Archiv für Februar 2009

102. Kirche managt Islambeschönigung

28. Februar 2009

الولاء والبراء

»al-walā’ wa-l-barā’a«

Affection and aversion, love

and hate for Allah`s sake.

Diesen bist du mitverpflichtet, von

jenen hast du dich abzusondern

Lieben für Allah –

Hassen für Allah

Von Jacques Auvergne

Islam spaltet Integration. Dazu ist er schließlich erfunden worden. Muslimas dürfen sich nicht in die bevorrechtigte Sphäre der männlichen Muslime integrieren, sittlich minderwertige Nichtmuslime nicht in die Zone der Rechtgläubigen. Diese heilige Apartheid der Geschlechtsklassen und Religionskasten ist von keinem Geringeren als Allāh gestiftet worden, jedenfalls von seinem Aktivisten Mohammed. Islam ist antisozial nach außen und nach innen frauendiskriminierend, verhindert als unkreativ und imitierend (taqlīd) persönliche Autonomie, freies Denken und nennenswerte Wissenschaft. Islam betrachtet Gesellschaftskritik und freien Journalismus nahezu als Gotteslästerung, will militärisch expandieren und, im Machtbereich, zunehmenden politreligiösen Totalitarismus kultivieren.

Die sehr säkular zu denkende kulturelle Moderne universeller Menschenrechte hat nun allerdings ein Problem. Das Konzept Islam ist wesensgemäß antiintegrativ. Die Moderne muss Integration wollen und kann sich schariatische Sonderrechtlichkeit islamisch befreiter Zonen nicht leisten, ohne die mühselig errungene Gleichberechtigung von Frau und Mann oder ohne den Begriff von der absoluten Würde des – jedes – Menschen einer anfallsweise jähzornigen und grundsätzlich unberechenbaren Gottheit zu opfern.

Mehrere islamisch völlig selbstverständliche Werte sind es also, die in einer freiheitlich-demokratisch bleibenden Zukunft durch Europas Muslime künftig aufgegeben werden müssen: Die heiligen Dogmen der Scharia (Pflichtenlehre mit beispielsweise Familienrecht und Personenstandsrecht), der Sunna (Orthopraxie bei permanenter wechselseitiger Verhaltenskontrolle) und der Gehorsam gegenüber den fatāwā (Fatwen; Europäischer Fatwā-Rat, ECFR) sind zu nennen.

Ebenso wird die militante Politreligion auf das Konzept der fitra (Ideologisierung des Leibes und der Natur) sowie tahāra (rituelle Reinheit einschließlich männlicher Beschneidung; anzutrainierender Ekel gegenüber dem und den Unreinen), auf die frauenverachtende Geschlechterideologie einschließlich des Zeichens ordnungspolitischen Herrschaftsanspruchs namens hidschāb (Verschleierung, Kopftuch; islamische Kleidung) verzichten müssen und, last but not least, auf die gewaltsame traditionelle arabisch-islamische Kindererziehung. Solange sich der Islam von diesen geheiligten Ansprüchen nicht trennt, wird er jede (erwünschenswerte) Integration mehr oder weniger bewusst ironisieren, jede kulturelle Moderne (kufr, dār al-harb) mehr oder weniger erfolgreich angreifen, einebnen, wegätzen und beseitigen. Und das alles im Namen der Religionsfreiheit. Beim Wort Religion allerdings wacht die Kirche auf und wittert Pfründe. Ein paar Krümel der Macht werden doch wohl vom Tisch des Kalifen herunter fallen.

Europas Klerus beäugt das gegenwärtige Schauspiel misslingender Integration etwas überfordert. Andererseits gibt es auch in den Kirchen ausgesprochene Islamoptimisten.

Theologe Dr. Krämer ist professionell in der Erwachsenenbildung und Mitarbeiterentwicklung tätig und wird in ländlichen Regionen Süddeutschlands als Fachmann für Literatur aus den islamisch geprägten Teilen der Welt gehandelt. Krämer schreibt am 22. Februar 2009 zu Ümmühan Karagözlü vom Blog Schariagegner, hier eingestellt als Nr. 042. (IKEA kündigt Kopftuchkritiker) sowie zu hier Nr. 043: (Die Schura von Vólos – Europäische Jugendverbände treffen sich mit dem frommen Nachwuchs der Muslimbruderschaft).

Der Standpunkt des Theologen hinsichtlich der allgemeinen Menschenrechte machte uns Sozialpädagogen vorübergehend sprachlos, entweder ist Krämer ein klerikaler Befürworter von Koran, Scharia und Kopftuch oder er hat von diesen Werkzeugen des Kulturrassismus noch nie etwas gehört.

Die hauptberuflich betriebene Islambeschönigung der beiden Großkirchen überrascht uns atheistische oder säkular-religiöse Islamkritiker immer wieder.

Zunächst zum Kopftuch oder Hidschab, Dr. Krämer spricht islamisch korrekt von Bedeckung. Gepfefferte Antwort erhielt Krämer noch am selben Tag von Jacques Auvergne, hier als Baustein 102. Vgl. Erwiderung von Ümmühan Karagözlü an den Theologen, hier als 103.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ja es sollte jeder Frau selbst überlassen sein, ob sie sich bedeckt oder nicht. Zur Intergration trägt die Bedeckung sicher nicht bei. Und manchmal finde ich es fast witzig wenn bedeckte Frauen mit Minirock und hautengen Kleidern durch die Fußgängerzone in unseren Stäcten spatieren.

Sagt nicht der Prophet, Frau solle das bedecken, was zur Sünde reizt? Das sind bei uns nun wirklich nicht die Haare.

Ich finde es spannend, dass eine Entscheidung Muhamads, die seine eigenen Frauen betraf, nun von allen Frauen im Islam geteikt werden soll.

Sind denn alle Propheten-Frauen?

Nichtmal vom Islam gedeckt ist, was da geschieht. Es ist bloß ein patriarchles Übel, das religiös verbrämt wird.

Freundliche Grüße

Dr. M. Krämer

Sehr geehrter Herr Dr. Krämer,

leider liegen Sie radikal daneben. Das noch so winzige islamische Kopftuch diskriminiert mich (nichtmuslimisch, Schariagegner) als Dhimmi, als unsittlichen Menschen zweiter Klasse. Antisemit und Terrorversteher Yusuf al-Qaradawi fordert, auch Sie benutzen dieses beschönigende und irreführende Wort, die ‘Bedeckung’, bis auf Hände und Gesicht. Burka ist ein textiles Gefängnis, und doch wird sie (niqab, parda, abaya, tschador) mit Androhung vor der Strafe ewiger Verdammnis angedrillt oder vielmehr (arabisches Erziehungsprinzip: Außensteuerung …) angeprügelt.

Nein, es sollte nicht jeder Frau überlassen sein, ob sie sich im Einklang mit der schafiitischen Rechtsschule nachträglich beschneiden lässt oder die selbe Genitalverstümmelung, die, wie Sie sicherlich wissen, auch von Geistlichen der Kairoer al-Azhar verteidigt wird (islampädagogisch immer wieder unterstützt von der Muslimbruderschaft), an ihrer Tochter durchführen lässt.

Hat der vielleicht ja schlicht anmaßende und selbsternannte Prophet überhaupt gelebt? Herr Dr. Krämer, Sie sprechen von einer mythischen Figur – wir können uns ganz ernsthaft darüber unterhalten, ob es wirklich ein Chinese namens Lao Tse gewesen ist, der das (lesenswerte) Buch Tao Te King schrieb, wir können diskutieren, ob indianischer Schamanismus rascher und nachhaltiger zu einem Heil-Werden oder gar Heil-Sein führt als die reaktionäre Salafiyya mit ihren nachempfunden mittelalterlichen Textilien oder das Pfründe-Denken und Hofschranzentum der heutigen Wahhabiyya der Wirkmächtigkeit ihrer Petro-Dollars.

Sie hätten schreiben müssen: ‘Der hypothetische Mohammed, legendärer und kultisch verehrter Feldherr’. Sie können in der kulturellen Moderne nicht erwarten, dass es unwidersprochen bleibt, wenn Sie schreiben: ‘Der Prophet’. Denn es befinden sich unter uns auch Nichtmuslime und Ex-Muslime, auch bekennende Christen oder bekennende Atheisten lesen hier mit. Die alle womöglich keinen Wert auf das ‘Prophetentum’ des (mutmaßlichen) Gründers der (wahrscheinlich) inhumanen Theokratie von Medina (vormals Yathrib) legen.

Ihre islamtheologische Kopftuchkritik richten Sie doch bitte an Yusuf al-Qaradawi, an den Vorstand von Milli Görüs bzw. an sein Berliner Pendant Islamische Föderation Berlin und natürlich auch an die schiitischen Ayatollahs in Teheran. Helfen Sie diesen Herren frauenpolitisch ein wenig auf die Sprünge.

Sie sind, sei es eher beiläufig oder recht gezielt, Islambeschöniger, mehr noch: Islamverteidiger (’Verteidiger des Glaubens’). Ich wünschte, Sie würden die säkulare freiheitliche Demokratie gegen die Orthopraxie der Sunna, gegen die ‘ewige und unverhandelbare’ (Mustafa Ceric) Scharia verteidigen. Dazu lade ich Sie ein. Kritisieren Sie – mit mir – den Großmufti von Sarajevo.

Der Nebel des īhām umwölkt jede da’wa.

Nein, ich widerspreche Ihnen. Das islamrechtliche Kaufobjekt, von der nikkah, Imam-Ehe haben Sie gewiss gehört, das entwürdigte und unterdrückte, nach Maßgabe des Beutemachens und Tochtertauschens zwischen den patriarchalischen islamischen Clans überreichte Wesen beziehungsweise die eroberte Nichtmuslima, Kinder sind Muslime und gehören nach der Scharia dem Vater (Aufenthaltsbestimmungsrecht), diese Frau trifft keine freie Entscheidung über ihre Biographie.

Die dem orthodoxen (politischen) Islam unterworfene Frau hat keine wirkliche Kompetenz, zu entscheiden, ob sie ihre awrah (aura), ob sie den ‘Schambereich’ des ideologisierten Leibes bedeckt und wie sehr und wie lange. Kopftuch ist der erhobene Zeigefinger der hisba (hisbah), der ordnungspolitischen Schariatisierung (Europas, Deutschlands). Kopftuch ist der stumme Schrei: ‘Ich bin keinesfalls lesbisch und ein schwuler Sohn wäre mir und Allah ein Gräuel’.

Verteidigen Sie die Imam-Ehe (potentiell polygam) und das frauenentwürdigende und frauenentrechtende Familienrecht der Scharia (vom Strafrecht nicht zu sprechen)? Behaupten Sie, es gäbe im deutschen Sprachraum keine Mädchen und Frauen, denen das Kopftuch oder der hidschāb aufgezwungen worden ist und der Bräutigam gleich mit?

Ein wirksamer rhetorischer Trick der Islamisten, ‘aus eins mach zwei’, einen totalen Komplex (Politreligion, Kerker des Wohlverhaltens und der Bedarfsweckung auf den jenseitigen Platz im zu erspinnenden Paradies) in zwei Bereiche oder vielmehr Begriffe zu trennen: Einmal sagen Religion, ein anderes mal Tradition … je nach Bedarf … um dann, ohne rot zu werden, ‘aus zwei mach eins’, von ‘islamischer Tradition’ zu sprechen. Je nach Bedarf. Wo ist die Kugel, sagt der Hütchenspieler, unterm Hütchen Religion oder unterm Hütchen Tradition? Inschallah unterm Doppelhütchen Islam, guckstu.

Der territorialdominante, fundamentalistische Islam ist eine sehr flexible (taqiyya), sehr soziale (kulturrassistische), sehr ganzheitliche (Kalifat) Religion. Es kann einen anderen Islam geben und es muss uns darum gehen, ob Nichtmuslime oder Muslime, ihm Geltung zu verschaffen: Ohne Scharia-Doktrin und Sunna-Zwangshandeln, ohne fiqh (Scharia-Gerichtshöfe) und ohne Pflicht zur … ‘Bedeckung’.

Wie Sie sehen, stimmen wir weltanschaulich und politisch sogar ein klein wenig überein, doch es könnte und ich meine es sollte etwas mehr sein.

Bekennen Sie sich gegen das, was Sie heute noch – schariakompatibel – verteidigen: Den hidschāb, das Kopftuch.

Mit freundlichen Grüßen

Jacques Auvergne

In seinem zweiten Kommentar zur von mir bedauerten Zusammenarbeit europäischer kirchlicher Organisationen der Jugendarbeit mit Abgesandten des Umfelds der radikalislamischen Muslimbruderschaft schlug der Globalisierungskritiker und Erwachsenenbildner einen ausgesprochen vorwurfsvollen Tonfall an, verzichtete jedoch der Einfachheit halber auf irgendwelche Begründungen und fordert stattdessen den entgrenzten Dialog. Alles andere würde zu Religionskriegen führen.

Was zu befürchten war. Schließlich verwendete der Kommentator, rechtens oder nicht, Name und E-Mail eines Akademikers und Referenten für kulturelle und politische Bildung aus der süddeutschen kirchlichen Bildungsarbeit für Erwachsene, von der wir gerne ein Wort der Distanz zur Scharia vernehmen würden, etwa zum radikal antimodernen Vorschlag von Professor Christian Giordano („Rechtspluralismus – ein Instrument für den Multikulturalismus?“), der ethnoreligiös definierte, segregierte Rechtssprechung (Scharia-Gerichtshöfe) fordert[1]. Oder zum gleichgerichteten Vorschlag von Erzbischof Rowan Williams[2].

Der kulturelle und politische Bildungsverbreiter schweigt zu universellen Menschenrechten, beispielsweise zu Frauenrechten in Alltag und Theologie des heutigen Islam, zu Rechten für Bahá’í, Juden, Christen oder Atheisten in islamisch dominierten Gebieten (Ägypten, Irak, Pakistan) oder zur Lebensqualität von bekennenden Ex‑Muslimen in Europa. Sorgen macht mir die ungute Ahnung, dass eine Haltung derartig entgrenzter Toleranz, unter Kirchenleuten verbreitet ist. Ob das den orthodoxen das heißt politischen Islam auf Kosten der freiheitlichen Demokratie begünstigen könnte?

Sehr geehrte Damen und Herren,

selten habe ich einen Artikel gelesen, der so von Unsachlichkeit und Emotion geprägt war. Fakten lassen sich aufzählen und sprechen für sich. Sie bedürfen dann kines Kommentars.

Als Europäer, die durch den Prozess der Aufklärung gelaufen sind, bleibt uns nichts anderes als unsere Form der anderswo unbekannten Reflexion einzusetzen. Wir hatten genügend Religionskriege. Das hat uns gereicht. Wir müssen – und das scheint mir hier ein Problem zu sein – nicht wieder zu Religionskriegen blasen.

Wir schaffen den Dialog – übrigens auch mit Fundamentalisten – nur, wenn wir diese Form der europäischen Identität nicht verleugnen.

Und christlichen Fundamentalismus, qwie er mir in dem obigen Artikel entgegen kommt, verachte ich nicht weniger als muslimischen.

Im übrigen kommen in den USA mehr Menschen durch christlichen Fundamentalismus um als durch islamischen.

Freundliche Grüße

Dr. theol. M. Krämer

Sehr geehrter Herr Dr. theol. Krämer,

ich bitte Sie um ein öffentlich vernehmbares, deutliches Wort des Bekennens gegen den demokratiegefährdenden, ordnungspolitischen Anspruch der vormodernen Scharia, gegen die schariatische und frauenfeindliche Institution der Imam-Ehe.

Ich frage mich, ob Sie zum ersten Mal von FEMYSO, EYCE und Muslimbruderschaft gehört haben – mir will es so scheinen.

Falls Sie jedoch al-Bannā und Qutb und al-Qaradāwi etwas genauer kennen, sagen Sie doch bitte öffentlich vernehmbar etwas gegen die islamische Theologie dieser Herren – und gegen die frauendiskriminierende und in Teilen grundrechtswidrige Theologie der al-Azhar gleich mit. Von einem – von meinem – Seelsorger darf ich solches erwarten, jedenfalls erhoffen.

Kennen Sie die Unterschiede zwischen der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 und der Kairoer Erklärung der Menschenrechte? Wie weit, sehr geehrter Herr Dr. Krämer, wie weit geht Ihr ‘toleranter Dialog’ mit dem orthodoxen (politischen) Islam?

Ich beginne zu ahnen, dass Sie Ihren christlich-islamischen oder interreligiösen Dialog zwar in Ihrem eigenen, nicht aber in meinem Namen betreiben. Und doch ermutige ich Sie, weiterzumachen! Denn nur gemeinsam und gemeinsam mit vielen anderen Menschen jeder Religion oder Ex-Religion oder Nichtreligion werden wir das Zwielicht und den Nebel lichten helfen, der den Fiqh-Islam und den Scharia-Islam umgibt.

Ex-Muslime sollten Sie einmal kennen lernen, es lohnt die Mühe sehr. Sagen Sie uns ein Wort zum neuen islamistischen Antisemitismus und alten koranisch-schariatischen Antijudaismus! Äußern Sie sich gegen Theorie und Praxis von Apostasieverbot (Apostatenmord), dhimma (Dhimmitude) und dschihād!

Und selbstverständlich haben sich unsere Bemühungen um die kulturelle Moderne auch zu richten gegen christlichen Fundamentalismus (Kreationismus, theologisch/theokratisch begründete Homosexuellenfeindlichkeit, christlichen Antijudaismus, gewalttätige Abtreibungsgegner), gegen Hindu-Fundamentalismus (Kastensystem, Misogynie), Sikh-Fundamentalismus (Zwangsehen) und Jesidentum (Steinigungen) – Sie rennen da die sprichwörtlichen offenen Türen ein.

Von Islam haben Sie – mit Verlaub – keine Ahnung.

Mit freundlichen Grüßen

Jacques Auvergne


101. Geheiligtes Herabwürdigen als Schulfach?

26. Februar 2009

Islamischer Religionsunterricht an öffentlichen Schulen fördert Rechtsspaltung und grundrechtsfreie Parallelgesellschaften

Ein Zwischenruf von Ümmühan Karagözlü aus Anlass des Kommentars von Irem auf den Textbaustein 081 beim Blog Sägefisch[1]

irem sagt am 24. Februar 2009

Hallo, ein islamischer Religionsunterricht an unseren Schulen ist längst überfällig und muss genauso behandelt werden, wie ein christlicher oder jüdischer Religionsunterricht (s. Grundgesetz!). Ich kann Ihren Ausführungen in keinster Weise folgen. Versetzungsrelevaz muss ebenso gleichberechtigt gehandhabt werden, wie ein christlicher und jüdischer Religionsunterricht. Da ich in der Zeitung gelesen habe, dass der alevitische Religionsunterricht an den Schulen schon anerkannt ist, frage ich Sie, wie dieser Religionsunterricht denn überwacht wird? Fundamentalisten und konservative Religionslehrer gibt es in allen Religionen, in den christlichen ebenso wie in den jüdischen und islamischen. Aber behandelt werden müssen alle Religionen gleichwertig. Und – da sind sich alle, die mit Schule und Religion zu tun haben, einig – es MUSS ein ebenso anerkannter islamischer Religionsunterricht an die Schulen, wie der Unterricht von allen anderen Religionen. Alles andere wäre ebenso undurchsichtig, wie all die sog. “Hinterhofmoscheen”.

Es ist immer wieder erstaunlich, dass für die meisten öffentlich bekennenden Muslimas und Muslime das Grundgesetz aus nur zwei Artikeln zu bestehen scheint, nämlich Artikel 4 und Artikel 7 GG.

Davon, dass selbst die Grundrechte nur innerhalb eines bestimmten Rahmens gelten und ihnen dort Grenzen gesetzt sind, wo Grundrechte Dritter oder andere Grundrechte berührt oder verletzt werden, haben diese Bürgerinnen und Bürger anscheinend noch nie etwas gehört. Dass bei einer solchen Kollision von Grundrechten eine Abwägung von Rechtsgütern stattfindet, in deren Folge ein Grundrechtsanspruch eingeschränkt wird, wissen sie nicht. So ist ihnen das Grundrecht der negativen Religionsfreiheit entweder gänzlich unbekannt oder sie ignorieren und verdrängen dieses Wissen schleunigst.

