Archiv für März 2009

107. Kopftuch als Eintrittskarte ins Paradies

27. März 2009

نِقاب

niqāb:

Gesichtsschleier

Konvertitin und Niqabi

Jacques Auvergne, vgl. Nr. 032.

Hallo Autor!

Aus deinem Text spricht die Unmoral. Warum willst du Arme, Beine und Gesicht einer Frau sehen? Warum willst du wissen welcher Nationalität sie ist? Du wirst es nicht glauben, aber genau damit du das nicht siehst tragen diese Frauen es. Und sie „geben nicht vor es freiwillig zu tragen“ sie TRAGEN es FREIWILLIG! Warum ich das so genau weiß? Weil ich es selber trage. Und mich hat kein Mann, keine Familie, und kein Land dazu gezwungen, ich bin 100% deutsch, und habe mich selbst für eine andere Religion und eine andere Art der Kleidung entschieden, als hier die meisten.

Du reihst nur Vorurteile aneinander, und man darf nur hoffen, dass nicht alle so engstirnig sind und denken wie du.

Mehr sage ich dazu nicht mehr.

Faizah, faizah.de.vu

Sehr geehrte Faizah,

es bestehen große Unterschiede in der Weise, wie zwei Geschwister gleich welchen Geschlechts Frau und Mann, eher halb bewusst denn bewusst, im Alltag betrachten und was für Welterklärungen, Menschenbilder, Gottesbilder sowie Sittlichkeitsvorstellungen sie mit Mythos Mann und Mythos Frau verbinden. Das gilt auch für Realität Mann und Realität Frau.

Zugleich werden wir beide vermutlich darin übereinstimmen, dass Religion kein Randbereich des Lebens ist. Ich halte den Menschen zur Religion begabt oder berufen, in einer spöttischen Minute oder beim Erleben von praktizierenden Glaubensfanatikern mag ich murmeln “… zur Religion verflucht”. Doch was ist Religion und was nicht? Es gibt ganz große Unterschiede sowie Zwischentöne im Bereich etwa zwischen Spiritualität (befreiendes Gegengewicht zum Alltag) und Spiritismus (magisches Denken, Besessenheitsglaube, Machbarkeitswahn).

Wir Menschen, seit Jahrtausenden unterwegs auf den schwerlich überschaubaren, verschlungenen, dämmerigen Pfaden des Träumerischen und der Sehnsucht, der Götter oder des Gottes, wir sind angewiesen auf Qualitätskriterien für Religiosität. Und keine der Weltreligionen hat hier so viel Arbeit vor sich wie der so genannte Islam, der grundsätzlich keine schlechteren oder dümmeren der zum Islam hin geprägten und erzogenen Menschen beinhaltet als jede andere Religion, Ex-Religion oder Nichtreligion. Aber da fängt es schon an, islamisch-kritisch zu werden (Islam in der Krise, daher Islamkritik). Das Wörtchen Nichtreligion macht dem Islam Probleme oder vielmehr umgekehrt.

Freiheitliche Demokratie stellt die Forderung nach für jeden zugänglicher Ex-Religion. Negative Religionsfreiheit wird in der kulturellen Moderne oder auch nur in jeder geschmackvoll und stilsicher eingerichteten Gesellschaftsform heißen dürfen: Persönlicher Ex-Islam, sprich Ex-Muslime wohlwollend zuzulassen. Damit aber hat der durch irdische, oft gnadenlose Eiferer als anfallsweise gnadenlos dargestellte Allāh derzeit so seine Schwierigkeiten.

Der Scharia-Allāh oder Fiqh-Allāh ist ein unreifer Flegel, grün hinter den Ohren, unerzogen. Ich wünsche Ihnen, sehr geehrte Faizah, in Herz und Hirn einen ganz anderen Allāh. Rund um Volksislam, islamische Mystik und säkularen Islam gibt es durchaus, leider manchmal durch ihre Mitmuslime bedrohte Menschen, deren Gottheit die säkulare Demokratie nicht hauptberuflich verachtet oder gar angreift. Beschäftigen Sie sich mit säkularen Muslimen wie Professor Bassam Tibi oder Frauenrechtlerin Fatma Bläser, das sind die Menschen, auf die der deutsche Teil der umma wirklich stolz sein darf.

Muslimische Familien sind regelmäßig durch ausgesprochen gewaltreiche Erziehungsmethoden gekennzeichnet, so, als ob die Einordnung in die angeblich naturgegebene kosmische Religion hier auf Erden durch schmerzhafte Prügelpädagogik sinnlich erfahrbar werden müsste. In Kombination mit der durch Allāh jedem Vater gestatteten Zwangsverheiratung der eigenen Tochter durch ihn als „Wali“ (walī mudschbir, mücbir veli) und im Wissen um gelegentliches islamisches Handabhacken und Steinigen, beim vom Hörensagen bekannt werdenden Vergewaltigungsdschihad wie in Darfur oder bei dem durch Europas Medien vertuschten, europäisch-vorstädtischen Belästigungsdschihad (Nebeneffekt ist das unters Kopftuch Mobben) wachsen viele junge Migrantenkinder auf. Da erstaunt es nicht, dass die islamische Kindererziehung leider immer noch viel zu oft die autoritäre Persönlichkeit formt. „Angeboren“ (fitra) ist das nicht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4re_Pers%C3%B6nlichkeit

Man nennt sie auch autoritären Charakter

http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4rer_Charakter

Wir dürfen vermuten, dass Mohammed diese vormoderne oder, heute, gegenmoderne Haltung, das Erziehungsziel: Autoritäre Persönlichkeit ebenso propagiert hat wie Said Ramadan oder Necmettin Erbakan es später taten. Man hört bisweilen sagen, diese Herren hatten eine schwere Kindheit, waren Kinder ihrer Zeit, mussten so fühlen und denken. Das mag ja auch stimmen, doch sind für die Zukunft der Gesellschaft (der Welt, Europas, Deutschlands) keine auf der Erde gelandeten Göttervertreter, keine sunnitischen Scheichs oder schiitischen Ayatollahs verantwortlich, sondern die Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Tja, wenn die allerdings mehrheitlich das Kalifat wollen, verkommt die Demokratie zur ‘hakimiyyat Allah’, oberster Souverän ist dann nicht länger das Volk, sondern der Islamgott.

Der säkulare Staat hat “die Muslime” (auch so ein deutscher Gutmenschen-Mythos, der die Säkularen und die Schariagegner gerne unterschlägt), für genau so lernfähig zu halten wie die so genannten Nichtmuslime (was ist das für eine ethno-religiöse Kaste, hat ein Grundschulkind jetzt ein Schild um den Hals: “Vorsicht, nichtmuslimisches Kind”?).

Der Staat braucht ethno-religiöse Sondergesetze und vormoderne Sittlichkeitsvorstellungen (’aura/awrah, fitra, nikah, tahāra, hidschāb/niqāb) wesensgemäß nicht zu berücksichtigen, wird sie aber immer dann eingrenzen müssen, wenn Grundrechte Dritter oder, wie im Falle von neunjährigen Ehefrauen oder bedrohten Ex-Muslimen, Grundrechte von Menschen bedroht sind.

Ich vermute, es ist mir in meiner Freizeit auch außerhalb des Karnevals erlaubt, einen Kartoffelsack überzuziehe und Huibui das Schlossgespenst zu spielen. Wahrscheinlich würden meine Freunde sagen, ich hätte nicht mehr alle Mokkatassen im Schrank.

Lehrerinnenkopftuch sagt, ruft, schreit: “Ich bin keinesfalls lesbisch und ein schwuler Sohn wäre mir und Allāh ein Gräuel!” Die kopftuchtregende Lehrerin wird anmutig lächeln, unschuldig spielen oder sogar arglos sein und murmeln: “Allāh empfiehlt der Frau die Haarbedeckung”.

Das Lehrerinnenkopftuch ist hisbah (Allahs unsichtbarer erhobener Zeigefinger), ordnungspolitischer Aufruf, eben hisbah, zur Errichtung der ‘islamischen Gesellschaft’.

Kopftuch bekundet ohne Worte, weit leuchtend: Al-amr bi’l ma’ruf wa n-nahy ‘an al-munkar – Das Gute gebieten und das Schlechte verbieten!

http://de.wikipedia.org/wiki/Hisbah

Damit ist das islamische Kopftuch ein äußeres Zeichen der Ideologisierung des Leibes (fitra, ‘aura). Kopftuch – jedes – sagt zur Imam-Ehe (nikah) und zur Scharia “Ja!”, jedenfalls sagt es niemals nein zur Scharia und kein deutscher Moscheeverein lehnt die vormoderne, demokratiegefährdende islamische Pflichtenlehre ab. Von der kalifatsorientierten Ambition der durchweg reaktionären deutschen Islamverbände nicht zu sprechen.

Ob Salafiyya oder Milli Görüş: Die Kopftuchfreunde bevorzugen das Kalifat (Großmufti Mustafa Cerić sagt anstelle von Kalifat trickreich Imamat, in: The challenge of a single muslim authority in Europe) gegenüber jeder kulturellen Moderne, gegenüber Pressefreiheit, Religionskritik und Gesellschaftskritik. Der clevere Murad Wilfried Hofmann nennt die von ihm erträumte schariatisierte Nachdemokratie “Post-Postmoderne”.

http://www.designe-ligne.de/de/islam/kommentare/data/28-03-2003_17_47_58.php

Die säkulare Kultur benötigt zu ihrer Selbsterhaltung das pädagogische und politische Arbeitsmittel des Verbots des Lehrerinnenkopftuchs an ihren staatlichen Schulen. Auch Rheinland‑Pfalz sollte sich in diesen Monaten ein entsprechendes Gesetz geben, wie der gestörte Schulfriede am Speyer‑Kolleg anzeigt. Erfreulicherweise hat die dortige CDU einen entsprechenden Gesetzesentwurf bereits eingereicht.

So lange in vielen europäischen Moscheegemeinden der Forderung nach dem für jede muslimische Frau verpflichtenden hidschāb nicht widersprochen wird, ganz im Einklang mit anerkannten islamischen Autoritäten und zugleich Demokratiefeinden wie Yūsuf al-Qaradāwi, darf uns Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern jedes Kopftuch als ‘Wegzeichen’ (Buchtitel von Sayyid Qutb) für schariatische Islampolitik gelten, für geheiligte Entwürdigung der Nichtmuslime und der Frauen. Diese vormoderne religiöse Einstellung ist vom Grundrecht der Religionsfreiheit schlichtweg nicht gedeckt.

Der heutige Allāh verhindert Religionsfreiheit. Jedenfalls lässt er sein irdisches Bodenpersonal derartig wirken, diese Vertreter Allahs auf Erden, die Kalifen sprich Stellvertreter namens Ayatollah, Großmufti und Scheich. Apostasie wird nicht geduldet. Das aber ist aus demokratischer Sicht eine Unart, grundgesetzverträgliche Religion ist es gewiss nicht, eher sozialer Kerker, eine als Religiosität deklarierte Sklavenkette. Religionswechsel muss akzeptiert, bejaht werden, zurzeit für al-Azhar oder Europäischen Fatwā‑Rat (ECFR), für Ghom, Nadschaf oder Teheran (Tehrān) eine unüberwindbar scheinende Hürde.

Die Beurteilung eines Andersgläubigen als eines wenigstens grundsätzlich als sittlich wertvoll denkbaren Menschen muss möglich werden. Koran und Hadithen jedoch lehren den (islampädagogischen) Ekel vor den Dhimmis, den Hass auf die Polytheisten. Der Islamische Gelehrte und „Hodschatolislam“ Abu Muhammad al-Ghazali (hujjat‑ul‑islām al-Ghazālī, 1058-1111) und der Theologe Ibn Taimiya (1263-1328) Taimiyya, Taimiyyah) brachten diesen Aufruf zum theokratischen und nahezu sakramentalen Apartheitsstaat in eine endgültig menschenverachtende sowie zutiefst frauenverachtende Form. Die Scharia muss auf den Schutthaufen der Menschheitsgeschichte! Die Scharia-Gerichtshöfe müssen aufgelöst werden und die fatwaproduzierenden Milieus sind durch Bildung aller Menschen in ihrer schädlichen, suchterzeugenden Wirkung zu entmachten.

Sehr geehrte Faizah, sie fragen mich, warum ich Arme, Beine und Gesicht einer Frau sehen will. Tue ich doch gar nicht. Keine Frau im Zimmer. Im Nachbarhaus schlafen schon alle, Männer und Frauen. Morgen früh sehe ich wohl wieder ein paar Menschen (wer sagt Ihnen eigentlich, dass ich nicht blind bin? Nun, zum Glück habe ich gute Augen).

Oft beiläufig, grundsätzlich eher interessiert, manchmal mit Freude schaue ich Menschen ins Gesicht, den ganz alten wie den kleinen Kindern, den Jugendlichen und Erwachsenen, seien sie weiblichen oder männlichen Geschlechts. Und habe dabei den Glauben, er mag Ihnen seltsam erscheinen, dass eine Frau einen Mann grundsätzlich genau so lüstern oder begehrlich, sympathisch oder würdigend, nachbarschaftlich oder kollegial, neutral oder kühl anzusehen in der Lage ist wie ein Mann eine Frau. Dass Menschen, leider jedoch gerade Muslime hasserfüllt gucken können, ist uns vertraut. Da gibt es gar keinen Unterschied zwischen den Geschlechtsklassen, allenfalls etwas kulturell oder milieubezogen oder religiös antrainiertes Getue.

Da Sie für den Gesichtsschleier werben möchten, danke ich Ihnen zwar für diesen authentischen Beitrag aus dem radikalislamischen Innenleben, möchte Sie jedoch in der Sache nicht unterstützen. Fragen Sie also nach Zustimmung zum niqāb den indonesischen Gelehrtenrat, Indonesian Ulema Council, der, interessant und absonderlich, die für Schafiiten seit Jahrhunderten verpflichtende islamische Frauengenitalverstümmelung rechtfertigt. Die haben in den letzten Jahren recht lange Frauengewänder befördert, andererseits jedoch das strenge Kopftuch dem gesichtsverhüllenden niqāb vorgezogen. Besser also, Sie holen sich beim Herrn Abu Bakar Bashir die solidarische Zustimmung, ob eine gottesfürchtige Muslima ihren hidschāb als niqāb tragen sollte. Der Geistliche will die Bedeckung des Frauenleibes: “Naked women [are] worse than Bali bombings, unbekleidete Frauen sind schlimmer als das Bali-Attentat”, meint der einen persönlichen Kriegsgott anbetende Prediger.

http://en.wikipedia.org/wiki/Abu_Bakar_Bashir#Views_and_controversies

http://sweetness-light.com/archive/bali-bombers-says-naked-women-worse-than-bombs

Abu Bakar Bashir, Mitgründer der Jamaah Islamiyah und gottesfürchtiger Terrorfreund, will für alle Muslime Indonesiens ein Leben nach der ganzen, reinen Scharia.

Bei der nach Totalität strebenden islamischen Sexualpolitik, wie sie mit dem politreligiösen Kopftuch beginnt, geht um die männliche Herrschaft über die gewaltsam (dschihād) ins Abseits getriebenen, nach Maßgabe des Tochtertauschens erworbenen Frauen (Kaufvertrag nikah‑nama), die nachfolgend das Haus nicht ohne männlichen Begleiter (mahram) verlassen dürfen. Symptom dieser sexualpolitischen Landnahme ist das Kopftuch.

Das Wort Mängelwesen stammt von Arnold Gehlen. Gehlen meinte den naturhaft schutzbedürftigen Menschen, jeder Kultur (beiderlei Geschlechts). Der Islam aber meint mit mangelhaftem Wesen die Dhimmis, von denen es für jeden frommen Muslim gilt, Schutzgeld (die islamrechtlich einwandfreie dschizya) zu erpressen. Und neben dem Nichtmuslim (dhimmī; harbī) kennt der Islam noch ein weiteres Mängelwesen: Die Frau.

http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4ngelwesen

Es ist ein zwar grundfalscher, jedoch konsequenter Weg, den Sie, sehr geehrte Faizah, gegangen sind, vom Kopftuch über den Tschador zu der Ganzkörperverhüllung einschließlich Gesichtsverhüllung (niqāb). Schließlich hat im besonders radikalem Islam jede Frau als ein ganz ausgesprochenes Mängelwesen, das dem Mann sittlich, religiös und geistig unterlegen ist, vor der Öffentlichkeit nicht nur ihren verruchten, beständig vom iblīs (Teufel) umflatterten Leib, sondern auch ihr Antlitz zu verbergen.

Niqabi. Die sozial Entleibten, die geschaffenen Gesichtslosen huschen geistergleich, lebenden Toten gleich durch die ersten europäischen Straßen, indes die Ureinwohner wie auch die Einwanderer meist nicht einmal blöde gucken sondern irgendwie Verständnis haben. Ich habe für den niqāb kein Verständnis!

