurde zu einer protestierenden und kritisierenden, einer profanen, auf dem materiellen und sozialen Leben beruhenden Religion. Das Christentum, das während der tausendjährigen Periode des Mittelalters den Stillstand bewirkte, wurde zu einem Faktor der Bewegung und des Aufbaus in Europa. Die Behauptung, die Absage an die Religion in der Renaissance habe die moderne Zivilisation hervorgebracht, ist falsch. … Es war der Protestantismus, der die neue Zivilisation hervorbrachte.

Das Fünfzehnte und Sechzehnte Jahrhundert sei also beinahe die gesamteuropäische Herrschaft Allahs gewesen, nur zum Islam hätten die Abendländer noch übertreten müssen. Dann wäre das Paradies auf Europas Erden zum Greifen nahe gewesen, denn:

26, 27. In der Renaissance gab es keinen Materialismus und Atheismus. Die führenden Köpfe und Persönlichkeiten der Renaissance waren alle religiös. … Die Bewegung der Renaissance kam nicht zustande, um eine Absage an die Religion zu erteilen. Damals kam man noch nicht auf die Idee, wie Hitler die Geschichte erst ab heute zu erschaffen.

Wie Hitler, ja, und wie Mohammed, der Zerstörer der altorientalischen Kultur und der altarabischen Erinnerungsfähigkeit.

Mao, Hitler und Mohammed stehen für den totalitären Kunstmythos, der, einer Explosion einer Atombombe gleich, Geschichtlichkeit, Zweifel und Zwischentöne auslöscht zu einem ewig wiederholten Jetzt. Widersacher dürfen für das bewahrte oder gesteigerte Allgemeinwohl getötet werden. Soziales Wohlverhalten mit allgegenwärtigen Geheimdiensten und gewalttätigen Sittenwächtern durchgesetzt, jeder Mensch ausgelöschten Eigenwillens, jedes Ex-Individuum hat sich in Orthopraxie zu üben. Dissidentenmord wird bei Mohammed, Hitler und Mao zum „schönen, wohltätigen“ Handeln und hebt die glaubensbewegte „Harmonie“. Man stimme gefälligst mit ein in das Gejubel der Eintracht.

Harmonierhetorik pur: Derweil in China jährlich etwa 8.000 Menschen hingerichtet werden (5) und während die Volksrepublik die Militärdiktatur des kleinen Nachbarlandes Myanmar kalkuliert (Burma hat demnächst einen Tiefwasserhafen, das an Wäldern arme China braucht den Rohstoff Holz (6)) billigt, lautet eine Aufschrift am Pekinger Tor des Himmlischen Friedens, an dem Mao Zedong am 01.20.1949 die Volksrepublik China ausrief „Lang lebe die Einheit der Völker der Welt.“

Schariati fordert eine Islamische Restauration, Renaissance oder Revolte, einen Islamischen Protestantismus. Es gelte, analog zu den Europäern zu handeln, historisierend-orientalisch und anti-europäisch, parallel zu ihnen, nationaliranisch und radikalislamisch, dabei aber nicht auf ihre Lügen hereinzufallen, mit denen sie ihr aggressives Christianisierungsbestreben im falschen Namen von Demokratie oder Menschenrecht tarnen:

27. Was bedeutet Renaissance? Renaissance ist die Rückkehr zu den alten griechischen Quellen, die im Mittelalter unerkannt blieben. Sie bedeutet keinen Abfall vom Christentum, sondern die Umsetzung des christlichen Empfindens, der christlichen Kultur von einem Zustande der Schwäche, des Stillstands, in einen Zustand der kritischen, konstruktiven, intellektuellen und beweglichen Zielsetzung, das heißt, in den Protestantismus. Diese Entscheidung der europäischen Intellektuellen im 15. Jahrhundert und in den beiden darauffolgenden Jahrhunderten bewirkte die große westliche Zivilisation von heute; nämlich die Entscheidung, auf die westlichen kulturellen Quellen der alten Griechen und Römer sowie auf die großen Quellen der christlichen Glaubenslehre zurückzugreifen. … Das haben sie getan, und erreicht, was sie wollten. Warum erzählen sie uns das Gegenteil? Sie hätten sich von der Religion losgesagt …

So gesehen – radikalislamisch – wird jede Demokratisierung eines außereuropäischen Landes zur Christianisierung und wird das weltweite Umsetzen von allgemeinen Menschenrechten, also auch von Frauenrechten, zu einem Akt der Versklavung der Muslime durch die europäischen und nordamerikanischen Kolonialherren. Nicht viel anders argumentieren Murad Wilfried Hofmann, Recep Tayyip Erdoğan und Pierre Vogel, und allen dreien kann man leider nicht nachsagen, die Scharia falsch verstanden zu haben.

Die Scharia will die Erniedrigung der Frau, das sklavenähnliche Leben der Juden und Christen und den Mord an jedem bekennenden Islamapostaten. Einen anderen Islam gibt es seit 1.400 Jahren leider nur in der von Barbara John, Ursula Boos-Nünning, Armin Laschet oder Mathias Rohe inszenierten Als-ob-Wirklichkeit der wenige Stunden währenden Akustik der Integrationsdebatten oder auf den Bühnen der beispielsweise um den katholischen Theologen Thomas Lemmen und Ehefrau Melanie Miehl kirchlich organisierten (finanzierten) rituellen Islambeschwichtigung: Den „im Kern friedlichen“ Dialog-Islam.

Die Scharia ist nicht modernisierbar, die diesbezüglichen Projekte von Abdullahi Ahmed an-Na’im in den USA und Mathias Rohe in Deutschland gefährden die Demokratie und arbeiten auf die zu vermeidende Rechtsspaltung hin. Wir wollen das einheitliche Recht, keine islamrechtlich befreiten Zonen mit Vielweiberei und dem nur maskulinen Aufenthaltsbestimmungsrecht über das Kind. Schariati:

29. Was müssen wir nun tun? Wir müssen die Kontinuität der Kultur wiederherstellen.

So ungefähr sagt es in Deutschland auch die NPD.

Von Menschenrechten spricht Schariati gar nicht erst, er will sich durch das beängstigende Weltall am alleinig rettenden Strick, der bekanntlich mit einem Ende an der mohammedschen Vergangenheit festgeknotet ist, in die Zukunft zu Allahgott entlang führen lassen. Der so genannte Denker möchte vom Medinastaat ins Paradies hangeln wie einst der Theseus am Ariadnefaden durchs grausige Labyrinth krauchte.

Doch noch sei der echte, wahre Islam verschüttet, ein Schulfach Islamischer Religionsunterricht sei in das derzeitige Schulsystem, das Teil des antimuslimischen und prowestlichen Systems ist, Adorno: Es gibt kein richtiges Leben im Falschen, gar nicht integrierbar, wie Schariati ob seiner frechen Unorthodoxie etwas in Hektik geratend befindet:

29. Unter diesen Umständen gibt es nur einen einzigen Weg, nämlich sie [die Religion] aus dem Programm zu streichen. Man sollte die Religionskunde aus dem Programm streichen, damit die Absolventen überhaupt nicht wissen, was Islam ist. Sie sollen nichts darüber gehört haben. Nur so können sie später den wahren Islam kennenlernen und verstehen.

Der nach Ali Schariati makellose Ur-Islam ist vorläufig individuell zu verherrlichen. Spontanverherrlichung, sozusagen. Millionenfach.

Schuld an der derzeitigen Wahrnehmungsstörung der Muslime zu ihrer orientalischen Geschichte und Kultur sowie vor allem zum Islam ist der „Westen“:

31. Die Abendländer haben leider unsere Geschichte im Gegensatz zu der Geschichte der Afrikaner nicht verleugnet, sondern gesagt, ihr habt eine, aber in dieser Form. Wir haben sie uns angesehen und uns davor geekelt.

Die Scharia ist für aufgeklärte Menschen ekelhaft, nicht so für Herrn Schariati.

31. Wir flüchteten vor dem Bild, das von uns gezeichnet wurde, und nahmen Zuflucht bei der europäischen Kultur

Unsinn, der so genannte islamische Teil der Welt braucht Pressefreiheit, keinen Wiener Walzer, Frauenrechte und Religionsfreiheit statt Currywurst.

Dieses „Bild in den Köpfen“ der Menschen über den Islam sei schrecklich verzerrt. Dem Anschein und der Tatsache ist als frommer Muslim eben niemals zu trauen. Eine Art von Bildersturm muss her:

31. Unser Ausweg besteht darin, dieses Bild zu zerstören und … unsere großen kulturellen Quellen bewusst … zu erforschen und zu bearbeiten – aber nicht so, wie es der Westen für uns getan hat, wovor man sich ekeln muss.

Die neunjährige Ehefrau und die Steinigung der Ehebrecherin ist für Ali Schariati völlig in Ordnung, sich vor dem per Imam-Ehe legalisierten Sex mit einem kleinen Mädchen oder vor dem Anblick der das gesamtmuslimische Seelenheil rettenden zerschmissenen Frau zu ekeln ist für den revolutionären Feingeist hingegen gar nicht in Ordnung.

31. So wie wir in der Wirtschaft die Rohstoffe in Energie umwandeln und große Industrie- und Produktionsstätten aufbauen, Bewegungen entfesseln, so müssen wir auch im Denken, in der geistigen Tätigkeit, in der Bildung unserer Persönlichkeit und kulturellen Unabhängigkeit handeln.

Der fromme Antikommunist und Antikapitalist sagt ungefähr: Iraner, macht euch bereit für Allahs irdische Herrschaft. Wie wir heute wissen, hat das iranische Volk dem angeblichen Modernisierer des Islam erfolgreich gelauscht.

Jacques Auvergne

(1) The Federation of American Scientists (FAS). „One example of the coordinated efforts of Iranian intelligence is found in Iran’s diplomatic mission in Bonn at Godesberger Allee 133-137, which is the headquarters of the Iranian intelligence services in Europe. Some 20 staff members work for the Ministry of Intelligence and Security, and representatives from other agencies also use the embassy’s specially secured third floor, where six offices and a radio room are reserved for the agents. From the six-story building in the government district the services monitor the 100,000 Iranians living in Germany, harass undesirable opposition members, and attempt to procure technology in Germany for the production of nuclear, chemical, and biological weapons. In the German language area alone, there are as many as 100 firms allegedly under Iranian influence for the procurement of such sensitive technology. Other bases of operations include the consulates in Frankfurt and Hamburg, and the „Imam-Ali Mosque“ in Hamburg, said to be the largest Muslim religious center outside the Islamic world.“

http://www.fas.org/irp/world/iran/jcso.htm

(2) »Gnawa Diffusion«

Gnawa ist die Musik der im 16. Jahrhundert schariakonform verschleppten und verkauften dunkelhäutigen Sklaven (Ghnaoua), die später regional eine veritable Sufi-Tariqa darstellten und ihre sehr afrikanisch gebliebene Musikkultur oberflächlich islamisierten

http://mon.algerie.voila.net/images/Actu07_Gnawa.jpg

»World Music Central. Your Gateway to the World of Music« stellt die Band »Gnawa Diffusion« vor:

“France has had a long tradition of producing bands specialized in „musical fusion“. Listening to the rich musical cross-over in the work of Gnawa Diffusion, it appears that this term might very well have been invented to define the innovative new sound of Amezigh Kateb’s band. The members of Gnawa Diffusion, who are based in Grenoble in the South East of France, come from a rich mix of musical and cultural backgrounds. Fusing their individual influences into a collective sound, Gnawa Diffusion have woven elements of rap, ragga, jazz, reggae and rai into a vibrant musical patchwork.”

http://worldmusiccentral.org/artists/artist_page.php?id=4790

(3) »Islam nach Quran und Sunnah und dem Verständnis der as-Salih« lässt im Chat über »Die Wiederbelebung des Islam« Frantz Fanon verwenden.

http://www.ahlu-sunnah.com/threads/23131-Wiederbelebung-des-Islam

Über Administrator Tariq erfahren wir: „Geschlecht: Männlich, Religion: Islam, Glaubensrichtung: Ahlu Sunnah, Herkunft: Deutschland/Marokko.“

http://www.ahlu-sunnah.com/members/2548-Tariq

Das englische Wikipedia nennt Fanon unter Black nationalism (Nationalisme noir)

http://en.wikipedia.org/wiki/Black_nationalism#Frantz_Fanon

Nationalisme noir

http://fr.wikipedia.org/wiki/Nationalisme_noir_aux_%C3%89tats-Unis

(4) Mecca-Cola, propalästinensich. Ne buvez plus idiot, buvez engagé – Trinken Sie nicht mehr dumm, trinken Sie engagiert!

http://en.wikipedia.org/wiki/Mecca-Cola

Allahgott und der Cola-Feind Schariati können zufrieden sein, seit 1979, seit der Islamischen Revolution, trinkt Teheran Zam Zam Cola

http://en.wikipedia.org/wiki/Zam_Zam_Cola

Seit 2005 gibt es Qibla-Cola

http://en.wikipedia.org/wiki/Qibla_Cola

(5) China und die harmonisierende Todesstrafe. Bei Wiki, Quelle siehe unten (HRIC), findet sich der Hinweis: „Liu Renwen, ein Professor am internationalen Rechtsinstitut der chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften äußerte, dass in China ca. 8.000 Menschen pro Jahr hingerichtet würden. Damit würden in China etwa 20 Mal so viele Todesstrafen verhängt wie in allen anderen Ländern der Welt zusammen.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrechte_in_der_Volksrepublik_China#Todesstrafe

In THE MYSTERY OF CHINA’S
DEATH PENALTY FIGURES berichtet Wang Guangze: “China executes an estimated 8,000 people each year, nearly 20 times the number of people executed in all other countries combined.”, veröffentlicht bei: HRIC, Human Rights In China

http://hrichina.org/public/PDFs/CRF.2.2007/CRF-2007-2_Mystery.pdf

HRIC, Human Rights In China

http://hrichina.org/public/index

(6) Warum China ein möglichst undemokratisches Burma braucht. Über den geplanten Tiefwasserhafen berichtet die in Düsseldorf erscheinende Wirtschaftswoche in ihrer Online-Ausgabe wiwo.de vom 08.10.2007.

In »Der hässliche Verbündete« weiß Matthias Kamp:

„Vor allem die großen Rohstoffvorkommen Myanmars haben Pekings Begehrlichkeiten geweckt. Allein die nachgewiesenen Gasvorkommen von 540 Milliarden Kubikmetern sind mit die größten in Asien. Dazu kommen Nickel, Kupfer, Erdöl und das so dringend für den chinesischen Bauboom benötigte Holz. … Kyauk Phyu, etwa 600 Kilometer westlich von Rangun, soll einen Tiefwasserhafen bekommen, über den Öl und Gas aus Afrika und dem Nahen Osten dann nach China fließen werden. Der teure und zeitaufwendige Seeweg über die Straße von Malakka wäre dann für Chinas Importe und Exporte überflüssig.“

http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/der-haessliche-verbuendete-228762/

171. Ali Schariati über Marxismus und Europa

15. Juni 2010

جنس

ǧannasa

to make similar, to assimilate; to naturalize

anähneln, gleichartig machen; einbürgern

Islamischer Humanismus

Zu Ali Schariatis »Das Menschenbild im Marxismus, in anderen abendländischen Denkschulen und im Islam«. Von Jacques Auvergne

Bonn im Oktober 1983, Godesberger Allee 133-137. Viereinhalb Jahre nach der jenseitszentrierten Staatwerdung, die irdisch mit der rechtlichen Deklassierung der Frau, dem Verhindern von Pressefreiheit und mit massenhafter Folter und Hinrichtung korankonform zu begleiten war und bis heute ist, gab die Botschaft der Islamischen Republik Iran gesammelte Reden des Ali Schariati, heraus, die dieser zur Zeit der Studentenrevolte in Berkeley, Paris und Frankfurt, in den Jahren zwischen 1965 und 1970, an der Universität zu Maschhad gehalten hatte: »Das Menschenbild im Marxismus, in anderen abendländischen Denkschulen und im Islam«.

Schariati (ʿAlī Šarīʿatī) war Sohn eines idealistischen Aktivisten und geachteten Koranexegeten, der Mitte der Vierziger Jahre das Zentrum für die Verbreitung der Islamischen Wahrheit (Kanun-e Nashr-e Haqayeq-e Eslami, The Center for the Propagation of Islamic Truths) gegründet hatte, Vater und Sohn traten der von Abolqasem Shakibnia geführten Bewegung der Gott ergebenen Sozialisten bei, deren Credo lautete, Mohammeds Gefährten seien Sozialisten gewesen und der Staat von Medina die erste klassenlose Gesellschaft. Der kluge Dhimmi Karl Marx kann in dieser Logik nur ein fahler Abglanz des Ur-Sozialisten Mohammed sein. Ali war damals erst vierzehn Jahre alt (1).

Das um 1972 ohne Schariatis Einwilligung und auch nur Kenntnis veröffentlichte Manuskript, er verbüßte, was sehr wohl öffentlich bekannt war, zwischen September 1973 und März 1975 eine Gefängnishaft, erschien in der auflagenstarken Zeitung »Keyhan« als Artikelserie, das iranische Original titelte »Ensan, Eslam va Maktabha-yi Maqrebzamin« (Mensch, Islam und die Denkschulen des Westens) und wurde von Robert Campbell ins Englische übersetzt als »Marxism and Other Western Fallacies: An Islamic Critique« (Mizan Press, Berkeley 1980). Die »Keyhan« verschwieg den Lesern, die meinen mussten, einen aktuellen und mit Zustimmung des Autors veröffentlichten Text zu lesen, dass das Redemanuskript bereits ein halbes Jahrzehnt alt war (2).

Im Mai 1977 verließ Schariati, den die Gefängnishaft sicherlich gesundheitlich sehr belastet hatte, den Iran, am 19.06.1977 starb er im englischen Southampton an einem Herzinfarkt. Vielleicht ist es der chaotisch-explosiven Lage und dem folternden Geheimdienst SAVAK des Schahs zuzuschreiben, dass sogleich das Gerücht aufkam, Schariati sei ermordet worden. Ganz ausgeschlossen ist ein Mord sicherlich nicht, doch wie wäre es mit dem eifersüchtigen Chomeini als Täter, der in den folgenden Jahren ungezählt oft unter Beweis gestellt hat, dass ein Menschenleben gegenüber Allahgottes Glanz nichts, aber auch gar nichts zählt und den ein im Volk beliebter, unorthodoxer Querkopf ja vielleicht bei seinen Rückkehrplänen störte, so sehr man den angesehenen Schariati zur Vorbereitung der Revolution genutzt hat. Es kann nur einen geben.

Im Vorwort von ruft die Presse- und Kulturabteilung der iranischen Botschaft die Europäer indirekt dazu auf, zur Frömmigkeit zurückzufinden, und sei es zur christlichen, ein Impuls, der durch Politik, Kirche und Pädagogik begeistert aufgegriffen worden ist bis heute im so genannten “Dialog mit dem Islam“ demokratiegefährdend fortgesetzt wird. Schariatis Rolle als die des feinsinnigsten aller Theoretiker der Islamischen Revolution ist von Nichtmuslimen bis heute im Allgemeinen übersehen worden, Muslime sehen hierbei einmal wesentlich klarer.

Nicht völlig zu unrecht, wenn auch unter Nichtberücksichtigung der feindbildbedürftig-manichäischen und damit islamverwandten Dimension des Marxismus, ordnet Schariati diesen der über Jahrhunderte herausgebildeten abendländischen Welt- und Gesellschaftsdeutung zu. Insbesondere in seiner klassisch-bildungsbürgerlichen Haltung und Lebensweise und mit dem ohne Platon, Renaissance und Aufklärung wohl schwerlich möglichen und mit dem Islam bis heute inkompatiblen Vorbehalt des Verstandes gegenüber dem religiösen Dogma erweist sich Karl Marx in der Tat als Kind des Abendlandes, wenngleich man ihm einen geradezu gnostischen Wunsch nach Weltüberwindung nachsagen kann, die bei dem antietatistischen und überhaupt strukturhassenden Teil seiner heutigen selbst ernannten und linksradikalen Nachfolger (Islamismusfreundin Sabine Schiffer, die Quṭb-begeisterte evangelische Theologin Beate Sträter) eine spezifisch linke Islamverherrlichung rechtfertigt.

Wenn die Herausgeber also Ali Schariati mit einem “Schariati zeigt des weiteren auf, warum sich der abendländische Humanismus gegen die Religion stellen mußte und wie die marxistische Religionskritik davon beeinflußt wurde” anpreisen, liegen sie insofern richtig, als dass Atheismus und Kirchenkritik neben jesuanischer Ethik und christlicher Sozialarbeit zu den Quellen der kulturellen Moderne zu rechnen sind, maßen sich gleichwohl das Monopol auf Religionserklärung und Verwaltung von Religiosität an. Christen und noch Unsittlichere erhalten bekanntermaßen aus den Händen der zur globalen politischen Führung und volkspädagogischen Erniedrigung oder Vernichtung der Islamskeptiker berechtigten Rechtgeleiteten eine daʿwa, Einladung, und dieses 86 Seiten dünne Büchlein ist eine solche. Der mittlerweile verstorbene Schariati konnte seine Zustimmung nicht mehr verweigern. Warum soll man einen utopischen Dissidenten nicht als Märtyrer vermarkten.

Gleich zu Beginn nimmt Schariati eine Position der Zivilisationskritik und der frommen Innerlichkeit ein und zitiert lobend Alexis Carrell: “Je mehr sich der Mensch der Außenwelt zugewandt und darin weiter vorgewagt hat, um so mehr hat er sich von sich selbst entfernt und sein wahres Selbst vergessen”, das uns an die spannend geschilderte Besteigung des Mont Ventoux (3) erinnert, die Francesco Petrarca (1304 – 1374) am Folgetag in einem Brief beschrieb. Das Gipfelerlebnis von Europas mutmaßlich erstem Touristen, dem italienischen Dichter und Humanisten Petrarca ist schönste Bergsteigerliteratur, doch knickt der Gebildete am 25.04.1336 vor der bedingt heilsrettenden Gottheit masochistisch ein, ein Wort kirchlichen Gehorsams zitierend, wie ein fundamentalistischer Muslim einen Koranvers. Petrarca hält bei aller Entdeckerfreude und stolzer Leistungsbereitschaft die Perspektive der wissenschaftlichen Magieüberwindung (Maria Sibylla Merian, Alexander von Humboldt, Charles Darwin) noch ebenso wenig aus wie das naturkundlich-hedonistische (Hermann Löns, Reinhold Messner) oder pantheistisch autonome (Goethe, Thoreau, Hesse) Herangehen an die (für uns seltsam göttlich bleibende) Natur, sein beim Lesen eines Verses von Augustinus auf dem Ventouxgipfel gefundenes Selbst ist eben nicht das Ego des Atheisten oder auch nur Hedonisten, sondern immer noch dasjenige der katholischen Doktrin, und etwas kleinlaut und in Angst vor der ewigen Verdammnis schlich Petrarca aus der strahlenden Bergwelt zurück in die düstere europäische Civitas werdender Renaissance. Wildnis macht halt Angst.

Schariati legt los:

7. Nach Ansicht von Dewey mangelt es dem Menschen von heute mehr an Selbstbeherrschung und Selbsterkenntnis als dem Menschen des Altertums.

Statt den Werteverfall fortzusetzen, gehe man nun zurück zur Disziplin. Angesichts des Sozialpädagogik und Jugendverbandsarbeit beherrschenden Dogmas des Amorphen ist die Kulturkritik des Pädagogen und Philosophen John Dewey (1859-1952) plausibel, leider hat Schariati mit Selbstbeherrschung den radikalen Sunna-Gehorsam gemeint und mit Selbsterkenntnis jene von Engeln und Teufeln umflatterten Standards der Islamwissenschaft, die ganz bewusst da Mauern bauen, wo weiter gedacht werden müsste, und die den “tugendhaften” Männern Lizenzen zur Gewaltanwendung gegen Frauen und Nichtmuslime verleihen, wo das universelle Menschenrecht Grenzen setzen muss. Den Titel “L`homme, cet inconnu” des erwähnten Carrell aufgreifend, orakelt Schariati:

7, 8. denn den Menschen erkennen bedeutet sich selbst erkennen … gerade der Mensch, der dringender als alles andere erkannt werden muss, ist ein Unbekannter. Hier handelt es sich in der Tat um ein lebenswichtiges Erkennen. … alle wissenschaftlichen, sozialen und ideologischen Versuche unserer Zeit, den Menschen wahrhaftig zu befreien, oder ihm zumindest ein Gefühl des Glücks zu vermitteln, [sind] hauptsächlich deswegen gescheitert, weil … der Mensch entweder unbekannt geblieben oder ganz in Vergessenheit geraten ist.

Die Antwort, die Schariati in seinem Leben gefunden hat, überrascht uns nicht besonders: Die Erkenntnis, die uns den “Unbekannten” näher bringt, sei bereits im Koran vorweggenommen, und jede Einsicht in das Wesen des Menschen und in die Bestimmung der Menschheit sei eine islamische.

Die in jenen Jahren Hoffnung erweckende, Form annehmende und Ekstase liefernde Revolution der “Achtundsechziger” sei zum Scheitern verurteilt, solange nicht der authentische Islam die Sache untermauere, der, wie Schariati nahelegt und wie Pöttering (Mai 2008) und Horst Köhler (Mai 2010) versichern, eine polygame und apostatenmordende »iKfR« sei, eine “im Kern friedliche Religion”.

Die technologische Moderne habe versagt, dem Menschen ein erfülltes Leben zu bescheren, ihre bemerkenswerten Errungenschaften bedürfen der moralischen Leitung und der reifen Einsicht, die nur aus Sunna und Scharia bezogen werden könne:

8. Daher hat das neue Bildungs- und Erziehungssystem, das … sich die immensen technologischen Möglichkeiten und … wissenschaftlichen Erkenntnisse … zunutze macht, keine großen Erfolge vorzuweisen … Im Gegenteil, es erweist sich … als unergiebig.

Die Moderne sei gar keine, sondern eine technologisch entwickelte, moralisch verflachte Wüste, die zu ihrer Gesundung des sozialrevolutionären Islam dringend bedarf.

Solange dem heutigen Menschen die schariakonforme Weltbetrachtung fehlt, sei er orientierungslos:

8. Er kann leben, wie er will, weiß jedoch nicht, wie er leben soll, weil er nicht weiß, warum er lebt.

Nach der Zerstörung der (angeblich) Heimatlichkeit und Handlungssicherheit stiftenden europäischen Religion würden die beiden Ersatzreligionen namens Kapitalismus und Sozialismus, einer in zwei Hälften zerbrochene Schale ähnlich, den West- beziehungsweise Osteuropäer umgeben oder in die Zange nehmen.

Die Lösung (Ḥasan al-Bannā: al-Islām huwa al-ḥall) aus diesem doppelten Unheil, diesem Skylla und Charybdis vergleichbaren Dilemma, sei natürlich der Islam, dem die Geometrie der berüchtigten “Mittigkeit” (al-wasaṭiīya) zukomme, das In-sich-Ruhen und, in der Unübersichtlichkeit der Moderne, ebenso die die flexible Richtschnur der persönlichen und sozialen Heilwerdung, die eine unermesslich mächtige Gottheit im Chaos der Einzelereignisse gewissermaßen als den MEDIAN (Ali Schariati nach Abolqasem Shakibnia) vorgebe. Der Median ist der Zentralwert der Mathematik, der, etwas islamisiert, panisch bis sadistisch den Rest der Welt nach rechts vom Weg (fällt in die Hölle) und links davon (auch für das Höllenfeuer) in gespielter Unschuld selektiert. Der islamisch nutzbar gemachte Median gleicht der bei al-Ghazali garantierten ṣirāṭ-Paradiesbrücke, die eine jede Seele nach ihrem Tod überschreiten muss, die den Höllenabgrund überspannt und dabei ebenso rutschig wie schmal ist: aṣ-ṣirāṭ al-ǧaḥīm, anglisiert zu sirat al-jahim, Bridge of Hell.

Der Median wird bei Schariati zum wichtigsten Gleichnis der guten (islamischen) Hoffnung: Wie eine Wirrnis von Sandkörnern auf einer Platte (die einem fotografierten Mückenschwarm ähnelnden Punkte in einem Koordinatensystem) nur von einer geradezu übernatürlichen Macht durch eine Linie in zwei gleich umfangreiche, nämlich zwei gleich viele Punkte umfassende Flächen aufgeteilt werden kann, so biete der sich zwischen Kapitalismus und Sozialismus hindurch schlängelnde Islam den Situationen beziehungsweise Individuen (Punkte) die einzige Chance, den beiden dekadenten Doktrinen von Kapital und Kommunismus zu entkommen. Die Sunna-basierte Selbstaktualisierung und letztlich der Schariastaat wird zur MEDIAN SCHOOL, zur Seinsweise der Ausgewogenheit (»Maktab-e Vaseteh-e Islam, The Median School Of Islam«).

10. [Im Humanismus] versucht der Mensch, sich [von den Naturkräften] zu befreien, sein eigener Herr zu sein und die höhere Gewalt der Natur zu werden, d. h. die Stellung von Zeus einzunehmen, der die Herrschaft der Natur über den Menschen symbolisiert. Ein erstaunlicher und verhängnisvoller Trugschluss, dem … Voltaire, … Feuerbach und Marx erlegen sind, kommt dadurch zustande, dass sie die mythische Welt der alten Griechen … mit der geistigen und heiligen Welt der östlichen Religionen gleichgesetzt haben.

Die Spaltung der Welt in Osten und Westen beziehungsweise der einen Menschheit in das östliche und das westliche Menschentum begegnet uns heute bei Necmettin Erbakan und Tariq Ramadan, wir haben sie zurückzuweisen, da wir wissenschaftliche Fragestellungen und Erkenntnisse für ebenso universell halten wie unsere Forderung nach der Gleichberechtigung der Frauen und Atheisten und da wir um die Gefahr der ethnoreligiös begründeten Apartheid wissen, auf die der orthodoxe (revolutionäre, kulturrassistische) Islam nicht verzichten kann.

Schariati verflacht das Griechentum unzulässig. Auch dabei erweist er sich ganz als Nachfolger des im Jahre 1111 verstorbenen al-Ghazali, der die griechischen Philosophen nur studierte, um ihren emanzipatorischen Einfluss zu bannen und sie, für den Islam, für alle Zeit zu zerstören. Die Entwicklung der Gottesbilder, etwa Hermes, Zeus oder Apoll, von einem Stammestotem zu einem väterlich-patriarchalischen, zuletzt zu einem ästhetisch-philosophischen und, in der späten urbanen Gegenkultur der Mysterienkulte, ekstatisch-wiederverzaubernden Prinzip ist Schariati nicht bekannt oder nicht wichtig, die Geistesfreiheit eines Platon oder Aristoteles würdigt er nicht, die Machtpolitik gewisser Priesterbünde (Athen, Delphi) übergeht er, da man den Scheichs und Ayatollahs auf die Schliche kommen könnte und Allahs Liebling Muḥammad gleich mit.

Aus einer wenig nachvollziehbaren Schmähung der alten Griechen also stolpert Schariati in den Bereich des Korantreuen, wenig zufällig eine inzwischen in Kirchentagsmilieus und bei Dialogveranstaltungen beliebte Vermischung des jüdischen und christlichen mit dem islamischen Menschen- und Gottesbild vornehmend:

10. In dieser Welt jedoch wird Satan, der ranghöchste Engel, Gottes, verbannt und verflucht, weil er sich geweigert hat, wie alle anderen Engel auf Gebot Gottes Adam zu huldigen.

Die Christen sollen zu ihrer Religiosität zurückfinden – und sich dem politischen Anspruch (Kalifat) des Islam unterordnen, nicht zuletzt zu seinem frauenentrechtenden Anliegen. Wie er soziale Gerechtigkeit und Islam, Gleichberechtigung der Frauen bzw. Nichtmuslime und Scharia sowie Pressefreiheit und Koran in Übereinstimmung bringen will, verrät Schariati nicht, hatte aber ein Leben lang Zeit dazu. Jedes Zurückweisen der Gottheit aus der öffentlichen Sphäre diffamiert Schariati als “Materialismus”, lautstarke Rufe der Parteigänger eines monotheistischen Gottes sind also im öffentlichen Raum ebenso zu dulden wie das heilssichernde Sinnzeichen der Macht der Scharia, der Schleier.

Schariati lässt offen, ob er den Satan und die Engel wenigstens teilweise allegorisch versteht, wir müssen dem gebildeten Iraner daher mindestens unterstellen, das ungehemmte Fürwahrhalten der Geister und Dämonen für gemeinschaftsförderlich und staatserhaltend zu erachten. Die imaginierten Geister ließen nicht lange auf sich warten … und beauftragten ihren unfehlbaren Statthalter im Jahre 1979 aus dem Pariser Exil heranzufliegen, mit Stockschlägen und Verhaftungen allen Frauen des Iran in kürzester Zeit den Tschador aufzwingen und jeden Religionskritiker als “Terroristen” einzusperren sowie im Namen Allahs zu foltern und zu ermorden. Hat sich Ali Schariati einen anderen Islamstaat vorgestellt als denjenigen des Ayatollah Chomeini und seiner seit 31 Jahren herrschenden Tyrannei? Das mag ja sein, und es mag auch sein, dass er alleine die islamische Diktatur nicht hätte verhindern können, doch den islamischen Staat mit herangerufen hat der Intellektuelle. Der erfolgreiche Redner Schariati trägt Mitschuld an der Velayat-e Faqih, der Herrschaft des Obersten Rechtsgelehrten.

Die mittelalterlichen und neuzeitlichen Europäer und mit ihnen die neuzeitlichen Nordamerikaner seien aus dem nach Schariatis Auffassung unspirituellen, diesseitsverliebten, seelischen und ethischen Griechentum niemals herausgekommen, dem es um nichts anderes gehe, als sich durch Unterwerfung der Natur den Himmel zu erobern und sich selbst auf den Thron der patriarchalischen Gottheit zu setzen:

11. Auf dieser Basis versuchte der griechische Humanismus durch die Absage an die Götter, die Ablehnung ihrer Herrschaft und die Befreiung der versklavten Menschen aus den Ketten des Himmels, zu einem anthropozentrischen Weltbild zu gelangen, den Menschen zum Prüfstein für das Richtige und das Falsche zu machen, seinen Körper zum Maßstab für das Schöne zu erheben und nur jenen Bereichen des Lebens Bedeutung beizumessen, die dem Menschen Macht und Freude bringen.

Warum sollten die Nichtmuslime denn auch Sphären verehren, die ihnen Ohnmacht und Schmerz bringen? Und: wenn wirklich auch der seine Talente entfaltende weibliche, kranke, kindliche und alte Mensch ästhetisch-ethisches Leitbild ist und nicht nur der männliche und dabei ethnisch hellenische Mensch als gesunder Jugendlicher, kampftstarker Krieger und königlich Herrschender Tyrann oder Gott, kann sich von einem “Menschen im Mittelpunkt” die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ebenso gut ableiten wie von einem christlichen Gedanken der Gottesebenbildlichkeit jedes Menschen. Schariati unterschlägt, dass der Islamapostat keine Würde hat (und die muslimische Frau nur die halbierte Würde), oder jedenfalls selbst dann kein Recht auf Leben, wenn man das Gesteinigtwerden als besondere Weise des Würdigens versteht. Der Iraner ist zu weder zu dumm noch zu feige, sich gegen die Todesstrafe auszusprechen, also billigt er die Tötung der Ehebrecherin und das Ermorden des bekennenden Schariafeindes als den nach seiner Meinung einzig wahren Humanismus, als den “islamischen Humanismus”.

Allahzentrik statt Anthropozentrik: Es gehe darum, die Verehrung (unbedingte Wertschätzung) des Menschen zu überwinden und Gott wieder in den Mittelpunkt zu stellen, allerdings nicht etwa einen Gott, der die Universalität der Menschenrechte fordert oder wenigstens wohlwollend toleriert, sondern einen Geist, der die Herabsetzung der Frau und die Gewalt gegen den Atheisten oder Polytheisten verlangt, einen Kriegsgott, Allahgott.

Ziemlich raffiniert lässt Schariati beide miteinander konkurrierende zeitgenössische Weltbilder Europas aus einem einzigen, in Wurzel und Zielsetzung dekadenten westlichen Humanismus entstehen, den Kapitalismus ebenso wie den Atheismus, den US-Imperialismus wie die Sowjetherrschaft. Die aus orthodox-islamischer Sicht durch die Juden mit verfälschten Schriften ausgestattete und ohnehin durch den islamischen Propheten überwundene Schale des Christentums sei in den Kapitalkult und in atheistische Doktrin zerbrochen, in NATO und Warschauer Pakt. Ein günstiger Bühnenhintergrund war der Kalte Krieg allemal, um dem Islam die ungeschmälerte al-wasaṭīya zuzuschreiben, die berüchtigte Mittigkeit der “nation justly balanced, in der Mitte stehenden Gemeinschaft ”. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Allah.

Und so, wie höchst anschmiegsame Trennöle zwischen zwei verkeilte Bauteile fließen, beginnt Allahs Sittenlehre, zwischen den nach Schariatis Aussage zum Niedergang verurteilten Gebäuden von Marktliberalismus und Planwirtschaft, zwischen den beiden gigantischen Monolithen Washington und Moskau beziehungsweise Neu-Delhi und Peking hindurchzukriechen, die Blöcke aufzuspalten und die Spielregeln für jede künftige internationale Debatte zu setzen (Öl liefert der Orient zufällig ja auch ganz real). Aus heutiger Sicht scheint der inzwischen erfolgte politische Zusammenbruch der ihrem Verständnis nach antikapitalistischen Sowjetunion einem Schariati ebenso Recht zu geben wie die seit wenigen Jahren herannahende Wirtschaftskrise bei uns als den mehr oder weniger fälschlich so genannten Kapitalisten. Wir sollten die soziale Marktwirtschaft freilich ebenso weiterentwickeln wie grundsätzlich verteidigen und das Sharia-Banking nach Kräften eingrenzen, denn wer in den USA oder in Westeuropa einen kommunistisch inspirierten Kleinbetrieb oder einen allahzentrischen Bauernhof aufbauen und führen will, kann das ja (leider, mag man sagen) ausprobieren, was umgekehrt (meinungsfreie Zone in China oder Pakistan, privatwirtschaftliche Rechtssicherheit in Dschidda oder Pyöngyang für Ausländer) nicht möglich ist.

Schariatis globale Kulturgeschichte in zehn Sätzen ist von Antijudaismus und Antisemitismus gewürzt und stellt den Islam als die letzte Chance der seit Jahrtausenden gequälten und in die Irre geführten Menschheit dar:

27, 28. Um sein Volk aus der Knechtschaft der imaginären Mächte zu befreien, kämpfte Konfuzius gegen den Aberglauben. Doch dieses Prinzip erstarrte später … . Der Hinduismus, der … dem Körper der Welt den Geist einhauchte, wurde zu … Aberglauben, in dem eine große Anzahl von Göttern die Menschen angreift, … zu mörderischer Askese, zu Erniedrigung und zu Knechtschaft im Sinne der Priesterschaft. Buddha kam, um die Hindus zu erlösen … . Doch seine Anhänger wurden zu Buddha-Verehrern. (Das persische Wort für Götze Bot stammt von dem Wort Buddha ab und Botparasti bezeichnet die schlimmste Form von Schirk [Götzendienerei].) Messias, der verheißene Erlöser, kam, die Menschheit aus den Fesseln des Materialismus und der Rabbinerverehrung zu erlösen, die Religion von dem Dienst an den Geschäftsleuten und Rassisten von Israel zu befreien, Versöhnung, Liebe und Seelenfrieden herzustellen … Doch das Christentum wurde zum Nachfolger des Kaisertums, die römische Kirche hielt die imperiale Ordnung aufrecht … Die Religion des Friedens wurde zum Vorwand eines beispiellosen Blutvergießens …

Schariati leitet über zur Lehre Mohammeds, spielt ein wenig den Islamreformer oder vielmehr den Islamrestaurator, denn der Ur-Islam sei frei von jeder Verunreinigung:

Und schließlich kam der Islam als letztes Glied der Entwicklungskette der Religionen und verkündete die Einheit Gottes und die Erlösung …, um … den Menschen aufzufordern, statt den Menschen Gott zu dienen und statt der Unterdrückung der Religionen die Gerechtigkeit des Islam zu wählen. Doch der Islam wurde zum arabischen Kalifat, diente zur Rechtfertigung der barbarischen Eroberungen, verlieh … [den] Seldschuken und Mongolen im Namen der Jurisprudenz, der Theologie und der Mystik eine religiöse Aura und legte den moslemischen Menschen in die Ketten der Vorherbestimmung. Der Weg der Erlösung führte nicht mehr über Tauhid, Frömmigkeit, Rechtschaffenheit und Wissenschaft, sondern über Nachahmen … oder er diente zur Flucht vor den Realitäten der Gesellschaft und des Lebens in eine unwirkliche Welt, … gekennzeichnet … durch … Pessimismus gegenüber der Geschichte … und durch die Unterdrückung aller natürlichen Triebe und Neigungen.

Letztlich hat die Menschheit nach Schariati nur den Auftrag, der wahren Religion wieder zur Geltung (zur Macht) zu verhelfen, die islamische Seinsweise zu verwirklichen. Zum Ablegen der Scharia aufzurufen, ringt sich der Kulturkritiker nämlich gar nicht durch, womit wir ihm wohl nicht Unrecht tun, aus seiner Islamverherrlichung herauszulesen: “Je mehr Scharia, desto mehr Glück, je mehr Islam, desto mehr Humanismus”.

Aber ach, Allahs Freunde haben es schwer:

39. Zweifellos ist es heute nicht leicht, über die Religion zu sprechen. Der moderne Geist kann sie sich kaum als einen befreienden und progressiven Faktor vorstellen. Was ist dieser moderne Geist? … Er kommt aus dem Westen …

Und “Westen” (ġarb, al-maġrib) steht im Arabischen bekanntlich auch für Merkwürdigkeit, Fremde, Exil, Abweichung und Verrat an der sozialen Ordnung als der Seinsweise des “Ostens” (šarq, al-mašriq), an der gesunden (islamischen) Lebensweise.

39. Doch wenn heutzutage vom Westen die Rede ist, denkt der östliche Intellektuelle nur an Kapitalismus, Industrie, Christentum, Kolonialismus und bürgerlichen Liberalismus. Will er sich gegen sie wehren und sie ablehnen, greift er zum Marxismus, den er als wirksamste wissenschaftliche Waffe betrachtet. Dabei ist man sich selten … bewusst, dass der Marxismus selbst eine reine Schöpfung … eben dieses Westens ist

Die antiislamisch angekränkelten Orientalen sollen, befindet Schariati, nicht Zuflucht bei Marx nehmen, sondern bei Mohammed, und erkennen, dass ihre antikapitalistische Kritik am Westen selbst ein Produkt Europas oder der Gottlosigkeit oder der Dekadenz (das alles sei austauschbar) ist.