Politik oder Staatskunde gehört im Allgemeinen nicht zu den leistungsstarken Schulfächern deutscher Schülerinnen und Schüler, aber wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

In Artikel 7 heißt es: Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes (Art. 7 Abs. 1) wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Die Damen und Herren des Parlamentarischen Rates, die 1949 mit der Ausarbeitung einer Verfassung für die westlichen Besatzungszonen beauftragt wurden, dachten dabei jedoch im Wesentlichen an die beiden Großkirchen und den christlichen Religionsunterricht.

Nach langem, teilweise erbittertem Kampf hatten die Führungsspitzen der Katholiken und Protestanten das Verfassungsprinzip der Säkularität (Trennung von Staat und Kirche) anerkannt, sich zur Gleichberechtigung und Gleichstellung aller Menschen nach Artikel 3 GG bekannt das heute auch ein Diskriminierungsverbot der sexuellen Orientierung ausdrücklich einschließt. Gleichzeitig wurde das Machtmonopol der beiden Religionsgemeinschaften, das neben rein religiösen Angelegenheiten auch die Lebensgestaltung der Menschen und die Politik wesentlich prägte, weitgehend auf den kirchlichen Einflussbereich beschränkt. Einer staatlichen Anerkennung als Körperschaft des Öffentlichen Rechts stand daher kein Hindernis im Weg.

Diesen Entwicklungsschritt, sich zum Grundgesetz der Bundesrepublik und zu den universellen Menschenrechten zu bekennen, haben die muslimischen Verbände noch nicht vollzogen. Im Gegenteil: Zugeständnisse, die während der Deutschen Islamkonferenz (DIK) in Arbeitsgruppen ausgearbeitet wurden, wurden beispielsweise vom Islamrat später wieder zurückgezogen. Keine der vielen muslimischen Gruppierungen, mit Ausnahme der Aleviten ist daher staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft. An diese angestrebte Rechtsform der Körperschaft des Öffentlichen Rechts sind eine Menge begehrter Privilegien gebunden, die Organisationen auch nur dann zustehen sollten, wenn der Staat beziehungsweise dessen beauftragte Kontrollbehörden von deren absoluter Gesetzes- und Verfassungstreue überzeugt sind. Das ist bei den Zusammenschlüssen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden sicher nicht der Fall. Berechtigte Zweifel bestehen jedoch auch bei anderen muslimischen Vereinigungen, wie die allgegenwärtige Problematik von Zwangsverheiratung, familiärer Gewalt vor allem an Frauen und Kindern, Vergewaltigung in und außerhalb der Ehe zeigt. Weitere Barrieren bilden Fundamentalisierung, Bildungsverweigerung und Ablehnung der deutschen Sprache sowie Umgang mit Apostatinnen und Apostaten, Kritikerinnen und Kritikern. Das Prinzip »al-walā’ wa-l-barā’a« (Verpflichtung zur blinden intermuslimischen Solidarität bei Meidung der Nichtmuslime und ihres Verhaltens), bzw. »hisba« (Mitverpflichtung zur lokalen Umsetzung von Sunna und Scharia) fördert Integrationsresistenz und Tendenz zur Abschottung in grundrechtsfreie Parallelwelten.

Der Islam ist tatsächlich eine tolerante Religion, jedoch nur für die Glaubensgeschwister oder Nicht-Muslime, die sich den Regeln von Koran, Scharia und Sunna unterwerfen, beziehungsweise seinen politischen Forderungen und dem Zwang zum Dialog nach muslimischen Regeln. Alle anderen müssen um ihre universellen Menschenrechte, ihre Lebensqualität, ihre Gesundheit und ihr Leben fürchten.

Als türkischstämmige Sozialpädagogin und säkulare Muslima in der Mädchenarbeit und in der sozialpädagogischen Lernförderung von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund kenne ich mich mit dem Alltag an deutschen Schulen sehr gut aus. Daher widerspreche ich ihnen aufs Schärfste. Keinesfalls sind alle, die mit Schule und Religion zu tun haben, der Meinung, der bekennende Islamunterricht als ordentliches Lehrfach sei ein MUSS. Sie halten den Islam, der in verschiedene Rechtsschulen zerfallen und in unterschiedliche Moscheevereine, muslimische Verbände und Gruppierungen aufgesplittert ist, von der aber keine behaupten kann, für die Gemeinschaft der Muslime zu sprechen, zurzeit für nicht schulfähig. Anders als von den Vertreterinnen (?) und Vertretern des Verbandsislam immer wieder behauptet und von der Presse dienstbeflissen ständig falsch wiederholt und weiterverbreitet, hat es auf der Islamkonferenz keinen einvernehmlichen Beschluss gegeben, bekennenden Islamunterreicht einzuführen.

Als Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen fühlen wir uns dem Menschenbild des Humanismus und den Werten und Normen der Aufklärung verpflichtet. Wir wollen Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, mutig ihren eigenen Verstand zu nutzen, um ein immer neu zu bearbeitendes, kritisches Verständnis von Kultur und Menschheitsgeschichte sowie von der biologischen und physikalischen Natur der Welt zu entwickeln. Mädchen wie Jungen sollen zu demokratischen Persönlichkeiten heranwachsen, die ihre Grundrechte kennen und jedem Fundamentalismus gegenüber immun sind, die sich selbstbewusst einmischen und kritisch Stellung nehmen. Wir Pädagoginnen und Pädagogen wollen dazu beitragen, dass sie das Rüstzeug haben, sich in einem ihren Neigungen, Fähigkeiten und Wünschen entsprechenden Berufs- und Privatleben verwirklichen zu können. Wir stellen ihnen Lernräume zur Selbstentfaltung und Selbsterprobung zur Verfügung, schützen sie vor Ausgrenzung und leiten sie an, sich zu selbstbewussten, lebensfrohen Persönlichkeiten zu entwickeln, die bereit sind, sich am Unterricht aktiv und interessiert zu beteiligen und sich voll Zuversicht auf den nächsten Tag und die fernere Zukunft einzulassen.

Lerninhalte von Koran, Sunna und Scharia sind jedoch nicht mit der FdGO kompatibel und widersprechen den genannten Bildungszielen öffentlicher Schulen teilweise diametral[2], [3]. Ein schriftlich fixiertes und gegengezeichnetes klares, unwiderrufliches Bekenntnis zu den universellen Menschenrechten und zur FdGO, unter besonderer Berücksichtigung der Gleichberechtigung der Geschlechter, der negativen Religionsfreiheit, der Meinungsfreiheit auch in religiösen Angelegenheiten und der sexuellen Selbstbestimmung sowie koedukativer Unterricht wären Grundvoraussetzungen, auf denen auch der islamische Religionsunterricht fußen müsste. Ein differenziertes Überwältigungsverbot, das auch die freiwillige Teilnahme am RU umfasst sowie das Kopftuchverbot zumindest für Lehrerinnen wären sehr wichtig. Jeglicher Konformitätsdruck auf die meist noch minderjährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie deren Familien muss vermieden werden. Auch ein Mobben von säkularen Glaubensschwestern, die sich nicht der strengen Orthopraxie des Islam unterwerfen und ein Ausgrenzen von Nicht-Musliminnen, bezeichnenderweise werden Schüler beider Gruppen meist in Ruhe gelassen, muss verhindert werden. Bekennender Religionsunterricht sollte niemals versetzungsrelevant werden oder den Notendurchschnitt beeinflussen.

Kinder und Jugendliche haben das Recht, soviel und solange wie möglich an allen staatlichen Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten der Schulen und öffentlichen Einrichtungen teilzuhaben. Nur wenn sie sich ohne Bevormundung und Eingrenzung durch religiöse Vorschriften entwickeln, werden sie verantwortungsbewusste und teilhabende Mitglieder der Gesellschaft werden können. Gänzlich kopftuchfreie Schulen, auch für Schülerinnen wären ideale Lern- und Experimentierfelder des freien und geschützten Erarbeitens von Gender-Rollen und Handlungsspielräumen, die gerade den Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden aus konservativen Familien mit muslimischem Migrationshintergrund sowie zum Islam konvertierten autochthonen Eltern ansonsten gänzlich fehlen würden. Das Recht auf Schulbildung hat Vorrang vor der Religionsfreiheit der Eltern.

Anders als vielfach behauptet bevorzugen viele Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern einen verpflichtenden Ethikunterricht als ordentliches Lehrfach[4]. Ich empfehle Ihnen den Artikel von Alan Posener aus der gestrigen WELT[5].

Ümmühan Karagözlü


100. Rheinland-Pfalz hat immer noch kein Gesetz gegen das Lehrerinnenkopftuch

21. Februar 2009

100

Offener Brief

Speyer, Februar 2009[1].

Schülerinnen am Speyer-Kolleg protestieren dagegen, von einer Lehrerin unterrichtet zu werden, die ein politreligiöses Kopftuch trägt[2]. Unmittelbar vorausgehend war diese Lehrerin vom Eleonoren-Gymnasium Worms aufgrund eben ihres Kopftuchs abgewiesen worden. Die zuständige Behörde für den Einsatz von Lehrpersonal an staatlichen Schulen in Rheinland-Pfalz, der in Trier ansässigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) versetzte die Kopftuchträgerin von Worms nach Speyer. Zivilcouragierte Schülerinnen protestieren wollen nicht von einer Pädagogin in den Fächern Deutsch und Sozialkunde unterrichtet werden und verfassen einen lesenswerten offenen Brief.

Der CDU-Landtagsabgeordnete für Speyer, Dr. Axel Wilke, kritisiert das Fehlen einer gesetzlichen Regelung zum Lehrerinnenkopftuch[3] in Rheinland-Pfalz[4]. Dieses Blog dankt den demokratiebewussten Schülerinnen, möchte sie gerne ermutigen und unterstützen und weist auf ein Positionspapier hin, das sogar das Schülerinnenkopftuch als problematisch und diskriminierend darstellt; vielleicht sind einige Argumente von Nutzen, insbesondere das einstige Urteil gegen einen Bhagwan-Lehrer, dem es vor vielen Jahren vom Bundesverwaltungsgericht untersagt wurde, in seiner roten Sektenkleidung zu unterrichten[5].

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten Sie im folgenden Sachverhalt um Unterstützung ersuchen. An unserem Kolleg ist während des laufenden Schuljahrs eine Lehrerin versetzt worden, die aus religiösen Gründen auf das Tragen des Kopftuchs besteht. Wir lehnen das Verhalten der Lehrerin aufgrund der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2003 ab. In dem Urteil wird ausdrücklich auch auf die Wahrung der negativen Religionsfreiheit Bezug genommen und die Landesregierungen dazu aufgefordert, entsprechende klärende Gesetze zu erlassen.

Unser Ersuchen lautet daher wie folgt:

1. Bewahrung unseres Grundrechts auf negative Religionsfreiheit.

2. Eine landesrechtliche Umsetzung der Vorgaben des BVerfG.

3. Entfernung der betreffenden Lehrerin von der Schule, sofern diese nicht bereit ist, auf das Kopftuch zu verzichten.

4. Gewährleistung eines Schutzes vor Mobbing, Bedrohungen und anderen Repressalien.

5. Klärung des Sachverhalts, warum die Polizei hinsichtlich gegenüber uns ausgesprochener Drohungen, keine Strafanzeige trotz entsprechender Aufforderung aufnimmt.

Die betroffene Schülergruppe des Speyer-Kolleg.


099. Nürnberg wirbt für die geheiligte Frauenentrechtung

18. Februar 2009

Grenzenlose Toleranz

Das Nürnberger Burka-Plakat

Offener Brief an die Verantwortlichen der Stadtverwaltung Nürnbergs

17. Februar 2009

Willkommen in Nürnberg, der Stadt des Friedens und der Menschenrechte? Doch wohl eher ‚Stadt der grenzenlosen Toleranz’, des ‚anything goes’ oder des ‚Mach was du willst, aber lass mich in Ruhe’.

Diesen Eindruck könnte man jedenfalls haben, wenn man sich das neue Werbeplakat ansieht, das wenige Wochen nach dem 60. Jahrestag der Erklärung der universellen Menschenrechte bis zum Sommer 2009 für die ehemalige Reichs- und Kaiserstadt Nürnberg wirbt. An Bushaltestellen, im Bahnhof und sonstigen zentralen Plätzen und beliebten Treffpunkten angebracht, soll das Plakat die fränkische Metropole als lebenswerte, weltoffene Stadt präsentieren, in der nicht nur Bewohner unterschiedlichster Herkunft friedlich miteinander leben, zusammen arbeiten und ihre Freizeit gestalten, sondern auch Touristinnen und Touristen aus aller Herren Länder willkommen sind, um Nürnberg als Kulturstadt und internationales Messe- und Kongresszentrum kennen zu lernen.

Ist es dazu jedoch nötig, internationale Besucher mit einem Werbefoto willkommen zu heißen, auf dem in der Mitte einer multikulturell bunt zusammen gewürfelten Menschengruppe eine Frau in einer wachsgrünen Burka abgebildet ist?

Menschen aus aller Welt als bunte Comic‑Figuren abbilden, die den Eindruck erwecken, sie seien Statisten eines lustigen Werbefilms, und, Simsalabim, haben wir den Beweis: Nürnberg muss das multikulturelle Eldorado für Gäste aus aller Welt sein, in dem jedes Tierchen sein Pläsierchen haben kann, jeder nach seiner Fasson selig wird. Die Bürgerinnen und Bürger, die Touristinnen und Touristen sind jedoch keine kreativen Phantasiefiguren oder Laienschauspielerinnen und ‑schauspieler, sie sind Menschen aus Fleisch und Blut. Das Leben ist für Burkaträgerinnen kein lustig bunter Comic.

Dieser Stoffsack mit Sehfeld ist das Symbol für Frauen verachtende, patriarchalische, polygame Gesellschaften, deren Frauen und Mädchen gezwungen werden, als minderwertige Menschen ohne Gesicht, Profil und Würde über die Straßen, Wege und Plätze zu huschen. Der vollverschleierten Frau hat die Grafikerin bewusst oder unbewusst als einziger getuschte Wimpern ins Gesicht gemalt, um der Figur wenigstens eine Spur von Weiblichkeit und menschlichem Ausdruck zu geben.

Als ehemaliger Sitz und ‚Veranstaltungsort’ der Reichsparteitage der NSDAP, der siebte nannte sich Reichsparteitag der Freiheit und verabschiedete einstimmig die Nürnberger Rassegesetze, war die fränkische Stadt eine Hochburg des menschenverachtenden Terrorstaates Hitlers und Gerichtsort für die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse. Überlebende der zwölfjährigen Schreckensherrschaft sehen Nürnberg daher als ein Symbol für den Aufstieg und den Niedergang des Dritten Reiches. Diesem düsteren Kapitel ihrer Geschichte wollten sich die Nürnberger bewusst stellen und vor allem die junge Generation über politische Voraussetzungen, Denk- und Verhaltensmuster sowie Zielsetzung und Auswirkungen des totalitären nationalsozialistischen Herrschaftssystems aufklären.

Das Dokumentationszentrum mit seiner Dauerausstellung, die Straße der Menschenrechte, die alle zwei Jahre stattfindende Verleihung des Nürnberger Menschenrechtspreises, die Einrichtung des ersten kommunalen Menschenrechtsbüros Deutschlands und die jährliche Ausrichtung der internationalen Menschenrechtskonferenz, einer mit Experten aus aller Welt besetzten Tagung, sind tatsächlich beachtenswerte Beiträge für aktive Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit und anerkennenswertes Engagement für Frieden und Menschenrechte. Nürnberg erhielt berechtigterweise für diesen Einsatz den UNESCO-Preis für Menschenrechtserziehung und ließ auch nach der Auszeichnung in seinen Bemühungen nicht nach[1].

So traf sich im November 2002 die Deutsche UNESCO-Kommission zu ihrer 62. Hauptversammlung unter dem Motto Schutz der Menschenrechte – Dialog der Kulturen, in deren Verlauf die Nürnberger Erklärung[2] verabschiedet wurde. Kernaussage dieser Resolution ist die Feststellung, dass es nach den Terroranschlägen des 11.09.2001 mehr denn je gelte, jedem Versuch entgegenzutreten, dem Individuum, sozialen Gruppen oder Völkern überkommene oder von außen auferlegte Identitäten und Orientierungen aufzuzwingen. Die Grenzen des Pluralismus seien dort überschritten, wo Menschenrechte missachtet und ignoriert werden. Es sei eine Schlüsselfrage für fast alle Gesellschaften geworden, “ob und wie weit es ihnen gelingt, mit kultureller Vielfalt nicht nur zu leben, sondern sie für ihre weitere Entwicklung zu nutzen. Engagement für die in den Menschenrechten verankerten Werte der pluralistischen Demokratie ist die Antwort auf Fundamentalismen jeder Art und daher geeignet, dem Terrorismus den Nährboden religiöser oder kultureller Motive zu entziehen.”

Die Burka ist als extrem‑orthodoxes, islamisches Gewand und als Symbol für Frauen verachtende, patriarchalische und polygame Gesellschaften von der UNO geächtet. Burka-Trägerinnen wird in Frankreich die Einbürgung verweigert, weil sie nachweislich die in der französischen Verfassung festgeschriebenen Werte und Normen ablehnen und mangelnde Bereitschaft zeigen, sich in diese demokratisch-laizistische Gesellschaft zu integrieren[3].

Wie die überwiegend negativen Reaktionen auf das Plakat zeigen, wird die Stadtreklame von den meisten Einheimischen, Besucherinnen und Besuchern und sonstigen Interessierten als falsches Signal an Touristinnen und Touristen wie auch Bürgerinnen und Bürger interpretiert, das Nürnberg ganz anders als beabsichtigt, als Stadt der entgrenzten Toleranz, der Ignoranz, der ’Not In My Back Yard’ Mentalität präsentiert.

So hätten Französinnen und Franzosen wohl kaum Verständnis für eine solche Selbstdarstellung und Eigenwerbung. Säkulare Muslimas und Moslems wie die Vorsitzende des deutsch-türkischen Frauenclubs Nordbayern lehnen das Werbeplakat entschieden ab[4]. Aus geschlechtsspezifischen Gründen in ihrem Geburtsland diskriminierte und verfolgte Opfer von Scharia und misogynem Politislam würden sich sicherlich nicht in einer Stadt willkommen fühlen, deren Verantwortliche in Verwaltung, Kirche, Gewerkschaft und Politik gegen jegliches besseres Wissen und eindeutige Forschungsergebnisse weiter am Multi-Kulti-Irrtum festhalten und kulturrelativistisches Laissez Faire propagieren.

Was würde die afghanische Frauenrechtlerin Jamila Mujahid, die für Gleichberechtigung kämpft und selbst keine Burka mehr trägt, zu der überzogenen Toleranz der Nürnberger Werbekampagne sagen? Wie denken die Preisträgerinnen und Preisträger des Nürnberger Preises für Menschenrechte, die bislang stolz auf ihre Ehrung sein konnten, über das Werbeplakat?

Die Burka ist, wie jede den ganzen Körper verschleiernde Bekleidung, Stoff gewordene Einzelzelle (Ahadi), die der Frau in der Öffentlichkeit den Mund verbietet. Solche radikalislamischen Gewänder sind eben kein selbst gewählter persönlicher Kleidungsstil. Burka‑Trägerinnen können nicht je nach Lust und Laune in den Kleiderschrank greifen, um aus einer Palette von Röcken, Kleidern, Blusen und Hosen auszuwählen und sich heute für die weit geschnittene Ganzkörperverhüllung zu entscheiden und morgen für die figurbetonte Jeanshose mit sportlicher Bluse. Eine Burka‑Trägerin hat selbst in der Kleiderwahl keine Alternative. Wenn sie es wagt, anders angezogen das Haus zu verlassen, darf ihr Mann sie verprügeln. Der Alltag von afghanischen Frauen unter dem Regime der Taliban, die überall in ihrem Machtbereich der Bevölkerung eine typisch misogyne Gesellschaftsform aufzwingen, in der die Verweigerung der Burka die Steinigung zur Folge hat, wurde durch die ZDF-Dokumentation Im Reich der Finsternis eindrucksvoll dargestellt. Im Malakand, in Chitral, Dir, Buner, Shangla und im Swat-Tal, nicht weit von der pakistanischen Hauptstadt Islamabad entfernt, zwangen die Gotteskrieger vorgestern die Regierung zu dem Zugeständnis, Scharia-Gerichtshöfe einführen zu dürfen. Das Versprechen, die staatliche Armee nicht mehr anzugreifen, werden diese muslimischen Extremisten gerade solange einhalten, wie ihnen die Kampfpause nützt.