Der Ganzkörperschleier, auch der gesichtzeigende Tschador oder die Abaya, steht außerhalb der Kleiderordnung (dresscode). In Europa haben Mann und Frau einen Leib wie ein Gesicht. Im radikalen Islam nicht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kleiderordnung

Im radikalen Islam ist Geld ist eben Männergeld, ist der städtische Zentralplatz Männerwelt, ist menschliches Gesicht Männergesicht. Sehr geehrte Faizah, vielleicht sollten Sie, durch mir nicht bekannte Lebensumstände bedingt, in diesen Jahren muslimisch leben, so etwas gibt es ja überall auf der Welt und ist erst einmal kein Grund, den Kopf in den Sack, äh: Den Kopf in den Sand zu stecken. Lesen Sie „Ich war ein Munie“ (Oliver von Hammerstein), das Buch (al‑kitāb) könnte Sie sehr betreffen. Falls Sie schariatisch überwacht sind, lesen Sie das Buch heimlich. Sie könnten es in einen kalligraphisch gestalteten Umschlag einer hadīth- oder tafsir-Sammlung einarbeiten und zur Freude Allahs in den Frauenbereich der Moschee schmuggeln. Ginge auch mit: Die satanischen Verse (Salman Rushdie) oder: Gabriels Einflüsterungen (Jaya Gopal), warum bitte sollen Muslime nichts lernen über Literatur oder Menschheitsgeschichte.

Falls Sie den niqāb tagsüber und draußen dauernd tragen und sofern Sie das Haus verlassen dürfen: Verzichten Sie zunächst, sage ich jetzt so ähnlich wie ein Suchtberater es tun würde, für zwei Tage in der Woche darauf, Ihr Gesicht mit einem niqāb zu verschleiern. Trainieren Sie später einen Wochentag lang den european dresscode, das durchschnittliche Erscheinungsbild.

http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstdarstellung#Grenzen

Neues Erleben wird sich Ihnen auftun, ebenso menschliches wie gottgewolltes. Der Name Faizah bedeutet die Siegreiche, die Gewinnerin. Werden Sie der Bedeutung Ihres Namens gerecht.

Mit freundlichen Grüßen

Jacques Auvergne

Lesetipp

Kapitel 09 und 10 aus der Analysiert von Ümmühan Karagözlü den niqāb.

http://schariagegner.wordpress.com/2008/03/22/mannerblicke-frauenkorper/

Karagözlü antwortete einer Niqabi. An Schleiergesicht oder vielmehr Schleiernichtgesicht Melanie

http://schariagegner.wordpress.com/2008/05/19/antwort-an-melanie/

Oh, deswegen wählte ich den Namen damals: Denn er war zutreffend, ich habe den islam für mich gewonnen und in mein Leben lassen dürfen.

Warum sollte ich irgendwas “trainieren” wovon ich al hamdu lillah mit der Zeit endlich wegkam, und was ich zutiefst verachte?

Warum immer RADIKALER islam? ES gibt nur einen islam, DEN Islam. DIE Wahrheit. Das ist nicht einfach eine der Weltreligionen wie Sie es abtun. Es gibt nur eine Wahrheit und eine Logik. Jemand hat uns erschaffen, deswegen sind wir hier, deswegen haben wir uns an die Gesetze zu halten, die dieser jemand aufgestellt hat: Allah ta’ala. Wenn sich das puzzle zusammenfügt, man plötzlich ALLES versteht und keine Fragen mehr hat, zweifelt man nicht mehr an der Richtigkeit. Der islam ist die einzige Religion die auf alles Antworten parat hat.

Kommen Sie mir bitte nicht mit irgendwelchen Quellen von Leuten die sich Muslime nennen, aber es oft nicht mal sind. Wir nehmen als Muslime nicht Wissen von Shiiten, anderen Sektenangehörigen, den Ahlu Bidah, oder Leuten die nicht mal Bart tragen aber Vorträge halten, Leuten die sagen, Christen sind auch okay und kommen ins Paradies, Leuten die dazu aufrufen einige Verse aus dem Qur’an zu ignorieren. Damit will ich nicht sagen dass sie alle keine Muslime sind, nein, das wäre verboten, aber was die Quellen angeht lese ich wie jeder Muslim es sollte, Qur’an und Sunnah, selbstverständlich nicht selbst interpretiert, sondern nach dem Verstand der salaf salah und höre dann was die Ulama sagen – Sheikh Albani, Utheymin, BinBaz, etc. Das wars. Ich werde also nicht irgendwelche Werke lesen von Leuten die doch keine Ahnung haben – das ist nur Fitnah. Und irgendwas einschmuggeln, ich bitte Sie machen Sie sich nicht lächerlich, bleiben wir bitte ernst – denn Allah sieht alles.

Eine Sache spreche ich noch kurz an: Es ist anmaßend zu behaupten, Sie könnten sich auch nur im geringsten vorstellen, was eine Frau empfindet wenn sie einen Mann sieht, verglichen zu dem, was der Mann empfindet wenn er eine Frau sieht. 1. Sie waren nie eine Frau, werden nie eine sein, und da können ihnen noch hundert Frauen erzählen, sie seien angeturnt von Männern auf der Straße, die Intensität dieser Aussage werden sie nie einschätzen können. 2. Werden Sie also nie in der Lage sein, Mann und Frau zu vergleichen, denn Sie kennen nur die eine Seite. 3. Wer kann sie vergleichen? Der der sie GEMACHT hat. Allah ta’ala. Und deswegen vertrauen wir ihm doch 100%ig.

Ich empfehle IHNEN http://www.islam-links.eu zu studieren. Ansonsten empfehle ich gar nichts mehr. Allah leitet recht wen er will und führt in die Irre wen er will.

Ich denke in der Diskussion immer: Wie schön, dass eines Tages ALLE wissen werden wovon wir Muslime immer gesprochen haben. Al hamdu lillah. Es wird ein Tag kommen, da wird es zu spät sein, Einsicht zu zeigen.

Faizah

106. Vatikan wirbt für Islamic Finance

26. März 2009

شَرِيعَة

scharī’a, Scharia:

Allahs Gesetz

Vatican lobpreist Scharia

Islam-ethisches Investment wird

uns allen ans Herz gelegt

Von Ümmühan Karagözlü und Jacques Auvergne

Es gibt Nachrichten, die einem die Fastenzeit verderben könnten, und dabei sind wir noch nicht einmal katholisch. Wie Wirtschaftswissenschaftlerin Loretta Napoleoni gemeinsam mit Claudia Segre dieser Tage im vatikanischen Osservatore Romano mitteilt, sei, ex oriente lux und gottseidank, so manch ein ethisch hochwertiges Finanzprodukt auch dem krisen- und korruptionsgeschüttelten Nordamerika und Europa zu empfehlen, vielleicht ja mit päpstlichem Segen jedenfalls ohne ein Wort von Benedikts XVI Kritik[1]. Gemeint ist Allahs Finanztransfer, das gottesfürchtige Scharia‑Banking, das die mindere rechtliche Stellung der Frau gleich gratis dazu liefert.

Allen ernstes wirbt die vom Heiligen Stuhl betriebene Hauspostille für die Scharia als eine willkommene Alternative, um die gegenwärtige Finanzkrise ethisch orientiert zu überwinden. Dass mit der „ewigen und unverhandelbaren“ (Mustafa Cerić, Großmufti von Bosnien und Herzegowina) Scharia der geheiligte Kulturrassismus der dhimma, der Verachtung aller Juden und Christen gleich mit einhergeht, erklärt uns der Osservatore Romano nicht oder weiß es auch gar nicht.

Die Scharia ist fundamentalistische Herrschaftsideologie und militant durchzusetzende Ordnungspolitik zugleich, welcher in ihrem Geltungsbereich auch alle Nichtmuslime zu unterwerfen sind.

Nichtmuslimischen Männern etwa ist es von der Scharia verwehrt, eine muslimische Frau zu heiraten, umgekehrt hat der differenziert (diskriminierend) denkende Allāh es dem Muslim sehr wohl gestattet, sich beispielsweise eine christliche Erstfrau oder Zweit- bis Viertfrau zuzulegen, deren Kinder allerdings stets ihm gehören (Aufenthaltsbestimmungsrecht). Jede Ehefrau darf nach der Scharia auf männlichen Wunsch verstoßen werden (at‑talaq). In allen islamisch dominierten Teilen der Welt werden Juden und Christen einer geheiligten Diskrimierung (dhimma) unterworfen, werden muslimische Frauen durch den mahram sowie die gottesfürchtigen Denunzianten aus der Nachbarschaft auf Schritt und Tritt überwacht und durch ihren Besitzer (walī, Heiratsvormund) verheiratet.

Heiratsvormund ist zunächst einmal der Vater oder Großvater, der vom Kultgott Allāh dazu befugt ist, zur Verheiratung gegebenenfalls auch Zwang anzuwenden. Dieser „nötigende Heiratsvormund“ (Heiratsvormund mit der Berechtigung der Ausübung von Zwang) heißt in der frauenverachtenden Imam‑Ehe (nikah) jener vom vatikanischen Hausblatt lobend erwähnten Scharia „walī mudschbir“, türkisch mücbir veli. Denken Sie bitte nicht, das habe mit Ihrem Scharia‑Banking nichts zu tun.

Im islamrechtlichen, angeblich nichtreligiösen Heiratsvertrag, der einer vormodernen, menschenrechtswidrigen sowie aus heutiger deutscher Perspektive schlicht grundrechtswidrigen islamischen Orthodoxie entstamment, sind neben erbaulichen Sprüchen aus dem Koran nüchterne Geldsummen genannt, denn die geheiligte, einem Sakrament ähnliche Verheiratung ist ein Finanztransfer und darf neben dem Raubzug und dem abgepressten Schutzgeld (dschizya) als Referenzmodell des heutigen, islamistischen Scharia‑Banking gelten. Einem Sakrament ähnlich ist die Hochzeitsnacht und die Tatsache, dass die Frau dem Mann den Geschlechtsverkehr niemals verweigern darf, ihm grundsätzlichen Gehorsam schuldet. Der Ehemann ist sozusagen ihr Befehlsgeber, ihr Kalif. Das Schlafzimmerkalifat. Draußen hat die Frau Kopftuch zu tragen, ihren verruchten Leib zu verhüllen (hidschāb) und keinen Kontakt zu Männern zu pflegen.

Solche Lebensweisen werden Sie, meine Damen und Herren, mit Ihrem schariakompatiblen Investment unterstützen. Finanziell und ethisch haben Sie damit die freiheitliche Demokratie allerdings bereits verlassen und das kulturelle Kalifat betreten. Wer Englisch versteht, mag im Internet nach den Begriffen Islamic Banking[2], sharia compliant financial services beziehungsweise sharia compliant investment product oder einfach nach sharia banking suchen (Schreibweise auch shariah).

Lesenswert ist zu diesem Thema, nein, nicht der Osservatore Romano, sondern das englische Blog shariahfinancewatch.org/blog – dort wird über die Risiken und Nebenwirkungen (Terrorismusfinanzierung, Apostatenmord, eingeschränkte Meinungsfreiheit, Frauenverachtung) der schariakonformen Geldanlagen informiert[3]. Etwa zu den Islamischen Anleihen (sukuk[4]) oder zur an der Scharia und ihrer Verfestigung ausgerichteten Banken wie die der HSBC zugehörige Geschäftseinheit HSBC Amanah[5].

Ein Vordenker bei HSBC Amanah ist Iqbal Khan[6]. Khan ist Vorsitzender Geschäftsführer bei Jadwa Investment, einer vollkommen schariakompatiblen saudi-arabischen Bank, die sexualpolitisch und religionspolitisch von einem Scharia-Aufsichtsrat rechtgeleitet wird[7]. Hoch gebildete, den islamischen Gottesstaat verwaltende Gelehrte mit womöglich etwas mittelalterlichen Auffassungen wandeln dortselbst durch modernste Banketagen. Der Himmel auf Erden oder eher planmäßiges finanzielles Austrocknen der an gleichheitsfeministischen Frauenrechten, Rotweinherstellung, Religionswissenschaft oder Schweinefleischkonsum interessierten Frevler?

Herr Iqbal Khan wurde für Anfang März 2009 nach Jakarta eingeladen. Dort in Indonesiens Hauptstadt tagte das 5th World Islamic Economic Forum, deutsch etwa: Das Fünfte Weltforum für Islamische Ökonomie[8]. Ob sich Herr Khan dort zivilcouragiert für Frauenrechte, die Freiheitsrechte der Nichtmuslime und für die indonesische Meinungsfreiheit stark machte? Der saudische König und zwei saudische Prinzen waren als Gäste ebenso eingeladen wie Recep Tayyip Erdoğan oder der britische Premier Gordon Brown oder die Premierminister von Kanada und Japan. Aber nein, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 würde bei so viel konstruktiver Harmonie wirklich stören. Hier geht es schließlich um die Zukunft, reihen Sie sich ein, seien Sie dabei.

Noch einmal zur römischen katholischen Zeitung. Auch säkular, aufklärungshumanistisch oder grundrechtlich orientierte Juristen müssten über die vatikanische Schariawerbung sauer sein. Empfiehlt man doch Finanzwerkzeuge einer gegengesellschaftlichen Ordnungspolitik und werden Scharia‑Gerichtshöfe, in Großbritannien bestehen sie bereits, in Zukunft auch in Kontinentaleuropa dazugehören, was mindestens auf Jahrzehnte eine Rechtsspaltung zur Folge haben wird. Scharia‑Investment wird dazu beitragen, die Bevölkerung stark zu spalten, beispielsweise können die durch islamische Banken und Stiftungen geförderten Moscheeneubauten die zunehmende Abschottung der Muslime von den Nichtmuslimen fördern.

Auch Journalisten müssten sich über den Werbefeldzug der oben genannten Wirtschaftswissenschaftlerin in einem italienisch-katholischen Blatt maßlos ärgern. Die vatikanische Zeitung nutzt die noch bestehende Pressefreiheit, um eben diese freie Meinungsäußerung im Namen religiöser Toleranz, ökonomischer Effizienz und ethischer Orientierung zu verspielen[9]. Pressefreiheit jedenfalls ist für Allāh sozusagen kein Problem. Insofern stimmt es, was der Osservatore Romano schreibt: „Islamic Finance kann zu neuen Regeln in der westlichen Finanzwelt beitragen[10]“. In der Tat, Entdemokratisierung sprich Schariatisierung eines Territoriums regelt alles neu.

Mit interreligiösen Grüßen

Ümmühan Karagözlü, Jacques Auvergne

105. Prof. Boos-Nünning

26. März 2009

Migrationsforschung und Scharia

Von Roswitha Wilwerscheid und Karsten Hilchenbach, 20. November 2008

Vertieft Deutschlands Migrationsforschung Parallelgesellschaft und Islamismus? Werden Deutschlands Hochschulen und Unis zunehmend schariafreundlich? Auf der Suche nach einer Beantwortung dieser brennenden Frage hatten wir die Gelegenheit genutzt, eine Vorlesung im Fachbereich Bildungswissenschaften einer nordrhein-westfälischen Hochschule zu besuchen, an der an diesem Tage Migrationspädagogin Prof. Dr. Ursula Boos‑Nünning zum Thema Integration und Interkulturalität sprach.

Deutschland gefällt sich in der Rolle, ein Ort der Interkulturalität zu sein. So jedenfalls haben es die Vordenker der Multikultur beabsichtigt und sind inzwischen dazu übergegangen, sichtbare Probleme scheiternder Integration wie so genannte Ehrenmorde, wie Zwangsheiraten, jugendliche Migrantengewalt oder zugewanderten Antisemitismus und Islamismus interkulturell zu erklären damit jeder weiteren Kritik zu entziehen. Seit ein paar Jahren sind Köln-Düsseldorf und das Ruhrgebiet damit zur Region der entgrenzten Toleranz, des ’anything goes’ oder des ’Mach was du willst, Migrantenpatriarch, auch nach der Scharia, aber lass uns Deutsche damit in Ruhe’ geworden. Nach einem Dutzend persönlich erlebter offizieller Moscheebesuche traut sich eben kein Vertreter von Stadt, Hochschule, Wohlfahrtsverband oder Kirche, öffentlich das Wort Scharia kritisch zu beleuchten.

Um sich dennoch den etwas löchrigen Mantel der Legitimität umzuhängen, bedarf es islamwissenschaftlicher Mietmäuler und anerkannter Migrationsforscher. Eine davon hört auf den Namen Boos‑Nünning, ist seit dreieinhalb Jahrzehnten in der Forschung zu Migration und Integration tätig und schrieb gemeinsam mit der wenig wissenschaftlich arbeitenden Yasemin Karakaşoğlu drei Bücher, die die Scharia verharmlosen oder auch gar nicht erst gekannt haben und die den politischen Islam als frauenfreundlich und demokratietauglich erklären. Hier der durch Roswitha Wilwerscheid und Karsten Hilchenbach, die im Hörsaal auf zornige Zwischenrufe höflich verzichteten und diese stattdessen hier schriftlich einfügen, stenographisch festgehaltene Redebeitrag von Frau Boos‑Nünning:

Boos‑Nünning: Sehr geehrte Studentinnen und Studenten, liebe Gasthörerinnen und Gasthörer, ich darf Sie zu der heutigen Vorlesung begrüßen und danke für Ihr Interesse an dem so wichtigen Thema Integration.

Ich komme aus der katholischen Religionssoziologie und befasse mich seit 1971 wissenschaftlich mit Migration. Einwanderung sorgt zumeist für negative Schlagzeilen. Allzu selten wird das Positive dargestellt.

Eine Sache ist ganz wichtig beim Thema Einwanderung: Die Religion. Einem türkischen Mädchen ist es ganz wichtig, zu wissen, dass ihr Freund eine Religion hat.

Hilchenbach: Na, welche Religion des männlichen Freundes sprich Ehemannes erlaubt die Scharia denn, sehr geehrte Frau Boos‑Nünning, und welche Religion des Ehemannes verbietet die Scharia denn dem von Ihnen erwähnten türkischen Mädchen?