Die Religionskritiker oder Atheisten nennt Schariati Materialisten und droht mit der Hölle oder jedenfalls lässt den Koran mit den unsagbar schmerzhaften Flammen bereitwillig drohen. Der iranische Denker nimmt im Folgenden (Widerlegung der Thesen eines Karl Marx) die schreckhafte und kriecherische Rolle desjenigen an, der im Hauptmann von Köpenick sagt: “Du pochst an die Weltordnung, Willem. Det is Versündigung”, wenn er nicht sogar dem reinigende Scheiterhaufen verwendenden Himmelsfreund Calvin zu ähneln beginnt:

45. Mit scharfer Kritik spricht der Koran die Materialisten an: Wähnt ihr, daß wir die Ordnung dieser Welt umsonst geschaffen haben? Und gibt zur Antwort: Wir haben den Himmel und die Erde und alles, was dazwischen ist, nicht umsonst geschaffen (38/27). Gott setzt die Angelegenheiten der Welt nicht ohne Grund und Ursache in Bewegung. Alles stützt sich fest auf die Sunna (Verfahren) Gottes; Du wirst am Verfahren Gottes keinen Wechsel und du wirst daran keine Veränderung feststellen können (35/34). Alles in der Natur, in der Geschichte und im Menschen ist der vorbestimmten Zeit und dem bestimmten Maß unterworfen. Den wichtigsten Beweis göttlicher Existenz bietet der Koran mit dem Hinweis auf die rationale Ordnung der Natur.

Glauben wir Ali Schariati, ist Auftragsmord damit ebenso rational wie das Heiraten sechsjähriger Mädchen, mit denen man sexuell verkehren kann, sobald diese neun Jahre alt sind. Finsterster islamischer Fundamentalismus jedenfalls spricht aus Schariatis Zeilen und daneben die Unbeholfenheit, auf die Religionskritik von Karl Marx anders zu reagieren als mit dem Blick auf Sozialordnung und Weltnatur, den der Koran bereithält.

48, 49. In seiner Religionskritik geht Marx den leichtesten Weg, auch wenn er dabei von einem gelehrten Philosophen zu einem Propagandaprediger oder sophistischen Politiker werden muß. Das ist ihm der Mühe wert, weil in jedem Fall der Zweck die Mittel heiligt, auch wenn die Mittel nach den Worten von Lenin Unbarmherzigkeit gegen die Religion sein sollten.

Diesen Punkt der Kritik an Marx und vor allem Lenin mag man als religiöser Mensch teilen, auch als freiheitlicher Atheist. Sicherlich ist ein diesseitiger politischer Kult Religionsersatz, Hitlerismus und Maoismus ähnelten einander frappant, wie sich übrigens auch der verordnete Führerkult um Idi Amin und Muammar al-Gaddafi sehr ähnelt. Schariati weigert sich, auf das totalitäre Wesen des Islam einzugehen, denn die Hexenverbrennung oder Calvins Mord an Servet war mit einem Jesus von Nazareth nicht zu rechtfertigen, Islam aber ist beides in Unlösbarkeit, Welterklärung und Lebensführungsdiktatur, Mythos und verstaatlichte Sexualmoral, Ritual und Kulturrassismus. Das, worauf es angekommen wäre, nämlich, den Muslimen einen Weg als säkularer Staatsbürger vorzuleben, sieht Schariati nicht oder sieht und verhindert es.

Der Marxismus wird zur islamischen Gegenreligion, zum Antiislam, Marx zum verkörperten Iblīs und Lenin zum ad-Daǧǧāl, zum Fürsten der Finsternis. Marxismus als Heerschar von Teufeln und Dämonen, denen man als Gegengift einen noch schwärzeren Heerführer, den edlen muslimischen, gewaltige Armeen führenden Mahdī entgegenzusenden berechtigt ist, der den Daǧǧāl töten wird:

54. der Islam und der Kommunismus Marxscher Prägung [stehen] als zwei umfassende Ideologien … in vollkommenem Gegensatz zueinander.

Hell gegen Dunkel, Allahs schiitisch-iranisches Licht gegen die Finsternis der staatengründenden Atheisten. Islam, so beruft sich Schariati auf Gewährsmann Marx, sei im Gegensatz zum Marxismus reine Herzlichkeit:

55. Die marxistische Welt ist … nach den Worten von Marx herz- und geistlos. … Im Gegensatz dazu basiert die islamische Kosmologie auf dem Glauben an das Verborgene. Mit dem Verborgenen (Qaib) ist die unerkannte Wirklichkeit gemeint, die jenseits dessen existiert, was unseren Sinnen zugänglich ist … Sie wird als eine höhere Wahrheit, als das Zentrum aller Bewegungen, Gesetze und Erscheinungen dieser Welt betrachtet.

Eine allen Dingen der Welt gemeinsame Ursache anzunehmen ist ja vielleicht ein feiner Zug und unter allen Religiösen sehr üblich, doch möchte ich nicht, dass mein womöglich eintretender tageweiser Zweifel an der Gottheit meine Bürgerrechte außer Kraft setzt. Schariati weiß genau, dass es dem muslimischen Kind oder Jugendlichen nicht zusteht, sich eine in nennenswertem Umfang persönlich gefärbte Vorstellung von Allahgott, Mohammed, Jesus oder Abraham zu machen oder die Teufel in das örtliche Heimatmuseum zu verbannen und den Apostatenmord ins Museum für mittelalterliche Geschichte.

55. Der Glaube an das Verborgene wird in der zweiten Sure des Koran (Die Kuh) als Voraussetzung für die Rechtleitung und als Prinzip der Frömmigkeit genannt

Eher wohl schon ist es der absolute Gehorsam, der im Islam Voraussetzung für “Frömmigkeit” ist, jedenfalls ist mit “das Verborgene” gerade nicht das Unantastbare gemeint, wie es sich aus der Menschenwürde (körperliche Unversehrtheit, volle Würde und volle Rechte auch für Ungläubige und sogar für Frauen) ergibt und glücklicherweise auch aus der Ethik des jüdischen Predigers Jesus. Aus Allahs Sphäre des “Verborgenen” stammen die Peitschenhiebe, welche die Haut des Weintrinkers oder der Ehebrecherin zerfetzen, mit “verborgener” Kraft wird Hand und Säbelkinge in Schwung gesetzt, um den muslimischen Scharfrichter in “Bewegung, Gesetz und Erscheinung” (nach Schariati) zu bringen, damit er den Kopf des Gotteslästerers, Dealers, Zauberers, Terroristen oder Regierungskritikers abtrennt. Das Teheraner Foltergefängnis Evin ist der Bereich des “Verborgenen” und der “Hölle”, und der Rest der Welt hat seit spätestens Sommer 2009 allen Grund zu Hoffnung, dass die Mehrheit der Iranerinnen und Iraner auf so eine “Verborgenheit” und “Spiritualität” spuckt.

55. Dieses Verborgene ist in Wahrheit der absolute Geist und Wille der Existenz.

So redet ein Faschist.

59. Wir sehen, daß das Mensch-Gott-Verhältnis in der islamischen Philosophie ein gegenseitiges ist, wobei Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis zu Synonymen werden, ja sogar erstere die Voraussetzung für die zweiten ist

Mit der Besonderheit, dass du alles nichtschariakonforme in deinem Hirn und in deiner Alltagspraxis vernichten musst, um dann beglückt behaupten zu dürfen, auf der selben Wellenlänge wie Allah zu schwingen (was auch stimmt, nur du bist ein untoter Toter, ein voll-muslimisierter Clon).

81. Der Humanismus ist in der Tat die Gesamtheit aller göttlichen Werte des Menschen, die von der Religion in die Kultur und Ethik der Menschheit eingebracht wurden.

Etwas ungemütlich fühlt sich der Iraner im Kerker der verlorenen Weltheimischkeit, in Sunna und Scharia, dann doch, und er flüchtet sich ins Paradies:

82. Der Geist stirbt niemals. Ich meine den Geist, von dem im Koran die Rede ist – nicht die individuelle Seele, sondern jene bewegende, lebenspendende, göttliche Kraft, die wie die Posaune des Erzengels Esrafil über den leblosen und erstarrten Körper einer Epoche hinweg in wunderbarer Weise ertönt und die tödliche Stille des Friedhofs, in dem die Menschheit und ihr erlösungsuchender Geist begraben werden sollen, in Aufruhr verwandelt, wodurch eine neue Bewegung, eine neuen Auferstehung beginnt und die Menschheit in einer anderen Zeit ein anderes Leben führt.

Bei so viel Weltekel könnte einem noch der Marxismus attraktiv werden. Aber der Islamische Staat kommt vor dem Weltende auch noch, Schariati spricht, etwas an die Nationalsozialisten erinnernd, von der “Bewegung”:

84, 85. Vor dreißig Jahren erklärte Iqbal, der Mensch brauche heute mehr denn je eine geistige Interpretation der Welt. Obwohl Iqbals Worte auch dies implizieren, muß noch hinzugefügt werden: Er braucht auch eine geistige Interpretation des Menschen. Heute stehen wir an der Grenze zwischen zwei Epochen, einer zu Ende gehenden Epoche, in der die westliche Zivilisation und die kommunistische Ideologie daran gescheitert sind, die Menschheit zu befreien, und einer beginnenden Epoche … . In … dieser neuen Bewegung hat der Islam einen bedeutenden Stellenwert

Zweifelsohne kann der Islam erst dann beim Aufbau dieser Zukunft den ihm zukommenden Betrag leisten,

… den ihm seit Mohammeds Zeiten zukommenden Beitrag …

wenn er sich von der Last jahrhundertelanger Erstarrung, des Aberglaubens und der Vermengung

… das Licht mit der Finsternis vermengt, das Göttliche vom Satanischen besudelt, Manichäismus pur …

befreit und zu einer lebendigen Ideologie wird, statt eine alte Kultursammlung zu bleiben. Und das ist die Aufgabe der islamischen Aufgeklärten.

Lamya Kaddor: “Die Aufklärung ist für den Islam nicht übertragbar.”

Ermordete zeitigte sie in großer Zahl, war die “Bewegung” von 1979 also denn im islamischen Sinne nicht “lebendig” genug, fehlt noch etwas Renaissance, ich meine: Islamische Renaissance?

86. Nur auf diese Weise wird der Islam – nach einer Glaubensrenaissance und der Überwindung von Isolation und Reaktion – imstande sein, sich am Widerstreit der Meinungen … zu beteiligen, als Vorbild zu dienen … Das ist … eine verantwortungsvolle Aufgabe. Sie entspricht nicht nur dem Wesen der islamischen Lehre, sondern auch dem ausdrücklichen Gebot des Koran: Gott gehört der Osten und der Westen. Und so haben wir euch (Muslime) zu einer in der Mitte stehenden Gemeinschaft gemacht, damit ihr Vorbilder unter den Menschen seid; der Gesandte aber wird euer Vorbild sein (Koran 2/142-143). Wir sehen, je umfassender eine Ideologie ist und je mehr sie sich mit dem Wesen des Menschen befasst, um so tiefer und umfassender ist ihre Konfrontation mit dem Islam, der ebenfalls alle Bereiche des Lebens umfasst.

In diesem Sinne ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ebenso “Ideologie” wie die universelle organisierte Vernunft namens Wissenschaftlichkeit. Der Islam muss also beides als Konkurrenz betrachten und als Gefährdung des Seelenheils, erklärt uns Schariati, die kulturelle Moderne mit ihren unteilbaren Menschenrechten, nicht zuletzt mit ihrer Gleichberechtigung der Frau. Soweit die AEMR “umfassend“ gemeint ist, soweit sie sich ernst nimmt, ist sie ebenso durch den Islam anzugreifen wie Wissenschaft, Kunst, Presse und Forschung. Wir Angehörigen der kulturellen Moderne (fälschlich gerne: des “Westens”) jeder Nichtreligion, Ex-Religion oder Religion, auch die muslimischen Staatsbürger unter uns, können Schariati nicht ausweichen, denn selbst Psychologie, Pädagogik und Soziologie befassen sich mit dem “Wesen des Menschen” und sind von Ali Schariati soeben als Widersacher des Himmelsgottes eingestuft worden.

Einen Krieg mit den Mitteln der freiheitlichen Demokratie gilt es zu führen, nicht gegen die als Staatsbürger zu betrachtenden Muslime, sondern vielmehr und nach Möglichkeit mit ihnen, gegen den schariatisch organisierten Islam und seine neuzeitverweigernden (islamistischen) und schlicht totalitären Erziehungs- und Bildungsprogramme. Europa kann diesen Krieg verlieren, es wird dann eben für lange Zeit islamische Wissenschaft, islamische Kunst, islamische Presse und islamische Forschung geben, bis sich auch da der Wunsch nach Aufklärung und Emanzipation Bahn bricht. Das Denken eines Schariati wird bei dieser ernst gemeinten Islamreform allerdings keine Rolle spielen.

Jacques Auvergne

(1) ʿAlī Šarīʿatī und das Zentrum für die Verbreitung der Islamischen Wahrheit (Kanun-e Nashr-e Haqayeq-e Eslami, The Center for the Propagation of Islamic Truths).

Ali Rahnema: »An Islamic Utopian. A Political Biography of Ali Shariati«, Erstveröffentlichung bei Tauris, London & New York 1998, neu aufgelegt 2000

http://books.google.de/books?id=yoQQ2YzmMyMC&printsec=frontcover#v=onepage&q&f=false

(2) Ali Rahnema: »Pioneers of Islamic Revival«, London 1994 & Atlantic Highlands, New Jersey (USA) 1994, darin das Kapitel, ab Seite 208, Ali Rahnema: »Ali Shariati: Teacher, Preacher, Rebel«, als Dreizehnjähriger las Schariati Kafka und Schopenhauer (211,212), was man gerne glaubt. Nach dem mathematischen Zentralwert, dem Median, nannte Schariati seinen harmonischen Totalitarismus namens Islam: „Die Median-Schule des Islam: Maktab-e Vaseteh-e Islam, The Median School of Islam“ (eigentlich „Tarikh-e Takamol-e Falsafi, A History of the Development of Philosophy“ (213)).

»Ensan, Eslam va Maktabha-yi Maqrebzamin«, wörtlich: Mensch, Islam und die Denkschulen des Westens, Seite 239

http://books.google.de/books?id=Bmz9y2osH1YC&printsec=frontcover#v=onepage&q&f=false

(3) Uli Auffermann zitiert beim Bergsteigermagazin BergNews in »Der Geburtstag des Alpinismus. Francesco Petrarca und die Besteigung des Mont Ventoux« die Beschreibung der Wanderung des touristischen Pioniers, nach: Karl Heinrich Waggerl (Hrsg.): »Der Berg – Landschaft als Erlebnis«. Kindler Verlag, München 1957

http://bergnews.com/service/petrarca-mont-ventoux/petrarca-mont-ventoux.php

Mont Ventoux von Südwesten, Marcus Ostermann stellte sein geschmackvolles Foto über die Wiki Commons der Menschheit zur Verfügung, danke

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/04/Mont_ventoux_von_suedwesten.jpg

Mont Ventoux von Norden, von Mirabel-aux-Baronnies aus

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/86/Mont_ventoux_from_mirabel.jpg

Gipfelerlebnis, gerade kein ängstlicher Scholar da. Schwache Nerven sollen dort keinen heiligen Text lesen – oder gerade doch lesen. Blick nach Norden, alpenwärts

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a6/Ventoux_Nordseite_Schoener_Blick_Zu_Den_Alpen.jpg

(4) Daǧǧāl, gesprochen Dadschdschaal, englisch geschrieben Dajjal … ad-Daǧǧāl, „der Täuscher, der Betrüger“, ausführlicher auch genannt al-Masīḥ ad-Daǧǧāl, „der Falsche Messias“.

Harun Yahya: »Der Antichrist (Dajjal) hat heimlich sein Werk begonnen«

http://www.harunyahya.de/artikel/artikel52_der_antichrist.php

170. Ali Shariati: Where shall we begin?

14. Juni 2010

تراكز

tarākuz

Konzentrizität

Mehr Allahzentrik, mehr Reform

Auszüge aus der knapp vierzig Jahre alten Rede von Ali Schariati: »Wo fangen wir an?« islamkritisch kommentiert. Von Jacques Auvergne

Weltweite Bekanntheit erlangte der Vortrag »Where shall we begin?«, den der Iraner Ali Schariati (ʿAlī Šarīʿatī, 1933-1977) am 22.11.1971 hielt, zu einem Zeitpunkt, an dem nach Aussagen der den hier untersuchten Redetext veröffentlichenden, seinerzeit im beschaulichen Bonn am Rhein ansässigen Botschaft der allahfaschistischen Islamischen Republik “noch keine Anzeichen für eine Revolution in Iran zu erkennen” gewesen waren, “die Monarchie wähnte sich in Sicherheit, und das Land wurde nach einhelligem Urteil der Beobachter als seine Insel der Stabilität bezeichnet. Um so verwunderlicher ist es, daß er schon am Beginn seiner Ausführungen die Fragestellung des Themas damit begründet, daß sich die Gesellschaft in einer Übergangsphase befinde und Fragen dieser Art in dem Bewußtsein gestellt werden, daß etwas geschehen müsse, um die herrschende Ordnung durch eine andere zu ersetzen” (Seite 3).

Tatsächlich scheint Schariati gleichsam prophetische Gaben besessen zu haben und sind zwischen seiner gesprochenen Rede und der Islamischen Revolution nur siebeneinhalb Jahre vergangen. Die Bad Godesberger Vertretung des seit 31 Jahren für Allahgott mordenden Mullah-Regimes verwendet den iranischen Intellektuellen nachträglich, im Oktober 1982, nur dreieinhalb Jahre nach der Staatwerdung der jenseitszentrierten Pflichtenlehre. Eine Nutzbarmachung, gegen die der als modern geltende Denker allerdings vielleicht gar nichts einzuwenden gehabt hätte. Denn sicherlich ist äußerlich ein größerer Kontrast zwischen dem mediterran und modern wirkenden, kurzhaarigen und glattrasierten Intellektuellen und dem patriarchalischen Würdenträger, dem mit Mantel und Turban geschmückten Ayatollah Chomeini, kaum möglich, womit uns die Widerspenstigkeit überlassen bleibt, das schier Unglaubliche für möglich zu halten, nämlich dass beide, Chomeini und Schariati, in ihrem Leben dass selbe gewollt zu haben. Nichts anderes jedenfalls versuchen wir hier zu belegen.

Dass wir etliche Dimensionen und Vokabeln Schariatis aus der Perspektive Allahgottes oder jedenfalls Mohammeds lesen sollten, behält die iranische Botschaft nicht einmal für sich: “Der Begriff ‘Aufgeklärtheit’ erfährt dabei eine neue, wenn auch nicht in allen Einzelheiten neue Definition. Schariati greift dabei auf Quellen der islamischen Tradition zurück (Seiten 3 und 4). Wo nach seiner Ansicht der Aufgeklärte anfangen soll, sagt Schariati in dem vorliegenden Vortrag”, und wir brauchen die Antwort nicht lange zu suchen. Denn wenn sich einem Menschen, dessen sprichwörtliche Wolle in der als naturhaft behaupteten Farbe des Islam gefärbt worden ist, ein Problem oder eine Frage stellt, dann hat er die Antwort nicht irgendwo zu suchen und schon gar nicht bei sich selbst, sondern bei seinem Imam, dessen Scheich oder Ayatollah, dieser hat sich an Buchari zu halten jedenfalls darf er ihn nicht abrogieren, Buchari selbst trat millimetergenau in die in die Fußspuren der prophetischen Biographie und folgte islamfromm (absolut gehorsam) dem Koran, der Anweisung Mohammeds, um schließlich mit Mohammed und stellvertretend für ihn aus der einzigen Quelle zu trinken, aus der dieses Weltall entsprungen ist, aus jenem absoluten Anfang alle Erkenntnis und Ethik zu schöpfen, deren Sphärenmusik jeden individuellen Klang als satanischen Misston verstehen muss. Aller Dinge Anfang ist der redende und gewaltbereite Gott, anfangen im Einklang mit der Scharia heißt, bei Allah zu beginnen.

5. Wo fangen wir an? … Wer soll etwas anfangen? Und wofür?

Wo beginnen – selbstverständlich beim begrenzt barmherzigen Gott, dessen Name mit A beginnt. Wer – natürlich jeder, die Verweigerer sind tüchtig zu diskriminieren, damit, wie im Himmel so auf Erden, die vom Satan befallenen, fehlgeleiteten Menschen pädagogisch erlebbar bleiben und andere nicht anstecken. Wofür – um der Hölle zu entgehen, und um dafür vorab streng nach der Scharia zu leben. Mit diesen Antworten jedes gottesfürchtigen Muslimen, dem Jenseits mehr (Märtyrer, Sufis, Frauen) oder weniger (Präsidenten, Mafiosi, Ayatollahs, Scheichs) nachgeordnet, ergibt sich wie nebenbei der Aufbau einer heilssichernden Staats- und Gesellschaftsordnung, das irdische Kalifat.

5. nur der Aufgeklärte empfindet Verantwortung gegenüber seiner Gesellschaft

Der Schariaverweigerer sei von unlauteren Motiven getrieben und könne letztlich keine Verantwortung tragen.

6. Aufgeklärter ist derjenige, der sich sowohl seiner eigenen als auch der Situation der gesamten Gesellschaft in einem geschichtlichen Zeitraum bewusst ist.

Das entsprechende Geschichtsbewusstsein stiftet der in himmlischer Herkunft und geistiger Wirkung geschichtslose Koran.

6. Wissenschaftler wie Wernher von Braun und Albert Einstein sind aufgerufen, dieses geistige Erbe anzutreten und fortzuentwickeln.

Nur zum Islam müssen sie noch übertreten. Unwissentlich frönt Schariati einer Art von Cargo-Kult, den heftig abzulehnen seine dezidiert antiwestliche und wie beiläufig menschenrechtswidrige Islam- und Orientverherrlichung ausmacht. Schariati will das Mana des technischen Erfolgs für das Kalifat dienlich machen.

Angetrieben von einer sehr ähnlichen politischen Magie und umwölkt von Armeen, die einem esoterischen Führerkult verpflichtet sind, der sich mit dem Mahdi-Glauben überlagert, bastelt dieser Monate der islamfromme Herr Ahmadinedschad an der Atombombe, was die Menschheit verhindern möge.

7. Die Aufgeklärten. … Ihre größte Verantwortung besteht darin, der Volksmasse zur Selbsterkenntnis zu verhelfen

Die Mehrheit ist schließlich doof.

7. denn erst die Selbsterkenntnis macht eine erstarrte Volksmasse zu einer dynamischen Gesellschaft

Nachdem die Mehrheit den Heilsbringern oder der führenden Kaste gefolgt ist, stellt sich ein Zustand ein, der nachfolgend als goldenes Zeitalter im Geschichtsbuch steht. Die kulturrassistische Dhimmitude von al-Andalus muss dafür bekanntlich immer herhalten. Schariati selbst nennt hier keine vorbildliche Zeit, und so dürfen wir seiner Mischung aus Schweigen und Gotteslob entnehmen, dass er den prophetischen Staat von Medina und den Wirkungskreis des hochmittelalterlichen al-Ghazali nicht gerade für unmoralisch und wurmstichig halt.

7, 8. Der Wissenschaftler entdeckt die Tatsachen und erforscht und beschreibt sie; der Aufgeklärte weist den Weg zur Wahrheit. Der Wissenschaftler zeigt, wie die Dinge sind; der Aufgeklärte sagt, wie sie sein sollten.

Eine visionäre Quasi-Priesterschaft gibt den Kurs vor und umrahmt die gefälligst produktiven Wissenschaftler, wie der Bauer sich Nutztiere hält. Der Kurs der “in der Mitte stehenden Nation” (Koran: a nation justly balanced) ist natürlich der Weg der Vermeidung der Extreme, die lästerliche Namen wie “volle Frauenrechte“ oder “Pressefreiheit“ tragen.

Wer guckt jetzt erleuchteter aus der Wäsche, Bekir Alboğa, Benjamin Idriz oder Tariq Ramadan? Oder braucht der “Kundschafter und Vorreiter der Karawane” (8) das außeralltägliche Kostüm, das deine Folgsamkeit erheischende Sakralgewand? FIOE, ECFR und FEMYSO hätten für Europa diesbezüglich einen Großmufti im Angebot, der auf Lehrtätigkeiten in Malaysia und den USA zurückblicken kann und in Deutschland mit Friedens- und Toleranzpreisen überhäuft wird, den Bosnier Dr. Mustafa Cerić.

8. denn Wissen ist Macht, Aufgeklärtheit aber ist Erleuchtung. In diesem Sinne ist auch der im Koran und in der islamischen Kultur verwendete Begriff “hikma” (Weisheit) zu verstehen. … Dieses Licht der Einsicht und Erkenntnis, das den rechten Weg weist, ist die göttliche Erleuchtung.

Mag sein, dass Sunniten weniger romantisch argumentiert hätten, Chomeini indessen mag sich geschmeichelt fühlen. Die Unbegnadeten, um Schariatis Koranzitat (8) zu verwenden, die nicht zur erwählten Kaste angehören, nicht zu jenen, “denen Gott die Herzen erleuchten will”, tappen halt im Dunkeln und sind im Sinne des Gemeinwohls durch die Frommen von der politischen Führung abzudrängen.

9. Es gibt keine allen Aufgeklärten der Welt gemeinsamen Eigenschaften; ebensowenig gibt es “Weltbürger”. Denn von einem “Weltbürgertum” mit gleicher Sprache und Kultur sind wir noch weit entfernt!

Ali Schariati weist hier den Anspruch der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zurück. Weder Aufklärungshumanismus und Wissenschaftlichkeit noch die Standards der Gleichberechtigung der Frau möchte der Iraner als universell begriffen wissen, denn wenn auch die Forscher fleißig arbeiten dürfen, führen sollen sie nicht. Geheimnisvoll geht es weiter, und wenn die islamische Gewissheit nicht vorausgesetzt werden könnte, wäre der Leser vollends orientierungslos, eine Verunsicherung an der kulturellen Moderne, von welcher Fundamentalist Schariati profitieren will:

10. Die Tatsache, nach Europa gefahren zu sein, neue Weltanschauungen kennengelernt, studiert und vielleicht ein Diplom erworben zu haben, berechtigt noch niemanden, sich als Aufgeklärter zu bezeichnen. Weil die Bezeichnungen “Aufgeklärter, “Wissenschaftler” und “Intellektueller” bei uns bislang als Synonyme verstanden wurden, hatten wir nie eine konkrete Vorstellung davon, was ein Aufgeklärter tatsächlich ist.

Nichts ist gewiss, nur die religiös begründete Segregation der Kulturräume:

11. So kann ein Schwarzafrikaner in seiner Gesellschaft als aufgeklärt gelten, in einer islamischen jedoch möglicherweise von keinem Nutzen sein. Dort ist er fremd und unbeholfen.

Um sich zu integrieren, muss der Schwarze also zur wahren Religion konvertieren.

11. Wer in Frankreich nach der industriellen Revolution oder in Westeuropa nach den Weltkriegen als Aufgeklärter galt und in seiner Gesellschaft eine konstruktive Rolle gespielt hat, kann diese Rolle beispielsweise in Indien nicht spielen und dort als Aufgeklärter eine Verantwortung übernehmen.

Lasst uns mit eurer AEMR in Ruhe. Der Parteigänger der Gleichberechtigung von Mann und Frau hat sich zwischen Kairo und Malaysia als “fremd und unbeholfen” zu fühlen, dafür sorgen die schariatreuen “Aufgeklärten” (Schariati), die im Sommer des Jahres 2009 jeden Wunsch des iranischen Volkes nach Weltbürgerlichkeit und Demokratie mit Knüppeln und Galgenstricken für einige Zeit, leider, erfolgreich beendeten.

12, 13. Ein Prediger, der bei einer bestimmten Teheraner Bevölkerungsschicht als guter Redner gilt, kann sich z. B. in den armen Dörfern der Wüste von Khorassan als sehr schlechter Redner erweisen.

Dafür zu sorgen, dass sich die einzelnen Milieus der Hauptstadt und diejenigen des gewaltigen Landes in Chancengleichheit, Weltverständnis und Menschenbild einander immer mehr annähern, möchte Schariati nicht. Vielleicht hält er das gespaltene iranische Volk für leichter kontrollierbar, der Parole “Teile und herrsche” folgend, die im politisch realisierten Islam nicht zuletzt für die höherrangige männliche und die niederrangige weibliche Menschenklasse gilt und ebenso für die erniedrigten Kasten der Dhimmitude mit dem sklavenähnlichen Status der Juden und Christen sowie der annähernden Rechtlosigkeit der Bahá’í und bekennenden Atheisten.

Schariati fährt fort, Gnadengabe, Esoterik und Führertum verherrlichend:

13. Der wahre Prediger ist weder Wissenschaftler noch Schulmeister, er ist einfach dazu berufen, aufzuklären.

Dabei sei radikale Spontaneität gefragt, denn Überblick hat schließlich nur die Gottheit. Die Freunde der Kontingenz (Niklas Luhmann) kommen voll auf ihre Kosten, und ein kleiner Herrscher (Professor, Sozialdezernent, Islamreferent) bleiben können sie vielleicht ja doch:

14. Keiner kann … mit Absolutheit für sich in Anspruch nehmen, ein Aufgeklärter zu sein. … Da muss er schon differenzieren, wann, wo und in welcher gesellschaftlichen Situation.

Ob es im Sprachgebrauch der kalkuliert verbreiteten Islamfröhlichkeit und Islamfreude eine ältere Quelle für das Wort “differenzieren” (November 1971, deutsch Bonn Oktober 1982) gibt?

14, 15. Bedauerlicherweise ist die Geschichte der Länder der Dritten Welt, insbesondere die der Islamischen Gesellschaften, gespickt mit den Irrtümern der Aufgeklärten. … Es ist die tragische Geschichte der islamischen, insbesondere der traditionell orientalischen Gesellschaften.

Tragisch ist das seit 31 Jahren andauernde Leiden der Bevölkerung unter dem Faschismus der Himmelswächter, das Sterben der ungezählten Hingerichteten und die Vertreibung der iranischen Regimekritiker ins Exil. Es sollte uns alarmieren, dass deutsche Muslime begeistert für Ali Schariati werben, beispielsweise tun das die im Fußnotenteil genannten paradiesverliebten Blogs »Meryems Welt« (FN 1), »muslime. glaubensinhalte im gesellschaftlichen kontext« (2), »Das klare Wort. Grup Vaha« (3) sowie »Morgendämmerung« (4). Die radikale Demokratieverachtung von »Meryems Welt« verdeutlicht das in Kalligraphie gehaltene Zitat, das die Blogbetreiberin feierlich auf den Titel ihrer Seite stellt, einer Weihe-Inschrift gleich: „Oh Herr, bereichere unsere Herzen in dieser vergänglichen Welt mit deiner überströmenden Liebe. Imam Chomeini“. Das Verbreiten der Texte von Ali Schariati sollte uns nicht viel weniger alarmieren als dasjenige der Schriften eines al-Maududi, Sayyid Qutb oder Necmettin Erbakan.

Kulturrelativismus über alles, außer vielleicht über Allahgott:

15. Als Zar Peter der Große nach einem Studienaufenthalt in Holland nach Moskau zurückkehrte, war er vielleicht ein Aufgeklärter, aber seine Art der Aufgeklärtheit war für seine nationale Gesellschaft nicht brauchbar.

Die zeitlose Scharia hätte dem königlichen Russen spirituell auf die Sprünge geholfen.

15. Nach langen Überlegungen schließlich glaubte er, die Ursache des Übels herausgefunden zu haben: Es waren die langen Bärte der Russen!

Beim Barte des Propheten, da hat der Iran was zu lachen. So ein dummer Russe. Und der Bartbefehl oder jedenfalls die Bartempfehlung eines Yusuf al-Qaradawi ist und bleibt sakrosankt. Heutige Freunde der nicht nur an dieser Stelle ein wenig rassistisch gefärbten Texte Ali Schariatis werden sich zufrieden zurücklehnen: iranischer Tschador und afghanische Burka dürfen auch weiterhin den Frauenleib umhüllen, denn mit ausbleibender Moderne hängt beibehaltenes Brauchtum (siehe Russenbart) grundsätzlich nicht zusammen, eher schon resultiert kulturelles Elend aus einem Erleuchtungsmangel der Führungselite. Let`s talk about sex:

17. Dabei ist der Kampf für die sexuelle Befreiung, der von Zeit zu Zeit in Afrika, Asien und insbesondere in der islamischen Welt ausbricht, lediglich ein Scheinmanöver, das von der Notwendigkeit eines echten Kampfes, der den Mächtigen der Welt gefährlich werden könnte, ablenken soll.

Und die Bonner Pfarrerin Dr. Beate Sträter kann weiterhin den ägyptischen Extremisten Sayyid Qutb mit dem südamerikanischen Befreiungstheologen Leonardo Boff vergleichen, während Sabine Schiffer aus Erlangen die Muslimbruderschaft für edle Streiter gegen Kapitalismus und US-Imperialismus zu halten beliebt. Das Islamische Recht beinhaltet nun einmal weibliche kontrollierte Sexualität und männliche sexuelle Kontrolle, und Ali Schariati möchte diese Pflichtenlehre vollumfänglich legalisieren, auch im Strafrecht soll die ewige Doktrin der Scharia Verstaatlichung erfahren und sollen Scharia-Richter flexibel (willkürlich) Recht sprechen.

Denn das Unheil dräut allenthalben, und so ist Spontaneität etwas sehr Islamisches: “Das rechte Wort am falschen Platz kann dem Unrecht dienen, wohingegen eine unbegründete Behauptung zur rechten Zeit durchaus eine positive Wirkung haben kann”, befindet Schariati (Seite 20). Sofern nur der Kontext stimmig ist, mag in dieser Logik auch mal ein Mord gerechtfertigt sein.

20, 21. In den fünfziger Jahren wurden die fortschrittlichen Ideen Rousseaus und Voltaires, die sich auf wissenschaftlich fundierte Gedanken des Nationalismus stützen, mit der Absicht wieder verbreitet, die algerischen Völker auseinanderzubringen.

Für die im Englischen gelegentlich Nation of Islam genannte umma zu werben, wäre aus Schariatis Sicht wohl sozialer.

24. Genaugenommen lautet die Frage also nicht: wo fangen wir an? sondern: wo fangen wir hier an? Demnach besteht also die dringendste Aufgabe des Aufgeklärten darin, herauszufinden, in welchem Zeitabschnitt der Geschichte sich die islamische Welt befindet.

Nicht die Menschheit, sondern der Weltislam ist die Solidargemeinschaft, auf die es dem belesenen Iraner ankommt. Diese umma sehnt sich nach einem neuen Goldenen Zeitalter:

24. Befinden wir uns im europäischen Zwanzigsten Jahrhundert, oder warum gehen wir den Weg der Europäer und werden zu Interpreten ihrer Autoren und zu Übermittlern ihrer Ideen? … Haben wir uns vom Zeitalter der Theokratie entfernt? … Leben wir im Mittelalter oder in der Zeit der Reformation? Leben wir im Zeitalter der Renaissance oder der Französischen Revolution?

Zunächst müssen wir also feststellen, in welchem Entwicklungsstadium wir uns befinden, ehe wir entsprechende Vorschläge machen können.

Chauffeur Schariati denkt mit und sagt gewissermaßen “Wo du wolle?”, wie die Comedy-Sendung »Taxi Sharia – Das Grauen hat vier Räder« ausdrückt. Oder, wie es pädagogische Praktiker sagen: “Wer nicht weiß, wo er hin will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er ganz woanders rauskommt.”

Bei all dem vielen regionalen und zeitlichen Differenzieren ist es Schariati aus dem Sinn gekommen, die freie Meinungsäußerung zu verlangen, was ins Auge gehen kann, wie (zumal orientalische) Intellektuelle oder Schriftsteller doch eigentlich wissen müssten.

26. Unsere Kultur ist islamisch-religiös geprägt. … Unsere Aufgeklärten müssen sich darüber im Klaren sein, dass der Islam unsere Kultur geprägt hat und er die moralische Grundlage unserer Geschichte ist. Verkennen sie diese Tatsache – was nicht selten der Fall ist – geraten sie in einer Scheinwelt, in der sie sich frei von religiösen Überzeugungen fühlen, weil sie vom Geist des Europa des 19. und 20. Jahrhunderts beherrscht ist.

Dass ein religiöser Mensch, also auch ein muslimischer, seinen Glauben ja vielleicht privat leben möchte, kommt Schariati nicht in den Sinn. Vielmehr setzt er Religionskritik, zumal Islamkritik, mit einem verinnerlichten Geist der europäischen Kolonialzeit gleich. Die Scharia betreffend stehe jedem Iraner also nur der Weg der Islamverherrlichung offen, um wirklich als “aufgeklärter” Orientale gelten zu können.

27. Wenn wir, wie die europäischen Aufgeklärten des 16. und 17. Jahrhunderts, die Religion bekämpfen, begehen wir einen folgenschweren Fehler, denn das religiöse Empfinden unseres Volkes und die religiöse Kultur unserer Gesellschaft unterscheiden sich wesentlich von dem, was im Europa des Mittelalters herrschte.

Islamische Missstände sind dabei für Schariati stets etwas Unislamisches:

28. Der Aufgeklärte von heute muss sich vor Oberflächlichkeit und blinder Nachahmung hüten und erkennen, dass die irreführende Rolle, die, wie zu beobachten ist, die Religion heute spielt, nichts mit der wahren islamischen Religion und Kultur, welche die geistige Grundlage unserer Gesellschaft bilden, gemein hat und die bitteren Erfahrungen des Mittelalters nicht auf islamische Verhältnisse übertragbar sind.

Der unfassbare Islam sei missbraucht worden und werde verkannt. Das Muster ist beibehalten worden, der auf Deutschlands Dialogveranstaltungen beschworene “eigentliche” Islam ist ja gefälligst makellos. Lustvoller, tief nationaler Schmerz mag einen Teheraner Patrioten dann und wann ergreifen, Hauptsache, ein geschichtsbewusste Iraner entspricht der Devise: “Je mehr Islambegeisterung, desto mehr Aufklärung”, und liest fleißig im Koran:

28. Es ist unbedingt erforderlich, daß der Aufgeklärte einer islamischen Gesellschaft – unabhängig von seiner persönlichen Anschauung – den Islam kennt; erst dann ist er in der Lage, die Tragweite der Tragödie zu begreifen.

Indessen hält Schariati den Schleier (Hidschab, iranisch Parda), die Polygamie und die Verheiratung neunjähriger Mädchen für nicht der Rede wert, die allgemeinen Menschenrechte zu kennen ist offensichtlich auch nicht erforderlich.

29. In den letzten 300 Jahren ist die Religion durch das Verschulden der sie vertretenden Institutionen ihrer Eigendynamik beraubt worden.

Wenigstens schreibt er die Schuld an der islamischen Stagnation nicht den Europäern zu, was Lamya Kaddor (»Muslimisch – weiblich – deutsch: Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam«) betreibt. Nüchterne Beobachter halten Friedlosigkeit, Frauenentwürdigung und kulturelle Stagnation des Islam allerdings für neun bis vierzehn Jahrhunderte alt.

Schariati will die ganze Scharia (Nomen est omen), der Islam, die “im Kern friedliche Religion” (Pöttering im Mai 2008, Horst Köhler im Mai 2010) sei, im Gegensatz zu den anderen Religionen, reine, höchstmögliches Glück spendende Humanität:

29. Eins haben Katholizismus, Buddhismus, vedaische Anschauungen und Laotseismus gemeinsam: Sie halten die Menschen von den objektiven Realitäten des Lebens fern … Unsere religiöse Kultur, insbesondere die schiitische Richtung, weist keinerlei derartige Gemeinsamkeiten mit den genannten Religionen auf; sie lehnt solche Gedanken eindeutig ab!

Ob die gerne ganz und gar andersartigen Muslime nicht doch ein wenig mehr Ähnlichkeiten mit den von Schariati gerade beschimpften Nichtmuslimen haben, und folglich dem selben universellen Rahmen der Wissenschaftlichkeit und Rechtseinheitlichkeit unterliegen sollten?

Der angeblich moderne Denker wiederholt die uns in Deutschland aus dem, Islamkritikern gegenüber bereits leicht repressiv geführten, “Dialog mit dem Islam” bekannte Makellosigkeit des “eigentlichen” Islam:

29. Der [derzeitige, unzureichend gebildete] Aufgeklärte stellt eine gewisse Parallelität zwischen den Auswüchsen des mittelalterlichen Christentums und des Islam in unserer heutigen Gesellschaft fest und kommt so zu der falschen Schlussfolgerung, daß der Islam mit dieser Religion gleichzusetzen und daher zu bekämpfen sei, wie das Christentum im 19. Jahrhundert von den Aufgeklärten bekämpft wurde.

Schariatis Position und Argumentation ist mittlerweile dank CIBEDO, CIG, Eugen-Biser-Stiftung und Interreligiösem Rat fester Bestandteil der kirchlichen Islamrhetorik, genauer, Islambeschwichtigung, mit der islamskeptische Gegner und andere über die Scharia informierte Menschen damit unglaubwürdig gemacht werden, sie würden die Katholische Kirche “in die Zeit vor dem Konzil” zurückbringen wollen oder die Bismarcksche Feindseligkeit gegenüber jeglicher organisierter Religion (Kirchenkampf) heraufbeschwören. In unseren Kirchentagsmilieus könnten Schariatis Texte also bald begeisterten Anklang finden.

30. Der Aufgeklärte … muß sich darüber im Klaren sein, daß er eine besondere Kultur besitzt, die den Glauben, die geistigen Werte und die Ideale des Menschen mit lebensbejahenden Gedanken verbindet und vom Geist der Gleichheit und Gerechtigkeit getragen wird.

Die Frau erbt in der islamischen “Gleichheit” nicht 100, sondern 50 %, ihre Aussage vor Gericht gilt nur halb so viel wie diejenige eines Mannes. Die Verstoßung der Ehefrau ist nach Allahs Gesetz ebenso “gerecht” wie die Anschaffung einer Zweit- bis Viertfrau und der Geschlechtsverkehr mit der von der Gottheit freundlicherweise unbegrenzt gebliebenen Anzahl von Konkubinen des muslimischen Mannes. Dafür hat die geschlechtsreife, sprich heiratsfähige Frau (neun Jahre alt) ihre verstaatlichte Jungfräulichkeit oder kontrollierte Ex-Jungfräulichkeit und ihren Status als Besitz von Vater beziehungsweise Ehemann mit einem Stoffgefängnis kenntlich zu machen, insbesondere ihr Haupthaar zu bedecken, das im Islam so etwas wie ein Geschlechtsorgan darstellt. Für Schariati ist das kein Problem, denn:

31. Die Gerechtigkeit ist nicht nur einer der wichtigsten Grundsätze dieser Religion, sie ist die beherrschende Idee und die Zielvorstellung aller Propheten.

Der wenig plausibel als Islamreformer gehandelte Denker versäumt, auf die Kleinigkeit hinzuweisen, dass Noah, Abraham, Moses und Jesus in der islamisierten Menschheitsgeschichte keine andere Rolle haben, als auf das Kommen des letzten Propheten und auf Allahgottes durch Mohammed verkündete Scharia hinzuweisen, die ihrem Anspruch nach alle anderen Lebensformen überwunden hat, welche damit, sofern nicht abgelegt, als frevelhaft gelten müssen und der Menschheit den Weg zum ewigen Heil versperren.

33. Nachdem der Aufgeklärte sich über all diese Dinge klargeworden ist, wird er hier und heute mit der Religion beginnen …

Das haben wir gleich befürchtet: aller Anfang ist die Religion, anfangen heißt mit der Religion anzufangen, wobei Religion natürlich die einzig richtige ist, die koranbasierte.

33, 34. Von der Religion muß er eine korrekte und unmittelbare Vorstellung haben, die den kulturellen Hintergrund mit einschließt.