Burka und Tschador mit Niqab sind eben keine touristische Attraktion oder Volkstracht wie beispielsweise das bayrische Dirndl. Vielmehr symbolisieren sie das vormoderne, patriarchalische Menschenbild eines extrem orthodoxen, fundamentalistischen Islam, das Männer pauschal als ausschließlich durch ihren Sexualtrieb gesteuerte Belästiger und Vergewaltiger charakterisiert[5], Frauen hingegen nach einem Hadith von Buchari[6] als Wesen mit schwerwiegenden Mängeln diskreditiert. Ihnen fehle es an Religion, weil sie während der Menstruation nicht beten und fasten dürfen. Sie seien teuflisch verführerisch, böse, unrein und würden Zwietracht säen. Ihre Zeugenaussage vor Gericht gilt nur halb so viel, weil ihr Verstand der Einsichtsfähigkeit und Vernunft von Männern unterlegen sei und nicht ausreiche, die Tragweite ihres Redens und Handelns zu durchschauen.

Folgt man der Argumentation in Koran und Sunna, sind Frauen Besitz der Männer, reine Sexualobjekte und zoontjesfabriek, Söhnchenfabrik (Hirsi Ali), die dem Herrschaftsrecht der Männer unterworfen sind. Wegen ihrer moralischen Verwerflichkeit und verruchten, erotisch-verführerischen Ausstrahlung würden sie Männern den Verstand rauben. Sie seien eine ernstzunehmende Bedrohung für die Integrität, die Ehre und den sozialen Status rechtgläubiger Männer und würden durch ihr hinterhältiges, Gemeinschaften spaltendes Wesen den sozialen Frieden der Umma gefährden. Sie sind eine Aurah (Schambereich, Intimbereich, schmutziger Tabubereich), man muss sich ihrer schämen[7]. Wenn die Frau das Haus verlässt, kommt ihr der Teufel entgegen, sie ist Gott Allah am Nächsten, wenn sie das Haus nicht unnötig verlässt, heißt es bei al-Hindi und al-Haithami.

Alle islamischen Gelehrten sind sich einig, dass eine hübsche Frau in der Öffentlichkeit ihr Gesicht zu verschleiern habe (Ghadban). Fremde Menschen welcher Ethnie, welcher Religion oder Nichtreligion auch immer anzusprechen, ist Frauen und Mädchen nur im äußersten Notfall gestattet, irgendein noch so flüchtiger Kontakt mit Männern und Jungen wäre eine schwere Sünde, die körperliche Züchtigung durch den Ehemann und soziale Ächtung durch die Familie rechtfertigen würde. In manchen islamischen Staaten patrouilliert die Sittenpolizei und sanktioniert brutal jeden Verstoß gegen den schariatischen Verhaltens- und Kleidungskodex[8]. Eine immer noch Burka tragende Frau, selbst wenn sie schon einige Jahre in der Bundesrepublik leben würde, könnte somit niemals Touristinnen und Touristen willkommen heißen.

Mit Gesichtsschleier verhüllt und Redeverbot in der Öffentlichkeit belegt in den Deutschkurs, und hinterher vom Ehemann zusammengeschlagen ins Frauenhaus. Ist das die Vorstellung der Herren Norbert Schürgers (Leiter des Amtes für internationale Beziehungen) und Günter Gloser (Staatsminister für Europa) von Gleichberechtigung, Gleichstellung und chancengleicher Partizipation? Die fränkischen Herren Politiker scheint die Aussage der oben erwähnten Nürnberger Erklärung nicht zu kümmern, die ausdrücklich betont, dass sozialer Frieden und Völkerverständigung erleichtert würden, wenn Gesellschaften mehr von einander lernen. Dazu gehöre aber neben der Fähigkeit zur Selbstkritik unbedingt auch die Fähigkeit andere zu kritisieren. Sie weist ausdrücklich darauf hin, wie wichtig es ist, sich jedem Versuch entgegen zu stellen, Einzelpersonen Einstellungen, Verhaltensmuster und Menschenbilder der kulturellen Vormoderne aufzuzwingen, die eben nicht mit einer in den 1948 erklärten universellen Menschenrechten verankerten pluralistischen Demokratie kompatibel sind.

Es ist zwar richtig und realistisch, nicht die Augen davor zu verschließen, dass Frauen und Mädchen in arabischen Ländern und in Nürnberg verschleiert herumlaufen, wie Schürgers sinngemäß feststellt, jedoch nicht, um religiös verbrämte Gender-Apartheid, Verachtung Andersgläubiger, Rechtsspaltung und Parallelgesellschaften als unvermeidliche Auswirkungen der Globalisierung hinzunehmen sowie Menschenrechte und Demokratie den irgendwann wieder florierenden weltweiten Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zu opfern.

Ist es Zufall, dass der Leiter des Amtes für internationale Beziehungen, der das umstrittene Plakat in Auftrag gegeben hat, wie auch Staatsminister Gloser sich für das in Nürnberg geplante Arabische Museum engagieren[9]? Schürgers arbeitet im Vorstand des zukünftigen ’Dialog und Begegnungszentrums’, Gloser sitzt im Beirat des Museumsvereins. Anstatt mit grenzenloser Offenheit, Toleranz und den arabischen Petro-Dollars der zur medizinischen Betreuung nach Nürnberg eingereisten Scheichs angeblich die leeren Haushaltskassen der Stadt zu sanieren, möglicherweise damit neue Arbeitsplätze zu schaffen und eventuell das Wirtschaftswachstum zu fördern, ist es vielmehr von existenzieller Wichtigkeit für einen freiheitlich demokratischen Rechtsstaat, sich für Gleichberechtigung, universelle Menschenrechte, sozialen Frieden und eine lebenswerte Zukunft einzusetzen. Die an die drei Dimensionen des Sozialen, des Ökonomischen und des Ökologischen angepasste Nachhaltigkeitsstrategie umfasst eben auch ständige Demokratisierung und ist mit der Ordnungspolitik des Gottesstaates schlicht unvereinbar.

In Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz wird unmissverständlich beschrieben, wie deutsches Gutmenschentum und seine fatalen Folgen die Talibanisierung ganzer Regionen befördert, die durch ihre bildungs- und wissenschaftsfeindlichen Denk- und Verhaltensmuster der kulturellen Vormoderne zu den ärmsten und besonders für Frauen zu den lebensfeindlichsten Ländern der Welt gehören. Diese Weltgegenden sind gekennzeichnet durch Zwangsverschleierung, Brautkauf oder Tochtertausch als patriarchalischer Heiratsmarkt, hohen Analphabetismus, nicht zu tolerierende Frauen- und Säuglingssterblichkeit[10] sowie durch politische, wirtschaftliche Instabilität sowie fehlende Meinungs- und Pressefreiheit. Für all diese Lebensumstände der halbierten Moderne steht die Burka – auch in Nürnberg.

Burka und Niqab sind keine Privatangelegenheit, sie sind hochpolitisch und antidemokratisch, weil sie Qualitätsstandards der Aufklärung, der Demokratie und der Menschenrechte attackieren und ironisieren, in der Verfassung garantierte Rechtsansprüche nach eigenem Gutdünken legalistisch missbrauchen bzw. verwerfen und Toleranz für diese Geisteshaltung einfordern. Demokratinnen und Demokraten dürfen nicht zulassen, dass Frauen sich ihres Frauseins, ihrer Schönheit und Weiblichkeit zu schämen haben[11]. Wenn das offene Haar und die Schönheit der Frauen Begehrlichkeiten bei den Männern wecken, wäre es besser, den Männern fesselnde Handschellen anzulegen als den Frauen Kopftuch und Burka oder Tschador mit Niqab, so sinngemäß Ralph Giordano 2008 anlässlich einer Podiumsdiskussion.

Es darf nicht sein, dass neo-salafistische Fundamentalistinnen und Fundamentalisten sich anmaßen, bestimmen zu dürfen, wer „Gesicht zeigen“ darf. Wir müssen verhindern, dass mittels islamischer Kleidung mitten im liberal-säkularen Europa ein schariatisches Umweltverändern beginnt, unsere Freiräume und die Kommunikation untereinander einzuschränken.

Für die Glaubwürdigkeit einer Stadt, die sich, ihrer historischen Verantwortung bewusst, in besonderem Maße für die Umsetzung der Menschenrechte im Stadtgebiet einzusetzen verpflichtet fühlt, ist es ein folgenschwerer Fauxpas, mit einer bunt zusammengewürfelten Menschenmenge für multikulturelle Toleranz zu werben, in deren vorderem Zentrum eine Frau mit ausgerechnet dem Gewand bekleidet ist, das weltweit als Symbol für die Unterdrückung und Entrechtung der Mädchen und Frauen gilt.

Sängerinnen und Sänger des Gewerkschaftschores Auftakt trällerten in der Straße der Menschenrechte für grenzenlose Toleranz und multikulturelle Offenheit[12]. ’Mach meinen Kumpel nicht an’ ist ein gewerkschaftlicher Verein, der sich hier in Deutschland seit Mitte der achtziger Jahre gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und für Gleichberechtigung von Migrantinnen und Migranten am Arbeitsplatz einsetzt[13]. Burkaträgerinnen sind weit von jeder chancengleichen Partizipation an Gesellschaft und Arbeitswelt entfernt. Wo bleibt die viel beschworene linke gewerkschaftliche (Frauen)-Solidarität für das Recht dieser Frauen auf eine selbstbestimmte Lebensführung und freie Berufswahl?

Nicht etwa rote Nelken, das traditionelle Symbol der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung[14] verzieren das Plakat, denn um sozialistische oder sozialdemokratische Frauensolidarität ging es hier offensichtlich nicht. Vielmehr wurden Rosen, die im Islam traditionell einen sehr hohen Stellenwert haben, auf dem Werbeträger befestigt. Eine Legende erzählt, die Rose sei aus den Schweißtropfen des Propheten Mohammeds auf seiner Himmelsreise entstanden. Sie gilt als die wahre Manifestation des göttlichen Glanzes des Ganzen, des Vollkommenen[15]. Im Sufi Islam stehen die Dornen dieser Blume für die Scharia, das islamische Gesetz, der Stängel symbolisiert den Weg, die Blüte soll die Wahrheit symbolisieren und der Duft sei ein Sinnbild für Erkenntnis[16]. Schariatisch motivierte Neuorientierung in der Gewerkschaft? Der arbeiterbewegten, politisch interessierten Basis, die das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und die universellen Menschenrechte für unverhandelbar hält, dürfte ein solcher Kurswechsel sehr missfallen.

Die mitzeichnenden Bürgerinnen und Bürger der laufenden bundesweiten Unterschriftenaktion gegen das Nürnberger Plakat, die von der Vorsitzenden des Zentralrats der Ex‑Muslime initiiert wurde, fordern die Frauenbeauftragte Ida Hiller und den Leiter des Menschenrechtsbüros Dr. Hans Hesselmann sowie alle anderen politischen Verantwortlichen dazu auf, sofort dass aktuelle Plakat überall in der Stadt aus Schaukästen und von Werbeflächen zu entfernen und durch einen überarbeiteten oder gänzlich neuen Entwurf zu ersetzen.

Literatur

Ghadban: Das Kopftuch in Koran und Sunna

Badinter, von Dohnanyi, Filter et al.: Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz

SchriftstellerInnen, JournalistInnen, WissenschaftlerInnen wie Elisabeth Badinter schreiben über “den verschleierten Verstand”, Johannes von Dohnanyi über “das Einfallstor Balkan”, Cornelia Filter über “die deutsche Fundi-Connection”, Heiner Geißler über “den Ursprung der Frauenfeindlichkeit”, Prof. Wilhelm Heitmeyer über “die verpasste Integration”, Robin Morgan über “die Symbiose von Männlichkeit und Terrorismus”, Prof. Bassam Tibi über “die deutsche Fremdenliebe”, Gabriele Venzky über “die Talibanisierung Vorderasiens” (Kurzbeschreibung Amazon)


098. Institut für interreligiöse Pädagogik und Didaktik

8. Februar 2009

097

رابعة

Rābi’a,

weiblicher Vorname arabischer Herkunft mit der Bedeutung

rābi`a »die Vierte« für die vierte Tochter oder aber als

weibliche Form zu rab`ī »zum Frühling gehörend«

»Die Komplementarität der Religionen«

Kölns erster Lehrstuhl für heilige Segregation.

Von Jacques Auvergne

Institut für interreligiöse Pädagogik und Didaktik (IPD) nennt sich eine in Köln gelegene Einrichtung, die beansprucht, die regelmäßig misogyne und zumeist extrem dualistische Weltdeutung des Islam unseren gelehrigen Lehrerinnen und Lehrern staatlicher Schulen verständlich zu machen, zugleich und zeitgleich mit der Vermittlung des gleichnamigen, tausend Jahre alten herrschaftspolitischen Kultes (Scharia). Im Namen steht nicht islamisch, sondern interreligiös.

Das IPD will nicht nur Muslime ansprechen, die interreligiöse Pädagogik der Scharia erklärt selbst den ungelehrigen Nichtmuslimen die Welt des Erzieherischen aus Allahs ewiger Perspektive. Lassen wir das IPD dozieren:

Das Institut für Interreligiöse Pädagogik und Didaktik wurde mit der Zielsetzung gegründet, Beiträge zu inhaltlichen und strukturellen Fragen zum Thema Bildung und Erziehung zu leisten.

Wir verstehen uns einmal als Forschungsinstitut, an dem wissenschaftliche Arbeit zur Lösung von Fragen im Bereich der Erziehung erbracht wird und zum anderen die erbrachten Ergebnisse in die Praxis umgesetzt werden.

Kein kleiner Anspruch. Ob jemand am IPD Pädagogik studiert hat? Ein Psychologe, Soziologe oder Islamwissenschaftler wäre auch gut.

Das IPD hat einen eigenen pädagogischen Ansatz erarbeitet, der auf globalen Denkstrukturen beruht. Wissen und Information wird nicht separatisiert verabreicht, sondern in einen Gesamtzusammenhang gestellt. Der Unterricht und die Materialien sind handlungsorientiert konzeptioniert.

Scharia firmiert unter Ganzheitlichkeit, der Drill und das geradezu zwanghafte Wiederholen islamischen Wohlverhaltens (Sunna als eine Orthopraxie) sei handlungsorientiert. Etikettenschwindel einerseits. Andererseits sind Allahs Gier, Gefräßigkeit und Herrschaftsanspruch in der Tat unbegrenzt, entgrenzt, insofern global.

Gefordert ist also Raum zu schaffen für Lebenserfahrungen und Lernwelten zu eröffnen. Ergebnisse werden bejaht, weil sie hinterfragt werden und verinnerlicht werden konnten. Informationen und Wissen mit Offenbarungtexten verbinden zu können, ist notwendig, da ersteres aus dem zweiten hervorgeht. Dies liegt den erarbeiteten IPD-Konzepten zugrunde.

Frontalangriff des Fundamentalismus auf die bundesdeutsche Pädagogik! Hier müssten Jugendschutz, Schulministerium (Frau Barbara Sommer), Jugendamt und Sektenbauftragte eingreifen. Es kann nicht sein, dass wir seit vielen Jahren wissenschaftlich fundiert etwa vor der Mun-Sekte gewarnt haben, doch jede voraufklärerische und gegenaufklärerische Strategie („tolerant“) dulden, solange es nur der Allāh-Kult ist, der diesen, pädagogisch gefährlichen Unsinn von sich gibt.

Lesen Sie bitte genau: „da ersteres aus dem zweiten hervorgeht“, das zweitgenannte sind die Offenbarungstexte sprich heiligen Texte, die Quelle und Voraussetzung des erstgenannten seien. „Information und Wissen“ ist „ersteres“, Information und Wissen seien also nichts als Folge und Auswirkung der wesentlich ursprünglicheren Basis von Koran und Hadithen. Um uns Pädagogen oder Sozialpädagogen hinters Licht zu führen, wird das ganze in die modischen pädagogischen Floskeln der achtziger und neunziger Jahre gewickelt wie „Lernwelten“ und „hinterfragen“. Das Kölner IPD bekennt sich zum fundamentalistisch verstandenen Islam.

Auf bloße Reproduktion wird in Curricula und Unterricht weitestgehend verzichtet. Die qur’anischen Lern- und Lehrmethoden sind die Basis.

Selten so gelacht. IPD kennt die Verpflichtung zum taqlīd nicht? Wieder ein billiger Trick: Die Nichtmuslime sollen denken, hier werde innovativ und kreativ gewirkt. Klar, IPD ist zu feige oder nicht willens, den, wird er wörtlich aufgefasst, ausgesprochen lernfeindlich und entwicklungsgefährdend wirkenden Koran zu kritisieren. Der kulturrassistische und frauenfeindliche Koran wird, ohne rot zu werden, zum pädagogischen Grundlagenwerk („Lern- und Lehrmethoden“) befördert.

Lernen, seine Ehefrau zu verprügeln, oder lernen, Juden zu köpfen? Lernen, mitten in Europa eine so genannte islamische Gesellschaft (Imamat, Kalifat) aufzubauen, sich von den Nichtmuslimen abzusondern?

Der Unterricht gestaltet sich dual: Zeitgleich mit der Wissensvermittlung wird das soziale Interagieren des Einzelnen in der Gruppe eingeübt, wie es aus den Quellen des Islams ersichtlich wird.

Social group work, Selbsterfahrungsgruppe?

Nicht, dass jemand aus der Reihe tanzt.

Es war nach einer Biologiestunde, als uns eines unserer Kinder frug, wie es denn nun wirklich sei, ob Gott den Menschen erschaffen habe oder die Natur die Schöpferin sei.

Das Kind also hatte eine Frage, ein aufgeschlossenes Kind. Und? Stille. Wir sollen uns ein süßes Kindlein vor‑stellen und das weitere Denken ein‑stellen. Kein Bekenntnis für oder gegen islamischen Kreationismus.

Vielleicht … hat das Kind inzwischen keine Fragen mehr.

Unsere muslimischen Kinder leben und lernen in diesen Dingen kaum anders als die Kinder der Mehrheitsgesellschaft um sie herum: Die Einteilung des Wissens bzw. des Lehrstoffes in Fächer bedeutet besonders für uns Muslime eine Aufsplitterung in Informationshäppchen, welche dem islamischen Denken entgegen läuft. Hinzu kommt dann noch, wie oben bereits erwähnt, der hiervon getrennte Religionsunterricht, so als hätten die Phänomene des Lebens mit der Religion nichts zu tun.

Was für eine Kindergärtnerinnensprache, und selbst da wäre es ein unstatthaft infantiles Herumalbern: „Informationshäppchen“. Als-ob-Gefühle von Harmlosigkeit, kalkuliert erweckt. IPD schaffe Weitblick.

„Aufsplitterung“ suggeriert, den „Muslimen“ werde unmoralische Gewalt angetan. „Muslime“ würden ’ganzheitlich-global’ und ’ökologisch vernetzt’ denken, Überprüfbarkeit fehlt. Allahgott womöglich soll es sein, der die wertvolle pädagogische Ganzheitlichkeit herstellt.

Bei uns allen, Pädagogen, Eltern und den mit Erziehung Betrauten, hat sich dieses Denken in getrennten Bereichen und Bahnen leider verinnerlicht, so daß Erziehung und Bildung nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen kann.