Wilwerscheid: Der Freund hat Muslim zu sein. Ganz zufällig.

Boos‑Nünning: Ich untersuche seit einiger Zeit junge Musliminnen und Muslime, nebenbei auch andere Gruppen. Zu fragen ist: Sind diese Einwanderer denn religiöser als die Deutschen? Fragen sie einander danach, religiös zu sein? Und: Was bedeutet, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht nur multiethnisch wird, sondern auch multireligiös? Deutschland hat hier viel versäumt.

Bemerkenswert ist, Duisburg betreffend, das vielfach beschriebene „Wunder von Marxloh“, wobei „Wunder“ gar nicht das Gebäude meint, nein, Wunder ist nicht der Bau, sondern der ausgebliebene Protest, Wunder ist die Bereitschaft der Wohnbevölkerung, diesem Moscheebau wohlwollend zuzustimmen.

Wilwerscheid: Naja, wo keine Deutschen mehr leben, kann auch kein deutscher Protest laut werden. Rund um die Moschee von Marxloh traut sich aber auch unter den aus der Türkei stammenden Einwanderern vielleicht niemand mehr, öffentlich das islamische Recht des fiqh und die islamische Pflichtenlehre der Scharia zu kritisieren.

Hilchenbach: Dass Ditib den türkischen Staatsislam darstellt, die veritable Staatsreligion Kleinasiens, scheint Boos‑Nünning nicht so wichtig zu sein.

Boos-Nünning: Neben der sichtbar werdenden Moschee ist ein weiteres islamisches Symbol im öffentlichen Raum ganz wichtig, das Kopftuch, sind also die kopftuchtragenden Frauen. Leider wird immer noch empfohlen, auch für Schülerinnen das Kopftuchtragen im Schulgebäude nach dem grundfalschen Vorbild der Türkei und Frankreichs zu verbieten. Auch hierbei sehen wir also wieder diese Ablehnung des Fremden.

Wilwerscheid: Einen Augenblick, Frau Professorin: Die radikalislamischen Wohlverhaltensvorschriften sind es, die das Fremde diskriminieren. Hadithe und Fatwas fordern die schickliche, züchtige Kleidung der Frau und beschimpfen die muslimische Kopftuchverweigerin sowie die nichtmuslimische Nichtkopftuchträgerin als fremd und als ekelhaft unrein.

Boos-Nünning: Seit Jahrzehnten wird diskutiert, dass muslimische Türkinnen unterdrückt werden würden. Auch hier sind diese Vorurteile zu nennen, diese Bilder, die nicht stimmen: Einwandererfrauen würden alle aus agrarisch geprägten Regionen der Erde stammen, aus feudal organisierten Regionen, sie würden analphabetisch sein und fünf Schritte hinter dem Mann her gehen. Dieses Bild stimmt einfach nicht.

Wilwerscheid: Unlängst begegnete mir eine Frau mit Tschador und Gesichtsschleier, die fünf Meter hinter ihrem salafistisch gekleideten Mann (das senkrecht‑weißgraugestreifte Hemd über seiner dunkelgrauen Hose, Schnabelschuhe, die weiße Häkelmütze auf dem Kopf) hinterher hastete und hinterher stolperte. Die Frau stieß in perfektem Deutsch unter ihrem niqāb hervor: „Nicht so schnell, ich komm` nicht mit!“, was den Ehemann nun aber keinesfalls dazu bewog, sein Gehtempo zu drosseln. Für Migrationsforscherin Boos‑Nünning sicher nur ein Einzelfall?

Boos-Nünning: Vergessen wird, dass ein Viertel der Frauen ohne ihren Ehemann nach Deutschland gekommen ist, ohne einen Mann, das waren die Frauen der Sechziger und Siebziger Jahre.

Ein beliebtes Vorurteil ist die Ursachenzuschreibung etwaiger Integrationsprobleme zum Islam. Wenn immer es irgendwo Schwierigkeiten gibt, werden diese mit dem Islam in Verbindung gebracht, der anderen Religion, werden dem Islam zugewiesen. Gerade Ehrenmord und Zwangsheirat betreffend meint die deutsche Öffentlichkeit, das habe etwas mit dem Islam zu tun. Es ist zwar richtig, zu sagen: Die Tradition der arrangierten Ehe und der Zwangsheirat wird allgemein vor allem im Hinblick auf islamische Kulturen als gültig betrachtet. In der Öffentlichkeit resultiert aus dieser Verallgemeinerung jedoch unzulässigerweise das fehlerhafte Bild von Frauenunterdrückung, Rückständigkeit und fehlender Emanzipation, was jedoch von den betroffenen muslimischen Frauen und muslimischen Familien ganz anders erlebt und bewertet wird.

In Wirklichkeit kommen etwa die katholischen Italiener in Deutschland regelmäßig viel schlechter klar als die muslimischen Türken.

Wilwerscheid: Die Italiener aber pflegen ihre Frauen nicht zu ermorden, wenn diese leben wollen wie eine Deutsche. Diese Chance auf ein selbstbestimmtes Leben hatte die in Deutschland geborene Hatun der radikalislamischen, kurdischen Berliner Familie Sürücü ebenso wenig wie die gleichfalls in Deutschland geborene Morsal der afghanischen Hamburger Familie Obeidi.

Boos-Nünning: Es sind die Medien, die dieses fehlerhafte Bild des Anders‑Seins vermitteln und in den Köpfen verhaften. Der Mythos vom Unterdrückt‑Sein der muslimischen Mädchen ist so ein fehlerhaftes Bild. Es ist einfach nicht richtig, dass sich die türkischen Kinder unterdrückt fühlen.

Hilchenbach: Die dürfen sich nicht unterdrückt fühlen, sonst kommen sie nicht in den Himmel. Schließlich gibt es keinen Zwang im Glauben und wer erlittenen Zwang zugibt, der ist verachtenswert, weil er nicht genügend glaubt.

Wilwerscheid: Wer sich unterdrückt fühlt, wird noch etwas mehr verprügelt. 44,4 % der türkeistämmigen Jungen und Mädchen erleiden in der eigenen Familie schwere und schwerste körperliche Misshandlungen.

Boos-Nünning: Nehmen wir die Befreiung vom koedukativen Schwimmunterricht und von der Sexualerziehung. Das alles führte schon zu Klagen vor den Gerichten. Wissen wir denn nichts anderes anzufangen, als diese Fragen gerichtlich lösen zu lassen? Warum verweigert sich die Mehrheitsgesellschaft dem Finden von Kompromissen?

Zusätzlich wird in den Medien und in der Öffentlichkeit völlig übersehen, dass dieser Elternwunsch nach dem Abmelden vom koedukativen Schwimmunterricht und vom Sexualkundeunterricht gar nicht nur muslimische Mädchen betrifft. Vielleicht haben Sie vom Fall in Paderborn gehört, auch dort protestierten religiöse Eltern gegen unakzeptable Inhalte und verweigerten den Schulbesuch. Das waren russische Baptisten, die mittlerweile nach Baden‑Württemberg und Österreich ausgewandert sind. Durch die Einwanderung hat sich, wie das Paderborner Beispiel der russischen Baptisten zeigt, das Spektrum der religiös lebenden Menschen erweitert, nicht nur Muslime und nicht nur Mädchen sind betroffen, auch beispielsweise baptistische Jungen oder baptistische Mädchen. Religion ist den Einwanderern wichtig, den Deutschen nicht so sehr. Die öffentliche Diskussion ist also unzulässig vereinfacht und spricht nur von „den Muslimen“.

Wilwerscheid: Deutschland hat Religionsfreiheit, anders als Ägypten oder Pakistan. Jeder kann in Deutschland seine Religion leben, solange Schulverwaltungsgesetz, Grundgesetz und gesunde Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen nicht beeinträchtigt wird.

Hilchenbach: Sexuell unaufgeklärte Mädchen und Jungen sind freilich einfacher arrangiert zu verheiraten und auch mit der erweckten Angst vor der Höllenstrafe effektiver zu steuern. Das zur so genannten „wichtigen“ Religion.

Boos-Nünning: Dabei sollten wir die islamischen Strukturen vielmehr nutzen, um an die Eltern und Familien heran zu kommen. Denn wirklich erreicht die Schule die muslimischen Familien oft nicht, doch die Schule macht es falsch, die türkischen Eltern können sehr wohl angesprochen werden, etwa über die örtliche Moscheegemeinde. Die Polizei und das Jugendamt in Essen‑Katernberg beispielsweise arbeiten ganz vorbildlich mit der Ditib-Moschee zusammen, über die Imame kann man also mit den türkischen Familien bestens in Kontakt treten. Entsprechend über den russlanddeutschen Heimatverein, den spanischen Elternverein, die griechische Gemeinde, nur die Italiener sind üblicherweise niemals vereinsmäßig organisiert, da wüsste ich auch nicht weiter.

Ausländische Eltern haben Diskriminierung erlebt, die haben erlebt: Die Schule behandelt die Kinder nicht gleich. Gerade die muslimischen Eltern haben das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden. Wie ich bereits 1999 einer meiner Abhandlungen beispielhaft voranstellen musste, erlebt selbst ein türkisches Mädchen, das mit dem Notendurchschnitt 1,3 das Gymnasium im zehnten Schuljahr verlässt und sieben Einsen in allen wichtigen Fächern vorweisen kann, auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt Zurückweisung und Ablehnung.

Jugenduntersuchungen zeigen, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund eine deutlich stärkere religiöse Bindung haben als deutsche Jugendliche. Daneben wird ersichtlich, dass die Mädchen religiöser sind als die Jungen, aber das ist auch bei den deutschen Jugendlichen der Fall.

Grundsätzlich ist die Frage zu stellen: Wie messen wir Religiosität? Folgende Kriterien scheinen unverzichtbar:

· an einen persönlichen Gott glauben

· in der Religion Sinngebung finden

· sich in der Religionsgemeinschaft aufgehoben fühlen

· religiöse Riten wertschätzen und einhalten

Genau das also haben wir die Jugendlichen zu fragen, wenn wir wissen wollen, ob sie religiös sind: Akzeptiert ihr die religiösen Riten und Vorstellungen, fühlt ihr euch in der religiösen Gemeinschaft geborgen, wollt ihr religiöse Gemeinschaft herstellen, diese etwa mit einer religiösen Ehe und Heirat und Familiengründung herstellen, soll euer Ehepartner religiös sein? So haben wir Religiosität zu messen.

Natürlich gibt es unter Muslimen auch Atheisten oder überzeugt Laizisten. Atatürk hat ja die Türkei laizistisch gemacht.

Was den Islam betrifft, stellt sich heraus, dass die Türken religiöser sind als die Muslime aus dem ehemaligen Jugoslawien, die Bosnier sind weniger religiös als die türkeistämmigen, hanafitischen Sunniten. Wesentlich weniger religiös als die türkeistämmigen Hanafiten jedoch sind die Aleviten.

Soweit die quantitativen Aspekte, nun zu den qualitativen: Junge religiöse Menschen unterscheiden Religion und Kultur. Ja, junge muslimische Menschen betonen sehr deutlich, dass sie die patriarchalischen Verhältnisse in der Familie der Kultur zuschreiben, nicht aber der Religion. Auch etwaige Ehrenmorde und Zwangsheiraten sind für sie keinesfalls islamisch‑religiös begründet, sondern kulturell verursacht. Dieses Selbstverständnis aber wird in der deutschen Öffentlichkeit noch viel zu wenig erkannt und von den sensationsgierigen Medien verschwiegen. Der Islam gilt den Jugendlichen als soziales Netzwerk.

An manch einer deutschen Hochschule finden sich viele Studentinnen und Studenten aus aller Welt, auch viele Studentinnen mit Kopftuch. Das ist völlig selbstverständlich. Die muslimischen Studentinnen und Studenten wollen nach eigener Auffassung den „wahren“ Islam mit der Moderne verbinden, sie wollen ihren Islam, ihre Religion mit ihrem Leben verknüpfen. Auch hier ist das Kopftuch wieder ganz zentral und bemerkenswert, denn das Mädchen kann sich gerade mit dem Kopftuch frei bewegen. Ohne Kopftuch könnte sie das unter Umständen nicht, die Familie würde ihren Lebensraum vielleicht eingrenzen. Das Kopftuch ermöglicht also einen erweiterten Aktionsradius. Das Kopftuch gibt ihr Freiheit.

Hilchenbach: Das Kopftuch sei gleichsam Führerschein und Transportvehikel in Einem, Fahrstuhl in die Moderne, Gehhilfe in ein emanzipiertes Leben? Boos‑Nünning suggeriert damit, dass Kopftuchverbote die Emanzipation in ein selbst bestimmtes Leben zunichte machen würden. Dass sich mit jedem Kopftuch der Druck der Überwachung und Verhaltenskontrolle erhöhen könnte, scheint Kopftuchverteidigerin Boos-Nünning ebenso wenig zu sehen wie sie das sexualpolitische, frauenfeindliche und alle Nichtmuslime als unrein verachtende Menschenbild des hidschāb in Frage stellt.

Wilwerscheid: Ich zitiere Ümmühan Karagözlü: „Wer freiwillig in der Öffentlichkeit ein Kopftuch trägt, muss es auch öffentlich dann und wann ausziehen, weglassen dürfen, um zwanglos Tage oder Wochen später wieder nach dem Kopftuch greifen zu können. Das Kopftuch muss auch mal fortgelassen werden dürfen, ohne Angst vor der Hölle, ohne Sorge vor Prügelstrafe oder sozialer Ächtung.“

Boos-Nünning: Dem Islam geht es um ein positives Verstärken von Weiblichkeit.

Hilchenbach: Dem Nationalsozialismus auch.

Boos-Nünning: Kopftuch und Islam sind für alle Musliminnen, die ich befragt habe, ein positives Verstärken von Weiblichkeit. Das wird in Deutschland in Medien und Öffentlichkeit völlig falsch gesehen, völlig falsche, vorurteilsbehaftete Bilder sind in unseren Köpfen verankert: Viele muslimische Frauen haben ein grundlegend positives Verständnis von Weiblichkeit. Ja, auch die kopftuchtragenden Frauen, gerade diese, haben ein gleichberechtigtes Verständnis von Mann und Frau. So gaben uns die Frauen vom „Muslimischen Frauenzentrum in Köln“ vertraulich zu verstehen: „Die Männer können mit unserer Religiosität nicht mithalten!“

Keinesfalls also ist das Kopftuch ein Zeichen für Traditionalismus oder für einen unreflektierten Islam.

Hilchenbach: Stimmt, das Kopftuch ist durchaus schon mal Zeichen für einen reflektierten Islamismus.

Boos-Nünning: Auch andere Vorurteile bestehen in Wirklichkeit nicht, zwischen mangelhafter Bildungsintegration und hoher Religiosität besteht nämlich kein Zusammenhang. Die religiösen Frauen gelten völlig zu unrecht als sprachlos und sprachfern, als bildungsfern, Ich‑schwach und als kulturell zerrissen. Unsere wissenschaftlichen Untersuchungen aber haben belegt, dass muslimische Frauen, gerade die bewusst religiösen, sprachlich oft bestens integriert sind, hohes Bildungsniveau haben und in beiden Kulturen selbstbewusst und mit hoher Ich‑Stärke leben können.

Muslimische Eltern wollen das Beste für ihre Kinder, sie sind sehr daran interessiert, ihren Kindern eine gute Bildung zu verschaffen.

Wilwerscheid: Wenn das mal kein Klischee und Vorurteil ist, Frau Boos‑Nünning? Wir Sozialarbeiterinnen kennen seit zehn Jahren etliche muslimisch geprägte Familien, die zwar schon 25 Jahre in Mitteleuropa leben, doch zu Hause nur ein einziges Buch besitzen, das mit dem grünen Einband und der goldenen Verzierung. Dass diese Mütter im Lehrerzimmer herumheulen und ihren Söhnen den Übergang in eine weitere Klasse oder den Verbleib auf der Schule erschleichen, stimmt allerdings. Nur hat das mit Bildung etwas weniger und mit Erpressung etwas mehr zu tun.

Mehrere Familien kleinasiatischen oder nordafrikanischen Ursprungs sind mir persönlich gut bekannt, bei denen die Grundschullehrerin dringlich und immer wieder anmahnte, Nachhilfeunterricht in Deutsch für die Kinder zu organisieren. Es geschah jeweils nichts, gar nichts, und zwar in allen Fällen dreieinhalb Jahre lang. Erst im Versetzungshalbjahr des vierten Schuljahres (!) beliebten die „muslimischen, religiösen“ (Boos‑Nünning) Mütter aufzuwachen.

Es folgte die erwähnte Heulerei und Erpressung. Wenn Grundschullehrer keine Empfehlung für Realschule, Gymnasium oder auch keine Empfehlung für die Gesamtschule geben, hat das zu 90 % seine Berechtigung. Die Lehrerinnen kennen die Kinder seit nahezu vier Jahren sehr gut und wissen, dass die Kinder im Elternhaus keine schulbezogene Unterstützung erhalten werden und sich daher auf weiterführenden Schulen nicht werden halten können.

Boos-Nünning: Was richtig ist: Religiöse Frauen haben eine geringere Orientierung an Deutschland und eine geringere Orientierung an individualistischen Normen. Richtig ist auch der Familialismus der muslimischen Frauen, gerade der religiösen unter ihnen, dazu diese andere Sexualmoral, das andere Körperbewusstsein.