Irgendwie müssen die vier verschiedenen sunnitischen Rechtsschulen ja erklärt werden und vor allem bedarf die prekäre Daseinsberechtigung der Schia der Verteidigung als Kultur. Daneben benutzt Schariati das simple Muster, dass es für jeden Demagogen oder auch Pädagogen darum gehen muss, die Klientel “da abzuholen, wo sie steht”, eine Sprache zu sprechen, die im Milieu verstanden wird, umso mehr, als dass die Basis nicht wissen muss, dass die Reise zum großen Islamofaschismus geht, zum Kalifat. Vor allen Dingen muss der Islamist mit den Frauen vorsichtig sein, damit diese die Lust am Aufbau der schariabasierten Gesellschaft nicht verlieren, sondern die ihnen von Allahgott aufgebürdeten, barbarischen Zwänge als “Gleichheit und Gerechtigkeit” (Schariati 30) erleben oder das jedenfalls erzählen.

34. Das Engagement des Aufgeklärten beginnt also mit der Wiederbelebung seiner erstarrten Gesellschaft durch einen islamischen Protestantismus, um … eine religiöse Renaissance einzuleiten, d. h. zu jener lebensbejahenden, dynamischen, kraftvollen und gerechten Religion zurückzufinden … und … durch Rückbesinnung auf die eigene Kultur eine Wiedergeburt seiner Kultur einzuleiten und die eigene menschliche, geschichtliche und soziale Identität gegenüber der westlichen Kultur wiederzufinden.

Auf die krampfhaft durchzuhaltende Unterscheidung zwischen islamischer Kultur und westlicher Kultur, die uns drei bis vier Jahrzehnte später bei Tariq Ramadan begegnet, kann Schariati als orthodoxer Muslim und Freund der Allahkratie und damit als Gegner der Gleichberechtigung der Nichtmuslime und der Frauen nicht verzichten.

35 [Dem Engagement der islamischen “Aufgeklärten” wird es zu verdanken sein,] die nachahmende, gleichgültige, unterwürfige religiöse Haltung der Menschen in einer kämpferische, offensive und kritische Protesthaltung umzuwandeln, … um auf diese Weise eine befreiende Bewegung zu entfesseln.

Es dürfte wenig Zweifel daran bestehen, dass die islamische “Bewegung” (Schariati) durch den aus seinem französischen Exil zurückkehrenden Chomeini erfolgreich “entfesselt” worden ist.

35 ich … kann … mir nur wünschen, dass die Aufgeklärten zum geläuterten Glauben zurückfinden

An jeden, der jetzt noch Schariati als modern und human verteidigt: War Chomeinis Glaube denn etwa nicht geläutert genug? Wieviel mehr “geläutert” soll es denn noch sein, bitte?

Jacques Auvergne

(1) Dem paradiesischen Massenmörder widmet die Blogbetreiberin den Titelvers. Chomeini-Verehrerin Meryem von »Meryems Welt« meint zu einem anderen bekannten Scharatitext: „Dieses Buch ist längst ein Klassiker, 1971 verfasst von Dr. Ali Schariati, also einige Jahre vor der Islamischen Revolution im Iran.“ Meryem hält es nicht für angebracht, sich von dem islamischen Terrorstaat der Teheraner Mullahs zu distanzieren, weshalb wir davon ausgehen können, dass sie die Revolution von 1979 also einen vollen Erfolg wertet.

Die leider radikalislamisch motivierte Blogbetreiberin lobt Schariati als einen idealistischen Frauenfreund und korantreuen Feministen: „Seine Kritik geht in die Richtung seiner Heimat, wo über die europäische moderne Frau nur berichtet wird, dass sie im Zuge der „sexuellen Revolution“ allzeit verfügbar wird, einzig an Mode und Kosmetik und anderen Äußerlichkeiten interessiert sei und nichts beitrage zum wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt. Das ist es, was der moderne Kolonialismus aus der iranischen Frau machen möchte. Die Aufforderung geht also dahin, sich am Vorbild Fatimas, a.s., zu orientieren, damit die Frau in der modernen islamischen Gesellschaft ihre neue, revolutionäre Rolle finden kann. Das Leben Fatimas, a.s., muss unter den iranischen Frauen bekannt werden, damit die Idee, sie sei nur ein hilfloses Opfer gewesen aus den Köpfen verschwindet.“

http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/2010/03/14/lekture-fatima-ist-fatima-von-dr-ali-schariati-wie-soll-die-islamische-frau-sein/

(2) Beim schariatreuen (radikalislamischen) Blog »muslime. glaubensinhalte im gesellschaftlichen kontext« titelt man am 15.08.2009 »Ein persischer Intellektueller, Denker und Reformer – Ali Schariati« und erkennt die sanfteste Variante der globalen islamischen Revolution: „Ali Schariati ist ein Intelektueller des 20 Jahrhunderts, geboren in Mezinan (Iran) 1933. Eine Persönlichkeit, die einen Muslim schildert, dessen Erscheinung die Welt näher zum Islam bringen will.“

http://muslime.wordpress.com/2009/08/15/ein-persischer-intellektueller-denker-und-reformer-ali-schariati/

(3) Beim Blog »Das klare Wort« der noch recht jungen Damen und Herren der Gemeinschaft »Grup Vaha« (Aysche Dix, Buenyaminumma, Havva Demiröz, Ethem Abdussamed, Sultan Ögüt), was auf Türkisch »Gruppe Oase« bedeutet, ist ein noch nicht ganz fehlerfrei Deutsch schreibende Demokratieaussteiger und korantreuer Jungrevolutionär am 27.06.2009 darum bemüht, im Beitrag »B. U. Schariati« Reklame für den gegenmodernen Denker zu machen, möge er künftig die Scharia verweigern und den säkularen Rechtsstaat bejahen:

„Ali Schariati ist ein Intelektueller des 20 Jahrhunderts, geboren in Mezinan (Iran) 1933. Eine Persönlichkeit, die einen Muslim schildert, dessen Erscheinung die Welt näher zum Islam bringen will. Dieser Mann ist ein Denker und Kritiker des Westens, des Kapitalismus, Leninismus und Marxismus. Er deutete in vielen seiner Reden, die er den emanzipierten Jungen Iranern vortrug, auf die Gefahren einer Zivilisierten von Habgier übermannten Welt, die die Nähe zur Religion und den Faden des Glückes mit dem Geld verbunden haben. … Die Gefahr, dass eine Gesellschaft, die sich nicht kennt und seine eigenen Werte verloren hat ist mit sich nicht zufrieden. Um glücklich zu sein muss der Mensch eine eigene Identität haben und zeigen das er da ist. Ali Schariati versuchte in vielen seiner Reden diesen Punkt den Menschen zu vermitteln. Religion ist ein Aspekt um sein Ich zu erlangen bzw. zu pflegen.“

http://grupvaha.wordpress.com/2009/06/27/ali-schariati/

Noch zum Blog »Das klare Wort« der »Grup Vaha«. Es ist schön und berührt mich, wenn junge Menschen Ziele haben, besonders, wenn diese Ziele von Ethik oder ernst empfundener persönlicher Religiosität bewegt sind. Wenn junge Menschen aus Nordrhein-Westfalen allerdings das weltweite Kalifat wollen und die Einführung der Scharia in Europa, ist mir das ungefähr so widerlich, als würden sie den Nationalsozialistischen Staat anstreben. Die fehlgeleiteten Blogbetreiber bekennen sich:

„Vaha Declaration: Wir fordern … Wir Jugendlichen sehen den Zustand der modernen Familie und sind ganz und gar nicht damit einverstanden. Wir sind der Meinung, dass sich die Lage und der Stellenwert der Familie in dieser Gesellschaft verändert werden muss und appellieren besonders an Muslimische Familien, wo doch der Koran immer wieder auf die Intuition Familie eingeht und versucht den Menschen klar zu machen wie wichtig die Familie für ein gesundes, intaktes Volk ist.“

Die deutsche muslimische Familie soll also nach der möglichst vollumfänglichen Scharia leben, ein Kurs, wie Yusuf al-Qaradawi ihn vorgibt. Ihr solltet dem Menschenbild und vor allem dem Frauenbild der Muslimbruderschaft und der Millî Görüş nicht hinterhertrotten.

„Wir wollen unseren Glauben ausleben ohne Beschränkungen und verweisen auf die Religionsfreiheit.“

Darauf verweisen wir auch, Polygamie oder die Verheiratung neunjähriger Mädchen ist nämlich mit Religionsfreiheit nicht gedeckt und in anderen die Angst vor der Höllenstrafe zu erwecken sollte Grup Vaha ebenso bleiben lassen wie die Verherrlichung des Hidschab. Der Islam kann in einem freiheitlichen Rechtsstaat nicht zur Gänze gelebt werden, da er eine eigene Staatlichkeit will und ein autonomes Rechtssystem darstellt. Der Islam von Scharia und Fiqh – und einen anderen organisierten Islam gibt es leider weltweit noch so gut wie gar nicht – ist durch Kulturrassismus, Frauenherabwürdigung und Frauenentrechtung sowie durch Indoktrination Minderjähriger mit dem Drohen von Höllenqualen gekennzeichnet. Nichtmuslime gelten als Menschen sittlich geringeren Wertes, Kopftuchverweigerinnen als Schlampen – ruft Grup Vaha dazu auf? Jeder darf in Deutschland an einen Engel glauben oder aber Allahgott für sich verwerfen, weil in der BRD Religionsfreiheit besteht, anders als in Saudi-Arabien oder im Iran.

„Wir setzten uns für die Integration ein, jedoch auf keinen Fall für die Assimilation. Unser Verständnis von Integration ist es nicht seine eigene Kultur abzulegen, sondern mit der hiesigen Gesellschaft zusammen zu arbeiten, sich gegenseitig zu respektieren anzuerkennen und voneinander zu lernen. Eine Integration kann unserer Meinung nach, nur dann funktionieren, wenn auf beiden Seiten, der hiesigen Gesellschaft und auch der emigrierten Respekt und Anerkennung herrscht. Wir betonen auch, dass der Islam keine Migranten Religion ist, sondern ein fest verwurzelter Teil Deutschlands ist. Wir verstehen uns weder als Türke, Araber, Kurde, Marokkaner… noch als Deutscher, sondern als Muslime, weil wir weder gefragt wurden, ob wir als Deutscher, Türke, Araber, Bosnier… geboren werden wollen, noch gefragt worden sind wo wir geboren werden wollen. Das ein zigste, dass wir als freie Menschen selber wählen durften war unsere Religion und unsere Lebensweise.“

Mit ähnlichen Worten treibt Recep Tayyip Erdoğan Deutschlands Türken in die abgeschottete und sich islamisierende Gegenkultur. Ihr wollt also keine Staatsbürger sein, sondern der Nation of Islam angehören, Muslime sein oder allenfalls Muslimstaatsbürger. Euer Kalifat könnt ihr nach Feierabend stundenweise und in begrenztem Rahmen zelebrieren, Peitschenhiebe (vierzig oder achtzig) für den Weintrinker dürft ihr aber auch dann nicht austeilen, obwohl Allahgott das vorschreibt. Ihr wollt leider immer noch die klassisch islamische Lebensweise nach der Scharia, das bedeutet für uns Staatsbürger: ihr wollt die Sezession und die Rechtsspaltung. Davon müsst ihr weg und euch in ein säkulares Verständnis des Muslim-Seins einüben. Religionsfreiheit umfasst beispielsweise, privat an ein Leben nach dem Tod zu glauben.

Am 30.04.2009 weisen die wie gesagt noch sehr jungen und hoffentlich lernbegeisterten Blogbetreiber auf die Vorläufigkeit der Vaha Declaration hin: „Sie soll weiter entwickelt werden. Wir bitten um Verbesserung und Vorschläge“, was wir soeben gerne getan haben.

http://grupvaha.wordpress.com/about/

(4) Der verschwörungstheoretische, antisemitische und an Chomeini orientierte Blog »Morgendämmerung« steht treu zu Ahmadinedschad („Präsident Ahmadinejad bekräftigte in seiner Rede: ‘Die Revolution ist noch nach 30 Jahren lebendig.’“) und kolportiert in »Hintergrund. Die islamische Revolution 1979 im Iran« das Gerücht, der iranische Geheimdienst hätte Ali Schariati ermordet.

http://morgendaemmerung.blogspot.com/2009/01/hintergrund-die-islamische-revolution.html

169. The Muslim Brotherhood ‘Project’

13. Juni 2010

الإخوان المسلمون

al-iḫwān al-muslimūn

Muslim Brotherhood

Muslimbruderschaft

Frères musulmans

»Das Projekt«

Die italienische Enklave auf Schweizer Territorium mit nur etwas mehr als 2.000 Einwohnern, Campione d’Italia, kurz Campione genannt, gehört zur Provinz Como, ist allseitig vom Schweizer Kanton Tessin umgeben und von Italien durch Berge und durch den Luganersee getrennt. Campione bot zwei einflussreichen radikalen Muslimen, dem aus Syrien stammenden Ali Ghaleb Himmat, den der UN-Sicherheitsrat zu den mutmaßlichen Unterstützern von Osama bin Laden rechnet, und dem 1931 in Ägypten geborenen Finanzstrategen der Muslimbruderschaft, Youssef Nada Unterschlupf und finanztechnisches Betätigungsfeld ihrer zwielichtigen »al-Taqva Bank« (at-taqwā, Gottesfurcht). Als Vorgänger von Ibrahim el-Zayat war Himmat zwischen 1973 und 2002 Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD), die als der deutsche Zweig der international tätigen Muslimbruderschaft angenommen werden sollte.

Das unter Verschluss gehaltene Programm der Muslimbruderschaft fand sich am 07.11.2001 bei einer antiterroristischen Razzia in der Villa des Herrn Nada, wurde gute zwei Jahrzehnte lang der Öffentlichkeit vorenthalten und ist selbst heute viel zu wenigen Menschen als »The Project« oder »Das Projekt« bekannt. Der folgende Text basiert auf französischen Übersetzung aus dem Arabischen, die Frau Rawdha Cammoun angefertigt hat und die bei Sylvain Besson (»La conquête de l’Occident: Le projet secret des Islamistes«, Paris: Le Seul, 2005, Seiten 193-205) erschien, Übertragung ins Deutsche unter Hinzufügung von erklärenden Anmerkungen [in eckigen Klammern] von Jacques Auvergne.

Im Namen des gnädigen und barmherzigen Allah,

Bericht S/5/100

01.12.1982

Dieser Bericht stellt die globale Herangehensweise einer international umzusetzenden Strategie für Islamische Politik vor. Dem Wesen seiner [schariatischen] Leitlinien gemäß und ihnen treu bleibend, sind die lokalen Anwendungen in den verschiedenen Weltregionen herauszuarbeiten. Zuallererst muss es uns dabei darum gehen, die jeweilige Ausgangssituation dieser Politik zu definieren, dann darum, die Charakteristik jedes Ausgangspunktes sowie die mit ihm verbundenen Vorgehensweisen zu beschreiben, schlussendlich können wir beispielhaft konkrete Arbeitsaufträge vorschlagen, mögen wir unter dem Schutze Allahs stehen.

Zur den [zwölf] Ausgangsbeschreibungen unseres anspruchsvollen Handelns:

Ausgangspunkt 1 – Kennen lernen der geographischen, politischen und sozialen Gegebenheiten der Weltregion beziehungsweise Region, Entwicklung einer wissenschaftlichen Vorgehensweise für Planung und Umsetzung.

Ausgangspunkt 2 – Gewährleistung der Arbeitsqualität.

Ausgangspunkt 3 – Gewährleistung der global vereinbarten Standards unserer Arbeit bei zugelassener hoher Flexibilität ihrer lokalen Anwendung.

Ausgangspunkt 4 – Nüchterne Gewährleistung des lebenslangen Lernens und der eigenen institutionellen Kompetenz bei aller Begeisterung für erfolgreiche politische Einzelkampagnen und die wichtige internationale Vernetzungsarbeit.

Ausgangspunkt 5 – Arbeit an der Errichtung des Islamischen Staates bei zeitgleichem Nutzbarmachen der regionalen politischen Schaltstellen durch eine im Sinne eines Winkelzuges zu verstehende einstweilige Zusammenarbeit mit diesen.

Ausgangspunkt 6 – Faire Zusammenarbeit mit [den bestehenden] islamischen Gruppen und Institutionen auf verschiedensten Gebieten bei einhelliger Verständigung mit diesen Bündnisgenossen im Sinne des effektiven und effizienten islamischen Prinzips von der »Zusammenarbeit in den Angelegenheiten der Übereinstimmung« bei »einstweiliger Übergehung aller Angelegenheiten der Nichtübereinstimmung«.

Ausgangspunkt 7 – Akzeptanz der auf Vorläufigkeit beruhenden Zusammenarbeit zwischen den islamischen Bewegungen einerseits und den auf dem jeweiligen Staatsgebiet einflussreichen Bewegungen andererseits in allen wichtigen Gebieten, etwa die Themenfelder Antikolonialistischer Kampf, Islamische Glaubensverkündung und Jüdischer Staat betreffend, ohne dabei notwendigerweise Allianzen aufzubauen. Das wiederum erfordert im Einzelfall begrenzte Kontakte zu gewissen führenden Persönlichkeiten, solange diese Kontakte nicht dem [Islamischen] Gesetz zuwiderlaufen.

Ausgangspunkt 8 – Die Kunst des Machbaren meisterlich beherrschen und dabei die Perspektive der Vorläufigkeit einüben und einüben lassen, ohne dabei die Prinzipien der [schariatischen] Basis jemals zu missbrauchen, im Bewusstsein, dass die Vorschriften Allahs jedem auferlegt sind. Ständiger Appell an die unbedingte Notwendigkeit der koranbasierten Hisba als der Standard, »das Rechte zu gebieten und das Unrechte zu verbieten«. Unbedingte Vermeidung einer offenen Konfrontation mit unserem Gegner, sei es auf regionaler oder auf globaler Ebene, solange diese unverhältnismäßig risikoreich ist und zu Angriffen gegen die Dawa (islamische Missionsarbeit) und die Mitarbeiter der Dawa führen könnte.

Ausgangspunkt 9 – Beständiger Aufbau der Einsatzkräfte der islamischen Mission (Dawa) und Unterstützung aller innerhalb der muslimischen Welt dem Dschihad verpflichteten Bewegungen, in unterschiedlichem Ausmaß und so umfangreich, wie gerade angebracht.

Ausgangspunkt 10 – Einsatz von unterschiedlichen Systemen der Nachrichtenübermittlung und der Überwachung, damit der weltweiten ISLAMISCHEN BEWEGUNG die Sicherstellung der Informationsbeschaffung und der Aufbau einer sachkundig-aktuellen und effizienten Kommunikation in jedem Arbeitsgebiet jederzeit garantiert ist.

Ausgangspunkt 11 – Nutzbarmachung der palästinensischen Sache sowohl in der Kultur der politischen Debatte als auch auf dem Umweg des Dschihad für den grundsätzlichen Plan der Islampolitik [als der weltweiten Islamisierung], denn sie ist der Schlüssel zum Erfolg der Renaissance der Arabischen Welt von heute.

Ausgangspunkt 12 – Erlernen der Anwendungen von Selbstevaluation und permanenter Auswertung der weltweiten Islamisierungspolitik hinsichtlich ihrer Ziele, ihres Inhalts und ihrer Arbeitstechniken, mit dem Ziel der beständigen Verbesserung, wie es gemäß den Vorgaben der Scharia Pflicht und Notwendigkeit ist.

Erster Ausgangspunkt

Kennen lernen der geographischen, politischen und sozialen Gegebenheiten der Region, Entwicklung einer wissenschaftlichen Vorgehensweise für Planung und Umsetzung.

Herausforderung

Kenntnis der beeinflussenden Faktoren in Politik, Wirtschaft und Kultur, handele es sich dabei um islamische Kräfte, gegnerische Kräfte oder neutrale Kräfte.

Zurückgreifen auf die notwendigen Werkzeuge aus Wissenschaft und Technik zu Bereichen wie Projektplanung, Organisation, Management und ähnliches.

Vorgehensweise

Einrichtung von Beobachtungszentren, um Informationen zu sammeln, sie unter Zuhilfenahme modernster Technik optimal zu speichern und aufzubereiten und um sie bei Bedarf jederzeit [den Befugten] zur Verfügung stellen zu können.

Aufbau von Bildungs- und Forschungszentren sowohl für Forschungszwecke im engeren Sinne als auch zur technischen Erstellung von Studien über die gesellschaftliche Situation und politische Wirksamkeit der Islamischen Bewegung.

Arbeitsauftrag

Erstellen einer Übersicht zu weltweit allen Ideologien der vergangenen hundert Jahre, auf deren Grundlage, und bei Berücksichtigung der vergangenen und der zu erwartenden Veränderungen, die heutige Situation [der Islamischen BEWEGUNG] analysiert werden kann.

Erstellen einer Übersicht zu den Lehrmeinungen der muslimischen Welt.

Erstellen einer Übersicht zu den islamischen Bewegungen der muslimischen Welt.

Fortdauernde Durchführung politischer und wissenschaftlicher Untersuchungen, die sich in besonderem Maße auf die Ereignisse der Gegenwart beziehen.

Durchführung und Nutzung einer wissenschaftlichen Studie zur Geschichte der heutigen islamischen Bewegungen.

Zweiter Ausgangspunkt

Gewährleistung der Arbeitsqualität.

Herausforderung

Öffentliche Verdeutlichung der Grundsätzen der Dawa und Verdeutlichung der zeitbezogenen Situation, beim Management der Ressourcen und Motivationen, die aufgefunden, kanalisiert und ausgerichtet werden müssen.

Jeder hat ein Mindestmaß an Anstrengung einzubringen, das einigende große Ziel im Blick.

Für alle Arbeiten ausreichend Zeit veranschlagen.

Hierfür Finanzmittel bereitstellen, so weit wie möglich.

Vorgehensweise

Die Mitarbeiter haben ihre Kräfte in den Dienst der Dawa zu stellen, jeder nach seinen Fähigkeiten (die Erzielung optimaler Wirksamkeit mag darin liegen, dass sich jeder in den Aufgabenbereich einbringt, der auf ihn zugeschnitten ist).

Mobilisierung der höchstmöglichen Anzahl von Mitstreitern und Verantwortlichen.

Heranziehung ausreichender Finanzmittel, Kontrolle ihrer Ausgaben und Investition im Sinne des allgemeinen [radikal islamischen] Interesses.

Arbeitsauftrag

Analyse der Fähigkeiten aller Mitstreiter (der richtige Mann am richtigen Platz).

Erstellen von Arbeitsplänen und genauen Dienstzeiten der Mitarbeiter und der Spezialisten im Sinne der besseren Steuerung und der reibungslosen Terminabsprache (rechter Einsatz im rechten Augenblick).

Dritter Ausgangspunkt

Gewährleistung der global vereinbarten Standards unserer Arbeit bei zugelassener hoher Flexibilität ihrer lokalen Anwendung.

Herausforderung

Definition der grundsätzlichen Leitlinien, denen jeder Folge leisten muss.

Dabei einen Spielraum belassen, damit regional und lokal, innerhalb der Grenzen der grundsätzlichen Leitlinien weltweiter Islampolitik, eine ausreichende Handlungsflexibilität sichergestellt ist.

Vorgehensweise

Mit globalem Blick definiert DIE BEWEGUNG die Arbeitsbereiche und Probleme von grundsätzlicher Bedeutung, welche den Einsatz von jedem erfordern und die in der vorab festgelegten Dringlichkeit anzugehen sind.

Auf Regionsebene sind, dem Grundsatz der Flexibilität, Geduld und einstweiligen Anpassung folgend, all die Fragen, die spezifisch ortsbezogene Bedeutung haben, in der vorab festgelegten Dringlichkeit anzugehen.

Arbeitsauftrag

Weltweiter Einsatz aller Muslime zur vollumfänglichen Befreiung Palästinas und zur Schaffung eines muslimischen Staates [auf dem Gebiet des dann überwundenen Staates Israel], eine Aufgabe, die der obersten weltweiten Führung obliegt.

Schaffung von Kulturen der Absprache auf regionaler und lokaler Ebene mit all jenen, die der politischen Welt-Leitlinie der BEWEGUNG folgen. Die Ausgestaltung dieser Gesprächskultur soll der Regionalführung und der Ortsgruppenführung überlassen sein.

Vierter Ausgangspunkt

Nüchterne Gewährleistung des lebenslangen Lernens und der eigenen institutionellen Kompetenz bei aller Begeisterung für erfolgreiche politische Einzelkampagnen und die wichtige internationale Vernetzungsarbeit.

Herausforderung

Es gilt der Grundsatz des freien Gestaltens im Sinne der Nutzbarmachung der im jeweiligen Staat gegebenen Umstände, soweit dieses und soweit die Meinungsbildung darüber nicht gegen die Scharia verstößt.

Jeder [Muslim] sei aufgefordert, an den parlamentarischen, stadtpolitischen und gewerkschaftlichen Prozessen und Beratungen teilzunehmen, soweit diese im Sinne des Islam und der Muslime tätig sind und durch die Bevölkerung gebilligt werden.

Weiterentwicklung der Ausbildung aller Individuen und Generationen bei Heranbildung einer Anzahl von Spezialisten auf verschiedenen Fachgebieten nach einem vorab erstellten Konzept.

Aufbau sozialer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Organisationen des Gesundheitswesens und Unterwanderung der Sozialen Dienste und Sozialarbeit, um mit der Bevölkerung möglichst breitflächig in Kontakt zu treten und ihr mit dem Werkzeug islamischer Institutionen dienlich zu sein.

Vorgehensweise

Analyse der politischen Situation im jeweiligen Staat und der Wahrscheinlichkeit des dortigen [islampolitischen] Erfolgs.

Vorbereitung des Aufbaus spezialisierter Bildungszentren wie Kommunikationswissenschaften, Islamische Geschichte und ähnliches.

Durchführung von Machbarkeitsstudien zu [unseren] verschiedenen Vorhaben und Anwendung derselben im Sinne der [von uns] in jedem Staat aufgestellten Prioritäten.

Arbeitsauftrag

Erstellen von Vergleichsstudien zu den bisher gewonnenen Erfahrungen zu Islamischer Politik, das Ziehen von Rückschlüssen dazu.

Abgabe einer islamischen politischen Stellungnahme zu dringenden Fragen.

Unterstützung der Fragen mit Ortsbezug, beispielsweise die Lage der Arbeitnehmer oder die Gewerkschaften betreffend durch einen Islamisches Beratergremium.

Schaffung einer gewissen Anzahl von Wirtschaftsinstituten sowie Sozial-, Gesundheits- und Bildungsverbänden, soweit die Möglichkeiten dazu gegeben sind, um der Bevölkerung mit dem Bereitstellen von islamischen Dienstleistungen zu helfen.

Fünfter Ausgangspunkt

Arbeit an der Errichtung des Islamischen Staates bei zeitgleichem Nutzbarmachen der regionalen politischen Schaltstellen durch eine im Sinne eines Winkelzuges zu verstehende einstweilige Zusammenarbeit mit diesen.

Herausforderung

Ausrichtung des Denkens, der Ausbildung und der Arbeit auf die Errichtung der Islamischen Herrschaft auf Erden.

Beeinflussung der lokalen und globalen Machtzentren im Sinne des Islam.

Vorgehensweise

Anfertigung einer wissenschaftlichen Machbarkeitsstudie zum Aufbau der HERRSCHAFT ALLAHS überall auf der Welt, im Einklang mit den aufgestellten Prioritäten.

Untersuchen der lokalen und globalen Machtzentren und der Möglichkeiten, sie [im Sinne des Islam] zu beeinflussen.

Durchführung einer modernen Studie über das Konzept der islamischen Dawa und über das Islamische Recht, Fokussierung aller unserer Energie auf diese, bei besonderer Berücksichtigung der einflussreichsten Persönlichkeiten im jeweiligen Staat.

Arbeitsauftrag

Redigieren einer ISLAMISCHEN VERFASSUNG im Lichte der bisher eindeutig erkennbaren Fortschritte.

Redigieren von Islamischen Gesetzesbüchern wie Islamischem Personenstands- und Islamischem Familienrecht usw.

Auswahl eines Ortes und Integration desselben in unsere Liste der Prioritäten mit dem Ziel, dort ein [islamisches] Entscheidungs- und Verwaltungszentrum zu errichten, Konzentration aller unserer Energie darauf.

Infiltrieren verschiedener Institutionen und Indienststellung derselben zum Zwecke der Islamisierung.

Dazu die spezialisierten Islamischen Institutionen (für Wirtschaft, Soziales usw.) heranziehen.

Sechster Ausgangspunkt

Faire Zusammenarbeit mit islamischen Gruppen und Institutionen auf verschiedensten Gebieten bei einhelliger Verständigung mit diesen Bündnisgenossen im Sinne des effektiven und effizienten islamischen Prinzips von der »Zusammenarbeit in den Angelegenheiten der Übereinstimmung« bei »einstweiliger Übergehung aller Angelegenheiten der Nichtübereinstimmung«.

Herausforderung

Einheitliches Koordinieren der gesamtislamischen oder weltislamischen Arbeit, um den Baugrund des Wachstums zu bereiten und um alles Handeln in den Dienst ALLAHS zu stellen.

Jeder arbeite ganz nach seinen Fähigkeiten und in einem Aufgabengebiet, das er frei gewählt hat und das er beherrscht, denn von Bedeutung sind nur seine Loyalität und die [zentrale, straffe] Koordinierung aller Fortschritte.

Vorgehensweise

Untersuchen der Wirksamkeit der [einzelnen] islamischen Bewegungen, [zentralislamische] Evaluation der dabei gewonnenen Erfahrungen, auf den Weg bringen von Koordinationsvereinbarungen zwischen den Verbänden.

Ernsthafte und vollständige Vermeidung der Installation eines neuen Islamverbandes auf dem Gebiet eines Staates, auf dem es ja bereits so und so viele (islamische) Bewegungen gibt.

Arbeitsauftrag

Koordinierung der Arbeit von allen, die sich dem Islam widmen, in jedem Staat, Initiieren einer gehaltvollen Begegnung zwischen diesen, handele es sich dabei um Individuen oder um Gruppen.

Verringerung der Abweichungen und Differenzen, die unter all diesen Mitstreitern der Islamischen Sache vorhanden sein mögen und Bewusstsein schaffen für die Pflicht, diese Konflikte nach Maßgabe der Scharia zu lösen.

Siebter Ausgangspunkt

Akzeptanz der auf Vorläufigkeit beruhenden Zusammenarbeit zwischen den islamischen Bewegungen und den auf dem jeweiligen Staatsgebiet einflussreichen Bewegungen in allen wichtigen Gebieten, etwa die Themenfelder Antikolonialistischer Kampf, Islamische Glaubensverkündung und Jüdischer Staat betreffend, ohne dabei notwendigerweise Allianzen aufzubauen. Das wiederum erfordert im Einzelfall begrenzte Kontakte zu gewissen führenden Persönlichkeiten, solange diese Kontakte nicht dem [Islamischen] Gesetz zuwiderlaufen.

Herausforderung

Vernetzung herbeiführen gegen die größtmöglichen Mächte des Bösen bei Anwendung des Prinzips »[für die gute, sprich islamische Sache] gegen das Böse mit einer etwas weniger bösen Waffe ankämpfen, das größere Übel mit dem kleineren Übel bekämpfen.«

Den Leitstellen oder einer begrenzten Zahl von Individuen weitgehende Gestaltungsfreiheit gewähren mit dem Ziel der Gewinnmaximierung und Risikominimierung.

Dergestalt arbeiten, um jene [unverhandelbaren] Ziele zu verwirklichen, die uns durch die [Pflicht zur] Dawa vorgegeben sind.

Vorgehensweise

Durchführung einer Untersuchung, um die Arbeitsfelder zu analysieren, auf denen die wechselseitige Unterstützung zwischen islamischen Bewegungen und anderen Bewegungen [für uns besonders befriedigend] stattgefunden hat, Ziehen der Rückschlüsse daraus.

Erforschen der Arbeitsfelder, auf denen eine Begegnung mit anderen [für uns Gewinn bringend] stattfinden könnte, Definition ihrer Außengrenzen.

Analyse des Denkens und der Planungen der anderen [gewerkschaftlichen, freiheitlich-demokratischen, menschenrechtlichen, bürgerrechtlichen und anderen potentiell antischariatischen] Bewegungen.

Arbeitsauftrag

Auf dem Gebiet jeder Nation oder Region sind alle Möglichkeiten zu erforschen, künftig unsere [islamische] interne Zusammenarbeit zu intensivieren.

Achter Ausgangspunkt

Die Kunst des Machbaren meisterlich beherrschen und dabei die Perspektive der Vorläufigkeit einüben und einüben lassen, ohne dabei jemals die [schariatischen] Prinzipien der Basis zu missbrauchen, im Bewusstsein, dass die Vorschriften Allahs jedem auferlegt sind. Ständiger Appell an die unbedingte Notwendigkeit der koranbasierten Hisba als der Standard, »das Rechte zu gebieten und das Unrechte zu verbieten«. Unbedingte Vermeidung einer offenen Konfrontation mit unserem Gegner, sei es auf regionaler oder auf globaler Ebene, solange diese unverhältnismäßig risikoreich ist und zu Angriffen gegen die Dawa (islamische Missionsarbeit) und die Mitarbeiter der Dawa führen könnte.

Herausforderung

Auswertungen vornehmen lassen zur Situation der Ausbildung der [muslimischen oder künftigen muslimischen] Individuen, ohne dabei der modernistischen Auffassung von Bildung und Ausbildung zu verfallen, die mit jener Realität [schließlich] nicht viel zu tun hat, die es an [schariafreundlichen, islamisierungsbegünstigenden] Flexibilität [nach wie vor leider] fehlen lässt und die [als hohes, islamgefährdendes Konfliktpotential] bereits durch einen einfachen Einwand oder durch eine nicht vorhandene Qualifikation zu schwerwiegenden Konflikten zwischen den [muslimischen oder künftigen muslimischen] Individuen führen kann.

Erstellung von wissenschaftlich fundierten Verlautbarungen, [jeweils etwa] als Podiumsdiskussion, Pressemitteilung oder in Buchform, welche wichtige Ereignisse beschreiben, die unsere Umma gegenwärtig erlebt.

Dabei gilt es zu vermeiden, dass die BEWEGUNG auf schwerwiegende Hindernisse stößt, die ihre [freiheitlich-demokratischen oder sonstigen islamkritischen] Gegner dazu ermutigt [beziehungsweise befähigt], ihr fatal zuzusetzen.

Vorgehensweise

Durchführung einer Studie zu den Erfahrungen der islamischen Bewegungen, um fatale Fehler [künftig] zu vermeiden.

Auswertung der Bildungs- und Ausbildungssituation der [muslimischen] Individuen, mit dem Bestreben, dass diese ebenso vorbildlich [schariatreu] wie wirklichkeitsnah denken und handeln mögen, dabei [also] stets eine ausreichende Flexibilität an den Tag legend, die es ermöglicht, die [uns feindselig gesonnene, da nicht schariakonforme] Wirklichkeit zu bewältigen.

Arbeitsauftrag

Auswertung der [islamischen] Anwerbe- und Einsteigerprogramme [für unsere jungen Muslime, nicht zuletzt gerade auch für die Konvertiten zum Islam], gründliche Nutzung der bisher gewonnenen Erfahrungen.

Befähigung der Individuen mit modernster Ausbildungsmethodik [um die künftigen Eliten der Muslime effektiv gegen die kulturelle Moderne arbeiten zu lassen und zu immunisieren].

Neunter Ausgangspunkt

Beständiger Aufbau der Einsatzkräfte der islamischen Mission Dawa und Unterstützung aller innerhalb der muslimischen Welt dem Dschihad verpflichteten Bewegungen, in unterschiedlichem Ausmaß, so umfangreich, wie gerade angebracht.

Herausforderung

Schutz der Islamischen Missionierungsarbeit der Dawa mit allen nötigen Mitteln [also bedarfsweise auch mit der Anwendung von Gewalt], um ihr lokale wie globale Sicherheit [und Wirksamkeit] zu garantieren.

[Unverzügliche] Kontaktaufnahme mit jeder neuen Bewegung, die sich, wo auch immer auf diesem Planeten, dem Dschihad widmet sowie mit weltweit allen muslimischen Minderheiten. Bereitstellung, soweit nötig, von [logistischen, finanziellen, juristischen usw.] Überbrückungen und Hilfestellungen für die Dschihadbewegungen und muslimischen Minoritäten, um umfassende Unterstützung zu gewährleisten und eine [dauerhafte, verlässliche] Zusammenarbeit aufzubauen.

In der Umma das Bewusstsein für den Dschihad wach halten [als die fallweise militärische, Nichtmuslime ermordende und das muslimische Seelenheil sichernde koranbasierte Kriegsführung].

Vorgehensweise

Aufbau eines [klandestinen, gewaltbereiten] Sicherheitsdienstes, um die Dawa und ihre Mitarbeiter lokal und global zu schützen.

Intensive Forschungen zu den Dschihadbewegungen [des Territoriums] der muslimischen Welt und den muslimischen Minderheiten [in der Dar al-Harb].

Arbeitsauftrag

Brückenbau zwischen den Bewegungen, die sich dem Dschihad in der Dar al-Islam widmen und zwischen den muslimischen Minderheiten [die in Frankreich, Deutschland, in den USA usw. schließlich eine milla, ein Religionsvolk darstellen].

Zehnter Ausgangspunkt

Einsatz von unterschiedlichen Systemen der Nachrichtenübermittlung und der Überwachung, damit der weltweiten Islamischen BEWEGUNG die Sicherstellung der Informationsbeschaffung und der Aufbau einer sachkundig-aktuellen und effizienten Kommunikation in jedem Arbeitsgebiet allzeit garantiert ist.

Herausforderung

[Weltislamische] Weichenstellung zum Thema der von Verlässlichkeit und Verständnis der Prioritäten gekennzeichneten Informationsbeschaffung.

Zielgenaue Setzung der weltislamischen Propaganda, um in der gebotenen [einschläfernden, letztlich widerspruchslosen] Ausführlichkeit und [islamfreundlich-repressiven] Akzentsetzung durch die Medien [auch der Ungläubigen] verbreitet zu werden.

Vorgehensweise

Aufbau eines hoch leistungsfähigen [dabei von außen intransparenten] Überwachungs- und Nachrichtendienstes.

Aufbau eines leistungsstarken Informationszentrums.

Arbeitsauftrag

Inkenntnissetzen der Muslime über die ihnen von außen drohenden Gefahren beziehungsweise Inkenntnissetzen der Muslime über die, ihrem Interesse zuwiderlaufenden, weltweit organisierten Verschwörungen [das Interesse der Muslime wird durch die humane Sittlichkeit und alleinige Heilssicherung der Scharia legitimiert, die Gefahren gehen von der kulturellen Moderne, der säkularen Demokratie und ihren naturgemäß islamfeindlich funktionierenden universellen Menschenrechten aus, und antiislamische Kampagnen sind bereits deshalb Hasskampagnen, weil Islam reine Liebe bedeutet].

Ausarbeitung einer Verlautbarung zu den [zentralen muslimischen] Fragen der Gegenwart und der Zukunft.

Elfter Ausgangspunkt

Nutzbarmachung der palästinensischen Sache, sowohl in der Kultur der politischen Debatte als auch auf dem Umweg des Dschihad, für den grundsätzlichen Plan der weltweiten Islamisierung, denn sie ist der Schlüssel zum Erfolg der Renaissance der Arabischen Welt von heute.

Herausforderung

Ausarbeitung einer islamisch begründeten Erklärung zu allen Angelegenheiten, Konfliktlösungen und benachbarten Problemen der palästinensischen Frage bei Rückbezug auf das Islamische Recht.

Vorbereitung einer Gemeinschaft der Gläubigen des Dschihad mit dem Ziel der Befreiung Palästinas. Man wird [im Erfolgsfall] den Weltislam, die Umma, aus dieser angeregten Dynamik heraus überall auf der Welt [in eine Richtung] führen können, die dem Ansinnen der islamischen BEWEGUNG entspricht, so Allah es will.

Erschaffen des Kristallisationskerns des Dschihad in Palästina, so bescheiden er [zu Beginn] auch sein möge, und Nähren desselben, auf dass diese Flamme, welche den einzig möglichen Weg der Befreiung Palästinas erhellen wird, am Leben erhalten werde bis zum Augenblick der Befreiung.

Vorgehensweise

Heranziehung ausreichender Quellen, um den Dschihad zu verwirklichen.

Erstellen einer Untersuchung zur Situation der Muslime und der Feinde im besetzten Palästina.

Arbeitsauftrag

Forschungen zu den Juden, jenen Feinden der Muslime und zu der Unterdrückung, die von diesen Feinden ausgeht und der unsere Brüder im besetzten Palästina ausgesetzt sind, anders als die [heuchlerischen] Sonntagspredigten [der jüdischerseits manipulierten westlichen Medien] es darstellen [anders, nämlich wahrheitsgemäß, sprich islamisch-revolutionär bzw. schariabasiert].

Kampf gegen das verzehrende Gefühl der Ohnmacht im Herzen der Umma, Zurückweisung der Scheinlösungen, welche die Verräter der islamischen Sache ausstreuen, Aufzeigen, dass die Versöhnung mit den Juden für unsere BEWEGUNG und ihren geschichtlichen Auftrag nicht in Frage kommt.

Erstellung von einer vergleichenden Studie zu den Kreuzzügen und zu Israel. Und der Sieg wird auf der Seite des Islam sein.

Aufbau von Zellen des Dschihad in Palästina, Unterstützung derselben, damit sie das ganze Palästina bedecken [und das zionistische Gebilde, den Staat Israel zerstören].

Schaffung eines Systems der Unterstützung zwischen den Mudschahidin in Palästina und jenen, die sich auf dem [islamischen bzw. bereits islamisch befreiten] Territorium befinden.

Nähren des Gefühls des Grolls und der Verbitterung gegenüber den Juden und Verweigerung jeglicher Zusammenarbeit mit ihnen.

Zwölfter Ausgangspunkt

Erlernen der Anwendungen von Selbstevaluation und permanenter Auswertung der weltweiten Islamisierungspolitik hinsichtlich ihrer Ziele, ihres Inhalts und ihrer Arbeitstechniken, mit dem Ziel der beständigen Verbesserung, wie es gemäß den Vorgaben der Scharia Pflicht und Notwendigkeit ist.

Herausforderung

Permanente Selbstevaluation, um die Klippen zu umschiffen.

Auf den Weg bringen einer permanenten, wissenschaftlich begründeten Evaluation, die es [uns als den monopolistischen Verwaltern des Weltislam] künftig ermöglichen soll, ein gutes Regieren und effizientes Management aufzubauen und beizubehalten.

Ein eindeutiges und vorrangiges Ziel muss es sein, aus der Anwendung der bislang gewonnenen Erfahrungen zur Verbesserung des weltislamischen Managements und seiner [schariabasierten] Leitlinien beizutragen.

Vorgehensweise

Analyse der bisherigen Praxis und Anwendung der dabei gewonnenen Erkenntnisse.

Anfrage bei allen [schariatreuen] Verantwortlichen in den einzelnen Staaten der Welt ebenso wie Anfrage bei den [muslimischen] Individuen in jedem Land, ihre Meinung zu den [hier] dargelegten Grundsätzen abzugeben, sei es die [in Aufbau oder Umbau befindlichen] Hierarchien, die [hier vorgeschlagenen] Methoden oder die bereits gewonnenen Untersuchungsergebnisse betreffend.

Arbeitsauftrag

Erstellung einer offiziellen Islampolitischen Erklärung [zum weltislamischen Management und seiner schariabasierten Leitlinien].

Ein Verpflichten aller [muslimischen] Staaten, Verantwortlichen und Individuen auf diese Erklärung der Islamischen Politik.

Anwendung dieser Islampolitik, jährliche Auswertung derselben und gegebenenfalls Nachkorrektur ihrer Leitlinien, Anweisungen und Handlungsempfehlungen [im Einklang mit der Scharia].