Kritik an der Pädagogik, das klingt verantwortungsvoll. Günstige Gelegenheit für eine kleine Bußübung, ach, das tut gut. Ohne Selbstkritik keine Umkehr. Ohne den Klebstoff der totalen Scharia gehen Kinder in die Irre, werden verhaltensauffällig oder gar Schulversager. Niemand jedenfalls wird so gemein sein, „erwünschte Ergebnisse“ zu verbauen.

Die Gedanken und Erkenntnisse, diese Problematik islamisch lösen zu müssen, haben zur Gründung des Instituts für Interreligiöse Pädagogik und Didaktik geführt.

Der Islam ist die Lösung, al-islām huwa al-hall. Sagt al-Bannā.

Man stelle sich einmal vor, eine konservative fundamentalistische christliche Freikirche würde das nordrhein-westfälische Schulwesen kritisieren, ganz traurig gucken und sagen: Wir rechtgläubigen Pädagogen litten seelischen Schmerz und mussten christliche Lösungswege für „diese Problematik“ finden.

Wir sind bei all unseren Überlegungen von zwei entscheidenden Fragen ausgegangen, die letztendlich doch wieder ineinandergreifen, nämlich : „WOHER KOMMT DIE WELT?“ und „WER BIN ICH?“. Das sind zwei weite Forschungsfelder, die alles andere umfassen.

Gnōthi sautón, Γνθι σαυτόν, erkenne dich selbst. Sigmund Freud. Und natürlich Charles Darwin.

Wetten, dass diese zweieinhalb Jahrtausende alten Fragen nun islamisch gelöst werden sollen?

Wir wünschen uns Denkanstöße in und aus allen Richtungen, vor allem aber zu der Überlegung, ob der isolierte Religionsunterricht nicht durch einen integralen ersetzt werden sollte, wobei das Wort Religionsunterricht verschwände; wir hätten dann z.B. einen physikalischen Islamunterricht oder einen islamischen Physikunterricht: Wie wir es auch nennen wollen, es läuft auf ein einheitliches Denken hinaus. Wie sollte auch der Schöpfer von Seinem Werk getrennt gesehen werden ?

Anfangs gibt sich das IPD weltoffen und sucht „Denkanstöße“. Ich wette allerdings, dass sunnakritische oder schariafeindliche Denkanstöße nicht willkommen sind. Danach wird es gefährlich total und totalitär: Der Islam-Kult soll ausgreifen dürfen, ausufern, die Biologie und Physik durchdringen, verzerren und manipulieren dürfen.

Wer wird hier eigentlich ausgebildet, Lehrer für eine Madrasa oder Koranschule? Das staatliche Schulwesen der kulturellen Moderne sollte sich verbitten, dass sein von der öffentlichen Hand bezahlter Physiklehrer beim Vermitteln von Magnetismus, Auftrieb und Fliehkraft ganz „integral“ Gotteslob betreibt oder dass der Biologielehrer die Artenvielfalt mythisch als ’Schöpfung’ bezeichnet. Sollen Deutschlands Schulen den antiken oder auch heutigen polytheistischen Menschen in Geschichtsunterricht und Sozialkunde als harbī definieren dürfen?

„Einheitliches Denken“ hatte Deutschland von 1933 bis 1945.

Wir glauben fest daran, daß es auf diese Weise möglich ist, die Kluft zwischen täglichem Leben einerseits und „Religion“ andererseits, die sich in der säkularen Welt aufgetan hat, zu überwinden und wieder zum Tauhid-Gedanken, dem Gedanken der Einheit, zum La ila-ha ill-allah zurückzufinden. Hierbei haben wir uns von den Methoden der originären islamischen Quellen leiten lassen.

Das zuletzt Genannte war zu befürchten, IPD betreibt den kriecherischen taqlīd, die platte Textgläubigkeit, etwas anderes steht Sunniten derzeit offiziell auch gar nicht zu. „Originär“ mag andeuten, es gebe auch verfälschte Islamtraditionen und man habe Zugang zu ’authentischem Wissen über den Islam’. Welche Muftis oder Fatwas dem IPD als originär gelten wird uns bewusst verschwiegen.

Dreist verunglimpft das IPD die, wörtlich, „säkulare Welt“ als alltagsfern. Ein politischer Fundamentalismus soll im Bildungsbereich mehr Einfluss, mehr Macht bekommen. Was nicht funktionieren wird, ohne Religionskritiker organisiert zu entmachten.

Solange der Islam scharī’a, fiqh und fatāwā nicht verwirft, da hat das IPD Köln recht, ist der tauhīd genannte Eingottglaube an den Allahgott tatsächlich dazu geeignet, das „tägliche Leben“ von Verhalten, Frauenentrechtung, Meinungs- und Pressefreiheit total zu bestimmen. Dann wird es offiziell, das bislang vielleicht eher von extrem patriarchalischen Großfamilien betriebene, permanente Kontrollieren der Töchter und Ehefrauen auf Keuschheit und das fromme Bedrohen aller Kritiker von Sunna und Koran. Auf derlei ’Alltagsnähe des Religiösen’ möchte Europa nach Renaissance und Aufklärung, nach dem Überwinden von Hexenprozessen und Inquisition vielleicht gerne verzichten.

Und Er läßt (Seinen) Zorn auf jene herab, die ihren Verstand nicht gebrauchen wollen.“ Qur’an: Sura Yunus 100

Wer den Islam kritisiert, verweigert es, seinen Verstand zu gebrauchen. Aufgeklärte Menschen sollten von Erpressung reden, phantasiereiche Spiritualität stelle ich mir anders vor. Wir sollen hier wohl verspannt lachen.

Auch wir sind diesen Fragen nachgegangen und zu dem Ergebnis gekommen, daß es entscheidend ist, die natürlichen Veranlagungen des Kindes zu fördern, um die Selbstentwicklung nach der Fitra des Heranwachsenden, d.h. nach der natürlichen Anlage, wie Gott sie geschaffen hat, nicht zu hindern.

Fitra: Jeder Mensch ist Muslim, ob er es weiß (Muslim) oder nicht (Jude, Christ, anderes). Fitra: Islam ist, sagen englischsprachige Muslime: standard religion, angeborene Naturreligion. Druckfrische Fatwas lesen und vor allen Dingen befolgen sei dem Kind angeboren, wer noch nicht lesen kann, wird mit physischer und psychischer Gewalt in die ’naturgemäß’ richtige Richtung gedrängt. Mädchengenitalverstümmelung der Schafiiten sowie Jungengenitalbeschneidung sei fitra, naturgemäß, ab der Pubertät Schamhaarrasur und Achselhaarauszupfen.

Was für ein Angriff der vormodernen Entwicklungsstufe der Menschheit auf die wissenschaftsorientierte Pädagogik: „Selbstentwicklung nach der fitra“ dürfen wir übersetzen mit ’Freiheit gemäß der naturhaft angeborenen heiligen Doktrin’ oder ’Kognitives und emotionales Lernen im Einklang mit der naturhaften islamischen Sittlichkeit’. Fundamentalisten denken vielleicht wirklich so. Angeboren ist das jedoch nun wirklich nicht.

Von fitra zu qadar (Prädestination, türkisch kismet) ist es nicht weit. Qadar und auch fitra sagen: Islam ist vorherbestimmt, der Menschheit wie deinem Leben. Zwangsheirat, Ehrenmord, Krieg, alles Schicksal. Allahs knallende Peitschenhiebe auf dem Rücken des Delinquenten in Saudi-Arabien, im Iran oder im Sudan sind fast schon mehr als qadar oder fitra, sind praktiziertes Gotteslob, Vergeltungs- und Reinigungsritual. Auch der militärische dschihād ist gewissenhaft erwogene, intensiv gelebte gottesdienstliche Handlung, Saubermachen aktiven Umweltschutzes, spirituelle Selbsterfahrung ganz im Hier und Jetzt.

Aber vielleicht ruft das IPD explizit gegen militärischen dschihād auf und verlangt von Teheran, die gottgefälligen Steinigungen einzustellen? Das weiß bereits jetzt nur Allah, das Kölner IPD überlegt noch ein wenig.

Religion und Natur. Jeder Religion stellt sich das, was ich die pantheistische Herausforderung nennen möchte, das Verhältnis von Diesseits und Jenseits, die (ideologische, beanspruchte) Verwobenheit oder Zerrissenheit von Weltlichem und Göttlichem zu definieren. Es ist ebenso ärgerlich wie unvermeidlich, dass jede Sekte mit Kornähre und Sonnenuntergang im Schaukasten wirbt, darunter ein Spruch, der die Natur (Strand, Wald, Stein, Oase, Quelle) eigentümlich ideologisiert sprich missbraucht. Die Kornähre kann ja gar nichts dafür, von der hinduistischen, christlichen oder sonstigen Weltanschauungsgemeinschaft verwendet zu werden. Zugleich ist der Mensch, mit C. G. Jung und Mircea Eliade argumentiert oder auch mit Goethe oder Hesse, ein religiöses Wesen und der Guru, Ayatollah oder Papst eben kein absoluter Experte für Religion.

Derartig lassen sich, etwas überspitzt und bewusst ironisch-distanziert, selbst die extrem-dualistischen Gruppen als ’naturreligiös’ bezeichnen oder sich zumindest an ihrem je eigenen Profil an (behaupteter) Weltliebe, Weltheimischkeit, ’Naturreligiosität’ (oder, negativ gesehen: An ihrem Weltekel) beschreiben. Weltekel und Selbstekel ist Bildungsziel der orthodoxen islamischen (schwarzen) Pädagogik.

Hier sind von uns Demokraten veritable ’Schulnoten’ zu vergeben hinsichtlich der Verträglichkeit mit den universellen Menschenrechten, den Erkenntnissen der Psychoanalyse und Totalitarismuskritik sowie der Extremismus- und Antisemitismusforschung. Und, an Herrn Innenminister Dr. Schäuble und Frau Schulministerin Bärbel Sommer ebenso gerichtet wie an das IPD Köln: Die kulturelle Moderne braucht die Ausbildung oder vielmehr das Abrichten von Kindern zu kleinen korangläubigen und judenhassenden Kalifen und Dschihadisten nicht begeistert zu begrüßen.

Zurück nach Köln.

Inhaltlich soll dabei dem Kind das islamische Verständnis von Familie, also Eltern, Geschwister, Großeltern und der übrigen Verwandtschaft vermittelt werden.

Das in Teilen grundrechtswidrig ist. Konsequenterweise berufen sich radikale, antidemokratische Muslime auf die Kairoer Menschenrechtserklärung, nicht auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948.

Die Kinder gehören immer dem Vater, die Frau zieht mit kontrolliert unbenutztem Jungfernhäutchen ins Haus des Mannes und hat lebenslang seine Befehle und diejenigen der Schwiegermutter widerspruchslos zu befolgen. Ohne (männlichen) islamischen Heiratsvormund, walī, darf die Frau nicht heiraten, dafür dürfen Vater und gegebenenfalls Großvater als ’walī mudschbir’ (türkisch mücbir veli) die junge Muslima, eine neunjährige Braut ist islamrechtlich in Ordnung, auch gegen ihren Willen verheiraten. Der Ehemann darf eine ungehorsame Frau im Ehebett meiden und mit einem Knüppel behutsam schlagen. Bei Lust und Laune darf er sie beispielsweise mit einer dreifach ausgesprochenen Verstoßungsformel (at-talāq) verstoßen. Der Interims-Ehemann (mustabil) verwaltet die Frau bedarfsweise auf Zeit. Der Mann darf sich drei Nebenfrauen nehmen und unbegrenzt Sex mit unmoralischen Dhimmifrauen haben, die gottesfürchtige muslimische Frau hat das als Schicksal (qadar, sicherlich auch fitra, Art und Weise des Erschaffenseins) zu dulden. Kinder eines muslimischen Mannes sind automatisch Muslime, die beiden deutschen Großkirchen finden das offensichtlich völlig in Ordnung. Die Brüder überwachen die Schwestern, die Frauen kontrollieren einander auf Verstöße gegen die vorgeschriebenen Pflichten und Sitten, ein eventueller Ehrenmord ist dann ja vielleicht unislamisch, doch fraglos auch qadar, sonst wäre Allahgott nicht allmächtig.

In einer nach den Maßgaben von al-iman (Gläubigkeit), fitra, qadar und tahīd endlich gesundeten, gesunden Gesellschaftsordnung (islamische Gesellschaft) werden Ehebrecherinnen (und Ehebrecher) sorgsam mit dem Unterkörper in den Boden eingegraben und mit den von Gott Allāh dafür vorgesehenen (die Vorsehung) fliegenden Steinen in aller Öffentlichkeit und in pädagogisch wertvoller Gemeinschaftsarbeit (soft-skill team-work, ein Leben mit Ritualen, die Religion im Alltag leben) vom Leben zum Tod befördert. Ob anlässlich einer islam‑juristisch einwandfreien Steinigung ein der Tat überführter und islamisch resozialisierter Dieb (der unsichtbaren Gottheit ist dazu die diebische Hand zu opfern) mit der anderen Hand mitwerfen darf, entzieht sich meiner Kenntnis, ich bitte Herrn Mustafa Cerić hiermit um eine rechtleitende fatwā.

Wer dem Gesagten widerspricht, zweifelt an Gott und kommt inscha’llāh nicht in den Himmel. Und nicht vergessen: Es gibt keinen Zwang im Glauben. Denn wer nicht aus freien Stücken glaubt, kommt auch nicht in den Himmel.

Das will das Kölner IPD der nächsten Generation vermitteln? Wahrscheinlich ja, einen anderen Islam gibt es leider noch nicht, jedenfalls duldet keine der vier sunnitischen islamischen Autoritäten einen anderen Islam, weder die weit über tausend Jahre alte so genannte „Universität“ der Kairoer al-Azhar (duldet wohlwollend FGM) noch der 1997 gegründete Europäische Fatwa Rat (ECFR, Führer ist der antisemitische Terrorismusfreund und Kulturrassist Yūsuf al-Qaradāwi, oberster europäischer Theokrat des ECFR ist Großmufti Mustafa Cerić aus dem bosnischen Sarajevo), weder die Religionspolitik der hanbalitischen-sunnitischen Wahhabiten aus Saudi-Arabien (Pilgerziel Mekka; Ölreichtum) noch die achtzig Jahre alte Muslimbruderschaft (MB, Deutschland: Ibrahim el-Zayat und die IGD, Europa: Tariq Ramadan).

Der Islam hat ein Problem mit der kulturellen Moderne, jedenfalls müsste er eines haben. Er leugnet seine problematische Krise und macht dem Rest der Welt … Probleme. Ob das Kölner IPD eher der MB nahe steht oder der Azhar? Hält das Kölner IPD die freiheitliche Demokratie für kufr, lästerlichen Unglauben? Das IPD hüllt sich in Schweigen (taqiyya). Aber hören wir weiter.

Dem Kind soll bewußt werden, daß der Islam keine Hierarchie im Sinne von übergeordneten und untergebenen Positionen kennt und ihm (dem Kind) innerhalb seiner Familie eine selbstbewußte Stellung einräumt. Dies wird mit qur’anischem Material nachgewiesen; nur so kann das Denken in getrennten Bereichen verhindert oder wieder aufgehoben werden.

Die Frau erbt nur die Hälfte, ihre Aussage vor Gericht gilt nur die Hälfte. Christen und Juden sind islamrechtlich genau definiert ebenfalls Menschen zweiter Klasse, Bahá’í, Atheisten und Polytheisten nahezu rechtlos. Aber das ist nicht etwa untergeordnet! Nein, das ist harmonisches Aufeinander-Bezogen-Sein, das ist die ’Komplementarität der Religionen’ (Pfr. Kirste), das ist Gerechtigkeit. Die Scharia diskriminiert die Frau nicht, sondern würdigt ihre minderen Fähigkeiten und schafft so den sozialen Frieden. Kopftuch ist naturhafte, natürliche Pflicht (fitra), auch das befreit und beglückt alle Beteiligten. Islam ist Frauenrechtsbewegung, Gerechtigkeit.

Und Sie sind doch nicht etwa gegen Gerechtigkeit?

„Nur so kann das Denken in getrennten Bereichen verhindert oder wieder aufgehoben werden“, ob da jemand zur anerkannten Weltspitze der Gehirnforschung und Lernforschung gehört? Oder aber raunend Wohlverhalten einfordert, meines, Ihres und das der zu unterweisenden Kinder? Hardcore-Esoteriker des New-Age, totalitärer Führerkult oder bemerkenswerte rheinische religiöse Ekstase? Oder ein allzu kräftiger Zug aus der mit haschīsch gefüllten Wasserpfeife? Die Gesichter muss ich einfach mal sehen, alles Denken zu einem Bereich verklumpt und verklebt, zu einer göttlichen Einbahnstraße. Andererseits, religiös und romantisch sind wir ja auch, sogar bürgerrechtlich-universalistisch.

Seltsam, dass es, letztlich auch im Christentum, viele der angeblich mystischen (Islam: tassawuf, Sufismus) oder monistischen Strömungen sind, die ein kosmisches Einssein preisen und mit derselben Begeisterung die Menschheit in Kasten verschiedener Wertigkeit beziehungsweise Wertlosigkeit zerlegen. Der eher diesseitig orientierte kultische Rassismus eines Himmler tat dies entsprechend: Sich mit dem Welt-Ganzen verbunden ’spüren’ und einen Teil der Menschheit als „unwertes Leben“ vernichten wollen. Himmler machte aber die Leugnung vor sich selbst oder aber die taqiyya vor dem Publikum deutlich:

Die ’Einheit’ (Hitler: Die Vorsehung) des kosmischen Rassismus benötigte die Trennung an der Rampe in Auschwitz, in die Gaskammer oder noch (ein wenig) leben. Der Islam zerteilt die Räumlichkeiten (aller Zeit) in die dār al-harb und die dār al-islām, die die eine Menschheit, strukturell dem Mani oder Himmler durchaus entsprechend, in Gläubige und Ungläubige spaltet. Insofern lügt das IPD, ob unbewusst oder bewusst. Es wird von Scharia und Sunna das „Denken in getrennten Bereichen“ eben gerade nicht verhindert, sondern verewigt! Jeder Gegner des begrenzt berechenbaren Gottes Allāh wird, man lese es in Koran und Hadithen an Dutzenden von Stellen, im Feuer schmoren, heißes Wasser trinken, bis ihm die Gedärme platzen, mit Flammen versengt werden, bis ihm die Haut verbrennt, eine neue Haut nur dazu erhalten, um noch mehr Qualen zu leiden.

Der Parteigänger des politischen Islam darf im Sinne der islamischen Ethik des Sadismus jeden (potentiellen) Gegner der Scharia (der Großfamilie arrangierter Ehen, der intransparenten Raubritter- und Pfründe-Ökonomie des Scharia-Banking, der deutschen Islamverbände) mobben, diskriminieren, belügen und betrügen. Ins Abseits drängen. Seine Busfahrer (Karawane), seine Polizisten und Notärzte (sozusagen als nichtmuslimische ansar, Helfer) behindern und angreifen. Die Geometrie der menschenrechtsfeindlichen und frauenunterdrückenden Scharia als ein „ewiges, unverhandelbares (Cerić), dabei egoistisches, asoziales, kalkuliert antisoziales Muster, das jedes andere Motiv erodiert, anätzt, einebnet.

Kurt Lewin (topologische Psychologie) ein wenig weiter gedacht: Der Mensch erfährt und gestaltet Körperbewegung und Raumbewegung und symbolisiert sie in Sprachbildern, Kunstwerken, Kinderspielen und in der Stadtarchitektur (Islam: Geschlechtertrennung; kuffār-freie Zonen). Das etwas feindselige Spiel ’Reise nach Jerusalem’ mag versinnbildlichen: Diesseitig Kalifat, jenseitig Himmel, der Verlierer (dhimmī) ist vorgesehen (qadar) und darf erpresst werden (dschizya), überfallen werden, leiden, bluten, sterben (dschihād). Das Hüpfspiel ’Himmel und Hölle’ … denkt in getrennten Bereichen, verbindet diese aber auch in verspielter Arglosigkeit (in der radikalen islamischen Sozialisation sind Kinderspiel und Kindheit, Kindlichkeit und Lernen eher nicht vorgesehen, daher unsere deutschen muslimischen Bildungsverweigerer).