Was können Familialismus und islamische Sexualmoral für Schule und Beruf bedeuten? Was für Wohlfahrtsverbände, Kommunen und Bildungspolitik? In der Schule kann es bekanntermaßen zu Konflikten kommen. Aber das ist letzten Endes immer der Fall, wenn eine religiöse Gruppe auf eine nichtreligiöse Gruppe stößt.

Wilwerscheid: Es kann für eine Frau nicht gesund sein, den eigenen Körper als dämonisch und unrein zu betrachten, psychische, psychosomatische und somatische Schädigungen werden die Folge sein. Vor diesen Folgen hat die kulturelle Moderne die auch Zuwanderinnen („intolerant“) zu schützen. Einer fundamentalistischen Ideologisierung des weiblichen Leibes hat moderne Pädagogik weltweit entgegen zu treten.

Boos-Nünning: Muslime in Deutschland sind zu 75 % türkischer Herkunft, die übrigen teilen sich auf in die Gruppen der bosnischen, marokkanischen, libanesischen, tunesischen und iranischen Menschen. Eine ganz kleine Gruppe von deutschen Muslimen gibt es auch.

Hilchenbach: Mit deutschen Muslimen meint die sprachlich etwas großzügige Soziologin und Migrationsforscherin die deutschstämmigen Konvertiten zum Islam. Auch um den Unterschied zwischen türkeistämmig und türkisch macht unsere Professorin in ihren Vorträgen nicht viel Federlesens. Das sollten türkeistämmige Kurden hören.

Boos-Nünning: Zu den öffentlich verbreiteten Statistiken über die religiöse Landschaft in der BRD ist zu sagen, dass nur noch 50 % der Menschen christlich sind und auch das nur bei der eigentlich nicht statthaften Einberechnung der Freikirchler zu den „Evangelischen“ und der Altkatholiken zu den „Katholischen“. 30 % der Deutschen sind nichtchristlich.

Hilchenbach: Sollen wir Kirchenkritiker, Agnostiker oder Pantheisten jetzt ob so viel Glaubensferne schuldzerknirscht einknicken? Von Konformitätsdruck sagt die Migrationsforscherin keine Silbe. Davon, dass Islamkritiker nichts erben dürfen, dass Ex‑Muslime mit dem Tode bedroht sind, hat Prof. Boos‑Nünning offenbar nichts gehört.

Boos-Nünning: Bemerkenswert religiöse Gruppen sind die Zeugen Jehovas Italiens, die Baptisten der ehemaligen GUS‑Staaten, die Orthodoxen Griechenlands und Russlands. Und dann die Muslime natürlich.

Hilchenbach: Religiös? Nicht besser fundamentalistisch, kulturell vormodern? Deutschlands Altachtundsechziger beginnen, die fromme und tugendhafte Lebensführung zu verehren. Sind die Hamas-Terroristen etwa auch fromme Muslime, ist Terrorpilot Mohammed Atta für uns denn nicht länger ein politisch verhetzter, ein radikaler und suizidaler Mensch, ist er nun ein religiös lebender Student?

Boos-Nünning: Auch im Ruhrgebiet haben wir in vielen Städten und Stadtteilen einen Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund von 40 %, in wenigen Quartieren sogar von 60 und in einzelnen Straßenzügen von 70 %. Wir haben also festzustellen, dass die jahrzehntelange Einwanderung in die Bundesrepublik Deutschland nicht nur eine multiethnische Realität zu Folge hat, sondern auch eine multireligiöse.

Wilwerscheid: Wie sehr oder wie wenig säkular diese Menschen, gerade die Kinder und Enkel muslimischer Einwanderer sind, ist keineswegs Schicksal, wird unsere Lebensqualität allerdings bestimmen. Boos‑Nünning vermeidet es jedoch das zu tun, worauf es ankommt: Den Scharia‑Islam und den Fiqh‑Islam zu kritisieren. Völlig äquidistant untersucht sie „die Muslime“.

Boos-Nünning: Sprachverluste sind ein Problem, und zwar die in der Muttersprache, die meisten türkisch-muslimischen Jugendlichen können besser Deutsch als Türkisch. Die, die eher kein Deutsch können, können also auch fast gar kein Türkisch, und dann gibt es pädagogische Probleme.

Wilwerscheid: Sprachliche Integration ist in der Tat äußerst wichtig. Manches Mal jedoch wird das Deutsche von der streng islamisch geprägten Familie verboten und ein Regelverstoß mit Prügel geahndet.

Boos-Nünning: Das Lebensgefühl der Diaspora prägt die Muslime durchaus etwas, obschon zu sagen ist, dass sich die Griechen wesentlich mehr als in der Diaspora lebend fühlen als die Türken.

Hilchenbach: Kein Wunder, etliche der Türken und Kurden sind gleichsam niemals ausgewandert, sondern leben im Kerker der ewigen Großfamilie im „anatolischen Gecekondu von Berlin-Kreuzberg“. Gerade die Import‑Ehefrauen haben keinen Schritt des bewussten Aufbruchs ins Ausland unternommen, die meisten der von arrangierter Ehe betroffenen Menschen taten dieses nicht.

Etwas Ähnliches ist allenfalls bei einigen, nun gealterten Jahrgängen russlanddeutscher Jugendlicher und Heranwachsender zu beobachten gewesen, die sich, ungefähr die gesamten neunziger Jahre, ebenfalls wie ausgerissen, wie verfrachtet fühlen mussten. Der islamische Brautkauf mit dem „Brautpreis Deutschland“ indessen geht auch heute weiter.

Boos-Nünning: Die 15. Shell-Jugendstudie beschränkt sich leider beim Betrachten jugendlicher Religiosität auf „Glauben an Gott oder eine höhere Macht“, wir müssen aber viel genauer fragen. Schließlich ist das Glauben an einen personalen Gott der Minimalstandard aller abrahamitischen Religionen.

Ein weiteres fehlerhaftes Bild gibt es in der Öffentlichkeit: Es bestehe ein konfliktreicher Gegensatz zwischen Islam und Christentum. Das ist ganz falsch, nicht zwischen Islam und Christentum besteht dieser Bruch, sondern lediglich zwischen Islam und bundesdeutschem Christentum, denn zwischen muslimischer und etwa russisch-baptistischer oder russisch-orthodoxer Religiosität gibt es gar nicht so viele Unterschiede, beispielsweise, was die Verbindlichkeit und das Einhalten der Glaubensgebote betrifft.

Es bedarf der Inhalte und Methoden, unseren Jugendlichen zu vermitteln, dass viele Jugendliche mit Migrationshintergrund keinen „lockeren“ Umgang mit Religion pflegen können. Den muslimischen Jugendlichen ist hingegen klarzumachen, dass Werte‑Orientierung auch, wie das etwa bei den deutschen Jugendlichen der Fall ist, ganz ohne religiöse Bindungen funktionieren kann.

Hilchenbach: Das ist nicht in Ordnung, die zwar sehr säkularen, aber auf ihre, freiheitlich-individualistische Weise durchaus oft religiösen deutschen Jugendlichen beinahe als Ungläubige darzustellen. Korrekt ist vielmehr, dass der deutsche Junge sagen kann, in erster Linie Fußballfan oder Schützenbruder oder Maurerlehrling zu sein, das deutsche Mädchen sich als an Karriere oder an Theater und Literatur interessiert definieren darf und dass beide frei sind, „Religion“ eben nicht als eine der ersten Werte einer persönlichen Rangfolge anzugeben.

Muslimisch sozialisierte Jugendliche hingegen verbuchen so unterschiedliche Dinge wie Familienbindung, Nationalismus, Heimatliebe, Kinderwunsch, Identitätssuche, Verachtung der Nichtmuslime und den Wunsch auf einen Platz im Paradies unter dem Etikett „islamisch, Islam“ oder „religiös, Religion“. Das ist keine Spiritualität, dass ist die Angst davor, aus der Reihe zu tanzen oder ausgegrenzt, beschimpft, enterbt zu werden.

Boos-Nünning: Ja, es gibt diese unterschiedlichen Sexualnormen, die uns eine interkulturelle Ausrichtung der Sexualerziehung abverlangen.

Wilwerscheid: Wir Sozialpädagoginnen wünschen eine an universalistischen Normen ausgerichtete, gleichberechtigte und antifundamentalistische Sexualerziehung, keinen sexualpädagogischen Kompromiss aus anything goes und Scharia. Das Grundgesetz ist nicht verhandelbar.

Boos-Nünning: Wir müssen unsere Fehler anerkennen: Wir zwingen muslimische Mädchen in den koedukativen Schwimmunterricht. Das ist falsch, wir sollten in Zukunft vielmehr versuchen, Kompromissformen zu finden.

Die Moschee übernimmt Aufgaben der Sozialarbeit und der Bildungsarbeit, wie man bereits an den Namen der Moscheevereine sehen kann, die sich etwa „Zentrum für Integration und Bildung“ nennen.

Hilchenbach: Ob das nicht auch einfach nur mal taqiyya sein kann und der kalkulierten Erschleichung von öffentlichen Fördergeldern dienlich?

Boos-Nünning: Moscheevereine übernehmen also die Aufgaben, die Deutschland jahrzehntelang vergessen hat.

Muslimische Erwachsene investieren viel Zeit und Arbeit in die Moscheevereine.

Hilchenbach: Das kann öfters so sein ist gelegentlich durchaus rührend, doch bauen diese Menschen sich die Architektur einer antimodernen Gegengesellschaft, betonieren sich buchstäblich ein in eine kalifatsähnliche, an der menschenrechtsfeindlichen Scharia ausgerichtete, parallele Kultur.

Boos-Nünning: Wir sollten also nicht fragen: Wie gefährlich sind die Moscheen. Wir sollten vielmehr fragen, was wir von den Moscheegemeinden lernen können, wie wir diese Lebendigkeit für unsere nichtmuslimische Gemeinschaft, für unseren Wohlfahrtsverband oder für unseren Kirchenkreis übernehmen können.

Die prominente Migrationsforscherin Prof. Dr. Ursula Boos-Nünning wurde kommentiert von Roswitha Wilwerscheid und Karsten Hilchenbach am 20. November 2008

104. Dhimmikinder lesen islamkonforme Schullektüre

23. März 2009

إبرَاهِيم

Ibrāhīm (arabisch),

hebräisch Abraham

Monsieur Ibrahim und die

Blumen des Koran

Ein Zwischenruf von Cees van der Duin

Heute bekomme ich ein merkwürdiges Buch in die Hände, Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran. Ein Elfjähriger jüdischer Junge wird von seinem grausamen Vater gequält, der irgendwann arbeitslos wird und feige Selbstmord begeht. Naja, Selbstmord ist im edlen Islam so was von verboten. Es sei denn, körperlich zumal sexuell misshandelte Frauen in Pakistan oder Anatolien begehen ihn, die ohnehin nicht so leicht ins Paradies kommen wie in die Hölle. Damit der jüdische Junge nicht so orientierungslos aufwächst, springt ein freundlicher und allgemein beliebter Händler des Stadtviertels ein, der gütige Mann ersetzt einen Vater und ist zudem auch gottesfürchtig, wenn er auch, wundert uns das jetzt, kein Jude ist, sondern Muslim.

Das Buch soll als Schullektüre längst massenhafte Verbreitung gefunden haben. Pädagogische Botschaft bis zu dieser Stelle: Jüdische Väter können grausam sein, arabische Männer hingegen sind in der Lage, eine väterliche Rolle auszufüllen. Was eigentlich ein makabrer Scherz sein könnte. Es kommt noch dicker, um es kurz zu machen: Der Junge tritt zu Islam über. Was heißt aus Allahgottes Perspektive „tritt über“ beziehungsweise konvertiert, islamkonform muss es vielmehr lauten: Der Junge rekonvertiert.

Denn eigentlich ist er nach dem fitra-Konzept von Sunna und Scharia ja bereits Muslim gewesen, weil jeder Mensch von Geburt an Muslim ist, sofern er nicht von seinen unwissenden (christlichen) oder gottesleugnendenen (jüdischen) Eltern irregeführt wird. Monsieur Ibrahim erklärt dem Heranwachsenden die Welt, natürlich in islamischer Interpretation, und schwärmt von den Schönheiten des wenig juden- und frauenfreundlichen Büchleins namens Koran. Ein kleiner Jude weniger, ein kleiner Muslim mehr. Korankritik scheint dem Autor nicht vonnöten, wird uns jedenfalls nicht mitgeliefert.

Ibrahim ist eine Anspielung auf den weltbekannten hebräischen Stammvater Abraham, der Junge heißt Moϊse oder Momo. Der drei Jahrtausende alte Moses war bekanntermaßen als Kind in einem Korb im Schilf ausgesetzt, ein legendäres Waisenkind auf den strömenden Wellen des ungewissen Lebens. Doch aus islamischer Doktrin war der ägyptische Moses natürlich bereits rechtgläubig sprich muslimisch.

Warum nimmt das jeder hin in der deutschen Bildungslandschaft und Lehrerausbildung, warum protestiert niemand dagegen, dass hier offen die Konversion zum Islam beworben wird, aus dem es bekanntermaßen kein Entrinnen ohne Lebensgefahr gibt? Indem der Jude als herzlos und grausam dargestellt wird dürfen wir zudem von einer antisemitischen Dimension sprechen. Der erlösungsbringende väterliche Muslim wird zum seelisch gesunden Mann und zu einer vorbildlichen Führerfigur stilisiert. Was über den eine antagonistische Stellvertreterfunktion einnehmenden brutalen und falschen Juden, der seinen leiblichen Sohn auch noch über einen gar nicht vorhandenen Bruder Momos belogen hat, ja womöglich das Judentum insgesamt verhöhnt, spätestens mit dem massenhaften Lesen in Deutschlands Klassenzimmern und in politisch-korrekter und das heißt heute, anders als 1933, in entgrenzt islamfreundlicher Atmosphäre. Oder bin ich da zu empfindlich?

Wir müssen fordern, dass in der Schule schleunigst ein ergänzender Text gelesen wird, in dem der misshandelte Sohn des gemeinen muslimischen Vaters zum Judentum übertritt weil er dort Zuwendung und Verlässlichkeit erfährt. Mein Vorschlag für den Titel: Monsieur Abraham und die Blumen des Talmud. Oder, wie wäre es, Söhnchen konvertiert zum Atheismus und findet sein Glück als Ex‑Muslim?

Was für eine schmierige Unterwürfigkeit gegenüber dem feudalen und erpresserischen Herrschaftskult der Scharia schwingt denn da bitte mit, in diesem Schulbuch, das im Originaltitel und auf Französisch Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran heißt und von einem gewissen Éric-Emmanuel Schmitt elsässischer Abstammung verfasst worden ist?

Gegen Schmitt sind offensichtlich sehr berechtigte Plagiatsvorwürfe erhoben worden, weil das erwähnte Buch allzu viele Ähnlichkeiten mit „La vie devant soi – Du hast das Leben noch vor dir“ von Romain Gary aufweist. Gary wurde 1914 in Vilnius (deutsch Wilna, jiddisch Wilne), sprich in Litauen als Roman Kacew geboren, war französisch-jüdischer Pilot, musste vor den Nationalsozialisten aus Frankreich nach England flüchten, wurde Autor und Diplomat und machte sich beispielsweise als talentierter Schriftsteller einen Namen.

Cees van der Duin

103. Wir kaufen uns Islamseminare

16. März 2009

Hisba in der dār al-harb

Politische Bildung gewandelt zur dawa

Ümmühan Karagözlü, Jacques Auvergne

Es geschah in Dortmund, im Dezember 2008. Willkommen beim auswärts organisierten Islamseminar unseres Instituts für Erwachsenenbildung und politische Bildung. Der erste Referent betrat die Bühne und begann: „Auf der Welt leben 1,2 Milliarden Muslime, in Deutschland 3,2 Millionen.“

Nanu, Muslime, nicht: Muslimisch geprägte Menschen? Das sollte uns zum Nachdenken bringen, denn das Risiko, Menschen, Staatsbürger in einer Art von Apartheid der Statistik in ethnoreligiöse Kollektive einzuteilen, ist jeder Benennung als „Muslime“, vor allem auch derjenigen, unausgesprochenen als Nichtmuslime, immanent. Damit aber arbeitet man den Parteigängern des Aufbaus kalifatsähnlicher Strukturen zu. „Diese Menschen haben schulpflichtige Kinder. Und diese brauchen Religionsunterricht.“ Aha. Die Theologisierung des Schulwesens.

Dem Auditorium wurde nahe gelegt, den Islamischen Religionsunterricht in Deutschland gutzuheißen, er sei der Integration förderlich, eine Begründung fehlte allerdings ebenso vollkommen wie ein Verweis auf die in (großen) Teilen grundrechtsfeindlichen namentlich frauendiskriminierenden Dimensionen der Gehorsam einfordernden islamischen Pflichtenlehre der Scharia. Allahs eigenes Gesetz, die Scharia, gilt Bosniens Großmufti Mustafa Cerić als ewig und unverhandelbar.

Der Wissenschaftler fuhr fort: „Religion hat größeren Stellenwert als bei den Deutschen“, nanu, die frommen Einwanderer beten für uns Gottlose? Die islamische Sunna-Doktrin eines manchmal geradezu sklavischen Wohlverhaltens sei eine „sehr religiöse“ Lebensweise? Der Referent wies auf die Bertelsmann-Studie hin, nach der unter Deutschlands Muslimen die Religion eine wachsende Bedeutung erlangt habe. Laut Bertelsmann sei der strenge Islam, bei nachweislich ausbleibendem Militarismus und Dschihadismus, geradezu integrationsförderlich zu nennen. Merkwürdig, dass die Studie des Innenministeriums (Brettfeld, Wetzels: Muslime in Deutschland[1]) zu einem ganz anderen Ergebnis kommt, dass nämlich 40 % der Muslime einem fundamentalistischen Weltbild anhängen, das von uns Staatsbürgern als demokratiefeindlich (und damit als weder schultauglich noch kindgerecht) bezeichnet werden muss.