Aus dem Französischen ins Deutsche von Jacques Auvergne

Weiteres zum Thema

Die englische Übersetzung stammt von Scott Burgess (aus: »The Project«), hier veröffentlicht am 06.05.2006 bei »FrontPageMagazine«, wo Patrick Poole titelt: »The Muslim Brotherhood „Project“ (Continued)«

http://97.74.65.51/readArticle.aspx?ARTID=4475

Die wohl früheste komplette Übersetzung von »Das Projekt« ins Deutsche, Grundlage war der englische Text von Scott Burgess, findet sich auf der vom Arbeitskreis Religion und Menschenrechte ausgezeichnet gemachten und für die Islamkritik des deutschen Sprachraumes ganz wichtigen Seite »DER PROPHET DES ISLAM«, wo man unter dem entlehnten Titel »The Muslim Brotherhood „Project“« erläutert: „Das im Folgenden vorgestellte Dokument der Moslem Bruderschaft enthält eine detaillierte Strategie zur Unterwanderung der westlichen Gesellschaften und ihrer Institutionen. Die drei zentralen Begriffe der islamischen Expansionsstrategie haben wir schon kennen gelernt: Da’wa, Jihad und Sharia, sie finden sich selbstredend auch in diesem Dokument. Die in medinensischer Zeit von Allah gebotene Ausbreitung des Islam wird heute mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln fortgeführt.“

http://www.derprophet.info/anhaenge/brotherhood-project.htm

Dr. Eussner meint auf ihrer Homepage sehr treffend: „Hier ist der Ansatzpunkt zum Verständnis der Bestrebungen von Islamfunktionären wie Scheich Ahmad Badreddin Hassoun oder Bekir Alboga, einen Dialog mit Politikern und Vertretern der christlichen Kirchen zu führen. Es hat seitens der Islamfunktionäre nichts damit zu tun, ein friedliches Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen in Deutschland zu organisieren, sondern damit, sich dieser Personen zu bedienen, den Islam als politische Kraft in unserer Gesellschaft zu verankern.“

http://www.eussner.net/artikel_2008-03-21_19-25-15.html

Die Homepage von Gudrun Eussner. Zu unserem Durchblicken beim immer dichter werdenden politischen Nebel schlicht unverzichtbar. Als verlässliche islambezogene Informationsquelle wäre diese Homepage zur noch möglichen Bewahrung der freiheitlichen Demokratie geeignet. Aber vielleicht ist den Europäern das Kalifat mittlerweile attraktiver, dann halt ein paar Jahrhunderte Allahkratie und Polygamie, irgendwann danach wird man Vernunft und die Gleichberechtigung von Mann und Frau wieder entdecken.

www.eussner.net, Suchbegriff: Muslimbruderschaft

http://www.google.com/cse?cx=015237133797769547411%3Apobnm06mb5a&ie=UTF-8&q=Muslimbruderschaft&sa=Suche&siteurl=www.eussner.net%2F

168. Lamya Kaddor: Muslimisch, weiblich, deutsch

6. Juni 2010

تلمیح

talmīḥ

Allusion to a well known event, personality or story (1)

Anspielung

Sapienti sat. Augenzwinkern.

Lamya Kaddor und die Rhetorik der Allusion. Kaddors »Muslimisch, weiblich, deutsch! Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam« (C. H. Beck, München 2010) kritisiert von Jacques Auvergne

Unweit der Koblenzer Innenstadt, im Stadtwald südlich des Ortsteils Karthause, liegt der als Aussichtspunkt beliebte Rittersprung. Ein mittelalterlicher Galgenberg wenig unterhalb davon, in der Laubach, ist anzunehmen, religionskonformes und volkspädagogisches Erhängen entspricht aber ebenso wenig unserem heutigen Rechtssystem wie die eisenzeitliche Moorleiche oder das germanische Wergeld, auch wenn einige der deutschen zum Islam konvertierten Pädagogen das durch Legalisierung der Lapidation rechtsspaltend-postmodern („kultursensibel“) ändern wollen:

„Der Ehebruch“, weiß die kopftuchtragende Grundschullehrerin Eva-Maria el Shabassy, gottesfürchtige Ehefrau des Ägypters Omar, „ist ein Verbrechen wie der Mord. Die Strafe steht in der Scharia (2).“ Ja, freilich steht sie dort als ein nicht hinterfragbarer Befehl, die Steinigung. Glücklicherweise sieht die Mehrheit der Bundesbürger das noch etwas anders, und hoffentlich gibt die Pädagogin aus Aachen-Richterich das vor Regentropfen und Höllenflammen schützende Kopftuch jeden Tag vor Unterrichtsbeginn an der Garderobe des Lehrerzimmers ab, weil politische Werbung rund um staatliche Schulen und erst recht im Klassenzimmer unzulässig ist.

Lamya Kaddor ist mit dem zartbesaiteten Ḥamās-Versteher Thorsten Gerald Schneiders verheiratet, wie er es uns im Vorwort seines »Heute sprenge ich mich in die Luft – Suizidanschläge im israelisch-palästinensischen Konflikt« sagt (3). Politologe Schneiders arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an Deutschlands erstem Lehrstuhl für Religion des Islam am »Centrum für religiöse Studien« (CRS) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Wer ist Lamya Kaddor? Den Vornamen Lamya finde ich von der am 27.04.2005 auf ihrer Haustürschwelle ermordeten irakischen Parlamentsabgeordneten Lamiya Abed Khadawi abgesehen (genau eine Woche eher misslang ein Attentat, das dritte, auf den ihr politisch verbundenen Ayad Allawi, Iyād ʿAllāwī) häufiger in der Schreibweise Lamyaa, Laamyaa und Lamiaa. Er gehört nicht zu arabisch glitzernd oder strahlend (brilliant, lustrous, shining, radiant), das wäre Lāmiʿa, sondern bedeutet „Die mit den dunklen Lippen (of dark lips, dark lipped)“ – Lamiyāʾ. Kaddor indessen schreibt ihn auf ihrer Homepage in arabischen Buchstaben ohne ʾ, Hamza, als Lamiyā. Der Familienname Kaddor lässt sich, bis auf Lamya Kaddor höchstselbst, im Netz kaum irgendwo finden, Qaddoor oder Qaddour hingegen ist auch ein Jungen- und Männername mit der Bedeutung der Fähige (qaddūr, the Capable), gelegentlich als Nachname (al-Qaddoor, el-Qaddour) auch im Libanon und eben in Syrien; Kaddor als Familienname existiert selten in Marokko, einmal als Kaddoor im Libanon. Wäre statt Lamya also Lamiya gängiger und statt Kaddor ein Kaddur? Wie auch immer, Vor- wie Nachname der Lamya Kaddor, kunstsinnig zurechtgeschnitzt, bilden, zumal in ihrer Kombination, ein Markenzeichen mit Alleinstellungsmerkmal. Name hin, Name her, was wir natürlich in Erfahrung bringen wollen, ist ihre Ferne oder Nähe zu Vertretern der polyglotten Gegenmoderne in ihren längst kooperierenden drei Bewegungen JI bzw. Deobandi (urdu, englisch), Muslimbruderschaft (arabisch, englisch, französisch, bosnisch, deutsch) und Millî Görüş (türkisch, deutsch).

Lamya Kaddor gab gemeinsam dem Diplom-Sozialpädagogen und jetzigen Ehemann Thorsten Gerald Schneiders das Buch »Muslime im Rechtsstaat« heraus, in dem Fundamentalisten und Schariapolitiker wie Anas Schakfeh (IGGiÖ; wie Kaddor aus Syrien stammend), der das Kalifat erstrebende Ex-Botschafter Murad Wilfried Hofmann sowie der Murābiṭūn-Sektierer Abu Bakr Rieger (Herausgeber der Islamischen Zeitung) publizieren durften. Von Kritik an Hofmann oder an den dezidiert antimodernen Murābiṭūn fehlt jede Spur. Nicht fehlen durfte unter den Autoren der Kommunalwissenschaftler Prof. Dr. Janbernd Oebbecke, Senatsvorsitzender der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster und Verfahrensbevollmächtigter des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland und des Zentralrats der Muslime in Deutschland gegen das Land Nordrhein-Westfalen zum Streitgegenstand der Einführung eines bekennenden Islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen. Oebbecke lehrt Öffentliches Recht und Verwaltungslehre, im Jahre 2003 veröffentliche er sein »Das „islamische Kopftuch“ als Symbol« in »Kirche und Religion im sozialen Rechtsstaat«, Herausgeber war Stefan Muckel (4).

Muckel hielt am 07.05.2010 den Eröffnungsvortrag (»Zur Trennung von Religion und Politik im säkularisierten Verfassungsstaat – Grundlagen und aktuelle Fragestellungen«) an der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung in Brühl bei Köln, Teil eines dreitägigen Symposions, das die Bundeszentrale für politische Bildung als »Zukunftsforum Islam. Muslimische Religiosität, Staatsbürgerschaft und Partizipation« ausgerichtet hatte. Stefan Muckel fand nichts dabei, mit Chalid Durmosch (5) von der Berliner »Lichtjugend« (www.lichtjugend.de, Said-Nursi-Nachfolger um Levent Yükcü und den Konvertiten Andy Abbas Schulz) sowie der den angeblich spirituell ausgerichteten Iran verteidigenden schiitischen Theologin Hamideh Mohagheghi aufzutreten. Bernd Ridwan Bauknecht und Lamya Kaddor kommentierten in Brühl den Film »Allah im Klassenzimmer« (Ahmet Senyurt). Islamwissenschaftler Michael Kiefer, ein Schüler des Mathias Rohe, moderierte die Veranstaltung. Der in Bonn wohnhafte Bauknecht stammt aus Schwaben, konvertierte zum Islam und ist Ehemann einer Türkin, mit der er drei Kinder hat. Bauknecht ist Mitglied der 2010 von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) umstrukturierten und nach wie vor die Demokratie gefährdenden Deutschen Islam Konferenz (DIK) und arbeitet seit einem halben Jahrzehnt an Bonner Schulen als Lehrer für Islamkunde. An einer Hauptschule und an drei Grundschulen in Bad Godesberg, sozusagen im Schatten der wahhabitisch ausgerichteten König-Fahd-Akademie und teilweise mit eben den arabischsprachigen Kindern, die dort nicht länger unterrichtet (aufgehetzt) werden durften (6), will der tapfere Bauknecht den Islam demokratisieren oder auch umgekehrt (7).

Mouhanad Khorchide von der Uni Münster war am 07. Mai zugegen, hochschultechnisch so etwas wie der Ersatzmann für den gründlichen Islamwissenschaftler Sven Kalisch, leider wohl, anders als Ex-Muslim Kalisch, schariatreu.

Der renommierte Kölner Staatskirchenrechtler Muckel wirbt dafür, die Welt aus dem Blickwinkel Allahgottes und seiner Stellvertreter zu betrachten: „Eine Lösung der gesellschaftlichen und rechtlichen Probleme, die der Islam hierzulande aufgeworfen hat, kommt nicht ohne einen Perspektivenwechsel aus (8).“ Muckel scheint das mühselig genug verbotene Lehrerinnenkopftuch wieder herbeizusehnen: „Ein Kopftuchverbot könne nicht mit der staatlichen Neutralität begründet werden, da die Lehrerin an der öffentlichen Schule nicht nur den Staat repräsentiere, sondern juristisch auch für sich selbst stehe und, sofern sie das Kopftuch aus religiösen Gründen trage, im staatlichen Bereich berechtigt sei, ihre Grundrechte auszuüben (9).“

Ebenfalls bei Thorsten Gerald Schneiders (»Muslime im Rechtsstaat«) kam Wolf D. Ahmad Aries als Mitautor zum Zug. Aries ist wissenschaftlicher Beirat des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland und Vertreter des Islamrats als Mitglied im Beirat des CRS an der Münsteraner Uni. Der Oberstleutnant der Reserve ist Vorstandsmitglied der die Schariatisierung Deutschlands mit Elan und erstem Erfolg betreibenden Gesellschaft für Muslimische Sozial- und Geisteswissenschaftler (GMSG). Last but not least ist der Labour-Politiker und Peer im House of Lords, Lord Nazir Ahmed of Rotherham zu erwähnen (10), ein 1957 im pakistanischen Teil von Kaschmir geborener muslimischer britischer Funktionär, dem Thorsten Gerald Schneiders und Lamya Kaddor die Wortmeldung gerne gestatteten (11).

Kaddor hat also keine Probleme, mit dem weiteren Umfeld der Muslimbruderschaft über den Islam nachzudenken und könnte damit der im Jahre 1928 von Tariq Ramadans Großvater Ḥasan Aḥmad ʿAbd ar-Raḥmān al-Bannā gegründeten Bewegung ja vielleicht wohlwollend gegenüber stehen. Öffnen wir ihr neues Buch »Muslimisch, weiblich, deutsch! Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam«. Lamya Kaddor hat die Pädagogik der Zukunft im Blick und legt los:

10. Doch warum brauchen wir einen Gott?

In der BRD besteht Religionsfreiheit, das bedeutet, dass unsere Kinder, Geschwister, Nachbarn und Kollegen atheistischer, polytheistischer oder andersreligiöser Weltauffassung durch muslimische Glaubensfanatiker unbehelligt zu lassen sind und dass deutsche so genannte Muslime (eine Spezies Islam-Staatsbürger gibt es nur im Kalifat) den Islam verlassen können, ohne nach Allahgottes Gesetz ermordet zu werden. Stimmt, nach dreitägiger Bedenkzeit.

Der grausame, so genannte edle Koran gibt in 5:33 gibt den Befehl aus: „Dass jeder Kämpfer gegen Allahgott und seinen Propheten sowie jeder Verderbenstifter auf Erden umgebracht oder gekreuzigt werden muss oder eine Hand und einen Fuß verschiedener Körperseiten amputiert bekommt oder aus dem Land vertrieben wird: So wird ihre Erniedrigung in dieser Welt sein, und im Jenseits wird ihnen grausame Strafe zuteil. (12).”

Der berühmte persische Historiker Abū Ǧaʿfar Muḥammad bin Ǧarīr bin Yazīd aṭ-Ṭabarī (839 – 923) weiß in IX:82, dass „Der Prophet den Khalid mit einer Armee von 400 Kriegern gegen den Stamm Harith ausschickte und ihnen den Befehl zum Angriff gab, sofern sie der Einladung zum Islam nicht innerhalb von drei Tagen Folge leisten. Sollten sie sich unterwerfen, habe Khalid ihnen den Koran, die Sunna Mohammeds und die Erfordernisse des Islam zu lehren, lehnten sie jedoch ab, habe der Angriff ausgeführt zu werden (13).”

Doch warum braucht Kaddor so „einen Gott“? Geschickt legt sie den nichtmuslimischen Lesern nahe, so sie noch nicht gleich zum Islam konvertieren möchten, ihre Gottheit mit dem koranischen Allāh zu verschmelzen oder jedenfalls irgendwie auszusöhnen, womit das „warum brauchen wir einen Gott“ dem islambefördernden, postmodernen Fetisch namens „DER EINE GOTT“ [der Juden, Christen und Muslime] angeähnelt wird, das mit dem Ziel der Islamexpansion bei Deutschlands masochistisch sanften Kirchentagsmilieus und sadistisch grimmigen Sunniten oder Schiiten in Umlauf gebracht wird (14).

11. Was ist denn nun endgültig richtig oder falsch – wer außer Gott könnte jemals eine Antwort darauf geben?

Sehr geehrte Frau Kaddor, Sie fragen nach der zeitlichen Gültigkeit von Gesetzen. Die auf der Sechsmächtekonferenz (London, erste Jahreshälfte 1948) entstandenen und von den Westmächten den Deutschen überreichten Frankfurter Dokumente (I.G.-Farben-Haus, Frankfurt am 01.07.1948) sowie die Gespräche der elf Ministerpräsidenten bei der Rittersturz-Konferenz (Aussichtspunkt Rittersturz im Koblenzer Stadtwald, Koblenz-Karthause am 08.07.-10.07.1948 (15)) öffneten den Weg für das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (GG, Bonn am 23.05.1949). Dieses GG beruht auf den Standards der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (Paris 10.12.1948). Und damit ist die Frage nach der Gleichberechtigung des Nichtmuslimen, des Islamapostaten sowie die Frage nach der Gleichberechtigung von Mann und Frau für uns beide für heute beantwortet und für morgen gleich mit.

Die islampädagogisch und islamjuristisch geforderte Herabstufung der Frau ist von der Scharia zwar „endgültig“ (Kaddor) vorgesehen, aber mit den universellen Menschenrechten und der deutschen Verfassung nicht zu machen. Die Islamische „Bewegung“ (JI, MB, Millî Görüş) ist insofern ein paar Jahrzehnte (oder Jahrhunderte) zu spät gekommen und kann das differenziert diskriminierende soziale Gewebe namens al-islām in Europa nicht verwirklichen, weil Rechtssystem und Staat bereits vorhanden sind. Lamya Kaddor:

13. Viele Muslime leben nach Koran und Sunna. Sie nehmen ihre Religion als Regelwerk wahr, ohne zu wissen, woher die Gebote und Verbote stammen.

Ja woher stammen sie denn, die Gebote, doch nicht etwa von einem gewissen Allahgott?

Haben die vielen Muslime nun eine Wahrnehmungsstörung, dass sie ihre Religion als ein „Regelwerk“ (Kaddor) wahrnehmen? Und ist das jetzt schrecklich oder günstig, den Islam als ein „Regelwerk“ zu verstehen? Oder ein bisschen Regelwerk, nicht zuviel Regelwerk, aber auch nicht zuwenig? Und wer seine Scharia-Gelehrten nicht kennt, braucht nicht zu gehorchen, einstweilen jedenfalls? Kaddor streut die Mehrfachbotschaft und sphinxlächelt.

Das ist typisch für die gleichsam gastronomische Rhetorik der Küchenmeisterin Kaddor: genießerisch eine provokante Andeutung in den nach Islamerklärung hungernden Raum stellen und anschließend das (richtig) als strukturell fragmentiert eingeschätzte Publikum der weiteren Fragmentierung entgegen köcheln lassen. Es mag sich dann, Minuten oder Tage später, jeder selbst am Büffet bedienen, dir Muslim nehme gerne von der zunehmend schariatisch zubereiteten und mit ein wenig Kalifat gewürzten Speise, der Nichtmuslim möge in den Lobgesang vom friedlichen und frauenfreundlichen Islam einstimmen und möge die Lehrerin aus Dinslaken-Lohberg (vielleicht ja fehlerhaft) für an der Integration in die universellen Menschenrechte interessiert halten.

13. Doch wie viele Muslime wissen, was der Koran lehrt und welche Ethik er vertritt?

Ja was lehrt dieser geheimnisvolle Koran denn, doch nicht etwa, dass die Frau nur halb so viel erben darf wie der Mann und dass der Gehorsamsverweigerer im Feuer der Hölle brennt?

Kaddor lässt die Nichtmuslime im Glauben, ein großer Teil von Deutschlands Muslimen hätte vom Islam keine Ahnung. Die Außenperspektive und die Erkenntnis der misogynen und kulturrassistischen Anti-Ethik des Koran betreffend stimmt das sogar, aber die durchschaut nicht einmal Kaddor oder aber bevorzugt, mit derlei ideologischer Grundrechtswidrigkeit Karriere zu machen. „Wie viele Muslime wissen, was der Koran lehrt“, das können zehn Prozent sein, „wie viele Muslime“ können ebenso neunzig Prozent sein, frei nach Kaddor: „meine Damen und Herren lassen Sie uns mutig die genaue Frage stellen und nicht beantworten, wie viele Muslime, ja, exakt: wie viele?“

So argumentiert Kaddor seit Jahren – die Sphinx lächelt, und alle Zeitungen drucken das islambezogene Nebelwerfen ab. Unauffällig stilisiert sich Kaddor als Hüterin des islambezogenen Wissens, wer es jetzt noch wagt, Frau Kaddor zu widersprechen, kann den Islam nicht verstanden haben. Auch der Verlag C. H. Beck trägt so, sicherlich unbeabsichtigt, dazu bei, Kaddor die pädagogische, islamdidaktische und bildungspolitische Deutungshoheit zum Thema Islam zuzuschreiben. Ob Kaddor fundamentalistische oder antiemanzipatorische islamische Positionen vertritt oder begünstigt, steht nicht länger zur Debatte.

13. Schon die Namen der vier „rechtgeleiteten Kalifen“ kennen die wenigsten. Kaum jemand weiß, was den Islam tatsächlich ausmacht.

Das ist sehr praktisch, weil dann („kaum jemand“) auch Maryam Namazie, Taslima Nasreen, Jaya Gopal, Tilman Nagel oder Hans-Peter Raddatz nicht wissen können, was den Islam „tatsächlich“ (Kaddor) ausmacht.

Die Namen der vier Kalifen stehen in jedem Geschichtsbuch, hier zusätzlich auf türkisch:

Abū Bakr (Ebu Bekir), ʿUmar (Ömer), ʿUṯmān (Osman), ʿAlī (Ali). Wer mag, genauer:

ʿAbd Allāh Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq (Ebu Bekir es-Sıddık), ʿUmar bin al-Ḫaṭṭāb (Ömer ibn Hattab), ʿUṯmān bin ʿAffān (Osman bin Affan), ʿAlī bin Abī Ṭālib (Ali bin Ebu Talib).

Es mag stimmen, dass viele deutsche Muslime diese vier Namen nicht in jedem Augenblick nennen können. Die gottesfürchtige Arabischlehrerin Kaddor mag sich doch nun bitte ein Megaphon besorgen und die vier Kalifennamen auf einer mehrwöchigen deutschen Städte-Tournee stundenlang akzentfrei intonieren, damit wir Unwissenden mit ihr endlich auf Augenhöhe in den Dialog treten können.

Was wirklich interessant wäre, verschweigt uns Kaddor, dass nämlich Kalif Nummer 2 (durch den christlichen Sklaven eines prophetischen Gefährten), Kalif drei (durch Aufständische, möglicherweise unter Mitwirkung von ʿĀʾiša, Ṭalha und az-Zubayr) und sogar der vierte Kalif (charidschitisches Attentat durch den in der Moschee hinter dem Klifen betenden Abd ar-Rahman ibn Muldscham as-Sarimi) einem Mordanschlag zum Opfer fielen, immerhin 75 % der korrekt orientierten Statthalter, die bis heute übliche innerislamische Weise der Meinungsbildung vorwegnehmend.

Islampolitischer Mord statt friedlicher Machtwechsel. Einen anderen Islam gibt es nicht.

13. Hätte ich nicht Islamwissenschaften studiert, wäre ich genauso unwissend.

Die außergewöhnliche und wissende Kaddor hat islambezogenes Wissen. Wir Gewöhnlichen haben kein islambezogenes Wissen. Es gibt also die Elite der Islamkundigen und das Gros, das „unwissend“ (Kaddor) ist, vulgo doof. Die neuen Hohepriester des politischen Dialog-Kultes (Pöttering, Horst Köhler: „eine im Kern friedliche Religion“) haben das Recht, die Volksmasse zu führen, in ihrer Propaganda strukturell durchaus Stalins Politbüro-Kandidaten oder ZK-Sekretären ähnlich beziehungsweise den Reichsstatthaltern der deutschen Gleichschaltung.

Wenn es erst gelingt, den islamfreundlichen Baugrund eines totalitären (kapitalistisch-schariapolitischen) Weltanschauungsstaates zu befestigen, die Messbarkeit des Erfolges liegt hierbei in der Option, Erinnerungsfähigkeit und Denkfähigkeit der europäischen Islamkritiker unwidersprochen als „Ressentiments“ zu verunglimpfen und die gründlichsten Islamkritiker als gemeinschaftsschädlich darzustellen, mag irgendwann eine Bolschaja Tschistka (Большая чистка, Große Säuberung, 1937-38) gelingen.

Hält die im westfälischen Ahlen geborene Pädagogin die Herren al-Maudūdī und Chomeini für unwissend, haben Menschen wie Necmettin Erbakan, Nadeem Elyas, Rabeya Müller oder Oğuz Üçüncü (Generalsekretär der IGMG) den Islam denn so sehr falsch verstanden?

13. Wer weiß, was ein Analogieschluss ist, das für die praktischen Belange wichtigste Instrumentarium?

Frau Kaddor, hier gelten das Grundgesetz und die abgeleiteten Gesetze und Verordnungen, sehr wohl auch für meine und Ihre „praktischen Belange“.

„Wer weiß, was ein Analogieschluss ist?“ Deutschlands Exil-Iraner, Ex-Muslime oder Islamkritiker beispielsweise wissen das und kennen den Islam aus überwiegend leidvoller Erfahrung recht gut.

Wir wissen: Den Hanbaliten sind iǧmāʿ (Idschma, gelehriger Konsenus) und qiyās (Qiyas, schariabasiert-jenseitszentrierter Analogieschluss, bei Kaddor wahrheitswidrig „Analogieschluss“) gar nicht zugänglich, die drei anderen sunnitischen Rechtsschulen gestatten allenfalls den ʿulamāʾ (Sg. ʿālim) den iǧtihād, das autonome Interpretieren von Koran und Sunna innerhalb der schariatischen Bahnen, und ob iǧtihād (Idschtihad) nach dem Jahre 1000 oder 1200 überhaupt noch zulässig ist, wissen die Götter, die Muslime jedenfalls wissen es nicht. Nur: Dass sie den iǧtihād betreibenden Welterklärern gehorsamspflichtig wären, DAS wissen sie und dazu erzieht auch Lamya Kaddor Deutschlands „muslimische“ Minderjährige. Tatsache ist, dass jeder qiyās (Kaddor: „Analogieschluss“) nur in den Grenzen der Scharia gefällt werden könnte bzw. kann, und die verletzen die Grenzen der weltweiten, unteilbaren Menschenrechte ebenso eindeutig wie sie mit der deutschen Verfassung kollidieren.

Will die andeutungsvoll parlierende Kaddor behaupten, ein ʿālim zu sein? Bei wem hat sie eigentlich studiert, wie Michael Kiefer beim Erlangener Juristen Mathias Rohe („In Deutschland wenden wir jeden Tag die Scharia an“, „Das islamische Recht ist auch ein Recht“), beim „Islamologen“ Amir Zaidan (Kamel-Fatwa vom 07.01.1998) oder gleich an der Kairoer Azhar bzw. bei den saudischen Wahhabiten? Wie viele Semester hat Kaddor dort (wo auch immer) studiert, wie erfolgreich, mit welchem Abschluss? Wann endlich dürfen wir ihre Abschlussarbeit lesen? Beansprucht Kaddor gar, den islamrechtlich verbindlichen Analogieschluss durchführen zu dürfen?

Wer bitte ist denn nun weisungsberechtigt, Mustafa Cerić (ECFR) vielleicht? Und wer muss gehorchen, etwa die „zu muslimisierenden“ Schülerinnen und Schüler in Kaddors Religionsunterricht? Was geschieht dann mit den Gehorsamsverweigerern der demnächst (mit oder ohne Idschma bzw. Qiyas) ausgegebenen religiösen Befehle durch Autoritäten wie al-Qaraḍāwī, Üçüncü oder Cerić?

14. Die größte Herausforderung … lässt sich in die Formel fassen: Islam und 21. Jahrhundert = ?

O Allāh, deine Scharia ist erhaben und zweifelsohne ein Fragezeichen.

Da ist es wieder: dieses große sozialpolitische Rätsel namens al-islām, und Kaddor zeigt mit dem Finger todesmutig darauf. Man möge der gottesfürchtigen Fragezeichenfinderin jetzt doch rasch ein Bundesverdienstkreuz verleihen oder auch zwei. Das ist ja bahnbrechend für die Pädagogik am Beginn des neuen Jahrhunderts, Kaddor befragt die Menschheit nach dem Islam.

G-l-e-i-c-h F-r-a-g-e-z-e-i-c-h-e-n da muss man erst einmal drauf kommen. Vergessen Sie Albert Einstein und sein e = mc zum Quadrat, nein, Lamya Kaddor fand die Weltformel » i = ? «

Der Rechtsstaat zittert mit, ganz Deutschland ist aus dem Häuschen. Genug der Witzelei, es reicht schließlich, dass die Schariafreunde die freiheitliche Lebensweise ironisieren – bei zunehmendem Fragezeichen (al-islām) wird vom Rechtsstaat nichts übrig bleiben.

14. Dennoch ist die Aufgabe noch nicht gelöst worden. Niemand hat Interesse daran.

Kaddor rettet alle diese desinteressierten deutschen und europäischen Muslime. Kaddor interessiert sich, sonst mach das ja „niemand“ (Kaddor). Lieber Verlag C. H. Beck: Hätte man Kaddors Buch nicht einmal Korrektur lesen sollen auf verlegerische Standard-Kriterien wie Verfassungstreue, Faktennähe und vermiedene Hochstapelei?

15. Keine Frau sitzt im europäischen oder internationalen Muslimrat.

Welches Gremium meint die Dame, europäisch doch nicht etwa das gegenmoderne und frauenfeindliche European Council for Fatwa and Research (ECFR, Dublin) oder die der gewaltbereiten Muslimbruderschaft nahe stehende Federation of Islamic Organisations in Europe (FIOE, Brüssel), weltweit doch nicht etwa die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) mit ihrer Kairoer Menschenrechtserklärung aus dem Jahre 1990, in der alle Menschenrechte der seit al-Ġazālī alle Lebensbereiche umfassenden und unveränderbaren, frauendiskriminierenden und faschistoiden Scharia nachgeordnet sind? Empfiehlt Kaddor Deutschlands und Europas muslimischen Frauen, sich in OIC und ECFR beziehungsweise FIOE „einzubringen“, wie das in der Sprache der alten Achtundsechziger so schön heißt?

16. Zum frühen Islam gehört eine Reihe von einflussreichen und selbstbewussten Denkerinnen … zu den bekanntesten … gehört Aischa

ʿĀʾiša bint Abī Bakr (Aişe bint Ebu Bekir) wurde vom Propheten als Sechsjährige geehelicht und Mohammed vollzog die Ehe mit ihr, als sie neun Jahre alt war. Die Muslimische Jugend Deutschlands (MJD) billigt und erläutert den prophetischen Geschlechtsverkehr mit der Kindbraut:

„´A’ischa war für ihr Alter körperlich reif, da die Frauen in warmen Ländern frühzeitig körperlich wuchsen. Die jungen Frauen wurden damals im jungen Alter verheiratet … Auch die Tochter von Hujai Ibn Al-Achtab, jüdischer Abstammung, wurde im Alter von 11 Jahren verheiratet (16).“

Die MJD meint Ṣafīya, die Tochter (bint) des Ḥuyaiy aus dem jüdischen Stamm der Banū n-Naḍīr, deren männliche Angehörige durch die Allahfreunde umgebracht wurden und die Frauen und Kinder versklavt. Ein anderer einflussreicher Stamm von Juden aus Yathrib nachmals Medina, die Banū Quraiẓa, sind bis auf zwei oder drei Konvertiten zum Islam ausgerottet worden, das sind 400 oder 900 Ermordete. Mohammeds Gefolgschaft ist eben keine „im Kern friedliche Religion“.

Der höchste saudische Scheich, Āl aš-Šayḫ, erklärt die Ehe und Lebensweise der ʿĀʾiša als vorbildlich und gestattet es jedem männlichen Muslimen, zwölf- oder zehnjährige Mädchen zur Braut und damit zum Schwängern ins islamisierte eheliche Bett zu nehmen (17).

Lamya Kaddor kennt das Prinzip Kindbraut, in Griechenland ist es anerkanntes Recht und dort werden in der Region Komotiní Elfjährige verheiratet und geschwängert. Aus dem rheinischen Düsseldorf werden dieselben zwölfjährigen schwangeren „muslimischen Ehefrauen“ wenig später nach Héllas zurückverfrachtet. Dosiert und befristet ist man im Rheinland erschrocken: „Ein Skandal“, nennt das voller Empörung Diana Goldermann-Wolf vom Kinderschutzbund. „Staatlich geförderter Kindesmissbrauch – so etwas darf es in Europa nicht geben und verstößt auch gegen die UN-Kinderrechts-Konvention (18)“.

Auf 204 Buchseiten verliert Frau Kaddor keine Silbe zum islamischen Verheiraten kleiner Mädchen. Offensichtlich ist der islamischen Religionspädagogin anderes von größerer Wichtigkeit, etwa, für das Recht der deutschen Muslima auf Haarbedeckung, Ganzkörperumhang und Gesichtsschleier zu werben.

17. Der arabische Begriff fitna entstammt dem Bereich des islamischen Rechts

Seit neun Jahrhunderten ist jeder arabische oder anderssprachige Begriff vom „Bereich“ (Kaddor) der Scharia geschluckt worden. Mit al-fitna, feindselige Zerspaltung der Gemeinschaft der Muslime, ist gleichermaßen Liebreiz wie Erregung öffentlichen Ärgernisses oder Volksverhetzung gemeint, weibliche Enthemmtheit ebenso wie der unmittelbar bevorstehende Zusammenbruch der staatlichen Ordnung. Säkular denkende Menschen – also auch säkulare Muslime – sollten den hoch politischen männlichen Machtanspruch auf Kontrolle der weiblichen Sexualität, sollten die den weiblichen Körper obszönisierende und das feminine Genital politisierende Pflichtenlehre der Scharia als totalitär und gegenmodern benennen.

Bemerkenswert verschwommen beklagt Lamya Kaddor die seit Jahrhunderten übliche muslimische Frauenfeindlichkeit, konstruiert mühselig einen makellosen und geschlechtergerechten Ur-Islam und eine immer wieder in einer Art von Selbstheilung hervorbrechende islamische Frauenfreundlichkeit. Was natürlich wahrheitswidrig ist, denn die vieldimensional durchdachte Herabsetzung der Frau ist bereits im Koran klar angeordnet und in die Normen- und Pflichtenlehre der Scharia sowie in die Spruchrechtpraxis des Fiqh eingegangen.

Im Einklang mit der islamischen Orthodoxie zeigt Kaddor andererseits und wenig plausibel großes Interesse daran, den Frauenleib differenziert andersartig aufzuladen als den Männerkörper, denn der Mann soll sein Haupthaar schließlich nicht bedecken. Womit weibliches Kopfhaar zum Schamhaar wird und das Kopftuch zum Politikum.

Feridun Zaimoğlu, den Kaddor sehr schätzt, bezeichnet den ḥiǧāb und das Schleiersubstitut des Kopftuches islamkonsequent als „Schamtuch (19)“.

Bei allem Grübeln über die altarabisch-stammeskulturelle Aufspaltungs-Phobie der fitna hätten wir beinahe übersehen, was Lamya Kaddor uns trickreich unauffällig in die Debatte gemogelt hat: die jenseitszentrierte und sexualmagisch ansetzende Rechtssprechung, die islamische Justiz („entstammt dem Bereich des islamischen Rechts“). Nein Frau Kaddor, hier besteht bereits eine Rechtsordnung, wir brauchen keine zweite.

20. [Deutschlands muslimische] Schülerinnen und Schüler … Auch scheinen sie sich nicht vorstellen zu können, dass es im Islam jenseits des Regelwerks auch noch etwas anderes gibt: Ethik, Spiritualität, Glaubensfreude.

„Jenseits“ (Kaddor) dessen also, was erst einmal zu befolgen ist, jenseits des „Regelwerks“ (Kaddor). Lamya Kaddor fordert die so genannten muslimischen Schülerinnen und Schüler dazu auf, Allahs „Regelwerk“ einzuhalten, das heißt: der Scharia Folge zu leisten. Anschließend oder außerhalb davon mögen die jungen Menschen dann gefälligst gerne auch jede Menge „Glaubensfreude“ (Kaddor) spüren.

Was für ein Regelwerk könnte Kaddor sonst meinen, wenn nicht jene menschenrechtswidrige Pflichtenlehre, zu der al-Maudūdī, al-Qaraḍāwī und Necmettin Erbakan aufrufen? Kaddor schweigt, wenn auch nicht weise so doch wissend, ernennt sich zum Gründungsmitglied einer angeblich existierenden Organisation namens „Verein der LehrerInnnen für Islamkunde in deutscher Sprache in NRW“ deren erste Vorsitzende auf den Namen Lamya Kaddor hört, setzt ein Sphinxlächeln auf und lässt sich von Norbert Lammert (CDU, MdB, Bundestagspräsident) mit einem bombastisch sinnfreien: „Tatsächlich ist das Problem von Migration und Integration in Deutschland nicht, dass wir zu viel Zuwanderung, sondern dass wir zu wenig Einbürgerung haben“ für eben dieses Buch loben, das wir gerade fassungslos in den Händen halten (20).

Wie die Bundesrepublik Deutschland die Grundrechtswidrigkeit des orthodoxen Islam und der Scharia durch großzügige Austeilung von Aufenthaltsbewilligungen und Personalausweisen abbauen möchte, behält Norbert Lammert (Bundestags-Wahlkreis Nummer 141, Bochum: Bochum-Mitte, Wattenscheid, Süd und Südwest) allerdings einstweilen für sich. Man bemerke: hauptberufliche Islambeschwichtiger sind Geheimnisträger, denn der Präsident des Deutschen Bundestags tut kund: „Was ich gehört habe, behalte ich dagegen meist für mich (21).“

Man könnte leicht übersehen, dass die muslimische Religionspädagogin es vermieden hat, etwas zur „Ethik“ des Islam beziehungsweise zu ihrer persönlichen islamischen Ethik zu sagen.

22. Gäbe es einen „deutschen Islam“, … einen „amerikanischen Islam … würde die muslimische Gemeinschaft erneut gespalten, nämlich entlang nationaler Grenzen. Das Zusammenleben würde weiter erschwert leben.

Dass der organisierte Islam eine Phobie vor fitna hat, vor der Zerspaltung, hat sich herumgesprochen. Wer aber nach Kaddor mit wem das „Zusammenleben“ (Kaddor) in erster Linie pflegen soll, sind die amerikanischen Muslime und die deutschen Muslime, wohingegen gründliche Pädagogik oder Soziale Arbeit darauf Wert legt, dass die deutschen so genannten Muslime mit den deutschen so genannten Nichtmuslimen zusammenleben.

Oder zielt Kaddor gar nicht auf ein Zusammenleben als säkulare Staatsbürger, sondern auf ein Nebeneinanderherleben einer Mehrzahl von Glaubensnationen auf dem einen BRD-Territorium?

22 – 23. Es ist in Deutschland nur bedingt möglich, mit Kopftuch eine adäquate Arbeitssstelle zu erhalten

In der Tat ist das Lehrerinnenkopftuch in der Bundesrepublik Deutschland in vielen Bundesländern verboten und das ist auch gut so.

Lamya Kaddor will das nordrhein-westfälische und niedersächsische Lehrerinnenkopftuchverbot kippen, darüber hinaus sollen nach Kaddor Frauen überall im Arbeitsleben ihren Körper mit der islamischen Kleidung (ḥiǧāb, persisch pardā) „bedecken“ dürfen.

Nach der Doktrin der Bedeckung (ḥiǧāb) des weiblichen Körpers bei entsprechend durchgesetzter Segregation des Öffentlichen Raums in männlich-weiblicher Sphärentrennung (ebenfalls genannt ḥiǧāb) richtet sich Kaddors Forderung auch auf die in Saudi-Arabien den Frauen zwingend vorgeschriebene ʿabāya beziehungsweise auf die Burka (burquʿ) mit oder ohne niqāb (Gesichtsschleier).

26. Die Medien erwecken – gelegentlich unbewusst – den Eindruck, als zwinge der muslimische Glaube dazu, die Frauen und Mädchen zu unterdrücken, ihnen das Kopftuch aufzuzwingen oder die Scharia über das Grundgesetz zu stellen.

Der Schleier nämlich muss unzweifelhaft „freiwillig“ getragen werden, um bei Allahgott die maximale Anzahl an anrechenbaren ḥasanāt hervorzurufen. Ḥasanāt sind die mechanistisch gedachten Pluspunkte bei Allah, „individuell“ zu sammeln und seelenrettend.

Die Scharia ist auch für Frau Kaddor die sittlich höchststehende Werteordnung und Lebensweise. Kaddor ironisiert damit die von Menschen gemachten Gesetze mit wissendem Lächeln.

26, 27. Eine Flut von Büchern zum Islam verfestigt den negativen Eindruck.

Wohl wahr, je mehr islambezogenes Wissen, desto schlechter der Eindruck.

26, 27. Eine Flut von Büchern zum Islam verfestigt den negativen Eindruck. Zwar gibt es erfreulich viele gute Sachbücher rund um den Islam, aber andererseits auch zahlreiche fragwürdige Schriften selbsternannter „Islamexperten“. … mit Titeln wie … „Die Schuld, eine Frau zu sein“ … „Mundtot. Ich war die Frau eines Gotteskriegers“.

Welche Werke empfehlenswert sind, teilt uns Kaddor hier leider nicht mit, weshalb wir auf ihr Literaturverzeichnis auf Seite 205 – 206 zurückgreifen dürfen: Navid Kermani, Mathias Rohe, Thorsten Gerald Schneiders. Das Dreigestirn der Islamisierung Deutschlands, der Schariatisierung von Literaturbetrieb, Rechtssprechung und Sozialpädagogik. Unter „Tipps zum Weiterlesen finden sich ferner Gudrun Krämer (Geschichte des Islam, München 2008) und Annemarie Schimmel (Mystische Dimensionen des Islam, Frankfurt 2009) sowie „Der Koran für Kinder und Erwachsene. Übersetzt und erläutert von Lamya Kaddor und Rabeya Müller, 2. Aufl., München 2008“.

Schariaanwender und Rechtsverdoppler Mathias Rohe tut kund:

„In Deutschland wenden wir jeden Tag die Scharia an“, und: „Das islamische Recht ist auch ein Recht.“

Das durch Kaddor ohne Begründung verworfene »Die Schuld, eine Frau zu sein« enthält die grausame und unvergessliche Geschichte der jungen Pakistanerin Mukhtar Mai, die auf Beschluss des Stammesrates von vier Männern vergewaltigt wurde und anschließend die „Frechheit“ besaß, diese familiäre Schande nicht durch ihren Selbstmord zu reinigen, sondern für den Aufbau einer Mädchenschule im Dorf zu kämpfen. Bei Droemer/Knaur (2006).

In »Mundtot. Ich war die Frau eines Gotteskriegers« erzählt eine anonymisierte „Doris Glück“, wie sie 1994 ihren Beruf als Kosmetikvertreterin aufgab, um mit ihrem radikalislamisch inspirierten Mann in den Dschihad nach Bosnien zu ziehen. Als ein Kameramann verstand sich ihr Ehemann als muğtāhid, Allahkrieger. Eines seiner Werbevideos war eine Hinrichtung, die er filmend mit einem kaltschnäuzigen und sadistischen „allāhu akbar“ kommentierte, was „Allahgott ist größer als alles Andere, Allahgott ist unvergleichlich groß“ bedeutet und die irdische Gewaltanwendung ganz offensichtlich rechtfertigt. Doris Glück war schockiert, verließ ihn jedoch noch nicht einmal, als er mit einer Zweitfrau nach Saudi-Arabien reiste. Bei List (2004).

Exkurs: Islam ist spannend, macht blind und säubert.

Der Kosmos im Islam regt auf, erregt: „Der Preis ist heiß“, Allah könnte dir oder mir gnädig sein, oder es könnte Brutalität aus seinem gefälligst unsichtbaren Gesicht blitzen. Allahs Zuwendung flimmert dir in Zorn und Barmherzigkeit entgegen, wie ein sehr schnell bewegtes Wackelbildchen. Dem äußeren Anschein jedenfalls ist, wie zu Allahgott, so gegenüber der Welt, niemals zu trauen, und die Wackelbildchen betreffend mag man sich an den »Atlas der Schöpfung« erinnern, den Evolutionsleugner Harun Yahya (Adnan Oktar) kostenlos an staatliche deutsche Schulen etwa im Großraum Köln verteilt hat (22).