Scharia als ein kalkuliert antisoziales Muster ’sozialer Geometrie’ denkt so sehr in „getrennten Bahnen“ (IPD) wie wohl keine andere Religion. Einen derart antisozialen sexualpolitischen und militanten Kult braucht die kulturelle Moderne nicht gerade aus Steuermitteln zu fördern (Moscheebau, Koranschule, Islamischer Religionsunterricht). Ein anderer Islam ist, allerdings, wünschenswert.

Der Ansatz: Das hier vorgelegte Curriculum folgt der Vorstellung, dass religiöse Erziehung dem Grundsatz folgen muss, Kindern religiöse Lernwelten und die Sinnhaftigkeit religiösen Lebens mit allen Sinnen zu erschließen.

Mit allen Sinnen, Erlebnispädagogik, Hugo-Kükelhaus-Pädagogik. Sinnlicher Kulturrassismus für die lieben Kleinen. Nebenbei, wo fliegen sie denn, die religiösen Lernwelten? Plural, Mehrzahl, WeltEN? Es gibt nur eine Welt – universeller Menschenrechte.

Noch immer wird im Religionsunterricht zuviel Reproduktion vorgegebener Inhalte erwartet und zu wenig mit Kindern philosophiert. Kinder werden dadurch in der Entwicklung eigener Religiösität nicht gefördert.

Stimmt. Das traurige Ergebnis dieser Erziehung sind die fundamentalistischen Erwachsenen des derzeitigen IPD.

Das Bestreben geht eher dahin, die tradierte Vorstellungen zu reproduzieren.

Aus eins mach zwei, ein beliebter Trick unter Islamisten: Ein Missstand im Islam (Ehrenmorde, Zwangsheiraten, Terror, FGM) ist dann eben nicht Religion, sondern Tradition. Ein Hütchenspielertrick, der Dhimmi greift immer daneben und ist gehalten, sofern Politiker oder christlicher Kleriker, das Märchen vom friedfertigen Islam nachzuplappern. Ganz schlimm war Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europa-Parlaments (EP), der den Islam als eine „im Kern friedliche Religion“ erklärte. Damit tut Pöttering dem grimmigen Feldherrn, Auftragsmörder und Eroberer Mohammed aber wirklich keinen Gefallen. HAMĀS und al-Qā’ida sind „im Kern“ unislamisch, Salzsäure ist „im Kern“ genießbar, bei Nacht sieht man „im Kern“ nichts?

Pöttering ist Jurist, Honorarprofessor der Universität Osnabrück. Dort lehrt Professor Bülent Ucar Islamische Religionspädagogik. Ucar ist Mitgestalter von Lehrplänen für (schariatreue, versteht sich) Islamkunde in Nordrhein-Westfalen, islamwissenschaftlicher Mythendeuter in Sachen Wandelbarkeit der türkischen Scharia und der angeblich möglichen modernen Koranexegese (Habilitation 2008). Pöttering wiederum reiste privat in sieben Sommern zwischen 1999 und 2005 in sechzehn islamisch geprägte Staaten, als Nahostreisender sowie als Jurist kennt er die Scharia und ihr grundrechtswidriges, kulturrassistisches und frauenfeindliches Potential genau. Was macht Pöttering? Den Großmufti von Syrien nach Straßburg einladen, der vor dem Europaparlament eine Rede halten durfte.

Bereits seit vielen Jahren bemühen sich die Muslimnnen Islamischen Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach in die Stundentafel des Schulunterrichtes einsetzen zu lassen und inzwischen ist in einem langen Weg des Dialogs die Akzeptanz, ja die Notwendigkeit eines solchen Unterrichts von Politik und gesellschaftsrelevanten Stimmen der Kirchen und Verbände (Gewerkschaften, Erziehungswissenschaftliche Vereinigungen etc.) erreicht und eingesehen worden.

Eingesehen worden? Von Dr. Schäuble und der CIBEDO vielleicht, von mir nicht.

Der nach dem deutsche Grundgesetz von den Religionsgemeinschaften verantwortete Religionsunterricht hat dabei den Anforderungen, die an eine Schulpädagogik von heute gestellt werden, zu genügen. Es ist keine Frage, dass der Islam, ebenso wie andere Religionsgemeinschaften in der Lage ist, diesen Anforderungen zu genügen.

Ma scherziamo?!!! Sie belieben zu scherzen? In fünfzig Jahren, mag ja sein. Das Kölner IPD scheint doch viel eher zu beweisen, dass die deutschen Muslime keinen schulreifen, schulfähigen Islamunterricht denken können.

Wenn in den Schulgesetzen der Länder formuliert wird, dass Schule die Aufgabe hat, die wertvollen Anlagen der Kinder und Jugendlichen zur Entfaltung zu bringen und ihnen ein Höchstmaß an Urteilskraft zu vermitteln, so ist diese Forderung in dem oben erwähnten Rahmenplan und in den vom Institut entwickelten Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien bejahend vertreten.

Vermutlich ein Fehlurteil. Ich vermag in den Texten des IPD die Gottheit Allāh und den angeblich von ihm stammenden Koran als Letztbegründung zu finden. Kinder, die Lebensplanungen und Weltbild einem heiligen Text unterwerfen müssen, tun mir leid und sollten unbedingt etwas lernen, was Phantasie, Feingefühl und klares Denken wirklich befördert.

Diese Forderung, wie auch die Gebote der Toleranz und des Respekts vor der Überzeugung anderer zur Förderung von Frieden und positiver Entwicklung einer pluralistischen Gesellschaft, wie sie in den grundgesetzlichen Texten ebenfalls zum Ausdruck kommen, ist selbstverständlich auch eine Forderung und Verpflichtung jeder Religionsgemeinschaft.

Klar, mit eingeschränktem Rechtsstatus (dhimma, Dhimmitude). Tolerant und respektvoll verehren wir alle, Muslime, Dhimmis und Harbis, die respektable Scharia und das tolerante Grundgesetz.

Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben; denn die Verführung [zum Unglauben] ist schlimmer als töten. Sure 2:191, Koran.

Ein besonderes Anliegen der/des HerausgeberIn/s wird deutlich, in dem die muslimischen Kinder im islamischen Religionsunterricht an die Globalität der Gesellschaft in der sie leben mittels originär islamischer Quellen herangeführt werden, um sie an ein Denken von gemeinschaftlicher Verantwortung für die (eine) Welt, in der sie leben heranzuführen.

Erst Gegengesellschaft, später Kalifat. Aber immer global gedacht.

Islamisten: Global denken, lokal handeln.

Unterricht, der aber an diesem selbstverständlichen Recht der Schülerschaft auf Herausbildung persönlicher Gottes- und Glaubensvorstellungen vorbeigeht, ist aus Unterricht und Schule zu verweisen.

Jedes Kind schnitzt sich seinen eigenen Allāh – ich bin begeistert.

Wirft das IPD die Hadithe und Fatwen auf den Komposthaufen der Weltgeschichte beziehungsweise der benachbarten Kölner Kleingartenanlage?

Intention

Die Fachausbildung in Islamischer Religionspädagogik ist einem theologischen und pädagogischen Denken verpflichtet, welches sich an den genuin islamischen Grundlagentexten der Offenbarung orientiert und die pädagogisch didaktischen sowie die methodischen Grundsätze aus diesen Textquellen entwickelt. Dabei legt sie ein islamischen Wissenschaftsverständnis der Zeit in der wir leben zugrunde.

Was zu befürchten war: Nicht wissenschaftlich, sondern islamwissenschaftlich. Keinen universellen wissenschaftlichen Ansprüchen der Psychologie oder Pädagogik verpflichtet, keinen Erkenntnissen der Biologie (Darwin statt Kreationismus) oder Geschichte (Armeniervölkermord besprechen; die Opfer der Islamisierung eines Territoriums eingestehen).

Ethnoreligiös segregierte Forschung. Apartheid der Wissenschaft. Das ist schon reichlich extrem, so erscheint es mir, wenn ein sagen wir Hindu einen Religionsunterricht nicht nur nach hinduistischer Religionswissenschaft und hinduistischer Mythologie wie Symbolik aufbaut, das ginge an, sondern nach ’hinduistischem Wissenschaftsverständnis’. Ob es derartig verbissen gegenkulturelle Sektierer auch außerhalb des Islam gibt? Verlangt etwa heute noch ein Kommunist nach einer ’kommunistischen Wissenschaft’ oder ein Jude nach einer Judenwissenschaft? Nur die Parteigänger der Scharia pochen auf Sonderrechte. Auf Sonderwissenschaft. Sehr sonderbar, sie sind schon was ganz Besonderes, die kleinen und großen Muslime.

3.1 Ideen und Ziele

Die Welt, in der wir leben ist, trotz der noch nicht gänzlich abgeschlossenen Diskussion über ihre Begrifflichkeit, eine multikulturellen und multireligiösen Welt.

Im Koran 3:110 sagt Gott Allah seinen Verehrern: „Ihr seid die beste Gemeinschaft, die unter den Menschen entstanden ist.“

trotz der noch nicht gänzlich abgeschlossenen Diskussion über ihre Begrifflichkeit,

Die Ungläubigen da leiden wohl noch unter Begriffsverwirrung. Das gibt sich, wenn sie erst einmal zur wahren Religion zurückgefunden haben.

4. Grundlagen der Fachausbildung

4.3 Der Pädagogische Igtihad

Der Begriff des Igtihads im Wortsinn der Bildung einer durchdachten und begründbaren Meinung aufgrund erworbener Kenntnisse wird als pädagogischer Igtihad in die Didaktische Methodik eingeführt. Sie ist für die Persönlichkeitsentwicklung der zukünftigen Lehrperson und der Unterrichtsvermittlung an SchülerInnen wichtig, ebenso wie soziale Kompetenz, bzw. soziale Intelligenz, wobei diese Begriffe aus den grundlegenden Offenbarungstexten erarbeitet wird.

Zwischen 1100 (al-Ghazali) und 1900 war die selbständige Rechtsfindung (idschtihād) für Sunniten recht eindeutig verboten und der Muslim gehalten, ein Vorbild nachzuahmen. Welchen Freiraum könnte es denn da für einen Idschtihad der Pädagogik überhaupt geben?

Exkurs.

Eine von der Robert-Bosch-Stiftung finanzierte Tagung an der Diözese der Akademie Rottenburg-Stuttgart in Zusammenarbeit mit den Universitäten Bayreuth und Erlangen-Nürnberg kommt 2005 zum Ergebnis, dass die Lehrkräfte für Islamischen Religionsunterricht „eine solide theologische Grundausbildung“ (sprich: Erlernen der Scharia) erhalten müssen, um mit den Schülern erfolgreich über „so schwierige Fragen wie Dschihad, Geschlechterverhältnis und Religionsfreiheit“ sprechen zu können.“ Dabei erkennt das Papier durchaus, dass Teile der Scharia „im Konflikt mit der deutschen Rechtsordnung stehen.“ [1].

Dabei ist zu unterscheiden zwischen zu unterbindenden Verfassungsverstößen einerseits und rechtskonformen Glaubensinhalten andererseits, die vielleicht nicht der gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung entsprechen.

Da kann man doch dran arbeiten, an der lästigen Mehrheitsmeinung. Was denn so alles an der Scharia mit der Verfassung kollidiert, das konnte oder mochte die Tagung zur Auswertung der Schulversuche in den vier Bundesländern (Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern) nicht abschätzen. Kleiner Tipp: Dschihad (Kalifat), Geschlechterverhältnis (Misogynie in Koran, Imam-Ehe und fiqh), Religionsfreiheit (Apostasie). Die Experimente sind inzwischen drei Jahre lang weiter gegangen, Schäuble lud in dieser Zeit Versammlung um Versammlung zu seiner berüchtigten Islamkonferenz. Zur teilweisen Verfassungswidrigkeit der Scharia schweigt der Jurist und deutsche Innenminister. Gestern wurde bekannt, dass die pakistanischen Taliban im Swat-Tal und in der Region Malakand mit Regierungserlaubnis erste Scharia-Gerichtshöfe einrichten dürfen[2].

Visionen und Elan haben die töchtertauschenden Taliban im Swat-Tal, das muss man ihnen lassen, leider sind es schreckliche Visionen. Sie leben nur 160 km von der Hauptstadt Islamabad entfernt und nach langen Kämpfen musste die Militärregierung und Atommacht nachgeben. Und Deutschland? Würden Pöttering oder Schäuble deutsche Scharia-Gerichtshöfe überhaupt ernsthaft verhindern wollen? Das Swat-Tal war einst vom Buddhismus geprägt. Seit zwei Jahren verbrennen radikale Muslime dortige Mädchenschulen und zwingen die islamisch korrekt unterworfenen Frauen, das Gefängnis aus Stoff, die gespensterhafte Burka zu tragen[3]. Eine Burka fand sich 2009 auf einem Werbe-Plakat der Stadt Nürnberg, viele dortige Lokalpolitiker verteidigten Burka und Plakat trotz anhaltender Proteste beispielsweise der Ex-Muslime und der örtlichen CSU. Manche Deutschen scheint das ’multikulturelle’ Burka-Plakat nicht zu stören, Visionen und Elan benötigen sie anscheinend nicht. Norbert Schürgers, Chef des Amtes für internationale Beziehungen, verteidigt Burka und Plakat nach wie vor, ohne rot zu werden[4]. Ganz unfasslicherweise wagte es ein Chor der Gewerkschaft, öffentlich in der ’Straße der Menschenrechte’ ein Lied zu singen – für das Nürnberger Burkaplakat, sie hefteten rote Rosen auf das Plakat und gaben sich kosmopolitisch und tolerant. Im islamischen Kulturkreis gilt die Rose als Symbol für den Propheten Mohammed[5].

Die mutmaßliche Burka- und Kopftuchfreundin Ute Strait-Aouichi von der Islamischen Gemeinde Nürnberg findet das Burka-Plakat gut. Strait-Aouichi behauptet, keine einzige Frau zu kennen, der das Kopftuch aufgezwungen würde. Gülseren Suzan vom deutsch-türkischen Frauenclub lehnt die Burka deutlich ab und auch das Kopftuch, sofern es nicht freiwillig getragen werde. Ach, hat Strait-Aouichi[6] uns nicht eben nahegelegt, es gebe hier keinen Kopftuchzwang? Sie sollte mal ihren Freundeskreis ausweiten. Der ebenso aalglatte wie islamkonforme evangelische Klerus, hier in Gestalt von Burkaplakatfreund und Plakat-Diskussionsmoderator Pfarrer Eberhard Hadem, driftet indes seit längerem (Rowan Williams will Einführung der Scharia) in Richtung Kalifat ab[7]. Vielleicht hoffen die christlichen Würdenträger, im künftigen Kalifat mögen Krümel der Macht vom Tisch des Sultans abfallen.

Auch den Schulprotest couragierter junger Leute in der letzten Woche gegen eine kopftuchtragende Lehrerin am Speyer-Kolleg, die eben wegen ihrer islampolitischen Kopfbedeckung an einem Gymnasium in Worms nicht eingesetzt wurde, scheint nur geringes Interesse zu wecken[8]. Rheinland-Pfalz hat leider noch kein Verbot des Lehrerinnenkopftuchs.

Soweit zum Institut für interreligiöse Pädagogik und Didaktik (IPD), im oben geschilderten Stil geht das Seite für Seite so weiter, anonym, kein Mensch zeichnet die fundamentalistischen Texte ab. Einen Augenblick bitte: Was ist das? Ein Name. Ein Foto, wahrhaftig! Frau Müller.

http://www.ipd-koeln.de/preisverleihung1.htm

Frau Rabeya Müller höchstselbst, die einen Preis der bekennend islambegeisterten Organisation INTR°A[9] (unter Islamkritikern berüchtigt für die knappe schariakompatible Rezension zu Saphir 5 / 6 [10]) erhält. Allahs Feministin wird der Preis für die kalifatische „Komplementarität der Religionen“ (Kirste) sprich Dhimma von einer interreligiösen Jury überreicht, der, warum wundert uns das jetzt nicht, der strenge Muslim Bekir Alboğa angehört.

Uns fällt ein Stein der Erleichterung vom Herzen. Die heimatlich vertrauten Gesichter der politischen Scharia, der ethnoreligiösen Entflechtung islamischer Gegenmoderne.

Gemeinschaft stiftet der westfälische Lehrerfortbildungsleiter mit dreißig Jahren Berufserfahrung, der watteweich islamoptimistische evangelische Pfarrer Dr. Reinhard Kirste mit seiner im westfälischen Nachrodt ansässigen Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A).

Pfarrer Kirste pflegt sanft von „theologischem Pluralismus“ und von der „Gleichwertigkeit der Religionen“ zu schreiben, Allāh hat einen anderen Plan. Kirste hat den vielleicht ja gut gemeinten[11] „Preis für die Komplementarität der Religionen“ ersonnen und ist Visionär des friedlichen Zusammenlebens oder auch Getrenntlebens ethno-religiöser Kollektive. Von Islamkritikern, Islamgeschädigten oder Ex-Muslimen redet der sanfte Pfarrer Kirste nicht, Steinigungen, Hidschab, Kopftuchzwang, FGM, MGM, der islamische Kulturrassismus, die in Koran und Hadithen aufgezeigte Frauenunterdrückung und Frauenentrechtung bringen ihn nicht aus dem dialogischen Gleichgewicht „pluralistischer“ Äquidistanz und „vorurteilsfreier Liebe“.

Wird es dem evangelischen Geistlichen gelingen, das antimoderne Raubtier Islam zu bändigen, zu demokratisieren? Schön wäre es. Oder wird Dr. theol. Kirste ungewollt zum Islamisierer der ausgedünnten evangelisch gefärbten bundesdeutschen Mittelschicht? Ist der Pfarrer, tragisch-unwissend, Wegbereiter der ordnungspolitischen Scharia, des Imamats (A single muslim authority, Großmufti Cerić[12]), des Kalifats? Man muss dem Friedensverkünder und Eine-Welt-Freund Kirste ebenso Erfolg wünschen wie uns säkularen Staatsbürgern.

Vor der islamischen Autorität Yūsuf al-Qaradāwi, vor dem absoluten Gehorsam fordernden Europäischen Fatwa-Rat ECFR oder vor den deutschen Islamverbänden wie IGD (Muslimbruderschaft) oder Milli Görüş (Erbakan-Doktrin) vermag der friedfertige Dr. Reinhard Kirste kein Wörtlein der Warnung auszusprechen, die Ayatollahs oder Wahhabiten kritisiert er nicht. Was für ein guter Mensch, mag wohl auch die mit dem Preis geehrte Rabeya Müller vom Kölner IPD gedacht haben.

Jacques Auvergne


097. Emel Zeynelabidin

7. Februar 2009

097

شَهيد

asch-schahīd, türk. şehit:

Glaubenszeuge, Märtyrer

Emels haariger Dschihād.

Europas arbeitsteilige Kopftuchpolitik.

Von Jacques Auvergne

Vielleicht kennen Sie den simplen und reichlich albernen Cartoon des gelangweilten Eselkarrenfahrers mit der Peitsche, wobei der Mensch, durchaus betrügerisch, das langohrige Zugtier mit einer vor die Nase gehaltenen Möhre zum Fortsetzen des unlustvollen Tuns motiviert. Gestatten Sie mir, die Zeichnungselemente neu zu benennen: Der Karrenfahrer ist der Muslimbruder oder Islamverbandsfunktionär, der Karren ist Europa oder Deutschland, die Fahrtrichtung das Imamat (Cerić) oder Kalifat, die Peitsche der drohende Kopftuchprozess der Fereshta Ludin. Und das Appetithäppchen, die begehrte Möhre? Die Möhre ist ein Jahrtausende alter Leckerbissen sinnlichen Begehrens jedenfalls aufgeschlossenen Kommunizierens, ein wildromantischer femininer Lockenkopf.