„Sunniten sind religiöser als Aleviten. Vor allem die arabischen Sunniten leben eine starke Religiosität.“ Das ist schamlos irreführend: Die manchmal nicht ganz so sehr theokratisch orientierten Aleviten der Türkei werden auf diesem politischen Seminar durch einen Wissenschaftler als glaubensschwach herabgewürdigt, die eingewanderten Sunniten aus den Gegenden, in denen Frauen oder Nichtmuslime juristisch und sozial nahezu rechtlos sind, seien löblich spirituell und repräsentierten einen irgendwie reinen Islam, der von uns auch noch zu honorieren sei? Offensichtlich sollen sich Deutschlands türkeistämmige Menschen, zumal die Aleviten unter ihnen doch bitte ein Beispiel an den gottesfürchtigen Arabern nehmen.

„Religiosität wird an der Einhaltung der fünf Säulen sichtbar, am Befolgen der Speisevorschriften“, erklärte der promovierte Islamwissenschaftler, der sich damit die vormoderne Doktrin des Wohlverhaltens vollständig zu eigen macht und sich selber daran mitschuldig, Pflichtvergessene als unreligiös zu stigmatisieren. Aus dem Publikum daraufhin angesprochen, erklärte der Referent, den Religionsbegriff der Bertelsmann-Stiftung zu verwenden. Damit gibt der Referent zu, einen wenig wissenschaftlichen, einseitigen Begriff von Islam zu benutzen, wie er von einem Geldgeber verbreitet worden ist. Die Bertelsmann-Stiftung druckt (Schulbuch Saphir, Kösel-Verlag der Bertelsmann-Gruppe) die Schulbücher für den anvisierten flächendeckenden Islamischen Religionsunterricht und hat auf diese Weise ein finanzielles Interesse daran, den Islam zu beschönigen.

„Caritas und Diakonie spielen eine große gesellschaftliche Rolle“, fuhr der Islamexperte klagend und anklagend fort: „Das gilt auch für religiöse Schulen.“ Er schien also zu bedauern, dass es keinen islamischen Wohlfahrtsverband von der Relevanz der Caritas oder Diakonie gibt. Die erwähnten „religiösen Schulen“ hören sich nach evangelischer al‑Azhar oder katholischer Madrasa an, so etwas gibt es überhaupt nicht. Er meint wohl beispielsweise ein traditionsreiches, evangelisches oder katholisches Gymnasium, das seinen Schülerinnen und Schülern eine ebenso fundierte wie fundamentalismusfreie Ausbildung bietet. Der Referent könnte ebenso auf die der krypto-islamistischen Fethullah-Gülen-Bewegung zuzurechnenden Schulen anspielen, die er ja womöglich billigt[2].

„Wir brauchen Islamischen Religionsunterricht. 350.000 Schüler warten auf diesen Unterricht, das sind 6 % der Gesamtschülerschaft.“ Zur Grundrechtsverträglichkeit eines solchen Curriculums schweigt der Referent, auch zu dem zu erwartenden sozialen Druck auf die Mädchen, Kopftuch zu tragen oder die frauenfeindlichen Aspekte von Sunna und Scharia klaglos hinzunehmen. Ein versetzungsrelevanter Islamunterricht würdigt hoheitlich die Selbstunterwerfung des Kindes oder Jugendlichen unter eine vormoderne, antiaufklärerische Pflichtenlehre.

Aus dem Publikum warnte eine Dame vor dem Zustand in Berlin, wo die radikale Islamische Föderation Verkündungsunterricht betreiben darf. Da schaltete sich der anwesende professionelle Leiter des Bildungszentrums ein und beschrieb korrekt, wie sich die der extremistischen Milli-Görüş nahe stehende IFB in diese schulrelevante Position hinein geklagt hat, als „die schlechteste Lösung“, ein systematischer Islamischer Religionsunterricht werde solcherlei Wildwuchs verhindern und die Integration und den gesellschaftlichen Frieden fördern. Dem pflichtete der Referent bei, der die bekannten wenn auch bemerkenswert verwaschenen Aussagen der Politik wiederholte, der Islamische Religionsunterricht würde den oftmals verderblichen Einfluss der Koranschulen schmälern und sei für „die Identitätsbildung“ der jungen muslimisch geprägten Menschen bedeutsam. In Münster, Erlangen‑Nürnberg, Bayreuth und Osnabrück gebe es die Lehrstühle für die angeblich so notwendige Ausbildung islamischer Religionslehrer. Nach islamischem Fundamentalismus, nach der Doktrin der islamischen Gegengesellschaft und der geheiligten Abgrenzung von den als unrein geltenden Nichtmuslimen fragte unser Referent nicht.

„Ziel der islamischen Organisationen ist es seit einem Vierteljahrhundert, die Tradition und das kulturelle Erbe zu bewahren“ erläuterte unser Islamwissenschaftler. Aber Allāh hat einen anderen Plan, hätte Erbakan vielleicht entgegnet. „Ziel“ könnte ja durchaus sein, eine in Europa nie da gewesene und in der Türkei (noch) nicht umsetzbare nachdemokratische, theokratische Gesellschaftsform aufzubauen, die islamische Gesellschaft nämlich, das Imamat (Cerić) sprich Kalifat. Ob ferner mit „Tradition“ der koranische Antijudaismus und der Antisemitismus der 1928 gegründeten Muslimbruderschaft gemeint ist von der sich bislang noch keine Moscheegemeinde distanziert hat? Die IGD beispielsweise ist ein „Islamverband“. Sie gilt als Deutschlandorganisation der Muslimbruderschaft und baute das Islamische Zentrum München auf. „Das kulturelle Erbe bewahren“ – was, wenn zu dieser „Kultur“ Zwangsheirat, Cousinenheirat und Kinderheirat gehören? Oder die „ererbte Kultur“ des Verachtens der Ungläubigen und des Aufrufens zum gottgefälligen Ermorden jedes Islamapostaten? Unser Referent scheint diese Probleme für nicht so bedeutsam zu halten.

„Moscheegemeinden arbeiten in drei Dimensionen: Kulturell, religiös, sozial. Auch gibt es inzwischen Frauengruppen und Integrationskurse.“ Einmal davon abgesehen, dass Integrationskurse und Sprachkurse durch die deutsche Administration niemals an einer Moschee eingerichtet werden sollten, denn die Einwanderer sollen sich in die offene Gesellschaft integrieren, nicht in die islamische Gegengesellschaft. Es erscheint uns angesichts der Gehorsamsreligion Islam mit ihrer Sunna-Verhaltenskontrolle und ihrer geheiligten, angeblich ewigen Scharia-Pflichtenlehre als völlig verfehlt, zwischen religiös und kulturell beziehungsweise religiös und sozial andererseits zu unterscheiden.

Das ist ein Trick der Islamisten, auf den wir keinesfalls hereinfallen dürfen. Denn immer wenn es unbequem wird, sagen die Islamfunktionäre, Zwangsheirat (der walī mudschbir als der optional zwangsverheiratende Ehevormund islamischen Rechts) sei bedauerliche, unislamische Tradition (und keine scharī’a oder sunna), Vergewaltigung von Unverschleierten oder so genannter Ehrenmord sei patriarchalische vorislamische Kultur (und kein Islam), oder sie sagen, die schafiitische FGM sei sozial erklärbar und nichtislamisch.

Dass jedoch alle Imame und Islamverbände zum walī mudschbir (Heiratsvormund mit Berechtigung zum Zwang), zur geheiligten Segregation und Apartheid (Meidung der Nichtmuslime und ihres Verhaltens) oder zum islamrechtlich einwandfreien Apostatenmord etwas ganz anderes sagen oder einfach schweigen, scheint gerade die kaltschnäuzig kulturrelativistischen Islamverteidiger aus Deutschlands Kirchen, Parteien, Hochschulen und Bildungszentren nicht zu interessieren. Deutschlands nichtmuslimische Intellektuelle werben angestrengt für die theokratischen Feudalstrukturen des Orients, vielleicht um öldollarfinanzierte Pfründe einzustreichen oder EU‑Subventionen oder beides. Mit islamwissenschaftlich verbrämter Islambeschönigung und mit militanter Islamverteidigung lässt sich in Kirche und Partei Karriere machen, die Verteidiger von universellen Menschenrechten namentlich Frauenrechten wirken dabei lästig störend und sind demzufolge einzuschüchtern.

Der eingekaufte Islamreferent fuhr fort: „DITIB betreibt 800 Moscheen, entsendet die Imame für vier Jahre nach Deutschland und ist durch ein staatlich‑laizistisches Islamverständnis gekennzeichnet.“ Das ist freilich zum einen seit zwei Jahrzehnten überholt, denn längst hat ein türkischer Islamismus alle Institutionen unterwandert und stellt mit dem wenig gehemmten Islamismus der AKP die Staatsregierung. Noch nicht einmal Mustafa Kemal genannt Atatürk war verlässlich antitheokratisch oder gar dezidiert antischariatisch, von ein paar großmäuligen Sprüchen („der Islam ist eine stinkende Leiche die unser Leben vergiftet“) einmal abgesehen. DITIB / Diyanet wird von Türkeikennern als die Verwaltung einer veritablen Staatsreligion angesehen. Dann wäre DITIB / Diyanet nichts als die ministerielle Ebene eines türkischen Kalifats, das nach außen mit der Maske modernster Technologie reichlich erpresserisch um den EU‑Beitritt buhlt. „Bedauerlicherweise haben die DITIB-Moscheegemeinden recht wenig Eigenständigkeit. Wir sollten ihre Steuerung durch die DITIB Zentrale kritisch betrachten.“ Der Islam ist die Lösung?

„Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüş (IGMG) ist die größte nichtstaatliche islamische Organisation in Deutschland. Sie wird vom Verfassungsschutz beobachtet und könnte ein Doppelspiel betreiben, Gesprächsbereitschaft nach außen vorspiegeln und intern antisemitische und antiintegrative Absichten predigen. Eventuell findet derzeit eine Bewegung zu mehr Demokratie und Transparenz hin statt.“ Von der extrem dualistischen Doktrin Erbakans (adil düzen – batil düzen) redet der Islamwissenschaftler nicht, auch nicht davon, dass die Clans Erbakan und Abidin der Muslimbruderschaft verbunden waren und sind.

„Der Verband der Islamischen Kulturzentren oder VIKZ ist hierarchisch-zentralistisch organisiert und betreibt Internate und Schulen.“ Aus dem Publikum wurde eingeworfen, dass in Deutschland doch etliche illegale Internate und Schülerwohnheime des VIKZ geschlossen werden mussten. Der Vertreter des Bildungszentrums mischte sich ein und betonte, dass einige Internate aber immer noch laufen würden. Darauf meinte der Referent zusammenfassend: „Die schotten sich ab.“ Das streng islamische Gedankengut des im VIKZ verehrten Naqschbendi-Scheichs Tunahan, einst Prediger unter anderem an der Istanbuler Blauen Moschee (so genannte Süleymancılar-Bewegung) fand keine Erwähnung, auch nicht, dass die Marburger Turkologin Dr. Ursula Spuler‑Stegemann den VIKZ für absolut integrationshemmend hält und ihm die Lehre eines strengstens Scharia‑orientierten Islam bescheinigt[3].

„Den Zentralrat der Muslime (ZMD) kennzeichnet ein konservatives Islamverständnis.“ Dass Gründungsmitglied Nadīm Ilyās (Nadeem Elyas) auch dem von Muslimbruder el‑Attar gegründeten Islamischen Zentrum Aachen vorstand scheint nicht so wichtig zu sein. Korporatives Gründungsmitglied des ZMD war die Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD), die als deutscher Arm der radikalislamischen Muslimbruderschaft gelten kann. Naja, wenn das kein „konservatives Islamverständnis“ ist.

Dieser Referent empfahl sich verabschiedend selbst und empfahl uns als Literatur Annemarie Schimmel, die Bertelsmann-Stiftung und die Verfassungsschutzberichte. Die 2003 in Bonn verstorbene Arabisch sprechende Publizistin und kämpferische Islamversteherin Schimmel verteidigte vehement die für sie nachvollziehbare innerislamische Wut gegen Schriftsteller Salman Rushdie und kritisierte Frauenrechtlerin Taslimā Nāsrin, die sich für eine weltweit geltende Gleichberechtigung von Frau und Mann, eben auch im Islam einsetzt. Schimmel erhielt 1995 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, wogegen neben 270 Verlagen und knapp 300 Buchhandlungen die deutschsprachigen Intellektuellen Bassām Tībī, Ralph Giordano, Elfriede Jelinek und Alice Schwarzer protestierten. Da fragt man sich doch, in wie weit der Referent Ayatollah Khomeinis Todesfatwā gegen Salman Rushdie billigt. Die lobend erwähnte Bertelsmann‑Stiftung hat ein finanzielles Interesse an Islambeschönigung, möchte der der Bertelsmann‑Gruppe zugehörige Kösel‑Verlag doch auch weiterhin Deutschlands islamische Schulbücher drucken – ein Millionengeschäft. Weshalb man auf die Veröffentlichung des Romans über Mohammeds minderjährige Lieblingsfrau Aischa (Sherry Jones: The Jewel Of Medina, bei Random House, Verlagsgruppe Bertelsmann) ebenso islamkonform wie kalkulierend verzichtet hatte.

So weit dieser Islamexperte mit Nahosterfahrung, der am ersten Tag des Wochenendseminars die Funktion hatte, das bildungshungrige Publikum islamfreundlich in Stimmung zu bringen. Was ihm (zum Glück der Demokratie) nicht ganz gelang, aus dem Auditorium waren weiterhin islamskeptische Stimmen zu vernehmen. Dem Bildungszentrum ging es offensichtlich darum; den Türkeibeitritt zur EU als das Gebot der Stunde auszurufen, daneben wurde aggressiv für den flächendeckenden Islamischen Religionsunterricht an staatlichen Schulen geworben, ohne Gründe zu nennen, doch nicht weniger drohend und einschüchternd.

Der zweite eingekaufte Islamexperte begann mit der im Hadith beschriebenen Szene der ersten Offenbarung an Mohammed, dem legendären Berufungserlebnis: Ein Engel presst dem nachmaligen Propheten ein Tuch auf den Mund, dass dieser zu ersticken glaubt und herrscht ihn an: „Trag vor, lies!“, würgt ihn bis nahe zum Ersticken weiter und befiehlt im wiederum: „Lies!“ Derlei ebenso geheiligte wie vorläufige Unfähigkeit oder sogar Unwilligkeit wurde richtigerweise mit den religiösen Legenden um Moses und Jeremias verglichen, die ebenfalls erst einmal eine Blockade des Widerwillens zu überwinden hatten. Die Gottheit scheint schwarze Pädagogik zu bevorzugen, wird es manchem Zuhörer durch den Kopf gegangen sein.

Die Grundlagen des Islams wurden in einer guten Stunde ganz manierlich dargestellt, der Islamwissenschaftler konnte insofern wenig falsch machen. Auf Frauenrechte kam der Wissenschaftler indes nicht zu sprechen, das klassisch-islamische Apostasieverbot oder die heutige Menschenrechtssituation in den islamisch geprägten Staaten zwischen Mauretanien und Malaysia ließ er einfach aus.

Der Mensch könne authentische islamische Belehrung beim bloßen Betrachten der Weltnatur finden, nicht lediglich im Koran. Dass damit die Natur radikal ideologisiert wird und ein unbefangenes Betrachten und Beschreiben ökologischer oder schlicht naturkundlicher Phänomene unmöglich, scheint dem Referenten nicht bewusst zu sein oder schlicht gleichgültig. Wir Pädagogen erleben täglich, dass sich islamisch geprägte Kinder nicht selten weigern, etwas über die Natur zu lernen, vielmehr von einem entschiedenen Weltmisstrauen und Weltekel geprägt sind. Das islamische Bilderverbot, der Referent tat es als fromme Eigenart ab, wird dazu beitragen, die sinnlich erfahrbare Welt als widergöttlich anzusehen beziehungsweise sie als dem politreligiösen Herrschaftskult der angeblich naturhaften, natürlichen Scharia zu unterwerfend.

Nach unserer Erfahrung aus der Arbeit mit islamisch geprägten Kindern in Schule und Jugendverband trifft die vom Referenten beschriebene islamische Naturbetrachtung schon allein deshalb nicht zu, weil diese Kinder sich der Natur nicht zuwenden dürfen. Der weltverliebte Blick auf die Phänomene des Lebendigen drohe ganz offensichtlich Schirk (Beigesellung) zu sein, Allahs Macht zu schmälern. Auch daher die weltweit zu beobachtende islamische Bildungsverweigerung! Eine Befähigtheit, wissenschaftlich zu denken und gleichwohl Muslim zu sein, wird von Islamfunktionären angestrengt der Zone der bida, der satanischen Neuerung zugeordnet sowie vom jeweiligen eifersüchtigen Familienoberhaupt verhindert.