Umweltbildnerisch geschulte Islamkritiker werden wissen, dass die sehr weitgehend verinnerlichte beziehungsweise umfangreich andressierte Scharia eine Herabwürdigung des Sehsinnes gegenüber dem Gehör nach sich zieht, die bei besonders eifrigen Koranschülern eine Bewusstseinsveränderung zeitigt, welche der Spaltung in rechte und linke Körperhälfte beziehungsweise in den männlichen (himmlischen) und weiblichen (teuflischen) Archetyp vollendet entspricht und die Menschen hierarchisiert. Wer dem Konzept nicht folgt, greift Allah an und hat kein Recht auf Leben, ein islamogener Kulturrassismus, der so weit gehen kann wie beim US-amerikanischen wahhabitischen Studenten Abdulsalam S. al-Zahrani, der mit seiner geplanten Dissertation »Sacred Voice, Profane Sight: The Senses, Cosmology, and Epistemology in Early Arabic Culture«, was wir als »Heilssichernde Akustik, trügerische Optik. Sinneswahrnehmung, Kosmologie und Erkenntnistheorie der frühislamischen Epoche« übersetzen dürfen. Intensiv hatte al-Zahrani, dessen Verwandtschaft mehrere bewusstseinsklare Dschihadisten umfasst, über die Distanz zwischen dem missachtenswerten Sehen und dem beachtenswerten Hören in der islamischen Doktrin der Weltwahrnehmung geforscht, bevor er am 04.12.2009 im Universitätsgebäude von Binghamton (NY) seinen als Nahost-, Scharia- und Fundamentalismusforscher berühmten, 77-jährigen Professor Richard T. Antoun mit einem Messer tötete (23).

Herr al-Zahrani folgte – völlig schuldhaft und wohldurchdacht – der „sacred voice“, der Stimme Allahgottes, und brachte die satanisch verunreinigte „profane sight“ durch Beseitigung des optischen Störfaktors und Trugbildes, des rational denkenden Islamwissenschaftlers, in Übereinstimmung mit der Harmonie und Grenzsetzung des Islam in Ordnung, ähnelte das Universitätsgelände heilssichernd der koranischen Geometrie an.

Ziel der ḥisba ist die Beseitigung islambezogenen Wissens. Professor Antoun wusste zu viel über die Scharia, ohne dass er sie unterwürfig lobte.

28. Auch das Internet spielt bei der Meinungsmache … eine Rolle

Was ist jetzt schlechter, die globale Kommunikation autonomer säkularer Bürger oder die von Kaddor als Meinungsmache diskreditierte Meinungsbildung der Islamkritiker?

28. Auch das Internet spielt bei der Meinungsmache gegen den Islam eine Rolle. Noch nie gab es so viele Blogs, Foren und Internetseiten zum Thema Islam und Muslime. Was da zum Teil verbreitet wird, ist unerträglich und juristisch höchst bedenklich.

Zum Islam also besser schweigen und lächeln. Meint Lamya Kaddor („Internetseiten … unerträglich … bedenklich“) eher IRIB, IslamOnline, Eslam, Enfal oder Einladung zum Paradies?

28. Internet. … Nicht selten werde ich als „getarnte Muslimfee“ verunglimpft, die in Wahrheit höchst subversiv den Umsturz der Gesellschaft betreibt.

Muslimfee würden wir niemals sagen, der Rest könnte stimmen.

Kaddor guckt kokett in die Kamera: Können solche Augen lügen, ich und eine Betreiberin der Islamischen Revolution?

28. Gott sei Dank treffe ich gerade bei meinen öffentlichen Auftritten auf viele Menschen, die mir im Kampf gegen Engstirnigkeit und Islamfeindlichkeit den Rücken stärken, die aufspringen und lautstark das Wort erheben, wenn einer aus dem Publikum anfangen will, seine Hasstiraden abzulassen.

Springt für mich auf! Schreit für mich!

Der Falschdenker ist niederzubrüllen.

Vor kurzem sagte ein ‚kritischer’ Zuhörer: „Frau Kaddor, geben Sie es doch zu. Die Muslime lügen und betrügen – so steht es ja auch im Koran. Warum ist das so?“

Lamya Kaddor lässt die Frage unbeantwortet und das Publikum genüsslich in einem logisch amorphen und moralisch mehrdeutigen Raum köcheln. Nur noch Kaddor selbst bietet ihm Orientierung, bis das Auditorium aufschluchzt: Wie konnten wir annehmen, die Islamfunktionäre wären unehrlich, wie nur Sie, Frau Kaddor, des Falschspielens bezichtigen! Die fromme Pädagogin bietet ihren Dienst als Entsühnerin gleich mit an und wird den reumütigen Islamskeptikern Absolution erteilen. Man beeile sich, auf der sicheren Seite zu stehen.

Zum guten Zweck gestattet Allahgott dem Gottesfürchtigen das Lügen ebenso wie sich selbst.

33. Mein muslimischer Glaube ist von [der] Erziehung durch meine Eltern geprägt. … Es gab dazu viele arabische Traditionen zu lernen und zu mögen.

Toll, was es im orthodoxen Islam für die Familienmitglieder nicht alles zu mögen gibt, vor allem die Kinder können viel mögen. Die Jungen beispielsweise die chirurgische Entfernung ihrer Penisvorhaut, auch die Mädchen, Mütter und Ehefrauen müssen die männliche Beschneidung „freiwillig“ mögen. Jedenfalls sagt die islamische Religionspädagogin nicht, dass es einen Islam gibt, der es gestattet, auf eine medizinisch nicht indizierte Zirkumzision zu verzichten.

Körperliche Unversehrtheit, die Jungen und Männern ebenso zustehen muss wie Mädchen und Frauen, hat sich für orthodoxe Muslime stets Allahs Pflichtenlehre nachzuordnen, das betrifft natürlich auch die verpflichtende schafiitische FGM Indonesiens und Malaysias und die immer wieder empfohlene vollständige oder teilweise Klitoridektomie der Kairoer Azhar-Gelehrten oder die Klitorisamputation, die Yūsuf al-Qaraḍāwī bewirbt.

Rituale geben Sicherheit, mögen sie noch so unsinnig oder brutal sein:

33. Als Kind und Jugendlicher denkt man nicht so viel darüber nach, warum genau etwas gemacht wird.

Kaddor ist diesbezüglich offensichtlich „Kind“ geblieben. Es gibt allerdings auch Kinder, die gründlicher nachdenken oder die nicht alles stumpfsinnig mitmachen wollen. Denen wird Kaddor als ein Freiheitsgegner erkennbar.

Mütter etwa haben sich rituell zu verhüllen, damit das Gebet durch die Abteilung himmlische Buchhaltung angerechnet wird:

33 – 34. Häufig saß sie [meine Mutter] in ihrer wallenden weißen Gebetskleidung, aus der nur noch ihr Gesicht herausschaute

Ohne ḥiǧāb ist das weibliche Beten ebenso sinnlos wie das Leben eines muslimischen Jugendlichen oder Erwachsenen ohne das tägliche fünfmalige Gebet zu Allahgott. Einmal mehr erweist sich die durch Politik und Kirche bemerkenswert hektisch und nahezu durchweg unbegründet als liberal und modern gefeierte Lehrerin aus Dinslaken-Lohberg als Wegweiserin in einen strengstens schariatreuen Fundamentalismus.

35. Für mein Leben als Muslimin stehen der Koran und das Leben Muhammads im Vordergrund.

Für Kaddors Leben als Staatsbürgerin stehen hoffentlich die universellen Menschenrechte im Vordergrund, die mit dem geheiligten Hass auf die Nichtmuslime, dem Tochtertausch durch den walī muǧbir (Wali Mudschbir) und die Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht in Übereinstimmung zu bringen sind. Kaddor schweigt bewusst zu den familienrechtlichen Folgen der ewigen und unverhandelbaren šarīʿa, nach der die Mutter, die ohnehin einfach so verstoßen werden kann, kein Aufenthaltsbestimmungsrecht für ihr Kind hat.

Koran plus as-sīratu n-nabawiyya (Prophetenbiographie) gleich Scharia, zumindest recht genau, Kaddor sagt also ungefähr: Für mein Leben als Muslimin steht die Scharia im Vordergrund. Damit dürfte die Gleichberechtigung von Mann und Frau allerdings ein wenig in den Hintergrund rücken. Die uns bislang eher als iranisch oder saudi-arabisch bekannte religiöse und juristische Todesstrafe für jeden Islamapostaten verschiebt sich in die Binnenzone künftiger Religionsfreiheit, in den Bereich des bereits heute zu Tolerierenden.

Exkurs: Islampropaganda an der Universität.

Elena Winter vom studentischen Magazin aud!max (»Choosing my religion«) zitiert in Ausgabe 05/2010 eine gewisse Esra Ozyurek (University of California, San Diego) zum „Islam an sich“ (aud!max), die es mit der Verteidigung des Glaubens sehr genau meint bei großzügigem Umgang mit der Wahrheit: „Wenn Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen auftreten, sind diese auf kulturelle Eigenheiten zurückzuführen – und nicht auf seinen Kerngedanken (24)“ Zum nötigenden Heiratsvormund (walī muǧbir) möchte sich aud!max ebenso wenig äußern wie zum Schleierzwang oder zum koranisch befohlenen halben Erbe der Frau. Eine einstige profane Sylvia und mittlerweile erleuchtete Sümeyye darf bei Winter erklären: „Der Islam verbietet es zum Beispiel ausdrücklich, dass eine Frau gegen ihren Willen verheiratet wird“, was sie doch bitte dem aus ihrer Sicht irgendwie unislamischen Familienministerium von Malysia sagen möchte. Malaysia hat den prophetisch offenbarten Befehl Allahgottes, das angeordnete irdische väterliche Recht auf die auch zwangsweise Verheiratung seiner jungfräulichen Tochter, verfassungsrechtlich festgeschrieben (25).

Erwähnte Sümeyye, unerleuchtet Sylvia, ist 28 Jahre alt und laut aud!imax „mit einem Moslem verheiratet“. Nicht ein Staatsbürger also ist ihr Gemahl, sondern ein gleichsam einer besonderen Spezies angehörender Mensch, ein echter frommer Muslim. Sümeyye trägt den ḥiǧāb (aud!imax: „Kopftuch“) und erläutert Deutschlands angehender akademischer Elite: „Ich möchte den Islam so konsequent wie möglich praktizieren und in mein persönliches Leben integrieren.“ Von der Eingemeindung der Einwanderer in das für alle geltende Recht wandelt sich der Begriff der Integration unbemerkt in die tolerierte Segregation eines ethnoreligiös definierten Kollektivs und beginnt, die Schicksal werdende Reduktion der weiblichen Handlungsvielfalt und femininen biographischen Handlungsmöglichkeiten zu umfassen. Die schariakonformen weiblichen Chancen kultureller und freiheitsrechtlicher Schmalspur verdienen auch in den staatlich finanzierten öffentlichen Räumen von Mensa, Campus und Hörsaal unser aller Huldigung, jeder der im Personal einer multikulturellen Diversity unentbehrlichen muslimischen männlichen Studenten beginnt unweigerlich, als geheiligter wenn nicht heiliger Macho der Ästhetisierung und Politisierung zu unterliegen. Allahs Feudalsystem auf dem Hochschulgelände wird zum farbenfrohen kulturpädagogischen Event.

Implizit bewirbt das Hochschulmagazin den orthodoxen Islam als demokratiebefördernd und grundrechtsverträglich, ausdrücklich, wenngleich ebenso faktenfern, als frauenfreundlich. Es sei zu tolerieren, fordert Elena Winter, dass sich Sümeyye „im Alltag einschränkt“ und „nicht mehr in öffentliche Schwimmbäder geht.“ Wer jetzt nicht über den Islam lächelt, darf womöglich als ewiggestriger Eurozentriker und intoleranter Menschenfeind gemobbt werden, denn „viele Nicht-Muslime heute“ zeigen „Unverständnis gegenüber dem Islam“. Verständnismangel ist also ganz schlimm und mag die Wächter der Toleranz berechtigen, den Studienverlauf des Missetäters zu beenden. Andernorts spricht man von den muṭawwiʿūn, Religionspolizisten.

Mutigen säkularen Muslimen wie den Sympathisanten einer Necla Kelek oder der Gruppe Free Minds von der Uni Münster wird die Arbeit des faktenverhafteten Informierens und wissenschaftlich ausgerichteten Diskutierens durch schariakonforme Verlautbarungen wie der bei aud!max getätigten erschwert.

Soweit zum Uni-Islam, der mit seichtem Plappern das kritische und an den allgemeinen Menschenrechten orientierte Denken zu vernebeln beginnt. Die Aggressivität der Islambeschwichtigung wird ansteigen.

Die AEMR betreffend legt Lamya Kaddor („Für mein Leben als Muslimin stehen der Koran und das Leben Muhammads im Vordergrund“) eine seltsame Lautlosigkeit an den Tag, und das immerhin den Souverän darstellende eine „Wir“, das Deutsche Volk, beginnt sich mit Hilfe der muslimischen Religionspädagogin in zwei Solidargemeinschaften zu spalten, in ein nichtmuslimisches Wir und ein muslimisches Wir. Diesen Vorgang, der Teilung eines Einzellers vergleichbar, gilt es, verborgen zu halten, woraus folgt, dass die islamsensible „Gesamtgesellschaft“ ganz besonders laut zu beschwören ist. „Vertrauen“ und „Toleranz“ werden zum Kultgott wachsender ethnoreligiöser Apartheid und Rechtsspaltung.

35. Muhammad ist der Gesandte Gottes. Er hat den Koran empfangen und ihn durch seine Lebensgeschichte erst verständlich gemacht.

Vielweiberei, Geschlechtsverkehr mit einer Neunjährigen und vielfacher Auftragsmord an den Gegnern der islamischen Seinsweise und Staatlichkeit belegen in der Tat, dass der Koran ernst genommen werden möchte.

36. Ich kann den Koran mit dem Verstand einer Wissenschaftlerin und dem Herzen einer Gläubigen betrachten.

Was uns Kaddor allerdings noch zu beweisen hat.

Beides gehe zusammen, gelebte Schariafrömmigkeit und eine persönliche und wissenschaftsorientierte Identität. Bei den ihr anvertrauten Schülerinnen und Schülern Skepsis an der kulturellen Moderne zu wecken, könnte dabei das gewissermaßen alternative Erziehungsziel der Frau Kaddor sein. Die vollumfänglich installierte Scharia wird zur sympathischen Möglichkeit. Die Dinslakener Lehrerin sät den Zweifel an der Gleichberechtigung von Mann und Frau.

36. Als Wissenschaftlerin betrachte ich die Aussagen des Korans … im Kontext ihrer Zeit, … die philologischen Aspekte. … Für mich als Muslimin ist der Koran das direkt überlieferte Wort Gottes.

In der Frau Kaddors göttlicher Direktansprache, etwa in Sure 9:5, stehen die Details: „Und wenn nun die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Heiden, wo [immer] ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf!“ Der höchst anerkannte Koranexeget aṭ-Ṭabarī (Abū Ǧaʿfar Muḥammad bin Ǧarīr bin Yazīd aṭ-Ṭabarī, * 839, † 923) gibt bekannt, dass die Gottheit das Töten der Ungläubigen auch in den geheiligten Bezirken und Monaten toleriert und stellt klar, dass das Greifen als Gefangennahme zu verstehen ist und das Auflauern mit dem Ziel des besagten Tötens oder Gefangennehmens zu kultivieren.

Man könne die Scharia anwenden, wenn man sie nur ausreichend lange erforschen und erklären würde. Das barbarisch gebliebene Islamische Recht sei „flexibel“ (Abdullahi Ahmed an-Na’im, Mathias Rohe). Diese Sponti-Scharia entspricht dem Lebensgefühl des postmodernen Situationismus, einer vibrierenden, finanziell abenteuerlichen (man vergleiche den spekulierenden „Geist“ des wertebeliebigen Börsianers mit der sehr muslimischen Spielsucht) und sexuell erregenden Ungewissheit des Daseins: Jede Sekunde wird zum „Einzelfall“. Das passt bestens zur „Einzelfallregelung“ der Frage nach der Zulässigkeit des Lehrerinnenkopftuchs und entspricht bereits dem (in Mohammeds Auftrag den „flexiblen“ islamischen Staat symbolisch wiedergründenden) Rechtssprechen an den britischen Schariagerichten. Je dynamischer oder spontaner (erinnerungsloser), je flexibler (wertebeliebiger) der US-Amerikaner oder Europäer wird, nicht zuletzt mit Hilfe der Pädagogik und Sozialpädagogik, desto weniger kann er, selbst beim besten Willen, die islamische Sexualpolitik und das Islamische Recht zurückweisen oder auch nur wahrnehmen. Frei nach Kant ist das „der Ausgang aus der selbstverschuldeten“ Mündigkeit, juristisch und im Namen einer bejahten „Differenz“ und „Diversität“ allerdings der Abschied von der Verlässlichkeit und Einheitlichkeit des Rechts.

44. Das Kopftuch hat seine theologische Grundlage im Koran. Aus einer (orthodoxen) Sicht, die der klassischen Auslegung der entsprechenden Koranverse … und der Prophetenüberlieferung (Sunna) folgt, ist das Verhüllen des Haares – und das Verdecken des Gesichts – für Frauen ein religiöses Gebot.

Der Hidschab ist islamisches Gesetz. Kaddor rechtfertigt den Niqab religiös.

38. [Allâh] Er bürdet niemandem etwas auf, was er nicht tragen könnte.

Das ist praktisch, das Familienoberhaupt oder das islamische Staatsoberhaupt kann die ihm als Allahgottes Stellvertreter anvertrauten Menschen noch so stark belasten (ausbeuten, unterdrücken), jede Beschwerde der Gehorsamspflichtigen wäre ein Zweifeln an Allahs Weisheit, und beides, die Auflehnung gegen die irdischen, schariarechtlichen Autoritäten ebenso wie das Infragestellen der Allmacht und Barmherzigkeit Allahs, führt nach islamischem Weltverständnis ins Höllenfeuer und muss Terrorismus genannt werden.

40. [Hidschab, Kopftuch] Die K-Frage. Eine wichtige Nebensache.

Häufig erlebe ich, dass sich Männer beschämt fühlen, wenn mir in ihrem Beisein eine Frau die K-Frage stellt.

Und was Männer beschämt, erregt Männer und Frauen sexuell vielleicht ein wenig. Das beschworene unsichtbare Kopftuch der Kopftuchfreundin Kaddor ist mit dem gewaltnah-sexuellen Doppelgesicht des Islam nicht viel weniger verschmolzen als ein sichtbarer Schleier. Das Kopftuch in seiner im Hadith festgeschriebenen Dogmatik geheiligter Obszönität verwandelt das weibliche Genital in einen kommunalpolitischen Diskussionsgegenstand, unter Koranfreunden sind Gebärnutzen und Keuschheit von Uterus und Vagina verstaatlicht. Sexuelle Selbstbestimmung bleibt da Fehlanzeige.

Hoch politisch ist das Kopftuch des weiteren, weil es die genuine islamische Entrechtung der Frau provokant sichtbar macht, ihre halbe Stimme vor Gericht, ihr halbiertes Erbe, ihr Risiko, verstoßen zu werden und ihre sexuelle Gehorsamspflicht. Daneben ruft das Kopftuch, jemand sagte richtig: „wie ein erhobener Zeigefinger“, alle „muslimischen“ Männer und Frauen zur ḥisba, zum Durchsetzen einer immer vollständigeren islamischen Sozialordnung (Allahkratie) auf und unterwirft Wissenschaftlichkeit, Menschenrechte und Rechtsstaat einer jenseitszentrierten Ironie. Eine ihrem Anspruch nach mehr als tötende Keule ewiger Verdammnis rechtfertigt die religionsrechtlich zugeteilte Todesstrafe als praktizierte Barmherzigkeit; auch die islamischen ḥadd-Strafen bilden sich für uns Gegner der Staatsordnungen von Pakistan, Saudi-Arabien, dem Sudan und dem Iran im noch so dezenten Kopftuch ab. Noch einmal:

44. Aus einer (orthodoxen) Sicht … ist das Verdecken des Haares – und das Verdecken des Gesichts – für Frauen ein religiöses Gebot.

Die Gottheit denkt differenziert, Männer unterliegen anderen Geboten als Frauen. Lamya Kaddor hat mit dem Schleier oder auch mit dem ergänzenden Niqab, dem Gesichtsschleier, kein Problem, wenn die „Bedeckung“ (Kaddor) nur dazu dient:

44. den eigenen Glauben auszudrücken“ – und das muss in einer pluralistischen Gesellschaft akzeptiert werden.

In diesem Sinne ist das Kalifat also „pluralistische Gesellschaft“, so viel Offenheit sollten Demokraten allerdings nicht haben.

Kaddor erteilt uns einen Befehl: wir „müssen“ die hidschabtragende Frau „akzeptieren“, auf dem Marktplatz ebenso wie im Schuldienst oder im sonstigen Berufsleben. Den Niqab und jede Ganzkörperverschleierung im öffentlichen Raum gilt es aus unserer Sicht natürlich zu verhindern.

An Autobahn und Ampel gilt die eine Straßenverkehrsordnung, kein Pluralismus.

Kaddor will das Lehrerinnenkopftuch und trägt, ebenso selbstlos und idealistisch wie die schariatreue Berlinerin Emel Abidin-Algan (Emel Zeynelabidin, zum Umfeld der Millî-Görüş-nahen Islamischen Föderation Berlin und ihrer Islamischen Grundschule, Tochter des hochrangigen Muslimbruders Dr. Yusuf Zeynel Abidin), kein Kopftuch, um für die islamische Kleidung den Weg erfolgreicher freizukämpfen. Die Pädagogin gibt uns den Befehl, das Kopftuch im Öffentlichen Dienst und die Burka im öffentlichen Raum absolut zu bejahen („vorbehaltlos“), den Akzeptanzverweigerer rückt sie, geschickt die verteidigenswerte Offene Gesellschaft mit der Geschlechterapartheid der Allahkratie vermischend („Pluralismus“), in die Nähe eines Fanatikers oder Faschisten.

Exkurs: BRD 2010

Eine gründliche Information über den Islam ist erschwert, zusätzlich scheint in Deutschland überwiegend Desinteresse am Islam (und an der deutschen Gesellschaft und Demokratie überhaupt) zu bestehen.

Doch ist, wo nicht von Übernahme und enthemmter Islamverherrlichung gesprochen werden kann, eine wohlfahrtsverbandliche, parteipolitisch-regionale, kommunalpolitische und kirchlich-administratorische Verdoppelung der Instanzen zu attestieren, die Verfestigung einer zweiten Ebene, in der „Islamberater“ dem Rest der Partei-, Kirchen oder Verbandsmitglieder das islambezogene Denken abnehmen und von der aus „Verständnis“ und „Vertrauen“, bedarfsweise bereits mit einiger Gewalt, gefordert wird. Existieren erst „Islamberater“ oder „Islamreferenten“ (evangelisch: Elsas, Sträter, Kirste, Nikodemus, Micksch), ist es dem bereits erstaunlich entmündigten Fußvolk zumeist nicht mehr möglich, einer Islamkritik Raum zu geben, zumal die islambezogen angeblich informierten Spitzenpolitiker (Pöttering, Laschet, Schäuble, Horst Köhler) sich von der Scharia nicht gerade laut distanzieren.

Die politische Kaste der Islamversteher, wiewohl selbst nichtmuslimisch, baut der Allahkratie einen betonharten Schutzschirm. Jenseits der Mauer kann der „gute“ Rauf Ceylan empört auf den „bösen“ Pierre Vogel zeigen oder kann sich der schariatreue Imam von Penzberg, Benjamin Idriz, als Deutschlands Wunderwaffe gegen den islamischen Extremismus aufbauen.

Den Europäern ist die Glaubenspflicht vom friedlichen Islam aufzuerlegen, wobei die gefälligst anders bleibenden „Fremden“ auch noch selbstquälerisch-lustvoll („antifaschistisch“) beziehungsweise in enthemmter Fortsetzung nationalsozialistischer Muster genutzt werden können, um Entsühnung zu erlangen oder aber den Freibrief auf praktizierten Antisemitismus. Ob Christ, ob Links- oder Rechtsextremer, die Ansprache des Heilsobjekts erfolgt mit demselben Bittgebet: Moslem erlöse mich!

Eine ernst gemeinte Solidargemeinschaft wird dabei zunehmend als hinderlich empfunden.

44, 45. Zu Recht wird … darauf hingewiesen, dass es in Deutschland Frauen gibt, die von ihren Eltern oder Ehemännern gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen. Wie groß diese Gruppe ist, vermag allerdings niemand zu sagen …

Die Frau, die unter das Kopftuch gezwungen wird – mitunter durch Schläge –, hat ein schlimmes Problem. … Das fällt ihr umso schwerer, wenn sie weiß, dass ihre Familie ihr das Kopftuch nicht aus Boshaftigkeit auferlegen will, sondern aus gelebter Tradition und dem Herzenswunsch, die Kinder mögen das Land und die Kultur ihrer Eltern nicht vergessen …

Der Islamverteidiger hat immer Recht, wenn er zu schariatisch mitverursachten Gräueltaten wie Zwangsverheiratungen, Ehrenmorden oder aufgezwungenen Verschleierungen triumphierend verkündet: „Sie haben keine belastbaren Zahlen!“

Ist es an Ungerührtheit zu überbieten, der zum Schleiertragen angelegentlich verprügelten Frau zu attestieren, ein „schlimmes Problem“ (Kaddor) zu haben?

Am 12.01.2004 publizierte das in Malaysia ansässige World Fatwa Management and Research Institute ein Rechtsgutachten, das muslimischen Eltern erläutert, wie sie den Hidschab durchsetzen müssen, ohne dass es nach Zwang aussieht, mit gutem Vorbild, frohgemuter Überzeugung, gestrenger Ermahnung oder eben mit Gewalt:

„Im Islam sind Eltern keinesfalls gehalten, ihre Kinder zu irgendetwas zu zwingen, was gegen das Gesetz der Scharia verstößt. … Falls die Tochter das Tragen des Hidschab in offenkundigem Ungehorsam der menschlichen Verpflichtung Allah gegenüber ablehnt, mag ihr Vater als der Vormund der Familie betonen, dass seine Tochter den Hidschab tragen sollte. … Väter und Mütter sollten anerkennen, dass sie vor Allah für die Angelegenheiten verantwortlich sind, die ihnen auferlegt sind; sie sollten ihre Töchter im Einklang mit der islamischen Moral und Norm aufziehen. Wenn also ein Mädchen sich der Pubertät nähert, besteht die Sorge, dass ihr verweigertes oder vernachlässigtes Tragen des Hidschab ebenso junge Männer in Versuchung bringen könnte wie sie durch die jungen Männer versucht werden könnte. Folgerichtig hat ihr sorgeberechtigter Elternteil oder Vormund sie dazu zu bringen, den Hidschab zu tragen, um auf diese Weise Bedingungen zu beseitigen, die zum Bösen oder zur Unmoral führen könnten (26).

Südostasien ist einem gewissen, in Katar ansässigen Scheich treu ergeben, und deshalb verweist dort man auf folgende fatwā zum aufgezwungenen ḥiǧāb (“Kopftuch”) vom selben Tage, die das Institut bzw. die Homepage »IslamOnline« bereitstellt. »IslamOnline« wurde 1997 in Doha (ad-Dauḥa, wörtlich: die Bucht, 400.000 Einwohner) in Katar (Qaṭar, 950.000 Einwohner) durch den Muslimbruder Yūsuf al-Qaraḍāwī gegründet, der das Institut gemeinsam mit Al-Balagh Charity Society besitzt. Scheich al-Qaraḍāwī genießt unter Sunniten höchste Autorität, sein »IslamOnline« ist eine der beiden weltweit am häufigsten frequentierten islamischen Websites. Während es in Katar nur ein kleines Büro gibt, pflegen von Kairo aus 180 Mitarbeiter den Datenbestand der Homepage.

»IslamOnline« beruft sich auf das prophetische Vorbild, das vom berühmten Hadithsammler Abū Dāwūd as-Siǧistānī (817 – 888) berichtet ist und dem nachzufolgen deine Seele, vielleicht, vor dem Höllenfeuer rettet. Die bei Abū Dāwūd zum Antrainieren der heilsnotwendigen Betpflicht verbürgte Islampädagogik soll man auf das Überlisten oder Überzeugen des Nachwuchses zum Kopftuchtragen anwenden (Kaddors Analogieschluss), wie al-Qaraḍāwī klarstellt:

„Von frühester Kindheit an sollte den Töchtern gelehrt werden, dass der Hidschab eine Anweisung von Allah ist, um ihre Keuschheit zu schützen. Wenn ein Mädchen die Pubertät erreicht, ist sie absolut gehalten, alle ihr auferlegten Pflichten einzuhalten und alle als heilsgefährdend verbotenen Dinge (haram things) zu meiden. Eine der unhinterfragbaren Pflichten ist das Tragen des Hidschab.“

Der Prophet sprach: „Bringe deinen Kindern zu beten bei, wenn sie sieben Jahre alt sind, und schlage sie, wenn sie es nicht tun und zehn Jahre alt sind, und trenne sie in ihren Betten (27).“

Am 17.01.2010 berichtet Brendan Carlin (»Double standards row as Ed Balls refuses to ban smacking at mosque schools to avoid ‘upsetting Muslim sensitivities’«), dass sich der britische Verantwortliche für das Schulwesen, Labour-Parlamentarier Ed Balls (Edward Michael Balls), weigert, eine Verordnungslücke zu schließen, nach der es an staatlichen Schulen Großbritanniens untersagt ist, Kinder zu schlagen, an den Koranschulen jedoch gestattet bleibe. Herr Balls versuche zu vermeiden, muslimische Befindlichkeiten in Aufregung zu versetzen, vermutet Carlin. Die islamischen Prügeltechniken des Inselkönigreiches umfassen auch schon mal Tritte des Koranlehrers gegen den Kinderkopf und betreffen auch lernbehinderte Kinder. Ein Sprecher von MP Balls meint kühl, auch in christlichen Sonntagsschulen werde geprügelt, und ein regierungsseits erteiltes explizites Prügelverbot an die madāris (Koranschulen; Sg. madrasa) wäre ungerecht, wenn man nicht auch britischen Großmüttern dasselbe Verbot auferlegen würde (28).

46. Erst kürzlich wurden in Berlin und Wiesbaden telefonische Seelsorgestellen eigens für Muslime eingerichtet

Ungefiltert sind die allgemeinen Menschenrechte den sensiblen Muslimen schließlich nicht zuzumuten. Zu einem professionellen klientenadressierten Erklären unserer Institutionen namens Eheberatung, Suchtberatung, Schuldnerberatung oder Krankenhaus bedarf es eines städtisch zertifizierten Islamverstehers.

Bereits seit längerem sickert derlei „kultursensible“, gemeint ist schariafreundliche, Apartheid in die Sozialarbeit ein, womit sich, kaum bemerkt, die Wahrnehmung durchzusetzen beginnt, die Spezies der Muslime benötige eine besondere Behandlung.

Mehr Toleranz der Intoleranz. Die Spaltung integrieren.

52. Al-Ghazali schreibt: „Wenn sie [die Frau] aber ausgeht, muss sie vor den Männern die Augen niederschlagen. Damit meinen mir nicht, dass das Gesicht des Mannes für sie in demselben Sinne ‚Blöße’ sei wie das Gesicht der Frau für den Mann.“

Eben, für den sexualpolitischen und militärpolitischen Kult namens al-islām nicht erst seit Abū Ḥāmid Muḥammad bin Muḥammad al-Ġazālī (1058 – 1111) ist nackt und nackt eben zweierlei. Die Ǧinn (Dämonen, Sg. Ǧinni) und aš-Šayāṭīn (die Teufel, Sg. Šayṭān), an die auch Lamya Kaddor glauben muss und dezidiert glaubt („denn nach wie vor gilt, dass der Koran für Muslime das Gotteswort ist, das unveränderte Gotteswort“ (29)), kreisen dichter und hartnäckiger am weiblichen Körper als am männlichen.

Herrenhaar ist publik zu machen und Ehrenhaar, Damenhaar ist sehr privat und Schamhaar, das Zeigen des erstgenannten und das Verbergen des zweiten sind im Islam öffentliches Anliegen und begründen den neuen Staat.

Nacktes Männerknie und nacktes Frauenknie bedrohen nach dem unhinterfragbaren Konzept der ʿaura das Seelenheil differenziert. Im Islam ist al-ʿaura der ekel- und angstbesetzte, recht genau definierte Schambereich am menschlichen Leib, dessen absichtliche und schuldhafte Sichtbarwerdung in die Hölle führe. Frauenhaar ist ʿaura, daher der Kopftuchbefehl. Bis auf Hände und Gesicht ist Frauenleib ʿaura, daher der gesetzlich vorgeschriebene Hidschab. Möglicherweise ist sogar das weibliche Gesicht ʿaura, weshalb Kaddor den menschenverachtenden niqāb explizit billigt.

54. die K-Frage [Kopftuchfrage] … Vers [Koran] … 24:60. … Wenn eine Frau auf dem Heiratsmarkt keine Angebote mehr bekommt, braucht sie auch keine Bedeckung im Sinne eines Schutzes mehr zu tragen. … Wenn eine Frau weder geheiratet wird noch selbst heiraten will, dann kann sie auf ihre Kleider – gemeint sind natürlich ihre Verschleierung beziehungsweise ihr Kopftuch – verzichten.

Der Ledigen aber, sinniert Kaddor, möge das makellose Kopftuch auch im Europa und Deutschland des 21. Jahrhunderts das unversehrte Jungfernhäutchen öffentlich darstellen. Die Jungfrau wandle durch Schule oder Straßenzug mit dem gleichsam sprechenden textilen Symbol: „Ich bin Besitz meines Vaters“ und der Hidschab der Ehefrau bekundet: „mein gottesfürchtiger Mann besitzt mich, ab übermorgen vielleicht unter Zugesellung einer Zweitfrau, solange er mich nicht verstößt, in šāʾa llāh.“

55. Erfüllt hier das Kopftuch noch seinen ursprünglichen Zweck? Nein, das Kopftuch erfüllt den Hauptzweck des Schutzes nicht mehr – es ist obsolet. … Ein Mensch … braucht das Kopftuch nicht, um sittsam zu leben. Ich kann mich mit und ohne Schleier ehrenwert verhalten …

Wieder ist das verschiedenartig informierte und unterschiedlichem Konformitätsdruck unterliegende Publikum bei Kaddor genau einkalkuliert. Während die nach Informationskrümeln des friedlichen Islam lechzenden Nichtmuslime ab sofort glauben dürfen, der Muslima sei das Tragen des Hidschab höchstinstanzlich freigestellt (und das „entemotionalisierte, unaufgeregte“ Freigeben des Lehrerinnenkopftuchs das Gebot der Stunde), werden die Töchter und Ehefrauen, die einem hohen Gruppenzwang zur islamischen Kleidung unterworfen sind, lediglich die Wahl haben, den Schleier zu bejubeln oder für immer zu schweigen. Auch Mohammedverherrlicherin und Nichtkopftuchträgerin Kaddor lobpreist den Schleier und fordert das heutige schariakonforme Wohlverhalten jeder allahgottesfürchtigen Frau auch unter widrigen (säkularen) Umständen. Irgendwann wird Kaddor auch außerhalb Syriens Hidschab tragen.

Bemerkenswerterweise setzt die islamische Religionspädagogin eine heterosexuelle Norm voraus, während sie über das Gebot der Bedeckung im Hier und Jetzt grübelt. Die bei allen muslimischen Predigern zwischen Malaysia, Afghanistan und dem Sénégal als sittengefährdend und widernatürlich geltende Lesbe kann nach Lamy Kaddor ja vielleicht auf das Hidschabtragen verzichten, da sie sich für Männer ohnehin nicht interessiert? Kaddor leugnet die barbarische Brutalität, mit der alle, eben auch homosexuell empfindende Menschen (und natürlich auch homosexuelle Männer) in das Gesetz der arrangierten Ehen, kontrollierten Sexualität und maximierten Gebärvorgänge eingepfercht werden.

56. Gott verlangt sittsames Verhalten … Ich habe mich also nicht gegen das Kopftuch entschieden, weil ich es nicht mehr als religiöse Vorschrift werte. … der Gedanke, sich gesittet zu kleiden, bleibt eine religiöse Vorschrift

Dem Wohlverhaltensbefehl der Gottheit ist Folge zu leisten. Unabhängig vom situativ angepassten Verhalten (islambewerbende Propagandalüge iham, islamschwächende Faktenleugnung kitmān, geheiligte Notlüge taqīya) des einzelnen Muslimen haben die aus Qurʾān und Ḥadīṯ abgeleiteten Gesetze bleibenden, ewigen Charakter, nur Allahgott selbst kann sie aufheben, was er am Ende der Welt auch tun wird, wenn es allerdings zu spät ist für eine Verhaltensanpassung. Wenn der Mond sich spaltet und die Berge wandern und das Feuer der Hölle entzündet wird.

Kaddor trägt im Urlaub im elterlichen syrischen Heimatdorf selbstverständlich den Schleier, denn „schon aus Anstand“ (Seite 46) möchte sie sich dort „den Gegebenheiten anpassen“, mit ihrem Kleidungswechsel chamäleonartige Wandelbarkeit unter Beweis stellend, nicht anders übrigens als in Dinslaken-Lohberg. Sie wagt es also nicht, gegen die Bekleidungsvorschriften der Scharia aufzumucken und weiß, dass die Kinder und Jugendlichen ihr nacheifern (müssen und) werden.

Ohne Kopftuch kämpfen für das Kopftuch, Scheich al-Qaraḍāwī definierte die einzige Möglichkeit für eine Frau, den Schleier abzulegen, als das Ausführen einer Märtyreroperation. Šahīda Lamya, sozusagen.

58, 59. In islamischen Ländern muss [die in der Öffentlichkeit sexuell belästigte Frau] anders reagieren … . Frau schaut einfach an ihm vorbei oder durch ihn hindurch. … Die Brille [die riesige Sonnenbrille, die das halbe Gesicht verdeckt] ist sowohl bei den liberalsten Christinnen und Musliminnen als auch bei den von oben bis unten Verschleierten in islamischen Ländern ein (lebens-)notwendiges Utensil.

An der dem Mann keinesfalls angeborenen, öffentlich bekundeten Frauenverachtung und sexuell gefärbten Aggressivität möchte Kaddor erst gar nichts verändern, sondern empfiehlt die beibehaltene feminine Anpassung und wohl auch die geostrategische Ausweitung der Belästigungskultur nach Europa.

Dem Belästigungsdschihad möge man eben mit einem Gesichtsschleiersubstitut begegnen, der Sonnenbrille. Schließlich beißen bellende Hunde nicht und ist der obszöne Terror nichts als ein Indiz für die nordafrikanische oder nahöstliche Frauenfreundkeit, denn:

59. Sollte … ein südländischer oder orientalischer Mann auf die aberwitzige Idee kommen, einer Frau körperlich zu nahe kommen zu wollen, braucht man nur einmal laut aufzuschreien oder zu schimpfen und schon finden sich Dutzende von anderen Männern, die dem ‚Angreifer’ handfest klarmachen, dass er einen Fehler begangen hat.

Die islamisch geprägte (islamisch dominierte) Stadt als ein einziges Gefängnis wechselseitigen Belauerns auf eine sexuelle Verfehlung, die uns alle schließlich in die Hölle führen könnte. Die gesamte syrische Männerwelt eine einzige Truppe von muṭawwiʿūn, jeder männliche Schüler in Lamya Kaddors Unterricht ein kleiner Religionspolizist.

Dass zumindest im Maghreb auch tief verschleierte Frauen bereits von kleinen Jungen angezischt, obszön angeraunt und entwürdigend angeflüstert werden und dass Touristinnen in Ägypten selbstverständlich und folgenlos zu begrabschen sind, übergeht die Verteidigerin des Niqab und der „(lebens)notwendigen“ Sonnenbrille.

59. da werden mir viele Frauen mit orientalischem Aussehen Recht geben …, dass Männer gerade die Frauen auf plumpste Weise anmachen, die (fast immer) aus dem gleichen Kulturkreis wie sie selbst stammen.

Elegant umstolpert Kaddor die Frage, ob nichtmuslimische Europäerinnen nicht besonders dreist von muslimisch sozialisierten Männern (Kaddor: „mit orientalischem Aussehen“) belästigt werden. Die Wächter der einzigen von der gewaltbereiten Gottheit angenommenen Lebensweise bleiben die Inhaber der irdischen Belästigungslizenz.

62. Besonders kleine Kinder leiden unter dem autoritären Erziehungsstil der Eltern und Großeltern, der hier [in Dinslaken-Lohberg] häufig anzutreffen ist. Die Angst vor dem Familienoberhaupt macht ihnen zu schaffen. Sie sehen sich körperlicher Züchtigung und anderen harten Strafen ausgesetzt.

Angst ist ok, Angst aber, die zu schaffen macht, nicht? Schätzen diese Kinder („sie sehen sich“) die Sache ja vielleicht einfach falsch ein?

Dinslakens Einwandererkinder werden also in ihren Familien körperlich misshandelt.

63. Die unterschiedlichen Rollen der Geschlechter werden in manchen Elternhäusern mit der Muttermilch aufgesogen. Jungen wachsen in die Rolle des Familienoberhaupts hinein, Mädchen in die Rolle der Hausfrau. Jungen gewährt man schon als Kleinkindern mehr Freiheiten als Mädchen, nicht unbedingt bewusst, sondern ganz instinktiv.

Mit „instinktiv“ bedient Kaddor den islamischen Begriff von Veranlagung, al-fiṭra, das natürliche Ausgerichtetsein auf Allāh hin. Mit keinem Wort kritisiert Kaddor die berüchtigte schariakonforme „Komplementarität“ der Geschlechter. Auch das zielsicher eingestreute „Muttermilch“ soll uns das Denken aussetzen helfen, denn wer jetzt noch die geheiligte Frauenfeindschaft der islamischen Geschlechterlehre kritisiert, lässt gewissermaßen Säuglinge verhungern.

Die Frau als geborene Verführerin und Versucherin, deren Leib die Dämonen und Teufel wesentlich dichter und damit stärker heilsgefährdend umflattern als den maskulinen Körper. Das Werkzeug der Tradierung dieser Betrachtungsweise sind der Schleier (al-ḥiǧāb) und sein Echo, Ersatz oder Wegbereiter namens Kopftuch. Selbst die islamische Vergewaltigung der unverschleierten (als der symbolisch unbewachten und auch damit Allāh lästernden) Frau erlangt als erfolgreiche Bändigung des Satans eine exorzistische und heilssichernde Qualität.

In ihre eigene korankonforme Erniedrigung („Die unterschiedlichen Rollen der Geschlechter“) willigt Kaddor gottesfürchtig ein, worüber uns weder ihre (noch und auch nur in Deutschland) fehlende Verschleierung täuschen sollte noch das ihr entgegengebrachte Wohlwollen seitens der Funktionäre aus Politik und Kirche.

63. Und manchmal scheint es, als würde das machohafte Verhalten der Jungen von den Eltern geradezu gefördert, als Rüstzeug für das künftige Leben.

Ja, und für das „künftige“ (Kaddor) Leben im Paradies gleich mit. Die schariatreue Religionspädagogin spottet ein wenig über die gelebte Folklore der weiblichen Unterordnung und stellt den islamischen männlichen Führungsanspruch nicht in Frage.

