022. Islamkritisches Lied: Für Hatun Sürücü

By Cees

022

Der Pfahl der Scharia

Hatun

1.

Hatun, die wollte es wagen

nach Freiheit stand ihr der Sinn

wollte kein Kopftuch mehr tragen

Lebenslust war ihr Gewinn.

Siehst du Pfahl der Scharia,

mit unsern Fesseln umschnürt?!

brechen wir jede Taqiyya:

ran an ihn – dass er sich rührt!

Du kommst zu mir – ich helfe dir!

Wir spüren Leid bei ihm und ihr.

Nur für ein selbst bestimmtes Leben

lohnt sich der Kampf. Das wissen wir.

Der Ruf nach Freiheit nie verhallt,

er bringt zusammen Jung und Alt.

Zukunft sich selber aufzubauen,

nicht irgendwann, vielmehr schon bald.

2.

Hatun war sechzehn. Die Eltern

fanden für sie einen Mann,

zwangen sie auch zu der Heirat

weit weg, in Nord-Kurdistan.

Und von dem Mann ward sie schwanger,

sah ihre Träume entflieh`n.

Sie floh die kurdischen Berge,

sie floh zurück nach Berlin.

Sie löste mutig ihr Kopftuch,

nahm Zuflucht im Frauenhaus,

suchte sich selber die Freunde,

da blieb die Drohung nicht aus.

Sie ging im Handwerk zur Lehre

stolz war sie auf`s eig`ne Geld.

Da sprach der Rat der Familie:

Nun sind Pistolen bestellt.

Refr. (leise)

Du kommst zu mir – ich helfe dir!

3

Februar war es, der siebte,

drei Mal der Schuss wiederhallt:

erst dreiundzwanzig, das war sie,

ihr Kind erst fünf Jahre alt.

Wer hielt die tödliche Waffe?

Wen soll bestrafen der Staat?

Drei ihrer Brüder verhaftet,

Einer gestand jene Tat.

Hatuns Tod, der muss dir sagen:

Geh keinen Meter zurück!

Nicht erst die Männerwelt fragen!

Zögern bricht dir das Genick.

Mögen sie zetern von “Schande!“,

kreischen “Ayip!“ schrill und laut.

Brich starrer Tradition Bande:

frei ist nur, wer sich vertraut.

Refr. (laut)

Du kommst zu mir – ich helfe dir!

Text 2007 von gruppe pik. Für Hatun Sürücü, die 2005 erschossen wurde. Gesungen wird dieses Lied auf die eingängige Melodie des antifaschistischen Liedes “L`estaca“ des katalanischen Komponisten Lluís Llach

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3 Antworten zu “022. Islamkritisches Lied: Für Hatun Sürücü”

  1. schariagegner sagt:

    Hallo Cees!

    Die katalanische Melodie zu Lluis Llach
    wird in menschenrechtsorientierten und
    frauenrechtsorientierten Kreisen selbst
    in Afghanistan wertgeschätzt, nicht
    anders als in der Eifel.

    http://www.rawa.org/cd12.htm
    Unter Lied 9: “arise!”

    Gefunden bei RAWA
    http://www.rawa.us/

    In Jugendbewegung und Pfadfindertum hat sich
    eine deutschsprachige geniale Übersetzung der
    beiden pfälzischen Zwillingsbrüder, Hunsrücker / Waldecker
    und Liedermacher Hein und Oss Kröher verbreitet:
    “Sonnig begann es zu tagen”
    http://angerweit.tikon.ch/lieder/liedermacher/pfahl.mid

    Mit gutem Gruß
    Ümmühan Karagözlü
    http://schariagegner.wordpress.com/

  2. Jan sagt:

    Danke für den Comment,

    interressantes Lied, das mit dem eigenwilligen Singstil stimmt schon,
    aber so ist es doch immer, z.B. auch wenn man irgendwo anders hinkommt
    und zusammen mit anderen dtschen. Pfadfindern Lieder singt
    tauchen doch immer wieder Unterschiede auf.

    Das kommt ja wahrscheinlich daher,
    dass die Lieder fast alle mündlich überliefert sind.

  3. Cees sagt:

    Hallo Jan, Gut Pfad,

    du triffst den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf,
    inzwischen singt mein eigener ‘alter’ Stamm, nach
    Kontakten mit Gruppen aus anderen Teilen der BRD
    manche Lieder völlig anders (ich vermeide nun mit
    etwas Mühe das Wort ‘falsch’, hihi), als wir es taten,
    auch wenn meine Gruppenleiter die Sachen noch
    bei Rogoll oder Helwig persönlich hörten (also
    ‘richtig’, höhöhö). Tja, so ist das mit dem Volkslied …
    allzu ‘maschinell’ wäre ja auch nicht lebendig.

    Andererseits: Raffiniertes Wechseln in Be- und
    Entschleunigen, d.h. Tempo-Wechsel (mir ein Gräuel)
    inerhalb einer Strophe oder gar Zeile, das ‘hängt’
    das Publikum etwas ‘ab’. Und die Kröher-Zwillinge
    sind eingespielt wie zwei Kajak-Wildwasserfahrer,
    Schwarzzeltvölker hätten`s gern etwas simpler.

    Aufregend ‘neu’ ist es, uralte Aufnahmen vom
    Hamburger Singewettstreit zu hören oder aus
    Arnsburg, Petterweil oder Ottenstein … und
    Elfjährige singen fix und frech, 25jährige
    angemessen würdevoll (so eine These).

    Hauptsache es wird überhaupt gesungen!

    Zu DER PFAHL / Sonnig begannn es zu tagen:

    “Die katalanische Melodie zu Lluis Llach
    wird in menschenrechtsorientierten und
    frauenrechtsorientierten Kreisen selbst
    in Afghanistan wertgeschätzt, nicht
    anders als in der Eifel.” Mit diesen Worten
    teilte mir eine türkische Menschenrechtsaktivistin
    mit, dass sie das Lied von afghanischen Frauen
    gehört hatte: (man muss dort unter Nr. 9 suchen)
    http://www.rawa.org/cd12.htm
    Unter Lied 9: “arise!”
    Gefunden bei RAWA
    http://www.rawa.us/ aktiv v.a. zu
    Bildungsarbeit / Mädchenschulen:
    http://www.rawa.org/policy_de.htm

    Das Lied ist von den Pyrenäen bis zum
    Gebirge Hindukusch gewandert. Umwerfend!

    Jetzt müsste man mal Katalanen fragen, wie
    dort der zwar antifaschistisch-revolutionäre aber
    auch mediterran-folkloristische ’spirit’, das ‘feeling’,
    die Weise des Singens von “L`estaca” ‘färbt’.

    L`ESTACA – Der Pfahl:
    Einerseits zeitbedingt, immer neu zu entdecken/finden,
    andererseits ‘evergreen’, zeitlos, unsterblich.

    Ein großes Lied.

    Und Ehre sei Hein & Oss!
    Allzeit bereit,
    -cees-

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