„Während die mekkanischen Suren des Koran aus der Position der Schwäche zu erklären sind und einen moralischen Aufruf zu Läuterung und Umkehr darstellen, wurden die in der Position der Stärke entstandenen medinensischen Suren ganz konkret‑sozial zu einer Gemeindeordnung, zu einem Vertragswerk.“ Das ist ungeheuerlich, den Kulturrassismus der dhimma als soziale Gemeindeordnung zu bezeichnen. Der Autorität des dozierenden Islamwissenschaftlers wagte niemand zu widersprechen.

„Banū n-Nadīr, Banū Quraiza, Banū Qainuqā’, die jüdischen Stämme in und um Yathrib, später genannt Medina wurden nach und nach vertrieben, viele Männer umgebracht.“ So sprach der Islamwissenschaftler: Viele jüdische Männer. Stimmt. Und die Frauen? Safiyya bint Huyayy etwa, deren Ehemann Kinana in ihrem Beisein und im Auftrage von Allahs gottesfürchtigem Propheten so lange gefoltert wurde, bis er das Geldversteck der Volkskasse bekannt gab. Anschließend ließ Mohammed den Kinana, islamrechtlich einwandfrei, ermorden. Die Jüdin Safiyya musste Mohammed heiraten. Sie wurde als Sklavin seine elfte Ehefrau und zeitlebens von den anderen Frauen gehasst.

Der Prophet pflegte Gold und Frauen zu erbeuten und die eben auch menschliche Beute an seine Mitstreiter zu verteilen, Referenzmodell sowohl der bis heute üblichen Raubökonomie mit ihrem Hofschranzentum und ihrer Pfründevergabe als auch Bezugsgröße für den Umgang der islamisierten Männer mit dem weiblichen Geschlecht und den Dhimmis. Der klassische Islam will institutionalisierte Frauenentrechtung sowie kulturrassistische Dressur seiner Kinder zum angeblich naturgemäßen (fitra) Ekel gegenüber allen Nichtmuslimen.

„Der Koran wurde jüdischerseits bewusst verfälscht und christlich in seiner verfälschten textlichen Gestalt weiter tradiert, der Koran ist das Original.“ Der Referent verzichtete auf die indirekte Rede (eben nicht: ‚Der Koran sei das Original’), doch im Publikum regte sich keinerlei Widerspruch. „Der Koran richtet sich, anders als die jüdische Religion mit ihrer beschränkten Geltung auf das auserwählte Volk, an alle Menschen. Nach islamischer Lesart sind Abraham, Moses und Jesus Muslime.“ Derlei Hochnäsigkeit und Geschichtsklitterei ist zwar islamische Doktrin, doch müssen sich jüdische sowie christliche Menschen diesen mutmaßlichen geistigen Diebstahl nicht unbedingt gefallen lassen. Doch blieb jeglicher Unmut im Saal aus.

„Die beiden Völker der ahl al‑kitāb sind Juden und Christen, Juden gelten islamtheologisch als halsstarrig und leugnerisch, Christen als die Überlieferer der nunmehr fehlerhaften, verfälschten religiösen Tradition. Staatsbürger können Juden und Christen im islamrechtlichen Sinne niemals sein, ein Schutzvertrag sichert ihren Status der dhimma ab.“ Was diese geheiligte dhimma für Kopten in Kairo oder Christen in Pakistan heute und täglich bedeutet, übergeht der Islamwissenschaftler ebenso wie die zwar über Generationen sich vollziehende, doch nicht weniger folgerichtige Auslöschung der nichtmuslimischen Großfamilien oder Dörfer in den Kernlanden der arabisch-islamischen Mono‑Kultur. Dhimmis wurden islamrechtlich einwandfrei gedemütigt, hoch besteuert und ausgeplündert (dschizya), andernfalls hätte sich die notorisch arbeitsverweigernde islamische Raubökonomie nicht finanzieren können.

Zum einen war die islamische Gesellschaft auf die zahlenden Dhimmis angewiesen. Zum anderen wurde das Nichtmuslim‑Sein für jede Siedlung zum Standortnachteil, für jede Großfamilie zum Insolvenzrisiko. Was also nach einigen Generationen geschah: Die Islamisierung des Territoriums. Dann sagte der Referent einen vernünftigen Satz: „Der interreligiöse Dialog ist schwierig. Die Kirchen verdrängen das Trennende.“ Wohl wahr, die Kleriker hoffen auf Krümel der Macht, die vom Tisch des Sultans (Muslimbruderschaft, Europäischer Fatwa‑Rat, Öl‑Scheichs) herunter fallen werden. Es gibt kein Machtvakuum, gerade die klerikalen Islamversteher der anarchistisch sowie multikulturalistisch orientierten Kirchentagsmilieus zeigen uns das: Die beiden deutschen Großkirchen beginnen, sich in das aus der klebrig‑zähen Schmelze der Nachdemokratie auskristallisierende Kalifat einzuordnen.

Ein Zuhörer betonte, dass wir, um eine säkular-staatsbürgerliche Haltung universeller Menschenrechte (für alle) nachhaltig zu sichern, nie von nichtmuslimischen Kindern im Gegensatz zu muslimischen Kindern reden dürften, niemals zulassen sollten, dass in Schule, Arbeitswelt oder Rechtssprechung Muslime von Nichtmuslimen unterschieden werden, weder sprachlich noch emotionsbefrachtet‑halbbewusst. Mehrere Zuschauer nickten, der Referent und sein Aufpasser auch.

Eine Zuhörerin berichtete den uns Bürgerrechtler alarmierenden Vorgang der letzten Wochen, in denen die bekanntermaßen antiamerikanisch und antiisraelisch motivierte so genannte Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch unter dem Arbeitstitel „Diskriminierung im Namen der Neutralität“ gegen die Lehrerinnenkopftuchverbote der deutschen Bundesländer kämpft und sich, europäisch wie weltweit orientiert, für das ungehinderte Kopftuchtragen ausspricht, was sie als „Recht auf Religionsfreiheit“ darstellt.

Human Rights Watch hat den Anspruch, Religionsfreiheit gerade auch in säkularen Staatswesen uneingeschränkt zuzulassen. Von einem Eintreten für Christen, Islamkritiker oder Ex‑Muslime beispielsweise in Ägypten, im Iran oder in der Türkei habe man allerdings seitens dieser Menschenrechtsfachleute noch nichts vernehmen dürfen. Hier allerdings verzog der Hausherr verärgert sein Gesicht und gab wohl eher die Zuhörerin selbst denn die von ihr kritisierte Organisation mit dem Ausruf: „Das kann ich mir nicht vorstellen, das ist mir viel zu obskur!“ der Lächerlichkeit preis. Niemand wagte es, dem Leiter des Bildungszentrums zu widersprechen. Die kalifatsfreundliche Zensur des Dhimmis griff. Hisba in der dār al‑harb.

Vielleicht bezeichnend verhuscht murmelte der Referent ein paar löbliche Worte über die Ankara‑Schule, die der DITIB‑Frankfurt zuzurechnen sei und erwähnte den Namen Ömer Özsoy. Professor Özsoy aber hat sich möglicherweise noch niemals vernehmlich gegen Imam‑Ehe und Scharia ausgesprochen, doch behauptet unverdrossen, dass der Koran ganz aus seiner Zeit heraus zu verstehen sei und dass Frauenverachtung, Gewalt und Undemokratie, die die islamisch geprägten Teile der Welt leider kennzeichnen, nichts mit dem Islam zu tun hätten.

Eine Zuhörerin, die sich bislang noch nicht zu Wort gemeldet hatte, stellte die Frage, ob der Islam um 700 oder 900 christlicher Zeitrechnung nicht auch Humanisierung und gesellschaftlichen Fortschritt bedeutet hätte, gerade in Bezug auf die Stellung der Frau. Hier aber mahnte der Referent sinnvollerweise zur Zurückhaltung: „Wir wissen es nicht“ und gab Fatima Mernissi wieder, die der Meinung sei, Frauen hätten in vorislamischer Zeit durchaus mehr Rechte gehabt als nach der Islamisierung.

Ob seit etwa 1979 eine nennenswerte Islamexpansion in Afrika auszumachen sei, wollte ein Herr aus dem Auditorium wissen. Der Islamwissenschaftler riskierte, zu verneinen und sprach von einer „Islamisierung bestehender Konflikte über schwächer werdenden Bindungen an Stamm und Volk“. Die unlängst erfolgte Ausrufung der Scharia in den Nordprovinzen Nigerias, immerhin bevölkerungsreichstes Land Afrikas, beliebte der Islamwissenschaftler zu übergehen. Das kann doch nicht wahr sein: Was denn bitte ist eine „Islamisierung der Konflikte“ anderes als eine islamische Radikalisierung? Es mag ja sein, dass wir im Afrika der letzten drei Jahrzehnte flächenmäßig umfangreiche islamische territoriale Eroberungen nicht gesehen haben, was erstens nicht heißt, dass es so bleiben muss. Zum zweiten gilt es, die Prozesse der schleichenden Islamisierung zu betrachten, wie sie aus dem Heiratsrecht der Scharia resultieren: Die Zahl der Nichtmuslime wird sinken, nicht zuletzt durch die zwangsweise muslimisch zu erziehenden, zahlreichen Kinder eines jeden gemischtreligiösen Pärchens. Arbeitsmigration und neue Medien spielen auch innerafrikanische eine zunehmende Rolle. Das Internet als Allahs Heiratsbörse wird, nicht anders als in Europa und beiden Amerika, zum Motor der Islamexpansion.

„Für die seit Jahren unter den Warlords leidenden Menschen in Somalia erscheint die von den beiden talibanähnlichen Islamistenarmeen ausgerufene Scharia subjektiv als ordnende Kraft, die das Chaos beseitigt.“ Die „ordnende Kraft“ der Steinigung einer dreizehnjährigen so genannten Ehebrecherin erwähnte der Referent nicht.

Den missionarischen Prediger Pierre Vogel erklärte unser Islamwissenschaftler unbegründet zum verachtenswerten, radikalen Islamisten: „Ein Fall für Verfassungsschutz und Polizei, der Mann behauptet, jeder Abweichler sowie jeder Jude oder Christ würde in der Hölle schmoren“, er rückte Vogel jedoch gleichzeitig in die Ecke der unseriösen Sonderlinge. Dass die islamische Orthodoxie Vogels Behauptung durchaus stützt, verschwieg der Referent. Indirekt unterstellte der Islamexperte, Prediger Vogel würde nicht den wahren Islam vertreten und gibt damit der monopolgleichen Deutungsmacht und dem Einfluss der großen deutschen Islamverbände Auftrieb.

Im Sinne der erfolgreichen Islamisierung scheinen die sonderbaren Prediger und die orthodoxen Großverbände Hand in Hand zu arbeiten und sich die Beute zuzutreiben. Entsprechendes gilt beispielsweise für DITIB und Fethullah-Gülen-Bewegung, für Sunniten und Ahmadiyya beziehungweise Sufi‑Islam und Muslimbruderschaft: Man ist verfeindet, aber das gemeinsame Ziel der Ausweitung der dār al‑islām über die Sphäre des Nichtislamischen (freiheitlicher Demokratie) verbindet die frommen Streithähne. Islamwissenschaftler werden hierbei als Helfer (die Dialogreferenten als veritable ansar al‑islām) zur Beschwichtigung der europäischen Öffentlichkeit eingesetzt, und zwar von Kirchen wie Kommunen. Der schrille Pierre Vogel ist daher als Sündenbock im Sinne eines Ablenkungsmanövers hoch willkommen.

„Scharī’a“ begann der Referent, „bedeutet wörtlich Weg zur Tränke oder deutlich gebahnter Weg. Die Scharia wird mit Körperstrafen asoziiert, die jedoch nur in wenigen Staaten wie Saudi-Arabien, Somalia, Indonesien und im Iran angewendet werden. Die orthodoxen Konzepte des dīn wa daula oder al‑islām huwa al‑hall sind aus der Scharia abgeleitet, ohne dass die Scharia kodifiziert werden kann. Nach der Scharia darf eine Muslima keinen nichtmuslimischen Mann heiraten. Marokko hat hierbei jedoch kürzlich eine bemerkenswerte Ausnahme für im Ausland geschlossene Ehen festgelegt, diese Ehen werden nun in Marokko anerkannt, was als Beispiel für die Reformierbarkeit von Islam und Scharia zu sehen ist.“

Reingefallen, mit diesem Schachzug will Marokko die Anerkennung von Imam‑Ehen in der Europäischen Union forcieren, zu denen Polygamie, Kinderheirat und islamische Zwangsheirat gehören. Als Ehevormund darf der Vater oder Großvater seine Tochter oder Enkelin auch gegen ihren Willen verheiraten, denn nach Allahs göttlichem Willen ist er walī mudschbir, Ehevormund mit der Berechtigung, Zwang und Gewalt anzuwenden. Die Braut kann nach Islam und Scharia volljährig, das heißt neun Jahre alt sein, seit Jahrhunderten beruft man sich dabei auf Mohammed und Aischa.

Jede muslimische Ehefrau muss damit rechnen, dass sie Gesellschaft in Gestalt einer angeheirateten Konkurrentin bekommt, mit der sie fortan unter einem Dach leben muss. Auch die Kinder erleben ihren Vater dann als polygam, bei Verstoßung (at‑talaq) der biologischen Mutter haben sie eben eine neue weibliche Bezugsperson. Das Herumschieben von Kindern ist ein islamisches Phänomen (Milchamme), eine vertrauensreiche, tragfähige Mutter‑Kind‑Beziehung wird von der Scharia wenn auch nicht immer so doch sehr systematisch verhindert. Das aber verriet uns der Herr Islamwissenschaftler natürlich nicht, auch nicht, dass es der Scharia darum geht, das Aufenthaltsbestimmungsrecht über das Kind, auch das ungeborene, dem Vater zu sichern, der die biologische Mutter verstoßen wird oder auch nicht. Die Ehefrau lebt in der von Allāh vorgesehenen Gewissheit, jederzeit verstoßen werden zu können, wofür sie als Verletzerin der Familienehre möglicherweise von ihrer Herkunftsfamilie ermordet wird. Islam ist Tochtertausch, Scharia Frauenkauf. Unser Referent schloss mit einem „Der Muslim ist verpflichtet, die Scharia einzuhalten.“ Eben, ließe sich hinzufügen, das ist das Problem.

„Auch die rituelle Reinheit gehört zur Scharia.“ Davon, dass mit der geheiligten Reinheit (at‑tahāra) ein geheiligter Ekel gegenüber den besudelten, höllisch dreckigen Unreinen zu empfinden ist, sprach der Islamwissenschaftler nicht. Auch vor jeder Frau darf sich der männliche Muslim islamisch ekeln, zumal vor der menstruierenden Frau. Selbst die Scheidungsgesetze (at‑talaq) machen das Intime der Frau zur öffentlichen Angelegenheit, der Allahgott definiert das weibliche Genital auch hier als Staatsangelegenheit. Die nach Sunna und Scharia vorgeschriebene männliche Beschneidung stellt nach Maßgabe kultureller Moderne eine Körperverletzung sowie sexualisierte Gewalt an Kindern sprich Kindesmissbrauch dar, sofern sie nicht medizinisch (absolut) indiziert ist. Doch dem deutschen Bildungszentrum ist die körperliche Unversehrtheit des Jungen offenbar weniger wichtig als die grenzenlose Religionsfreiheit seiner Eltern.

Nichtmuslime gelten im Islam als so ekelerregend dreckig wie Urin, Sperma, Kot oder Menstruationsblut, der Gläubige hat derlei Verunreinigung mit geheiligten Waschungen zu beseitigen und im direkten Kontakt zu vermeiden. Bereits das fundamentalistisch erzogene Kindergartenkind kann die nichtmuslimischen Kinder als ekelerregend betrachten und als Schweinefleischfresser hassen lernen, der Integration ist eine intensive Erziehung zur tahāra wohl nicht so sehr förderlich. Der erwachsene männliche Muslim wird von seinem Hassprediger oder auch einfach nur vom örtlichen Imam hier in Deutschland dazu angehalten, Frauen nicht länger die Hand zu geben.

Besonders unrein aber ist der Frauenleib. Ab der Menarche ist darum das Haar der ständig von widerlichem Unglauben umlauerten und von satanischer Verunreinigung umflatterten Frau vollständig zu bedecken. Diese Pflicht des Bedeckens gilt eigentlich für ihren gesamten Leib bis auf Gesicht und Hände, jedenfalls nach strenger, orthodoxer Auffassung der Scharia, die Großmufti Mustafa Cerić und damit wohl auch der Europäische Fatwā‑Rat in Dublin (ECFR) für „ewig und unveräußerlich“ halten. Cerić (The challenge of a single Muslim authority in Europe) will zwar nach wie vor ein Leben aller Muslime Europas unter der ganzen Scharia, was die Staatsbürger Wolfgang Schäuble und Christian Ude nicht davon abhielt, dem ranghöchsten Islamisator Europas im November 2008 für die zweifelhaften Verdienste im christlich‑islamischen Dialog den Eugen-Biser-Preis zu verleihen. Schäuble und Ude sind Optimisten, Islamoptimisten.

Alle vier sunnitischen Rechtsschulen (deutsches Wikipedia) definieren den Frauenleib, Hände und Gesicht ausgenommen, als aura (awrah), als Schambereich jener islamischen Sexualdressur, in dessen Logik Frauenhaar zum Schamhaar wird. Insoweit beschrieb Schariafreund Feridun Zaimoğlu („Schamtuch, Schamtuchträgerinnen“) die graduell inhumane Sache, vielleicht versehentlich, völlig treffsicher. Das englische Wikipedia nennt denn auch unumwunden den Hidschab als (nach Auffassung der vier sunnitischen Rechtsschulen) verpflichtend und kann sich auf einen schwachen (32:4092) und einen starken (32:4090) Hadith von Abū Dawud berufen.