Gemeinsam mit ihrer Lehrerin wissen auch die Dinslakener Mädchen, was Allahs Statthalter wollen und was das Islamische Gesetz vorschreibt:

63. Meine Lohberger Schülerinnen äußern nur selten ihren Unmut über die Ungleichbehandlung.

Der auch an Rhein und Ruhr zu betreibende Aufbau der schampolitisch denkenden Gegengesellschaft erfordert verbindliche Absprache:

66. Ein Handy hat hier jede und jeder. Trotz Handyverbot an der Schule werden ständig Kurznachrichten an Freunde geschickt.

Die Mädchen müssen allzeit auf ihr islamisch korrektes Verhalten hin kontrolliert werden, und dazu dienen Mobiltelephone. Die Wächter (Jungen) müssen die Beute (muslimisch – weiblich – deutsch) einkreisen und immerhin die mühselige Treibjagd auf das geflohene Mädchen und den islamwidrig handelnden Jungen organisieren.

Im väterlichen Auftrag überwachen die Mütter ihre Töchter telefonisch. Das geistige Mittelalter des technisiert modernen Kalifats nutzt die elektronische Fußfessel, zumal in Nordrhein-Westfalen diese ärgerliche Schulpflicht besteht.

68. Tatsächlich ist es so, dass sich fast alle Jungen im Stadtteil verpflichtet haben, „auf die Lohberger Mädchen aufzupassen“. Dass geht so weit, dass Mädchen mit ihrem jeweiligen Freund in bis zu sechzig Kilometer entfernten Städten von den „Lohberger Jungs“ gesichtet worden sind. Doch es bleibt nicht immer beim bloßen Sichten. Der Freund des Mädchens wird häufig mit körperlicher Gewalt daran „erinnert“, sich von dem Mädchen fernzuhalten. Das Mädchen selbst bekommt es mit dem älteren Bruder oder seinem Vater zu tun. …

Auf die … Frage meinerseits, warum Mehmet … eine Freundin haben darf, Ayla aber keinen Freund, tobt der männliche Teil der Klasse. Said … : „Die Mädchen dürfen keinen Freund haben, weil sonst unser Namuz [türkischer Begriff für Ehre, L. K.] beschmutzt wäre.

Das Verb „toben“ mag uns daran erinnern, dass Aufstand und Auferstehung auch im Arabischen zum selben Wortfeld gehören, dass Erhebung (revolutionär) und Himmelfahrt (seelenrettend), geometrisch oder topologisch gesehen, ein Erhöhungsvorgang (gemein grinsend auf Kosten der Erniedrigten) ist und dass yaumu l-qiyāma (Tag der Auferstehung, anglisiert Yawm al-Qiyāmah, vgl. hebräisch Yom, „Tag“) ohne weiteres mit Tag des Tumults, Tag des Tobens wiedergegeben werden kann. Frommes Toben als ein Empörungsdschihad, etwa bei Nutzbarmachung dänischer Karikaturen, nimmt die Stunde der Abrechnung, das islamische Weltende, fiebernd vorweg. Und Kaddor lässt das doppelsinnige Toben proben.

Lohbergs jugendlicher Frauenversteher Said erklärt mit Billigung seiner Religionslehrerin Allahs Sexualerziehung noch etwas genauer, nach der eine jede Dhimmifrau schlicht der unbegrenzten Anzahl an Konkubinen zuzurechnen ist:

68. „Die Jungen haben ja meistens nur deutsche Freundinnen. Diese haben wir ja auch nur, um Erfahrungen zu sammeln. … Aber das wäre für ein muslimisches Mädchen undenkbar. Bei den Deutschen wird das ja alles viel lockerer gesehen, und mit meiner deutschen Freundin kann ich ja schlafen.“

Das nichtmuslimische Mädchen dient der männlichen sexuellen Selbsterfahrung. Alle Muslime leben dank ihrer die Seele rettenden wie die Frau erniedrigenden „Schamhaftigkeit“ von den Dhimmis abgeschottet, von der sexuellen Nutzbarmachung der Unreinen abgesehen, und diese Kluft mag sich ohne weiteres vertiefen, solange die Schamlosen nicht zum Islam übergetreten sind … und solange Frau Kaddor Lehrerin ist.

Wie selbstverständlich gehen die männlichen und muslimisch aufgewachsenen Sechzehn- oder Fünfzehnjährigen ins örtliche Bordell, weil das nicht „harâm“ ist, wie sie laut Kaddor ihre Lehrerin befragen und von dieser ausdrücklich bestätigt bekommen. Der die Sitten wahrende kalifatische Überwachungsdienst beginnt derweil, formelle, beinahe kommunalpolitische Strukturen anzunehmen:

70. Sie [die Mädchen] erzählen mir, dass es mittlerweile eine Art Bande gibt, zu der alle „Lohberger Jungs“ gehören, um sie mit ihren Freunden zu erwischen, egal wo. Einige erzählen, wie sie von Ali gesehen worden seien und anschließend großen Ärger bekommen hätten. Selbst die Väter der Mädchen rufen das Bandenoberhaupt an, damit es auf ihre Töchter aufpasst.

Im Sinne der effektiven Preisgestaltung für Sicherheitsdienstleistungen mögen die beiden Lobbies der bösen Vergewaltiger und der guten Aufpasser zusammenarbeiten oder ohnehin aus denselben Leuten bestehen, das staatliche Gewaltmonopol jedenfalls ist außer Kraft gesetzt beziehungsweise interkulturell „bereichert“. Denn alle Gewalt geht vom Volke aus. Und von Alis schlagkräftigen Sittenwächtern.

85. Wenn der Islam sich nicht ändert, dann werden wir uns immer weiter von ihm entfernen.

Wie gut, dass Allahgott bedarfsweise die Gestalt wechselt, ein wenig wie der griechische Gott Proteus. Der „topologisch“ (Kurt Lewin) gezielt unsinnige Satz von Lamya Kaddor unterschlägt (al-kitmān, Lügen durch Auslassung), dass die vom letzten Propheten der gesamten Menschheit (!) gestiftete Pflichtenlehre bis dicht an den Tag der Auferstehung heran Geltung besitzt.

Sicherlich haben die Tugendwächter der Orthodoxie ein Problem mit den Zumutungen, welche Demokratie, Religionsfreiheit (auch die negative), Pressefreiheit und Wissenschaftlichkeit an die Maßgaben von Koran und Sunna richten. Da gilt es zu tricksen und das Islamische Recht durch Marketing-Strategen und PR-Berater die Oberflächenfarbe wechseln zu lassen wie ein Chamäleon, um sie im Kern unverändert (gewaltbereit, frauenfeindlich, totalitär) zu belassen wie ein Dinosaurier.

85, 86. die liberalen, die progressiven Muslime müssen … sich mehr damit auseinandersetzen, was ‚der Islam’ wirklich will.

Auf die Resultate des Denkprozesses dürfen wir gespannt sein, vielleicht in Kaddors nächstem oder übernächstem Buch.

Exkurs: Wertevermittlung, Sozialarbeit.

Da Lesefähigkeit oder Denkfähigkeit eines Kindes oder Jugendlichen die Zielsetzung der Islambegeisterung stören, kann das Curriculum unbesorgt ausgedünnt werden. Kaddor verzichtet, insofern bereits folgerichtig, im Allgemeinen noch auf die simpelsten Anwendungen des Prinzips von Ursache und Wirkung ebenso wie auf Einordnung der Normen der Sunna in das Koordinatensystem der Psychoanalyse, pädagogischen Wissenschaft oder universellen Menschenrechte. Allāh denkt für dich und legt dir die Erinnerungslosigkeit auf. Geschichtskundigkeit ist Mangel an Gottvertrauen, die Tatsache an sich lästert die Gottheit.

Der postmoderne Ex-Intellekt setzt auf unhinterfragbares Expertentum und den Konsum von seichter oder ekstatischer Unterhaltung (Events). Kontingenz statt Kontinuität, Isolation statt Korrelation. Den momentanen Inhaber des Charisma aufgekratzt verehren und gleich darauf beseitigen (islamischer Königsmord bzw. Kalifenmord), anything goes & in šāʿa llāh. Neben dem durch Sozialpädagogik und Soziologie schleichenden Wolfsrudel der Radikalen Konstruktivisten kann Niklas Luhmann mit seinem Begriff der Kontingenz als Wegbereiter dieses postmodernen Fragmentarismus gelten. Luhmanns in seine von „Selbstreferenzialität“ (alles und jeder quatscht gewissermaßen autistisch vor sich hin) triefende Systemtheorie hineinbugsierter Begriff der Kontingenz ist womöglich wenig mehr denn ein Posttraumatisches Stress-Syndrom eines 15-jährigen Luftwaffenhelfers und Inhaftierten in amerikanischer Kriegsgefangenschaft, vielleicht wurde dem Erfinder der Kontingenzlehre ein Stockholm-Syndrom zum persönlichen Rachewerkzeug.

Die Postmoderne jedenfalls führt den Krieg gegen die Gewissheit und den Kontext, versehentlich oder bedarfsweise bereits auch gegen Rechtsgewissheit und Rechtseinheitlichkeit. Das nach innen und außen gestuft diskriminierende Recht der Scharia und des Fiqh kommt den in Sozialarbeit und Pädagogik einflussreichen Alt-Achtundsechzigern als den Anhängern der Kausalitätsverweigerung („Kontingenz“) dabei entgegen. Zunehmende Lust bringe allein das zunehmend Amorphe, wozu sich auch die Altersgrenzen des Jugendschutzes auflösen mögen, wie die allzu spät entdeckten Skandale um die linke und reformpädagogische Odenwald-Schule zeigen.

Der die Soziale Arbeit durchaus prägende Auflösungsphilosoph Theodor Maria Bardmann (in: »Leben wie Theorie«) schreibt:

»Wir können der Welt nur unterschiedliche Problemlagen abtauschen! … Luhmann wurde eines Tages von einem kontingenzverliebten Freund gefragt: „Seit wann, Herr Luhmann, denken Sie Kontingenz?“, und Luhmann soll geantwortet haben: „Herr X, unsere Gymnasialklasse ist 1945 noch zur Wehrmacht einberufen worden. Ich stand mit meinem Banknachbarn an der Brücke Y, zwei Panzerfäuste in vier Händen. Dann machte es Zisch, ich drehte mich um – da war kein Freund und keine Leiche, da war nichts. Seitdem, Herr X, denke ich Kontingenz.“ Fürwahr: Alles könnte anders sein!« Soviel zum Professor für Medienpädagogik Theodor Maria Bardmann, einem Strategen der Entwerdung (30).

Oder, wie es ein gewisser, Luhmann und Bardmann nutzbar machender Georg Singe (in: »Chaos und Selbstorganisation. Systemtheoretische Impulse für eine diakonische Praxis« predigt: „So entscheidet sich die Moral an dem Kriterium der Brauchbarkeit. … Die eigenen Gewissheiten und Überzeugungen werden selbst zur Disposition gestellt. Das Leben und auch die Soziale Arbeit mit Klienten geschieht in einer Welt voller Provisorien (31).“

Soweit zu den sich auf die Doktrin des Radikalen Konstruktivismus berufenden Parteigängern der gemeinhin „Toleranz“ genannten Allgültigkeit (Gleichgütigkeit), die seit einem Vierteljahrhundert große Teile der wertebeliebig (handlungsunfähig) gewordenen Sozialpädagogik und Sozialarbeit prägt. Allahs Gesetz kann kommen. Lamya Kaddor:

86. Meiner Meinung nach müssen Gläubige mehr über ihr Leben nachdenken; … sich um ihre Familien kümmern, … nach Wissen suchen.

Rührend. Mit Imam-Ehe, Kopftuch und einem freiem Denken innerhalb der von Allahgott gesetzten Grenzen. Kaddor betreibt, hier ähnelt sie dem um das Frauenwohl bekümmerten Tariq Ramadan, Familienfürsorge.

Noch zur Familie im Islam. Auch die allseits sexuell überwachte, ins Haus ziehende Schwiegertochter sorgt dafür, dass der Bräutigam islamischer Tradition seiner Mutter gegenüber keinen Prozess der Ablösung vollziehen kann. Die durch ihre eigene Mutter gewissermaßen zu verstoßende Tochter, sie muss im Patriarchat „ausheiraten“, steht dem prinzengleichen Sohn gegenüber, dem Garanten der öffentlichkeitswirksamen Stammestradition und dem Inhaber des Familiennamens, was der schariakonformen Rolle der Mutter unter islamophilen Betrachtern einen matriarchalischen Status verleiht, nüchternere Beobachter indessen erkennen die Söhnchenfabrik („zoontjesfabriek“, Ayaan Hirsi Ali). Die in den fremden Haushalt kommende Braut ist männerrechtliche Küchenhilfe der Schwiegermutter und mag darauf warten, sich ein Vierteljahrhundert später an ihrer Schwiegertochter zu rächen. Necla Kelek schreibt in »Die fremde Braut. Ein Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland «: „Gelin, das heißt: die die kommt; so nennt man die Braut, die ins Haus kommt. Import-Gelin heißen die Bräute, die man nach Deutschland holt.“ Schwestern verlieren im islamisch geprägten Teil der Welt „traditionell“ (systematisch) den Kontakt zueinander, Kommunikation ist Sache der Männer, doppelsinnig gesprochen: der „Brüder“. Dass der Gesicht und Mund verdeckende Schleier der Frauen in Teilen Afghanistans und der Arabischen Halbinsel das Gespräch unter Frauen, zumal das öffentliche, verunmöglicht, tritt wie erwünscht hinzu. Der töchtertauschende Männerbund ist Gott wohlgefällig und kulturelle Kontinuität, Frauenerwerb und Frauenfreigang bleibt eine von Dämonen umschwirrte Beunruhigung der öffentlichen Ordnung.

(Auch im vaterrechtlich geprägten Europa heißt es bis heute undurchdacht, ein Mann würde „ein Kind zeugen“, nicht aber, eine Frau zeuge das Kind, obschon beide an der Fortpflanzung beteiligten Menschen jeweils einen halben Chromosomensatz stiften und damit die gleiche Menge an Erbinformation.)

86. Zudem fehlt es in Deutschland an intellektuellen Debatten über Religion. Wo sprechen etwa prominente Muslime offen über diese Fragen? Spontan fällt mir nur der Schriftsteller und Islamwissenschaftler Navid Kermani ein, der sich regelmäßig äußert. Vielleicht noch der Publizist Feridun Zaimoğlu, der sich im Zuge der Islamkonferenz von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble zu Wort gemeldet hat. Wir brauchen jedoch einen öffentlichen Austausch, um etwas ins Rollen zu bringen.

Was bitte soll denn hier rollen und wohin? Die säkulare Demokratie vollends in die Allahkratie oder das Grundgesetz nur ein wenig in Richtung der Scharia?

Nicht ungeschickt (und wieder ein wenig an Tariq Ramadan erinnernd) macht Kaddor Stimmung für eine theologisierte Politik beziehungsweise politisierte Religion. Zu diesem Zwecke dürfte auch Erzbischof Rowan Williams bald wieder auf der öffentlichen Bühne erscheinen und für die Legalwerdung des Islamischen Rechts werben, vielleicht, wie Tariq Ramadan, vor den schrecklichen Dschihadisten warnend (diese haben sicherlich den „Kern“ des Islam missverstanden). Moralisch schwammige Kirchentagsmilieus mögen vor den organisierten Kreationisten zwischen Harun Yahya (Adnan Oktar) und Intelligent Design (ID) warnen, solange nur Islam und Friedfertigkeit gleichgesetzt werden können.

Der orthodox in die Scharia dressierte Muslim ist in einem Milieu der allgegenwärtigen Erpressung beheimatet, in einem Weltgefühl des sich sekündlich verfinsternden Schmerzes. Erklärlicherweise erlebt er Verunsicherung, sobald er die Zone der Schmerzfreiheit (AEMR) betritt. Diese Irritation erzeugt Hass, der nicht dahin umgeleitet werden kann, wo er hingehört, nämlich auf Imame, Eltern und Ehepartner. Diese nämlich hatten entgegen aller Beteuerungen nicht das Beste des Einzelnen, des Kindes, im Blick gehabt. Die Lebenslüge aber zu erkennen, jedenfalls zu bekennen, würde brutale Angriffe aus Stamm, Nation und umma nach sich ziehen. Und so folgt man der seit spätestens al-Maudūdī und Erbakan wieder allzeit greifbar gewordenen Ermunterung, der milla (Glaubensnation) der Juden oder Christen die Schuld an der persönlichen Misere zuzuschieben, eigentlich ausschließlich den Juden (Koran als Gottesbeweis, existierende Juden als islamischer Teufelsbeweis). Der Anspruch auf unteilbare Menschenrechte, insbesondere die Forderung nach der Gleichberechtigung von Mann und Frau, sei Ursache der islamischen Krise oder islamischen „Depression“ (Kaddor) und im Namen der Toleranz oder Multikulturalität abzuwehren, um den Krieg oder Bürgerkrieg zu verhindern.

112. Es muss endlich Schluss sein damit, Muslime als ein Volk zu betrachten

Kaddor verplappert sich und nennt die milla beziehungsweise umma beim Namen Religionsvolk. Das heilssichernde milla-Prinzip wird im Falle der Millî-Görüş-Bewegung oft übersehen. Das Osmanische Reich betrieb als Sachwalter Allahgottes Coaching und Management der Halbfreien- oder Sklavenkollektive (Serben, Griechen, Armenier und Juden). Die Gottheit des Koran nämlich hatte und hat die höchst irdische Führung jener Glaubensnation übertragen, der sich auch ein heutiger Islamic Supremacist zugehörig fühlt und von der jeder liberale Muslim geschluckt wird. Die dem islamischen Herrenvolk unterworfenen osmanischen Religionsvölker der jenseitsfokussierten Apartheid („Gesamtgesellschaft“) trugen den Namen Millet, und genau dieses milla beziehungsweise millet ist als „glaubensnational“ (millī), Bestandteil der radikalislamischen Erbakan-Bewegung, hierzulande der IGMG. Obschon milli im heutigen Türkischen national bedeutet (enthalten etwa im Namen des kappadokischen Nationalparks, Göreme Milli Parklar, Provinz Nevşehir), ist Millî Görüş keineswegs als Nationale Weltsicht zu übersetzen, wenn auch der pantürkische Rassismus im Erbakan-Umfeld eine bedeutende Rolle spielt, sondern als (schariatreu gemeinte) „Religiöse Weltsicht“. Geeigneter ließe sich Millî Görüş als „Schariapolitische Weltanschauung“ wiedergeben, IGMG als „Islamische Gemeinschaft der Scharia-Staatslehre“. Dass der Antisemitismus in der Türkei (wie im ganzen arabischen Raum) geradezu folkloristisch verankert ist und durch höchste Politiker permanent befeuert wird, ist dabei ebenso wenig aus dem Auge zu verlieren wie das Leugnen des Völkermordes an den Armeniern sowie an den aramäischen und assyrischen Christen (Suryoye, Sg. Suryoyo), dessen Aufdeckung als nationale Schmach („Beleidigung des Türkentums“) gilt, wohlgemerkt die faktentreue Enthüllung, nicht der Völkermord selbst, den zu leugnen die türkische nationale „Ehre“ sichert.

Sprachlich ist Supremazismus ist von Suprematismus zu unterscheiden, das englische supremacism (frz.: Le suprémacisme) von suprematism abzugrenzen, dem um 1915 in Russland entstandenen Kunststil (»Супрематизм«) des ab 1912 radikal ungegenständlich arbeitenden Malers Kasimir Malewitsch (32). Als rassistische Weltanschauung gestattet der Supremazismus einer bestimmten Ethnie die Ausübung der Vorherrschaft. Er kann auch „gesellschaftlich“ (kulturrassistisch) verstanden werden, als Hegemonialanspruch einer Lebensform über alle anderen (33). Beides trifft für den klassischen Islam zu.

Im Übrigen können wir Frau Kaddor beruhigen, denn ob ein Deutscher seinen felsenfest imaginierten Lieblingsengel als Gabriel oder Ǧibrīl‎ verehrt, ist dem Souverän, dem Volk, einerlei (noch). Und bei den organisierten Ex-Muslimen innerhalb einer freiheitlichen Nation kann jeder kommen und gehen.

112. Es muss endlich Schluss sein … alle [Muslime] über einen Kamm zu scheren.

Der Kamm heißt das Islamische Recht, und wer hier schert, ist nicht die BRD, sondern die koranische Gottheit.

Allahgott stiftete zwei Kämme, einen separaten für die Nichtmuslime. Muslime und Nichtmuslime müssen islamisch mit zwei verschiedenen Messlatten bewertet werden.

112. Immer wieder heißt es: die Muslime wollen die Scharia, die Muslime heiraten nur untereinander, die Muslime kennen keine Gleichberechtigung.

Genau. Wer gegen die Scharia anredet, gilt als Apostat und darf ermahnt, bedroht oder ermordet werden, die Tochter eines Muslimen darf auch gemäß der Islamdeutung einer Lamya Kaddor keinen Nichtmuslimen heiraten. Qurʾān, ḥadīṯ und sakrale Jurisprudenz (fiqh), kurz: al-islām ist die Herabsetzung der Frau.

113, 114. Der Islam spricht den Menschen als Individuum an, aber auch als Teil der umma, der weltweiten muslimischen Gemeinde. … Der Islam ist die Quelle, von der ein gläubiger Mensch sein ganzes Leben lang zehrt.

Den Menschen schariatreu begegnen in den al-muʿāmalāt, der zwischenmenschlichen Dimension des islamischen Gesetzes, der Gottheit schariatreu begegnen in der Dimension der al-ʿibādāt, den gottesdienstlichen Handlungen. Eindeutig ehrt und fordert Kaddor damit das vollumfängliche Islamische Recht, zu den zwischenmenschlichen Beziehungen (muʿāmalāt) gehören nicht zuletzt das Scharia-Familienrecht und das Scharia-Eherecht. Auch von Dinslaken-Lohberg aus wird eine schulnahe und separatistische Jugendbewegung auf geduldige (ṣabbār, Substantiv ṣabr) Demokratieresistenz im Namen der Religionsfreiheit eingeschworen.

Dieser Islamische Religionsunterricht (IRU) wird gegen den säkularen Staat immunisieren helfen und zum Verfestigen der Kontraststaatlichkeit ermuntern (eigene Rechtssprechung, etwa: die Imam-Ehen am aufzubauenden Scharia-Gerichtshof schließen, trennen und beurteilen), weshalb muslimische Eltern ihre Kinder nicht in einen solchen Unterricht schicken sollten und der freiheitlich und verfassungskonform bleibende Staat die Finanzierung von schariakonformen Religionslehrern und ebensolchen Imamen einstellen muss. Kaddor bekennt sich zu einem strengstens an Scharia und Fiqh orientierten, allahzentrischen Weltbild, das in der kulturellen Moderne schlicht reaktionär dasteht und, da politisch ambitioniert, revolutionär. Der orthodoxe Islam ist der revolutionäre Islam.

Lebenssinn ist, Allahgott nahe (qarīb) zu kommen, das Leben des Muslimen ist Annäherung (at-taqarrub) an Allāh. Demokratie ist damit Kriegsführung gegen den Himmelsgott, Blendwerk des Satans oder lächerliche menschliche Anmaßung. Der Weg zur Tränke beziehungsweise zur „Quelle“ (Kaddor), von der jede Zuversicht ausgehe, ist selbstverständlich … die der Menschheit gestiftete Islamische Pflichtenlehre, die Scharia. Eine andere Hoffnung und sittliche Daseinsfreude, als dereinst dem Höllenfeuer zu entrinnen und in die Nähe Allahs zu gelangen, gibt es nicht, und nur im peinlich genauen Nachschreiten der prophetischen Fußspuren und derjenigen der gottesfürchtigen Lehrerin gelangt der Dinslaken-Lohberger Grund- und Hauptschüler in die Ǧanna, zum absoluten menschlichen Ziel.

114. „Die Engel betreten kein Haus, in dem sich ein Hund oder eine bildliche Darstellung befindet.“ (nach Buchârî)

Muhammad al-Buchari (* 810 in Buchara), Scheich Ahmad Kutty (* 1946 in Kerala) und Lamya Kaddor (* 1978 in Ahlen) legen den muslimischen Jungen und Mädchen nahe, kein Abbild eines beseelten Wesens (Tier, Mensch) an die Wand zu hängen und sich als Haustier allenfalls eine Katze, jedoch keinen Hund zuzulegen. Ahmad Kutty: „Uns ist es nicht gestattet, einen Hund als Haustier zu halten. We are, however, not allowed to keep a dog as a pet (34).“

116. Die erste Frage kam von einem Mann aus Großbritannien: Ob seine muslimische Frau eine Arbeitsstelle annehmen dürfe, die nach der Scharia für sie erlaubt sei, wo sie also mit Kopftuch an einem für jedermann öffentlich zugänglichen Ort arbeiten könne?

Die orthodox-islamisch ausgerichtete Religionslehrerin beschreibt, wie in ihrem muslimischen Familienkreis mitten im säkularisierten Westfalen (Kaddor: „einer unserer ganz normalen Sonntage“, Seite 114) der unablässig laufende und auf den Kanal al-Jazeera eingestellte Fernsehapparat die Sendung Scharia und Leben mit halbem Ohr verkonsumiert wurde. Millionen von Haushalten taten es dieser Familie gleich (und tun es immer noch) und lauschten auf die Lebensführungstipps des Scheichs (Kaddor: „das mahnende, fast schon bedrohlich klingende Sprechen des alten Mannes mit Vollbart“, Seite 115) und Muslimbruders, dessen Vollbart und Sprachklang für Kaddor bis heute sehr viel beunruhigender („unheimlich“) zu sein scheint als der radikal gegenmoderne Inhalt seiner Fernsehpredigten.

Weder distanziert sich Kaddor von Herrn al-Qaraḍāwī noch von den strengstens schariakonformen Inhalten seiner TV-Serie »aš-Šarīʿa wa l-Ḥayāt« (Islamic Law and Life), der telemedialen Variante einer sanften Islamischen Revolution. Kaddor erblickt „einen muslimischen Geistlichen, … der reihenweise Fatwas von sich gab, also die Fragen von Muslimen aus aller Welt beantwortete, die live bei ihm anrufen konnten.“

Fatāwa („Fatwas“, Sg. fatwā) sind allerdings keine „Antworten“ (Kaddor), sondern Rechtsgutachten, deren Nichtbefolgen nach orthodoxer islamischer Auffassung deine Seele mit einiger Wahrscheinlichkeit in die Hölle transportiert. Im Falle eines hoch anerkannten Scheichs wie al-Qaraḍāwī sind fatāwa leider nach wie vor innerhalb der meisten muslimischen Milieus ungefähr so erfolgreich erpresserisch wirksam wie katholisch-bischöfliche oder päpstliche Verlautbarungen in westeuropäischen Kleinstädten zur Zeit des Ablasshandels. Jeder kuscht, manch einer agiert als Tugendwächter, als eine Art Hexe ist die Frauenrechtlerin ungefähr todeswürdig.

Kaddor teilt uns die Antwort gar nicht erst mit, erhöht aber wie unbeabsichtigt den in Deutschlands muslimischen Communities herrschenden sozialen Druck, den „Fatwas“ im besonderen und der „Scharia“ im allgemeinen Folge zu leisten und den Scheichs sowieso.

Nun spielt Kaddor ein wenig Islamkritikerin:

117. Merkte meine Mutter nicht, dass der Geistliche von einer Realität sprach, in der wir gar nicht lebten? Ich wollte nicht schon wieder nachfragen. Aber ich versank in Gedanken.

Das ist raffiniert doppelzüngig, die Multikulturalisten denken, die nach eigener Aussage temporär gedankenversunkene Pädagogin habe sich von dem weltbekannten antimodernen, frauenfeindlichen und antisemitischen Scharia-Rechtsgutachter distanziert. Die Freunde der Islamischen Revolution indessen zwinkern sich kundig zu und lesen aus der beschworenen europäischen „Realität, in der wir gar nicht leben“ heraus, dass es jetzt darauf ankommt, den ewigen islamischen Anspruch der allahbewussten Sexualerziehung, Lebensweise und Staatlichkeit auch in Deutschland Wirklichkeit werden zu lassen.

Ein ausgesprochen „klientenzentrierter“ Ansatz, wie wertebeliebige Sozialpädagogen seit Jahren gerne und die Standards der Wissenschaft glücklich überwindend frohlocken. Nimm dir, was du brauchst.

Mit Allahgottes Marschbefehl, mit der überprüfbar erfolgreichen, „handlungsorientierten“ ḥisba die nichtige (bāṭil) soziale Wirklichkeit Deutschlands der Allah wohlgefälligen, zeitlosen Realität (Erbakan: ADİL DÜZEN) anähneln.

Lamya Kaddor umschreibt die Schariatisierung auf Seite 79 mit „Der Islam in Deutschland bekommt Konturen. Er hat immer mehr Ecken und Kanten, ist aber an vielen Stellen noch blass.“ Europas ranghöchster Großmufti, Herr Mustafa Cerić aus Sarajevo, wird Kaddor gerade auch hierbei sicherlich zuzustimmen, nicht zuletzt die unangenehm bleiche Ecke des islamischen Familienrechts betreffend. Wer islamische „Konturen“ (Kaddor) fordert, will das einheitliche Recht beenden und die koranisch befohlene Rechtsverschiedenheit herstellen: Muslime versus Nichtmuslime, intern noch einmal „bereichert“ durch ein ebenso Seelen rettendes wie irdisch herabwürdigendes Sonderrecht für die halbe Portion der muslimischen Frau.

Von Bosnien aus fordert der Reisu-l-ulema, der Führer der Gelehrten: „Opening the way for Muslim law to be recognized in matters of personal status such as the Family Law (35).“

118. Dass sich viele Muslime damit schwer tun, zu (hinter)fragen, liegt nicht am Islam.

Weshalb Kaddor, für die Kausalität nur situativ Geltung besitzt, schließlich ist es nur Allahgott, der eine Wirkung verursacht hat und den unsere menschliche, auf Eigenschaften zielende Sprache nicht erfassen kann ohne ihn zu schmähen, bei CIBEDO weiß:

„Die Aufklärung ist für den Islam nicht übertragbar (36).“

Wissenschaftler, lasst uns Parteigänger der Scharia mit eurem beobachtenden Geist in Ruhe. Ein neuartiger Checkpoint Charlie an der Grenze zur islamisch befreiten Zone müsste eigentlich, ginge es nach Aufklärungsverweigerin Kaddor, eine Warntafel errichten: Achtung, Sie betreten den islamischen Sektor, bis hierher darf gedacht werden und keinen Schritt weiter.

»iKfR«

Europapolitiker Pöttering (2008) und Bundespräsident Köhler (2010) verteidigen einen angeblich absolut friedlichen „Kern“ des Islam. Mit dem „eigentlichen“ Islam habe Gewalt gegen Frauen und Nichtmuslime gar nichts zu tun. Der über das Schicksal der Menschheit erleuchtete damalige Präsident des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering, offenbarte im Mai 2008 sein: „Der Islam ist eine im Kern friedliche Religion“, wobei ihm zwei Jahre später der (aus anderem Grund kurz darauf von seinem Amt zurückgetretene) Bundespräsident Horst Köhler faktenfern sekundiert hat: „Ich kenne den Islam als im Kern friedliche Religion“.

Das lässt sich abkürzen, das Pötteringsche und Köhlersche „[der] Islam … [als eine] im Kern friedliche Religion“, zur Fortschrittsformel: »iKfR«.

184. Und ja, Gott hat Muhammad und seinen Anhängern in der rauen und lebensfeindlichen Welt der arabischen Wüste im 7. Jahrhundert erlaubt zu kämpfen und zu töten. Aber die Antwort auf die Frage, ob und inwiefern das überhaupt für uns heute noch irgendeine Bedeutung hat, dürfen wir Muslime nicht den Fundamentalisten überlassen.

Fallweise bringt Islam um (Einzelfalllösung). Allah als Auftragsmörder.

Let`s talk about killing. Ja, wie ist das denn nun, wann den Gotteslästerer köpfen, wann den Juden? Herr Ex-Bundespräsident (»iKfR«), ich bitte Sie, wenn wir heute Abend nicht in entspannter Atmosphäre klären, ob wir ab morgen den Gotteslästerer ermorden, entscheidet das übermorgen irgend so ein schrecklicher islamischer Fundamentalist.

184. Der Islam kennt Gewalt. Das stimmt. Aber vielleicht war er in diesem Punkt von Anbeginn an einfach realistisch?

Selten genug. Sekundenweise sagt uns Lamya Kaddor die ganze Wahrheit über den Islam.

184. Der Islam kennt Gewalt. Das stimmt. Aber vielleicht war er in diesem Punkt von Anbeginn an einfach realistisch? Auch im Alten Testament heißt es „Auge um Auge, Zahn um Zahn“.

Der Friedfertige sei unrealistisch. Juden und Kirchenchristen sollen nach Kaddor nun vielleicht die Steinigung der Ehebrecherin reaktivieren, damit der muslimischen Religionspädagogin die mutmaßlichen Gottvergessenen endlich wieder als fromm erkennbar werden.

Wahrhaft multikulturell bekennt sich Kaddor zum Lex Talionis, zum barbarischen Vergeltungsrecht, wie es im Iran, wo der „schöne“ Islam (Pöttering, Horst Köhler: die „im Kern friedliche Religion“) zu Allahs Lob und Preis auch im Strafrecht aktiviert ist und als Qesās (al-qiṣāṣ) in Kraft tritt, der die Maßgaben der Verletzung der von Allāh gesetzten Grenzen (ḥudūd, Sg, ḥadd) mit die Haut zerfetzenden Rutenhieben (Birgit Krawietz sowie Assia Maria Harwazinski: „Die Ḥurma“) und abgehackten Körperteilen ergänzt. Ins Englische übertragen meint ḥurma die heilssichernde und sexualmagisch ansetzende „physical inviolability (intactness)“, die islamisch stets mit mehr oder weniger Brutalität einhergeht. Das authentische islamische Körpergefühl der „bodily integrity“ ist auch für die Zuschauer einer Steinigung erlebbar. Erhängen bitte nur bei Sonnenaufgang, nicht dass wir die heilige ḥurma verletzen.

Die eben nicht unbedingt geltende Würde des Menschen im orthodoxen Islam und die sehr bedingte körperliche Unversehrtheit sind für die Lehrerin aus Dinslaken „einfach realistisch“.

185. Koranverse … Viele sind ewig gültig – auch im Wortlaut.

Welche, weiß al-Qaraḍāwī sehr genau und Lamya Kaddor ein bisschen genau wa-llāhu āʿlam (und Allah weiß es am besten).

Und der Koranschüler soll die Ohren aufsperren und der Nichtmuslim darf gar nicht mitreden.

Lamya Kaddor erzieht zur orthodox-islamischen prinzipiellen Weltungewissheit, in der den Sinnen ebenso wenig zu trauen ist wie dem Verstand. Dem Befehl der Gottheit hingegen, wie er in Koransuren, Prophetenbiographie und in den fatāwa der šuyūḫ (Scheiche, Scheichs, Sg. šaiḫ) Gestalt annimmt, ist absolutes Vertrauen entgegenzubringen. Wenn ich Frau Kaddor nicht falsch verstehe, verdiene auch Ayatollah Chomeinis Islamische Revolution kein grundsätzliches Misstrauen.

185. Welche Verse für uns heute gültig sind, kann nur durch Vernunft entschieden werden. Die Diskussionen darüber sind nun zu führen – innerhalb der muslimischen Gesellschaft.

Psst, bitte nicht stören, hinter diesen Türen tagt die Šūrā (Schura, wörtlich „Beratung“, schariakonforme und hofzeremonielle Ratsversammlung) und beschließt, welcher bundesdeutsche Paragraph ab morgen durch einen Koranvers zu abrogieren ist.

Der Staat von Medina gilt leider nach wie vor nahezu allen organisierten Muslimen auf der Welt als die einzig sittlich zu nennende Lebensweise. Jede schuldhafte Entfernung von ihren Normen stelle das Seelenheil infrage, jede Veränderung könne die gefürchtete bidʿa verkörpern. Auf dieser Grundlage kommt den Kartellen der Islaminterpretation, das sind im Wesentlichen die Jamaat-e-Islami (JI) als Partei und breite islamisch-revolutionäre Bewegung in Pakistan und Bangladesh sowie die je nach Staat in ein anderes Gewand schlüpfende und folglich unübersichtlich erscheinende Muslimbruderschaft (MB, in Europa FIOE, ECFR, FEMYSO, MJD, in Deutschland die IGD und damit ein ganz klein wenig der ZMD). Die dritte für Europa bedeutsame Kraft dieser globalen aggressiven islamischen Bewegung um JI und MB ist multinational operierende, auf Menschen türkischer Sprache beschränkte Millî Görüş.

Exkurs: Islamismus?

Den Begriff Islamismus weisen Islamkritiker zurück, wir sprechen von einem dynamischen Islam (der ländliche sowie mystische Islam sind dann der statische Islam) oder auch von einem aktivierten Islam (Volksislam und Sufismus als der passive Islam). JI und MB haben schlicht „ausgeschlafen“ (Lamya Kaddor) und sind aufgewacht, die Anhänger der Mystiker und Marabouts (Sg. Marabout, afrikanischer unorthodox-muslimischer Heiliger oder oberflächlich islamisierter Dorfzauberer oder dessen Grabstätte, etymologisch von al-murabiṭ, auf der Festung stationierter Krieger Allahs, vgl. ar-ribāṭ, „islamische Grenzfestung“) schlafen gerade ein wenig. Der statische (passive) Islam kann also jederzeit in den dynamischen (aktiven, aktivierten) Islam kippen, einem angeknipsten Lichtschalter ähnlich oder der Modifikation des Elements Kohlenstoff. Graphit und Diamant haben beide das (zufällig einer Mondsichel ähnelnde) Elementarzeichen »C«. Mohammed Bouyeri, der Mörder Theo van Goghs, verwendete das Gleichnis von dem aus Kohle entstehenden Diamanten (der umma oder vielmehr ihres erwachten Teils) einer Art von reiner und die Welt reinigender Islamischer Jugendbewegung, die ungeheuren Kräfte der Kristallschaffung mit den Widrigkeiten, Beleidigungen und Unzumutbarkeiten der kulturellen Moderne identifizierend. Die Nichtmuslime haben angefangen, ǧihād ist in dieser Logik immer Notwehr. Gräberverehrung oder Derwischtanz sind aus dem Blickwinkel von al-Maudūdī, Said Ramadan oder Necmettin Erbakan islamisch inkonsequent, die sprachlich getrennte (urdu-, arabisch- und türkischsprachige) Arbeit der den US-amerikanischen sowie den europäischen Wagen an einem Strick gemeinsam in Richtung des Kalifats ziehende JI-MB-Millî-Görüş-Bewegung jedoch ist gelebte Islamkonsequenz und definiert in München, Köln, Aachen, Bremen, Hamburg und Berlin leider längst, was unter Islam zu verstehen ist. Das kann in hundert Jahren ja einmal anders sein, zurzeit aber ist nicht nur der so genannte orthodoxe, sondern jeder organisierte Islam der revolutionäre Islam, der den Separatismus betreibende Islam.

185. Glücklicherweise gibt es viele unklare Verse im Koran, die erklärt werden müssen.

Und die dann ebenso befolgt werden müssen.

Von der Evangelischen Akademie Tutzing (vielfacher Gastgeber für Benjamin Idriz) oder der Katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart (»Theologisches Forum Christentum – Islam«) aus, mit Hilfe der Eugen-Biser-Stiftung (Ehrengast war Mustafa Cerić), der Christlich-Islamischen Gesellschaft (CIG), des Interkulturellen Rats (IR, Jürgen Micksch) sowie mit den kopftuchfreundlichen und die arrangierte Ehe verteidigenden Wissenschaftlerinnen Barbara John, Ursula Boos-Nünning und Yasemin Karakaşoğlu findet eine, im Namen des ungefragten Abrahams selbstverständlich schariakonforme, Theologisierung der Politik statt, eine Entsäkularisierung der Bundesrepublik Deutschland.

Das Islamische Umweltverändern zwingt den Nichtmuslimen die neuartige Tugend auf, überall da, wo Islambewerbung gerade nicht im Raume steht und wo die Zuarbeit brutaler Misogynie noch nicht realisiert werden kann, möglichst „amorph“ zu sein, möglichst anpassungsfähig-formlos („flexibel“). Der nichtmuslimische Selbsthass und die islamische Selbstverherrlichung arbeiten damit Hand in Hand wie die beiden Beteiligten einer auflösenswerten Ehe oder Partnerschaft. Die Partner – und in Europa oder Deutschland eben auch: „die Nichtmuslime“ und „die Muslime“ – befinden sich in Kollusion, einem unbewussten Zusammenspiel über dem zwar andersartigen und damit verschiedenartig gebrauchten, aber letztlich gemeinsam verwendeten Grundkonflikt und werden ihre Partnerschaft, die so genannte Beziehungsfalle, gegen Aufbrechen ebenso wie gegen Selbsterkenntnis äußerst aggressiv verteidigen. Sich kritisch um MJD einerseits und INSSAN-Beirätin Barbara John andererseits bekümmernd, Konvertitin Rabeya Müller ebenso analysierend wie den katholischen Schariafreund Armin Laschet, gleicht der Islamkritiker dem Paartherapeuten und muss in zwei Richtungen Zähne zeigen, wie es die Säge eines tropischen Fisches freundlicherweise vormacht.

185. Die meisten der liberal-gläubigen Muslime halten eine solche innerislamische Debatte für unabdingbar … viele Fragen sind zu klären. Wer … nicht bereit ist, ergebnisoffen darüber zu diskutieren, kann in meinen Augen nur als fundamentalistisch gelten.

Lamya Kaddor stellt klar: Wer in der „Debatte“ etwa den Vorbehalt der universellen Menschenrechte fordert, diskutiert nicht „ergebnisoffen“ und verdient das Etikett eines Fundamentalisten. Es ist alles andere als ein Zufall, dass Kaddor an dieser Stelle IGMG und ZMD nicht beim Namen nennt oder diese gar als fundamentalistisch benannt wissen möchte.

Den Muslimbrüdern, Millî-Görüş-Bewegten und sonstigen Kalifatsfreunden wird implizit angeraten, ein wenig Geduld (aṣ-ṣabr) zu üben und ihre Ziele vorläufig zu verheimlichen (taqīyya ist hier schließlich ḥalāl, erlaubt, wenn nicht farḍ, Pflicht, denn das Leben mag zwar ungefährdet sein, doch ist der öffentliche Ruf, Allahgott ist auf „Ehre“ sehr bedacht, bedroht, und mit einem aus einem Gefängnisaufenthalt resultierenden Einkommensverlust ist zudem auch das Eigentum in Gefahr. Lebens-, Ruf- oder Eigentumsgefährdung, at-taqīyya ist ebenso geboten wie das entrüstet tuende Abstreiten ihrer momentanen Anwendung.

Nach dieser Kaddorschen Definition war Nadeem Elyas und ist Axel Ayyub Köhler nicht „fundamentalistisch“, im Gegensatz zu Necla Kelek und Seyran Ateş, die bei der ersten Runde der Islamkonferenz (DIK, 2006 – 2009) nicht bereit waren, die Gleichberechtigung von Mann und Frau „ergebnisoffen“ zu debattieren und die man bei einer innerislamischen Debatte zurzeit deswegen auch nicht zulassen würde.