Denn Emel Zeynelabidin hat das Kopftuch abgelegt. So was von abgelegt, dass sie als persönliche Garderobe gleich das Haus der Geschichte wählte[1], ein Museum im alten Bonner Regierungsviertel. Eine doppelzüngige Botschaft, dieser Ort der Deponierung, einerseits Heimatgeschichte und Dokumentation der Einwanderung, andererseits demonstrative Machtergreifung: Das Kopftuch, guckstu, ist weg vom lockigen Frauenkopf, doch verewigt in der bundesdeutschen Dār al-Geschichte. Um es kurz zu machen: Ist Emel für oder gegen eine islamische Kopftuchpflicht? So kurz kann man es leider nicht machen, die Dame ist schließlich professionelle Kommunikationsmanagerin. Also orakelt Emel ein: „Gebt die Köpfe frei!“, was dynamisch und revolutionär, was nach Woodstock und Studentenprotest seligen Andenkens klingt. Wer Emels Geraune widerspricht ist also Freiheitsgegner. Und Emel definiert sich wortlos als Deuterin dessen, was künftig unter Freiheit zu verstehen ist.

Das wäre allerdings eine der hisbah[2] und dem Kalifat zuträgliche Strategie: Ohne Kopftuch streiten für das Kopftuch, es im Blätterwald sinngemäß rauschen lassen „Oh ihr Leute, seht, ich trage kein Kopftuch mehr!“ und zeitgleich auf immer weitere Verbreitung des Kinderkopftuchs hinarbeiten, nicht zuletzt an den Universitäten und Schulen der Türkei. Schülerinnenkopftücher sind dort seit Jahrzehnten verboten. Noch. Emel will das Verbot in aller freiheitlichen lockenköpfigen Unschuld kippen, Islamist Recep Tayyip Erdoğan auch. Man lese ’Schnee’ von Orhan Pamuk.

Emel Abidin-Algan (Wikipedia Januar 2009, der Name soll nach wie vor fehlerhaft sein, wie Zeynelabidin außerordentlich bedauert) arbeitet für die Bedeckung der muslimischen Mädchen- und damit auch Schülerinnenköpfe. ’Emely’ arbeitet in Sachen Frauenhaarbedeckung, wie es der Zufall oder der qadar (kismet) so will, gemeinsam mit der Islamischen Föderation Berlin (IFB[3]) und vielleicht ja im besten Einverständnis mit dieser.

Die IFB darf nach langen Prozessen in ganz Berlin islamischen Religionsunterricht erteilen und gilt manch einem als veritabler Landesverband der extremistischen, radikalislamischen Milli Görüş, was die IFB natürlich in taqiyya-Manier laut schnatternd abstreitet. Ganz tolerant billigt Zeynelabidin offensichtlich bis heute die kopftuchbegeisterte Schulpolitik der von ihr gemeinsam mit ihrem (einstigen?) Ehemann gegründeten Islamischen Grundschule Berlin. Fereshta Ludin[4] soll, nachdem ihr das Unterrichten mit Kopftuch untersagt worden war, einem Unterschlupf gleich einen Arbeitsplatz an besagter Grundschule gefunden haben, die IFB teilt sich mit der Grundschule kostenbewusst dasselbe Haus. Ludin war vor dem bekannten Kopftuchurteil zwei Jahre lang Vorsitzende der Muslimischen Jugend Deutschlands (MJD)[5], die dem Gedankengut von menschenrechts- und grundrechtsfernen Theokraten wie Qutb, al-Maudūdī, und al-Qaradāwi nahe steht. Die MJD ist der FEMYSO angeschlossen[6], FEMYSO ist Muslimbruderschaft[7].

Nun ja, Solidarität ist an sich etwas Ehrenwertes und Fereshta Ludin und ihr Mann bekamen jeweils eine halbe Stelle an Deutschlands erster islamischer Grundschule. Dürfen wir auf ein Zeichen der Solidarität zu Ex-Muslimen, Juden, Polytheisten und Atheisten von Frau Ludin und Frau Zeynelabidin hoffen? Oder auch nur zu Muslimen, die es wagen, sich von Qutb, Erbakan, Muslimbruderschaft und ECFR eindeutig und scharf zu distanzieren? Beredtes Schweigen, einmal mit, einmal ohne Kopftuch. Wie EMMA berichtet, saß Emel Zeynelabidin in London auf dem Podium neben dem Enkel von Hasan al-Bannā, Tariq Ramadan, anlässlich einer Konferenz mit dem alarmierend nach islamischer Gegengesellschaft und europaweiter Rechtsspaltung klingenden Titel ’Europäische Staatsbürgerschaft von Muslimen’[8].

Islam und (als?) Staatsbürgerschaft findet sich im Begriff ’muslim citizenship’[9]. Der Islam-Bürger, das könnte ja harmlos sein, wenn der Religionsgründer ein Lao Tse oder ein Buddha wäre. Doch wo man die Islamischen Menschenrechte (Kairo) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 vorzieht, wird wohl alles, was Islam und Staatsbürgerschaft auf einer Augenhöhe ansiedelt, auf ein Dhimma- oder Millet-System hinauslaufen, einen Apartheidsstaat islamisch befreiter Zonen und paralleler Rechtssysteme. Wollen wir die Scharī’a-Gerichtshöfe?

Islamische Autoritäten wie Tariq Ramadan oder Großmufti Mustafa Cerić, der die Scharī’a als ewig und unverhandelbar bezeichnet und für den Aufbau einer “einzigen muslimischen Autorität“ für ganz Europa kämpft, denken seit einiger Zeit intensiv über die Muslim-Staatsbürgerschaft nach[10], [11]. Angesichts der, institutionell begründeten und durch wahnwitzige Projekte wie Türkeibeitritt und Vertrag von Lissabon mehr als erklärlichen Europaskepsis breiter Bevölkerungsmehrheiten ist es von den Islamisten sehr geschickt, das Thema Europa zu besetzen und für das segregiert gedachte ethnoreligiöse Kollektiv ein postdemokratisches, nach-menschenrechtliches Staatsbürgertum zu erträumen, welches der Bundesrepublik dereinst ja womöglich von oben, von Brüssel aufgezwungen werden wird[12]. Schlimmstenfalls würden ’die Muslime’ auf Generationen in eine kalifatsähnliche Struktur gesperrt, in der Allahs Schariarichter, Imame und Sittenwächter Gotteslästerung und Verheiratung nach Maßgabe von scharī’a und Sunna regeln. Mustafa Cerić will den zunächst parallelgesellschaftlichen Totalitarismus, die Allahkratie[13], der Großmufti aus Sarajevo spricht unverfänglicher von Imamat[14].

Laut Wikipedia habe sich die 1960 geborene Emel Abidin Algan, genannt Emel Zeynelabidin, im Alter von 44 Jahren von ihrem traditionellen Umfeld emanzipiert[15], man bemerke: Das Umfeld sei nicht etwa radikalislamisch oder wenigstens traditionalistisch gewesen, sondern traditionell, so als sei ein Islamfunktionär, Muslimbruder und Arzt wie ihr Vater, Dr. Yusuf Zeynel Abidin[16], ein anatolischer Schafhirte. Ob die Dame in ihrer pro-Kopftuch-Mission nicht viel eher ein PR-Projekt des politischen Islam ist, diese Frage kann Wikipedia wesensgemäß nicht stellen. Die Mutter von sechs Kindern sei zwangsverheiratet worden, sie selbst nennt es organisiert verheiratet. Eine traurige Organisation ist die nikāh allemal[17].

Vom Bündnis der Luther-Städte wurde Zeynelabidin 2007 in Speyer der mit 10.000 € dotierte Preis ’Das unerschrockene Wort’ verliehen[18]. Wobei Laudatorin Barbara John[19], hier ihre schariafreundliche Festrede[20], als ehemalige Ausländerbeauftragte der Stadt Berlin (1981-2003) davor warnte, ein Zerrbild der Gepriesenen zu entwerfen. Nanu, Zerrbild, da muss sich also jemand beschwert haben? John sitzt im Kuratorium der Muslimischen Akademie in Deutschland, der neben vielen anderen auch Bekir Alboğa[21] und Yasemin Karakaşoğlu angehören[22]. Nun, bei solchen demokratieskeptischen Mitstreitern hoffe ich sogar, dass John von Zeit zu Zeit schon mal ein islamskeptisches ’Zerrbild’ zukommt, ich mute es der Honorarprofessorin und Expertin für Sprachförderung jedenfalls zu.

Mitnichten müssten nun alle Frauen ihre Haare zeigen, raunt Zeynelabidin, es gehe um eine Kleidung, die der “individuellen, natürlichen Scham“ entspreche, lesen wir in Qantara[23]. Das ist womöglich ziemlich gelogen, denn eine “individuelle“ Interpretation des Konzepts etwa der aura[24], [25] (zu verbergender Schambereich in Sunna und scharī’a) ist von Milli Görüş oder Muslimbruderschaft bislang leider noch gar nicht vorgesehen. Und die fitra[26], die (angebliche) ’natürliche Veranlagung’ mag Menschen zwar von Natur aus als für das Höllenfeuer bestimmt klassifizieren, lässt aber eine Kritik am (politischen, sexualpolitischen) Islam in keiner Weise zu, vielmehr erklärt fitra den Islam dreist zur Naturreligion und jeden, der gegen Sunna, Koran und Hadithe verstößt, zum (widernatürlichen) Verräter an kosmischer Ordnung und sozialer Harmonie.

Verschweigt uns Zeynelabidin beim Parlieren über die “individuelle, natürliche Scham“ die Dogmen von fitra und aura ganz kalkuliert, um Deutschlands und Österreichs Nichtmuslimen vorzugaukeln, die Frau unter der Scharia habe das Recht auf freie Kleidungswahl und autonomes Definieren des Intimen und Schambehafteten? Oder schnitzt sie sich, meinen Segen hätte sie, eine unerhörte, kreative Emel-Scharia?

Ein paar Perlen aus Emels Kopftuchrhetorik[27].

Alles darf sein

Das brülle sie doch bitte in Mekka oder Islamabad.

Man muss sich selbst die Erlaubnis geben zu denken, was man will und wie man will

Aber, aber, Frau Zeynelabidin, der Schariavorbehalt[28].

Meine Söhne haben die Chance, an mir und ihrem Vater zu lernen, mit Konflikten und verschiedenen Lebensformen innerhalb des Islam umzugehen.

Schade, Lebensformen außerhalb des Islam sollen den Söhnen nicht zugänglich sein? Ach so, der gesamte Kosmos ist islamisch (fitra).

Man muss den Schöpfer aus dem Besitzdenken der Religionsverwalter befreien.

Zustimmung, Allāh braucht Emels Beistand.

Und man muss die Frauen aus den Haushalten der Männer befreien.

Moment, wozu hat Allāh den Heiratsvormund (wali) und den männlichen Pflichtbegleiter (mahram) erfunden? Aha, die Außenmauern der Haushalte sollen auch in Zukunft den Männern gehören, die Frauen in der Küche eingesperrt bleiben. Wer als Mann nicht das islamfeministische Zepter der Führung von Küche und Kinderzimmer an seine Frau abgibt, widerspricht der scharī’a. Männer raus aus Küche und Kinderzimmer.

Der Schöpfer, den ich erfahren habe, hat es nicht nötig, Forderungen zu stellen und ihre Erfüllung mit Belohnung und Bestrafung einzufordern. Das ist mir zu einfach.

Die Balken biegen sich. Emel schickt den auch azāzil genannten iblīs, den islamrechtlich verbürgten Teufel, auf Urlaub. Mohammed hat sich geirrt, Frau Zeynelabidin, es gibt überhaupt keine Höllenstrafe?

Ich halte es nicht für sinnvoll, wenn Politiker und Politikerinnen immer wieder verordnen wollen, dass muslimische Frauen das Kopftuch ablegen sollen. So etwas Persönliches kann man nicht vorschreiben.

Zeynelabidin kritisiert den nationalistischen Modernisierungsdiktator Mustafa Kemal (“Atatürk“) und sicherlich auch Deutschlands westliches Nachbarland Frankreich, an dem Kopftücher für Schülerinnen und Lehrerinnen während des Unterrichts vernünftigerweise untersagt sind.

Die Muslime wollen nicht zur Kenntnis nehmen, dass ihr Verhalten die Nichtmuslime irritiert. Die Nichtmuslime nehmen die Muslime nicht ernst, weil sie deren Welt gar nicht kennen und auch nicht kennenlernen wollen.

Im Allgemeinen kennen Deutschlands Islamkritiker Koran und Hadithe besser als Deutschlands Türken ihre Grundlagentexte. “Deren Welt“ ist eine leider weit verbreitete, sehr irreführende Metapher, denn es gibt nur eine Welt. Eine Welt – universeller Menschenrechte.

Die Religion darf sich nicht selbst anbeten lassen.

Gut gedacht, konsequent. Hier muss demokratieverträglicher Islam in der Tat weiter voranschreiten. Und die Sunna deiner madhhab, die fatāwā deines Großmuftis? Zeynelabidin sagt uns nichts dazu, dass Indonesiens Schafiiten ebenso wie Gelehrte der Kairoer al-Azhar die Genitalverstümmelung (FGM) an Frauen befürworten. Wenn aber nur der Gottheit Anbetung zusteht, ist dann praktizierte FGM, sehr geehrte Frau Zeynelabidin, ein Gebet an Allāh? Sollten die wahhabitischen Saudis und die iranischen Mullahs ihre Delinquenten vergebens geköpft haben, oder gehören die Bestrafungen bei hadd-Vergehen ebenso zu Frau Zeynelabidins frommer “Anbetung“ wie das Verbot der Apostasie?

Auch die führende Frauenrechtszeitschrift EMMA weiß über Emel zu berichten (Cornelia Filter in: EMMA, September/Oktober 2006 [29]). Zeynelabidin:

Beide Organisationen, Milli Görüs wie die Muslimbruderschaft, haben im laufe der Zeit ihre sozialen Beweggründe verloren.

Die Muslimbruderschaft ist der Wurzelgrund unzähliger terroristischer Bewegungen, ein heutiger Unternehmensbestandteil ist die terroristische HAMAS, Hauptaktivität Verhetzung von Kindern mit paramilitärischen Kindergärten und Abfeuern von Raketen auf Israel. Kein Wort über die Einzelheiten derartig “unsozialen“ Verhaltens?

[Emel über ihren (Ex-)Mann Ahmet Algan] Der glaubt immer noch an den strafenden Gott!

Na so was! Koran und strafender Gott, was denkt sich Ahmet dabei? Der Mann lebt ja noch im geistigen Mittelalter und sollte Emels gutem Rat flugs folgen.

Im WDR erklärt Frau Zeynelabidin[30]:

Das Kopftuch hat mit Religiosität nichts zu tun und ist völlig entbehrlich. Mit dem Ablegen des Kopftuchs als Kennzeichen von Zugehörigkeit und den damit verbundenen Einschränkungen und Grenzen bin ich meinem Schöpfer sehr nahe gekommen und habe mein eigenes Lebens erkannt

Islam ist eben Natur, natürlich, angeboren. Einschränkende Zugehörigkeit gibt es nur zu unnatürlichen, nichtislamischen Religionen. Emels haariger Dschihad.

Hier ein paar Kostproben aus Zeynelabidins Text “Lernt endlich Schwimmen“, wie er sich beispielsweise auf der Seite Achse des Guten findet[31].

Die Tochter, gerade mal 12 Jahre alt, durfte aus religiösen Gründen nicht an einem koedukativen Schwimmunterricht teilnehmen, es sei denn nur mit Vollverhüllung.

Aus religiösen Gründen – unsere Emel ist erstaunlich flexibel, sie selbst darf aus religiösen Gründen mit nackten Haaren herum laufen, das Mädchen aber hat ihre Haare aus eben diesen religiösen Gründen zu verhüllen? Ist Allāh Hütchenspieler?

Denn es geht um ein verordnetes Schamgefühl im Namen von Religion, das in die natürliche Entwicklung eines heranwachsenden Menschen eingreift und in der Praxis ein Lernverbot im Namen Gottes nach sich zieht.

Allerdings, und Frau Zeynelabidin kämpft mit Zähnen und Klauen nicht gegen, sondern eben für dieses Andressieren von “Scham“ (richtig wäre: Schande), für diese heilige Bildungsverweigerung und islamische Lernblockade. Darwin, Freud, Konfizius, Jesus, ein Mädchen braucht so etwas ebenso wenig zu lernen wie Körpererfahrung im koedukativen Sportunterricht der kulturellen Moderne.

Hinter diese Kulissen voller Widersprüche und Unklarheiten mag man sich als Außenstehender und Andersgläubiger nicht gerne begeben, selbst Richter an deutschen Gerichten ziehen es vor, solche Exkursionen zu unterlassen.

Im säkularen Staat ist es nicht die Aufgabe von Richtern, sich einen Trampelpfad durch das dornige Lügengestrüpp der Scharia zu bahnen, dieser schwierige Weg sei den verbohrten oder feixenden Freunden des Gottesstaates oder sei uns Islamkritikern überlassen.

Und als Erwachsene war es bisher unwahrscheinlich schwierig, eine Gelegenheit zu finden, ausschließlich in Anwesenheit von Frauen schwimmen zu gehen.

Emel Abidin Algan wirbt für männerfreie Zonen und Zeiten im Schariaschwimmbad.

Ich wundere mich, warum die nicht-muslimischen Richter nicht die Frage formuliert haben, ob denn die vielen nicht-muslimischen Schülerinnen schamlos und weniger schutzbedürftig seien, als ein muslimisches Mädchen, dass durch diese Art von Verhüllung angeblich schamhafter und geschützter sei.

Frau Zeynelabidin, hier wird nach dem Grundgesetz, dem BGB, dem StGB usw. geurteilt, nicht nach der frauenfeindlichen Scharia oder nach des gschamigen Allahs aura-Konzept.

Muslime trauen einem staatlichen Schutzraum nicht mehr.

Zeynelabidin erpresst uns ein wenig, verstehe ich die Kommunikationsberaterin richtig? Und wohin sollen sich die misstrauisch gewordenen Muslime denn nun hinwenden, werden sie sich ein halāl-Schwimmbad in der Moschee bauen müssen, um endlich Schutz zu haben?

Für Heranwachsende bedeutet das Muslimsein in einer nicht-muslimischen, säkularen Gesellschaft sehr oft immer noch Isolation, Einschränkung und Kontrolle.

Außerhalb des Kalifats seien kleine Muslime sehr traurig?

Oder, wie gemein von mir, anders gelesen: Isolation der Dhimmis und Harbis, Einschränkung nach Maßgabe der hisbah, Kontrolle durch Sittenwächter? Alles ist möglich, “alles darf sein“ (Zeynelabidin).

Alles, was einem widerfährt, begegnet, herausfordert, ist Teil des Lernprozesses in der Lebenszeit eines Menschen.

Qadar, kismet. Allahs Schicksal und Los, gegen das ein jedes Aufbegehren Sünde ist. Deine Zwangsheirat oder schafiitische FGM, deine sechste Schwangerschaft oder auch eine sexuell übertragbare Krankheit sind chancenreicher Lernprozess.

Notiz am Schwarzen Brett der Tauschbörse: ’Tausche lebenslanges Lernen gegen al-qadar, E. Z., Berlin’.

Steht deshalb in diesem Maße das Wohl eines Heranwachsenden auch für muslimische Eltern und Islamische Organisationen im Mittelpunkt, wenn aufgrund von unterschiedlichen Meinungen Konflikte entstehen, die dann auch noch in aller Öffentlichkeit ausgetragen werden?

Öffentlichkeit ist immer ganz schlecht, lassen Sie uns das vertrauensvolle ’Prinzip Hinterzimmer’ bevorzugen oder die Sache staatsvertraglich regeln. Die 1990 in Ost-Berlin vom DDR-Kirchenamt als Religionsgemeinschaft anerkannte Islamische Religionsgemeinschaft (IFB und mehr) klagte 2006 auf Staatsvertrag[32].