Die intolerante Ideologie der Scharia konstruiert die muslimisierte Frau, die gottesfürchtige Frau. Aus tugendhafter Einsicht bei prekärem Verstand hat sie freiwillig ihrem männlichen familiären Aufpasser, dem von der Scharia vorgesehenen mahram (Plural maharīm; beispielsweise der kleine Bruder) zu gehorchen und sich von ihrem walī (zunächst ist das ihr Vater) verheiraten zu lassen. Das Kopftuch hat sie aus natürlichem (fitra) Schamgefühl zu bejahen sprich zu tragen. Viele uneinsichtige Muslima verhalten sich anders und finden nicht zum sittsamen hidschāb, doch predigt wohl weltweit kein Imam für einen möglichen Kopftuchverzicht und liegt der unter Sunniten grundsätzlich hoch angesehene Yūsuf al‑Qaradāwi auch bezüglich der Hidschabpflicht einstweilen voll im Trend.

Dann erläuterte der Referent die fünf Bewertungen einer Handlung, wadschib (fard) verpflichtend, mandub empfohlen, mubah möglich (indifferent, neutral), makrūh verpönt und harām verboten. Die ersten beiden sind, auch Nichtmuslime kennen das von den islamischen Speisegeboten, halāl, zulässig. Was für eine schwarze Pädagogik beim Erwecken der Angst vor höllischer Strafe, was für einen ordnungspolitischen Sittenterror (hisba-Marschbefehl der mutawwi‑Religionspolizei oder vertretungsweise hisba von jedem Muslim) man damit aufspannen kann, liegt eigentlich auf der Hand, wurde aber nicht erwähnt. Mandub hier, makrūh dort, empfohlen oder verpönt, das klingt so harmlos nach Verbraucherberatung und Lebenshilfe.

Hisba statt Ruf nach universellen Menschenrechten, Scharia statt Bürgerrecht wird Europa etwas anderes bringen: Aus dem öffentlichen Raum verschwundene, weggesperrte Frauen oder aber Frauen, die unter den Erfindungen islamischer Wissenschaft von an‑niqāb und burqa, schwarzen Gespenstern gleich über Gehwege huschen. Dazu bei fortschreitender Islamisierung vielleicht jene Bilder zerstörter Leiber, die in Mauretanien, im Sudan, in Somalia oder im Irak nicht anders aussehen als in Afghanistan[4], [5].

Dass jeder Muslim durch die zweidimensionale, nämlich gottbezogen-menschenbezogene Verpflichtung auf die Scharia zum gewaltsamen Durchsetzen der einzigen sittlich korrekten Ordnung auch innerhalb von Europas sich islamisierenden Straßenzügen verpflichtet ist (hisba[6]) wurde vom Islamwissenschaftler politisch korrekt übergangen, schließlich wollte der ganz seitlich auf dem Podium lauernde Hausherr das Auditorium motivieren – für den Beitritt Kleinasiens zur Europäischen Union. Die Türkei kennzeichnen Staatsreligion Islam, explosive Kurdistanfrage und geleugneter Armeniervölkermord. Man sollte dem Land Entwicklung zu Säkularität, universellen Menschenrechten und freiheitlicher Demokratie wünschen, doch braucht diese Entwicklung, ist sie denn türkeiseits erwünscht, nun wirklich nicht innerhalb der Europäischen Union geschehen. Die Mehrheit der Europäer will den Türkeibeitritt nicht, was bei nahezu allen so genannten Islamseminaren natürlich ausgeklammert wurde. Solches aber ist nicht länger Wissenschaft, vielmehr Propagandaveranstaltung.

Der Rechtsgrundsatz „Gebieten was recht ist und verbieten, was verwerflich ist“ steht im Mohammeds Tagebuch gleich vier mal, Suren 7:157, 9:71, 9:112, 22:41. Zur hisba gehört es doch womöglich, den hidschāb in Familie und Freundeskreis gewaltsam durchzusetzen, nötigenfalls mit Prügel. Die Bedeckung (hidschāb, dschilbāb; Kopftuch) muss dann allerdings freiwillig getragen werden, es gibt ja letztlich, ganz spirituell gesehen, keinen Zwang im Glauben.

Bedecke dich, Weib. Du solltest zusehen, dass du nicht in der Hölle landest, wenn das Kopftuch da kein günstiges Angebot ist. Du willst doch nicht behaupten, dass sich, die Verhüllung betreffend, tausend Jahre Scharia‑Islam geirrt haben?

Zweifel an der islamtheologischen Frage, ob das Kopftuch aufgeprügelt werden dürfe, beseitigt der ehemalige ägyptische Mufti Ali Jad al-Haqq: „Der Ehemann hat die Pflicht, seine Frau zur Verschleierung zu zwingen. Er muss dies tun, ansonsten gilt er genau wie sie als Sünder (22.12.1979, deutsch bei ifi 28.08.2008[7]).“ Dieser bei Bedarf prügelreichen Kopftucherkenntnis hätte selbst Allāh sicherlich nichts hinzuzufügen, denn Jad al-Haqq (geschrieben auch al‑Haq, Scheich Jad al‑Haqq, Sheykh Jadul Haqq) war als 42. Großscheich der Azhar Vorgänger des jetzigen Amtsinhabers Muhammad Sayyid Tantāwī (geb. 1928), den man, noch vor al‑Qaradāwi als die derzeit höchste Autorität des sunnitischen Islam bezeichnen darf.

Mit der femininen körperlichen Unversehrtheit haben die drei Herren Jad al‑Haqq, Mohammed und Allāh auch jenseits des koranischen Prügelverses nicht so viel im Sinn. Der vieljährige Rechtsgelehrte an Ägyptens Scharia‑Gerichtshöfen Jad al‑Haqq (1917-1996) hielt die islamische Genitalverstümmelung für eine Würdigung, Auszeichnung und Ehrung der Frau oder aber hielt die Genitalverstümmelung an Frauen (FGM) sogar für ebenso verpflichtend wie die Beschneidung für Männer[8], [9]. Scheich Jad al‑Haqq verfasste 1994 ein islamisches Rechtsgutachten, eine fatwā: „Wenn die Leute in irgendeinem Dorf von der [obligatorischen] Frauenbeschneidung abzulassen beginnen, muss der lokale Imam so sehr dagegen kämpfen, als beschlössen sie, der [schariatischen] Gebetspflicht nicht länger nachzukommen[10]“. Unlängst sprach sich Scheich Dr. Wahdan im Gespräch mit FGM‑Gegnerin Dr. Zarrar für eine islamrechtliche FGM aus, explizit für die Kürzung der Klitoris, nicht bei jedem Mädchen versteht sich, aber bei jedem Mädchen, das die islamische FGM zu einem sittlich korrekten Leben braucht[11], [12]. Die Schafiiten Indonesiens und Malaysias pflegen Formen von FGM, die in Indonesien heute islamverbandlich durch die angesehene religiöse Assalaam-Foundation organisiert und öffentlich durchgeführt wird[13], [14].

Erst 2005 wurde bekannt, dass auch die schafiitischen Kurden im Nordirak, Region Sulaimaniya, dieses grausame Ritual durchführen, gegen das inzwischen die unabhängige Entwicklungshilfe- und Frauenrechtsorganisation Wadi e. V. couragiert und erfolgreich vorgeht[15], [16].

FGM war einmal vorislamisch gewesen, sicherlich. Doch vor mehr als dreizehn Jahrhunderten ging die vorislamische Zeit vorbei. Und seitdem ist FGM islamisch, seit tausend Jahren ist das Zusammenspiel von islamischer Geistlichkeit und FGM ein gemeinsames, blutiges, frauenzerstörendes Thema. Islam zerstört eben nicht nur die Psyche der Menschen mit dem doppelten x‑Chromosom. Der Islam will die rechtliche Geringerstellung der Frau und ihre moralische Herabwürdigung, doch auch ihr Körper bleibt unter den unsichtbaren riesigen Gefängnissen von Scharia und Fiqh nicht unversehrt. Ins Haus gesperrt werden, Kopftuchzwang, Formen malinesischer, somalischer, ägyptischer, jemenitischer irakischer oder indonesischer FGM, Zwangsehe, kultisch vergewaltigende Hochzeitsnacht, schariatische Strafen wie Stockschläge, Auspeitschen und Steinigung, das erlebt so manche muslimische Frau. Auch angesichts der unzähligen Gewaltaufrufe gegen Ungläubige und Islamapostaten in Koran und Hadithen darf es uns Nichtmuslimen, säkularen Muslimen und Ex‑Muslimen schwer fallen, dem Wort von Dr. Farid Shahran Glauben zu schenken: „Gewalt hat nichts mit dem Islam zu tun[17]“. Naja, veröffentlicht bei den Islambeschönigern der regierungsnahen Seite qantara.

Unser Islamfachmann kam auf das Fatwawesen islamischer Rechtssprechung (fiqh) sprechen. „Ist der Fatwaschreiber tot, gilt die fatwā nicht mehr. Das ist ein innerislamisch völlig unstrittiger Grundsatz. Salman Rushdie hatte insofern nach dem Tod des Machers seiner Todesfatwa, Ayatollah Chomeini, nichts mehr zu befürchten.“ Auf die Rolle des offiziellen Erteilers (Mufti) eines Rechtsgutachtens ging der Islamkundler gar nicht erst ein, doch ohne muftī[18] gibt es keine fatwā. Für die kulturelle Moderne beziehungsweise für eine vielleicht ja erwünschte nachhaltige freiheitliche Demokratie in Europa und Nordamerika tut sich hier ein gewaltiges Problem auf. Durch Verhaltenskontrolle (Sunna), doktrinäre Gehorsamspflicht (Scharia) und gräusliche Angst vor der Höllenstrafe (Koran) ist jeder Muslim erpressbar oder vielmehr ist er dazu erpresst, Fatwen (fatāwa, Einzahl fatwā) sklavisch zu verlangen jedenfalls zu befolgen.

In Dublin ist der Europäische Fatwa‑Rat (ECFR) ansässig, der, einer Machtergreifung gleich, jederzeit die Vollmacht über das Erteilen von verpflichtenden Fatwas beanspruchen könnte, ob ihm dann ein deutscher Islamverband widersprechen würde, ist mehr als fraglich. ECFR bedeutet European Council for Fatwa and Research, dreißig (30!) Scheichs aus aller Welt, von Saudi‑Arabien bis Sudan sind in ihm organisiert, Vorsitz hat Professor al‑Qaradāwi, nach Tantāwī womöglich die zweithöchste Autorität des sunnitischen Islam. Sudan wird durch Scheich Issam al-Bashir vertreten, der sudanesische Scheich und Professor ist Generalsekretär des Zentralinstituts für wassatiyya in Kuweit. Wassatiyya (wörtlich Zentralität, Mittigkeit) stammt von arabisch wasat, Mitte, und propagiert den reinen Islam als angeblich maßvolle, gemäßigte Lehre der seelisch wie sozial gesunden Stabilität. Beliebig strenger Islam sei eine Haltung der Ausgewogenheit, je strenger desto „mittiger“, ausgewogener. Aus dieser „gemäßigten“ Perspektive sind Aufklärungshumanisten Exzentriker sowie Extremisten, islamkritische Demokraten deviant, antisozial und kriminell.

Stattdessen kam der Referent auf die Kamel‑Fatwa von Amir Zaidan zu sprechen, über die er entrüstet den Kopf schüttelte und sich über solch einen Unsinn lustig machte. Dass Amir Zaidan nach Aussagen der Islamwissenschaftlerin Claudia Dantschke für seine Mitglieder der IRH (Islamisch Religionsgemeinschaft Hessen) eine außerdemokratische, grundrechtswidrige „parallele Rechtsordnung“ (Dantschke[19]) zu schaffen trachtete und nun für die radikalislamische und im österreichischen Schulwesen höchst einflussreiche IGGiÖ (um den Islamisten Anas Schakfeh) tätig ist, erwähnte der Referent nicht. Nach der Kamelfatwa dürfe ein Mädchen nur dann auf Klassenfahrt gehen, wenn sie von der elterlichen Wohnung nicht weiter entfernt ist, als ein Kamel in 24 Stunden gehen könnte. Das klingt kurios bis hanebüchen, doch bedeutet es einen Angriff einer radikalislamischen geistlichen Organisation auf das staatliche Schulwesen und dessen Erziehungs- und Bildungsauftrag, zumal die nächsten Fatwen nicht auf sich warten lassen werden und die Freiheit der Mädchen aus einem sich muslimisierenden Elternhaus zu sinken beginnt.

Wie eine Gefängnismauer Ziegelstein um Ziegelstein aufgebaut wird, so mauern sich die Gegenkulturen der Scharia Fatwa für Fatwa von der säkularen Gesellschaft weg. Sie mauern sich ein. Was auch die Nichtmuslime unter uns beunruhigen darf, denn sobald die islamisch radikalisierten Muslime die Mehrheit haben, werden die Nichtmuslime zu den Eingemauerten. So schafft auch das, säkularen Europäern womöglich ja lebensberaterisch anmutende Fatwawesen, die theokratische Apartheid eines kulturellen Rassismus. Europa müsste die Fatwaproduktion, dem illegalen Waffenbesitz oder dem Rauschgift gleich, verbieten.

„Die hanbalitische Rechtsschule kann als sehr konservativ gelten“, fuhr unser Mietmaul pardon Islamreferent mit seiner Ausführung fort. Konservativ? In der Tat, Malikiten und eben auch Hanbaliten fordern die Tötung jedes Ketzers (zindīq), da sie ihn mit dem im Koran genannten Heuchler (munāfiq) identifizieren, ohne, dass dem Ketzer die Möglichkeit der Reue zusteht. Zum Ausgleich stirbt er wiewohl gewaltsam so doch als ein gläubiger Muslim und darf er auf einem islamischen Friedhof bestattet werden[20]. Laut amnesty international (2008) werden in Saudi‑Arabien wöchentlich mehr als zwei Menschen hingerichtet, Frauen, Mittellose und Ausländer werden dabei überdurchschnittlich oft islamrechtlich getötet, üblicherweise mit dem in der Landesflagge abgebildeten Säbel[21]. Grundlage der saudi‑arabischen Rechtssprechung ist die Scharia. Unser Islamreferent nennt solches konservativ. Dass die hanbalitisch-wahhabitischen Saudis durch ihre Funktion als so genannte Hüter der heiligen Stätten, namentlich des Pilgerzentrums Mekka mit seiner von jedem Muslim einmal im Leben andächtig zu umkreisenden Kaaba eine erhebliche Vorbildfunktion für die gesamte islamische Welt haben und dass ihr Verweigern universeller Menschenrechte den weltweiten Islam erfolgreich an der demokratischen Entwicklung hindert, verschwieg der Islamwissenschaftler.

„Die Reformbewegung der Salafiten strebt nach einem am Koran orientierten Leben, wie es die frommen Altvorderen führten. Allenfalls ein Teil der Sunna ist ihnen wichtig.“ Eine dezidiert rückwärtsgewandte Bewegung sollten wir doch wohl nicht reformistisch nennen, sondern reaktionär.

„Der Wahhabismus der Saudis droht über Stipendien, Moscheebauten und Geldmittel den bislang liberalen, moderaten bosnischen Islam zu radikalisieren.“ Bravo, die Radikalisierung der Muslime auf dem Balkan durch arabische Geldgeber und Moralbringer, beispielsweise die „erzwungene Muslimisierung“ (das Wort stammt vom Zentralrat der Ex‑Muslime, 30.04.2007[22]) der autochthonen Bosnier und Pomaken, ist ein wichtiges Thema.

Wobei allerdings nicht nur die Wahhabiten, sondern auch die Vereinigten Arabischen Emirate und eventuell die Sekte der Murabitun eine Rolle spielen und die Islamisierung Südosteuropas dann durchaus „made in Germany“ wäre. Dann nämlich, wenn die Radikalisierung von der angeblich unabhängigen Moschee in Penzberg bei München ausginge, deren Bau vom Sultan von Schardschah finanziert worden war, welcher auch den Moscheebau der ein Kalifat erstrebenden, antisemitischen Politsekte der Murabitun in Granada bezahlt hatte[23]. Zu den eher grundrechtsfreien Murabitun gehören Althippie Ian Dallas genannt Scheich as‑Sufi und, in Deutschland, der Herausgeber der Islamischen Zeitung Rechtsanwalt Andreas Abu Bakr Rieger. Imam von Penzberg ist der bosniakische Mazedonier Ibrahim Idriz, von dem bislang leider noch kein Wort der Kritik an Scharia‑Islam und Fiqh‑Islam zu vernehmen war[24]. Imam Idriz gilt der deutschen Öffentlichkeit, eigentlich ist das wenig erklärlich, als gemäßigt und modern[25].