Kaddor („sich dem innerislamischer Diskurs zu verweigern, zeugt von wenig Kenntnis der islamischen Theologie“, Seite 185) tut so, als könnte es einen unter muslimischen Menschen mehrheitlich anerkannten pakistanischen Diskurs ohne Deobandi / JI, einen türkischen ohne Millî Görüş und einen europäischen ohne FIOE bzw. ECFR bzw. FEMYSO (alle drei: zur al-iḫwān al-muslimūn (MB)) geben. Sie weiß es besser – und sie schweigt zur Muslimbruderschaft.

189. Zuweilen bekommt man in einer Freitagspredigt Dinge zu hören, die ebenso menschenfeindlich wie unislamisch sind, wenn etwa ein Imam zum Hass gegen andere Menschen aufruft.

Die Pädagogin lügt uns ins Gesicht, der, wie stets ohne Quellenangabe, erwähnte Vorbeter handelt nicht „unislamisch“, sondern arbeitet ausgesprochen ordnungsgemäß, da der orthodoxe Islam den Hass auf die Islamapostaten heiligt, auf die Juden und die Heuchler (al-munāfiqūn). In der blühenden islamischen Stadt sind männliche Christen mit der Zwangssteuer (ǧizya, Dschizya) zu belasten, ihre Erniedrigung muss man die Nichtmuslime alltäglich spüren zu lassen. Christenfrauen sind bedarfsweise zu entführen und zu schwängern und mögen muslimisiert werden oder auch nicht, ihre Kinder und Kindeskinder bleiben lebenslänglich dem sittlich korrekten politischen Kult zugehörig. Ein Austritt aus dem Islam ist nicht möglich und auch von der Dinslakener Vorzeigelehrerin Lamya Kaddor nicht vorgesehen, die auch damit dem, was das Grundgesetz in Artikel 4 unter Religionsfreiheit versteht, nicht entspricht.

Bereits in der das Dasein reinigenden ḥisba-Formel („das Rechte gebieten und das Verwerfliche verbieten“) findet sich die sinngemäße Anweisung „Die Tugend gewaltsam durchsetzen und das Unislamische vernichten“. Lieben für Allah, Hassen für Allah.

Orthodoxer Islam ist Menschenfeindlichkeit. Politisch umgesetzter Koran, praktizierter Koran spaltet die Menschheit in verschiedenwertige Klassen, die differenziert abgestuft, muslimischerseits tatkräftig zu diskriminieren sind. Und Vorzeige-Lehrerin Kaddor will das Leben nach dem Koran und der Scharia.

191. Dass bereits junge Mädchen von ihren Eltern gezwungen werden, Kopftücher zu tragen, lässt sich nicht bestreiten, aber es ist gewiss nicht die muslimische Normalität. Gerade wenn die Zahl dieser Mädchen wachsen sollte, muss diesem Missstand mit konstruktiver Kritik begegnet werden.

Tragen sollen sie es aber doch, nur ungezwungen?

Was destruktive Kritik ist, wird Kaddor uns in Kürze offenbaren.

191. [Ehrenmorde, Gewalt, aufgezwungene Kopftücher] Konstruktive Kritik forscht nach den Ursachen der Missstände. Daran dürfen sich alle beteiligen, Muslime wie Nicht-Muslime. Der Antrieb dazu muss allerdings von innen heraus, von den Muslimen kommen.

Bei innermuslimischem Phlegma heißt es also abzuwarten, bis über das Grundgesetz verhandelt werden kann.

Unter Vorbehalt gewährt uns Kaddor die Beteiligung („daran dürfen sich alle Beteiligen“), sie hätte Integrationskritik verbieten können, sobald ein „Muslim“ beteiligt ist. Wie dieser „Antrieb“ zur Ursachenforschung denn entstehen soll und wohin er „die Muslime“ führen wird, lässt Kaddor leider offen. Vielleicht sind es für die Dinslakenerin ja ganz zufällig Koran und Scharia, welche den muslimischen Teil der deutschen Integrationsdefizite am gründlichsten heilen.

192. Der deutsche Staat ist gefordert, gerade solche Menschen verstärkt in seine Integrationspolitik einzubinden, die Deutschland nicht als Zwischenstation, sondern als Heimat verstehen, die an der Gesellschaft partizipieren und ihren Familien ein muslimisches Leben in Deutschland bieten wollen. Die schweigende Mehrheit der eingewanderten Muslime und ihrer Nachkommen will aktiv teilnehmen – allerdings auf gleicher Augenhöhe und nicht in einem Akt gnädiger Herablassung der Umgebung.

Es gilt Religionsfreiheit, das bedeutet, dass die bestehenden Gesetze einzuhalten sind. Für die Damen und Herren Muslime ist ein Sonderrecht nicht zu schaffen.

Kaddor will die Legalisierung („auf Augenhöhe“) des Schleiers und des islamischen Familienrechts („ihren Familien ein muslimisches Leben bieten wollen“), ohne welche, wie sie uns ein wenig bedroht, eine willige („aktive“) Teilnahme der Muslimstaatsbürger an der deutschen Gesellschaft („Partizipation“) nicht zu erreichen sei. Der künftige gesellschaftliche Zusammenhalt sei aufgrund deutscher Intoleranz und quasirassistischer Muslimfeindlichkeit dann eben nicht zu gewährleisten. Die Rhetorik der Erpressung begleitet das, warum es der Koranpolitik geht, das Umsetzen einer europäischen Ausformung der in Südasien erprobten Zwei-Nationen-Theorie. Die Two Nation-Theory, 1930 Vision, wurde 1947 Gestalt (Territorium) und fand 1956 ihre Erfüllung als verfassungsmäßige Ausrufung der ersten (nachmedinensischen) „Islamischen Republik“ auf Erden, Pakistan.

An der Kompromissbildung zwischen Schariarecht und BGB dürfen alle mitarbeiten, „Muslime wie Nichtmuslime“ (Kaddor Seite 192). Die der ḏimma (Dhimmitude) entstammende Aufspaltung der Staatsbürger in Allahbewusste („Muslime“) und Unerleuchtete („Nichtmuslime“) scheint bei all jenen kein Alarmgeläut ausgelöst zu haben, die, wie der Nichtmuslim (ḏimmi, Dhimmi) und gesamtgesellschaftliche Landesminister für Integration Armin Laschet, der muslimischen Religionspädagogin ihr wärmstes Wohlwollen erklären. Dass Lamya Kaddor ihre spendenskandalösen 20.000 Euro von der World Islamic Peoples Leadership entgegennehmen mochte, also von Herrn Muʿammar al-Qaḏḏāfī, besser bekannt als Revolutionsführer Gaddafi panafrikanisch genannt Bruder Führer (Brother Leader), wäre im niedersächsischen oder nordrhein-westfälischen Kultusministerium doch einmal der Rede wert gewesen. Sollte man meinen.

Kaum jemand scheint das Schulbuch Saphir (vgl. Sägefisch 084), an dem Lamya Kaddor beteiligt gewesen ist, auf schariakonforme, gegenmoderne oder fundamentalistische Inhalte geprüft oder es auch nur gründlich gelesen zu haben, doch die schulministeriellen, wohlfahrtsverbandlichen und kirchlichen Internetseiten waren gleich nach Publikation voll des Lobes über das die Segregation und Sezession begünstigende Werk aus dem Kösel-Verlag und sind es bis heute.

Exkurs: Soziale Arbeit

Seit den Achtziger Jahren wird in Sozialpädogogik und Jugendverbandsarbeit ein Dogma kultiviert, das jedes weitere Denken untersagt: „Den Fremden und das Fremde dürfen wir nicht ausgrenzen“, heißt es beispielsweise, man gab sich antifaschistisch und konnte sich als kleiner Widerstandskämpfer fühlen. Dass die Scharia die Islamapostaten ausgrenzt, es sei denn, der geheiligte und heilssichernde Mord wird als islamische Sozialisations- und Integrationsleistung verstanden, ist offensichtlich nicht länger von Bedeutung. „Tolerant sein“, „Vielfalt leben“ oder „Grenzen überwinden“ ist eine andere Nettigkeit eines kaum erkannten Totalitarismus, ein Nebelwurf, der die wie versehentlich stattfindende Implementierung eines als Religion im Sinne vor Artikel 4 GG getarnten Systems der Intoleranz ermöglicht.

Der politischen Korrektheit, sprich der Formlosigkeit zugewandte scoutistische Jugendfreizeiten ab etwa 1985 hießen folgerichtig „Neue Wege wagen“ (evangelische Jugendarbeit des VCP in Rheinland-Pfalz, Brexbachtal bei Koblenz 1986), „Nur eine Welt“ (VCP, Ruhpolding 1988), „Grenzenlos“ (VCP, Ferschweiler im Kreis Bitburg-Prüm 1992), „Über den Horizont“ (BdP, Friedeburg / Friesland 1993), „Globalis 2001“ (BdP, Westernohe 2001), „Panta rei – alles fließt“ (CPD, Wienhausen-Offensen an der Aller 2004) oder „Der Freiheit so nah!“ (CPD, Nördlinger Ries 2008). In eben diesem Vierteljahrhundert Jahren sickerte der bekanntlich mit dem Gedankengut der Herren al-Maudūdī und Quṭb bereicherte Wahhabitismus dank der Finanzierung spendabler arabischer Ölmultis in den Weltpfadfinderverband (WOSM und WAGGGS) ein, sodass eine pfadfinderische Islamkritik ausgeschlossen ist und das Wort Scharia gar nicht erst fällt.

Selbst Hochschulen für Sozialpädagogik, die Sonderausstellungen zum Thema „Toleranz“ durchführten (um 2005), wagten nicht, iranische Steinigung oder somalische beziehungsweise indonesische FGM zu thematisieren, und nun nicht etwa deswegen, weil ein Teheraner Ayatollah oder somalischer Clanchef nicht als ausreichend „fremd“ genug gegolten hätte. Vorerst also scheint man den Schutzschild des Grundgesetzes und der ihm zugrunde liegenden allgemeinen Menschenrechte zu beanspruchen, wenn auch längst gefährlich gelangweilt, denn von der Gleichberechtigung von Mann und Frau ist gar nicht mehr die Rede, eher schon vom friedlichen Islam.

Sicherlich sind Elemente des Militarismus, Nationalismus und xenophoben Eurozentrismus von gründlichen Jugendarbeitern vernehmlich zurückzuweisen, auch von den Pfadfindergemeinschaften, doch könnte die genüssliche Beschädigung des explizit kaum noch definierten Eigenen zugunsten eines sozusagen erlösungsbringenden Fremden wesentlich erfolgreicher dem Aufbau von menschenfeindlichen Haltungen und Milieus zuarbeiten als das bekennende Beibehalten von Elementen des Brauchtums, Christentums oder des bewährten Teils der pädagogischen Erfahrung (und sei es der reformpädagogischen oder jugendbewegten). Die Grundrechtswidrigkeit der Scharia muss endlich zur Sprache kommen.

194. Wie könnte nun der Islam weiterentwickelt werden? Ohne Rückgriff auf die Tradition wird das nicht gehen.

Freilich, je mehr Sunna desto mehr Islam. Oder meint Kaddor die Tradition der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 oder die deutsche des Hambacher Festes von 1832, die dem magischen und menschenfeindlichen Kult auf die Sprünge helfen soll?

Die bei Lamya Kaddor nahezu überall verwendete Mehrdeutigkeit sollten wir nicht als Ambiguitätstoleranz missverstehen, sondern, beim Ziel der islamischen Machtausweitung, als auf den Augenblick bezogene Maskierung der grundsätzlichen islamischen Demokratieablehnung und Gewaltbereitschaft. Kaddors nahezu permanent ausgesendete Mehrfachbotschaften wiederholen sich kaum jemals genau, werden den Multikulturprofi ausreichend unterhalten und lösen die Konturen des schariatischen Anliegens auf wie die Tarnflecken der Camouflage den Körperumriss des modernen Soldaten.

194. Wir benötigen eine islamische Renaissance

Sister Leader.

194. Wir benötigen eine islamische Renaissance, die uns die Möglichkeit gibt, die vergangenen dreihundert Jahre, in denen der moderne Fundamentalismus und Islamismus als antikoloniale Bewegung aufgekommen ist, zu bewältigen, um an Zeiten anzuknüpfen, in denen noch Vielfalt und Fortschrittlichkeit den Islam charakterisierten. Voraussetzung hierfür ist, dass sich Muslime verstärkt damit auseinandersetzen, wie ihr Leben hier in Europa aussehen könnte. Sie müssen miteinander kommunizieren.

Bis vor drei Jahrhunderten, flunkert Kaddor, sei der Islam ein Hort für Menschenfreundlichkeit und Entwicklungsdynamik gewesen, Allahs fleißigste Lehrerin hält den Islam der Zeit vor dem Jahre 1700 für vielfältig und fortschrittlich. Den zum immer reineren Kulturrassismus aufrufenden Taqīyu d-Dīn Aḥmad bin Taimīya‎ (1263 – 1382), der im 18. Jahrhundert die (bis heute im Staatsauftrag Gotteslästerer und Ehebrecherinnen tötende) Wahhābīya inspirierte, hält Kaddor ja womöglich für einen Förderer der Vielfalt, und der machtbewusste Schariavollender und Garant des islamischen Totalitarismus al-Ġazālī (1058 – 1111) sichere den „Fortschritt“ des künftigen europäischen Islam beziehungsweise islambereicherten Europas.

Damit der „eigentliche“ Islam moralisch unbefleckt erstrahlt, verbreitet die Religionslehrerin die etwa im Umfeld von Sabine Schiffer (linksradikal) oder Beate Sträter (evangelisch) sehr beliebte Lüge, der Kolonialismus sei die alleinige Ursache für alle heutige islamische Gewalt.

Sinngemäß ruft Frau Kaddor die muslimischen Europäer mit einem: „Redet miteinander!“ zu einer gesamteuropäischen Schura auf, der Erzählgegenstand soll wohl eher nicht die endgültige Ablegung von Hidschab und Scharia sein, eher schon das Kalifat.

Kaddor scheint eine lebensweltliche kulturelle Apartheid zu wünschen, aus der sich, dank Allahgottes Befehl zur Hisba und zur Scharia, für die BRD die Rechtsverschiedenheit ergeben muss. Das letzte Kaddor-Zitat:

195. Damit wir die Deutsche Islam Konferenz als Chance für ein neues Miteinander nutzen können, sind die Muslime aufgefordert, sich zu den Grundlagen eines harmonischen Miteinanders zu bekennen.

Das ist falsch, die so genannten Muslime sollen sich zwar bekennen, aber nicht zum harmonischen Durcheinander oder harmonischen Nebeneinander, sondern zum Grundgesetz, nicht zuletzt zur Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Kaddor stiftet der beginnenden Epoche der Koexistenz bei entwerdender Demokratie und werdendem Schariastaat einen neuen Euphemismus: harmonisches Miteinander.

Exkurs: Islam als kosmische Orientalisierung.

In der islamischen Kosmologie wird der Sonnenaufgang als Himmelsrichtung (al-mašriq, der Osten, š-r-q, „Maschriq“, zu: ašraqa, aufgehen (der Sonne)) mit dem Patriarchalischen, der Gesundung und dem Orient als geographischem Raum verschmolzen, und kann „westlich, Westen“ (al-maġrib, der Westen, ġ-r-b, „Maghreb“, zu ġaraba, weggehen, untergehen (der Sonne)), neben dem räumlichen Okzident ebenso auch Fremdheit oder Exil bedeuten wie Abtrünnigwerden und Entarten.

Als menschliches Molekül aus dem orthopraktischen Kristallgitter der Umma auszuscheren und damit kufr (einen Akt des Unglaubens (37)) zu begehen, ist ja bereits, mag man äußerlich auch weiterhin in Dschidda, Teheran oder Islamabad wohnen, ein Westlichwerden, eine götzendienerisch-ehrerbietige Hinwegwendung von Gesicht und Leib vom permanent zu fixierenden Heil des symbolischen Ostens, von Allāh. Umso mehr obliegt den muslimischen Ausgewanderten in Europa, um nicht zum Verräter des inneren und des kulturellen Orients zu werden, des seelischen wie auch des praktizierten Islam, der Dschihad des Fortstoßens alles Westlichen, wird den bereits heilsgefährdend modern (freiheitlich-demokratisch, säkular) geprägten Muslimen die Reinigung, die Entwestlichung, zur Pflicht, wie es al-Maudūdī sinngemäß schreibt.

Mentale Panzerung und seelische Resistenz gegen das dämonische Reich der abendlichen Dämmerung des relativen (westlich gelegen von) und absoluten (Europa, Nordamerika) Sonnenuntergangs ist das Gebot der Stunde und wird von Necmettin Erbakan und Recep Tayyip Erdoğan („Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“) auch so angeordnet. Die ḥisba als soziale Umgestaltung ist das „Veröstlichen“ als das Islamisieren, ein Erhellen, das den erwarteten Glanz des Paradieses beinahe erlebbar macht. Derlei Hellwerdung oder Klärung hat mit dem wissenschaftsfreundlich gedachten Begriff der universell geltenden Aufklärung gerade nichts zu tun.

Das Östlichmachen ist ein Erleuchten des teuflisch angekränkelten Diesseits durch tugendhafte Lebensführung, ein Lichtbringen, das für den Muslim im besonders satanischen westlichen Teil der Welt viel Mut erfordert. Europa und die USA als den dunklen Kontinent für den Islam zu befreien, hieße, die Welt endlich dem Islam zu schenken und dem Willen Allahs zu dienen. Sobald der dem Sonnenaufgang und der šarīʿa verpflichtete Muslim aber träge wird, erlangt in ihm selbst der seelische „Westen“ die Oberhand, das Abendwerden, der Satan.

Der Dschihad der Orientalisierung (Schariatisierung) verlangt, den „Westen“, gemeint ist die kulturelle Moderne universeller Menschenrechte, als Feindbild zu betrachten, und das ist jetzt der Begriff vom Westen, den Tariq Ramadan verwendet.

Soviel zum mehrdimensionalen islamischen aš-šarq (Osten) und seinem Gegenbild des „Westens“.

Abdul-Ahmad Rashid ist hingerissen: „Lamya Kaddor zeigt einen Mittelweg auf“ und empfiehlt Kaddors »Muslimisch, weiblich, deutsch! Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam« (37). Dass in revolutionären muslimischen Kreisen „Mittelweg“ eine Chiffre ist und etwa als »Radical Middle Way (RMW)« ungefähr „Tritt beiseite, Dhimmi, Platz für das Kalifat, stellt Allahgott und seine Marschkolonne endlich wieder in die Mitte, die sittenlose Demokratie gehört ins Abseits gedrängt“ bedeutet (38), sagt Abdul-Ahmad Rashid nicht. Die einzig rechtgeleitete umma sei die Glaubensnation der al-wasaṭīya, der berüchtigten „Mittigkeit“, so die Wortwahl von Allahgott (Koran 2:143). Die Weltgemeinde der Muslime wird zum Volk der Ausgewogenheit, a justly balanced nation, der Islamkritiker damit zu einem aus der Balance geratenen Menschen, den es brutal ins Abseits zu stoßen gilt oder aber zu retten, sprich in den harmonischen Kristallkern zurückzuziehen.

Die in den Schafspelz der „liberalen Muslima“ schlüpfende Lamya Kaddor betreibt die hohe Kunst der Anspielung, ganz bewusst ohne jemals dem revolutionär-gegenmodernen politischen Islam entgegenzutreten. Dem juristischen Urwald der kulturrassistischen und Frauen deklassierenden Scharia bereitet Kaddor wie zufällig den Boden des Wachstums.

„Dictum sapienti sat est“, sprach Plautus vor 2.200 Jahren, „Dieses Wort genügt dem Verständigen“. Es weiß doch jeder Muslim, dass Kaddor den Herren Erbakan und Cerić nicht widersprechen möchte. Der Schariafreund also kann mit der Arbeit Lamya Kaddors zufrieden sein.

Und wenn ihr die ministeriell, kirchlich oder pädagogisch bezahlten Sinndeuter einer in Ausdünnung befindlichen Demokratie applaudieren, umso besser für das Kalifat.

Jacques Auvergne

(1) Abdelfattah Kilito definiert in »The author and his doubles. Essays on classical Arabic culture« (L`auteur et ses doubles) den talmih (talmīḥ) als: “allusion to a well-known event, personality or story”, als Anspielung auf ein wohlbekanntes Ereignis, eine allseits bekannte Person oder Begebenheit. Kaddor kalkuliert freilich mit einem hinsichtlich des islambezogenen Wissens sowie der Kritikfähgkeit am Islam hochgradig gespaltenen, abgestuft mündigen Publikum: die Säkularen könnten die Theokratie kritisieren, ziehen aber die Uninformiertheit vor oder haben vom Islam keine Ahnung, die Muslime kennen die Pflichtenlehre relativ genau, schätzen sie oder leiden an ihr, und haben erpresst zu schweigen.

http://books.google.de/books?id=s9-M3YQ7PvQC&printsec=frontcover#v=onepage&q&f=false

(2) Über die Aachener Pädagogin el-Shabassy (Grundschule Richterich), welche Ehebrecher zu Ehren Allahgottes – und zur ziemlich egoistischen Rettung von Eva-Marias eigener Seele – mit geworfenen Steinen juristisch einwandfrei (islamisch korrekt) ermorden lassen möchte.

Florian Klenk gibt uns am 11.12.2003 (in: DIE ZEIT Nr. 51) unter dem Titel »Im Schutz des Tuches. Ein Besuch in der mitunter merkwürdigen Welt deutscher Kopftuchlehrerinnen« Einblick in sein Interview mit Eva El-Shabassy: „Wenn einmal in hundert Jahren eine Ehebrecherin gesteinigt wird, vielleicht werden dann ganz viele Ehen gerettet?“

http://www.zeit.de/2003/51/Kopftuchlehrerinnen_2f_Klenk

(3) Thorsten Gerald Schneiders ist der Ehemann von Lamya Kaddor. „Ein ganz persönlicher Dank geht abschließend an meine Frau Lamya Kaddor, die mich mit ihrem Esprit und ihren fachlichen Tipps selbst aus tiefsten Tiefpunkten wieder herauszuholen und aufzubauen vermochte. Münster, im April 2006; Thorsten Gerald Schneiders“, aus: »Heute sprenge ich mich in die Luft Suizidanschläge im israelisch-palästinensischen Konflikt«, auf Seite 8

http://books.google.de/books?id=hO26ypj8MsgC&pg=PA8&lpg=PA8&dq=thorsten+gerald+schneiders+lamya+kaddor&source=bl&ots=0enssUoEN-&sig=g2o2qnzB1hecV0F_MvJUV3sRkHs&hl=de&ei=wS7zS5-QC6DqmwOfnOTjDg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=8&ved=0CDYQ6AEwBw#v=onepage&q=thorsten%20gerald%20schneiders%20lamya%20kaddor&f=false

(4) Janbernd Oebbecke oder die Islamisierung des Verwaltungsrechts. Oebbecke lehrte zwischen 1991 und 1996 an der Universität Düsseldorf Öffentliches Recht und Verwaltungslehre. Der Autor von »Handbuch Recht und Kultur des Islams in der deutschen Gesellschaft« (2000) veröffentlichte 2003 zum Kopftuch: »Das „islamische Kopftuch“ als Symbol, in: »Kirche und Religion im sozialen Rechtsstaat«, FS für Wolfgang Rüfner, hg. von Stefan Muckel, Berlin 2003«. Ebenfalls 2003 entstand sein »Muslimische Gemeinschaften im deutschen Recht« anlässlich einer gleichnamigen Tagung im Vorjahr, die von der Fritz-Thyssen-Stiftung finanziert worden war und am 11.04.2002 in Münster im Hörsaal R1 der Rechtswissenschaftlichen Fakultät stattfand. Oebbecke ist also gewissermaßen der Mathias Rohe der Kommunalwissenschaft. Janbernd Oebbecke. Lebenslauf.

http://www.jura.uni-duesseldorf.de/vereine/rswv/vita_oebbecke.pdf

Bremen, Schura, Staatsvertrag, Janbernd Oebbecke. Am 10.11.2009 wird auf »das islamische Portal. Islamische Gemeinschaft Milli Görüş« berichtet, wie die revolutionär gegenmoderne Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) und der Rest der Bremer Schura von Herrn Oebbecke unterwiesen werden, Titel:

»Keine rechtlichen Hindernisse für Staatsvertrag mit Muslimen«

„Für einen Staatsvertrag mit Muslimen gibt es rechtlich gesehen keine Hindernisse. Das erklärte Janbernd Oebbecke, Professor für Öffentliches Recht, letzten Donnerstag bei einer Fachtagung in Münster. An der Fachtagung mit dem Thema »Staatsvertrag mit Muslimen in Bremen«, die von der Schura Bremen und der Universität Bremen organisiert wurde, nahmen Vertreter und Vertreterinnen aus Wissenschaft, Parteien sowie islamischen Religionsgemeinschaften teil.“

http://www.igmg.de/nachrichten/artikel/2010/03/07/keine-rechtlichen-hindernisse-fuer-staatsvertrag-mit-muslimen.html

Das S-Wort. „S“ wie Staatsvertrag. Dem genialen Wegbereiter der verstaatlichten Scharia Janbernd Oebbecke ist es egal, ob eine Körperschaft jetzt besteht oder aber in fünf oder erst in zehn Jahren bestehen wird, wir tun einfach so, als gäbe es sie bereits und unterzeichnen den Staatsvertrag.

Eiken Bruhn berichtet am 20.08.2009 in der taz: »Muslime wollen Staatsvertrag. Der Senat will jetzt doch Verhandlungen um einen Staatsvertrag führen. Der Dachverband Schura ist nach dem gestrigen Auftakt-Gespräch zufrieden«

http://www.taz.de/1/nord/bremen/artikel/1/muslime-wollen-staatsvertrag/

Kilinc, Mehmet Kilinc. Imam. Abgehackte Füße, Hände und Köpfe demnächst auch in Bremen?

Am 13.12.2008 titelt die taz » Wer darf wem die Hand abhacken?« und Henning Bleyl führt das Interview mit dem gottesfürchtigen Bremer Islamgelehrten Mehmet Kilinc, bei dem sich der Imam zu den ḥadd-Strafen des geheiligten Rechts bekennt:

„Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass körperliche Strafen wie Steinigung oder Handabhacken nicht außerhalb islamischer Gesellschaften zur Anwendung kommen. Es ist ein dreistufiges Modell: Der Islam definiert die Werte, nach denen man leben soll. Zweitens muss er die Voraussetzungen schaffen, damit man sie auch befolgen kann. Erst wenn das gegeben ist, können solche Strafen verhängt werden. … Gesetze wachsen eben aus einem gesellschaftlichen Kontext, die dazugehörigen Strafen entsprechen einem Konsens der Beteiligten. … Im Westen werden die Menschenrechte auf Grund von Mehrheitsverhältnissen definiert, im Islam gelten sie als vom Schöpfer verliehen.“

http://www.taz.de/1/nord/bremen/artikel/?dig=2008/12/13/a0036&cHash=e16af01ec7

(5) Chalid Durmosch, Lichtjugend. Am 23.05.2010 titelt DER TAGESSPIEGEL mit »Brückenbauer«, und Rita Nikolow berichtet über die Berliner Konvertitenszene der Jünger des verehrten Imam Said Nursi („Die Lichtjugend kooperiert unter anderem mit der Bundeszentrale für politische Bildung und der Polizei. … Die Lichtjugend bietet auch Seminare für Lehrer an – in denen die Mitglieder vermitteln, wie wichtig es ist, aufeinander zuzugehen“) und berichtet nicht über die Grundrechtswidrigkeit der kulturrassistischen und Frauen entrechtenden Scharia. Freilich, je mehr Dschihad, desto mehr Friedenskonferenzen, je mehr Kulturrassismus, desto mehr Möglichkeiten „aufeinander zuzugehen“ (Nikolow). Je tiefer die Klüfte zwischen den ethnoreligiösen Kollektiven, desto bedeutsamer die als-ob-Tätigkeit der Berliner „Brückenbauer“ (Nikolow).

http://www.tagesspiegel.de/berlin/brueckenbauer/1844092.html

Autoren oder so ähnlich: Benjamin, Benn, Brecht, Goethe, Grundgesetz, Kästner, Kafka, Kaléko, Kishon, Koran. »Volkslesen. Muslime lesen«, Andy Abbas Schulz liest aus den die Berliner Seelen vor den Flammen der Hölle rettenden Hadithen des al-Buḫārī und Nikoletta Schulz trägt das „Schamtuch“ (Feridun Zaimoğlu) des ḥiǧāb und trägt aus den mittelalterlichen Texten des global denkenden Schariapolitikers al-Ġazālī vor.

http://volkslesen.tv/vl/10-09-muslime-lesen/

(6) King Fahad Academy, Bonn

http://jacquesauvergne.wordpress.com/2008/08/15/080/

Saudi-Arabiens Herrscherhaus denkt an die gefährdeten Seelen Argentiniens und errichtet in Buenos Aires (Stadtteil Palermo) das Islamische Kulturzentrum („Centro Cultural Islámico“). Der durch Allahgottes Laune sowie durch das nach Europa verkaufte Erdöl superreich gewordene Hüter der Heiligen Stätten König Fahd („Custodio de la Dos Sagradas Mezquitas Rey Fahd” bezahlt diese Kaserne islamischer Expansion. Das Grundstück stiftete allerdings der damalige Präsident (1989 – 1999) Carlos Menem nach einem Besuch in Saudi-Arabien. Menem, 1930 in Argentinien als Carlos Robert Saúl Menem Akil geboren, ist Sohn von Einwanderern aus dem 80 km nördlich von Damaskus gelegenen Yabrūd (Syrien).

http://www.ccislamicoreyfahd.org.ar/

25.09.2000, Präsident Fernando de la Rúa weiht die größte Moschee Südamerikas ein.

bei: PalermoOnline

http://www.palermonline.com.ar/noticias/nota109_mezquita.htm

bei: Clarín

http://edant.clarin.com/diario/2000/09/25/s-03801.htm

Argentinien habe 2 % Muslime. Großbritannien 2,7 %, USA 3 % Schweden 3,6 %, Deutschland 3,7 %, Frankreich 10 %, weiß die Seite »United States of Oslam«, die Dr. Adel Elsaie („Islam is a way of life. It affects all aspects of life“) betreibt.

http://www.usislam.org/muslimstatistics.htm

(7) Schariazähmer Bernd Ridwan Bauknecht. Im Schatten der König-Fahd-Akademie

http://www.freitag.de/2005/33/05330601.php

(8) Stefan Muckel, zitiert aus dem von Thorsten Gerald Schneiders herausgegebenen »Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen«, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009

http://www.springerlink.com/content/t5k7837502912765/

(9) Stefan Muckel will das Lehrerinnenkopftuch. Nach: Muckel, bei: Hartmut Kreß (Hg.), »Religionsfreiheit als Leitbild. Staatskirchenrecht in Deutschland und Europa im Prozeß der Reform« (Ethik interdisziplinär 5, Seite 119 – 139), LIT Verlag, Münster 2004. Hier Muckel bei Kreß nach: »Pfälzisches Pfarrerblatt. Organ des Vereins pfälzischer Pfarrerinnen und Pfarrer« (Schriftleiter Dr. Martin Schuck, Speyer)

http://www.pfarrerblatt.de/rezension_24.htm

»Pfälzisches Pfarrerblatt. Organ des Vereins pfälzischer Pfarrerinnen und Pfarrer«

Ragini Wahl, Beauftragte für Asyl im Kirchenbezirk Nürtingen in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, kritisiert in »Dialog mit wem? – Ein „Dritter Weg“ ist nötig« den so genannten Dialog mit dem Islam angemessen. Leider fällt die orthographisch großzügige Ragini Wahl auf die Fundamentalistin Lamya Kaddor („Kaddur“) herein, die von ihr neben Necla Kelek („Neclak“) und Elham Manea gestellt wird. Hoffnung erweckt, dass sie den Verfassungsrechtler Michael Bertrams („Bertram“) zitiert, der die Scharia als mit dem Grundgesetz unvereinbar erklärt.

Wahl: „Wieso fragen evangelische Theologen in unserer Landeskirche so wenig nach dem Kerngehalt „des Islam“ bzw. hinterfragen seine Vordenker? Diese waren Hassan Al Banna, Sayyid Qutb, heutige Akteure wie Tariq Ramadan, Al Maududi, Al Zayat etc. – alles Protagonisten, die die parlamentarische Demokratie mit ihrem demokratischen Regelwerk oder mit Gewalt überwinden wollen – um schließlich ihre Staatsform einzuführen, die auf der Rechtsnorm der Scharia basiert, in der Minderheiten (Christen wie Juden) bestenfalls noch einen geduldeten Status haben.“

http://www.pfarrerblatt.de/index.html

Die Scharia kollidiert mit der Verfassung, so stellte Ellen Nieswiodek-Martin im Herbst 2009 die sehr plausible Position des Verfasssungsrichters Michael Bertrams dar: »Teile des islamischen Gesetzes sind nicht mit den Grundwerten der deutschen Verfassung vereinbar. Dies erklärte der Präsident des Verfassungsgerichtshofs und des Oberverwaltungsgerichts des Landes Nordrhein-Westfalen, Michael Bertrams.«

Ellen Nieswiodek-Martin weiter, Bertrams zitierend: »Der Islam und das islamische Recht, die Scharia, seien … in manchen Teilen nicht mit den Grundwerten der deutschen Verfassung vereinbar: „Sie weisen der Frau in nahezu allen Lebensbereichen einen niedrigeren Rang zu als dem Mann [Bertrams].“ Dies widerspreche sowohl dem Gleichheitsgebot als auch der Menschenwürde, dem höchsten Wert des Grundgesetzes. „Eine muslimische Lehrerin, die auf dem Tragen des islamischen Kopftuchs beharrt, bekennt sich deshalb nicht ohne Vorbehalt und widerspruchsfrei zu unserer Verfassung und unseren Werten“, so der Verfassungsrichter laut einer Mitteilung der Evangelischen Kirche Westfalen. Wenn eine muslimische Frau darauf beharre, ein Kopftuch zu tragen, schließe dies ihre Eignung für den Beruf der Lehrerin an einer staatlichen Schule aus.«

Aus: »Richter: Scharia nicht gesetzeskonform«, bei: »pro. Christliches Medienmagazin« vom 04.09.2009

http://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft.html?&news[id]=2381&news[image]=1&news[action]=detail

Die Gesundheitspädagogin und Mutter von sechs Kindern Ellen Nieswiodek-Martin ist Autorin von »Kinder in der Medienerziehung. Fernsehen, Computer und Erziehung« (2006) sowie »Generation Online. Jugendliche und Internet – alles, was Erwachsene wissen sollten« (2008)

http://www.amazon.de/B%C3%BCcher/s?ie=UTF8&rh=n%3A186606%2Cp_27%3AEllen%20Nieswiodek-Martin&field-author=Ellen%20Nieswiodek-Martin&page=1

Wie Muckel tickt, ahnen wir beim Lesen eines aus dem Jahre 2001 stammenden Textes des Ehemannes der Kölner Kopftuchverteidigerin Melanie Miehl, des Laiendominikaners und Schariafreundes Thomas Lemmen („die dem muslimischen Mann grundsätzlich mögliche Ehe mit bis zu vier Frauen gleichzeitig“, „Das Verhältnis der Angehörigen beider Geschlechter zueinander hat sehr weitreichende Bekleidungsvorschriften im Islam hervorgebracht“) auf der Seite der Friedrich Ebert Stiftung (FES): »Stefan Muckel zitiert in diesem Zusammenhang Joseph Listl, der darüber einen Konsens sieht, „daß die beiden staatskirchenrechtlich relevanten Normen des Art. 4 und des Art. 140 GG ungeachtet ihrer räumlichen Trennung so zu lesen sind, als ob sie auch äußerlich, und zwar im Rahmen des 1. Abschnitts, ineinandergefügt wären“«

http://library.fes.de/fulltext/asfo/01003004.htm

Es muckelt. Der Kirchenrechtler Stefan Muckel (»Überkreuz mit dem Kreuz. Bemerkungen zum ‘Kruzifix-Beschluss’ des BVerfG«) findet bei den türkischen Allahfreunden der von Mehmet Zübeyir Demir aus İskenderun (Αλεξανδρέττα, Provinz Hatay) betriebenen Seite »Mumine. Muminelerin Buluşma Mekan« Verwendung. Dort stellt am 27.02.2009 eine Dila den aus der Feder der an der Uni Bremen lehrenden Boos-Nünning-Schülerin Yasemin Karakaşoğlu (»Almanya’da Okullarda ve Üniversitelerde Başörtüsü Olayı«) ein, das barbarische deutsche Kopftuchproblem und die kalifatsfromme Fereshta Ludin. Die säkulare Demokratie wird doch noch zu knacken sein.

http://www.mumine.com/tesettur-hakkinda-konu-soru-ve-cevaplar/3395-almanyada-okullarda-ve-universitelerde-basortusu-olayi.html

Der selbe Text der schariatreuen Yasemin Karakaşoğlu (»Almanya’da Okullarda ve Üniversitelerde Başörtüsü Olayı«), die hier zur Islamisierung Deutschlands Stefan Muckel und Irmgard Pinn nutzt, bei »Haksöz Haber« (Haksöz Dergisi) aus İstanbul

http://haksozhaber.net/okul_v2/article_detail.php?id=3071

»Haksöz Haber« hat eine an Deutschland angepasste Parallele, »Das wahre Wort« ist nicht minder radikal islamisch und applaudiert der in Wien lebenden angeblichen Türkin und antilaizistischen Kopftuchaktivistin LEYLA ŞAHİN (s. u.), die im Jahre 2005 erfolglos vor dem in Straßburg ansässigen Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR, manchmal auch EuGHMR, Cour européenne des droits de l’homm (CEDH ou Cour de Strasbourg), European Court of Human Rights (ECHR), Avrupa İnsan Hakları Mahkemesi (AİHM)) gegen die Türkei klagte.

http://wahrewort.de/

Ohne geheiligtes Frauendeklassieren und Frauenverschleiern kein Kalifat und ohne den Aufbau der Islamischen Gesellschaft keine Annäherung (taqarrub, zu: qarīb, nah) an Allahgott, weshalb al-ḥiǧāb („Başörtüsü“) bei »Haksöz Haber« eine eigene Rubrik bildet

http://www.haksozhaber.net/okul_v2/article.php?cid=41

»Das wahre Wort / Haksöz Haber« verbreitet das Gedankengut des filigransten aller Vordenker des globalen Dschihad, ʿAlī Šarīʿatī (Ali Şeriati, Ali Schariati)

http://www.haksozhaber.net/okul_v2/article_detail.php?id=5255

»Leyla Şahin v. Turkey«. Special thanks to all of you who have helped Wikipedia

http://en.wikipedia.org/wiki/Leyla_%C5%9Eahin_v._Turkey

Der Kopftuch-Dschihad: »LEYLA ŞAHİN gegen die Türkei«

http://www.menschenrechte.ac.at/docs/04_3/04_3_12

Leyla ŞAHİN. Bei EMMA (September/Oktober 2004) titelt man zur afghanischstämmigen Lehrerin Fereshta Ludin: »Das Ende des Kopftuchstreites?« Alice Schwarzer weist uns auf die Türkei hin, der die absolute Mehrheit der Muslime Deutschlands schließlich entstammt: „Leyla Sahin und Zeynep Tekin, zwei seit Jahren für das Kopftuch kämpfende türkische Medizinstudentinnen … hatten bei dem EU-Gericht Klage gegen den türkischen Staat eingereicht: Die Universität von Istanbul hatte ihnen das Tragen des „islamischen Kopftuches“ verboten – also des festgezurrten Tuches, das jedes Härchen sorgfältig verdeckt, ganz wie der Tschador oder die Burka.“

Alice Schwarzer zitiert den Verfassungsrechtler Professor Isensee, für den ein Amt „nicht Selbstverwirklichung“ ist, sondern Dienst.

http://www.emma.de/ressorts/artikel/kopftuch-burka/das-ende-des-kopftuchstreites/

(10) Rotherham, Lord Nazir Ahmed of Rotherham. Bei:

Islamic Monitor

http://islamicmonitor.blogspot.com/2010/04/muslim-should-vote-or-not-to-vote.html

Sheikh Yermami

http://sheikyermami.com/2009/02/21/uk-that-warsi-conundrum/

Jihad Watch

http://www.jihadwatch.org/2005/07/uk-fatwa-to-call-bombers-unbelievers-if-proved-muslims.html

Militant Islam Monitor

http://www.militantislammonitor.org/article/id/3862

(11) »Muslime im Rechtsstaat«, Centrum für Religiöse Studien, Münster. Herausgegeben von Thorsten Gerald Schneiders und Lamya Kaddor

http://books.google.de/books?sitesec=reviews&id=ZdU5gwH6dxoC

(12) Koran 5:33 »The only reward of those who make war upon Allah and His messenger and strive after corruption in the land will be that they will be killed or crucified, or have their hands and feet and alternate sides cut off, or will be expelled out of the land. Such will be their degradation in the world, and in the Hereafter theirs will be an awful doom.« Nach: Zulfikar Khan, bei seiner hinduistisch inspirierten, islamkritischen Seite »Satyameva Jayate. Thruth alone triumphs«. Leider verlinkt Khan zur extremdualistischen Internationalen Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein (ISKCON, International Society for Krishna Consciousness), die uns besser als Hare Krishna bekannt ist, einer von Abhay Charan Bhaktivedanta Swami Prabhupada gegründeten Organisation.

http://www.flex.com/~jai/satyamevajayate/hell.html

»Satyameva Jayate. Thruth alone triumphs« (Zulfikar Khan) bietet einen ersten Überblick zum islamischen Umweltverändern (Völkermord, Religionsvernichtung) auf indischem Boden, analog fand die Islamisierung in Syrien, Ägypten, in der Türkei und im Iran statt und wird sie demnächst vielleicht in den USA und Europa verlaufen, wenn der säkulare Staat das jenseitszentrierte und kulturrassistische Islamische Recht nicht drastisch untersagt und dem gegenmodernen Sunna-Fundamentalismus (Geschlechtertrennung, Frauenverhüllung, Verbot der freien Rede) Einhalt gebietet.

http://www.flex.com/~jai/satyamevajayate/

Der mordende und kulturvernichtende Dschihad gegen die Inder und die indischen Religionen und Kulturen wird ausgezeichnet beschrieben beim atheistisch inspirierten indischen Religionskritiker Jaya Gopal: »Gabriels Einflüsterungen. Eine historisch-kritische Bestandsaufnahme des Islam« (bei: Ahriman), Übersetzer: Fritz Erik Hoevels. Jaya Gopal gründete die Atheist Society of India.

http://www.ahriman.com/buecher/gopal.htm

(13) Tabari 9:82 »The Messenger sent Khalid with an army of 400 to Harith [a South Arabian tribe] and ordered him to invite them to Islam for three days before he fought them. If they were to respond and submit, he was to teach them the Book of Allah, the Sunnah of His Prophet, and the requirements of Islam. If they should decline, then he was to fight them.«

http://www.inthenameofallah.org/War%20Verses.html

(14) Hojjat-ul-Islam Mahmood Khalilzadeh, Abrahams Erbe veruntreuend: „DER EINE GOTT“ [jüdisch – christlich – muslimisch] bei al-shia.de »der Eine Gott … die Muslime werden im Koran aufgefordert, im Dialog mit den anderen Religionen immer die Gemeinsamkeiten zu betonen, damit eine gute Grundlage für den Austausch geschaffen wird: „Sprich: O Ihr Leute der Schrift, kommt her zu einem Wort, das gleich ist zwischen uns und euch, dass wir Gott allein dienen, und dass wir nicht einander zu Herren nehmen neben Gott.“ (3:64) Der interreligiöse Dialog wird auf immer mehr Veranstaltungen praktiziert.«

http://www.al-shia.de/artikel/toleranzundreligion.htm

Die koranbasierte Formel vom („einen, gemeinsamen“) brückengleich verbindenden „Wort … zwischen uns und euch“ ist der Name des Antwortbriefs von 38 Schariapolitikern vom 13.10.2006 an den Papst Benedikt: „A Common Word between Us and You“. Die Formel belässt den Islamgott unverändert und den Christengott verändert: überstreckt, überdehnt, halbiert, ausdünnt, wie man will, jedenfalls modern (revolutionär) überwunden. Lokal (kirchengemeindlich) und jugendverbandlich vernebelt abrahamitisches, abrahamisches, trialogisches und dialogisches Weihrauchgewölk die dem evangelischen oder katholischen Endverbraucher die Sicht.