Geschichtsbewusste islamische Orthodoxie muss die dār al-’ahd oder dār as-sulh wollen, einen Staatsvertrag mit den aus islamischer Sicht sittlich minderwertigen Nichtmuslimen, um ein Gebiet überhaupt erst zu schaffen, in dem Muslime sich islamrechtlich dauerhaft ansiedeln dürfen[33].

Weiter beklagt Yeneroglu den Trend in NRW, die Religionsfreiheit der Muslime immer mehr einzuschränken, mit dem Ziel, unter dem Deckmantel von Integration vielmehr die Assimilation zu erreichen. Er befürchtet, dass das Düsseldorfer Urteil den Druck auf Muslime durch nicht-muslimische Schulleitungen erhöhen werde. Yeneroglu zieht einerseits Artikel 6, Absatz 2 des Grundgesetzes heran, um die elterlichen Erziehungsrechte zu untermauern, aber andererseits stellt er fest, dass niemand das Recht dazu habe, jemanden seine Vorstellungen aufzuzwingen wie es der Staat, vertreten durch die Lehrer, angeblich der Familie gegenüber aber tue.

Vor uns haben wir kleine Schülerinnen und Schüler, keine kleinen Kasten‑Angehörigen verschiedener sittlicher Reinheit sprich sittlicher Dreckigkeit. Der Staat hat alle Schülerinnen und Schüler gleich zu behandeln, auch wenn das Frau Zeynelabidin nicht gefällt, die auf Religions-Apartheid und Sondergesetzlichkeit pocht. Das Familienrecht der Scharia ist in Teilen grundrechtswidrig, etwa in der islamrechtlich einwandfreien Möglichkeit des Vaters oder Großvaters als Heiratsvormund eines Mädchens, dieses auch zwangsweise zu verheiraten (nikāh).

Aufschlussreich, dass der von Emel Zeynelabidin zitierte Leiter der Rechtsabteilung der extremistischen Milli Görüş etwa Artikel 3 (2) GG nicht zitiert: ’Männer und Frauen sind gleichberechtigt’. Darin, dass Zeynelabidin auch heute die in ihrem deutschen Ableger von ihrem Vater mitgegründete demokratiefeindliche Milli Görüş erwähnt, dürfen wir ja vielleicht ein Zeichen unverbrüchlicher Loyalität zur extremdualistischen und kulturrassistischen Erbakan-Doktrin der ’adil düzen, batil düzen’ sehen, der gerechten islamischen Gesellschaftsordnung, welche die nichtislamische Lebensform des Unglaubens siegreich überwindet.

Eine Alternative wäre es, eigene Schwimmbäder in jeder Stadt zu errichten, um den vielen muslimischen Frauen, die an die Verhüllung glauben und sich daran gewöhnt haben, das Schwimmenlernen zu ermöglichen.

Endlich Klartext: Die nackthaarige PR-Beraterin “Emely“ will die Frauenschwimmbäder, jeweils eines in jeder Stadt.

Emel Zeynelabidin in ihrem Aufsatz: “Kopftuchpolitik als Reifeprüfung[34]

Dadurch ist eine Parallelwelt entstanden, die es ermöglicht, eine aus- und abgrenzende Minderheitenpolitik zu betreiben. Es ist diese Parallelwelt, in der das eigene Gottes- und Menschenbild, die Einteilung in Gläubige und Ungläubige, in Erlaubtes und Verbotenes eine Bestätigung finden kann.

Genau, die heilige islamische Apartheid der Dhimma, mithin genau das, worauf Mustafa Cerić, Tariq Ramadan und Emel Zeynelabidin hinarbeiten. Oder habe ich etwas überhört, Frau Kommunikationsmanagerin, fordern Sie die Imame und Muftis Europas dazu auf, die Unterscheidung zwischen iman und kufr, Glauben und Unglauben beziehungsweise Gläubigen und Ungläubigen fallen zu lassen? Geschickt beschuldigt Zeynelabidin den deutschen Staat, durch irgendwelche Versäumnisse an der Entstehung islamischer Gegengesellschaften schuldig zu sein, zugleich bietet sie sich als Helferin beim Abbauen des islamischen Fundamentalismus an.

Das Vorbild des Propheten Muhamed, der sich ausdrücklich für das Wohl der Frauen einsetzte,

Mohammed als Gleichheitsfeminist? Die Frau kann Koran und Hadithen nicht gelesen haben. Über diese Fehleinschätzung wäre Mohammed ziemlich sauer.

Oder, männerbündisch: Ok, die Frau hat Geld gekostet, man muss sie pflegen, damit die Rendite zum Kauf der Zweitfrau ausreicht, guckstu.

Nachdem dann auch ein geschmücktes Dekoltee einen Mann dermaßen ablenkte, dass dieser gegen eine Mauer lief und sich dabei die Nase brach, kam die Verhüllung der gläubigen Frauen zum vollen Einsatz.

Ein islamisches Märchen, fern jeder aufklärerischen Geschichtsbetrachtung, von Frau Zeynelabidin unterhaltsam-frivol und kalkuliert beschämend in Stadthallen und Hochschulräumen eingesetzt. Die Dhimmis kichern verlegen aufgegeilt, Seelsorgerin Emel guckt treu.

Brutale Theokratie hat die Menschen noch immer am Genital gepackt, symbolisch wie ganz konkret (FGM und MGM; diverse Beischlafdogmatik; heilige Homophobie).

Die textilen Gefängnisse von Tschador und niqāb wurden tausend Jahre lang kultiviert. So ganz gegen Allahs Willen?

Warum, um alles in der Welt, bedienen sich islamische Organisationen hierbei nicht dieser Erlaubnis zur freien Interpretation, als vor fünf Jahren die Kopftuchdebatte mit der Klage der afghanischen Lehrerin entbrannte und sich bis heute als öffentliches Dauerthema ohne absehbares Ende hält?

Idschtihād[35] ist für Sunniten wahrscheinlich gar nicht erlaubt, allenfalls für einen schiitischen Ayatollah, niemals aber für eine sunnitische Frau. Im Übrigen möge Zeynelabidin das mit Herrn al-Qaradāwi klären oder, falls lebensmüde, selber Fatwas zu schreiben beginnen. Aha, ein Beendigen des Themas Lehrerinnenkopftuch wäre Zeynelabidin wohl ganz recht, am besten mit der Zulassung des Lehrerinnenkopftuchs? Daraus wird nichts.

Mit einem entwickelten Verständnis von sozialer Verantwortung islamischer Organisationen und einer am universalen Wesen der Offenbarungen orientierten Vorstellung wäre damals die Klage der afghanischen Lehrerin vor dem höchsten Gericht Deutschlands vielleicht auf eine vernünftigere Weise gelöst worden.

Deutschland ist grün hinter den Ohren, sittlich wie politisch unreif, ein rückständiges Entwicklungsland! Bravo, Frau Abidin-Algan, das musste mal gesagt sein.

Im Ernst: Mit Universalität meinen wir universelle Menschenrechte, nicht universelle Schariaoffenbarung. Ach so, Allahs Sittenlehre ist nicht lediglich angenehm, sondern auch rational: Scharia ist Vernunft.

Die Diskrepanz zwischen kollektivem Praktizieren von Verhaltensformen im Namen von Religion, die auf eine alte Zeit zurückgehen, und der notwendigen Anpassung an die Gegenwart ist zu einer Überforderung für das solidarische und produktive Zusammenleben von Menschen verschiedener Meinungen in einer pluralen Gesellschaft geworden.

Die Bundesrepublik Deutschland ist überfordert? ’Al-islām huwa al-hall’, der Islam ist die Lösung. Motto der Islamisten.

Die Hürde mit dem Kopftuch muss noch genommen werden, denn sie ist eine Prüfung für den Fortschritt in den Köpfen aller.

Kopftuchkritiker seien per se rückschrittlich, unreif, irgendwie etwas vormodern im Gehirn.

Noch ein paar Weisheiten von Frau Zeynelabidin, der zuerst in der DIE WELT erschienene Aufsatz trägt den Titel: “Gebt endlich die Köpfe frei!“[36]

Gebt endlich die Köpfe frei!

Emel kämpft für die Freiheit des Denkens. Ironie aus.

Verbote, wie das staatliche Kopftuchverbot an den Universitäten der Türkei, greifen in das Persönlichkeitsrecht ein und sind deshalb extrem, was wiederum neue Extreme erzeugt.

Du freiheitlich-demokratischer Extremist hast Probleme mit islamischem Terrorismus, hm? Einfach das Kopftuch zulassen, sonst knallt`s.

Heute wird das Kopftuch immer häufiger zweckentfremdet.

Das arme Kopftuch. Einfach zulassen. Nicht zweckentfremden, einfach haben. Überall Hidschab, Dschilbab, Tschador, Niqab. Sagt Emel.

Für viele Trägerinnen vermittelt es abgrenzende Gruppenzugehörigkeit als ein religiöses Symbol, das zu einem politischen Ausdruck von Widerstand gegen staatliche Bevormundung eingesetzt wird.

Ach, diese sittenstrengen Kopftuchträgerinnen haben diesen Charme des Gegenkulturellen, Widerborstigen, Aufmüpfigen. Spaß beiseite: Ich fühle mich durch die theofaschistische Scharia bevormundet. Und durch die Zwangsheiraten in meiner Straße, und durch den allgegenwärtigen hidschāb.

Versachlichung der Diskussion nötig

Billiger Trick. Werden Mun-Sekte, Scientology und NPD demnächst auf diese Floskel (“Versachlichung der Diskussion“) zurückgreifen?

Ich hoffe, dass nach Aufhebung dieses einschränkenden und einseitigen Verbots eine Entspannung zwischen Gegnern und Befürwortern eintreten wird, damit man beginnt, sich ernst zu nehmen, um ins sachliche Gespräch zu kommen.

Eine bemerkenswert listige Strategie des Untergrabens der öffentlichen Glaubwürdigkeit des Gegners, laut zu sagen: “Wir sollten einander ernst nehmen.“ Studiert man dazu Kommunikationsmanagement? Und das bei den heutigen Studiengebühren, der Trick steht doch im ’il principe’ des Macchiavelli?

Ich finde, dass Gesprächsverweigerung viel gefährlicher ist als das Tragen eines symbolträchtig gewordenen Kleidungsstücks.

Was für ein Funkensprühen verschachtelter Lügen! Flackernde islamische Rhetorik, ein knisterndes Feuerwerk an kitman und taqiyya! Wer nicht über das Kalifat verhandelt, ist in der Tat Gesprächsverweigerer, leider redet Dr. Schäuble immer weiter mit seiner islamistisch dominierten Tafelrunde namens Islamkonferenz. “Symbolträchtig geworden“ behauptet, die Schuld für jeden Kopftuchstreit liege bei den Gegnern von Tschador und Hidschāb. Sportlerin Emel ist besser geworden in der olympischen Disziplin des taqiyya, ich gebe die volle Punktzahl.

Wenn das Kopftuch mit Identitätsverständnis, moralischen Werten und anerzogener Scham verknüpft ist, dann kann man von dieser Frau nicht erwarten, dass sie das Kopftuch beziehungsweise ihre Verhüllung von heute auf morgen ablegt. Das Recht auf Bildung darf davon nicht berührt sein und muss für eine Frau immer uneingeschränkt bestehen bleiben.

Moment, wie lange ist das Kopftuch im türkischen Bildungsbereich auch für Schülerinnen und Studentinnen verboten? Zeit zur Eingewöhnung an dieses beschämende sich-nackig-Machen war ja wohl mehr als genug. Wo wir beim Thema sind, das kopftuchfreie Klassenzimmer auch für Schülerinnen wäre eine tolle Sache.

Spätestens jetzt, wo im Namen des Islam unverhältnismäßig um das Kopftuch gekämpft wird, sollte bewusst werden, dass das ursprünglich als unbedeutender Teil eines Volksglaubens geltende Tuch nun auf der politischen Bühne als Fahne gehisst wird. Warum wird diese Zweckentfremdung geduldet?

Sind schon frech, diese Muslimbrüder und Muftis.

Es sind diese Offenbarungsgründe, aber auch meine eigenen Erfahrungen, durch die ich erkannt habe, dass es sich bei der koranischen Verhüllungsempfehlung um eine praktische Maßnahme handelt, die heute wegen eines entwickelten Selbstverständnisses von Mann und Frau völlig überflüssig ist.

Wissenschaftlerin Zeynelabidin und die Sache mit dem Offenbarungskontext. Statt zu sagen: “In der arabischen Stammes-Politik vor 1.400 Jahren oder sogar in der Psyche des nachmaligen Propheten schien so etwas wie eine himmlische Autorität notwendig geworden zu sein, diese These oder jedenfalls dieser militante Herrschaftskult begann sich rasch und durchaus gewaltsam auszubreiten“ benutzt Zeynelabidin das Wort Offenbarung. Wortgläubige Kreationistin oder eher Intelligent Design?

Liest Zeynelabidin keine Fatwas[37]? Das Kopftuch ist aus Sicht der islamischen Geistlichkeit Vorschrift, die Frau darf zum Kopftuchtragen geprügelt werden[38]. Mein Verdacht: Die Dame will gar nicht den Großmufti von Sarajevo gegen das Kopftuch einstimmen, sondern die deutschen Nichtmuslime einwickeln und das märchenhafte Bild vom toleranten Islam pflegen. Gut für den (nicht von mir) erwünschten Türkeibeitritt.

Damals gab es eine einfache, praktische Notwendigkeit für diese Körperverhüllung: Frauen wurden von Männern belästigt, weil sie mit den Sklavinnen verwechselt wurden, und Männer brachten sich mit ihrer Vorliebe für weibliche Dekolletés in Verletzungsgefahr. Da die Menschen von damals sich nicht selber helfen konnten, musste sich Gott mit zwei Offenbarungen einschalten.

Das war ein feiner Zug von Allah, wir Männer hätten andernfalls weiterhin unbedacht Sklavinnen vergewaltigt und wären, von Brüsten gleichsam geblendet, gegen Wände gelaufen. Augenblick, einer von beiden hat jetzt die schwulen Männer vergessen, Emel oder Allāh? Ich bitte um eine Fatwā.

Nebenbei, Frau Zeynelabidin: Wollen sie die (glückselige?) Sklaverei des Zeitalters der Glückseligkeit, der “asr as-sa’adet“ wieder einführen?

Ich bin heute sehr dagegen, dass eine Gruppe von Menschen mit Äußerlichkeiten wie Kopftuch und Verhüllung bestimmen, was Religion und Religiosität und vor allem Anstand ist.

Brave Koranschülerin: Nicht eine Menschengruppe legt fest, Allāhgott legt fest. Ein Fleißkärtchen für Emel.

Deshalb finde ich es heute meistens sehr beschämend, dass der außenstehende Nichtmuslim das Kopftuch mit dem Islam in Verbindung setzt und meint, dass die Trägerin eines Kopftuchs religiöser sei als eine Frau ohne Kopftuch.

Wenn es denn so wäre: Bin ich daran schuld? Islam ist peinlich, mir wäre so manches in Schariatheorie, Fiqhrecht und Sunnapraxis auch peinlich. Psst, wir werden schon einen Schuldigen für solche Schande finden, die HAMAS setzt da ganz auf die Juden.

Islam ist in erster Linie keine Religion, sondern ein sexualpolitischer, territorialdominanter Kult. Islam ist religionspolitisch Antijudaismus, militärpolitisch Antisemitismus[39].

Der Satz von Frau Zeynelabidin ist aber völlig falsch, denn nicht der nichtmuslimische Außenstehende mobbt die muslimische Nichtkopftuchträgerin, die Kopftuchfrau zickt die Kopftuchverweigerin dreckig an: “Jedes Haar, was man sieht, verwandelt sich in der Hölle in eine Schlange“ und “Ätsch, ich komme ins Paradies, und du nicht“. Das Kopftuch mobbt!

Deshalb sollten Verbote schon aus politischen Gründen abgeschafft werden, (…)

Deshalb sollte Politik bereits aus politischen Gründen abgeschafft werden, (…)

Muslime und Nichtmuslime in Deutschland

Allah kennt verschiedenwertige Sorten Mensch. Die Dhimmitude als die kulturrassistische Geometrie des Kalifats[40].

Liebe Leserinnen und Leser, ich bitte Sie, jedes mal dazwischen zu fahren, wenn jemand beginnt, Schule, Krankenhaus, Firma, Stadtrat, Altenheim, Jugendheim oder Kindergarten in die schariatische Kaste der Nichtmuslime und die schariatische Kaste der Muslime aufzuteilen. Das Überleben der freiheitlich-demokratischen Gesellschaften Europas wird davon abhängen, diese Spaltung, aus der eine Rechtsspaltung folgen würde, zu verhindern. Mag mit Provokation, Kriminalität, Gewalt und Terror versucht werden, die Bevölkerung in ethnoreligiöse Kollektive zu segregieren, ist alles zu tun, um die islamische Apartheidsgesellschaft zu verhindern. Wenn Integration überhaupt ein Rolle spielen kann, dann diese.

Soweit die Analyse der Zitate der Emel Zeynelabidin.

Europas politische Scharia der Dynastien Erbakan und Ramadan betreibt ihre Kopftuchpolitik arbeitsteilig, differenziert. Hier eine Klägerin vor dem Bundesverfassungsgericht, da eine Pressebeauftragte zum Kopftuchbeschwichtigen und Kopftuchverharmlosen. Fereshta und Emel arbeiteten ja womöglich völlig gleichartig motiviert und sorgsam abgesprochen. Die fromme kopftuchtragende Märtyrerin vor dem Verfassungsgericht im Gleichschritt mit Emels haarigem Dschihad[41], beide kämpfen für das Kopftuch. Treibjagd in Kette, von beiden Seiten angreifen. Der offenen Absichtserklärung ’pro Hidschāb im Schuldienst’ einer mehrjährigen Klage durch alle Instanzen, für die Frau Ludin auserkoren und vorgeschickt wurde, eine Kulisse des fernsehtauglichen kopftuchlosen Lächelns gegenüber stellend. In der Person der Emel ohne Kopftuch in Schrift und Vortrag den Nebel des auch tawriyya genannten īhām werfen und jede Gruppenbildung islamkritisch-säkularer Gegnerschaft erodieren und spalten (fitna), dabei Hand in Hand mit den Parteigängern der Scharia die Deutschen darauf hin trimmen, worum es geht: Auf „pro Kopftuch“.

“Und Allah ist der größte Ränkeschmied“, ermuntert der Koran seine irdischen Statthalter in Sure 3:54 und 8:30.

Man belüge uns Gutmenschen weiter, man nehme uns das Zückerchen ’Islam heißt Toleranz’ nicht, von dem wir in Kirche, Wohlfahrtsverband, Jugendamt und Innenministerium mittlerweile längst so abhängig geworden sind wie der Drogensüchtige von seinem ’Stoff’. Wo wir Multikulturalisten oder Gutmenschen doch so gerne an das Märchen vom abgelegten Kopftuch der Tochter eines Muslimbruders und Milli-Görüş-Gründers glauben möchten.

Abgemacht: Wir huldigen den radikalislamischen Kopftuchablegerinnen und erzählen in Stadthallen, Gemeindezentren und Universitäten öffentlich etwas von kultureller Vielfalt. Jaja, die Emel bekommt den Preis ’Das unerschrockene Wort’ der fünfzehn Luther-Städte verliehen. Im Gegenzug gestatten wir Nichtmuslime euch Muslimen, ethnoreligiös segregierte Gemeinwesen der halbierten Grundrechte auszubauen, wie es Scharia-Dogmatik, Sunna-Zwangshandeln und Fiqh-Jurisprudenz voraussetzen. Das Ganze, Dr. Wolfgang Schäuble stimmt uns ja vielleicht zu, lassen wir dann unter Grundgesetz Artikel 4 (2) laufen, ungestörte Religionsfreiheit.

Die edle Apartheid der lichtgleichen islamischen Gesellschaftsordnung (zunächst) für alle Muslime im barbarischen Europa aufzurichten erfordert halt einigen Einsatz (dschihād).