Nun kam man auf die islamische Familie zu sprechen. Eine Dame aus dem Auditorium sprach davon, dass die islamische Großfamilie einem Kerker gliche, aus dem eine von Zwangsheirat oder vom so genannten Ehrenmord bedrohte junge Frau den Weg hinaus zu Polizeistation, Jugendamt oder Frauenhaus kaum finden könne. Zwangsheiraten wären absolut unislamisch, polterte der Islamwissenschaftler vom Podium. Ein Herr aus dem Publikum widersprach und sagte, 60 % der türkisch-muslimischen Ehen in Deutschland seien arrangiert und zwar überwiegend gewaltsam, auch könne man nicht oder jedenfalls kaum zwischen arrangierter Ehe und Zwangsehe unterscheiden. Da sprang der Leiter des Bildungszentrums auf: „Sie haben keine belastbaren Zahlen! Die Daten von Frau und Frau Ateş sind nicht seriös, ich weiß, wie sie zustande gekommen sind! Auch die Untersuchung, die Peter Brettfeld und Katrin Wetzels veröffentlichten, ist mit Vorsicht zu genießen“, würgte der Hausherr jede weitere Diskussion ab und verwies die Argumente des auf muslimische deutsche Zwangsheiraten Hinweisenden ins Reich der Fabel. Niemand wagte mehr, einen Einwand geltend zu machen.

So wurde die Scharia mit dem Grundgesetz für kompatibel erklärt. Zur vormodernen, extrem patriarchalischen Institution des walī mudschbir mochte der Islamwissenschaftler nicht sprechen, doch dürfte die nikah, die islamische Ehe[26] in seinem Studium nicht übergangen worden sein, nach der ein Vater selbstverständlich seine Tochter dem anderen patriarchalischen, muslimischen Clan übergibt, sprich sie verheiratet.

Ganz zaghaft meldete sich ein Mann aus dem Publikum: „Es besteht bezüglich des Wunsches der europäischen Muslime nach einem Leben unter der Scharia doch nicht etwa die Gefahr eines doppelten Standards?“ Der Referent blickte entschieden zum Horizont und sagte zackig. „Nein!“

Bevor wir die Äußerungen des dritten der Mietmäuler, pardon, Islamreferenten dokumentieren, einige Anmerkungen zu einer altehrwürdigen islamischen Institution, nicht der Kairoer Azhar, nein, der muslimischen Schwiegermutter. Das Prinzip Schwiegermutter ergibt sich unmittelbar aus Koran und Hadithen und wird solange fortbestehen, wie der schwerziehbare Allāh noch nicht resozialisiert sprich demokratiefähig ist, also noch ein paar Jahrzehnte.

Beginnen müssen wir mit der Logik des Tochtertauschens und der von Allahgott höchstselbst ausgestellten Erlaubnis des jederzeitigen Ehefrauenverstoßens an alle Vertreter Gottes auf Erden sprich Herren Muslime. Dieser Freibrief nämlich zeitigt für die muslimisierte Kinderschar Erstaunliches: Neue Mütter oder auch Zweit- und Drittmütter zeitgleich zur eigenen Mutter, ferner nach Allāhs oder auch nur Papas (ist in etwa dasselbe) Ratschluss diverse Pflegemütter und Milchammen. Die muslimischen Kinder werden entsprechend geprägt: Mater semper incognitus est. Mädchen können mit neun Jahren verheiratet und ehelich vergewaltigt werden, das hat Allāh für alle vier sunnitischen Rechtsschulen so vorgesehen und für die abtrünnigen Schiiten gleich mit. Nun aber zur Schwiegermutter, denn nach ewigem Ratsschluss des qadar türkisch kismet ist das Mädchen irgendwann selbst Schwiegermutter und kann über eine gelin (türkisch für: Die, die kommt) herrschen, über eine Sklavin herrschen: Die Schwiegertochter.

Vom männlichen Männergeld des Stammes nämlich ist die jungfräuliche Braut eingekauft worden, beschädigte Ware (keine Jungfrau mehr) geht zurück an den ehrlosen Herkunftsclan und braucht sich ihres Lebens endgültig nicht sicher zu sein. Die Jungfrau ist die Visitenkarte des namus[27], der Stammesehre. Um die Satisfaktionsfähigkeit sprich Gottesfürchtigkeit des Nachbarstammes zu testen, dürfen deren frei laufende Frauen vergewaltigt werden, die anderen Männer haben dann halt nicht genügend aufgepasst. Leicht ersichtlich, dass Frauen die Sklavinnen der männlichen Hälfte der islamisierten orientalischen Familie sind, die gegen den Brautpreis verkaufte Braut hat ins Haus ihres Mannes zu zu ziehen (patrilokal) und Dienerin (Schlafzimmerprostituierte) nicht nur des Mannes zu sein, sondern auch Dienerin (Küchenhilfe, Arbeitssklavin in Haus und Garten) der Schwiegermutter. Bei Schafiiten oder bei den Opfern oben erwähnter islamischer Gelehrter der Kairoer Azhar kommt als weitere traumatisierende Erfahrung weib‑weiblicher Gewalt die erlebte FGM, die weibliche Genitalverstümmelung hinzu, die, wiewohl im Dienste des enthemmten Patriarchats, ausschließlich von Frauen an Frauen praktiziert wird: Es geht Allāh bis auf weiteres darum, Frauen voneinander zu entsolidarisieren. Islamisch erfolgreich.

Folgerichtig ist es in den Kulturräumen von Hidschab, Tschador, Abaya und vor allem niqāb, Gesichtssschleier, Frauen verboten, in der Öffentlichkeit miteinander zu quatschen und zu labern, etwas, was sich Männer weltweit und eben auch im Islam ohne weiteres herausnehmen. Die nötigenfalls auch gegen ihren Willen ins fremde Haus verkaufte Frau (Imam‑Ehe, nikah) hat dem Mann sexuell und der Schwiegermutter als Arbeitskraft zu Diensten zu sein, doch kann sie sich, vielleicht zwei Jahrzehnte später, rächen. Dann nämlich, wenn ihr Sohn (vielleicht durch ihr Intrigenspinnen) verheiratet wird und eine gelin ins Haus kommt, die ihren Kommandos folgen muss. So quält unter der Scharia eine Frau die andere, eine jede Mutter ihre Tochter. Derartig unterdrückt der hidschāb, so mobbt das Kopftuch: Und wer nicht gehorcht, kommt nicht in die lustvoll süße dschanna[28], sondern brennt qualvoll in der dschahannam[29].

So verewigt sich Allāhs Sozialpädagogik weib‑weiblicher Hackordnung, bei der es einst, vor knapp vierzehn Jahrhunderten, den vergewaltigenden Männern aus der Gefolgschaft Mohammeds gelungen war, Frauen zu erbeuten und zu vereinzeln (zu entsolidarisieren). Dieses geheiligte frauenhassende Prinzip (Scharia) muss im heutigen Gebiet zwischen Mauretanien und Malaysia nicht immer gänzlich ausgeprägt sein, doch lastet in allen muslimischen Familien auf jeder Frau ein gerade von der (Mutter und) Schwiegermutter ausgehender ungeheurer Druck, Kinder zu bekommen. Daneben ist die Frau selbstverständlich ständige Quelle jenes Unheils und jener Streitigkeiten (fitna), die eine Harmonie im dschihadistischen (islamischen) Männerbund bedrohen.

Soweit zur muslimischen Schwiegermutter, nun zum türkeistämmigen kurdischen Islamreferenten. Der jedoch uns über das Prinzip walī mudschbir beziehungsweise kurdische Schwiegermutter ganz bewusst nicht belehrte, ein wissenschaftliches Mietmaul mehr im Dienste des Türkeibeitritts und der europaweit von Kirchen und Parteien propagierten angeblichen Kompatibilität (Verträglichkeit) von Scharia und Grundrechten.

Der türkeistämmige Referent erschien mit einem süßen vierjährigen Töchterchen, welches er malerisch als eine Art Maskottchen auf dem Podium drapierte mit der Ausrede, heute Abend keine Kinderbetreuung gefunden zu haben. Seltsam, der Termin hat doch wochenlang estgestanden und alleinerziehend ist der Mann auch nicht. Die folgenden drei Stunden saß das Kind vorne auf dem Podium und durfte mit einem eigens für diesen Abend gekauften rosa Stoffdrachen spielen. Der uns als Sozialwissenschaftler vorgestellte Herr überraschte uns mit einem „Sie können mir auch andere Fragen rund um den Islam stellen“ und spielte wie nebenbei den kinderhütenden Vater, die Urdeutschen fanden das ergreifend, was natürlich beabsichtigt war. Ebenso nonverbal wie gezielt torpedierte der Redner damit das Vorurteil, muslimische Väter würden die Kindererziehung und Kinderbetreuung verweigern und ihren Frauen überlassen. Der Milieuforscher begann, von den bemitleidenswerten Imamen der DITIB zu reden, denen man vor ihrem vierjährigen Aufenthalt die Angst vor Deutschland nehmen müsse und denen es ein differenziertes Bild der hiesigen Gesellschaft zu vermitteln gelte, der deutsche Staat müsse hier endlich helfend eingreifen.

Lobend, wenn auch sehr leise hob dieser dritte Referent die vorbildliche Arbeit für eine Lehrerausbildung für das Schulfach Islamischer Religionsunterricht des Islamologischen Instituts München hervor, das uns leider nicht bekannt ist, wenngleich wir betonen möchten, dass der Begriff Islamologie, wie (nicht Prof. Bassām Tībī, sondern) Amir Zaidan ihn bekannt gemacht hat, mit Islamwissenschaft so viel zu tun hat wie Astrologie mit Astronomie[30]. Ein Islamologisches Institut kennen wir allerdings aus der Stadt Wien als die neue Wirkungsstätte des erklärten Sympathisanten des Gedankengutes der Muslimbruderschaft, Amir Zaidan. Könnte der Referent die Lehrerausbildungen zum Islamischen Religionsunterricht des radikalen Wiener IRPI (Anas Schakfeh, IGGiÖ) akzeptabel finden?

Zaidan gründete sein Islamologisches Institut in Wiesbaden, amtlich eingetragen in Frankfurt, mittlerweile gibt es Außenstellen jedenfalls Zaidansche Islamologie‑Kurse in Berlin, Köln, Salzburg, München sowie in der Schweiz[31], [32]. Ob die Münchner Qualifizierungskurse im Geiste des mutmaßlichen Muslimbruders[33] Amir Zaidan etwa in Freimann (IGD, Muslimbruderschaft) oder gar Penzberg (Geld aus dem arabischen Emirat Schardschah) stattfinden? Wie auch immer, „der Begriff Islamologie verweist auf Amir Zaidan“, wie der Mitwirkende am neuen Schulbuch Saphir und Schariafreund Harry Harun Behr in seiner Dissertation (Fußnote 618) feststellt[34].

„Die Moschee hat nicht nur sakrale, sondern auch profane Aufgaben, der Imam ist nicht nur Seelsorger, sondern nahezu auch Sozialarbeiter“, fuhr unser türkeistämmiger Sozialforscher mit seinem Vortrag fort: „Doch da gibt es Grenzen, ein noch so guter Imam kann nicht Steuerberater und Schuldnerberater sein.“ Wohl wahr, doch seit wann ist Sakrales und Profanes im Islam jemals getrennt gedacht worden? Der Referent ist immer für eine Überraschung gut, die alte arabische Moschee war Treffpunkt des Männerbundes, Waffenlager und Beratungsplatz zum Aufbruch in den Dschihad, der Ort absolut weltlicher Machtpolitik. „Wir brauchen für Duisburg‑Hochheide mit seinen vielen kurdisch-nordirakischen Zuwanderern arabisch sprechende Streetworker.“

Unterdessen begann seine kleine Tochter, in dem für den abendlichen Vortrag eigens angeschafften Malbuch zu kritzeln, die Kunstlehrerin unter uns merkte an der Stiftführung und den ungelenken Bewegungen des Kindes genau, dass das Kind zum ersten Mal ein Malwerkzeug in der Hand hielt. Der Referent wollte also pädagogisch korrekt daherkommen, die Deutschen mögen Kunstpädagogik. Allāh und sein Islam jedoch mögen das Bilderverbot. „Anders als der türkische Staat mit seinen DITIB-Imamen bezahlt Milli Görüş keine Imame und verwendet manchmal sozusagen die Rentner von DITIB.“

Vom auch unter Deutschlands DITIB-Geistlichen verbreiteten islamischen Dogma, die Frau als Mangelwesen und Schutzbefohlene des Mannes anzusehen, die keinesfalls Schminke oder Parfum verwenden oder alleine Reisen darf, mochte der Milieuforscher nicht berichten[35], [36]. „Besonders stolz sind wir auf die Integrationsarbeit von Bülent Arslan vom Deutsch-Türkischen Forum (DTF), der völlig zu recht mehr muslimische Polizisten in Nordrhein-Westfalen fordert“, meinte der Türkeistämmige. Der Pressesprecher der Polizei vergleicht dieses Ansinnen mit Spionage und betont völlig richtig den unzumutbaren Loyalitätskonflikt ethno‑religiös ausgewählter Polizeibeamter[37]. Bülent Arslan (CDU) hat das weder das Wesen des säkularen Staates verstanden noch das Demokratierisiko islamischer Theokratie, wenn er de facto aus Staatsbeamten mutawwi’-Religionspolizisten machen möchte[38].

Auch dieser türkeistämmige Herr verwendet dieselbe Statistik, wie die eingangs gehörte: „Auf der Welt leben 1,2 Milliarden Muslime, in Deutschland 3,2 Millionen.“ Es leben Muslime, sprach also auch der Sozialforscher und Sozialwissenschaftler, nicht etwa: Es leben Menschen. Aus Menschen, aus Staatsbürgern werden Muslime. Hierbei handelt es sich offensichtlich um ein Beispiel für das, was in Europa, die reale und gewollte Islamisierung verschleiernd, in diesen Jahren stattfindet: Die von allen Parteien und Kirchen vorangetriebene Theologisierung der Politik, deren Nutznießer allerdings nicht das Christentum sein wird.

Dass viele deutsche Muslime vom Dubliner Fatwa‑Rat oder vom Verbandsislam nicht gegängelt werden wollen, verheimlicht uns der Wissenschaftler ebenso wie die Lebenslage der vielen Ex‑Muslime unter den „Muslimen“. Das Publikum sollte, den pawlowschen Hunden gleich, daraufhin dressiert werden, die Scharia sowie den Türkeibeitritt als reizhaften Leckerbissen zu verbuchen, der einem in Vorfreude auf aromatischen Wohlgeschmack das Wasser im Munde zusammen laufen lässt. Die drei Referenten und der Leiter des Bildungszentrums waren an diesem Dortmunder Wochenendseminar nicht erfolglos, denn etwa 50 % der Zuhörerinnen und Zuhörer sind als vertrauensvolle Dulder der Scharia und als Türkeibeitrittsfreunde entlassen worden. So verläuft die Entdemokratisierung Europas, die Erosion der Erwachsenenbildung sowie politischen Bildung, unter Missbrauch der Sozial- und Islamwissenschaften. „Wir Islamreferenten denken für Sie, wir üben Vertrauen in die Scharia gemeinschaftlich ein, lassen Sie uns Vorurteile und Ressentiments überwinden“ könnte das Motto solcher Islamisierer sein.

Nun wurde es märchenhaft: „Im Islam gab es vorher die Macho‑Kultur nicht, das ist Tradition, nicht Religion. Auch Christentum und Judentum sind in patriarchalischen Gesellschaften entstanden.“ Aha, der türkisch-kurdische Sozialwissenschaftler weiß, wie der reine Islam zu denken ist, der von der jeweiligen Zeitgeschichte nicht verunreinigt werden dürfe. „Für Muslime hat die Religion größeren Stellenwert als für die Deutschen!“ donnerte der Wissenschaftler, die urdeutschen Konvertiten ließ er unter den sprichwörtlichen Tisch fallen. Was wesentlich unverschämter ist: Der Kurde erklärt Deutschlands Christen für relativ unreligiös, für gottvergessen.

Niemand im Saal protestierte, der Wissenschaftler muss einfach Recht haben. Wir dürfen uns fragen, ob der Sunna‑Islam, der Fatwa‑Islam oder der Dschihad‑Islam überhaupt eine Religion ist oder nicht vielmehr ein sexualpolitischer militanter Kult. Der Akademiker ließ nicht locker, auch dieses Argument erinnerte an den ersten Referenten, insofern schloss sich der Kreis: „Die Sunniten sind religiöser als die Aleviten, vor allem die arabischen Sunniten leben eine starke Religiosität!“ Abschließend schwärmte er von der couragierten Predigerin Amina Wadud, die als Beispiel für die Modernität im Islam stehen könne: „Die tapfere Muslima leitete 2005 in New York ein Freitagsgebet!“

Dass dieses Gebet aufgrund von Bombendrohungen in einer anglikanischen Kirche statt finden musste und von mehreren namhaften islamischen Geistlichen aus aller Welt scharf verurteilt wurde, blieb von unserem Islamexperten unerwähnt[39]. Die Afroamerikanerin Wadud ist hingegen vereinzelt der Apostasie bezichtigt beziehungsweise als „Teufelin mit Kopftuch“ bezeichnet worden[40]. Es mag sein, dass Frau Wadud ihr Anliegen ernst nimmt oder auch nicht, hier auf dem Islamseminar in Deutschland wurde die Dame schlicht missbraucht, um wider besseres Wissen eine angebliche Toleranz des Islam zu behaupten.

Noch zu der vierjährigen Tochter des gerade beschriebenen Referenten. Hoffentlich darf das Mädchen auch künftig zu Papier und Stift greifen, um schöpferisch tätig zu sein, sich visionär etwas auszumalen und ihr eigensinniges Bild von der Welt darzustellen.

Ümmühan Karagözlü, Jacques Auvergne



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