http://www.acommonword.com/

al-Shia.de zitiert – Ayatollah Chomeini: „Jemand, der mit dem Fuß der Knechtschaft reist, und seine Stirn mit dem Merkmal der Bescheidenheit der Knechtschaft kennzeichnet, wird die Herrlichkeit Seiner Herrschaft erreichen. Der Weg des Erlangens der Tatsachen der Herrschaft ist eine Reise entlang der Fußstapfen der Knechtschaft, und das, was der Knechtschaft aufgrund von Egoismus und Selbstgefälligkeit verloren gegangen ist, kann unter dem Schatten der Schirmherrschaft wiedererlangt werden … Daher sollte der salik in dieser Stufe nicht irregeführt werden vom Teufel, sich absondernd von der Wahrheit und der Realität und seine Reise stoppend auf dem Weg zum Ziel“

Für so viel bewiesene „Humanität und Spiritualität“ darf man auch tausendfach, zehntausendfach morden und foltern lassen. Das Chomeini-Prinzip: Für Allahgottes himmlischen Frieden irdisch die Sau rauslassen, reinigenden Terror pflegen. Pöttering, Host

http://www.al-shia.de/furuuddin/adabussalat.htm

Shia extrem: Scheich Hussein Leibner. Ehedem und unerleuchtet noch Tim Leibner war er gemeinsam mit Mohammad Razavi Rad Mitherausgeber von »Muhammad. Im Lichte der Intentionalität der Koransprache, eine neue Perspektive für den kommunikativen Dialog der Weltreligionen«, Verlag Traugott Bautz, Nordhausen 2008

http://www.bautz.de/neuerscheinungen-2008/9783883094281.html

Scheich Hussein (d. i. Tim Leibner) zeigt der Menschheit, dass die Mühsal des Zweifelns und Denkens bereits hienieden und für jeden glücklich ein Ende finden kann. Im Frauenverhüllungspamphlet »Die Schleierfrage. Freiheit zur Bekleidung« erfahren wir:

„Im genannten Sinne ist Freiheit aus der Sicht des Korans etwas Natürliches und bereits Erledigtes. Aus diesem Grunde wird so etwas wie ‘Freiheit’ im Koran, ebenso wie das Dasein Gottes, gar nicht erst thematisiert. Denn das würde nur Zweifel an der Freiheit berechtigen. … Richtig und Falsch sind also in ihrer Gegensätzlichkeit unterschieden. Und das Richtige unterscheidet sich klar in seinem Gegenteil. Niemals werden wahr und falsch in der Wirklichkeit durcheinander geraten. Nur in unseren Herzen, dem Zentrum unserer Entscheidungen, können wir das Wahre mit dem Falschen vermischen oder vertauschen. … Nimmt man den Koran beim Wort – und das sollte man tun, denn er ist Gottes Wort – dann ist der Ḥiğāb (Schleier) mehr als nur ein Kleidungsstück und eine Körperbedeckung, sondern Ausdruck einer inneren Einstellung, die durch und durch als eine Frage des Glaubens zu sehen ist. … Ziel und Zweck des Ḥiğāb werden im Koran ebenso erwähnt, wie Grund und Ursache. In diesem Sinne macht der Koran jede Überbürdung in dieser Frage hinfällig.“

http://www.al-shia.de/hijab/freiheit.htm

Islamische Revolution beginnt im Kindergarten- und Grundschulalter. Fatima Bazzi aus Dortmund verantwortet »Shia-Kids« (und verlinkt zur iranisch geprägten Missionsmaschine Shia-Forum.de).

http://www.shia-kids.de/

Die beiden kleinen Jungen dürfen einander die Hand geben, wenn auch der Blonde eine Gebetskappe auf dem Haupt trägt und also kein Unreiner ist. Um der Hölle zu entgehen, verbergen die beiden Mädchen ihr Haupthaar. Junge und Mädchen – das „frevelhafte Tun“ sieht man zwar nicht – geben sich nicht die Hand.

http://www.shia-kids.de/kbilder/58.html

Der kleine deutsche Schiit hat sein Kinderleben dem Gottesbefehl, dem drohenden Strafgericht und dem verlockenden Allahparadies nachzuordnen. Islampädagogik pur. Mädchen haben ein sündiges Geheimnis unter einer Schutzabdeckung, ihr Haar unter dem Hidschab. Kein Mädchen ohne Schleier, ohne Schleier kein (sittsames) Mädchen.

http://www.shia-kids.de/kbilder/14.html

http://www.shia-kids.de/kbilder/1718.html

http://www.shia-kids.de/kbilder/1316.html

Die islamisch nachlässigen großen Geschwister vor Sonnenaufgang ein wenig akustisch terrorisieren und die lästerlichen urdeutschen Dhimmis von nebenan gleich mit. Wir basteln uns eine Ramadantrommel.

http://www.shia-kids.de/basteln/ramadantrommel.html

(15) Rittersturz-Konferenz, Koblenz im Juli 1948. Danke an die ehrenamtlichen Enzyklopädisten von Wikipedia für die Bereitstellung dieses Commons

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/40/Aussichtspunkt_Rittersturz_Koblenz.jpg

Hinten-links Festung Ehrenbreitstein

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/77/Rittersturz.JPG

(16) „´A’ischa war für ihr Alter körperlich reif, da die Frauen in warmen Ländern frühzeitig körperlich wuchsen. Die jungen Frauen wurden damals im jungen Alter verheiratet … ´A’ischa war nicht die Einzige, die jung verheiratet war. Hafsa Bint ´Umar wurde im Alter von 12 Jahren verheiratet. Auch die Tochter von Hujai Ibn Al-Achtab, jüdischer Abstammung, wurde im Alter von 11 Jahren verheiratet. ´A’ischa (ra) war auch nicht die Einzige, die einen Mann von großem Altersunterschied heiratete.“

Bei: Muslimische Jugend Deutschlands (MJD)

http://www.lokalkreis-handbuch.de/Inhalt/5.3.4.3.Aischa.html

(17) ʿAbdu l-ʿAzīz Āl aš-Šayḫ zum Recht des muslimischen Mädchens auf einen begattungsfähigen Ehemann: „Oft hören wir in den Medien die Frage nach der Verheiratung Minderjähriger. Dazu ist zu sagen, dass die Scharia der Frau kein Unrecht zufügt. Zu sagen, eine Frau unter 15 Jahren könne nicht heiraten, ist schlicht falsch. Sobald ein Mädchen zehn oder zwölf Jahre alt geworden ist, kann sie zur Verheiratung ausgewählt werden, und wer auch immer jetzt denkt, sie sei zu jung, liegt falsch und fügt dem Mädchen eine Ungerechtigkeit zu.“

Abdul-Azeez Aal ash-Shaikh: „We hear often in the media about the marriage of minors. We must know that Shariah law is not unjust for women. … If it is said that a woman below 15 cannot be married, that is wrong. If a girl exceeds 10 or 12 then she is eligible for marriage, and whoever thinks she is too young, then he or she is wrong and has done her an injustice.“ Aus: »Saudi Gazette«, ohne Datum, kein Autorenname: »Aal Al-Sheikh says marriage of pre-teen girls allowed«

http://www.saudigazette.com.sa/index.cfm?method=home.regcon&contentID=2009011526744

Von dort aus wurde die hoch politische Kindbrautfatwa bis nach Pakistan, Indien und Südostasien verbreitet. Aus Lahore informiert »Daily Times« am 15.01.2009 die Menschen in Pakistan: »OK for 10-year-old girls to marry, says Saudi grand mufti«

http://www.dailytimes.com.pk/default.asp?page=20091\15\story_15-1-2009_pg1_7

http://islamicterrorism.wordpress.com/2009/01/15/saudi-cleric-girls-over-10-or-12-years-are-eligible-for-marriage/

http://sagot-sa-balik-islam.blogspot.com/2009/10/pag-asawa-sa-bata-aral-ng-islam.html

(18) Islamprinzip Kindbraut. Griechenland hat die Scharia ins Familienrecht integriert, in der Region Komotiní werden Elfjährige verheiratet und geschwängert, um aus Düsseldorf, bei dosiertem und befristetem Erschrecken einer Hand voll einflussreicher Figuren, nach Héllas zurückexpediert zu werden: „Ein Skandal“, nennt das voller Empörung Diana Goldermann-Wolf vom Kinderschutzbund. „Staatlich geförderter Kindesmissbrauch – so etwas darf es in Europa nicht geben und verstößt auch gegen die UN-Kinderrechts-Konvention“, aus: Barbara Kirchner: »Zwölfjährige bekam in Zwangsehe ein Baby«, EXPRESS, 11.06.2008

http://www.express.de/regional/duesseldorf/zwoelfjaehrige-bekam-in-zwangsehe-ein-baby/-/2858/705568/-/index.html

(19) Feridun Zaimoğlu poltert gegen Islamkritikerinnen wie Necla Kelek und Seyran Ateş („Entgleisungen und Diffamierungen“) und hält Frauenhaar für beschämenswert:

„es geht darum, dass die Islam-Konferenz, wenn sie ein demokratisches Forum sein will, nicht jene jungen gläubigen Frauen ausblenden kann, die sich selbstbewusst für das Schamtuch entschieden haben und sich explizit als deutsche Musliminnen begreifen“, der Schriftsteller, das Medizin- und das Kunststudium brach er ab, sprach mit Michaela Schlagenwerth (»Wo sind die jungen Schamtuchträgerinnen?«), in: Berliner Zeitung vom 25.04.2007

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0425/feuilleton/0004/index.html

Arzu Toker am 04.05.2007 in »derFreitag«. Über den kreativen Islamversteher (in: »Feridun Zaimoglu schlägt sich auf die Seite der Schamtuchträgerinnen«) sagt die Kölner Publizistin Toker: „Zaimoglus Wortschöpfung „Schamtuchträgerin“ bezeugt seine Kenntnis des Korans. Tatsächlich soll das Kopftuch, der Schleier, so jedenfalls will es der Prophet, die sexuelle Reizung der Männer verhindern.“

http://www.freitag.de/2007/18/07181102.php

(20) Norbert Lammert (CDU) lobt Lamya Kaddor für deren schariakompatiblen Schmöker »Muslimisch – weiblich – deutsch! Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam« mit einem von der Bürde der Kausalität und Nachvollziehbarkeit befreiten „Tatsächlich ist das Problem von Migration und Integration in Deutschland nicht, dass wir zu viel Zuwanderung, sondern dass wir zu wenig Einbürgerung haben.“

http://www.norbert-lammert.de/gelesen2.php?id=36

„Unser Problem in Deutschland ist nicht eine zu hohe Zuwanderung, sondern die zu geringe Einbürgerung“ Norbert Lammert, berichtet bei: Morgenpost, am: 18.02.2010.

http://www.morgenpost.de/politik/article1257651/Lammert-wirbt-bei-Migranten-fuer-Einbuergerung.html

(21) Bundestagspräsident Norbert Lammert hat das Wort Scharia sicherlich bereits vernommen: „Was ich gehört habe, behalte ich dagegen meist für mich.“

http://www.norbert-lammert.de/person.php

(22) Harun Yahya (Adnan Oktar, hier geadelt zum „Muslim Thinker“), ebenfalls bei der Fatwafabrik »IslamOnline«, zur Muttermilch

http://www.islamonline.net/servlet/Satellite?c=Article_C&cid=1158658452981&pagename=Zone-English-Living_Shariah%2FLSELayout

Yahya: „Lebewesen kamen nicht durch den imaginären Evolutionsprozess ins Dasein. Alle Lebewesen, die je auf der Erde existiert haben, sind von Gott erschaffen worden.“

http://www.harunyahya.de/bucher/evolution/atlas_schopfung/atlas_schopfung_01.php

Harun Yahya. Das Interview „Alle Terroristen sind Darwinisten“ führt Daniel Steinvorth am 22.09.2008, bei: SPIEGEL-online

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,578838,00.html

In »Die Wahrheit des Harun Yahya« schreibt Helmut Frangenberg am 19.09.2007, dass die Evolutionsgegner des Islam ihre antiaufklärerischen Bücher an deutsche Schulen verschenken: „Sämtliche Kölner Bio- und Philosophielehrer erhielten in letzter Zeit Post: Der teuer produzierte „Atlas der Schöpfung“ von Harun Yahya. … Keiner weiß, wie viele Millionen sich der reiche Mann aus Istanbul seine Mission kosten lässt. Der Vertrieb der Bücher ist perfekt geplant. Alle angeschriebenen Kölner Lehrer erhielten das Buch am selben Tag. Absender war die Düsseldorfer Firma „Weltlog Ltd.“, die bei einem Speditionsunternehmen eine Lagerfläche gemietet hatte. Die Firma ist spurlos verschwunden, berichtet der Schichtleiter der Spedition. Die Frankfurter Okusan GmbH, die auf Oktars Internetseiten als Vertriebspartner genannt wird, bestreitet, irgendetwas mit der Aktion zu tun zu haben, für die offenbar die Lehrernamen auf den Homepages aller Schulen zusammengesucht worden sind. … In Frankreich hat die Regierung den „Atlas der Schöpfung“ als „extrem gefährlich“ eingestuft und verboten. Das kam manchem übertrieben vor. Dass in Deutschland aber bislang jede Reaktion ausblieb, finden die beschenkten Lehrer genauso falsch.“

http://www.ksta.de/html/artikel/1190059904825.shtml

Islamisch verzerrte Naturbetrachtung: ADEL ELSAIE, Ph.D.

http://www.usislam.org/Star/RESUME.htm

Der Ingenieur, der die Hölle fürchtet. Adel M Elsaie: »History of Truth. The Truth about God and Religions«

http://www.onlineislamicstore.com/b7967.html

Die Islamisierung der in Entwerdung befindlichen Wissenschaften. Dr. Elsaie bei »IslamOnline« zur menschlichen Embryonalentwicklung

http://www.islamonline.net/servlet/Satellite?c=Article_C&cid=1265530701869&pagename=Zone-English-Living_Shariah%2FLSELayout

(23) Der aus Saudi-Arabien stammende Student Abdulsalam al-Zahran ermordet seinen Professor Richard Antoun. Verschiedene Quellen:

Student fatally stabs Binghamton University professor

http://www.theithacajournal.com/article/20091204/NEWS01/91204018/1006/Binghamton-University-prof-stabbed-to-death-by-student

Professor Dies After Stabbing at Binghamton University

http://www.wbng.com/news/local/78538247.html

Grad student allegedly killed professor

http://www.upi.com/Top_News/US/2009/12/05/Grad-student-allegedly-killed-professor/UPI-13961260074383/

“Binghamton’s murder suspect Abdulsalam Al-Zahrani has quite the family tree. Al-Zahrani clan in Saudi Arabia has a big presence in Al-Qaeda.”

http://pibillwarner.wordpress.com/2009/12/05/islamic-law-prof-richard-t-antoun-stabbed-killed-at-binghamton-university-by-muslim-grad-student-abdulsalam-al-zahran-antoun-wrote-the-book-understanding-fundamentalism-christian-islamic-and-jewish-mo/

»Understanding Fundamentalism: Christian, Islamic and Jewish Movements« Richard T. Antoun

http://books.google.com/books?hl=de&sitesec=reviews&id=2488ZsvZ77oC

Von: MICHAEL S. SCHMIDT and MICHAEL D. REGAN: »Binghamton Student Says He Warned Officials«, in: The New York Times, 06.12.2009

http://www.nytimes.com/2009/12/07/nyregion/07binghamton.html?_r=1

Professor Antoun

Zwischen 1959 und 1972 betrieb der in den USA geborene Professor Richard T. Antoun Feldforschung in Jordanien, im Libanon, im Iran, in Griechenland (Kateríni) und, zu arabischstämmigen Einwanderern, in den USA.

[Kateríni, gut 50.000 Einwohner, hatte einen gewaltigen Flüchtlingsstrom von Pontos-Griechen (türkische Schwarzmeerküste) zu integrieren, die großteils nicht griechisch-orthodox waren, sondern Erweckungsbewegungen angehörten.]

http://www.armenianbiblechurch.org/food corner/anatolia/chapter30.htm

Später forschte Antoun (»Understanding fundamentalism: Christian, Islamic, and Jewish movements«) religiös begründeten Fundamentalismus.

1980 veröffentlichte er zu den sozialen Folgen des Islamischen Rechts »Scharia-Gesetz, Scharia-Gerichte. Ihre Auswirkungen auf bäuerliche Familien in Jordanien« (The Impact of Islamic Law, Islamic Courts and Court Brokers on Peasant Families: A Jordanian Case), im Folgejahr legte er ein Papier vor zum Thema »Islamisierung, islamischer Wiederaufstieg und die Bedeutung des sozialen und ethischen Anspruchs des schariatischen Rechts« [Islamic Corpus] für die Gesellschaft der Moderne. (“Islamization, Islamic Resurgence and the Social and Ethical Implications of the Islamic Corpus in the Modern World”).

Prof. Antoun, 1986: ‘Der Anstieg des Fundamentalismus in Jordanien’, (“The Growth of Islamic Fundamentalism in Jordan”)

http://www.meforum.org/1510/understanding-fundamentalism

Antoun hätte zum Fachgremium gehört, die die Arbeit des Mörders al-Zahrani hätten bewerten müssen: Handlungsleitender Klang aus dem Jenseits und weltliche Betrachtung: Sinneswahrnehmung, Kosmologie und Erkenntnistheorie im frühen Arabien („Sacred Voice, Profane Sight: The Senses, Cosmology, and Erkenntnistheorie in Early Arabic Culture“).

http://en.wikipedia.org/wiki/Richard_T._Antoun

(24) »Choosing my religion«

Aus: aud!imax. Elena Winter: „Im Islam finden manche Menschen das, was sie im christlichen Glauben vermissen: eine klare Botschaft oder die Nähe zu Gott. In Deutschland sind es häufig Frauen, die den islamischen Glauben annehmen – selbstbestimmt und aus tiefer persönlicher Überzeugung“

http://www.audimax.de/nc/leben/news-artikel/article/6/choosing-my.html

(25) Wali Mudschbir (walī muǧbir, MÜCBİR VELÎ). Kuala Lumpur. Das im malaysischen Ministerium für Frauen, Familie und Entwicklung (Ministry of Women, Family and Community Development, KPWKM) titelt zu »Consent To Marriage«

»Ist das Einverständnis der Braut in ihre Verheiratung erforderlich?

Ja, für jede Heirat ist das Einverständnis der Braut erforderlich. Bei einer noch nie verheirateten Frau (Jungfrau) kommt das Einverständnis von ihrem wali mudschbir [Heiratsvormund mit der Berechtigung zum Zwang].

Kann das jungfräuliche Mädchen durch den wali mudschbir auch ohne ihre Zustimmung in eine Ehe gezwungen werden?

Ein jungfräuliches Mädchen kann durch den wali mudschbir auch ohne ihre Zustimmung in eine Ehe gezwungen werden, soweit die eheliche Verbindung sekufu [standesgemäß] ist und sie für die Braut keine dharar [Beschädigung] ihrer syarie [schariarechtlichen Verpflichtungen] darstellt.

Wer ist wali mudschbir?

Wali mudschbir ist der biologische Vater des Mädchens oder der Großvater väterlicherseits.«

Is consent from the bride required before a marriage can be carried out? Yes, consent from the bride is required for any marriage. For a woman who has never been married before (virgin), the consent comes from her Wali Mujbir (guardian).

Can a virgin girl be forced to enter into a marriage without her consent by the Wali Mujbir? A virgin girl can be entered into a marriage without her consent by the Wali Mujbir on the condition that the marriage is sekufu and the marriage will not bring dharar syarie to the bride.

Who is a Wali Mujbir? Wali Mujbir is the natural father (father by birth) or grandfather on the father’s side.

http://www.kpwkm.gov.my/new_index.php?page=faq_content&code=4&faqtitleID=5&lang=eng

(26) Fatwa. Eltern sollen bei ihrer Tochter den Schleier besser ohne Zwang als mit Zwang durchsetzen, und der Schleier ist der Frau von Allah auferlegt. Und im wahren Glauben gibt es keinen Zwang, sondern reines Einverstandensein. Vergessen wir nicht: Islam ist Liebe.

„In Islam, parents are not to force their children to do anything that is considered against the law of the Shari`ah. … The father, as the guardian of his family, may stress that his daughter should wear hijab in case she refuses to wear it out of disobedience to the obligation of Allah. … Fathers and mothers should note that they are responsible before Allah for the affairs of their daughters that have been entrusted to them; they should raise their daughters according to the Islamic manners. So if a girl is approaching puberty, there is the fear that her not wearing hijab may cause young men to be tempted by her or her by them. Hence in this situation her parent or guardian has to make her wear hijab so as to prevent means that may lead to evil or immorality.“

http://infad.usim.edu.my/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=8813

(27) Malaysia verweist dabei auf folgende fatwā zum aufgezwungenen ḥiǧāb (“Kopftuch”), bei: Islam Online (Yūsuf al-Qaraḍāwī), vom: 12.01.2004. Dort beruft man sich auf das prophetische Vorbild, das von Abū Dāwūd as-Siǧistānī (817 – 888) berichtet ist und dem nachzufolgen deine Seele, vielleicht, vor dem Höllenfeuer rettet:

Befiehlt Allahgott verkündet Muhammad notiert Abu Dawud:

„Train your children to pray when they are seven years old, and smack them if they do not do so when they are ten, and separate them in their beds.“

Predigt Yūsuf al-Qaraḍāwī:

From an early age, daughters should be taught that hijab is an ordinance from Allah to protect their chastity. When a girl reaches puberty she is obliged to do all the obligatory duties and to avoid all haram things. One of the obligatory duties is wearing hijab.

http://www.islamonline.net/servlet/Satellite?pagename=IslamOnline-English-Ask_Scholar/FatwaE/FatwaE&cid=1119503547810

(28) Prügelstrafe an Kindern durch britische Koranlehrer.

Brendan Carlin: »Double standards row as Ed Balls refuses to ban smacking at mosque schools to avoid ‘upsetting Muslim sensitivities’«, aus: Daily Mail, vom: 17.01.2010

http://www.dailymail.co.uk/news/article-1243871/Double-standards-row-Ed-Balls-refuses-ban-smacking-mosque-schools-avoid-upsetting-Muslim-sensitivities.html

(29) Interview: »“Erster Zugang zum Koran“. Autorin Kaddor über ihr neues Erklärbuch zum Islam«. Lamya Kaddor spricht mit: Liane von Billerbeck, am: 26.03.2008, veröffentlicht bei: Deutschlandradio.

Kaddor ändert mehrfach pro Satz die Argumentationsrichtung, wirkt entsprechend zerfahren und unaufgeräumt. Authentische (fundamentalistische) Islampädagogik pur: „Ist Nagellack verboten? Dürfen wir Nagellack auftragen?“ Auf Nachfrage bekennt Kaddor mit frechen dürren Worten die Scharia und den Dschihad. Liane von Billerbeck trägt das alles mit Fassung.

Liane von Billerbeck, Jahrgang 1957, Studium der Journalistik in Leipzig. Kulturredakteurin bei der Neuen Berliner Illustrierten (NBI) / extra-Magazin bis 1991, danach Arbeit als freie Journalistin, Gerichtsreporterin, Hörfunk- und Fernsehmoderatorin (ORB-Politmagazin »Klartext«) sowie als Kommentatorin für die ARD (»Tagesthemen«). Liane von Billerbeck veröffentlichte mit Frank Nordhausen Lesenswertes zu den Themen Psychomarkt (Psycho-Sekten. Die Praktiken der Seelenfänger), Ron Hubbard (Der Sektenkonzern. Scientology auf dem Vormarsch; Scientology. Wie der Sektenkonzern die Welt erobern will) und Rechtsextremismus (Satanskinder. Der Mordfall von Sondershausen und die rechte Szene).

Lamya Kaddor, das Menschen „differenziert“ rettende und verbrennende islamische Jenseits und die in jedem Augenblick wirksame Geisterwelt: „denn nach wie vor gilt, dass der Koran für Muslime das Gotteswort ist, das unveränderte Gotteswort“

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/759660/

bei Annedore Beelte vom Domradio gibt Kaddor bekannt: „Die Aufklärung ist für den Islam nicht übertragbar“

http://www.domradio.com/aktuell/artikel_39689.html

(30) Niklas Luhmann und die Kontigenz. Die Postmoderne führt den Krieg gegen die Gewissheit und den Kontext, bei Bedarf also auch gegen die Rechtsgewissheit und Rechtseinheitlichkeit. Der Entwerdungsphilosoph und Wegweiser zum Heilsziel des absoluten Fremden (in: »Leben wie Theorie«), Theodor M. Bardmann, ordnet angehenden Sozialpädagogen und Sozialarbeitern die total flexible Gesinnung an: »Wir können der Welt nur unterschiedliche Problemlagen abtauschen! Fürwahr: Alles könnte anders sein!«

http://www.systemagazin.de/beitraege/luhmann/bardmann_lebenwietheorie.php

(31) Georg Singe, in: »Chaos und Selbstorganisation. Systemtheorietische Impulse für eine diakonische Praxis« (Seite 52-53), „So entscheidet sich die Moral an dem Kriterium der Brauchbarkeit. … Die eigenen Gewissheiten und Überzeugungen werden selbst zur Disposition gestellt. Das Leben und auch die Soziale Arbeit mit Klienten geschieht in einer Welt voller Provisorien.“

http://books.google.de/books?id=vBWZjhBjEkQC&printsec=frontcover#v=onepage&q&f=false

Georg Singe, Diplom-Theologe, Diplom-Sozialarbeiter, Systemischer Familientherapeut und Supervisor (DGSF). Autor von: »Gott im Chaos. Ein Beitrag zur Rezeption der Chaostheorie in der Theologie und deren praktisch-theologische Konsequenz«

http://www.soziale-theologie.net/index.php?option=com_content&view=article&id=48:singe-georg–dr-phil-vechta-d&catid=13:s-z&Itemid=5

(32) »Suprematism (Supremus No. 58)«, Kasimir Malewitsch 1916, Kunstmuseum Krasnodar

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6c/Malevici06.jpg

Malewitsch: Acht Vierecke

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6d/Malevich-Suprematism..jpg

(33) Supremacism, suprémacisme, Supremazismus

Le suprémacisme est une idéologie raciste qui considère qu’une ethnie particulière peut et doit exercer une domination sur une ou plusieurs autres. Il peut également se comprendre au sens civilisationnel, au sens de la suprématie d’une civilisation sur une autre.

http://fr.wikipedia.org/wiki/Supr%C3%A9macisme

(34) Kind, Hund ist unrein! Lass es dir gar nicht erst einfallen, dir als Haustier einen Hund zuzulegen. Don’t contemplate taking a dog home as a pet.

http://www.islamonline.net/servlet/Satellite?pagename=Islamonline-English-Ask_Scholar/FatwaE/FatwaE&cid=1119503547226

Die Engel besuchen kein Haus, in dem sich ein Hund oder ein Bild befindet, Angels do not enter a house in which there is a dog or a picture.

http://www.islamicteachings.org/forum/islamic-articles-all-kinds/angels-not-entering-an-pictured-house-or-a-house-with-a-dog-t8526.html

Hadith-Terminologie (muṣṭalaḥ al-ḥadīṯ)

http://en.wikipedia.org/wiki/Hadith_terminology

(35) Kuala Lumpur: Das staatliche, oft erkennbar allahkratische »Institute of Diplomacy and Foreign Relations (IDFR)« wird vom malaysischen Außenministerium (Ministry of Foreign Affairs) betrieben und veröffentlicht die Rede des Kalifatsanhängers Mustafa Cerić, dem Großmufti von Bosnien und Herzegowina: »A DECLARATION OF EUROPEAN MUSLIMS«. Zwischen 1991 und 1993 lehrte Mustafa Cerić in Kuala Lumpur am International Institute of Islamic Thought and Civilization (ISTAC, Teil der Islamischen Universität Malaysia) und war dort auch als Repräsentant des Panislamisten Alija Izetbegović tätig.

Cerić in »A DECLARATION OF EUROPEAN MUSLIMS«

„the European Muslims have the right to express their expectations in the Declaration such as: the institutionalization of Islam in Europe; the economic development of the Muslim Community so that it may have full spiritual and cultural freedom and independence; the development of Islamic schools capable of educating European born Muslims for the new challenges of European society; the political freedom that will enable European Muslims to have their legitimate representatives in European state parliaments; a relaxation of European migration policy which has become very restrictive towards Muslims recently; opening the way for Muslim law to be recognized … f) opening the way for Muslim law to be recognized in matters of personal status such as the Family Law; g) and the protection of European Muslims from Islamophobia“

http://www.idfr.gov.my/en/index2.php?option=com_content&do_pdf=1&id=144

Panislamist Izetbegović hatte bereits 1970 die Islamische Deklaration (Islamska deklaracija) verfasst, die zunächst in Saudi-Arabien (Auflage 100.000 Exemplare) auf Arabisch veröffentlich wurde. Dort heißt es:

Nie werden Muslimische Nationen etwas dulden, was sich ausdrücklich gegen den Islam richtet … wer auch immer gegen den Islam aufsteht, wird nichts als Hass und Widerstand ernten … Zwischen dem Islamischen Glauben und den nichtislamischen gesellschaftlichen und staatlichen Einrichtungen kann es weder Frieden geben noch Koexistenz. … Unter den Bedingungen der Gegenwart bedeutet dieser Wunsch [nach einem Islamischen System], sich kraftvoll für eine große Islamische Föderation einzusetzen, die von Marokko bis Indonesien reicht und von Zentralafrika bis nach Zentralasien.

Muslim nations will never accept anything that is explicitly against Islam, … He who rises against Islam will reap nothing but hate and resistance. … There’s no peace or coexistence between the Islamic faith and non-Islamic social and political institutions. … Under present conditions, this desire [for an Islamic order today] means a struggle for creating a great Islamic federation from Morocco to Indonesia, from the tropical Africa to the Central Asia.

Alija Izetbegović: »The Islamic Declaration, Islamska Deklaracija«, veröffentlicht bei den menschenrechtsfernen Antiislamisten vom Hindu Vivek Kendra (HVK), einem Gelehrtenkonvent der hinduistisch-rassistischen Bewegung des Hindutva. Der HVK ist der völkisch-nationalistischen und chauvinistisch-radikalreligiösen Rāṣṭrīya Svayamsevak Sangh (RSS) zuzurechnen, die in ganz Indien Wehrsportzentren und ideologische Schulungsseminare betreibt und bis 2004 die indische Regierung stark beeinflussen konnte.

http://www.hvk.org/articles/0802/0.html

auch bei: den arg nationaltümelnden Säbelrasslern und Super-Serben von SRPSKA MREZA („We, Serbian-American editors of Srpska Mreza insist on strengthening History-long good relationship between Serbian and Jewish people. Our bond is a strong one. For centuries, the suffering of our two peoples is the same. Our enemies are the same. Intolerance, racism, Nazis and Islam fundamentalists are our common enemy.”)

Izetbegović jugoslawisch großspurig und zusätzlich vom Kalifat begeistert:

Auf seiner eigenen Scholle schließt der Islam die Betätigung jedweder Ideologie eindeutig aus. Die Frage nach laizistischen Grundsätzen stellt sich gar nicht erst, der Staat sollte vielmehr Ausdruck und Anwendung sittlicher Wertesysteme sein. … Der Aufbau eines Islamischen Systems erweist sich damit als der vollendete Akt aller Demokratie.

Islam clearly excludes the right and possibility of activity of any strange ideology on its own turf. Therefore, there is no question of any laicistic principles, and the state should be an expression and should support the moral concepts of the religion. … Establishing of an Islamic order is thus shown as the ultimate act of democracy,

http://www.srpska-mreza.com/library/facts/alija.html

auch bei: Lee Jay Walker: »Islamic terrorism: Afghanistan to Bosnia and September 11«, veröffentlich bei Pakistan Christian Post

http://www.pakistanchristianpost.com/headlinenewsd.php?hnewsid=1907

Noch zum IDFR. Conference on „Who Speaks for Islam? Who Speaks for the West?“ Gemeinsam mit der UN-nahen Alliance of Civilisations ist der einstige iranische Präsident Mohammad Khatami zu Gast beim IDFR in Malaysia, Mustafa Cerić wird erwähnt. Man bemerke: zunehmende Schariafreundschaft wird „gegenseitige Wertschätzung, mutual respect“ genannt, und wenn der Dhimmi dem Kalifen gegenüber die Löffel aufsperrt, kann er endlich „mit offenem Geist zuhören, listen with an open mind“:

“On the topic of „What is the Future Framework for the Muslim-Western Relationship“, Stephen Heintz, President of the Rockefeller Brothers Fund (U.S) said that there is a need to promote mutual respect, understanding and cooperation between Muslims and the West. Sir Iqbal Sacranie, Secretary General of the Muslim Council of Britain (U.K) was of a similar view and said that in order to move forward, everyone must listen with an open mind.”

http://www.idfr.gov.my/en/index.php?option=com_content&task=view&id=88&Itemid=122

IDFR. Conference on ‘Islam and the West : Bridging the Gap’

http://www.idfr.gov.my/en/index.php?option=com_content&task=view&id=169&Itemid=147

(36) Kaddor will Offenbarung statt Wissenschaft. Annedore Beelte lässt in ihrem »Prof. Heumanns Kritik am islamischen Religionsunterricht zurückgewiesen« die Islampädagogin zu Worte kommen, die den berechtigten Vorwurf des Oldenburger Religionspädagogen Jürgen Heumann angreift, der die geplante Einführung des islamischen Religionsunterrichts an deutschen Schulen als integrationsfeindlich erkennt. Bei CIBEDO darf Lamya Kaddor die Geistesgeschichte der Menschheit endlich richtig stellen: „Die Aufklärung ist nicht auf den Islam übertragbar“.

http://www.cibedo.de/islamischer_religionsunterricht.html

Heumann gegen Islamischen Religionsunterricht. Unter dem Titel »’Islamunterricht gefährdet Integration’« heißt es am 20.03.2008 bei FOCUS online: „Die geplante Einführung des islamischen Religionsunterrichts an deutschen Schulen ist nach Überzeugung des Religionspädagogen Jürgen Heumann integrationsfeindlich. „Dem Islam fehlen Inhalte wie die Aufklärung oder die Reformation, was die Auseinandersetzung mit Kritik für diese Religionsgemeinschaft oft erschwert“, sagte Heumann. … Schule habe die Aufgabe, Menschen zum Nachdenken und Reflektieren zu bringen. Deswegen gehöre es im Religionsunterricht auch dazu, die Existenz Gottes oder die Entstehung der Bibel zu hinterfragen. „Beim Islam bezweifele ich stark, dass dort die eigene Tradition ähnlich kritisch hinterfragt wird, wie es im evangelischen oder katholischen Religionsunterricht inzwischen der Fall ist.“ Deswegen gehörten „hohe inhaltliche Hürden“ dazu, wenn islamischer Religionsunterricht bald flächendeckend erteilt werden dürfe.“

http://www.focus.de/schule/schule/unterricht/religion/schulfach_aid_266410.html

(37) Arten von Kufr (Unglauben), bei: »Saheefah.org«

“Saheefah.org is a collaborative effort of some students of knowledge to become a reference point on the authentic creed of Islam in the English language. Saheefah.org includes a team of translators and students of knowledge who have studied at institutions such as Medinah University, Umm ul-Quraa, and Dar al-Hadith.”

http://saheefah.org/2008/07/07/types-of-kufr-ibn-kathir/

Götze: ṭāġūt / taghoot, Plural ṭawāġīt / tawaagheet. Der unrechte Herrscher, der nicht nach der Scharia regiert, ist nach Muhammad ibn Abd al-Wahhab (1703 – 1792) Götze. Wer dem Intellekt den Vorrang vor der Offenbarung einräumt, huldigt dem Intellekt, also nicht Allahgott, sondern einem Götzen.

http://saheefah.org/2008/07/14/definition-of-taghoot/

Kufr ta’weel, Unglauben durch falsches Islamverständnis, to commit disbelief through misinterpretation of the Holy Qur’an and Hadith

http://www.ummah.net/Al_adaab/fiqh/kufr_tawil.html

Der simple Muslim gehört gewiss nicht zu den ar-Rāsiḫūn fi l-ʿIlm / ar-Rasikhoon fil I’lm / er-râsihûne fi’l-ilm (The well-founded in knowledge / firmly rooted in knowledge; the Deeply Versed in Divine Knowledge (of the Qur’an) / deeply grounded in knowledge of the major areas of the Islamic sciences), er ist kein al-ʿĀlimu r-Rāsiḫ / al-’Alim-ur-Rasikh.

Seien es nun verschiedene Grade der Einweihung, der Auffassungsgabe oder der Bildung, die Menschheit ist sogar innerislamisch hierarchisiert ungleich und der muslimische Endverbraucher schlicht zu doof, den Koran zu verstehen:

“Even now these ayah are muhkimaat for only “Rasikhoon fil Ilm and there are many who are unable to understand because they have not acquired enough scientific knowledge. Therefore an ayah [Āya, pl. Āyāt, Koranvers] can be a muhkim [eindeutig, clear] and mutashabih [uneindeutig, unclear] at the same time for people of different intellectual level.”

“This ayah explains that there are two different kind of ayah in Quran, one Muhkimaat and the other Mutashabihaat.”

http://mahjoorquran.blogspot.com/2006/11/mutashabihaat-taseer-cheema-md.html

The Mutashabihat and Muhkamat Ayat

http://www.tafsir.com/default.asp?sid=3&tid=7700

(37). Abdul-Ahmad Rashid bespricht Kaddors angeblich „mutiges“ Buch („Lamya Kaddor zeigt einen Mittelweg auf“), bei: Deutschlandradio Kultur, 17.02.2010, Titel: »Versuch, den Islam mit dem Verstand zu erfassen«

„Als versierte Islamwissenschaftlerin glänzt Lamya Kaddor in ihrem Buch auch immer wieder mit ihren profunden Kenntnissen über den Islam, und ist daher in der Lage, auch mit ausgebildeten muslimischen Theologen mitzuhalten. Daher kann sie es sich erlauben, den Stillstand der islamischen Theologie zu kritisieren. Sie fordert eine moderne Auslegung der islamischen Quellen, um diese Theologie in die heutige Zeit zu holen.“

Mit welchem Theologen bitte hält Kaddor beispielsweise mit? Soll der Stillstand in die heutige Zeit geholt werden? Ach, ist der Islam also von gestern? Was aber bitte glänzt? Und wieso ist die reichlich zerstreut und zerfahren argumentierende Aussenderin von Mehrfachbotschaften versiert? Sehr geehrter Herr Rashid, ich muss ein anderes Buch gelesen haben.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/1126568/

„Forum am Freitag“-Moderator Abdul-Ahmad Rashid war Teilnehmr einer Podiumsdiskussion am 01.02.2010 in der Katholischen Akademie Berlin. Bei »Politically Incorrect«. Bericht der PI-Gruppe Berlin zur Veranstaltung “Grenzüberschreitungen – Vom Umgang mit religiösen Symbolen” am 1. Februar in Berlin-Mitte:

„Rashid beklagte, dass immer über Muslime gesprochen werde, aber niemals mit ihnen. … Auch beim Thema Kopftuch wurden wir von Rashid aufgeklärt. So höre er immer wieder, dass dies ein Zeichen der Unterdrückung der Frau sei, aber niemandem scheint mal in den Sinn gekommen zu sein, dass dies ein Ausdruck von Selbstbehauptung oder einfach nur Mode sei.“

http://www.pi-news.net/2010/02/katholische-kollaborateure/

(38) The Radical Middle Way (RMW) is a revolutionary grassroots initiative aimed at articulating a relevant mainstream understanding of Islam that is dynamic, proactive and relevant to young British Muslims.

http://www.radicalmiddleway.co.uk/

RMW wirbt für die britische Tournee der deutschen Konvertitin und Scheichin Halima Krausen

http://www.radicalmiddleway.co.uk/events/scholar-tour/new-shaykha-halima-krausen-tour2010

RMW will die Gleichberechtigung von Mann und Frau durch den Allahfeminismus ersetzen. Die erniedrigte Frau ist die befreite Frau, und um diesen Schwachsinn Großbritanniens Muslimas beizubringen, bedarf es gelehrt redender Autoritäten wie Prof. Mohammed Hyder. Can the Muslim community advance without the full, active and passionate participation of Muslim women? Impossible, declares Professor Hyder. Any community programme that doesn’t have Muslim women as equal and effective participants as Muslim men is doomed to fail.

http://www.radicalmiddleway.co.uk/ikhutbah/inspirational/progress-and-the-muslim-women

RMW. Murad Wilfried Hofmann war Botschafter für Deutschland in Algerien und Marokko und betätigt sich nach seiner Pensionierung als Botschafter des uranfänglich-ewigen Kalifats.

http://www.radicalmiddleway.co.uk/speakers/activist/dr-murad-hoffman

Europas Emir und Europas Kalif, Tariq Ramadan und Mustafa Cerić, dürfen nicht fehlen, wenn es darum geht, die Nichtmuslime in den radikalen Rinnstein zu drängen und die Herrschaft Allahs zu erhöhen. Alles eine Frage der Balance (al-wasaṭīya, „Mittigkeit“), der Harmonie.

http://www.radicalmiddleway.co.uk/speakers

Im nordindischen Bundesstaat Hariyāṇā (21,1 Mio. Einwohner, davon 11,33 Mio. Männer und 9,75 Mio. Frauen (hier könnte Femozid vorliegen, Abtreibung nach Ultraschall, Mitgiftmorde oder ehrbedingte Küchenunfälle?)) liegt das Finanzzentrum Gurgaon (173.542 Einwohner), wo man die Homepage the-south-asian.com betreibt. Dort titelt man »The ‘middle way’ of Islam«, und ein Izzat Majeed darf seine Sehnsucht nach der verlorenen Gemeinschaftlichkeit (Medina-Modell, Kalifat) Ausdruck geben:

„In verse 143 in Sura Al-Bacarah (the Cow), the Almighty says: „And thus have we willed you to be a community of the middle way.“ It is this God-ordained ‘middle way’ that we Muslims have lost. And we must find it in harmony with today’s and tomorrow’s hope for moderation and a better quality of life for us all.“

http://www.the-south-asian.com/dec2001/Middle%20Way%20of%20Islam.htm

Bei IslamOnline lässt man unter dem Titel »Moderation in the Qur’an« Dr. Hammudah Abdulati zum Thema Mittigkeit zu Wort kommen, der Allahs Aussage bemüht: „For this approach of moderation, the Qur’an calls the Muslims a „middle nation“ (Al-Baqarah 2:143), and with this „middleness“ they are called the best people ever evolved for mankind, as they enjoin the right, combat the wrong, and believe in God (Aal `Imran 3:110).” Andernorts übersetzt man “The umma of wasaṭīya” (2:143) als “a justly balanced nation”, “Thus have we made the Muslim nation a justly balanced nation.”

http://www.islamonline.net/servlet/Satellite?c=Article_C&cid=1158658473896&pagename=Zone-English-Living_Shariah%2FLSELayout


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