Yūsuf al-Qaradāwi[42] kann als höchste spirituelle Autorität des sunnitischen Islam gelten und ist damit, sehr geehrte Frau Zeynelabidin, Ihre absolut verbindliche irdische Rechtleitung in Sachen Scharī’a und Fatwā. Er hält das Bedecken des weiblichen Körpers bis auf Hände und Gesicht für fard[43], verpflichtend, doch erlaubt er der muslimischen Frau durchaus, das Kopftuch abzunehmen und mit vulgär nacktem Haupthaar die Öffentlichkeit des heiligen Männerrechts zu betreten. Wenn auch nur in einem einzigen Fall.

Beim Ausführen einer Märtyreroperation[44].

Jacques Auvergne


096. Kinderkopftuch ist Kinderrechtsverletzung

2. Februar 2009

Kinderkopftuch ist Kinderrechtsverletzung

Ein Redetext der Podiumsdiskussion vom 30. Januar 2009, gehalten in Raum 3E, Philosophische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Von Gabi Schmidt, Sozialpädagogin in der Sprachförderung

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler,

heute möchte ich über das Thema ’Kopftuchfreie Schulen – auch für Schülerinnen’ referieren und folgende Überlegungen vorausschicken:

Auch die BRD ist als säkularer Staat[1] verpflichtet, den politischen, religiösen und weltanschaulichen Frieden in Schulen zu gewährleisten. Das Tragen eines Kopftuches an staatlichen Schulen und bei Schulveranstaltungen ist Lehrerinnen auch deshalb in vielen Bundesländern nicht gestattet. Das Lehrerinnenkopftuch ist nach Auffassung vieler Richter dazu geeignet, junge Menschen in einer staatlichen Schule einer möglichen politischen und religiösen Beeinflussung auszusetzen. Es gefährdet die kollegiale Zusammenarbeit der Pädagoginnen und Pädagogen. Das betrifft insbesondere die Proklamation und Repräsentation eines frauen- wie männerfeindlichen Menschenbildes, das mit den in der Verfassung garantierten Grundrechten (insbesondere 1 – 6) und dem Übereinkommen der UN‑Kinderrechtskonvention, da vor allem Art. 14 negative Religionsfreiheit, nicht vereinbar ist[2].

Auch die negative Religionsfreiheit hat in unserem freiheitlich demokratischen Rechtsstaat Verfassungsrang. 1988 untersagte das Bundesverwaltungsgericht deshalb einem Lehrer in der roten Bhagwan-Kutte zu unterrichten, weil Art. 4 Absatz 1 und 2 GG nicht schrankenlos gewährt ist, sondern insbesondere dort seine Grenzen findet, wo seine Ausübung auf die kollidierende negative Religionsfreiheit der Schüler oder ihrer Eltern trifft[3]. Soll der Schulfrieden für Lehrende und für Lernende garantiert werden können, reicht es jedoch nicht, wenn der Staat, um Schülerinnen und Schüler zu schützen, die Religionsfreiheit von Lehrerinnen und Lehrern beschränkt, die als Beamtinnen und Beamte in einem besonderen Dienstverhältnis stehen und daher einen solchen Eingriff in ihre religiöse, politische und weltanschauliche Orientierung dulden müssen. Mädchen und Jungen sind in einer Klassengemeinschaft unabhängig von Geschlecht, Religion oder Nichtreligion auch dem Erscheinungsbild ihrer verschleierten Klassenkameradinnen ausgesetzt. Sie können sich einer möglichen Wirkung und Beeinflussung durch das ’Schamtuch’[4] (Feridun Zaimoğlu) ebenso wenig entziehen, wie sie dem Eindruck eines Lehrerinnenkopftuchs ausweichen können. Der Staat als Garant[5] der Neutralitätspflicht an öffentlichen Bildungseinrichtungen hat somit die in der Urteilsbegründung des Bundesverwaltungsgerichts besonders hervorgehobene ‚negative Religionsfreiheit für Schülerinnen und deren Eltern’ durchzusetzen, notfalls gegen den Willen einiger Eltern.

Die Verfassung ist ein kohärentes Gefüge, alle Artikel sind aufeinander bezogen. Jedes Grundrecht steckt einen gewissen Rahmen ab, in dem ein Rechtsgut geschützt ist. Dieser Schutz endet genau an dem Berührungspunkt, wo Grundrechte anderer eingeschränkt werden. Das Erziehungsrecht muslimischer Eltern, auch wenn sie als Privatpersonen nicht dem Beamtenrecht unterworfen sind, stößt in staatlichen, der weltanschaulichen und religiösen Neutralität verpflichteten Schulen auf Grenzen. Eltern anderer Religionen oder säkular-muslimische Eltern, Ex-Muslime und atheistisch Denkende, die ihre Töchter und Söhne in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung erziehen und unterrichten lassen wollen und sie deshalb an einer öffentlichen Schule anmelden, haben das Recht, sich darauf verlassen zu können, dass ihre Kinder während des Aufenthalts in der Schule und bei Schulveranstaltungen keiner weltanschaulichen Propaganda oder politischen Beeinflussung ausgesetzt sind.

In freiheitlichen Demokratien hat jeder Mensch das Recht auf eine von ihm selbst auf seine Person maßgeschneiderte Biographie. Junge Menschen sind auf Grund ihrer noch nicht abgeschlossenen, individuellen Persönlichkeitsentwicklung in ihrer seelischen, körperlichen und geistigen Entwicklung naturgemäß beeinflussbar und verletzlich. Schülerinnen und Schüler sind daher beispielsweise vor jeglichem religiösen, weltanschaulichen und politischen Fundamentalismus besonders zu schützen. Das Kinderkopftuch, das neuerdings sogar in Grundschulen immer häufiger zu sehen ist, steht für einen besonders fundamentalistischen Polit-Islam, der wegen seiner geschlechtsspezifischen Sozialisations- und Erziehungsprinzipien vor allem kleine Mädchen eine ihrer ganzheitlichen, individuellen Entwicklung förderliche, unbeschwerte Kindheit vorenthält. Sie werden dazu missbraucht, für hierarchische Weltbilder Reklame zu laufen, die gegen den Gleichheitsgrundsatz von Art. 3 GG verstoßen und patriarchalisches Rollenverhalten sowie Gender-Apartheid einfordern. Frauenrechtlerinnen wie Alice Schwarzer, Seyran Ateş, Serap Çileli, Mina Ahadi und Fatma Bläser sehen das ähnlich. Die Vorsitzende des Zentralrats der Ex‑Muslime sieht im Kinderkopftuch eine Kinderrechtsverletzung, die Europaabgeordnete Dr. Renate Sommer hält den Kinderhijab für Kindesmisshandlung. Bleibt das Schülerinnenkopftuch, haben ‚rechtgläubige’ junge Menschen keinen Freiraum, islamischer Indoktrination zu entgehen.

Das im neuen Schulgesetz von NRW verankerte Eigenprofil ermöglicht Schulleitern in diesem Bundesland ausdrücklich, Unterricht, Erziehung und Schulleben in eigener Verantwortung zu regeln und zu gestalten. Sie sollen auf der Grundlage ihres Bildungsauftrages besondere Schwerpunkte, Ziele und Organisationsformen im Schulprogramm festschreiben, diese Kriterien regelmäßig überprüfen und nötigenfalls nachbessern. Die Schulaufsichtsbehörden haben dabei beratende Funktion, Rahmenbedingungen sind die geltenden Gesetze. In einer Petition wandten wir uns daher an den Landtag NRW, um eben auch die kopftuchfreie Schule als schulgesetzlich immanentes Eigenprofil explizit zu ermöglichen.

Als Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen fühlen wir uns dem Menschenbild des Humanismus und den Werten und Normen der Aufklärung verpflichtet und unterstützen die Initiative der kritischen Islamkonferenz ’Aufklären statt Verschleiern’ und setzen uns für ‚Kopftuchfreie Schulen – auch für Schülerinnen’ ein. In unseren Gruppenräumen legen wir Wert auf praktische, neutrale Kleidung, die niemanden ausgrenzt. Kopfbedeckungen aller Art hängen unsere Kinder und Jugendlichen vor dem Betreten der Gruppenräume am Garderobenhaken auf. Während des Unterrichts ist kopftuchfrei.

Auch wir setzen uns für gänzlich kopftuchfreie, koedukative Kindergärten und Schulen ein, in denen sich nicht nur Erzieherinnen und Lehrerinnen, sondern auch die Mädchen unverschleiert frei bewegen dürfen (französisches Modell). Für Kleinkinder wie auch für Schülerinnen und ihre männlichen Klassenkameraden (unabhängig von einer Religion oder Nichtreligion) wären diese Einrichtungen Schutzräume und ideale Lern- und Experimentierfelder des Erarbeitens von Gender-Rollen und Handlungsspielräumen, die gerade den Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden aus konservativen Familien mit muslimischem Migrationshintergrund sowie zum Islam konvertierten autochthonen Eltern ansonsten gänzlich fehlen würden.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler,

Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frau und Mann, Mädchen und Junge sind gerade auch unabhängig von der Ethnie oder Religion der Eltern ein wesentliches Gut im freiheitlich demokratischen Rechtsstaat. Gemeinsam mit den anderen in der Verfassung garantierten Grundrechten bilden sie die Rahmenbedingungen und Qualitätskriterien für eine gelingende Eingliederung ins Berufsleben, für die Integration in und die Teilhabe an der Gesellschaft.

Allerdings beginnt ein weltweit erstarkender Fundamentalismus, antidarwinistischer Kreationismus und vormoderner Patriarchalismus Freiheitsrechte legalistisch auszuhebeln, frauenpolitische und wissenschaftliche Standards auszuhöhlen sowie persönliche Entwicklungschancen einzuschränken. Während die großen Kirchen weiterhin Mitglieder verlieren, erfreuen sich evangelikale Freikirchen wachsenden Zulaufs. Der Niederländer Jan Siebelink beschreibt in seinem 2007 erschienenen, teilweise autobiographischen Roman ’Im Garten des Vaters’ wie religiöser Fundamentalismus individuelle Freiheit, Selbstbestimmung und hedonistische Lebenslust rigide einschränkt. Der ’Atlas der Schöpfung’, welcher Kölner Biologie- und Philosophielehrerinnen und ‑lehrern kostenlos als Werbegeschenk zugestellt wurde, zeigt, mit wie viel Aufwand Kreationistinnen und Kreationisten versuchen, für ihre Lehre zu werben. (TimeTurk nach: Kölner Stadtanzeiger, Helmut Frangenberg 2007). Die steigende Anzahl der immer jünger werdenden Kopftuchträgerinnen sowie der zunehmend streng verhüllten Mädchen und Frauen sind weitere Hinweise rückwärtsgewandter Einstellungen und Denkmuster einer religiösen Radikalisierung, einer frauen- und integrationsfeindlichen Gegenmoderne.

Hijab, Niqab, Tschador und Burka gelten unabhängig von Religion, Weltanschauung, Geschlecht, Nationalität und Ethnie einem repräsentativen Teil der Bevölkerung als Symbole für Gender-Apartheid und Unterdrückung von Frauen und Mädchen. Verschleierte Mädchen und Frauen sollen von weitem als praktizierende Muslima erkannt werden. Die Verhüllung, die nicht zu übersehen ist, stempelt sie unmissverständlich als ’der umma, der Weltgemeinschaft der Muslime. zugehörig’ ab. Das Verschleierungsgebot im öffentlichen Raum soll ‚reine’, Allah wohlgefällige Töchter von weitem kenntlich machen und sie von mit Sünde besudelten, für die Hölle bestimmten barhäuptigen Glaubensschwestern abgrenzen. Diese Mädchen und Frauen erscheinen im Straßenbild eben nicht als Düsseldorferin, Kölnerin, Kollegin, Schwester, Tochter, Mutter oder einfach Sevim, sie sind in erster Linie Muslima und damit zumindest für Frauenrechtlerinnen und Frauenrechtler Objekt des männlichen Herrschaftsrechts[6].

Musliminnen und Muslime sind Koran, Sunna und Scharia unterworfen und ausgeliefert. Weder das muslimische Individuum noch das islamische Kollektiv haben die Freiheit, sich diesen Vorschriften zu entziehen. Nach fundamentalistischer Auffassung betreiben alle, die den Koran und die Pflichtenlehre historisch-kritisch interpretieren, bid’a (Neuerung) oder gar Verrat an der Religion. Wer es wagt, mit seinem Verhalten aus der Reihe zu tanzen, gar abzuschwören oder Abweichler zu unterstützen, wird aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und droht Opfer psychischer oder lebensbedrohlicher körperlicher Gewalt zu werden. Muslimas sind vom schariatischen Verhaltenskodex und der sozialen Kontrolle der Sunna besonders eingeengt. Konservativ erzogene Mädchen und Frauen müssen dem sexualisierten und dämonisierten Frauenbild entsprechend mindestens die Haarpracht so verstecken, dass keine Strähne sichtbar ist. So soll die angeblich angeborene, mit der weiblichen Natur verschmolzene verführerische, verruchte Wesensart, die gute Sitten und Anstand gefährde, abgeschirmt werden. Nur eine an Koran und Sunna orientierte Frauenkleidung vermeide Fitna, Zwietracht und Zwiespalt. Unter dem Dogma der Freiwilligkeit (Es gibt keinen Zwang im Glauben, Koran 2:256, wer sich dennoch gegängelt fühlt, glaubt eben nicht stark genug) muss das Individuum Strategien entwickeln, sich das Unterworfen-Sein schönzulügen. Die Zahl der ihr Kopftuch ‚freiwillig’ tragenden Mädchen und Frauen darf uns nicht verwundern, denn der Hijab ist die Eintrittskarte in den Club der Alpha-Mädchen, zu deren zwingend notwendigem Verhaltensrepertoire die Verachtung und der heilige Ekel gegenüber allen nichtislamischen Lebensweisen gehört. Mit dem Kopftuch mobben für Allah, gottgefälliges Mobbing.

Von klein auf wird jedem Menschen in konservativen muslimischen Familien und in allen Koranschulen mit geradezu militärischem Drill panische Angst vor der Hölle antrainiert. So wird das Kopftuch attraktiv, zumal nach islamischer Glaubenslehre das für Frauen und Mädchen prinzipiell nur schwer zugängige Paradies bei züchtiger Bedeckung in greifbarere Nähe rücke. Kein Kind käme von selbst auf die Idee ein Kopftuch aus religiösen Gründen zu tragen. Daher wird in vielen Clans mit enormer Energie dieses äußerlich überdeutlich sichtbare Kennzeichen der religiösen Selbstaufwertung initiiert und zementiert, um im Gegenzug Menschen in Gruppen verschiedener Minderwertigkeit einzuteilen und dabei pauschal zu stigmatisieren.

Zu bedenken ist die Rolle der Eltern, speziell der Mutter, die ihren Töchtern das ‚Schamtuch’ erfolgreich anzutrainieren versucht. Sie steht unter starkem Erfolgsdruck der Großfamilie, da es zum Selbstverständnis und ausdrücklichen Auftrag muslimischer Frauen gehört, Normen und Werte zu tradieren. Sie wird sich aller erdenklichen Tricks bedienen, die islamische Bedeckung durchzusetzen, notfalls Gewalt anwenden. „Wer seine Tochter nicht schlägt, schlägt sein Knie.“ Wer seine Tochter nicht bei jedem Regelverstoß verprügelt, wird sich später schwere Vorwürfe machen. So lautet ein türkisches Sprichwort.

Mit Erreichen der Menarche gelten muslimische Mädchen als reife Frau, die ihre Scham spätestens jetzt zu bedecken haben, um die Ehre der Familie nicht zu gefährden. Das kann bei Südländerinnen, zumal wenn sie übergewichtig sind, schon mal mit neun oder zehn Jahren sein. Das Kopftuchgebot diskreditiert daher nach fundamentalistischer Denkweise bereits kleine Mädchen als Verführerinnen, wertet sie ab zum bloßen Sexualobjekt.

Schon wenige ‚Schamtücher’ im Klassenraum reichen aus, um einen unbefangenen Umgang der Schülerinnen und Schüler miteinander, gerade über ethno-religiöse Grenzen hinweg, zu verhindern. Auf die säkular erzogenen muslimischen Klassenkameradinnen, die ihre Haare offen tragen, wird hoher Anpassungsdruck ausgeübt, weil sie ‚ihre Religion beleidigen’ und ‚ihren Eltern Schande’ bereiten würden. Dem gemeinsamen Druck von Koranschule, Clan wie auch Mitschülerinnen und Mitschülern halten elf- und zwölfjährige Teenager selten Stand und entscheiden dann‚ ‚ganz aus sich heraus’, ‚freiwillig’ künftig Hijab zu tragen. Freiheit ist jedoch das Recht, ohne Zwang, Angst vor Bestrafung oder Ausgrenzung und ohne Bevormundung zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten wählen zu können. Wer das Kopftuch öffentlich trägt, muss es ohne Bedenken auch in der Öffentlichkeit wieder ausziehen können, um es, je nach Befinden, einfach wieder umzubinden.

Die männlichen muslimischen Klassenkameraden übernehmen in der Klassengemeinschaft die von klein auf anerzogene Rolle des Sittenwächters und üben permanente Kontrolle über die ‚rechtgläubigen’ verschleierten und unverschleierten Mädchen aus. Kuffar-Mädchen sind in den Augen orthodoxer muslimischer Jungen und Männer Schlampen, die kein guter Moslem jemals heiraten würde. Kein verschleiertes Mädchen wird sich freiwillig neben einen Klassenkameraden setzen, ganz unabhängig davon, ob er muslimisch ist oder nicht. Der ‚ungläubigen, sündigen Lehrerin’ brauchen nach dem Verhaltensdogma von Sunna und Scharia auch muslimische Eltern keinen Respekt entgegen zu bringen. Der Klassenfrieden, das Lernklima und die Kommunikation sind auf Dauer gestört.

Hatice, die sich züchtig verhüllt, will dann plötzlich nicht mehr neben ihrer ehemals besten Freundin Lena sitzen, weil diese unrein und der Kontakt mit Andersgläubigen oder Atheistinnen und Atheisten haram sei. Bei einer Honorartätigkeit während des Studiums kam eine meiner türkischen Nachhilfeschülerinnen, die mich wohl mochte, in einen Gewissenskonflikt, weil sie nicht wollte, dass ich als geschiedene Frau in der Hölle schmore. Sie schlug mir daher vor, ihren kürzlich verwitweten Onkel zu heiraten. Das Mädchen war neun Jahre alt, ihm musste vollkommen klar sein, dass ich diesen Mann noch nie gesehen hatte. Das Kopftuch ist der Stoff gewordene Ausweis der Unterwerfung und des Gehorsams. Es ist das Indiz und das Symbol für das Verbot, kritisch zu reflektieren, in Frage zu stellen, anzuzweifeln und gegebenenfalls couragiert widersprechen zu dürfen. Wie eine mnemotechnische Stütze erinnert es die Trägerin daran, die islamische Pflichtenlehre einzuhalten. Nimmt nach den Sommerferien die Zahl der Kopftücher zu, häufen sich üblicherweise auch die Abmeldungen vom Schwimm- und Sexualkundeunterricht, viele Schülerinnen dürfen nicht mehr an Klassenfahrten teilnehmen (s. FN 2 ).

Ein wichtiges Ziel jeder pädagogischen Arbeit ist die Förderung, Erziehung und Bildung der uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler. Sie sollen befähigt werden, mutig ihren eigenen Verstand nutzen, um ein eigenes, differenziertes Verständnis von der Kultur der Menschheit und der biologischen und physikalischen Natur der Welt zu entwickeln. Mädchen wie Jungen sollen zu demokratischen Persönlichkeiten heranwachsen, die ihre Grundrechte kennen und jedem Fundamentalismus gegenüber immun sind, die sich selbstbewusst einmischen und kritisch Stellung nehmen. Wir wollen dazu beitragen, dass sie das Rüstzeug haben, sich in einem ihren Neigungen, Fähigkeiten und Wünschen entsprechenden Berufs- und Privatleben verwirklichen zu können. Gänzlich kopftuchfreie Kindergärten und Schulen würden unsere Arbeit in idealer Weise unterstützen.

Gabi Schmidt



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